OCR Interpretation


Süd California Deutsche Zeitung. [volume] (San Diego, Calif.) 1887-????, March 30, 1917, Image 2

Image and text provided by University of California, Riverside; Riverside, CA

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn86064439/1917-03-30/ed-1/seq-2/

What is OCR?


Thumbnail for 2

2
Sounenfcynfuctjt
Von Ist: Schqnsp
Ein drückendeö Lasten, schwer und
dumpf,
Eine schmerzende Sehnsucht, riesen
groß.
Und Tag um Tag vergeht, grau und
stumpf,
Und Tag um Tag vergeht, sonnen
los!
O du Wald, der die strassen Zweige
dehnt,
Du Saat, die sich auf-seit, himmelan,
Du Heile, die sich nach Knospen sehnt,
Jch liege mit euch im harten Bann,
Jch schmachte mit euch unter dunkler
Macht
Und harre des Tags, der den Zauber
bricht,
Und strecke mein Sehnen aus tiefster
Nacht
Und flehe und bete um Sonnen
licht!
Johannes.
Eine einfache Geschichte; von Adolf
Statt.
Ringsum loderten die Höhenfeuer.
Von der Terasse des Hotels, auf wel
cher sich fast alle Gäste versammelt
hatten, konnte man das Schauspiel
prächtig genießen. Man sah die zün
gelnden Flammen gegen den dunklen,
wolienbedeclten Abendhiiniiiel empor
steigen, sah hier uiid da, eineiii Feuer
tverk gleich, Tausende kleiner Fünkchen
ausfliegen, im Wirbel sich drehen und
jäh erlöschen,»sah die Gestalten der
Dorfjugend als dunkle Schatten an
dem Feuer votiibergleiten und hörte
wohl auch, wenn der Wind von drit
ben herüber-wehte, leise, wie gedäiiipst,
das Juchzen und Johlen
»Es wird liihl hier,« sagte Frau
Müller und zog das Tuch enger uin
die Schultern. »Ich gehe auf mein
Zimmer."
Fritz Mitller sprang auf, um der
Mutter den Arn! zu bieten und sie
hinaus zu begleiten, wie er dies seit
Jahren gewöhnt ivar. Auf halbem
Wege blieb er stehen. Frau Eva, die
schöne Frau Eva, an deren Seite er
gesessen hatte, rief ihn mit ihrer
locienden Statistik: »Schauen Sie
nur, Herr Doktor, da springt wahr
haftig ein Paar durch die Flammen.
Man sieht es gaiiz deutlich; nein, wie
reizend! Bitte, nehmen Sie iiieiii
Glas. Nein, diese Voltssitteii sind
doch zu süß. Ich schivärme für das
Voll«
Jhre leuchtenden Augen hingen an
dem jungen Mann, und mit kotetter
Gebärde hielt sie ihm das Glas ent
gegen, durch das sie hinübergeschaut
hatte. Fritz schwankte, was er tun
sollte: die Mutter hiiiaufbegleiten oder
hier bleiben? Frau Niüller bemerkte
es, und ein schmerzliches Läächeln ging
über ihre Züge. Da war auch schon
Professor Johannes Schrell an sie ge
treten, hatte ihr den Ariii gereicht, auf
den sie sich schtoer stiihte, denn das
Treppensteigen fiel ihr schwer, und
begleitete sie hinauf» Fritz blickte den
beiden mit einem Gefühl des Unbeha
gens nach. Frau Eva aber, nachdem
sie sich davon überzeugt hatte, daß
niemand sie belausche, zog den jungen
Mann auf den leeren Stuhl an ihrer
Seite nieder und flitsterte ihin zu:
~Lassen Sie doch, der Professor ver
säumt nichts. Ein Mann in seinem
Alter ist schließlich dazu da, alten
Damen Kavalierdienste zu leisten. Die
Jugend aber, die soll sich zur Jugend
halten. Glauben Sie es nicht auch«
Selbst wenn ein Widersprnch in
Fritzens Seele geschluuiniert hätte, er
würde ihn nicht ausgesprochen haben
unter dem Bann dieser schönen Au
gen, die so verlockend und verheißend
ihm entgegenblicktem
Oben, vor ihrer Zimmertüy sagte
Frau Mitllen »Ich danke Jhnen,
Herr Professor. Sie haben iliir einen
großen Dienst erwiesen. Ja, das
Alter!«
Johannes Schrell verbeugte sich.
»Wenn ich Jhnen sonst noch irgendwie
behilflich sein kann, gnädige Frau?'
»Nein, danke, ich tvill Sie der Ge
sellschaft nicht länger entziehen. Der
Abend ist zu schön und dann, es ist
ja heute so eine Art Feiertag. Diese
Höhenfeuet - Es ist iiiimerhin
eine Abwechselung in deni ein wenig
eintänigen Badelebeir Wirtlich, ich
brauche nichts mehr. Später kommt
übrigens Fräulein Magda herüber
und schaut nach mir. Das versäumt
sie keinen Abends'
»Sie haben Fräulein Magda sehr
.gerne?« sagte Schrell.
»Seht gerne, ja. Jch sie verdient
es auch. Jch dachte beinahe, das; sie
und Fritz Aber da kam diese
Frau Eva dazwischen. Das sind
Dinge, in welche sich nicht einmal eine
Mutter etnmischen darf, will sie da!
Herz ihres Kindes nicht noch mehr ver
lieren, als sie es ohnehin schon verlo
ren hat.«
»Sie sind eifersüchtig auf Frau
Evas« scherzte der Professor.
»Eifersilchtigs Wenn Sie es so nen
nen wollen, meinetwegen. Aber Sie
dürfen nicht glauben, daß ich »so egoi
stisch bin, meinen Sohn überhaupt
keiner anderen zu gönnen. Es ist nun
einmal das Schicksal der Mutter, daß
der Tag kbmmt, an dem eine andere
sie von dem ersten Platze im Herzen
ihres Kindes verdrängt. Aber das
muß nicht notwendigerweise bittere
Gefühle auslösen O nein, so egoi
stisch ist Mutterliebe nicht. Mutter
liebe, die gleicht Johannes dem Täu
fer, dessen Tag sie heute feiern. Sie
weiß, daß sie nur Vorläuferin ist
einer anderen, größeren Liebe, und sie
ist bereit, freudig zurüctzutretem
wenn sie davon überzeugt ist, daß
diese andere Liebe wirklich die bessere
ist. Wäre es Magda, ich würde mich
freuen. Aber so doch ich halte Sie
auf mit meinem Geschwätz Besten
Dank nochmals, Herr Professor.«
Er hielt die Hand, die sie ihm zum
Abschied reichte, noch einen Augenblick
fest. »Noch eine Frage, gnädige Frau.
Glauben Sie, das; Fräulein Magda
Jhren Sohn liebt?«
»Jaivohl, ganz bestimmt glaube ich
es. Aber —-«
Da stieg er schon die Treppe hin
unter. Fest und sicher schritt er an
den Reihen der Gäste vorüber, bis in
die Ecke, wo Frau Eva noch immer
mit dem jungen Mann flirtete.
»Frau von Merringen, dürfte ich
Sie bitten, mir für einige Augenblicke
Gehör zu schenken?«
Ziemlich ungnädig über die Unter
bredhuiig drehte ihm Frau Eva ihr
pilantes Gesicht zu. Sie hatte eine
scharfe Abweisung auf den Lippen,
aber angesichts des energischen Tones
und des entschlossenen Wesens wagte
sie nicht, sie auszusprechen. Achsel
zuckend erhob sie sich. »Jch weiß wirt
lich nicht, Herr Professoy was Sie mir
zu sagen haben. Aber wenn es sein
muß Herr Doktor, Sie warten
doch aiif mich. Jn fünf Minuten bin
ich wieder hier.«
Sie stieg die Treppe zum Garten
hinab, der Professor hinter ihr. Als
die Büsche sie den Augen der Gesell
schaft entzogen hatten, blieb sie ste
hen und wandte sich ihm zu. Sie hielt
es nicht für notwendig, diesem Manne
gegenüber eine Maske anzulegen, die
er ja doch durchschautr. »Was wollen
Sie von mir? Warum stören Sie
meine Kreisel«
»Das werde ich nicht tun, wenn
diese Kreise mich nicht stören oder
Perso ten, die mir nahe stehen. Kurz
und gut; ich verlange, daß Sie das
Spiel mit Fritz Müller aufgeben«
»Und wenn ich mich weigere?« Sie
zischte es zwischen den Zähnen hervor
wie eine gereizte Schlange.
»Dann würden Sie mich dazu
zwingen, Fritz die Augen zu öffnen,
ihm gewisse, gerichtlich festgelegte De
tails aus dem Leben der Frau von
Merringen mitzuteilen, die, gelinde
gesagt, diese Dame als Abenteurerin
erscheinen lassen, wenn nicht als
Schlimmeres«
Sie trat ganz nahe an ihn heran.
»Das werden Sie nicht tun. Merlen
Sie nicht, daß unsere Jnteressen pa
rallel laufen? Glauben Sie, ich habe
nicht gemerkt, daß Sie in die blonde
Magda verliebt sind? Nun gut, Sie
sollen sich freuen, daß ich Jhnen den
Nebenbuhler vom Halse schaffe. Die
Kleine wird sich gern von einem
Herrn in den besten Jahren und in si
cherer Stellung trösten lassen«
»Schweigen Sirt« Seine Stimme
klang so energisch, daß sie sofort ver
stummte. »Sie werden reisen, noch
morgen, mit dem ersten Zuge, sonst
mache ich meine Drohung wahrt«
Er drehte ihr den Mitten. Während
sie durch den Garten glitt, der Ter
rasse des Hotels zu, ging er langsam
die Kieswege hinunter. Sein Herz
klopfte bis in den Hals. Die Worte
der Abenteurerin hatten ihn tiefer ge
troffen, als er es sich selbst eingestehen
wollte. Da raschelte es in den Bü
schen. Magda stand vor ihm und
streckte ihm die Hand entgegen. »Ich
danke Ihnen, Herr Prvfessor.« Er
fühlte eine kleine Hand auf der fei
nen, eiii blonder Mädchenlopf beugte
sich herab, und ehe er es hindern
konnte, küßten zwei warme Lippen
seine Rechtr. Dann war er wieder
allein.
Die Johannisfeuer loderten auf.
Er starrte aus seine Hand hernieder,
auf die Stelle, die die Mädchenlippen
beriihrt hatten, und ein Spruch Jo
hannes des Täufers giiig ihm durch
den Sinn: »Wer die Braut hat, der
ist der Bräutigam, der Freund aber
des Bräutigams stehet und höret ihm
zu und freuet sichs«
»Und freuet sichs' murmelte er.
Aber seine Stimme erstickte in Trä
neu.
Keine Krankheit bildet stch so
leicht zur chtonifchen aus wie eine
eingebildetr.
Slld-Caliiqrxtjg·D»e»u»t«iche·Zeitung
In Sicbenbürgm
cis Kakreipondent über» die lau
itlpaftlichen Reize Its Landes.
Ein Korrespondenh der vor kurzem
aus Siebenbürgen zurückkehrte, schreibt
in folgender interessantenden Skizze
über seine Reiseeindriicket Der Zug
hatte mich zu Beginn des März in
stockdunkler Nacht in das »Land des
Segens,« Siebenbürgen, geführt, und
im ersten Tageslicht ging es auf Her
mannstadt zu. Zur Rechten und zur
Linken nichts wie braune Hügel in
endloser Folge, Grün sproßte noch kei
nes, und nur einzelne übriggebliebene
dürre Stengel bekundeten, daß hier im
vorigen Jahre Mais gebaut und ge
erntet worden war. Die Sonne war
noch nicht aufgegangen, und ein zartes
Violett am Himmel gab mit dem
Braun der nackten Erdschollen ein selt
sames, weiches, melancholisches Bild,
durch das der Zug endlos dahinzugleb
ten schien. Etwas ermüdet von dieser
großartigen Eintönigkeit suchte das
Auge nach einer Befreiung, und ich
ging nach der Spiße des Aussichtswa
gens. Aber auch hier die violette und
braune Unendlichkeit Da plötzlich
ich war versucht, mir die Uebernächtig
teit aus den Augen zu reiben, so ver
blüffend war das Bild - steht ein
schneeweißes Etwas am Horizont, ein
so reich, ja zierlich gegliederter Zug
von Schneebergen der mannigfachsten
Gestalt, daß man das ganze im ersten
Augenblick für eine künstliche Schöp
fung halten konnte. Aber nein, an
der elementaren Wucht des Gebirges da
vor mir war, schon um seiner breiten
Ausdehnung willen, gar nicht zu zwei
feln. Und eine Schicht Silberwolken
ruhte auf vielen Berggipfelmso daß
man fürs erste nicht sagen konnte, wo
in der klaren Morgenluft die schnee
weißen Wolken aufhörten und die
schneeweißen Berge anfingen. Was
sich da dem Auge in märchenhafter
Schönheit bot, waren die Transsilvm
nischen Alpen, die Grenze des Landes,
das weit gedehnte ungeheure Bollwerh
hinter dem Rumänien liegt, in jenen
Tagen noch eine feindltche Sphinx, so
daß die ewigen Berge etwas doppelt
Fesselndes an sich hatten.
Zwischen Bahn und Gebirge in einer
weiten Ebene dehnte sich eine alte
Stätte deutscher Art und Kultur: die
Stadt Hermannstadt Ueber Einwoh
lner, Sprache, Kultur und jeweiligen
Existenzkampf der Siebenbürger Sach
sen ist soviel geschrieben worden, daß
ich mich nicht» für berufen erachte, dem
etwas hinzuzufügen. Aber etwas will
ich dem Leser noch erzählen, was ihn
in diesen Tagen, wo wir alle den Le
» bensmitteln eine erheblich größere Auf
’merksamkeit schenken als je zuvor in
teressieren dürfte. Jch habe in Her
mannstadt fast überall einen sehr gu
ten Kaffee bekommen, was seine Et
klärung darin fand, daß man dort
Büffelmilch dazu verwandte. Jch habe
leider keine eingehenderen Studien über
die Frage ~Kuhmilch oder Büffclmilch«
machen können und überlasse die Ent
scheidung darüber, ob es überhaupt für
uns ein solches Problem geben kann,
getrost unsern Vollswirten Aber das
darf ich noch hinzufügen, daß ich spü
ter allerdings nicht mehr in Ste
benbürgen noch Siebenbürger Büs
felbutter auf Siebenbürger Weißbrot
streichen konnte und daß ich auch mit
dieser Büffelgabe recht zufrieden war.
Deutsch in Jtlptms
Nach neueren Nachrichten aus Japan
ist während der ganzen Dauer des
Kriegszusiandes zwischen Deutschland
und Japan der Unterricht in der deut
schen Schule zu Yokohama nicht unter
brochen worden. Die dortige deutsche
Jugend erhält auch jetzt einen geregel
ten Unterricht und wird weiterhin in
deutschem Sinne erzogen, ohne daß die
Schule und die Arbeit in ihr einer
ileinlichen Aufsicht durch die japani
schen Behörden unterworfen wären.
Diese werden, wie die »Pädagogische
Zeitung« berichtet, sicher wissen, das;
sie dem Takte deutscher Lehre: und der
dort lebenden Deutschen vertrauen dür
sen.
Die Schiilerzahl beträgt zurzeit nach
Abgang einiger englischer Kinder, aber
einschließlich solcher neutraler Staaten,
38. Eingeborene Kinder sind grund
sätzlich zu keiner Zeit aufgenommen
worden, auch ist die Landessprache
nicht Unterrichtsgegenstand. Mit der
Schule isi ein Kindergarten verbunden,
der jetzt auch von einer deutschen Kin
dergärtnerin geleitet wird. Der Leh
rer an der Schule konnte seinerzeit
rechtzeitig nach Tsingtau gelangen, hat
als Offizier den furchtbaren Kampf
mit der heldenmiitigen Besaszung bis
zum Ende mitgemacht und befindet sich
jetzt in japanischer Gefangenschaft·
Seine Stelle ist von einer Dame in der
deutschen Kolonie zu Yokohama, die
früher selber Lehrerin an der dortigen
Schule war, bereitwillig vertretungb
weise übernommen worden. Den Re
ligionsunterricht erteilt ein Theologr.
der in Totio lebende Vertreter des
Evangelischsprotestantischen Mission!-
Vereins.
Untenstetiendes ist wörtlich eine Erklärung, welche-»An
25. Februar 1915 in· der ~san Diego san« erschien:
~George W. Marston ist (ler lozxisolie lllann fiir Biirgers
meister. loli opponierte lllarstoii vor zwei .laliren.
Manche von liiis waren (lei· Ansielih dass ei· zil englieiss
zig sei; aber wir benrteilteii ilin fals(«li, wie ieli denke.
Viele Personen, die nielit fiir iliii stinniiteik ist-dau
ern solches jetzt. Ei« ist» zu dein As; t bere(«liti,(.-;t. lcr
würde dasselbe in tätliig«ei« Weise ausiiilleii."
« Louis J. Milde.
An die Wähler et.
von san Diego:————
Unser Kandidut ist. deissellie Heut-ge Yerzzesseis Sie llssrrii Wihleli lfrlcliiriiiig
W. Nlarstoin welcher vor nur zwei Juli— nielstx
ren so wariii von l« .l. XVilile iinlussiert Xlxiiielse l’(-i-.—-»iieii. ilie nielit liir
wurde. Er ist berechtigt zu llireiii Ver— Jlpirituis Kinn-Apis. lpecliiiierii sol
traiiein Achtung und Unterstiitziiiikkx ein«-« jetzt.
Marston, und sie werden es später nicht bereuen
l t· s· «
Uves lekell le, Um Slllc
« h t" d· E·
sic ere, san ige in
nahnie zu haben.
Die sieben Prozent bringenden Preferred
Aktien der Sinn ljitegso Hpiisolidiitml Uns· d?
Eleetrio Compaiizs sind eiiie sieliere lieu-italisir
lage, auf die sie sieli iserliisseii kisinieik
Gegen 140 Einwohner san Diegos
: haben bis zu HB18(),()0() der Hnsezeiitixxeii Pre
! lerred Aktien dieser Uesellselisift ·«.z-elcisiit«t.
Menn es lhr Wunsch ist, von diesen
Aktien zu erwerben, entweder tiir bin· oder iii
’l’eilzahlungen, so kiiiiiieii wir lliiieii nur zutra
ten, sofort zu liandelii.
san Diego Consolidated Gas F:
Electric Company
11. 11. JONEs, Manager

xml | txt