OCR Interpretation


Der Deutsche beobachter. [volume] (New Philadelphia, Ohio) 1869-1911, December 05, 1894, Image 2

Image and text provided by Ohio History Connection, Columbus, OH

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn86063815/1894-12-05/ed-1/seq-2/

What is OCR?


Thumbnail for

i
Gesseniliche Erklärung.
Hiermit erkläre -ich öffentlich iiS
feierlich, daß ich mir nicht im Gerioz
jffcot bewußt bin. an Jciem großen We.U
foJbren zu Bitterstadt Theil genommen
zu Haben, und erfläto alle Geschichte^,
jbie JDobon erzählt weâ«, für erbärm
iiche Lügen.
Ich habe überhaupt nur einmal das
Sfchnmb bestiegen, das war in meinem
Heimathsorte Schwefelberg, und selbst
damals hätte ich's nicht gethan, menu
picht meine Ehre dabei.im Spiele ge
wesen wäre. Ja, meine Ehre! Ein
gewisse? Schurke ich will seinen
Nanrey nicht nennen er heißt Emil
Klutenpedder fragte nüd in Gegen
tvart sehr ehrenwerther Dunen, worun
ter auch eine gewisse A. B.., deren Na
men ich aus Hochachtung verschweige,
toeil sie rnnern Geiste stets als theures
Bild Korschweben wird, fragte
mich also, ob ich Rad fahren könne.
Wie gefngt, hatte ich noch nie ein
Rad bestiegen, konnte diese Frage also
pticht beantworten. Aber meine Ehre
«nd die Anwesenheit der genannten
Dame, des Fräulein Anna Bratenspeck,
Sofste,
eboten mir, „Ja" zu sagen. Denn ich
daß früher oder später einmal
fit ebenfalls „Ja" sagen würde.
Um mich in der öffentlichen Meinung
herabzusetzen, bestritt der teuflische
«lutenpedder, daß tch* Rad fahren
Könne. Er forderte mich auf, sogleich
eine Probe Fu geben. Ich sagte sofort
zu, und ein Fahrrad wurde gebracht.
Ich versuchte mit einem Satze aufzu
steigen, bemerkte jedoch zu spät, daß der
Ausstieg glitschrig war, und so kam es,
jbafc zuerst das Fahrrad auf eine Seite
fiel, dann ich darüber. Außerdem
ich begreife nicht, wo an dem verd—
ßfahrtad ein Nagel gewesen fein kann,
fest bei näherer Untersuchung doch kei
ner zu finden war, jedoch scheint mir
Irgend eine ruchlose Bosheit des besag
en pp. Klutenpedder schuld zu fein
außerdem wurde mir ein Stück Zeug
fllus dem unteren alle gegentheiligen
^Behauptungen sind hinfällig, und
tverde ich meinen schamlosen Gegner
(öffentlich vor Gericht züchtigen un
teren Theile der Beinkleider ausgeris
sen. Fräulein Anna Bratenfpeck suchte
»hre Thränen durch ein geschicktes La
chen zu verbergen, aber diese Thränen
ffollten einem gewissen E. K. theuer zu
stehen kommen. Nachdem mein Bein
»leid mit Hilfe einiger Stecknadeln re
farirt war, kam ich doch glücklich auf
Idas Fahrrad Hirtauf, indem ich auf
«ine Bank stieg, wobei mir ein Herr,
jben ich hier zu seinem Lobe öffentlich
namhaft machen will, zu Hilft kam.
Nun wollte ich fahren, jedoch das Fahr
jrad rührte sich nicht vom Flecke. Spä
ter wurde mir in einer anonymen Zu
schrift mitgetheilt, daß jener gewisse E.
stk. die Naben der Räder mit Zwetsch
Ikenmus eingerieben habe, damit sie
nicht von der Stelle gingen, und ich
Halte das wohl für möglich. Jedoch
swill ich zur Ehre der Menschheit an
nehmen, daß jener Anonymus gelogen
hat. Da das Fahtrad sich nicht rührte,
obgleich ich Alles that, um es dazu zu
bewegen, wollte ich absteigen. Jedoch
fiel ich herunter, und das Fahrrad fiel
mf mich. Das hatte eine Verletzung,
meiner nach hinten gelegenen Hälfte
zur Folge, und ich glaube, von diesem
Anfall schreibt es sich her, daß ich mit«
unter nicht mehr ganz klar denken
Rann, was mich veranlaßt hat, ein phi
Rosophisches Werk zu schreiben, dessen
«fies Kapitel bereits fertig vorliegt.
Aber noch einmal hebe ich hervor,
ldaß ich an keinem Wettfahren theilge
«vmrnen habe und daß anders lautende
Behauptungen nur der unnatürlichen
Bosheit eines gewissen E. K., den ich
Hier nicht näher bezeichnen will, ent
springen. Jeremias Kolkrabe,
MaterialwaarenAndlungs Commis.
Mutter Erde«
Was auch aus ihren Kindern werde»
Ob arm sie, elend oder reich.
Die liebe gute Mutter Erde
Liebt alle ihre Kinder gleich.
Ob viel uns ward an Weh und Leide».
Ob viel an Glück im Lebenslauf,
Cie nimmt uns ohne Unterscheiden
IN ihre treuen Arme auf.
Ob hoch, ob niedrig ist d» Statte,
An der wir wirken ich und du,
-Sic legt ans in dasselbe Bette
ünfc deckt ans Beide friedlich zu.
tote hat die gnädige Frau denn die
Nacht verbracht? Dienstmädchen:
Ma. ich danke es geht besser! tSeute
Morgen hat sie zwei Tassen Thee ge
tranken und dann hat sie mit gleich die
ftffsne a* den Kopf geschmissen!
Ei« zärtlicher Gatte.
(Eine Frau ist niedergefallen und hat
itd» den Arm -verstaucht ihr Mann
«auft sich die Haare und geberdet sich
Mie ein Rasender.) Arzt: Aber lieber
Herr, beruhigen Sie sich doch! Ich be
gimfc ja, daß Sie iron dem Ihrer Frau
zugestoßenen Unfall schmerzlich berührt
ßmd, aber zu einer derartigen Fss
ßungslosigkeit haben Sie keinenGrnnd!
Mann: Sie haben gut reden! Wer
muß denn wieder die aanze Schwirre
bezahlen« doch nur ich?!
Gut gesagt. „Wenn ich
fftdät recht erinnere, Harmonirte ?khre
ill mit Ihrer Mutier nicht beson
.Das war allerdings so
neuerdings droht zwischen Beide»
ßigkeit auszubrechen."
Läßt i e blicken. A.:
gratulire!* B.: „Wozu?"
WM^iGte haben doch vergangene Woche
tlhet!" B.: „Hätten Sie gleich
ersten Tagen grc^uliren müs
i jetzt haben Sie gar keimn Grund
y 1*
i
If$f
I
\ir'Lä£A*?V': yji
i (,
Wie nach einem gedämpften großen
Waldbrande das Feuer bald da, bald
dort wieder hell auflodert und die er
mattete Rettungsmannschaft nicht zui
Ruhe kommen läßt, so war es im Jahre
1809 tm Tiroler Land:.
Da und dort entflammte der Aus
stand zum Unglück des Landes immer
And immer wieder. Fanatische Hetzer,
amter ihnen besonders der berüchtigte
Kolb, wußten immer wieder die Lüge
Zu verbreiten, der abgeschlossene Wiener
Friede sei nur ein von den Feinden er
fjonnenes Märchen, um das aufgeregte
Volk niederzuhalten, und die öster
reichischen Fahnen zögen siegreich her
an. um den Doppeladler wieder einzu
pffetzen in die tirolische Erde.
Biel Unglück wurde durch diese
Aufreizungen über das Land gebracht.
Am längsten währte der ohnmächtige
Verzweiflungskampf im Ober- und
Unterpusterthal, und es floß viel Blut
an der Mühlbacher Klause.
In mancher Hütte fehlte der Vater,
der Bruder und Knecht, und vergebens
würde man die kleinen Friedhöfe nach
den Erinnerungszeichen absuchen. Sie
ruhen ferne der Heimath, zusammen
mit den erschlagenen Feinde» auf dem
Schlachtfelde.
Erst Mitte December begann es
allenthalben ruhiger zu werden, denn
aanz Tirol war unterworfen von dem
fränkischen Erorberer.
Da wurden sogenannte Militärregie
Tungen
eingesetzt, welche, mit unbe
schränkter Vollmacht ausgerüstet, mit
unerbittlicher Strenge vorgingen.
Im südlichen Tirol herrschte der
83a rag nay d'Hillizrs, dem die rohen
Divisionsgenerale Severoli, Via! und
Broussier beigegeben waren.
Den Weg des letzteren bezeichneten
Todesurtheile und Brandstätten.
Ueberall. wo er auf der Suche nach
.den Anführern der Rebellen hinkam,
wurde Standrecht geübt. Fünfund
zwanzig Männer ließ der grausame
General füsiliren, die Leichen zum ab
schreckenden Beispiel aufhängen und
toon Bauern, ehemaligen Landstürmern,
'bewachen.
Ein großer Theil der Anführer flüch
tele sich auf solche Schreckenskunden
in's Gebirge und sie waren dort auch
völlig sicher, denn die französischen
Soldaten konnten eine Verfolgung in
die verschneiten Berge nie wagen ohne
Führer. Und wo hätten sie auch Füh
rer gefunden in jener Zeit.
Unter diesen Flüchtlingen befand sich
auch der junge Tharerwirth von Mit
ter-Olang.
An der Spitze der Olanger Land
stürme? hatte er dem General Rusea
an der MühlbacherKlause eine Schlacht
geliefert, die einzig dasteht in den Käm
pfen jener für Tirol so ruhmreichen
Seit.
Durch das Schicksal seiner Genossen
gewarnt, hatte er sich auf die Gelter
Hütte der Geifelbergalpe geflüchtet,
die Wirthschaft feinem jungen Weibe
und dem alten, blinden Vater überlas
send.
Am Thomastage rückte die Vorhut
Broussiers in Olang ein, und eine Ab
theilung unter Führung eines Offi
cers nahm sofort Quartier beim Tha
terwirth.
Ohne jede Rücksicht wurden die Ein
wohner aus den Wohnräumen vertrie
ben und mußten sich mit einigen Dach
kammern bequemen, denn die Soldaten
machten sich in der Gaststube breit, und
die anstoßenden Kammern wurden für
die Nacht mit Beschlag belegt.
Selbstverständlich war die erste Fra
ge des OfficietS nach dem jungen Tha
rerwirth.
Alle im Hause wußten den Aufent
halt. Die Knechte, die Mägde, der
alte Einleger hinten in der finsteren
Kammer, aber kein Wort kam über
die Lippen 'der wackeren Leute, trotz
der fürchterlichen Drohungen des Offi
cers.
Da wollte er es mit der Schlauheit
versuchen. Er ließ sich die junge Wir
thin vorführen.
„Also Ihr seid die Frau des jun
gen Tharerwirthes und wißt selbst
standlich 'den Aufenthalt Eures Man
nes."
„Sell war unnütz zu leugnen," sagte
das arme Weib. „Aber damit's Enk
a weitere Frag erspart, kein Marter,
de's Enk austopfen könnt, wär tm
stand, miar let ein Silb außerzulockn.
was mein armen, verfolgten Mann an
geht."
„Ihr seid irriger Meinung, wenn
Ihr glaubt. Euernt Mann einen Dienst
zu erweisen," sagte gütig der Officier,
„damit, daß Ihr uns nöthiget, wnsel
selbm mit aller uns zu Gebote stehen
-den Gewalt einzuliefern. Und dann
aber muß er als Rebell, als Feind
behandelt werden, während wir trach
ten, einflußreiche Männer als Freunde
für unsere Regierung zu citoerben. Be
wegt Euern Mann, daß er sich freiwil
lig stellt, und er soll der Gnade des Ge
nèrafëBarangnay d'HillierS wärmstens
empfohlen fein."
„Was Oes da von mir verlangt,kann
Enter Ernst nit fein", sagte das mu
thige Weib. „Von Gnad redet Oes mir
vor! Dös Wort, mein i, kennt Oes
gar nit im französischen Reich. Na na,
bei ins im Tiroler Land sein die Wet
bet nit a so, daß sie in a jede
Fall einitappen, und a Fall wär'S doch,
wenn i Eitlem Worten Glaube» schen
ken thät."
Erzürnt ließ bei Officier das Weib
abführen. Da trat ein Corporal ein
und erstattete eine Meldung. Zn einer
kleinen Kamme? d-K Hintergebäudes
hatten sie einen Mann gefunden, der,
wie den Anschein habe, genau den
Aufenthalt des Rebellen wisse. Der
Mann sei a::m, ein herum streichender
Vagabund und. wie die anderen im
,'Qf?
i
V",
W-#1
'if A&.V.
Hause befindlichen Tiroler aussagen,
ungemein schlau und habe schon man
chen verwegenen Streich ausgeführt.
„Schmiedadl" sei sein Name,und der
vielleicht wäre mit Gold zu gewin
nen.
Dem Officier schien es auch nicht
unwahrscheinlich, so einen,armen Teu
fei mit Geld zu einer Aussage bewegen
zu können. Jedenfalls wollte er den
Versuch wagen. Er ließ sich den
Schmiedadl (Schmied Adam) vorsllh
ren und behandele ihn zuerst mit ge
winnender Freundlichkeit.
Der Schmiedadl war ein Mann,
vielleicht Mitte der vierziger Jahre,
von gedrungener Gestalt, sehnig und
sonnenverbrannt, mit gar listig fun
kelnden Aeuflleitt unter buschigen
Brauen und die Haare glatt in die
Stirne gestrichen. Seine Gewandung
war abgeschabt, vielfach geflickt, und
die Füße staken in Schuhen mit Holz
sohlen.
Als er in die Stube trat, wo der Of
ftrier seiner wartete, tupfte er den Mit
telfingâ in das dort hängende Weih
brunntrüglein und grüßte, wie lan
'desüblich: „Gelobt sei Jesus Christus."
Der Officier gab hierauf keine Ant
wort und betrachtete sich stumm den
Burschen von oben bis unten.
Dieser warf erst einen Blick an sei
nem Körper hinab, als wollte er un
tersuchen, ober vielleicht an feiner Klei
dung etwas bemerke, was den Officier
veranlasse, ihn also zu mustern. End
lich sagte er, sich mit der rauhen Hand
die-Haare in die Stirne streichend:
„Mei 's Klüftl (Kleid, Anzug) ist frei'
schun a bissele mitgnummen. Aber 's
Festiggewand, sell leg i nimmer an,
weil mir in Tirol kuan Festig mehr
haben."
„AlsoJht seid derSchmiedadl," sagte
der Officier, ohne sich auf weitere Aus
einandersetzungen mit dem Burschen
einzulassen. „Eure Findigkeit und
Eure Schlauheit wurde uns vielfach
gerühmt. Ihr habt den Aufständischen
oft gute Dienste geleistet. Schade um
Euch."
„O mei", entgegnete treuherzig der
Mann, „o mei, gar nit schad ist's um
mi, gar nit. Nit amal der Strick zahlt
si aus, wenn's mi aufhängen laßt."
„Nicht doch, so ist meine Rede nicht
gemeint", sagte der Officier. „Ich mei
ne, es ist schade, daß ein so findiger
Kopf nicht in unseren Diensten steht."
„A sell geht nit", sagte lachend der
Schmiedadl. „Na na, i bin schon viel
jtu alt und 's Französische erlernet i
nimmer bis an mein End."
„Wäre ja nicht nöthig, mein lieber
Freund. Wir brauchen Leute, die ge«
Hau
vertraut sind mit den Einwohnern
dieses Landes, denen a£e Schlupfwin
kel bekannt sind und die im Stande
wären, uns von jeder aufkeimenden Be
toegung sofort zu verständigen."
„Teufl," sagte lauernd der Tiroler,
„ma würd' gut zahlt teerdn für so a
Angestellung."
„Fürstlich würdet Ihr belohnt wer
fix it und Ihr stündet unter dem
Schutze unserer mächtigen Regierung."
„Aber na na, 's gang nit", sagte
Schmiedadl, indem er sich hinter den
Ohren kratzte. „Sell gang nit, denn i
mein grab, zu wenig Geld haben thät's,
mi zu zahlen."
„Wieso," fuhr der Officier zornig in
die Rede.
„Ja ja, zu wenig Geld hättet's.
Secht's, wettn dös Haus da, in dem
mir stehn, ganz ausg'raumt würd'
und ringsum bauet man a stockhohe
Mauer drauf und den ganzen Raum
füllet's mit Gol'dstücklen, dös reichet
alleweil no nit, aus miar so an
schlechtn Kerl zu mache, tote Oes im
Sinn habt.
I
bin a armer Mensch und muß oft
und oft zur Mahlzeit lei a hart's Brod
in an Brunnentrog einweichn, ober
kuan Gold der Welt verlocket mi zu so
an schlechtn, nichtsnutzign Handl.
Schnurgrad könnt i Enk hinführn zum
Winkele, dös den jungen Tharerwirth
versteckt. Entere Leut finden ihn nit
und wenn sie no hundert Jahr suchn.
Aber Schmiedadl heißt er nit, der Enk
hinweist!"
Zornig riß der Officier b« niedere
Stubenthüre auf und schrie hinaus:
„Sergant Duplan, beordern Sie fofort
zwei Reiter. Dem ersten soll am
Schwanz des Pferdes der Bursche da
mit den Händen angebunden werden.
Der zweite nehme eine der langen Bau
ernpeitschen, wie sie da an der Wand
klängen und treibe tüchtig nach. Der
Rebell ist sofort dem Capitän Re in
Brunneck abzuliefern."
Hieraus ließ der Officier alle Ein
wohner des Hauses zusammenrufen,
und auch eine Menge Nachbarsleute ka
me it.
Finsteren Blickes trat er vor die Ver
sammlung hin und wendete sich zuerst
an den alten blinden Vater des geslüch
teten Wirthes. „Wo ist Euer Sohn?
Antwortet mir."
„Mei Sohn," sagte lächelnd der
Greis, „wo mag der let sein! I hoff
und bitt infer it Itaben Herrgott, daß
er auf an Ort ist, wo Oes nit hinfin
det."
„Gut", sagte hieraus derOfficier, „so
vernehmt den Befehl meines Generals.
Wenn sich von heute ab in drei Tagen
der der Rebellion und der Aufwiege
lung zum Aufstände angeklagte Peter
Siegmair njcht freiwillig stellt, wir
werden in dieser Frist nicht das Ge
ringste unternehmen, ihn aufzufinden
—, so ist an seiner Statt der Vater
abzuführen und in Brunneck zu er
schießen. Nun kennt Ihr alle den
Sachverhalt und ich hoffe, der junge
Tharerwirth wird ehestens Kunde hier
von erhalten."
Da trat der alte Tharerwirth an der
Hand seines Enkelkindes hoch erhobenen
Hauptes vor und wendete sich an seine
Landsleute. „Leut, bei meine sehnet
weißn Haar bitt i Enk, nehmt's miar
nit den guten Glauben an die Tapfer-1 du
»'. V '"t(
feit der Tiroler und verrathet's nit
mein armeft Sohn. Schaut's,, was
liegt an die etlichen Tag, die mir der
liebe Herrgott im Himmel schenkt. Dös
ist totrklt kuan Opfer, dös i bring,
wenn i für mein Kind erschossen werd,
steh i ja selbst mit eim Fuß im Grab."
Mit zitternden Händen schob er sein
Enkelkind vor. „Schau, Lenerl, heb
die Handlen auf und bitt die Leut da
recht inständig, sie sollen Dein Vater
nit verrathen." „Doch fast unwillig
schnitt er da feine eigene Rede ab. „Na
na, Lenerl, thu's nit. Wenn einer da
drunter wär, der Dein Vater verrathen
könnt, Dein Vater, der mit ihnen ge
kämpft hat, so ist leicht besser, sie er
schiefen ihn."
„Bin neugierig, ob Eure Herzen so
verhärtet sind, daß Ihr den unschuldi
gen alten Mann für den schuldigen
Sohn leiden lassen werdet", sagte hä
misch der Officier.
Da wendete sich der blinde Bauer
zürnend gegen den Sprecher. „Un
schuldig sagt's? O na,mein liaber Herr,
unschuldig bin i nit. Mit Ergebung
und Geduld hab i 's Unglück ertragn,
daß es mir nit'vergunnt ist, 's Sun
nenlicht und die Welt zu schauen. Wie
i aber die Stutzen hab krachn hören,
hie Schwegler und Trommler und un
sern alten Schlachtruf: Mit Gott, für
Kaiser und Vaterland, da hab i's erste
Mal gmurrt mit'n lieben Herrgott,
daß er mi hat erblinden laßn. Und
jetzt, Herr Officier, jetzt dank ihm
mit aufgehobenen Händen, daß es mir
ergunnt ist, nteim lieben, armen Tiroler
Landl a an Opfer zu bringen.
Unschuldig meint's werd i e»schoßn?
0 baleib, da macht's Enk kein Gewißn
draus. I glaub nit, daß einer zu sin
ken ist, der die Franzosen so haßt wie
i, und, Gott mög mir die Sünd ver
zeihen, den Franzosenkaiser, den der
fluch i
„Halt, halt, eine solche Rede darf ich
wicht dulden!"
„Mag sein, daß Oes so a Red nit
anhörn dürft. Aber den Fluch seid's
nit int Stand zu unterdrückn, weil er
nit lei aus meint Herzn, o na, aus viel
tausend Herzn kummt!
So, meine lieben Leut, setz wölln mir
in's Haus eini gehn und unablässig zur
Himmelsmutter beten, daß mein Suhn,
Enker Vater, nit heimkummt."
éo vergingen drei Tage in banger
Erwartung. Der alte, blinde Tharer
wirth war heiter und froh und wieder
holte nur immer wieder die Bitte:
„Liebe Himmelsmutter, den gtoßn
Gfalln thust mir, und laß Weg und
Steg so verschneibn, daß mein Sohn
feine Nachricht zukummt."
Die Männer im Dorfe gingen finste
xen Blickes herum. Einmal hatten, sie
sich in einem Kellerraum versammelt
und berathen, aus welche Weise sie den
blinden Wirth befreien könnten. Doch
General Broussier hatte ihnen alle Mas
sen abgenommen und hatte durch feine
unerbittliche Strenge die armen Leute
so niedergedrückt, daß man in ihnen
kaum mehr jert^ .Helden zu erkennen ver
mochte, die einer solchen Uebermacht im
blutigen Kampfe tapfer und ohne zu
tranken gegenüberstanden.
So kam der dritte Tag heran, und
als es vom Kirchthurme zwölf Uhr
läutete, forderte der Officier die Leute
alle auf, sich in der Gaststube zu sam
meln.
In den verflossenen Tagen hatte man
noch fünf Bauern, welche sich hervorra
gend an der Erhebung nach dem abge
fcklossenen Wiener Frieden beteiligten,
gefangen eingebracht.
Nachdem sich die ganze Familie des
Tharerwirthes und die-Nachbarn ein
gefunden hatten, ließ der Officier auch
die fünf eingefangenen Bauern vorfüh
ren.
„Es ist Euch get*gend bekannt,"
sagte er, vor 'sie hintretend, „welches
Schicksal Euch erwartet, wenn Ihr nach
Brunneck abgeführt werdet und dort die
von mir aufgenommenen Protokolle zur
Verhandlung kommen. Es wird sich
kaum mehr ein so günstiger Augenblick
finden, der Euch alle retten kann, wie
eben jetzt. Das sind keine leerett Worte,
die ich spreche, es handelt sich um Leben
und Freiheit. Volle Begnadigung kann
ich Eu* aber zusichern, wenn Einer von
Euch meine Frage offen beantwortet:
Wo ist der junge Tharerwirth?"
Auf diese Rede war es so still in der
Stube, daß man es deutlich vernahm,
wenn der Krummschnabel in seinem
Bauer am Fenster von einem Stänglein
auf das andere hüpfte.
„Ich begreife," sagte darauf der Of
ficier, „keiner von Euch will hier vor
den Leuten offen sprechen. trete
hier in die Nebenkammer und lasse Euch
einzeln vorführen, so wird es immer
unbekannt bleiben, wer meine Frage
beantwortete."
Da trat der Bauer ISeitgeb vor und
sagte: „'s ist schad um die Müh, die 's
Enk gebt. Schaut, nit a mal fragn thu
1 meine Kameradn, ob sie einverstandn
sein, weitn i sag, in der Stubn steht
fem Verräther."
Mit gefalteten Händen stand der
blinde Vater von der Bank auf und
sagte: „Vergelt's Gott, Leut, in Him
mei auft vergelt's Gott!"
In diesem Augenblicke
1
wurde die
Thüre ausgerissen und bleich, mit wir
ren Haaren stand der junge Peter Sieg
mair im Rahmen derselben. Einen
Augenblick starrte er auf die Gruppe,
dann stürzte er mit dem Rufe „Gott sei
Dank, i kimtn nit zu spät!" zu den FÜ
ßen seines blinden Vaters.
„Mei armes, armes Kind," flüsterte
dieser, die Hände wie segnend auf den
Kopf feine? Sohnes legend. „Hast
denn nit an Weib und Kinder denkt?"
Da wendete sich der Held erst zu
seiner Familie. Mutter und Kinder
liebevoll an sich ziehend, sagte er: „Kein
Macht der Welt könnt mi aufhalten,
auf die Schreckensnachricht, die mir der
Schmiedadl, der feinen Wächtern
durchbrennt ist, heut hinterbracht hat.
-ri
'HS i
i V,
â.
/V
Da ist mein Platz, Vater, und wenn i
a den sichern Tod entgegn geh, so kann,
i nit änderst handeln. Und für mein
letzn Weg bitt i um Enkern Segen, Va
ter, so wie i a meine Kinder segne."
„So hoch ich Eure Kindesliebe achte
und ehre," sagte nun der Officier, „ich
muß meiner Pflicht nachkommen. Pè=
ter SiegckaG'Jhr seid mein Gefange
ner!"
Als nun der blinde Großvater hörte,
wie Mutter und Kinder laut auswein
ten, als man den Vater..mit Ketten fes
selte, da tröstete er: „Meine lieben
Kinder, die Ketten, mit denen man den
Vater fesselt, fünft a Zeichn der
Schmach, fein Ehrenzeichn, viel herrli
cher, als a goldene Kaiferkron. Und
Oes, toemt's der Methung seid, mit an
jeden Schuß, mit dem's a Menschenle
ben aus der Welt schafft, vermindert's
Enkere Feinde, da seid's falsch dran.
Dös köstliche Pflanzl, die Kaiserinn,
in an jeden jungen Tirolerherzn gedeiht
es und neu aufblühn wird's, wie Al
penrosen nach dem Winterschnee."
Umsonst blieben alle Bitten, umsonst
das Jammern und Flehen der Mutter
und Kinder. Ant zweiten. Sonntag
nach Neujahr wurde Peter Siegmair,
der Tharerwirth, erschossen. Als ein
3ige Gnade wurde erwirkt, daß die Exe
cution nicht, wie der Befehl lautete, vor
feinem eigenen Hause, sondern von die
sem entfernt vor dem Baumgartner
Hause vollzogen wurde.
Das ist die Geschichte eines Tir»ler
Helden! in schlichter Lodenjoppe und
Kniehose, mit einem Herze» a6et- so
edel wie Gold.
Vergebliche Warnung«
Ein Veilchen blüht am Wege,
Ein Jäger geht vorbei _P
Er sieht es nicht, er merkt es nicht,
Sieht auch sein Duft ihm in's Gesicht,
Es ist ihm einerlei!
Ein Mägdlein, traut und wonnig»
Bleibt vor dem Blümlein ffteh'n
Sie bückt sich rasch und pflückt's voll
Lust,
Steckt's sorgsam d'raus an ihre Brust,
Um's Veilchen ist's gescheh'n!
Der Jäger kommt zurücke
Vom grünen Waldrevier,
Er spricht zum Mägdletp:''„Küsse
mich!"
Das Veilchen ruft: „Du, hüte Dich!.
Sonst geht Sir's so wie mir!'
„Vergeblich ist Dein Warnen,"
Das Mägdlein lächelnd spricht,
„Und soll mir's so wie Dir ergeh'it,
Was Schon'res kann mir nicht ge
scheh'n,
Wenn auch das Herz mir bricht!"
ROBATUM EST.
Unterofficier Brinkmann war
Verzweiflung nahe. „Dieser Pv
schinski, dieser Poschinski bringt mich
um meinen guten Ruf als Turnleh
rer," ächzte er.
Morgen war Rekrutenvorstellung.
Sämmtliche Grenadiere von der Cor
porals5)aft Brinkmanns verstanden
ihre Sache tadellos, bis auf Po
schinski. Im Gewehrexerzieren gings
ja allenfalls, aber das Turnen, das
Turnen!
„Der Kerl kriegt ja nicht den ein
fachsten Klimmzug fertig!" wetterte
der geängstigte Corporal. Und et
wußte ganz genau, daß der inspizi
rende Officier gerade auf Klimmzüge
großen Werth legte.
Aber Brinkmann war ein Genie
so schnell gab er seine Sache nicht ver
loten.
Eine Stunde vor Beginn der Vor
stellung entfaltete der Corporal unter
Assistenz einiger Grenadiere in der
Turnhalle eine geheimnisvolle Geschäf
tigkeit. Darauf nahm er den unge
schickten Polalen zur Seite.
„Also Poschinski, wenn's heißt
..Klimmzug!" dann schaust Du scharf
an die Turnhallendecke, genau über
Deiner Reckstange und alles wird
gut gehen."
„Zu Befehl, Herr Unterofficier!"
Der kritische Moment war gekom
men. allseitige Spannung.
Herzhaft packten Poschinskis Rie
fenfäufte die Stange starr heftete
sich fein Blick auf die Decke wie in
heißem Verlangen erweiterte sich das
Auge und ein freudiges Schmunzeln
verklärte fein Gesicht.
Jetzt das Commando mit spie
lender Leichtigkeit hob sich die vier
schrötige Gestalt an der Reckstange em
vor.
„Brav, mein Sohn, der Klimmzug
war gut!" lobte der Officier. „Und
mit rechter Freudigkeit wurde die
Uebung vollführt, so gefällt mir's."
Wie hätte sich Poschinski aber auch
der magnetischen Anziehungskraft der
großen, schönen Wurst dort oben an
der entziehen können!
5 iit
Genau befolgt.
Der Amtsschreiber SchlLule hat eine
Bäuerin, die von einem Viehhändler be
trogen fein will, aufgefordert, mit ih
ren Zeugen an Amts stelle wieder zu er
scheinen. Zur bezeichneten Zeit tritt
die Bauersfrau, begleitet von einer Sau
und zwei Jungschweinen, ein. Der
Gerichtsschreiber flüchtet entsetzt auf
den Schreibtisch und donnert die Frau
an: „Was ist das für eine Schweine
rei?"
„Jessas," saat die Bäuerin ganz ver
blüfft, „Oes haben'S doch g'sagt, i soll
mei Zeigen mitbringen, und dös da san
die einzigen Zeigen, die gehört höhen,
was mir der Malesix-Viehhändler ver
sprochen un nicht g'halten hat!"
1
tm mm
freunde schadet dir mehr, als hex Ber
stand deiner Feinde.
1
I.
'Ah"
y e
Manche «Sitten und Gebräuö^ er»
scheinen uralt, weil sie allgemein und
weit verbreitet, sind. Forscht man ih
nen aher nach, so ist man bisweilen
merkwürdig enttäuscht, wenn man fin
'det, wie jung sie noch sind. Eine
jungfräuliche Braut ohne Myrthen
kränz, das ist in Deutschland etwas so
Undenkbares, daß man wirklich daraus
schließen könnte, diese Sitte sei uralt
in Deutschland. Und doch sind es
kaum dreihundert! Jahre her, feit die
erste deutsche Braut den Myrthenkranz
trug. Noch vor etwa 150 Jahren war
der Myrthenkranz etwas Vornehmes,
beute möchte die ärmste Braut ihn nicht
missen.
Aber wenn die Myrthe auch in
Deutschland erst eine kurze Geschichte
hat, so kann sie doch in den südlicheren
Ländern auf eine Jahrtausende alte
Legende zurückblicken. Bekannt ist. es,
welche Rolle die Myrthe Aboth in
Israel spielte, und noch heutigen Ta
ges spielt. Argan minim, d. h. Citro
nenbaum, Dattelpalme, Myrthe und
Thränenweide, bildete das Symbol
der Vereinigung der Gottheit mit der
Creatur. Doch nicht unsere gewöhn
liche zweiblätterige Myrthe, sondern
eine dreiblättrige Form ist Aboth, der
Himmel und sein System. So ist
die Myrthe auch das Symbol des Frie
dens, des Todes im alten Testament.
Mehr dem Jdeengange der neueren
Zeit entsprechend war die Myrthe bei
den Griechen der Baum der Liebe.
Mancherlei Sagen werden uns überlie
fert, wie die Myrthe entstand. Daß
sie nicht nur der Venus, sondern auch
der Ceres, der Proserpina und dem
Bacchus heilig war, wissen wir aus
den Schriften der Alten. Myrthen
stanze spielten eine große Rolle im
griechischen Volksleben. Eine' der ei
genthiimlichften Sitten war es, 'daß
derjenige, welcher Verse des Aeschylos
oder Simonides vortragen wollte, sich
zuvor einen Myrthenkranz aufsetzen
mußte.
Bei den alten Römern war der Myr
thencultus nicht minder ausgebildet.
War ein Sieg ohne Blutvergießen er
rungen, so erhielt der Sieger die Co
TO
na ovalis, den Myrthenkranz. Die
Muse Erato und Hymertaeus, der Gott
der Ehe, trugen Myrthenkränze, doch
•durfte auf den Altar der „guten Göt
tin". bei deren Gottesdienst die Männer
ausgeschlossen waren, keine Myrthe nie
beigelegt werden.
Jugend und Schönheit brachte die
Myrthe und bringt sie in Italien noch
heute. Myrthenessenz oder Engelwasser
(„Eau d'aitge") ist ein wichtiges Kos
met'kum der italienischen Damen. Der
Wohlgeruch 'der Myrthenblätter ist all
bekannt. Er rührt' von einem Oele
her, welches sich in kleinen Drüsen der
Blatter befindet, die man deutlich sieht,
wenn man ein Blatt gegen das Licht
hält. Nach altgriechischer Sage haben
diese feinen Pünktchen eine besondere
Geschichte. Phädra, die unglückliche
Gattin des Theseus, beobachtete unter
einem Myrthenbaumc bei Trözine. in
Träumen versunken, Hippolyt, als er
seinen zweirädrigen Wagen bestieg und,
vom Geheul der Meute begleitet, zur
Jagd aufbrach. In ihrem Liebes
schmerz zerstach die Verschmähte die
Blätter der Myrthe mit den goldenen
Haarnadeln und erhängte sich dann
selbst an einem Aste des Baumes.
Die deutsche Myrthe ist die einzige
Art ihrer Familie in Europa. Von
den etwa 1800 Verwandten sind fast
die Hälfte in Südamerika und eine an
nähernd ebenso große Anzahl in Au
stralien heimisch. Unter den letzteren
befinden sich die höchsten überhaupt be
kannten, Eucalyptus-Arten nämlich,
welche mit fünfhundert Fuß Höhe selbst
noch die nordamerikanischen Mam
-muthbäume übertreffen. Einige Ver
wandte der Myrthe erfreuen sich eines
besonderen Ansehens bei den Haus
stauen. Hierher gehören zum Beispiel
trie „Gewürznelken", der Pimentpfef
fer, auch englisches Gewürz genannt,
und die dreieckige Paranuß. Andere
Verwandte sind in ihrer Heimath be
liebte Obstpflanzen, wie zum Beispiel
die Jambosen oder Rosenäpfel, die
Guajaven, der Topffrucht- und der Ka
nonenkugelbaum.
Das Cajaput-Oel stammt ebenfalls
von einer Verwandten der Myrthe.
Besonders werthvoll sind aber viele
Myrthengewächse wegen ihres kostba
Ten,
oft farbigen Holzes, das nicht seht
fest ist und sich in Folge dessen zu
mancherlei Dingen verwerthen läßt.
So ist der Kupferholzbaum ein naher
Verwandter 'der Jambofe, der echte Ei
senholzbaum und der Ratabaum ver
wandt mit dem Cajapetbauin, der neu
holländische Mahagonibaum und der
Eisendeilchenba'Um ein Eucalyptus.
Manche dieser Hölzer
könmten nur
in
frischem Zustande bearbeitet werden,
weil sie später eine solche Härte erlan
gen, daß gewöhnliche Werkzeuge daran
abprallen. Außer der deutschen Myr
the sind einzelne Arten beliebte Zier
pflanzen, die sich theils durch ihr glän
zendes, schönes, immer grünes Laub
auszeichnen, tote z. B. die Eugenien,
theils auch ihrer prächtig gefärbtenBlü
then wegen cultivirt werden, wie die
Callistemon-, Melaleuca- und Meimsi
detos-Arten. v
——, «m I jj i.. .'Tg,!*(,f
Mode ine Ehe. Helene:„Dein
Gatte war ein Mann von ausgezeichne
ten Eigenschaften." Henrietta: „Ja. er
war ein guter Mann. Jedermann sagt
so. Ich war nicht genau bekannt mit
ihm. Et war Mitglied von sieben S5e
reinen."
Schlau. Madame (zumDienst
mcidchen): „Minna, waschen Sit mal
den Fisch." Dienstmädchen: „A-berMa
dame, warum soll ich den denn waschen,
der ist doch sein ganzes Lebendang tm
Wasser gewesen/
Hochzeitsbräuche.
Oföret hohen und etwas a&enteyerTf*
chen Gestalt haben die Windmühlen
au verdanken, daß die Sagen, Märcheft
und Lieder dichtende und sinnvolle.
Bräuche und Sitten schaffende Volks»
Phantasie sich mit ihnen beschäftigt, bm
sonders in den Marschen, in deren flai*
cher Ebene sie weithin gesehen werden»
In den Hannoverschen Elbtnarfcherts
besonders imLande Hadeln und in derrt
zti Hamburg gehörenden kleinen Amt
Ritzebüttel knüpft sich an die Mühlen
ein merkwürdiger Hochzeitsbrauch, der.
noch bis auf den heutigen Tag ausge
übt wird. Inmitten Cuxhavens, auf
feinem schönsten Platz, erhob sich eine,
große Windmühle, ein altes Wahrzei
chen Cuxhavens, das früher auch alft,.
Seeinarke eine Rolle gespielt hat, und
drehte bis vor kurzer Zeit unbeküm*
mert um die vornehme Nachbarschaft
ihre gewaltigen Flügel in der frische»
Seebrise. Aber schließlich hat diese
Nachbarschaft, der er nicht mehr paßte,
den Riefen doch überwältigt er wurde
auf Abbruch verkauft. Als es so weit
war, wurde tm Ort eine Hochzeit ge,V
feiert. Da erschien plötzlich aus deflfc,
Dachöffnung der Mühle eine grofjé
Stange mit fustig flatternder Fahne.
Die dem Untergang geweihte Mühle
wünschte so sagten die Zuschauer—.
zum letzten Mal Glück zu einer Hoch
zeit. Die Flaggenhtssung stand
aller#
dings im Widerspruch zu dem u«,
sprünglichen Brauch des „Miihlert*
Glückwunsches": Aus dem Hinweg zur
Kirche und auf dem Rückweg von dort,
so sagt ein alter Glaube, dürfen die
Pferde vor dem Wagen, auf dem dai
Brautpaar sitzt, nicht scheuen, denn eilt
Unglück auf diesem Wege würde etile
unglückliche Ehe nach sich ziehen. Führt
nun der Weg an einer Windmühle vor*
über, so müssen die herum sausenden
Flügel still stehen und wehte auch de*
beste Wind, weil sie die Pferde erfchre*'
den könnten. Am Morgen der Hoch
zeit erkundigt sich deshalb der Altge*
feile der Mühle nach dem Zeitpunkte,
an dem der Hochzeitszug vorüber
kommt zu dieser Zeit läßt, er dann die
Flügel stillstehen, und zwar „in deq
Scheere", d. h. in der Gestalt eines lie
genden Kreuzes, denn ein stehende»
Kreuz würde wiederum Tod und Un
glück bedeuten. Zwischen die unteren
beiden Flügel aber tritt der Geselle, den
Zug begrüßend, und der Bräutigam
wirft ihm für feine Gefälligkeit wäh»
rend der Vorüberfahrt einen meist in
ein Tafchentuch geknoteten Thaler zu.
Ist dann der Zug vorbei, so werden die
Flügel dem Winde wieder preisgcge
ben.
Sinnig ist auch ein Hochzeitsbrauch
in Ungarn, das „Strickschneiden". Et
erinnert in seinem Ursprung an schwere
Anten, in welcher die Ungarn unter
türkischer Herrschaft standen und harte
Kämpfe durchzumachen hatten. Die
Kirchen waren damals alle mit festen
Mauern umgeben,und stieg die Drang
sal der Bevölkerung allzuhoch, so flüch»
teten die Greife, Frauen und Kinder
mit ihren Habseligkeiten in die mauer
umgebenen Kirchen, um dort Sicherheit
zu finden und zu beten, während die
Männer draußen in heißem Kampfe
mit den Türken lagen. Der Weg von
einem Orte zum anderen war mit
schweren Gefahren verknüpft, und traf
es sich, daß ein Brautpaar aus zwei
verschiedenen Ortschaften stammte, so
mußte der Mann die Braut oft mik
dem Säbel in der Hand einholen. Da
ran will der noch übliche Gebrauch ge»
mahnen. In der Nähe der Kirche wird
der Weg durch ein Strohseil versperrt,
und kommt der Hochzeitswagen hetan^
so muß der Bräutigam vom Wagen
springen und mit einem Holzsäbel sich
freie Bahn schassen. Schlägt er das.
Strohfei! auf den ersten Hieb durch, s»
kann er ohne Lösegeld Passiren für
jeden vergeblichen Hieb aber muß er ein
nach dem Brauch des Ortes und dem,
Reichthum des Ortes bemessenes Löse-'
geld entrichten, und erst nach dem Siege
„führt er die Braut heim*.
Novemberregeln für „Ihn" imfr
„Sie".
1
vl|ör „Ihn".
Dèr Ostwind pfeift durch alle Gassen
Und treibt die Blättlein durch die
Straßen,
Es wendet sich der Mensch und geht,
Wo er ein freundlich Heim erspäht,
So geht es auch im Lebenau,
Die Stürme, die am ärgsten brause»*
Die können nimmer lange Hausen, -V?'-?
Bald folgt nach ihnen stille Ruh. $
Trifft dich ein Sturm, so stehe fest, V'
Ein gesunder Baum nicht enttourzefot
sich läßt!
Für „Sie*
tB draußen stürmt und Btüfc V'V
A Mach beschaulich
Und recht traulichst
„Ihm" daheim das warme Nest.
So sollst, wenn des Schicksals @tiirmr.. v
t,Jhn" entblättern»
.5'Und umwettern
A
Dti nach wildem SturmgebrauO
In den Herzen ihm ein Haus
Fein erbauen!
Edle Frauen 4
Stub's, die uns in SturmeszeitM
Zur ersehnten Ruh geleiten!
Mißverstanden. Dame
(im Gespräch): „Kennen Sie die Sekte
«der Mormonen?" Lieutenant: „Gnädi
ges Fräulein setzen mich wirtlich inVer
legenheit, bilde mir ein so ziemlich all»
besseren Setisorten zu kennen von den
Sekten der Mormonen habe ich aber/
auf Ehre, noch nichts gehört!"
Die dritte Partei.
„Ich werde, wenn ich erwachsen bin, ein
Demokrat sein." Bob: „Und ich ein Rem
vublikaner." Will: „Ich werde fein#
von bewen, sondern ein Politiker sein,*
V ,,

u e s Z e i e n A z N a
Ger Tyurer WMy.
Sen Carl Wolf.
e U n v e s a n e i n e

xml | txt