OCR Interpretation


Der Deutsche beobachter. [volume] (New Philadelphia, Ohio) 1869-1911, September 12, 1894, Image 2

Image and text provided by Ohio History Connection, Columbus, OH

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn86063815/1894-09-12/ed-1/seq-2/

What is OCR?


Thumbnail for

vh^ v*
», ,%
Unter uns grauet.
Vnv kein» klug» jtdM*
In einer Gesellschaft hörte ich kurz
.Aich von einem jungen Manne die An
Ficht äußern: „Um Gotteswillen nur
leine kluge Frau, sie wird nie für einen
Mann anziehend sein!" Viele, ja wahr
jfchetnlich alle fein gebildeten jungen
Damen dürften jenen sonderbaren
$infaltëpinfei dafür ihrerseits mit
iticffter Verachtung bestrafen, und es
«ls untrügliches Zeicher. seiner eigenen
Unbildung betrachten, wenn ein Mann
Heute noch der antidiluvianischen An
Kchauung huldigen könne, daß eine be
schränkte Frau als Lebensgefährtin der
Augen vorzuziehen sei. Und doch kann
ich unseren mit reichen Kenntnissen
ausgestatteten Heirathskandidatinnen
die Versicherung geben, daß jener
Jüngling mit seiner klar ausgespro
chenen Antipathie gegen kluge Frauen
durchaus nicht vereinzelt dasteht, son
tern daß er vielmehr selbst unter den
Männern unseres übermäßig kultur
beleckten neunzehnten Jahrhunderts
gar zahlreiche treue Gesinnungsgenos
Jen auszuweisen hat.
Worin diese Erscheinung ihre Be
Gründung findet, wieso der eigen
thümliche Abscheu vor den allzuklugen
JFrauen bei der Männerwelt entstanden
Lein mag, das können wir nicht mit
Bestimmtheit angeben, aber vielleicht
errathen. Wenn der Mann zur Wahl
feiner Lebensgefährtin schreitet, so
treten dabei hauptsächlich die prakti
fchen Lebensfragen in den Vorder
grund, und die persönlichen Wünsche
des Mannes kommen mehr in Betracht
fc «ls bei der Frau, welche fast aus
schließlich von ihrer idealen Gemüths-
Hvelt beeinflußt wird. Der Mann
s verwartet
also, daß ihm die Freu nicht
ttur eine liebende Gattin, sondern ein
«efügiger, selbstloser Lebens-Gesell
ßchafier fei, daß sie nicht nur seinem
Muse als liebendes Haupt vorstehe,
.^/lonbent sich aucki als emsige, rührige,
tüchtige Arbeitskraft bethätige, daß sie
tiichi nur als hübscher, leuchtender und
erwärmender Stern am ehelichen Hirn-
Snel glänze, sondern sich auch als spar
same, praktische, gesandte Haushälte
rin bewähre, daß sie nicht nur selbst
gesund an Körper und Seele ist, son
ibern auch im Stande sei, physisch und
moralisch gesunde Kinder in die Welt
jju setzen.
Die Herren haben mm von früher
fugend an gehört ober gelesen, wenn
Dielleicht auch gar nicht selbst erfahren,
fcaß diejenigen Frauen, welche ihrer
Weiblichkeit zum Hohne die Redner
übühne besteigen und „Freiheit und
Gleichheit" predigen, die an Universi
täten studiren und emancipirten Se
Zbensanschauungen huldigen, die sich
tnit Schriftstellerei und und ähnlichen
gemeingefährlichen Schwarzkünsten be
lassen, ja selbst solche, die als Aerzte,
Buchhalterin oder Lehrerin mehr dem
öffentlichen Leben angehören, kurz all'
Jene, welche einen gewissen Grad von
geistiger Selbstständigkeit erlangt und
iuf eigenen Füßen zu stehen gelernt
Haben, hierdurch unfehlbar die echte
Weiblichkeit und die wahre Qualifika
âiort zum ehelichen Berus einbüßen
Inüssen. Ein gewisses unheimliches
brauen ersaßt die sonst so muthigen
Herren der Schöpfung in der Nähe
solch' gebildeter,, superkluger Frauen,
und tie weichen den gelahrten Blcm
ftriimpfcn consequent aus, vielleicht
«ms ererbtem Vorurtheil, vielleicht aber
euch gequält von der Besorgnis}, den
Hochweisen Dämchen nicht genugsam
impDniren zu können.
Hauptsächlich ergehen die besorgten
Männer sich aber in vergleichenden Be
trachtungen darüber, daß die Begriffe
von wahrer ehelicher Liebe und Frei
heit und Gleichheit, von selbstloser Un
Verordnung und selbstständigem Wis
fen, don traaneipirier Lebensführung
lind häuslicher Zurückgezogenheit, von
Cecirmesser und Kochlöffel, von Bü
chern und Stopfnadeln, von nervöser
lleberreipmg und strammer Gesund
teit, niemals eine innige Verschmel
zung mit einander denkbar erscheinen
lassen.
Und schließlich sind fast alle Ehekan
Sibat innen darüber einig, daß keine in
Politik, Emancipation, Journalis
mus, Medicin, Arithmetik oder Päda
gogik arbeitende Frauensperson jemals
«mch eine liebende, fügsame, anspruchs
lost, tüchtige, fleißige, sparsame, prak
tische und gesunde Hausfrau, Gattin
lind Mattet werden könne.
Zur erfolgreichen Bekämpfung die«
fer Vorurtheile bleiben der klugenFrau
«sr zwei Wege offen.
Der erste ist, den Herren klar zu be
totifen, daß weder Emancipation, noch
Studium, noch Bildung den echten
weiblichen Sinn zu vernichten im
Stande sind, sondern daß alle drei nur
den Geist führten, ohne das Herz zu
todten, daß d« Ausbildung für irgend
einen ernsten Erwerb, doch nicht für
den Beruf des Weibes untauglich
macht, daß als» die Furcht vor den
Hilgen Frauen eine ganz unbegründete
ist
Der zweite und letzte Weg wzre, die
zweifelnde Männerwelt den unklugen
beschränktem Weifclein großmüthig zu
überlassen und ruhig abzuwarten, bis
die Herren vielleicht durch Schaden
Lug geworden sind.
Durch die Blume. Sbe (in
der Zeitung lesend): Schon wieder
•mal ein Mädchen beim Fensterputzen
Abgestürzt. Er (seufzend): Ja, ja,
die verdammte Putzsucht hat schon
»tele Opfer gefordert.
N o e s s e A i n e n S i e
«icht, daß Fräulein Lehmann ein rei
zendes Lächeln und wundervolle Zähne
^at? 58.: O, ihr Lächeln ist nicht übel,
afeet was ihre Zähne anbetrifft, da
mSèéen Sie erst mal ihr anderes Ge
KU Zehen, daS ist noch viel fogtsi i
A
„i*
1
V
*3 l''f
'Pie fie fein foU^
j^unoreske von A. Sven«»
Otto èetm ging schon seit ^ahr und
Tag auf Freiersfüßen. Er war wohl
habend, unabhängig, hatte ein gefälli
ges Aeußere und verbindliches Wesen.
Er war der ersehnte Schwiegersohn
aller mit Töchtern' gesegneten Mütter,
und die guten Damen konnten es gar
nicht begreifen, daß er sich von ihnen
so ferne hielt und nicht um ihre Gunst
warb. Sie wußten ja Alle, daß er
heirathen wollte so etwas spricht
sich rasch herum, weshalb also schlug
er nicht den Heirath erforderlichen
Weg ein?
Die Erbitterung der Mütter wuchs
mit jedem Tage und manches Töchter
chen meinte schmollend:
„Ich bin überzeugt, wenn Mama
nicht wäre, Herr (Selm hätte längst um
mich angehalten."
Und es war etwas Wahres daran.
Kein Wunder daher, daß er Unfrieden
in den Familien stiftete und die hei
rathslustigen Töchter ihre Mütter am
lieben verleugnet hätten.
„Treib's nicht zu arg, mein lieber
Junge!" sagte einst ein Freund. „Jetzt
würden Dich die Mütter noch in Gna
den ausnehmen, aber benimmst Du
Di* am* ferner so ungezogen gegen
sie, dann könnte es Dir passiren, daß
Du verschlossene Thüren fändest!"
Otto lachte
ungläubig
Kaum ein viertel Jahr später er
blickte Gehn zum ersten Mal das eben
aus einem Schweizer Pensionat ent
lassene Fräulein Elly Brandow. Sie
sah aus wie eine kleine Nippsigur ne
ben der großen, schlanken Dame, die
in der tiefausgeschnittenen schwarzen
Sammetrobe wahrhaft verführerisch
wirkte. Wahrscheinlich ist es eine
Tante, dachte Otto Gehn, indem er
die große schöne Frau betrachtete.
Und guten Muthes folgte er feinem
Freunde durch den hellerleuchteten
Ballfaal und ließ sich vorstellen.
„Gestatten Sie, gnädige Frau, daß
ich Ihnen und Ihrem Fräulein Toch
ter meinen Freund Otto Gelm vor
stelle Frau Regierungsrath Blan
dow."
Otto berneigte sich Höftich und kalt.
Mutter und Tochter also schon wie
der eine Hoffnung weniger, denn in
dem blonden jungen Mädchen mit dem
süßen Kindergesicht und dem herzigen
Lächeln sah er das Ideal feiner
Träume. So, gerade so sollte feine
^rau aussehen! lind nun Hatte dieses
ideale, reizende Geschöpfchen eine Mut
ter: und noch dazu eine junge, schöne
Mutter, der man sich mehr würde wid
men müssen, als der Tochter selbst.
Schrecklich! Und doch konnte Otto
nicht umhin, er mußte höflichkeitshal
ber mit Elly tanzen, und da er sah,
daß auch die Frau Regierungsrath im
Saale herumwirbelte, so engagirte er
auch die schöne Frau zu einer Tour.
„Ist Ihr Herr Gemahl ebenfalls auf
dem Balle anwesend?" fragte er wäh
rend des Tanzes.
^ch bin schon feit., zehn Jahren ver
wittwet," antwortete Frau Brandow.
Also Wittwe auch noch das hatte
gerade gefehlt! Otto beschloß, den
Ball schleunigst zu verlassen. Aber
Elly lächelte ihn strahlend an.
„Es hat wunberhübsch ausgesehen,
wie Sie mit Mama getanzt haben.
Sie waren wirklich das schönste Paar
im Saale
„Sehr schmeichelhaft, mein gnädiges
Fräulein
Oben auf dem „Drachenfelsen" aber,
tote die Eftrabe genannt würbe, auf
ber bie reifen Mütter unb Tanten bem
Tanze ber Jugenb zusahen, hieß es:
„Haben Sie gesehen, Gelm hat mit
Frau Branbow getanzt, diesmal
scheint es ihm ernst zu sein die
kleine Elly hat es ihm angethan
Na, zu der Schwiegermutter kann er
sich gratulieren, die will noch bie Ju
gendliche spielen, tanzen, kokettiren.
Die wird ihrem Schwiegersohn^ die
Hölle schön heiß maches ja, ja
das kommt bavon!"
Otto Gelm merkte aber gar nichts
von bem boshaften Geflüster, bettn er
war zu sehr vertieft in ein Gespräch
mit Elly, und es war ihm förmlich,
»sè. prmArft»
?r
K v
i
und meinte:
„Eine Schwiegermutter will ich nun
aber durchaus nicht haben, denn ich
will eine Ehe zu zweien, nicht eine zu
treten führen. Im besten Falle werde
ich immer der Shawlträger meiner
-verehrten Schwiegermutter sein, im
schlimmsten der Sündenbock, an
dem sie ihre böse Laune ausläßt."
„Dazu hat sie doch ihren Mann."
„Ach, der ist im Laufe der Jahre
meist ein unbrauchbares Möbel gewor
den. rtMnnterien beansprucht sie nicht
wehr von ihm, und der eheliche Streit
gewährt ihr auch keine Befriedigung
mehr. Im Schwiegersohn sieht sie
•ihren Mann, wie er jung war, und
'ihn läßt sie entgelten, was ihr Gatte,
nach ihrer Ansicht, an ihr verschuldet.
Der Tochter aber gibt sie gute Lehren,
quasi um zu verhüten, daß diese nicht
ebenso thrannisirt werde, wie sie es
in ihrer Jugend gewesen. Ihre eige
nen häuslichen Geschäfte gehen mit
iber Pünktlichkeit einer Maschine, da
gibt es keine Ueberraschung, keine
neuen Freuden, keine unvorhergesehe
nen kleinen Ereignisse da hockt sie
bann natürlich den ganzen Tag bei der
Tochter, wo es immer noch zu verbes
fern, zu ändern, zu befehlen, zu zan
ken und zu loben gibt. Donnerwetter
nein, bei dem Gedanken allein über
läuft mich ein heiliger Schauer. Hei
rathen will ich gewiß, aber meine
zukünftige Frau darf höchstens ei
nen Vater haben. Schwiegerväter sind
ungefährlich!"
„Verliebe Dich nur, und alle Deine
Theorien zerspringen wie Seifenbla
sen!"
nn8 ctn?m Traume, als föff'n?*
•Pf'
6 v
Frau Brandow ihm beim Abschiede
die Hand reichte und sagte:
„Es wirb uns freuen, wenn Sie uns
besuchen wollen, wir leben zwar sehr
still unb zurückgezogen, aber jeben
Sonntag Nachmittag sehen wir boch
einige Bekannte bei uns."
Schon am nächsten Sonntag mochte
Otto Gelm seinen ersten Besuch
wurde über und über roth. Sie hatte
sich mittlerweile ganz unauffällig nach
Gelm erkundigt und erfahren, daß er
für Familienverkehr nicht zu haben,
weil er von einer wahren Schwieger
mutterfurcht besessen sei. Und nun
war er doch gekommen.
Otto fand den kleinen Kreis ganz
behaglich, nur ein Herr mit einer küh
nen Adlernase und blitzenden, dunklen
Augen, ein gewisser Freiherr von Bor
nim, mißfiel ihm gründlich. Er hatte
so eine eigenthümliche Art, mit Elly
zu sprechen, sie anzublicken, manchmal
lächelte er ihr so merkwürdig intim zu,
daß Otto das Blut siedend heiß zu
Kopse stieg.
„Kennen Sie den Freiherrn schon
Icrnge?" fragte Otto scheinbar gleich
giltig das junge Mädchen.
Sie wurde roth und senkte verlegen
die Augen.
„Lange nein aber et ist ein
reizender Mensch, er
„So?"
Otto biß sich unmuthig auf die Lip
pen. Frau Brandow war eine sehr
angenehme Wirthin, aber er konnte es
nicht begreifen, daß sie Herrn von
Bornint mit solcher Auszeichnung be
handelte. Begünstigte sie seine Bewer
bung um Elly? Fast schien es so
Von Zweifeln gepeinigt verließ Otto
Gelm das gastliche Haus, um am näch
sten Sonntag wieder zu kommen. Der
Kreis war diesmal noch kleiner als
das erste Mal, aber Herr von Bornim
saß wieder zwischen Mutter und Toch
ter und theilte feine Aufmerksamkeit
zwischen beiden Frauen. Elly schien
besangen und suchte Ottos Blicken
auszuweichen. Frau Brandow be
handelte ihn äußerst zuvorkommend.
„Sie ermuntert mich," dachte Otto,
„genau so, wie sie Herrn von Botnim
ermuntert. Sie will recht rasch ihre
Tochter los sein und glaubt deren
Preis zu erhöhen, wenn sie ein Wett
werben veranstaltet. Abscheulich!
Nicht über die Schwelle darf sie mir
kommen, wenn ich erst verheirathet."
Denn daß er Elly heirathen wollte,
stand bei ihm fest. Wenn sich nur nicht
dieser Bornim zwischen ihn unb sie
drängte. Anfänglich kam Otto jebert
Sonntag allmählich aber bürste er
auch in ber Woche vorsprechen. Er
mochte jeboch erscheinen, wann er nur
wollte stets sanb er Bornim in dem
kleinen Salon. Die beiden Männer
maßen sich mit feindlichen Blicken, und
Elly suchte oft vergebens eine unbe
fangene Unterhaltung aufrecht zu er
halten.
„Fräulein Elly ist ein reizendes Ge
schöpf, nicht wahr?" fragte Bornim
einmal, als er mit Gelm zufällig allein
war.
„Allerdings," versetzte Otto scharf,
indem er feinem Nebenbuhler einen
wüthenben Blick zuwarf.
„Sie würde eine charmante kleine
Frau abgeben."
„Warum heirathen Sie sie benn
nicht?" platzte Otto ärgerlich heraus.
Bornim lächelte.
„Da ist noch die Mutter
„Aha, die schreckliche Mutter, ich
verstehe," griff Otto lebhaft auf.
„Aber sehen Sie, wahre Liebe über
windet Alles, selbst eine Schwiegermut
ter. Freilich, nach per Heirath ist man
Herr im Hause
„Erlauben Sie"
„Nein, ich erlaube nicht. Jetzt habe
ich noch kein Recht über Elly
„Ueber Elly! Ich finde °Mre Bezeich
nung ein wenig familiär
„Das geht Sie gar nichts an, mein
Herr
„Doch, es geht mich sehr viel an
„Sie stehen in keinerlei Familien
beziehung zu den Damen."
„Das wissen Sie nicht. Jedenfalls
paßt es mir nicht, wenn Sie sich in
bieser Weise über bit Damen
äußern."
„Unb mir, mein Herr, paßt es nicht,
von Ihnen geschulmeistert zu werden.
Ob ich Fräulein Elly heirathe oder
nicht, ist allein meine Sache, in die Sie
nicht drein zu reden haben."
„Da dürsten Sie sich doch irren,
Herr Gelm."
„Und mit welchem Rechte maßen
Sie sich ein Urtheil an?"
„Mit dem Rechte der Zuneigung zu
Fräulein Elly und
Herr von Bornim versuchte zu
lächeln.
„Elly ist ein so liebes, folgsames
Kind," sagte er langsam, baß sie nie
gegen ben Willen ihrer Mutter heira
then wirb. Ich glaube aber kaum,
baß Frau Brandow Veranlassung ha-
ben könnte, Ihnen die Hand ihrer
Tochter zu bewilligen, nach bem wie
Sie über sie gesprochen."
„Oh, es kann Ihnen nicht schwer
fallen, mich bei Frau Branbow zu ver
bächtigen," rief Otto bitter. „Haben
Sie doch alles Interesse daran, mich
aus diesem Hause zu verdrängen."
Herr von Bornim sah Otto eine
Weile schweigend an. Dann lachte er
leise auf und streckte ihm die Hand ent
gegen. .,
„Im Gegentheil*
X. *.
Elly
1
...
„Wieso?" murmelte Oslo bestürzt.
„Ich habe, wie gesagt, alles Interesse
heran, baß Sie in dem Hause bleiben,
Ellys Liebe gewinnen unb sie selbst
heirathen, bann erst, wenn bas Alles
geschehen, bars ich an bie Verwirkli
chung meines eigenen Wunsches den
ken und Frau Brandoto als meine
Gattin heimführen."
„Sie Sie wollen Frau Bran
dow '^rathen? Frau Brandow, nicht
,f
if'9'
v
„Nein, nicht Elly
Die Männer sahen fttfi lachend in
die Augen.
„Schwiegerpapa!'' rief cnblich Otto
Gelm in hellem Entzücken aus unb
reichte bem Freiherrn beide Hände.
Dann stellte er sich in feierliche Posi
tur und sagte:
„Hiermit habe ich die Ehre, Sie um
die Hand Ihrer Stieftochter, Fräulein
Ellv Brandow, zu bitten."
„Sachte, fachte vorläufig hat nur
bie Mutter barüber zu entfcheiben."
Unb Ottos Arm burch ben feinen
ziehend, führte er feinen einstigen ver
meintlichen Nebenbuhle? zu Ellys
Mutter.
Am selben Abend wurde eine fröh
Ttche Doppelverlobung gefeint, und
zwei Tage später verschickte Otto Gelm
feine Verlobungsanzeigen.
„Was hab' ich Dir gesagt?" meinte
ber Freund, der Otto seiner Zeit von
dem Verlieben gesprochen. „Wenn Du
Dich verliebst, bann nimmst Du auch
eine Schwiegermutter in ben Kauf."
„Aber was für eine Schwiegermut
ter!" rief Otto entzuckt aus „eine
bräutliche Schwiegermutter! Eine
Schwiegermutter, bie sich weniger um
meine Braut als um ihren Bräutigam
kümmern wird, die ihre eigene Ausstat
tung zu besorgen hat und uns daher
nicht mit ihren Rathschlägen verfolgen
wird, eine Schwiegermutter, die im
mer liebenswürdig ist, weil sie noch lie
benswerth gefunden worden, die ihr
eigenes neues Heim taufend Mal schö
ner sinbeit wirb als das Heim ihrer
Tochter, eine Schwiegermutter, die
ihren Gatten und nicht ihren Schwie
gersohn tyrannisiren, die hoffentlich
noch zu viel mit eigenen Kinbern zu
thun haben wirb, um die meinigen mit
großmütterlicher Verblendung zu ver
derben. Kut|eine Jbeal Schwie
germutter!"
Der Spleen als Retter.
Lord (vor einem Abgrunde in den
Alpen): „Halt! Junger Mann, Sie
wollen sich das Leben nehmen?"
Sepp: „Allerdings. Ich kann die
Resi nicht heirathen, weil ihr Vater
mir ihre Hand verweigert."
Lord: „Junger Mann, Sie werden
sich nicht stürzen in das Abgrund."
Sepp: „Sie sind sehr freundlich,
Mylord, aber Sie werden mich nicht
zurückhalten können."
Lord: „Nix freundlick! Wenn Sie
wollen nehmen sich die Leben, geb' ich
Ihnen meinen Revolver, was. sich
schießt sehr gut!"
Sepp: „Ich könnte vorbeischießen/
Lord: „Sie, ein berühmter Gemsen
läger?"
Sepp: „Gemsen treffe ich, aber
Selbstmordschüsse habe- ich noch nicht
probirt."
Lord: „Junger Mann, Sie macken
schlechten Witzen, aber mir sein bie
Sack very ernst yes? Wollen Sie
sich erschieß ober nicht?"
Sepp: „No!"
Lord: „Well, gutt, bann werden Sie
sich erhäng. Wollen Sie sich mit bie
fer Taschentuck anknüpfen an nächstes
Baum?"
Sepp: „Nein. Ueberhaupt, My
Icrb, machen Sie, daß Sie sortiern
men, sonst werde ich grob."
Lord: „Nijr grob, junger Mann.
Ich will jetzt macken poch poch an Ih
rem gutten Herz. Wissen Sie, wer
sich bor drei Jahre hat gestürzt in dies
Abgrund?"
Sepp: „Ich weiß. Auch so ein ver
rückter Engländer hm! hm!"
Lord: „Junger Mann,bies English
man war mein Vater. Unb wissen
Sie, was jenes Kreuz von Holz be
beutet?"
Sepp: „Da hat sich auch mal einer
heruntergestürzt, aber bas ist minbe
stens zwanzig Jahr her."
Lorb: „All right, bas fein gewesen
mein Großvater. Also werden Sie
sich nicht stützen in bies Abgrunb."
Sepp: „Und weshalb nicht?"
Lord: „Weil dies Abgrund sein un
ser Familien-Erbbegräbniß."
Sepp: „Ist mir Wurscht."
Lord: „Dann gibt es nur zwei Mit
tel: entweder Sie lassen sich adoptir'
als mein Sohn unb stürzen sich dann
in das Abgrund, oder ich geb' Ihnen
hunbert Psunb unb Sie verpflichten
sich, leben zu bleiben."
Sepp: „Hundert Psunb? Dann
kann ich ja mein Reß heirathen. Hur
rah!"
v4^ "j
N i o s i a u
A.: Aber, liebe Freunbin, was ist
benn geschehen, Sie sinb erst einen Mo
nat berheirathet unb ich finbe Sie be
reits in Thränen? Frau B.: Ja, den
ken Sie sich, mein Mann ist doch als
Kandidat für den Eongreß nominirt
und jetzt erfahre ich erst aus ben Zei
tungen ber Gegenpartei, was für ei
nen gräßlichen Kerl ich geheirathet
habe.
N u a u o k o i e
stecken Sie mal Ihre Zunge heraus.
(Nachbem er ein Recept geschrieben
hat) So, nun ist es gut! —Patientin:
Aber, Herr Doktor, Sie haben ja
meine Zunge gar nicht angesehen, son
bern nur geschrieben. Doktor: Ich
wollte nur, daß Sie sich ruhig verhal
ten. bis ich bas Recept zu Ende ge
schrieben hatte.
e u s a s e s e n k
„Was! Ich benke, Du bist verheira
tet, unb nun ißt Du hier im Restau
rant?" „Ja, heute ist mein Ge
burtstag, und da hat mir mein« Frau
bas Zuhauseessen geschenkt."
Z u e u i u n u
lein (bas von ihrem Entführer nachts
aus bem Fenster gehoben wird): Bin
ich Dir auch nicht |u schwer, Ebuard?
Ebuarb: 0, nicht im geringsten Tu
hättest ruhig noch einige hundert Dol-
iiaxè
mehr mitnehmen können!
v
I ,i
i» ki „f
W £Â.«3
1
S Ii ... «,
y
,'m v* 'H v4 i -.
/Pas Hinderniß^
Am Privall, der sonst so stillen, klei
nen Halbinsel bei Travemiinbe, war
lautes Leben. Das alljährliche Ren
sen fattb neuerbings statt unb bie Tri
'ünen waren zum Brechen voll. Ueber
bie große, kurzgrasige Haibe hin schrit
ten feinbefchuhte Damenfüße, langge
streckte. gelbe, schnabelartig gebogene
Schuhe von Gigerln, knappe, feste Of
ficiersstiefel, hier unb bort auch ganz
gewöhnliche Schuhe von ganz gewöhn
lichen Menschen. Die Sonne brannte
erbarmungslos, als erklärte sie sich in
ihrer Urweltskraft als Freunbin all'
bes fpielenben Sports, auf bie zum
Theil recht aparten, zum Theil recht
geschmacklosen Toiletten ber Damen,
auf die Uniformen und englischen An
züge der Herren hernieder.
Von den. Waldbäumen herüber fegte
ein würziger Hauch und die blauen
Wellen der Trave, die sich gegen die
Ostsee zu buchtartig erweitert, schlugen
schäumend über die niedere Böschung
und netzten immer von neuem bie
glattgefpiilten großen Steine unb bie
sanbi'gen kleinen Muscheln bie zu tau
senb den llferrand bedecken. Ein ent
zückender Rennplatz!
Das Derbyrennen war eben vorbei.
„Shylock", ber Sieger, ein schönes,
hellbraunes Pferd, leise zuckend von
der überstanbenen Anstrengung, würbe
umringt und mit Liebkosungen über
schüttet.
Sein Jockey, eines jener charakteri
stischen Zwittergeschöpfe von Mann
und Puppe, mit den scharfgeschnitte
nen, alten Knabenzügen, im blaugel
ben Kostüm, das bie magere Gestalt
umschloß, hatte bie Mütze abgenommen
unb trocknete bie Schweißperlen auf
ber Stirne mit bem blaugelbgeränber
ten Taschentuch, in dessen Ecken Sport
insignien flach gestickt waren. Andere
Jockeys in roth-weiß, blau und grün,
gingen hin und wieder. Die Pferde
für das nächste Rennen ein Hin
bernißrennen wurden mit prüfenden
Blicken betrachtet, beim Totalifateur
staute sich beständig eine wogende Men
schenwelle.
Kurgäste aus ben umliegenben Ost
feebäbern, Sportsmänner aus Berlin
unb Hamburg, Familien aus Lübeck—•
ja sogar plattsprechenbe Bauern, bie
sich einen Sitz geleistet hatten. Ein
buntes Chaos von Eleganz unbSpieß
bürgerlichkeit.
Titus von Fork, Großgrunbbesitzer
im Mecklenburgischen,einer jener Lanb
aristofraten, bie halb Bauer, halb
Gentleman sinb, hatte ben Platz neben
feiner Frau, der schönen Ilona, ver
lassen, um nach dem Startplatz zu ge
hen und sah noch, sich halb umwen
dend, wie Wolf, fein Freund, den lee
ren Stuhl einnahm und sich lächelnb
über Frau Ilona's Hanb beugte. Er
sah es mit bem ruhig freunblichen Blick
eines Vertrauenben Mannes, der keine
Eifersucht kennt.
Ilona, ein feuriges Ungarkind, bas
bent kühleren Nordländer auf einer
Schweizerreife begegnet war und ihm
bas Herz entwenbet hatte, galt für
eine sehr reizenbe, sehr kluge, aber et
was gefährliche Frau. Sie zwang alle
Männer in ben Bann ihrer sammt
schwarzen Augen unb zog sich baburch
bie unversöhnliche Feinbschaft aller
Frauen unb Mäbchen zu. Auch Wols,
der lebensfrohe, brave Wolf, der in ber
glücklichen Lage war, so hübsch als
klug unb so liebenswürbig als reich zu
sein, sonnte nicht umhin, ber Schön
heit Ilona's, bie er vor wenigen Mo
naten erst kennen gelernt, feine Hulbi
gungen barzubringen. Er war erst
kürzlich von seiner Orientseite heimge
kehrt unb hatte nicht ohne Ueberra
schung feinen Freunb Titus, ben er
für einen heimlichen Wei&erfèinb hielt,
im Besitze bieser schönsten Frau borge
sunben. Wolf's Anerkennung für
Ilonas Schönheit überschritt aber nie
ntals jene Grenze, bie seine Freunb«
schast für Titus gezogen hatte unb bie
gewissermaßen den feurigen Blick seiner
blauen Augen milderte und in den
Ton seiner Stimme eine Färbung von
Brüderlichkeit legte.
Das eben war es, was Ilona's In
teresse stachelte und sie verlockte, die
ihr angeborene Koketterie zu einer Art
von Neigung zu steigern, welche ihr
Herz in ungewöhnliche Unruhe ver
setzte. Sie war eine jener verwöhn
ten, weltfreudigen Frauen, für welche
bas Bewußtsein ihrer Anm»th zu
gleich bie Entschuldung für jebe
Thorheit ist.
Als Wolf nun zu ihr trat unb ihre
unbehandfchuhten Finger mit seinen
lächelnden Lippen berührte, warf sie
die ihren trotzig auf und sagte: „Man
müßte wahrhaftig wünschen, heute ein
Pferd zu sein, damit man bemerkt
wird! Eine Stunde lang sind wir
schon hier und jetzt erst würdigen Sie
mich eines Blickes." Er lachte. Ein
etwas verlegenes Lachen, das eigentlich
gar nicht am Platze war. .Sie wissen
ja, Ilona (Titus hatte ausdrücklich
erklärt: Lass' doch die Baronin weg,
Du bist kein Fremder für uns!), Sie
wissen, meine „Lola" ist an dem Ren
nen betheiligt. Ich halte große Stücke
auf sie, ich wollte bei ihr sein."
„Ich sag' es ja," gab sie spottend zu
rück, „ich müßte eben „Lola" fein."
„Sehen Sie," rief er, „da steht
sie unten bort, ber Jockey in
maisgelb, ah, ich habe Mühe gehabt
mit ihm, aber nun stellt er feinen
Mann!"
«Ich habe aus »Lola" gewettet",
sagt Ilona unb sieht ihn unter bem
schmalen Ranb ihres entzückenbeit Hu»
tes hervor schelmisch an.
„Dann muß sie siegen!" gibt er
zurück in selbstverstänblicher Galante
rie.
»W hahe schon ein Myahl be
iV
stellt baheint zu Ehren bes Sieges",
sagte sie fröhlich. „Alle Ihre Lieb
lingsfpeifen: Rehfrikassee und Fla
nringotorte!"
„Ach, wie Sie gut sind, Sie ver
wohnen mich, Ilona! Ich muß wahr
haftig Titus bitten, mich in die Ver
bannung zu schicken!"
Er sagte bas halb im Scherz, halb
klang boch bie Ueberzeugung hinburch,
daß biefe Güte eine Gefahr fei.
„Möchten Sie bas?" fragte sie vor
wurfsvoll. „Ich werbe es müssen,"
flüstert er halblaut, fast um etwas zu
sagen. Sie erröthet unb wenbet ben
Kops nach bem Startplatz, wo bie
Pferde schon in einer Reihe stehen, mit
nervös zuckender Ungeduld,wie sie Ren
nern zu Eigen ist. Die bunte Reihe
ber Jockeys mit bem schon zum Ritt
gebogenen runben Rücken hob sich ma
lerisch ab von ben bunklen Pferben, bie
bett Boden ber Haide mit bebenben
Füßen stampften.
Wolf folgte Ilonas Blicken, aber
feine Augen blieben an ben feinen,
hellen Haaren hängen, die auf Ilonas
Nacken sich duftig kräuselten. Sie
trug ein röthliches Kleid, das den Hals
frei ließ, auf dem koketten Hütchen
eine Touffe von Haidekraut. In ihrer
Toilette lag ein entzückender Chic, wie
ihn Wolf nur auf den Boulevards von
Paris und in ben Straßen Wiens ge
funben hatte. Als fühle sie biefen auf
ihr ruhenden Blick, stieg ihr eine Blut
welle zu Kopf und verbreitete sich lang
fam auf dem schönen, festen Halse...
Auch den vollen Haarknoten, der unter
bem Hütchen hervorsah, betrachtete
Wolf unb unwillkürlich, mit ber Phan
tasie eines fechsundzwanzigjährigen
Herzens, dachte er sich diese vollenHaar
wellen ausgelöst, niederrieselnd über
herrliche Schultern.
Er erschrak beinahe. Solche Be
trachtung schickte sich schlecht für ben
Freunb von Titus.
Einen Augenblick später ertönte die
Startglocke und in wildem Lauf jag
ten bie Pferbe bahin. Auf bem Renn
platze herrschte athemlose Stille Vr
Erwartung, unterbrochen von einzel
nen Rufen, von zifchelnben verworre
nen Flüstertönen, von den heiseren, an
spornenden Naturlauten des Jockeys
und dem weich verklingenden Husfchlag
ber Pferbe.
Wolf unb Ilona verfolgten aufmerk
sam nebeneinander sitzend, so daß ihre
Arme sich fast berührten, den Verlauf
des Rtnnenë. „Lola", die zuerst zu
rückgeblieben war, schoß mit einmal an
bett anberen vorbei unb sauste über
das erste Hinberniß hinweg. Wolf
formte einen Ausruf ber Freube nicht
unterbrücken und unwillkürlich berühr
te er Ilonas Hand mit der feinen,
um sie auf die Wendung von „Solas"
Absichten aufmerksam zu machen. Sie
blickte auf und Beider Augen flamm
ten ineinander, von gemeinsamer
Sportlust erfüllt, dieselbe gleichsam
übertragend aus ihre unausgesprochene
Neigung.
Titus von einer unsichtbaren
Hand gewissermaßen herumgezwungen,
wandte den Kops nach der Tribüne
und nickte lächelnd hinauf nach den
beiben Menschen, die et am meisten
liebte.
Dann verfolgte er wieber mit ber
Gewissenhaftigkeit bes Preisrichters
bas Rennen, bas feinem Ende nahte.
„Lola" hatte sich in der vorbesten
Reihe gehalten, ja sie war den anderen
um Kopfeslänge voraus, es schien zwei
fellos, daß sie siegen werde. Da machte
„Barbarossa", ein englischer Rothfuchs,
gewaltige Anstrengungen, um „Lola"
zu überholen. Nebeneinander sausten
die Pferde hin, nebeneinander nahmen
sie das zweite Hinderniß, schon hatte
„Barbarossa" einen kleinen Vorsprung
gewonnen, da flog „Lola" über ihn
hinaus und in rasender Flucht dem
Ziele zu. Ein wilbes Gemurnzel be
freiter Aufregung burchwogte ben
Rennplatz. Wolf war von Ilonas
Seite aufgesprungen unb führte sie ant
Arm zum Sattelplatz. Fast hätte sich
Wolf von Ilona losgerissen, um schnei
Ier, als ihre schmalen Füße es vermoch
ten, zu „Lola" zu gelangen, bie schon in
Decken eingehüllt, langsam auf unb
nieder geführt würbe.
Wolf sprach mit seinem Jockey, wäh
renb Ilona „Solas" Hals streichelte.
Dann trat Wolf hinzu unb Beibe lä
chelten sich .über ben niedergezogenen
Kops des Pferdes hinweg fragend an,
wie Kinder, die darüber nachdenken,
was nun geschehen würde. Es war
ihnen, als müsse biefe Stimmung, bie
heute in ihnen gährte, ein Nachspiel ha
ben, als müsse bieser bebenden Erwar
tung auch ein Sieg folgen, ein Sieg,
wie die fchlaitkbeimge „Sola" ihn er
rungen, über alle Hindernisse hinweg
an das ersehnte Ziel... Mitten in die
sen stummen Dialog hinein kam Titus
heran* in feiner liebenswürdigen, frei
müthigen Gelassenheit. „Na, Kin
der", sagte er, „das war aber fem,
biefe „Sola" hat ja bett Teufel im
Seib, ich gratulire Dir, Wolf!" Sie
schüttelten sich bie Hänbe und Titus
konnte sich nicht enthalten zu sagen:
„Was Du heute schön bist, Ilona
Du hast doch Wolf zum Essen gela
den?!"
„Ja. ja, natürlich," sagte sie ha
stig, in einem Aufluge von Unbehag
lichkeit.
Titus, in feinem ahnungslosen Zu
trauen, fing an, sie nervös zu ma
chen. Sie hätte ihn lieber eifersüchtig
gesehen, um ihn ein bischen quälen zu
sönnen.
Als ber Abend kam, überlegte Wolf
einen Augenblick, ob er nicht lieber Un
wohlsein vorschützen und bei Fork ab
sagen lassen solle. Seine brüberliche
Zuneigung für Ilona hatte heute bei
bem Rennen unmerklich fast eine aitbere
Färbung angenommen. Das beunru
higte. ihn. Er sagte sich, baß Ilona
ihn zu lieben beginne, in ihrer kapri«
lislieiL T»thynfrhnfft»rf»n an nUf»rt
1U/r
'•k. -i-k
*X^ i V i Av" si. igg
Thorheiten aufgelegten Art. Und
k
welcher Mann, den eine schöne Frai*
liebt, bliebe fest und stark in dieser,
steten Versuchung einer zauberhaften^
Nähe!?
Aber dennoch, er konnte unmöglich
heute Nein sagen. Heute, wo man
ihm und feiner „Sola" zu Ehren ta
feite! Und Ilona hatte feine Sieb
lingéfpeifen bestellt! Er freute sich halb
darüber, baß kein Entrinnen möglich -,
war!... V
Rehfrikassee unb Flamingotorte wa
ren verzehrt unb ber kühle Champag
ner erhöhte die lebhafte Tischstlmmung.
Titus hob fein Glas unb leerte es auf
bie braune „Sola". Ein kleiner Guts
nachbar ließ bie Frau bes Hauses lei
ben unb Wols, dem nun eigentlich keine'
Wahl blieb, hielt eine kleine Ansprache
aus Titus unb hob sein Glas auf bau*
ernbe Freundschaft. Er erzählte ber
diesem Anlasse eine Anekdote aus ihrer
Knabenzeit unb wie Titus unb er feit
jenem Tage einanber gut geblieben
feien, bis auf biefe Stunde.
Titus schüttelte ihm gerührt die
Hand und Wolf übersah beshalb, ba&,
Ilonas Augen einen starren Blick an
nahmen unb ihre Hänbe nervös an
bent Rosenstrauß zerrten, ber neben ih
rem Teller lag. Wolf hatte ihn itr
Eile binden lassen und ihren Platz da-,
mit geschmückt. Er sah jetzt, daß sie
ihn achtlos beiseite schob und aus der
großen Vase, die den Mittelraum des
Tisches zierte, ein paar andere Rosen
nahm und sie an ihrer Brust befestigte.
Er warf ihr einen fragenben Blick zu.
Einen jener Blicke, benen ein tieferes,
wenn auch unausgesprochenes Einver
stänbniß zu Grunde liegt. Sie warf
wieder trotzig die schönen Lippen auf
und blickte an ihm vorbei nach bem
Gatten, ber voll jovialen Lebensmuthes
das stockende Gespräch weiterführte unb
nichts von alledem bemerkte. Er geriet^
aHmälig mit den anderen Gästen
auf landwirthschaftliches Gebiet und
bemerkte in feinem lauten Eifer übet
Pflugmafchinen unb Reblaus auch
nicht, daß Ilona aus dem Speisesaal
in den Garten getreten unb Wolf ihr
gefolgt war.
Sie ging lässig quer ben Wiesen*
pfab unb fühlte, baß Wolf's Augen
ihrem nachfchleppenben maisgelben
Kleibe folgten, wie einem voraustan
zenden Sonnenstrahl. Dann betrat
sie ben kleinen Jagdpavillon, in wels
chem Titus seine Waidmannssiege ver
ewigt hatte. Mitten unter Hirschfän
gern, Flinten und Geweihen hing sein.
Bild in flotter Jägertracht, mit dem.
vertrauenden Ausdruck seines lächeln*
den Gesichtes, das ihn so angenehm,
kleidete. Ilona wandte halb ben Kops'
nach ber Thür, sie wußte baß Wolf
eintreten werde. Was sie von diesem
Zusammensein wollte, erwartete, da»
wußte sie eigentlich nicht recht. Sie
scheute sich, darüber nachzubenken und
sie bereute fast, hierhergekommen zu
fein. Aber als Wolf eintrat, zögernb^
leise, mit fuchenben Augen, ba ging sie
ihm entgegen und ließ, wie selbstver
stänblich, in einem Aufruhr ihres Her
zens bas Haupt an feine Brust sinkenr
willenlos seiner Leidenschaft ober fei=:
ner Vernunft anheimgegeben...
Einen Augenblick, voll feiiger Be
stürzung, ergliihenb von der Nähe ber
schönen Frau, schloß er die Arme um
das gesenkte Haupt und küßte die ge
kräuselten Haare ihres Nackens. Da^
mit einem Mal, gewahrte er Titii^
Bild, das lächelnd inmitten der Jagd
trophäen auf ihn niederbückte, als ob
es sagen wollte: „Wolf, Wolf, du wirst,
doch deinen Freund nicht bestehlen..
So hatte Titus auch heute gelächelt,als.
Wolf auf die Freundschaft fein Glas
erhoben hatte. Freundschaft! Das
Wort machte ihn plötzlich wach und
zeigte ihm den Abgrund, an welchem er
stand.
Er gab Ilona frei unb trat zurück.
„Ich reife morgen nach England," sagte
er weich und leise, „und ich möchte
nicht, daß Sie Ursache hätten, mir eine
Thräne nachzuweinen, Ilona! Was
Sie an mir gewännen, ist nichts im
Vergleich zu bem, was Sie an ihm
verlieren würden. Sie fühlen das
nicht so in diesem Augenblick, aber
Sie werden es noch einsehen lernen..
Leben Sie wohl, Ilona, ber Freund
Ihres Mannes bars nicht anbers han
deln, auch wenn es ihm noch so schwer
fällt!..."
Er küßte ihre nieherhängmde,
schlanke, kalte Hand und ging.
Ilona sah ihm nach mit großen be
stürzten Augen, voll brennender Ent
täuschung unb lange nachklingender
Beschämung, die erst ganz allmälig
in ihrem Herzen verhallte, um einem
Gefühle platzzumachen, bas mehr an
bantbare Achtung, als an Siebe
streifte.
Wolf trat fettte neue Reife mit dem:
befreienden Bewußtfein eines guten,.»
Gewissens an. Auch er hatte gesiegt,
wie sehte „Sola",, aber in negativem,
S i n n e E a e a s i n e n i n i
genommen, bettn es hätte feister
Ehre den Hals gebrochen!
k.
1
"'K
é
.S'-ih
E w e i e s a a i z
chen, weshalb zieh'n denn im Winter/
die Störche nach bem ©üben weißt*''.
Du es schon? Fritzchen: Ja, Mam^"
Mama: Nun, weshalb denn? Fritz-^
chen: Weil die Leute da auch Kinder
haben wollen. i v
S o E i n e U n i i n
wirklich das erste Mädchen, dem Du,
Deine Siebe geschenkt?" „Gewiß,
mein Herz." „Ach, man kann euch.
Männern so schwer glauben! Kannst'
Du es beschwören?" „Das heißt, Ich,
habe schon einmal ein Verhältniß miK
einer Wittwe gehabt."
o e e i e n
Gast: Ich möchte ein belegtes Bröbchen
mit Ei, aber die Eier müssen frisch
fein! Kellner: Sehr wohl, ich werbe
die Eier von der Henne direkt auf daK
Bäht» kiM lassent
U
1
Vsj.. 4.

EstteEDörtgeichichtc von Sofie v. AHueârg-

xml | txt