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Der Deutsche beobachter. [volume] (New Philadelphia, Ohio) 1869-1911, December 19, 1894, Image 3

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V
k
,S^!
If:'-
Der Amtrikaier.
Unwetter und bitten Sie, uns ein Ob
dach zu gewähren, wenigstens so lange,
bis das Wetter vorüber ist."
„Ich glaube, es ist einer von den
'v beiden Herren, die wir oben am todten
r„
Moor getroffen haben," flüsterte das
K- ,-gvldlockige junge Mädchen.
Der Amerikaner ließ den Revolver
...sinken, mit völlig verändertem, fast
^'-.spöttischem Tone fragte er: „Wissen
'»^k
y (5. Fortsetzung.)
,. jV ,f- Die Freunde schritten veiter dxm
Hause zu, auf welches der Fußweg ge
Vj„ rade hinführte erst als sie demselben
*)*, ganz nahe waren, konnten sie in der
"]u- tiefen Finsterniß die Umrisse eines mä
ßig großen zweistöckigen Gebäudes er-
kennen, dessen Fenster mit Ausnahme
f. von zweien des Erdgeschosses dunkel
waren. Sie hatten die in der Mitte des
f' Hauses befindliche Thür erreicht, sie
v?. war fest verschlossen und weder eine
Klingel noch ein Klopfer war an der
selben zu bemerken.
„Wir wollen ort eins der erleuchte
7* ten Fenster klopfen. Vielleicht können
wir vorher durch dasselbe einen Blick
in das Innere des Zimmers werfen,
aus welchem das Licht strahlt. Hier
v' ficht ein Steig an der Front des Hau
ses entlang, er führt uns an das Fen
fter. Tritt leise auf, Kurt, der Amerr
'mer erfährt durch unser Klopfen zeitig
genug, daß ihm unerwarteter Besuch
vi maht."
An zwei dunkeln Fenstern vorüber
schritten die Freunde dem nächsten er
leuchteten Fenster zu, erst als sie das
selbe erreichten, bemerkten sie, daß es
durch starke Eisenstäbe nach außen
geschützt war. Sie blieben vor dem
Fenster in einiger Entfernung stehen,
um selbst im Dunkeln den im Zimmer
Befindlichen nicht sichtbar zu sein, aber
doch diese durch die von innen nicht
durch einen Vorhang verhüllten Glas
fcheiben zu beobachten. Sie blickten
in ein geräumiges, hellerleuchtetes Zim
mer, offenbar das Familienwohnzim
mer des Amerikaners, in welchem die
ser mit seiner Frau und seinen beiden
Töchtern in friedlicher Abendruhe ver
«int war. Die ganze Familie faß um
einen großen runden Tisch, in der
Mitte des Zimmers, die Frau auf ei
•\i .â bequemen Lehnstuhl, zu beiden
Seiten von ihr auf einfachen Rohrstüh
len ihre beiden Töchter, ihr gegenüber
mit dem Rücken nach dem Fenster ge
Zehrt ein großer starker Mann, eben
falls in einem bequemen Lehnstuhl.
Eine von der Decke herabhängende
Lampe beleuchtete hell die Gesichter
der drei weiblichen Bewohner des
Zimmers. Kurt konnte mit seinen
scharfen Augen jeden Zug derselben er
kennen.
D^e Frau saß mit halbgeschlossenen
Augen zurückgelehnt in die weichen
Polster des Lehnstuhles, sie hatte die
Hände auf den Schooß gefaltet, ihr
feines, noch immer durch die regelmäßig
gen Züge schönes, aber krankhaft blei
ches Gesicht trug denAusdruck gespann
tcr Aufmerksamkeit, mit welchem sie
ebenso wie ihre beiden mit weiblichen
Arbeiten beschäftigten Töchter den
Worten des Mannes lauschte, der aus
einem vor ihm auf dem Tisch liegen
den Buch: seiner Familie vorlas. Die
mit wohllautender kraftvoller Stimme
ausdrucksvoll gesprochenen Worte er
tönten verständlich z« den Lauschenden
draußen.
Vor grauen Jahren lebt ein Mann im
Osten,
Der einen Ring von unschätzbarem
Werth
Aus lieber Hand besaß
„Sieht das aus wie eine Räuber
•tiöhle?" flüsterte Kurt.
„Unsinn! Ein sonderbarer Art von
Raubmörder, der seinen Töchtern den
Nathan vorliest. Mit welcher Span
nung die reizende kleine Schwarzlockige
ihm zuhört. Sie ist entzückend!
Otto, wir müssen beide das hübsche
Bild zerstören. Klopfen wir an das
Fenster!"
Falk trat einen Schritt bor und
klopfte mit dem Knöchel an die Schei
be. Die im Zimmer Befindlichen fuh
ren bei dem unerwarteten Ton jäh in
•bie Höhe. Der Mann richtete sich aus
dem Lehnstuhl auf und als er an dem
'Fenster draußen einen Menschen sah,
der durch die Glasscheiben in das Zim
mer schaute, sprang er mit zwei gro
ßen Schritten nach der Fensterwand,
-im nächsten Moment hielt er einen Re
volver in der Hand und richtete die
Mündung drohend auf den draußen
"Stehenden, jetzt erst sah er, daß dieser
nicht allein war, daß etwas weiter hin
ten noch eine zweite dunkle Gestalt
stand. „Wer ist da draußen?" rief
«r mit drohender Stimme, den Revol
ber schußbereit haltend.
„Verzeihen Sie die Störung," erwi
bette Falk im höflichsten Tone. „Wir
suchen Schutz vor dem fürchterlichen
Sie, wo und bei wem Sie Schutz
suchen?"
»Ich glaube annehmen zu dürfen,
Hdaß dies das rothe Haus ist und daß
'llich die Ehre habe, mit Herrn Müller
|ju sprechen."
„Eine zweifelhafte Ehre! Sie müs
sen ein Fremder sein, wären Sie ein
•Einheimischer, dann würden Sie lie
der sich der Gefahr aussetzen, vom
^Blitz erschlagen zu werden, als der.
Welche Ihnen im Hause des Amerika
ners droht."
„Wir haben den entgegengesetzten
Deschmack und ziehen die gastliche Auf
nähme im rothen Haufe dem Wandern
durch Sturm und Wetter vor. Ich
wiederhole meine Bitte um freund
ficht Gewährung eines Obdaches für
I diese Nacht oder wenigstens so lange,
bis das Gewitter ausgetobt Hai."
tu soll erfüllt werden, âe auf diesen führende Thür,
Gehen Zie nutfistch der.Hausthi!?,.V!'
'i. -1,
werde Ihnen öffnen. Susanne, rust
schnell den Jobst, er soll mit dem Licht
kommen und- leuchten."
Susanne, das schwarzlockige junge
Mädchen, eilte aus dem Zimmer, der
Amerikaner folgte ihr etwas langsa
meren Schrittes und den Revolver
hing er nicht Wiedel an den für die
Waffe bestimmten Riegel an derWand,
er setzte ihn zwar in Ruhe, steckte ihn
aber in die Brusttasche des groben
Flauschrock, so daß er ihn in jedem
Moment wieder schußbereit haben
konnte. Er ging langsam durch ein
großes dunkles Zimmer, so daß er den
quer durch das ganze Haus führenden
Hausflur in demselben Augenblick er
reichte, in welchem Jobst mit einer
brennenden Lampe in der Hand aus
der nach dem Hofe hinaus gelegenen
Gefindestube trat. Er nahm Jobst die
Lampe ab und befahl ihm, die Haus
thiir zu öffnen.
Es dauerte einigt Zeit, He Jobst
mit dieser Arbeit zu Stande kam,
denn die Thür war kräftig von innen
gegen einen Einbruch verbarrikadirt.
Ein dicker, in die Wand eingelassener
Balken und zwei braue eiserne Riegel
mußten zurückgeschoben und ein ge
waltiges Schloß von innen aufgeschlos
sen werden. Als.jetzt die Thür endlich
sich öffnete, hielt der Amerikaner die
Lampe in die Höhe, um feine späten
Gäste zu betrachten. Einen besonders
vortheilhaften Eindruck machten diese
nicht. Die von dem langen Regen
durchgeweichten Kleider klebten ihnen
an den Gliedern, das Wasser sickerte an
ihnen herunter, mit jedem Schritt hin
terließen sie eine nasse Spur.
Zuerst trat Falk in die Thür, der
Amerikaner begrüßte ihn, die durch
geweichte Kleidung musternd, mit ei-
nem Lächeln, als nun aber Kurt dem
Freunde folgte und den Hut abneh
mend, sich drehte, verschwand Plötzlich
das Lächeln auf dem Gesicht des Arne
rikaners. Mit starren, weit geöffneten
Augen schaute dieser den jungen Mann
an, und er hob die Lampe höher mit
der bebenden Hand, so daß das volle
Licht auf das Gesicht des Nahenden
fiel.
„Wer sind Sie? Wie heißen Sie?"
stammelte er mit zitternder, fast ver
sagender Stimme.
„Ich heiße Kurt von Dyssern," er
widerte Kurt, erstaunt den Mann an
schauend, der ihn so seltsam begrüßte.
Er hatte diesen früher schort irgendwo
gesehen, das nicht unschöne Gesicht mit
den scharf markirten Zügen war ihm
bekannt, in diese dunklen Augen mußte
er schon geblickt haben, die ganze Er
scheinung des Mannes war ihm wun
derbar vertraut.
„Kurt von Dyssern!" murmelte der
Amerikaner. „Kurt von Dyssern!"
wiederholte er mit versagender Stim
me, seine Hand zitterte so stark, daß
Jobst hinzusprang und ihm die Lampe,
die er beinahe fiätte fallen lassen, ab
nahm. Eine fliegende Rothe färbte
seine braunen Wangen stärker, die
ganze kräftige Gestalt bebte. Mit ei
nem unbeschreiblichen Ausdruck im
Auge schaute er Kurt an, einen Au
genblick war er sprachlos, dann aber
raffte er sich gewaltsam auf. Er strich
sich mit der rauhen, braunen Hand
über die Stirn und Augen, er zitterte
nicht mehr, kräftig richtete er sich die
Höhe.
„Es freut mich, Herr Von Dyssern!"
sagte er mit einem ganz veränderten,
ruhig freundlichen Tone, „daß der Zu
fall Sie und Ihren Freund in mein
Haus geführt hat und daß ich Ihnen
Schutz vor dem Unwetter gewähren
kann. Sie sind mir willkommene Gä
fte. Ich werde Sie mit Freuden mei
ner Frau und meinen Töchtern vorstel
len, vorher aber müssen Sie vor allen
Dingen sich umkleiden, Sie sind ja
vollständig durchnäßt."
„Allerdings! Naß bis auf die Haut!
Ich komme mir vor wie eine gebadete
Katze," bemerkte Falk.
„Diesem Unglück kann leicht abge
Holsen werden," fuhr der Amerikaner
freundlich lächelnd fort. „Sie haben
Beide ungefähr meine Figur. Meine
Kleider müssen für den Augenblick
aushelfen, ich denke, sie werden Ihnen
passen. Jobst, führe die Herren nach
meinem Schlafzimmer, suche aus dem
Kleiderschrank die nöthigen Kleidungs
stücke hervor, die besten, Jobst, merke
es Dir, und vor Allem sorge dafür,
daß die Herren auch frische Leibwäsche
bekommen. Die Kommode steht offen.
Kleiden Sie sich um, meine Herren,
wenn Sie fertig sind, wird Sie Jobst
nach dem Familienwohnzimmer füh
ren. dort hoffe ich Sie bald zu be
grüßen und meiner Frau und meinen
Töchtern vorzustellen. Während Sie
sich anziehen, wird dafür gesorgt wer
den, daß Sie ein Glas Glühwein zu
Ihrer Erwärmung und Stärkung vor
finden, weitn Sie zu uns herunter
kommen."
Mit der größten Verwunderung
horchte Kurt diesen Worten. Welche
wunderbare Veränderung war plötzlich
mit dem Amerikaner vorgegangen! Er
zeigte sich mit einem Male als der lie
benswürdigste, aufmerksamste Gast
freund gegen zwei Fremde, die sich ihm
aufdrängten und denen er anfangs
offenbar nur ungern sein Haus ge
öffnet hatte. Welche Ursachen konnte
feine plötzliche Zuvorkommenheit ha
ben? Kurt wollte einige Worte des
Dankes sagen, aber der Amerikaner
unterbrach ihn: „Ich bitte, Herr vor
Dyssern, kein Wort des Dankes. Ick
habe mich in jahrelanger Einsamkeit
so sehr aller höflichen Gefellschafts
Phrasen entwöhnt, daß sie mir jetzt im
Grund der Seele verhaßt sind. Aus
Wiedersehen im Wohnzimmer, sobald
Sie sich umgekleidethaben. Jobst,
gehen den Herren vâan und leucht«
ihnen!" I
Der lange Jobst führte die Freunde
eine steile Treppe in die Höhe nach
einem großen, unmittelbar über den
Hausflur liegenden Vorsaal, er öff-
„Dies ist das Schlafzimmer der Her«
ren," sagte er mit rauher Stimme, auf
dem Wege hatte er kein Wort gespro
chen, er war den beiden Freunden mit
in der hochgehobenen Hand gehaltener
$?ampe leuchtend vorausgegangen, nur
hier und da hatte er nach ihnen zurück
geschaut und sie mit finsteren Blicken
gemustert jetzt trat er in das Zimmer
und setzte die Lampe auf einen
Tisch.
Die Freunde folgten ihm, sie schau
ten sich neugierig in dem Schlafzimmer
des Amerikaners um. Es war ein
geräumiges zweifenstriges Gemach, die
beiden Fenster waren ebenso wie die
im Erdgeschoß mit starken Eisenstan
gen gegen einen Einbruch von außen
verwahrt. Die Einrichtung des Zim
mers war überaus einfach, fast dürftig.
An der einen langen Wand das Bett,
kein weiches Federbett, sondern ein
hartes, aus einer einfachen Matratze,
über der eine große wollene Decke aus
gebreitet war, bestehendes Lager. Am
Kopfende des Bettes stand eilt aus ro
hem Holz gefertigter, braun angestri
chener Tisch, ein zweiter etwas größe
rer, aber fast gleichartiger Tisch, auf
welchen Jobst die Lampe gestellt hatte,
stand an dem Pfeiler zwischen den
beiden Fenstern. Ein rohgearbeiteter
großer Kleiderschrank, eine ebensolche
Kommode, vier ganz gewöhnliche
Stühle und ein offener Waschtisch,
auf welchem das Waschbecken und ein
großer irdener Wasserkrug standen,
bildete das ganze mehr als einfache
Mobiliar. Das Zimmer mit seinen
grauen, farblosen Wänden, die durch
kein Bild geschmückt wurden, machten
einen trostlos öden, fast unheimlichen
Eindruck, der noch erhöht wurde da
durch, daß der einzige Wandschmuck
zwei große über dem Bett aufgehängte
Revolver bildeten.
„Hier ist der Kleiderschrank," sagte
der lange Jobst mürrisch, die Flügel
thiir des großen Schrankes öffnend.
„Die besten Sachen soll ich Ihnen her
aussuchen. Nun, mir kann es recht
sein, wenn der Herr jeden hergelaufe
nen Fremden mit seinen besten Sachen
bekleiden will, mag er es thun. Hier
ist sein bester Sommerrock, die dazu
gehörigeWeste und die Hosen er warf
die Sachen zusammen auf die Bank.
„Die anderen Sommerhosen taugen
nicht viel, aber der Winterrock hier und
diese Weste und diese Hosen sind auch
noch fast neu, für heute Abend wer
den sie wohl nicht zu warm fein. Sind
Sie zufrieden, sonst können Sie sich
aus dem Schrank selbst heraussuchen,
wenn Sie wollen, mich geht es nichts
an."
„Wir machen keinen Anspruch auf
die besten Sachen des Herrn," erwiderte
Kurt.
„Geht mich nichts an. Er will es
so. Mag er seinen Willen haben. Hier
in der Kommode in den beiden obersten
Schubladen liegt die Wäsche, Hemden,
Hosen und Strümpfe, suchen Sie sich
selbst aus, was Sie brauchen. Unter
dem Bett stehen zwei Paar Morgen
schuhe, ein Paar alte und ein Paar
neue, die alten werden für heute Abend
wohl auch gut genug fein. Da haben
Sie alles, was Sie brauchen. Und
nun können Sie sich umziehen. Die
nassen Sachen legen Sie nur auf die
Stühle, ich hole Sie nachher, um sie in
der Küche am Feuer zu trocknen. Aber
lassen Sie nichts in den Taschen. Ich
stehe für nichts und will nicht in den
Verdacht kommen, wenn Ihnen später
etwas fehlt."
„An unfern Raupenschachteln,
Schmetterlingskästen u. f. w. wird sich
wohl Niemand vergreifen!" bemerkte
Falk lachend.
„Nein, solcher dummer Firlefanz ist
sicher im rothen Hause wenn Sie aber
etwa Geld, eine goldene Uhr und
dergleichen bei sich haben, würde ich
Ihnen doch rathen, es zu hüten,
Sie würden sonst vielleicht besser ge
than haben, die Nacht im Walde zu
bleiben, als hier «in Obdach zu
fuchyt."
„Was wollen Sie mit diesen Wor
ten sagen?" fragte Falk.
„Gar nichts," erwiderte Jobst mür
risch. „Sie nehmen ja doch feinen
Rath an. Habe ich Sie nickt gewarnt
davor, daß Ihnen das Wetter über den
Kops kommen würde? Und doch sind
Sie im todten Meer weiter herumge
krebst bis es zu spät war. Sie können
von Glück sagen, daß Sie bis jetzt mit
dem Leben davon gekommen sind.
Sie mögen thun, was Sie wollen,
Sie mögei/ hier im rothen Hause zur
Nacht bleiben oder weiter nach Wald
hausen wandern. Mich geht es nichts
an."
„Welche Gefahr könnten wir laufen,
wenn wir hier bleiben?"
„Ich werde mir den Mund nicht
verreden. Bleiben Sie ruhig hier,
wenn Sie wollen ich hab' mich darum
nicht zu kümmern. Einen richtigen
starken Glühwein wird Ihnen der
Herr schon vorsetzen, damit Sie sich
erwärmen uni nachher gut schlafen,
dafür stehe ich Ihnen. Nun aber zie
hen Sie sich um, der Herr will es ia
so. Nach einet Viertelstunde hole ich
Sie ab nach dem Familienwohnzim
mer, da finden Sie dann Ihren Glüh
wein. Möge er Ihnen wohl bekom
men
l"
Mit einem höhnischen Lachen, wel
ches da£ häßliche Gesicht «och häß
licher machte, nickte der lange Jobst
Falk zu, dann verließ er das Zimmer,
die beiden Freunde in einer durchaus
nicht behaglichen Stimmung zurücklas
send.
Falk schaute den Fortgehenden fnt*
nend nach erst als die schwerenSchritte
auf dem Vorsaal und der abwärts füh
reit den Treppe verhallt waren, wendete
er sich zu Kurt.
„Wir befinden uns hier in einer nicht
beneidenswerten Situation. Der Ker!
gefällt mir fast noch weniger, als sein
Herr, der Amerikaner. Er hat ein ech
tes. rechtes SvitzbubenaefichN Was
V 'f
1
trKttym »I, i
sollten nur feine verblümten' Warnun
gen bedeuten?"
Kurt zuckte W Achstlv. „Ich
zweifle, daß sie 'auS gutem Herzen ge
kommen sind," sagte et in seiner ge
wohnten, ruhigen Weife. Sie lassen
mich deshalb auch ziemlich kalt, aber
zur Vorsicht mahnen sie doch. Wenn
uns der Amerikaner wirklich einen
starken Glühwein vorsetzen sollte, werde
ich möglichst wenig und nur dann da
von trinken, wenn er selbst es auch
thut."
„So glaubst Du wirklich, daß der
Amerikaner etwas gegen uns plant?"
„Vor fünf Minuten, als wir ihn
im Kreise seiner Familie sahen, ihm
zuhörten, wie er so ausdrucksvoll aus
Nathan der Weife vorlas, hätte ich ge
lacht über Deine Fragen alle die Be
schuldigungen, welche wir gestern in
Waldhausen gegen ihn gehört haben,
erschienen mir absurd und lächerlich
aber schon als er Dir mit dem Revol
ver in der Hand am Fenster gegenüber
stand, Dich mit wilden finstern Blicken
betrachtend, jeden Augenblick bereit, die
mörderische Waffe gegen Dich zu rich
ten, mußte ich wieder daran denken, in
welchem Verdacht er steht. Der Em
pfang, der uns geworden ist, sein Ent
setzen, als er uns sah, dann seine plötz
liche Umwandlung, seine übermäßige
Freundlichkeit machen mich nur noch
bedenklicher. Ich meine, wir thun gut
daran, in diesem Hause daraus gefaßt
zu fein, daß wir hier Abenteuer erle
ben, die selbst für Deinen Geschmack
zu abenteuerlich und wild sind. Auf
alle* Fälle wollen wir unsere Revolver
genau darauf prüfen, ob die Ladung
nicht durch die Nässe gelitten hat sie
dürfen nicht versagen, wenn wir sie
brauchen sollten.
„Einverstanden! „Si vis pacem,
para bellum!" Ich glaube zwar nicht so
recht an eine Gefahr, aber vie Revolver
wollen wir doch bereit halten. Auffäl
lig genug war allerdings das Beneh
men des Amerikaners. Es geht mir
sonderbar mit diesem Menschen. Ich
weiß gewiß, daß ich ihn in diesem Le
ben noch nicht gesehen habe und doch
sind mir seine Gesichtszüge merkwürdig
bekannt, gerade wie die seiner reizenden
Tochter, die ihm außerordentlich ähn
lich ist."
„Ich habe dieselbe Wahrnehmung
gemacht und sinne fortwährend vergeb
lich darüber nach, wo ich ihn wohl frü
her schon gesehen haben kann."
„Bah, ich werde mir jetzt den Kops
nicht darüber zerbrechen und mich auch
nicht darum kümmern, ob er den gu
ten Ruf verdient, den er genießt. Je
denfalls sollen mir seine trockenen
Kleider sehr wohl thun, und wenn er
mir ein tüchtiges Abendbrot vorsetzt,
werde ich ohne Rücksicht auf den Ruf
des liebenswürdigen Wirthes einhau
en. Ich habe einen Hunger wie ein
Wolf."
In der Familienwohnstube war der
runde unter der Hängelampe stehende
Tisch mit einem schönen weißen Leinen
tuch gedeckt. Ein tüchtiges kaltes
Abendbrod, bestehend aus kaltem Bra
ten, Schinken, verschiedenen Arten von
Wurst, Käse, Butter und Brot war
aufgetragen, aber nur zwei Kuverts
wegen gedeckt, sie waren für die zwei
Fremden bestimmt, denn die Familie
hatte längst zu Abend gegessen.
Die kranke Frau saß matt in die
Kissen zurückgelehnt in ihrem Lehn
stuhl ant Tisch Susanne war eif
rigst beschäftigt, die Speisen auf dem
Tisch zu ordnen, daß das einfache
Abendessen recht appetitlich aussehen
sollte. Else kam eben mit einer
dampfenden Bowle voll Glühwein, die
sie auf den Tisch setzte, aus der
Küche.
Der Amerikaner ging mit langsa
menSchritten in dem geräumigen Zim
mer auf und nieder, er schaute mu
sternd den gedeckten. Tisch an. „Ein
sehr einfaches Abendbrot," sagte er,
„aber es muß genügen. Der Glüh
wein wird das Beste thun, er wird die
durchnäßten und ausgefrorenen Men
schen gründlich durchwärmen. Du
hast ihn doch stark genug gemacht,
Elise?"
„Ich denke wohl. Ich habe ein vol
les Gkas von der Essenz, die Du mir
gegeben hast, hineingegossen. Aber
koste lieber selbst."
Sie füllte ein Weinglas mit dem
dampfenden rothen Wein und bot et
dem Vater, der nur einen kleinen
Schluck nahm, dann aber billigend mit
dem Kopf nickend, sagte:
Der Wein ist gut, stark und aroma
tisch. Ich denke, unsere Gäste wer
den fest und gut nach demselben schla
fen. Hast Du angeornet, daß im blauen
Zimmer zwei Betten ausgeschlagen wer
den?"
„Das Doktorbett ist gestern frisch
bezogen worden. Die zweite Bettstelle
holen Jobst und Liese oben vom Bo
den, die Betten und die Bettwäsche ha-
be ich herausgegeben. Jobst schimpft
fürchterlich, daß er für zwei hergelau
fene Fremde sich so viele Mühe machen
soll, und Liefe stimmt ihm brummend
bei."
„Kümmere Dich nicht darum. Sie
sind Beide oft mürrisch und widerspre
chen gern, wie es alle verwöhnten
Dienstboten zu thun pflegen, aber sie
meinen es nicht bös. Sie sind ehrlich,
treu und fleißig. Solche Tugenden
findet man heut zu Tage nicht zu oft
bei den Dienstleuten, wenn man sie
findet, muß man über vieles Andere
fortseher..
„Du siehst mir über zu Vieles bei
den Beiden fort", sagte dte kranke
Frau. „Sie sind recht unerträglich
grob und widerspruchsvoll. Sie thun
eben nur, was sie selbst wollen. Je
deâlls darfst Du Dich nicht auf sie
verlassen, Elsa. Du mußt Dich über
zeugen, ob die Betten gut bereitet sind
und ob unsere Gäste im Fremdenzim
mer alle nöthigen Bequemlichkeiten sin
den. Es sind die ersten Gäste, welche
ib-
?r*'*r. ••7,V 5-' *r».Oi
s
I
V'.'
..h,
.â?-* „.-4
wir im rochenHanse aufnehmen", fügte
sie mit einem Seufzer hinzu, „denn
den Doktor Settow, der mitunter zur
Nacht bei uns bleibt, können wir doch
nicht als einen Gast betrachten. Es
ist doch gar zu einsam bei uns. Unsere
armen Mädchen thun mir leid."
„Art die Einsamkeit müssen sie sich
gewöhnen," erwiderte der Amerikaner
rauh, „oder wünschest Du etwa, daß
wir Umgang suchen in der Nachbar
schaft ?Wir würden überall schnöde zu
rückgewiesen werden."
„Leider!" Es ist ein unverhofftes
Glück, daß ein Mal ein paar Fremde
hierher verschlagen werden, die sich
nicht fürchten, die Eastfeundfchaft in
dem berüchtigten rothen Haufe anzu
nehmen."
„Ein Glück? Vielleicht! Viel
leicht auch ein Unglück! Wer vermag in
die Zukunft zu schauen. Jedenfalls
sollen sie uns als Gäste wollkommen
sein und wir wollen versuchen, ihnen
den kurzen Aufenthalt im rothen Hause
so angenehm wie möglich zu machen.
Du hast die beiden Fremden schon in
Berlin gesehen, Elsa?"
„Nur den Einen den jungen Mann
mit dem schwarzen Bart. Ich bin ihm
oft begegnet, wenn ich mit Susanne
aus der Klavierstunde kam.
„Und Du hast ihn heut gleich wie
dererkannt?"
„Natürlich, Papa! Elsa hat ihn sich
ja in Berlin genau genug angesehen!"
antwortete statt derSchwester Susanne
lachend.
„Du bist unausstehlich!'""
„Weil ich Dein Herzensgeheimniß
verrathen? Willst Du leugnen, daß
Du Dich unbändig für ihn interefsirt
hast, daß Du gar zu gern gewußt hät
test, wer er eigentlich ist, und daß Du
ganz unruhig und übler Laune wur
dest, wenn wir ihm einmal auf dem
Rückwege von unserer Klavierstunde
nicht begegneten und daß Du über und
über roth wurdest, als er Dich eines
Tages durch ein tiefes Ziehen des Hu
tes beim Vorübergehen begrüßte, ob
gleich er Dich eigentlich gerr nicht
kannte."
„Rede doch nicht so thörichtes Zeug.
Ich bin nicht roth geworden!"
„Doch und zwar bis zur Stirn!
Aber ich verdenke es Dir gar nicht.
Es ist ein feiner, hübscher jungerMann
und in Berlin sah er sogar recht ele
gant und vornehm aus, obgleich er
meistens, wenn wir ihm begegneten, ein
paar Bücher unter dem Arm trug.
Heut Nachmittag aber, als wir ihn im
todten Moor schweißgebadet herum
waten sahen, spielte er eine grundkomt
sche Figur. Ich muß noch immer la
chen, wenn ich an ihn zurückdenke.
Und trotzdem hast Du ihn gleich wieder
ersannt, das ist doch ein Beweis,, wie
genau Du ihn Dir in Berlin angesehen
hast."
„Du weißt, weshalb. Ich habe es
Dir oft gesagt. Sein Gesicht erinnert
mich merkwürdig an Dich, deshalb ist
er mir aufgefallen."
Susanne lachte ausgelassen.
„Hörst Du, Papa, mir soll der
junge Mann ähnlich sehen und da mein
Schwesterchen mich so lieb hat, muß
er ihr natürlich ganz besonders gut ge
fallen. Ich wäre stolz auf diese Ähn
lichkeit, denn der junge Herr gefällt
mir gut, leider aber fehlt mir fein
schwarzer Bart, fein schwärmerisches
Auge und Gott weiß, was anderes noch
zu einer Ähnlichkeit, die nur in der
Phantasie unserer Elsa besteht. Sage
selbst, Papa, ob Du eine Spur von
Ähnlichkeit zwischen mir und ihm sin
best!"
Der Amerikaner unterbrach feine
Zimmerwanderung, er betrachtete feine
reizende Tochter. Einer Antwort auf
ihre Frage würde er überhoben ehe er
dieselbe geben konnte, wurde an die
Thür geklopft und gleich darauf tra
ten Falk und Kurt, welche sich den
Weg nach dem Familienzimmer selbst
gesucht hatten, ein. Sie sahen jetzt,
bekleidet mit den ihnen ziemlich gut
passenden Kleidungsstücken ihreâ Wir
thes, nicht mehr so vorgelscheuchenartig
aus, wie vorhin, als sie durchnäßt, von.
Wasser triefend in das Haus gekommen
waren.
Der Amerikaner ging ihnen entge*
gen, er reichte ihnen die Hand und sie
so herzlich begrüßend sagte er: „Seien
Sie mir bestens willkönnen,, meine
Herren. Gestatten Sie mir, daß ich
Sie als liebe Gäste meiner Familie,
meiner Frau und meinen beiden Töch
tern Else und Susanne vorstelle. Herr
Kurt von Dylsern und âr
Ihren Namen kenne ich nicht» mein
Herr."
„Doktor Dagobert Fal!."'
Frau Müller hatte sich aiiÄ ihrem
Lehnstuhl erhoben. Sie begrüßte Kurt
freundlich mit einer leichten Verneu
gung, all sie jetzt aber den Namen Da»
gobert Falk hörte, leuchteten, ihre Au
gen hell auf. „Wäre es möglich, daß
wir die Freude Hütten, den berühmten
Novellendichter Dagobert Falk in unse
rem Hause zu sehen?" fragte sie eifrig.
Falk verbeugte sich geschmeichelt Er
war nicht gerade übermäßig eitel, aber
doch machte es ihm Freude» wenn er sich
in der Fremde als. Dichter anerkannt
sah» Gerade weil die Richtung,, welche
er bei seinen literarischen Arbeiten ver
folgte, ihm viele harte Angriffe und
schweren Tadel von Seiten der nxoder*
neu Kritiker zuzog,, that es ihm immer
besonders wohl, wenn ihm durch ein
ganz unbefangenes Urtheil erne rüh
mende Anerkennung wurde, und diese
erhielt er jyetzt im reichsten Maße. Der
Amerikaner schüttelte ihm v.sch einmal
herzhaft die Hand und versicherte ihm,
daß er sich jetzt doppelt des glücklichen
Zufalles freue, der ihm einen so lieben
und verehrten Gast in das Haus ge
führt habe, einen Dichter, dessen Werke
ihm schon viele Stunden hohen Genus
ses bereitet hätten.
Der überaus freundliche Empfang,
der den beiden Freunden wurde, ver
fehlte nicht, einen wohltuenden Ein-
y
Kj&.
'&.«
Vr1
•V*
sluß auf sie auszuüben. Die Freude,
welche der Amerikanc/'zeigte, erschien
so aufrichtig, er sprach in so natürli
cher, herzlicher Weise seinen Wunsch
aus, feine Gäste möchten sich wohl in
seinem Hause fühlen, daß alle die sin
sterert Zweifel, welche noch vor wenigen
Minuten die Freunde gehabt hatten,
schnell verschwanden. Es wäre ja ge
radezu lächerlich gewesen, einen schwe
ren Verdacht zu hegen gegen einen
Mann, der mit so herzlicher, aufrichti
ger Freude feine Gäste begrüßte, gegen
den Gatten dieser liebenswürdigen, fein
gebildeten Frau, gegen den Vater die
ser beiden reizenden Mädchen. Als
der Amerikaner jetzt die beiden jungen
Männer einlud, vor Allem sich zu star
ken durch Speise und Trank, dabei aber
vorlieb zu nehmen mit dem einfachen
Mahl, welches er ihnen vorfetzen könne,
folgten sie gern seiner Einladung, sie
ließen es sich trefflich schmecken, und als
er die Gläser mit dem dampfenden
Glühwein füllte, mit ihnen anstieß und
bann das Glas auf einen Zug leerte,
warf zwar Kurt dem Freunde einen
vielsagenden Blick zu, aber er stand
nicht an, ebenso wie Falk, das Glas
bis zum letzten Tropfen auszutrinken.
Er würde sich vor Falk geschämt haben,
jetzt noch die geringste Spur von Miß
trauen zu zeigen.
Mit dem innigsten Wohlbehagen
schaute der Amerikaner seinen beiden
Gästen zu, wie sie das einfache Abend
brot sich köstlich schmecken ließen, er
störte sie nicht durch die Anknüpfung ei
nes lebendigen Gespräches, erst als sie
Messer und Gabel niederlegten und auf
feine wiederholte Einladung, tüchtig zu
zulangen, versicherten, sie feien vollstän
dig gesättigt, als sie die Cigarren, die
er ihnen anbot, dankbar annahmen und
in Brand steckten, meinte er, daß jetzt
wohl die Zeit gekommen fei, um einen
Wunsch, den er schon längst auf dem
Herjen gehabt hätte, zu befriedigen. Er
wendete sich an Kurt und mit diesem
noch einmal anstoßend, sagte er: „Es
muß Ihnen aufgefallen sein, Herr von
Dyssern, daß ich bei Ihrer ersten Be
grüßung draußen auf dem Hausflur,
als Sie mir Ihren Namen nannten,
außerordentlich erregt war. Ich wurde
durch Ihren Namen und dann auch,
als ich Ihnen in's Gesicht schaute, durch
Ihre Züge erinnert an einen alten Ju
gendfreund, an den ich immer nur mit
Schmerz denken kann, da er ein schreck^
liches Ende genommen hat. Ich war,
ehe ich nach Amerika auswanderte, ein
flotter Gardeoffizier, mein liebster Re
gimentskamerad, mein bester Freund
war Kurt von Dyssern. Gerade von
ihm zu scheiden wurde mir schwer, sehr
schwer. Ich habe ihn lebend nicht wie
der gesehen, er ist, wie ich später hörte,
in schrecklicher Weise ermordet worden.
Ich irre wohl nicht, wenn ich annehme,
daß Sie ein Verwandter meines un
glücklichen Freundes sind."
„Er war mein Vater!"
„Ich ahnte es, als ich Sie sah, des
halb war ich so tief bewegt. Sie glei
chen ihm sehr. Wenn ich mir fein Bild
aus jener glücklichen Zeit in das Ge
dächtniß zurückrufe und wenn ich Sie
dann anschaue, dann meine ich, es sei
Ihr Bild."
„Meine Tante Susanne sagte das
selbe. Ich soll meinem Vater sehr
ähnlich sein."
„Ihre Tante Susanne? Ja, ich er
innere mich. Ihr Vater hatte eine
Schwester, die er zärtlich liebte, von de
ren Liebenswürdigkeit und Herzensgute
er mir viel erzählt hat. Lebt sie noch?"
„Ja—, sie lebt in Berlin. Sie ist
mir, nachdem ich die Eltern verloren,
ehe ich sie noch kannte, eine zweite Mut
ter geworden. Sie hat mich erzogen,
sie Hebt mich, wie einen Sohn, und
auch ich könnte eine Mutter nicht mehr
als sie lieben."
(Fortsetzung folgt.)
Ein Gentleman. A: „Sind
Sie dessen sicher, was Sic eben bchaup
tet haben?" B: „Vollkommen!" A:
„Würden Sie eine Wette von $100
darauf eingehen?" B: „Nun, so sicher
hin ich gerade nicht, um darauf wettert
zu können, aber mein Ehrenwort
gebe ich Jh?en, daß es so ist."
Genügendes Auskommen.
A: „Na, in Ihrer jetzigen Stellung be
ziehen Sie wohl ein hübsches Gehalt?"
B: „Nun, es geht an: ich habe $150
und dazu mache ich noch $200 Schul
den damit laßt sich schon sui-kom
men."
Die Stt iter. „Taute, mach'
doch mal den Mund auf!" „.Warum
denn?" „Ich will mal flehen, ob
Papa recht hat." „Wie meinst Tu
das?" „Ja, Papa sagt immer, Tu
könntest nicht den Mund aufmache«,
ohne eine Klatscherei zu erdichten."
Spott. Käthe: „Er war recht
unverschämt. Zweimal Ugte er den
Ann um tnciae Taille!" —Martha:
„Ta muß er aber einen la.-gen Arm
gehabt haben!!*
Wenigste n 5! Er (flehend):
„Würden Sin mich lieben kömien» wenn
ich recht reâh wäre?" Sit „Das
weiß ich nicht boch ich winde Sie dann
wenigstens hsirathen.*
Ga nz ei n isichv Lehrer (der
vom Reflex gesprochen): „Arthur, was
geschieht also, wenn das Licht z. B. auf
eilten Eimer Wasser fällt's" Schüler:
„Es erlischt, Herr Lehrer i"
Sern Ideal» Der Herne
Emil:,, Du, wcâ sind eigentlich Anar
chisten?" Der kleine Karl: „Das
sind Leute, die Alles haben wellen, was
Andern gehört, und sich nie waschen!"
Der kleine Emil: „2)u, bann
werd' ich auch Anarchist."
—Zu Hebung dt8 Idea
lismus. Vater (zu sünen Täch
tern): „Man muß heute etwas zur
Hebung des Idealismus thun des
halb bekommt Ihr Alle keine Mitgift!"
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jSlUtt jSdjnro* des Mkiynacht»-
v
kV jßaumes.
Nur eine sehr kurze Spanne Zeit
trennt uns noch von der fröhlichen, f®»
ligen Weihnachtszeit und Jedermann
beginnt darauf zu sinnen, wie er je««
Lieben ant besten erfreuen kann. Fur
die Kinderwelt ist der in strahlendem
Lichterglanz und prunkendem
prangende Weihnachtsbaum aber stet»
das beste Geschenk, er ist gewissermaßen
das Symbol des schönen Feste». Da
rum dürften unseren Leserinnen ttmge
Winke für den Schmuck des Baume*
willkommen sein.
Einen prächtigen Baumschmuck erge*
ben Schmetterlinge, die sich in de»
Zweigen des Baumes schaukeln. Malt
reiht hierzu weiße ober silberschim.mern
de Glasperlen auf seinen Blumendrahr
und formt daraus die Flügel de§
Schmetterlings, dessen Leib man auf
einem Flöckchen fest zusammengerollter
Watte fertigt und querüber dicht mit
aufaefädelten Perlen bewickelt. Ant
Kopfe bringt man an den geeignetem
Stellen zwei größere, schwarze Perle»
als Augen, sowie zwei lange und zwet
kurze Fühler an erstere stellt man auS
glattem Draht her, an dessen Ende je'
eine Perle befestigt wird, die kurze»
Fühler hingegen aus zwei kurzen, auf
Draht gereihten Perlreihen. Unte»
am Leibe des Schmetterlings befestigt
man eine Drahtfpirale, die derart aa.
dem Baum befestigt wird, daß der
Schmetterling über den Zweigen^ z»
schweben scheint. Die Spirale stellt
man her, indem man den Vlumendrahè
fest und dicht um eine Stricknadel vi»
(felt und dann herunterschiebt.
Reizend sind ferner Lamettakorb
chen. Aus Blmnendraht fertigt ma»
zierliche, kleine Bügelkörbchen, die man
dicht mit Lametta bewickelt, indem maa
letztere hin und zurück durch dasDraht»
gefiell zieht. Die Lamettaenden müs»
sen natürlich sorgsam gesichert wèrdeâ.
An ihrem Bügel aufgehängt, dienen
dieseKörbchen zur Ausnahme desChrist
taumconfektes oder Candies.
Allerliebst sehen auch kleine, mit
Glöckchen behangene Tamburins ant
Man nimmt hierzu den Rand eines
kleinen,1 kreisrunden SchachteldeckelS,.
bronzirt denselben innen und außent
und bohrt sodann dicht nebeneinander
kleine Löcher hinein, durch welche man
zuerst der Länge, dann der Quere
nach ein feines Goldschnürchen zieht.
Außen auf dem Rande des Samboti*
rins befestigt man, in angemessener
Entfernung von einander, winzig^.,
runde Metallglockchen, oder in Er»,
mangelung derselben kleine Mef»
sing-Kugelknöpfchen. (grrte Schlinze
von Goldschnur dient zum Aufhält*
gen.
Viel zur Belebung des Baumes tra»
gen kleine, bunte Fähnchen bei, die hier
und da an den Zweigen aufgesteckt wer
den.
Einen reizenden Schnmck ergeben
ferner kleine, im Strahl der Weib
nachtskerzenl prächtig funkelnde un)
Mittende Brillantkronen. Dieselben
werden aus ganz dünnen, abgeschälten
Weidenruthen geflochten und dicht mit
weißen Wollfädei? umwickelt. Hieraus
legt man das Kröncherr etwa 24 Stun
den in starke Alaunlösung. Setzt
man letzterer einen beliebigen Farbstoff
zu, so kann man den Krystallüberzug
auch farbig herstellen. Schmale bunte
Bobybändchen dienen zum Aufhängen.
Sehr hübsch, wenn auch etwas müh
font anzufertigen, sind silberne Schiff
chen man kann dieselben auch als klei
ne Nähbehälter für Spulen, Nähna
deln, Fingerhut u. s. nr. benützen. Um
das Schifflein herzustellen, schneidet
man zuerst aus Pappendeckel die Mu
fter für die einzelnen Theile und dar
nach den Boden aus Carton und hell
Blauem Seidenfutter, die Wände aus
Silberkanevas und ebenfalls Seiden
futter. Nachdem alle Theile gefüttert
sind verbindet man fte durch uberwend
liehe Stiche und begrenzt den Schiffs
rand mit einer blau umwundenenGold
fchnur. Der Mastbaum wird aus ei
ner nach oben zu spitz auslaufenden
Rolle von Silberkanevas, welche man
zusammennäht, gemacht, mit blauer
Wolle umwickelt und mit einer kleinen
Fahne aus weitem Seidenband abge
schlossen. Von der Spitze des Mast
daums hängt an Galdschnüren das
Seael nieder, und auch Steuer un
Anker, welches man mit einer Kette
von Goldperken anbringt, soffen rächt
fehlen.
Die Kleinen werben entzückt sein,
wenn fte unter als den .Herrlichkeiten
des Baumes auch kleine Moosnestchert
entdecken. Die halbe Schale eines
ausgeblasenen Eies fchntfcet m«it man
hierzu mit scharfer Slickscheere rund at.
beklebt sie außen dicht mit Moss, 'süt»
tert fte auch innen mit Moos und legt
kleine Zuckereier hinein. Diese Nest»
chen. welche nicht angehängt, sonder»
mittels Dextrins auf den Zweigen feit*
geklebt werden, machen in den Zwei a 5»
des Weihnachtsbaumes M» sehr hüb
schen Effect.
Pech
Ich weiß wo tin MädchechnU
So zierlich trab klein.
Die lieb ich unbändig s
O war fte doch mein!
Sie reicht mit dM Köpfche»
Kaum zur Vruß mir, doch
Trotzdem sie so klein
Sieht sie über mich weg!
Keine Sorge. Frau: «D»
gehst schon wieder in die Kneipe.
Mann? Was soll das nur werde»,
wenn Du alles Geld verbringst? Nach»
stes Jahr soll der Junge zur Schule/
dahin Sin
la zurück!"
im ..
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Pech!:
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Roman von Avolf Streck fuß.

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