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Richmonder Anzeiger. [volume] (Richmond, Va.) 1854-18??, June 02, 1855, Image 1

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Nedr?^?rt nnb herttus^eftebett vvn B. ?Htisscl, Nv. 1K8 Ntniir Str., Ztviscben der tttcu Uttd ^ttten ^trnHe.
Miehtnsnb, W?.? Ssm?a?e?b, ben S. F??i H85S.
Ms. I.
A. JMMKWK.
I!. Ilxs???., kiilt^ ?lsis>l-ict?l,
In ovcziv 8iitui?Ia^. ZA per Minium,
ill a<Zvaneo. 1'oimn fui- ^clvol ti^omeiits
1t?i1Ks>kIilI>l6.
Dcr ?Richn>ondcr An;cigcr" crschcint jcdcn SaniStaq und
wird dcn rcsp. Abonncntcn i?S HauS gcbra^t. Dcr l'all'jahrlichc
Abi'ilucnicnIS.'PrciS bclragt ?l.5N, wclcher nach Emvfang dcx crstcn
9iuiUuler cntricl'tct wcrdcn'mnh, ? AnSwartiac Abeniicnlcn bclicbcn
dkn Bctraq an dcn HcranSgcbcr (Lcttcr B?r V75) gcfaliigst cinznscn
dcn. ? Briefe und Miltheilungcn wcrdcn frankirl crl'ctcn.
Anjcigcn und Bckannlinackuliiqcn alter Art wcrdcn untcr folgendcn
Bedingungen auf>;cn?mmrn: Einmalige Einrnckunq cincS Squares
<IU Zciltii odtr lveniger bilden cincn Square) 50 CtS., ^weiinalifle
Cinructung 7? CtS. und sur jedeS weitere Mal 25 CrS.; fur cincn
Monat Kl.s'il, fur ^wci Monate !?.N5, fur drci Mc>nate ZA.on, fs,r
scchS Monate j!4.NN. Grojicre Nn^eiqen wcrdcn verbaltuipmaina bc
rtchntt uild sindcn dicr1?ci die rcl'p. Atonnenten besondere Pcruttsichti
quna. ? An;cigcn konncn bis mn 7 ttbr dcS vorbergehenden TagrS,
Sit dent die Zeitung crscheint, eingesandt wcrdcn.
Jin Dachstiibchcn.
Hat auch kein glanzendeS Gemach
DaS Schiclsal mir beschieden,
2ch koniglich zufricdcn.
Venn aUch nickt pr^cht'gt Malcrei'n
Vcrhullcn scinr Wande,
Vrrgoldct sic doch Sonncnschcin
Von friih l'iS TagcScndc.
Enlbcbr' ick auch oft Mondcnlang
? ^ Bcsuch von svtmdcn Leutcn ?
Strcu ich Korn auf die Fcnstcrbank,
Da kommcn die Gastc von Wkitcn.
So lcb' ich still, ni? fallt mir cin,
Hinab aus die Strassc zu sehen,
Doch litg' ich grrn im Fcnstcrlein,
Wo die Dachcr zusammcngchcn.
Denn mcinc schonr Nachbarin
Kdmmt oft ihre Blumrn bcgiksicn ?
Da kann ich sie halb brrubcrzikh'n
Und anS dcin Fcnstcr knsscn.
U.
Eine Rackt i?? den Sumpfen,
vder cin Abcntcuer in Peru.
Von F. Hoffmann.
<k?nrts> kun.i ^
Wziemllch raschein Trabe ritt ich etwa cine Stnnde.
Maulthier vor einer klcinen
^^grunen ^tLiese, unv wvlltc nicht weiter. absolut
W^Ich tried es mit der Stimme an, gab ilnn Svoren
^Peitsche zu kosten, schlng eS zwischen die Ohren ?
eS stand, streckte die Vorderbeine v.vr, ging nicht
Coin Fleck nnd schnob nnwillig init dcn ??nstern.
Das Ding kam mi,- verdachtig vor. Hatte schon von
^zuinpftn nnd Moorgrunden erzaiuen hvrci,, d.'o
einigen Landstrichen Peril's nichtS Seltenes seien, nnd
kam aus den Gedanken, eS musse diese anscheinende
Wiese wohl solch ein Snmpf sein. Die griine Decke
machte nnch aber wieder irre; konnte inir nicht denken
daft cine so uppige Vegetation anS schlammigtem Moor'
' grnnd anfsprossen konne; stieg aber ab nnd untersuchte
den Boden. Ein Paar Schritte ging ich daranf entlang
? vann aber spnrte ich ein merkliches Schwanken, ntld
nun erkannte ich sehr geschwind, wie klng inein braves
Maulthier geweseu war. Hnrtig sprang ich znruck, schte
mich wieder auf uud ritt in veranderter Siichtnng wei
ter. Nach kanm bnndert Schritten dieselbe Erscheinnng.
DaS Maulthier stand und ging nicht vorwarts, dnrch
aus nicht. Ich schlug wieder eine andere Nichtung ein
? abermals ein Nnck nnd daS Thier stand. Allgemach
merkte ich, daft ich in ein Labyrinth von Snmpfen hin
eingerathen war, und dasi es mir Miihe kosten wurde,
wieder berauSzukommen. War das kein Spast! Wnftte,
das, schon mancher nngliickliche Bnrsch in diesen ver
wunschten Snlnpsen untcrgegaugctt war, nnd fing an
ganz crnstlich besorgt z?l werden. Hin und her trabte ich'
suchte dcn Weg wieder zu sinden, auf dem ich iu dies
Labyrsnth hineingekvminen war, konnte ihn aber durch
anS nicht entdecken. Hufspuren von meinein Maulthier
in Menae ? aber welches waren die recbteu? Rt>s.7?^
mich wirklich in hvchft fatalcr, unangenehmer Verlegen'
heit. Snchte nnd suchle immer von Nenem, trieb mein
Thier hierhin, dorthin ? lam abc.- nicht Hera us, durch
aus nicht ? nur immer tiefer hinein.
Ware nnn das Mergescheuteste gewesen, ich hatte
meinem braven Manlthiere die Zugel uin den Hals ge?
legt, nnd hatte es seinem fast nntriigliche? Instinkte
nberlassen, den Answeg ans diesem Labyrinth? zu fin.
den zweisle gar nicht daran, dasj wir wirklich ber
ansgekommen warm ? aber fiel mir dies Nettungs
mittel nicht ein, meinte, ich set jedenfalls kliiger als das
Thier. Trieb eS daher rastloS von cinein Fleck znm an^
derrn, meinte iminer, ich hatte nun einen festen Pfad
entdeclt, und verwirrte niich nur inimcr inchr. Auf ein
mal safi ich fest. Mein Thicr stand wie ein.iewur^lt
wollte nicht vorwartS, nicht vnckwartij drehtc sich im
mer im Kreiie herum, schnob, zitterte am ganzen Leibe
schiUtelte den K?pf unv ging nicht yon der Stelle. ?^
Ziemlich rathloS blickte ich umher, lie^ rtn Paar Augen
blicke Spvrn und Peitsche ruheu, und .suchte mich zu
sammelu, uiit emeu ruhigeu, vcrstandigen Entschluj) zu
sassen. Sehe hierhin, dorlhin, und bemerle endlich einen
Baumstantin, halb vcrsunkcn im Moor, dcr mir cine
prachtige Brucke zu bieten scheint. Lagen jeuseitS dessel
ben noch einige audere Stamme, 'und ineinte ich, eS
konne wohl gelingcn, mit Hitfe derselben auS meiner
ganz fatalen Lage herausznkoinmen. Zrgcnd ctwas
musitc ja auf jeden Fall gewagt werden. Der nachste
Stamm lag kaum zehn Fus; vvn mir eutferut ? wenn
mein Thicr cincn tuchtigcn Anlanf nahm, so kvnntc es
ihn mit cinem Sprinlgc erreichcn. Ich schnttclte die
Zugel, scln ic dcm Thicr zu, rannte ihm zornig die Spo^
ren in dic Wcichcn, schlug eS mit dcr Pcitschc wie tvll
um die Olnen. Das arme, gequalte (ttcschi?pf gericth
vollig aus,er sich, dmuutc iu vie Hohc, scblug mit deu
Vvrdcr und Hiutcrbcincn auS ? gchorchtc aber end
lich, gehvrchte uud war niit ciueiu uugeheurcn Sat/e auf
dcm Banmstamme drubeu. Nun ist'S gut, dachte ich ?
einmal hier, werden wir auch weiter kvmmen.
Kaum gedacht, sah ich aber auch, was sur emeu jam
mcrlich dummeil Strcich ich bci mcincr vcrmcintcn grv^
stcn Klugheit bcgangcn hatte. Dcr Baumstamin, kauiu
uachdcm ihn die Huse mcincS ThicrcS bcruhrt hatten,
bcwcgte sich, walzte sich schwcrfallig aus die Seite, und
mit wahreiil TvdeSschrecken sah ich, dasi cr trage ul^r
dcil M?orgrnnd hin'weg kroch und glcich daranf im
Schlammc verschwand. DaS, was ich fur cineu Baum
stamin gehalten hatte, war nur ein alter Caiman, dc?
uicht die mindeste Lust zu haben schien, mir in den
Mvore znr Stut^e zu dicnen. Die Fusie mciucs MtNll
thirreS glitten von ihm an, und eS versank angenblick
lich bis an den Banch in den zahen, schioarzen, schlam
migen Grnnd. Da war eS geschehcn! Drinn steckte,
wir iin Snmpjc, aber wie wir ohnc Hilfe voi? Ausici
herauskomiiien sollten, das war eine Fragc, auf die icl
kcinc Antwort zu findcn wnjite.
Nachdein ich inich von meiner ersten Besturzung, di,
mich fast besinnnngSlvs machte, erholt hattc, suchte icl
nach Mitteln zn meiner Nettling. Aber ich entdecki,
keinS ?,anch nicht cin einzigco. Zch versuchte zwar di,
sesterc Steile, von der wir in den Sumpf gesprnnge?
waren, wieder zn erreichen, indem ich nber den Nncker
meineS ThiereS hinwcg kletterte nnd niit den Fnsien di,
Festigkeit deS Grnndes priifte ? aber i^ gab dicser
Gedanken sofort wieder auf, ^denn ^der Boden war s>
weich, dap ich gleich beim ersten Versnche bis liber di
.kni.'e bweinsank, nild gro^e Miihe hatte, n?r wiede
in den Saitel z?irtt7kzn7oi??len. '.'tlevrl^.sci.lu^u
ich meinen Sitz wieder ein nnd saft da ziemlich lail^
trostloS und wie betaubt.
Meiu braves Maullhier beuahm sich ubrigeus gau
bewuuderttttgswurdig. AlS ob eS die Gefahr, in welche
wir Beide schwebteu, aufs Haar crmessen kvuue, vcrhiel
es sich gauz ruhig und ruhrte kcin Glied. Ganz geuai
schicn eS zn wisseu, daft jeder Lersuch, nns a,is den
Sumpse heraus zu arl'eiten, nnS uur tiefer hiuein ver
scnscn wiirde, und wartcte daher geduldig die Fol^ci
mciueS uusiunigcn DraugeuS uud TreibcuS al', dai
gauz allein nnS in die gcfahrliche Lagc verses hattc
a?6 dcr ich uuu bci aller meiner WciSheit keinen AuS
weg zu fiuden wnftte. Von Zeit zu Zeit drehtc dai
kluge, gute Geschvpf deu Kvpf nach mir um uud blickt
mich traurig au, ais ob es mir Vorwurfe machen, uiN
fragen wvlle, vl' ich noch immer keiue Hilfe auSfiudu
gemacht habe? Wahrlich, daS arme Thier jamiuerb
mich, uud ich hatte viel darum gegebeu, eS zu retteu
Druden am sicheren User, weuu ich deu Sauin de<
MoorS so nenncn darf, stand in cm trener Hektor, lie
angstlich ans nnd ab, versnchte eS mehrmals, zn mir z,
kommen, schreckte aber iininer znrnck, sobald seine Dor
derbeine in dem Schlamme versanken, nnd sties, dani
ein klaglicheS, jaminervolleS Aehenl ans, das wirkliiZ
herzzerreitzcnd anznhoren war.
Meinc Lagc war in der That nicht beneidenswerth
Mit crstarrcndem Schrccken bemerkte ich, datz mein Manl
thier allmahlig tieser nnd tieser in den Mooagrnnd ver
sank, das; der schwarze, ziihe, ekclhaste Schlamin Zol
nin Zoll an semen Seiten hoher nnd hoher stieg, das
er mir schon bis nahe an das Knie ceichte, n?d bald ?
i bald nbcr dem Nucken dcS armen GeschopseS znsammen
schlagen mnsite. Ich konnte nngefahr berechnen, daf, del
^ Schlamin in jeder Niertelstn^de einen Zoll stieg. JchI
zeigten die Weiser memer Uhr ans die viertc Nachmit
tagsstnnde, nnd der Nnckcn des Maulthiers ragte noch
etwa zwols Zoll nbeu den Schlamin ? nach mciner
Berechnung also mi,site um ffeben Uhr Abends das
Thier bis an den Hals, nnd ich selbst bis an die Husten
im Schlamme stecken, nm Mitternacht mnsite er bis nn
ter meinc Achselgrnben gcstiegen sein, und wenigeStnn
den spater hanchte ich meinen teptett Athein ans ? vor
ansgesetzt, da^ Niemand zn Hilfe kam, oder dap das
Sinken nicht schnellere Fortschritte machte, je tieser icb
in dcn SchlamM hi?:eiy versenkt ward.
Eine furchterliche Berechuung ? cine lranrige Ans
sicht! (Schlufi folgt.)
.V! ^ " N'. ? ' '
(Corrcsvondenz drS AnzcigerS dcS WcstcnS.) ^
Die Belagevnn^ vvn Sebastvpvl?
Paris. Mai 1855.
D r Krieg. Die Kanonen der Franzosen mid
Englanver vor Sevastopol schweigeil scit dem 28. April;
weder die rnssischen Batterien, noch die FcstnngSwerkc,
noch die Stadt haben irgend einen bedeiltenden Schaden
erlitten; 50M9 Nusseu find ail Vcrstarknngcn zn der
Entsajznngsarittce Osten-SackenS mid Aprandi's gesto- >
sien; die Generate Canrobert nnd Naglan haben den
Erfolg einer Bela^ernng Sebastopols von der Sndseite
als verloren l'etrachlet ,lnd davon ihrer Negierling Be
richt erstattet.
DaS ist in semen Hanplzngen die Lage der Din.'.e
von Sevastopol, und selbst die offiziellen nnd halbofsi
ziellcn Or^ane der westinachtlichen Negierungen find
gezwungen, dicse Thatsachen anzuerkennen.
In Folge der vollstaildigeu Einstelluug des FeuerS
der Nlliirten richtete General Canrobert einen Brief an
Louis Napoleon, aus welchein ich solgende Stelle hier
anfi'thre:
?Ich babe versprochen, Sire, das Boinbardeinent
dllrch fi'lnfzehn Tagc unnuterbrocheu zu unterhalten.
Ich habe Wort gehalten nnd meine Anfgabc ist vollen
det. Wir haben der Festung keinen Schaden znsugen
konnen, nnd wir find nicht ill der Lage, einen Stnrm
! ^n nnternehiilen. Es bleibt unS nichtS ubrig, als unsere
. Truppeil ill guter Orduung zn erhalten. Unsere Kano
. neil find dnrch das Fener abgennj;t nnd dienstunfahig
l geworden; wir durfen sie, wie alteS Eisen, dein Feinde
. uberlassen.
?Wir ^rwarten, Sire, die Befehle, unl die Belagerllng
, mit dein Feldznge zu vertauschul uild die Feinde in offe
^ ner Schlacht zn schlagen. Der OperationSplan nnd die
, Liste der ilnumganglich nothigen Verftarkungcn nnter
^ breitet, Sire, Ihrer Einsicht der KriegSrath der verei
nigten Arniee"....
^ Ein ahnlicher Brief Lord Raglans, aber mit allen
, dusieren Details, kam dein eilglischen KriegSminister zu.
. Lord Naglan giebt auch den FeldzugSplan ill der Krimln
, als im V^ornhinein fiir verloren anf. Er schildert das
^ Bombardement Sebastopols als ein ?unnu^eS Kindcr
l spiel," geeignet, den ?Spott der Feinde" zu crwecken.
5 Die franzosische Armee babe ungehenre Verluste erlitten
und ihre Verschanzungen seien in den, elendesten Zu
stande. Es wnrben Wochen der hartesten Arbeiten no
- tbig sein, uin die zerstorten Verschanzungen ivieder in
dcn Stand zu sepen, wie sie vor Eroffnnng deS Bom
. >,.?-ko..,i'ntS gewesen.
Alle Munition set er>ch0psl, siihrt dcv englischs Gene
ral fort, die meistcn Geschnhe unbrauchbar geworden,
zahlreiche Kanonen vom Feindc deinolirt worden, u,ld
was das Schlimmste: der AuSbrnch von Fieber nnd
Cholera habe neuen Schreckeu in die ohnchin entiuu
thigten Soldaten geworsen.
Lord Naglan giebt znin Schlnfi seines VrieseS ,M
lcS verlorcn" und verlangt seine Abberusung, wenn die
englische Negiernng ihin eine Schuld deS MisilingenS
der Unternelnnnnq beizun'essen geneigt ist.
Il^r Correspondent ist in der Lage, den Inhalt der
Briese beider Generale verbnrgen zu konnen.
UbriqenS stimmen damit nicht nnr die l'rieflichen
Nachrichten auS der Krimm, sondern '.vie schon erwahnt,
selbst die gonvernementalen Iournale der Westinachte
uberein.
Die bonapartistische Presse ist zwar etwas rnckhaltS
voller, was im Grunde begreiflich ist. Desto ungebnn
dener find die englischen 57rgane der Neaiernna.
f der Bruch der Wiener Conferenz-n die Kabinette wieder
' zwingt, dem Kriege mehr Spielrann zu lasse.i.
' Sv gefteht die Morning Post, das Oraan Lord Pal
^ merstonS, das; das Bombarde:r.:nt ge.W Sebastopo!
' ansgehort ha be nnd nichts hoffcn lasse, dast ein Stnrm
unternommen werden konne. Cine Fcstung wie Seba
stopol, mit so uberwiegende?l Mitteln, kann nnr init den
' ansierordentlichsten Krasten erct:^ w-rden.. Es sei ganz
klar, das; die Operational mit cin^ weit groheren Ent
' saltnng der Krafte gesnhrt wudm als das bis
her der Fall war.
' Die Frage sei he,tie entschieden, sahr!: das) ministerielle
engUsche Organ fort, das; Sevastopol von der Sudseite
nicht genommen werden sann. EL se: ..icht einzuschen,
wie Sebastopol genommen werden will,, wahrend die
Nordseite offen ist nnd Soldaten, Geschut?e, Munition,
LebenSmittel n. s. w. ohne Hindernisse eingelassen wer
den koimen.
ES sej deinnach nothwendig, dap die alliirten Regie
rilngen Masiregeln ergreisen, -nelche mit ihrer nationa
len Stellnng nbereinstimmen. Sie muss.',, -?>>,- !
I, ?
liche Waffenmachl in der Krimm landen lassen, um die
rnssische Armcc zn schlagen nnd dann die Belagernng
vollendeiV zn konnen.' D'as Ubrige ware dann eine Frage
der Zeit.
Die sranzvsische Prcsse.spricht. sich in derselben Wei se
nnr in einer anderen F?>r>n aus. Der ?Einpereur" sei
vom Anfange an fur den Feldzugsplan in der Krimm
gcwesen, nnd das, die JahreSzeit je^t erlaube, diesem
Plane Gsltung zn verschaffen.
Soinit wird die Bclagerung von Sebastopol aufge
hobcn und nur das tnrkische Corps unter Omer Pascha,
welches in dcr Vertheidigung von Schanzwerken Pro
beil von Tapferkeit al'gelegt, zur Bewachung Sebasto
Pols znruckblciben; ihm wird das sardinische Corps bei
gegeben.
Sobald die nothigen Verstarknngen anlangen, wird
dcr Feldzug gcgcn Sebastopol croffnct.
vvnupnrllnl>n)e Pre^e.
Unsere Bricfe aus dcr Krimm, wcnn auch nur bis
zuin 19. April rcichcnd, stcllen die Armee als gauzllch
llilfahig dar, einen wirksamen Feldzug in der Krimm zu
croffncll. Die alte Klage wird wicderholt: es fchlt an
Kavallcrie, an Feldgeschut^en und ihrcr Bespanuung.
Ol>ne diese Mittel ist ein Feldzug unmoglich.
Die Nnsscn haben die Seite von Jnkermann, die
Hohen von Balaklava, die Straff nnch Bartschi-Serai
nnd den Velhek in einer Weise verschanzt, die enter
nenen Festnug gleich l,"i,mt.
Sollte die frauzosischc Negicrung in dcr ?hat bcab
sichtigen, alle von den Gencralen geforderten Perstar
tnngen an Soldatcn, Geschu^en und Pscrden zn senden.
so wurde dcr Transport miudesteus zwei Mouate <n
Ansprnch nehmen. In zwei Mouaten ist die Regenzeit
eingetrcten. Wahrend diescr Zeit wird die Armee von
! Fiebern verzchrt und die Cholera schreitet bereits von
! Neuem dnrch die Reihen dcr gebrochenen, den Drang
salcn des Winters halb nntcrlcgenen Soldatcn.
?)!an spricht von cincm Feldzug in Bessarabien und
soll dem Habsburger die Pistolt.- auf die Brust gese^t
haben, nm den Feldzug nntzumachen. Anf nnscrcr Vorse
ging sogar das Geruchl, datz Ostreich an Nuhland bt"
reits den Krieg erklart und die russischen Gcsandten in
Wicn ihre Passe gesordert haben. ^ ,
Derlei ist mit Vorsicht aufzunclunen (hat sich auch ^
na6) den neusteu Nachrichten nicht bestatigt).
(AuS dcm ?C?rsar".)
Die Lesni<ckitse.
Da gegenwartig so viel uber Weistnichtse, Sagnichise,
Thunickfift und andere nihilistische Grosien gesprochen
nnd geschrieben wird, so wollen wir auch einmal einer
ganz besondern uud zahlreichen Klasse von ?Nichtscn"
Erwaiinuug thun, namlich der ..Lc6?i^?r^ "
dividnen sind mit den Weitziuchtsen und Sagnichtsen
nahe verwandt, denn weil sie nichts lesen, wissen fle auch
nichts ?ud konnen auch nichts OrdentlicheS sagen. Jhr
Orden ist uber das gauze Laud und vesvuders untcr - ?
den Dentschen verbreitet, wic sammtliche Stedacteuri?
werden bezengen konuen. Sie uuterscheidcn sich aber
von den Sagnichtsen dadurch, datz sic trotz ihres Nichts
lesens sehr viel sagen und uugeheuer schwadroniren und
kritisiren uber das, was sie nicht geleseu haben. Die
Lesnichtse zerfallen in zwei Abthcilungen; die erste um- ^
faHt die voruehinen LeSnichtse, die schon AlleS wissen,
was un Hiinmrl und anf Erden sich ereignet hat, und
die andere Abtheilung die fanlen und dnnnuen Les
nichtse, die zu bequem find, um Etwas zn lesen, vder zu
dumm, nin die Vortheile des LesenS zu begrcisen.
Die vornehmen LeSnichtse find cine ganz schreckliche
Klasse von Menschen nnd ein wahrer Hemmschnh am
Wagen der Cultnr. Sie haben gewvhulich in fruheren
Zeiten ein paar Encyclopadieen gelesen und beskhen in
der Negel ein Conversationslexicon als ^uelle und Er
g.iuzuug ihreS sragnientarischen Wisscns. In Dentsch
land wurden sie vielleicht nock) etwas gelesen und gelernt
yaben; hier in Amerika aber halten sie eS fur uberslus
sig, den kleinen Vorrath ftuher angelernter Meisheit zu
vermehren. Sie glaubeu genug zu wissen und lesen da
her nichts writer..mchr, als etwa ein Neuigkeitsblatt.
,v,u)en auwyjend'en VeSnichtS z. V.:
Haben Sie Feuerbach gelesen? so wird er antworten:
Jch habe einmal angesangen, das Wesen des Christen^
thuins zu lesen, aber inein Gott, das Zeng ist so bekannt
dah es nicht n^yig ist, darnber weitere Zeit zu verlie
ren; dap das Christenthmn antiqnirt ist, wissen wir
schon langst. Aber wahrscheinlich haben sie den ewigen
Juden vvn Sue gelesen? New; die Sage vom ewigen
Jnden hat mir im?,er misifallen; ich liebe das Wirk
lick)e, aber keine Mahrchen.
Dann wird sie der realistische Gothe sehr angespro
chen haben? Ach dicser Gothe, der wird uberschaht
es ist anch nichts n?it ihm und er hat viel nberschweng
liches Zeng geschricben^ was Eiyem gar nichts nutzen
Ah, die Nutzlichkeitstheoric bestimmt Ihre Lecture!
Da werden.Sie jedenfalls Schleiden uud Maleschlott
gelesen haben, dievondem zunnchstNutzlichsten schrieben?
Sie, mein Herr, diese Leute find Aftergelehrte,
die Aves wissen wolleu und ntchtS wissen. Jch mag den
Kram nicht lesen. Es ist uberbaupt eine grotze Noth
um eine gute Lecture; man findet gar nichtS, was zu
gleich auf der Hohe der Zeit steht.
Da sallt mir etwas ein, was ich Jbnen dringend em
(Siche Fortsrvung auf drr 4ttk Stitt.)

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