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Richmonder Anzeiger. [volume] (Richmond, Va.) 1854-18??, September 15, 1855, Image 1

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Redtgirt ,.?d l>-r....??cgebc? v?>, B. Has,-l. No- Mai.. Str.. zwtsche.. der ?t-.. ...,t> Stratz..
A.
Mchmmtb, Ka.. SsWwKbEMb, bsm IIS. Sshus?bov ISW.
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'I'tio 6v,ma? ^VV^K.I'ISKR.".
n. il.^ssLl., L^ldvl- and ?ic?pi-iotc>i,
Iz publis)?6ll ovoi v Lktur<1?^. nt T3 por ^.?i>nm?
in advaneo. I'orms 5?i' ^.llvortiseinonts
ivasnnatils.
Or'^IOZZ: 198 81'KDl!:i'.
Bedingttiig,,.
Der ?Rich?i?ndcr Nineiger" crsclieint jeden SamStaa und
wird dcn resv. Abonnenten inS HouS gebracht. Der balbj^brliche
Abo?neintlits--PrciS detragt j!l.5?, welcker nack Empfang der ersien
?iummer entricktet werden mufi. ? AuSwartiqe Abonnenten belteben
den Betrag an dcn HerauSaeber (Letter Bor S^S) gefalligst einzusen
den. ? Briefc und Miltheilungen werden frankirt erbeten.
Nnzeigen und Bekanntmachunaen aller Art werden nnter folgenden
Bcdingungen aufgcnommen: Einmaliae Einruckuna eines Scares
(10 Zeilen rder weniger bilden einen Square) 5N CtS., zweimalige
Einruckung 75 CtS. und fur jedeS weitere Mal 25 CtS.; fur einen
Monat^1.00, sur zwei Monate 5.175, fur drei Monate ^3.VN. kiir
iccvs Monatc S t.N0. GrSsicre Anzciaen wcrdcn ^erb^ltnipmafiia ^e
rennet und findcn hierbei die resp. Nbonnenten besondere BerucksichU
Aung. ? Anzeigen kSnnen bis um 7 Nbr dcS vorhergehenden Tagks,
an d'em die geitnng erscheint, eingesandt werden.
Die Audio,,.
(Eine alte ffabel.)
Jch lay nichl dic Kindleiu, wit PI....W,
Ersaufen im Nilstromwasser;
Jch bin auch kein Hcrodeolyrami,
Kein Kindcrabschlachtcnlasser.
Jch will, wie eiust mcin Heiland ihar,
Am Anblirk dcr Kinder mich labcn;
Lap zu mir kommcn die Kindlciu, zumal
Das grope Kind aus Schwaben.
So sprach der Konig; dcr KKinmerer lief
Nnd kam zuriici und brachte
Herein das grope Schwabentind,
DaS seinen Diener machte.
Dcr Konig sprach: Du bist wohl ein Schwab?
DaS ist just kcine Schande.
Gerathen! erwidcrt dcr Schwab, ich bin
Geborcn im Schwabcnlandc.
Frug Jencr. Jch thu abstaininen
Nur vvn cincin ciiij'gcn, erwidert dcr Schwab,
Doch ?icht von Men zusamnien.
Der KSnig frug serner: Sind dieses Jakr
Die KnSdel in Schwaben gerathcn?
Ich danke dcr Nachsrag', antwortct der Schwab,
<Kie sind sepr gur geralyen.
Habt ibr noch grosic Manner? frug
Der KSnig. Jin Augenblicl
Fehlt eS an gropen, erwidert dcr Sckwab,
Wir haten jeyt nur dicke.
Hgt Menzel, srug writer der ttonig, seitdem
Noch vicl Maulschcllcn crhaltcn?
Ich dankc der Nachsrag', erwidert der Schwab,
Er hat noch genug an dcn altcn.
Der KSnig sprach: Du bist nicht so dumin,
AlS wie du aussichst, mcin Holder.
DaS kommt, erwidert dcr Schwal', Weil mick
Zn dcr Wiegc vcrtauscht die Koboldcr.
Dcr KSnig sprach: ES pflcgt dcr Schwab
Scin Vaterland zu licbcn ?
Nun sage mir, waS hat dich sort
AuS dcincr Hcimath gttricbcn?
Der Schwabe antwortet: Tagtaglich gab'S
Nur Sauerkraut und Ruben;
Halt' mcinc Muttcr Flcisch gckocht,
?o war' icy von gtvllkdkn.
Erbitte dir cine Gnade, sprach
Der Konig. Da knictc nicder
Dcr Schwabc u?i> rirs: O gebcn Sic, Siic,
Dem Volke die Frciheit wieder!
Dcr Mensch ist frei, eS hat die Natur
Zbn nicht geboren zum Knechte ?
O geben Sit, Sire, dem dentschen Volk
Znrnck seine Menschenrechte!
Der Konig stand crschiittcrt ties ?
ES war eine schone Scene; ?
Mit seinein Rockarmel wischte sich
Der Schwab auS dein Auge die Thsane.
Der Konig sprach endlich: Ein schoner Traum!
Leb' wobl nnd wcrde gescheiter;
Nnd da du ein Somnambulericht.
So geb' ich dir zwei Begleiter,
Zwei sich'ce Gendarinen, die sollen dicb
Bis an die Grenze fiihren, ?
Lib' wohl! ich mu^ zur Parade gehn,
Schon hor' ich die Trommel n'chren.
So yat die rnhrende Audimz
Ein ruhrendes Ende gensmmen.
Doch lieh der Konig seitdem nicl't mehr
H. Heine.
Der Eisenkopf.
Erzahlung von Ludwig Rellft ab.
(Fvrtset>ung.)
Neuntes Kapltcl.
Hatten wir den?? wegbleiben konn en," schluchz^e
per alft Pachtp-, nachyW es lange vergeblich versucht
hatte ;in Wort hervorzubringen, ?we?n unser Sohn,
y,ner covert ? ? ach, ich kann'S nicht aussprechen!"
Unv immer wieder druckte er ihtt an die Brust, und
kuhte ihn unter lautem Weinen.
Karl verlor beinahe selbst die Fassung uber den hef
ttgen Schmerz der treuen Pfleger aus der Verirrungs
zett seiner Iugendjahre.
?Scht Euch, licber Vater, Mutter Justine," bat er
endlich, um nur die hestigeu Auszeruugen dcS Schmerzes
auherlich zu uuterl'rcchen; ?scht Euch. Wir wolleu vou
Hcrzeu mit eiuauder reveu; diese Stunde soll mich er
quicken, trvsteu, nicht eutmuthigeu. Se^t Euth, Vater!"
Martens that eS. Er uabm den emeu der beideil
Holzstuhle im Gefauguis;, Karl den audern, Juftiue
se^te sich aufs Bett.
?Sagt inir >iur, wie habt Ihr von meinenl Schicksal
erfahrell, ?- vast Ihr so weit herkomint?" fragte Karl.
?Guter Gott! Es stand ja iu den Zeitungeu," ant
wvrtete Justiue; ?aber wir konnten es gar uicht glau
>.m.c...... ^
,...v suyr giem) IN ore ^stavt; va horte
er denn wie es leider stand! ? DaS wird Deine Mut
ter nicht uberleben, Robert!"
?Mcine Mutter!" rlef Karl und erbleichte. ?Richt
uberleben!" ? sehte er u?it bebender Stinune hinzu.
?Jch sollte der Mvrder meiner Mutter sein
nein, daS wir'o Gottes Gnade abwenden!"
?Nicht doch so, Justine, wic kannst dn so reden!"
sprach Martens ranh, aber von Herzen begutigend;
?wer weifi was Gottes Witte ist! Vielleicht kaun uoch
AlleS gut werden I"
Da Karl uud Justine aus dieses Wort schwiegen,
suhr der Pachter fort: ?Lieber Robert! Dars ich auft
! richtig setn? dars ich dich noch etwas sragen, ohne Dich
. bose zu machen?"
?WaS nnd wie Ihr wollt, Vater Martens!" erwi
derte er.
?Sie haben uns erzahlt," hub er ein wenig verlegen
an, ?da^ Du, ? es sol! ein Umstand sein, wie Dn Al
leS gnt machen konntest, es hinge nnr von Dir ab! Ist
das so?"
! Karl niclte.
?Und Du willst nicht?" sragte Martens sast
atheinlos vor Erstaunen.
?J6) kann nicht," erwiderte >r, ?es ware wider
Ehre nnd Uberzengnng!"
?Hore, Robert," sing Martens nach einigem Zogern
in sehr gutherzigem Tone wieder an, ?hore, lieber Sohn.
Ich wrip, cine Aboiiic isr ein schweres Ding! L)ie
Worte wollen einem absolut nicht uber die Zunge, sie
find wie Blei! Aber ? wenn s->i" ?" "
p. V-.V
^ doch! Jch dachte, lieber, guter Juuge, Du schriebest
> ven Zettel und machtest Dich und uus Alle glucklich ?
^ uud selig, ? Deine gute, gute Mutter vor Alleu!"
?Vater!" rief Karl schmerzlich aus und sprang aus,
?es ist bet Gott uumoglich, ? weuu es auch jejzt uoch
etwas hnlfe! Wie? Jch hatte cS abgeschlagen, fest nud
bestimmt, auf Mannerw"rt, und svllte je^t, da eS Ernst
wird, schiinpslich znruckzichen? Muhte man da nicht
von mir sagen, ans Feigheit hat cr gethan, was er fur
schandlich hielt? Ware ich nicht ehrlos fur ewig? Nein,
lieber dreimal durch die Kugel fallen, als so leben! ?
Und wenn sie es gar jeht zuruckwieseu, so sturbe ich ver
achtet uud lacherlich zugleich! Neiu, nein, ? es ist
unmoglich!"
?Ja, ich dachte eS wohl ? es ist der alte Eisenkops!"
rief der Pachter ans, wahrend er ihin doch beide Hande
hielt und warm driickte, und ihn dann an sich zog nnd
ihn, immerfort la?lt weinend, immer wieder knsite
?eS ist Alles vergeblich, es ist der alte Eisenkopf!"
Justine sagte leise, indeiu sie ihm die Hand reichte,
?doch hat er auch das alte liebevolle Herz!"
?Dafi so ein Maun so nms Leben aebrackt s..
, ?I"
nichtSlourdig, so schaudlichrief Martens in auherster
Walluug uud giug heftig anf und ab. ? Und thut
Venn der General, der Prinz, dem Du das Leben geret
tet hast, nichtS fuv Dich? Ich will zu ihm, ich will
zu ihm, ich will ihm einen Euhsall thnn, er wird Dich
begnadigen sage mir, Robert, wo ist er zu treffen?"
?Er hat gethan fur mich, was moglich war, jetzt ist
er nicht hier ? er ist verreist," antwortete Robert mit
bitterm, aber bekampftein Gefnhl; ?es thnt ihm z,l weh,
mich sterben zu sehen, er wollts nicht dabei sein!"
?Nicht dabei seinrief Martens. ?Und wir find
blos oazn hergekommen! Und nicht mit Hunden sollten
sie mich weghehen, und ich will Dir die Augen zndruk
ksn, mein Junge, und wenn sie aus mich selber schiesien!
Ach, da fiihlt unser EinS doch anderS als solch ein Herr!"
Die abermalS klirrenden Niegel der Thiir nnterbra
chen diese Worte. ? Der Major von Holm trat ein.
Karl war hochst erstaunt ihn schon wieder zu sehen, und
ahnte etwas Auperordcutliches. ?So uuvermuthet,"
sprach er, mit moglichster Fassuug ihm entgegen geheud,
und reichte ihm die Hand dar. die di-s^ .
sonst pflegte, drnckte.
?Lieber Kamerqd!" sprach der Major, ?ich brings
Jhnen eine Nachricht, die Sie mit Schmerz und Dank
^ngleich evfullen wird. Ietzt ersi kennen wir Ursach und
Ziel der Reise Seiner Durchlaucht. Er hat das Letzte
fur Sie versnchen wollen, was im Zieich der Moglichkeit
lag, eine Begnadignng durch den Kaiser. ? Lesen Sie
diesen an mich gerichtcten Brief, lesen Sie lant vor
Jhren Freunden!" ^
Allsy leuchteten die Augen und schlng das Herz. ?
Karl las:
?Lieber Holm^
Zch babe Sllles daran geseht, cine Audienz beiin ^iai- ^
ser nnd in dieser die Begnadigung unsereS nnglucklichen l
Stein zu erlangen. Graf Beckenheim, den ich bier traf,
hat mich init alter Irene unterstu^t. Doch die lehte i
Hoffnung ist verschwundcn, der Kaiser ist verreist. Mvr- l
^en mnp ich znruck, wenn ich den wackern Frennd noch
am Leben treffen will. Ich fliege herbei, uin ihm im s
letzten Angenblick znr Seite zu sein, denn vast ich dies l
schente, war naturlich nnr der Vorwand, uin cine Reise
zuverschleieru.durchdie ich keineHoffnnng wecken wollte,
bis ich sie ersullen konnte, was mir zu meincm tiefstcn
Schmerz der Himmcl versagt hat
?O Gott, welch ein Unrecht habe i6) abznbitten!"
rief Karl erschiittert.
?Und ich!" rief auch Martens ganz auher sich vvr
Schmerz. ?Welch cin Herr ist das! ? Und auck) er ^
bat nichtS vermocht!" 1
Justine sah still auf dem Bett n??d hatte ihr Angesicht >,
mit dem Tuch bedeckt. Der Adjutant kampfte sichtlich I
mit der tiefstcn innern Vewegnng. Es war eine TvdeS- ^
stille i>n Gemach. t
Plotzlich ries jtarl auS: ?Sie ist's. ste ist'S, ? ich ,
habe ihre Stimme gey>)rt!" nnd jlog der Thiir zn. Doch ,
noch bevor er ste erreichr hatte, Lffnete sie stch nnd seine
Mutter sank, ein bleiches Bilb des !vdeS, halb bewnsit- >
los in seine Arme. Eberhard nnd Gertrud traten nach ^
ihr ein; beide zitterten, ihre Thranen fiossen, eineS j
WorteS wcir keiner machtig.
?Mein lieber Svhn!" dies waren die ersten Lante,
die sich mit unbcschreiblich rnhrendein Klang von der
Lippe der bleichen Mutter losteu. ?Meiu lieber, lieber
Sohn!" i
?Gott, gib mir Krast, nicht zu brechen in diesem ^
Schmerz," betete Karl, den verdunkelten Blick empor^ ^ ^
gerichtet.
Bruder!" lispelte cine leise, liebli6)e Stimme neben >
ihm, und Gertrud, die reizgeschmnckte, hold anfgeblnhte ^
Schwester weinte an seinem Herzen.
wanore sia) ^larl zu Everyard uud reichte ^
ihm die HtUlv da^ ^ ??uch Dn, Dn alter, herzeusge- >
treuer Pater!"
Dcr harte Mann, dessen Zuge sich markig, gleich der
stnrmsesten Eiche, auSpragten, war so weich, so gebrocheu,
dah er matt in sich znsammensank, und Martens ihn
stichen mnfite.
Eudlich gewaun Karl Kraft zu einem gesafiten Wort.
?Seht Ihr, wie giitig mir der Himmel gesinnt ift? Das
Liebste, was ich aus Erdeu habe, sendet er mir zu ineiuer
letzten Stunde!"
Niemand kvunte antworten. Der Adjutant uahm
Karl bei der Hand, zog ihn aus die Seite und sagte ihm
leise: ?Morgen fruh funs Uhr ift die festgesehte Zeit!" ^
Karl zuckte leicht. Schnell wieder gefasit, antwortete j
er: ?Jch danke Ihnen; ich bin l'ereit."
?Haben Sie noch cinen Wunsch?'' flusterte der Ad- >
jutant.
?Nnr den, dah die hier Versaminelten, wenn sie wvl
leu, Zeugen meineS TodeS sein durfeu
?Jch verspreche eS Ihnen. ? Nun lasse ich Sie mit
den Jhrigen allein. ? Leben Sie wohl! ? Er ging.
Die Andern blieben. ? Karl war sehr ruhig, dvch
iryr Iiinvr. ?^N) ynvc ^UN) vlelen Kummer gemacht
durch mein Leben, liebe Eltern," sprach er zn Vater nnd
Mutter; ?ich will Euch wcnigstenS keine Schande ma^
chen dnrch den Tod! ? Vater, was zwischen nns Har
tes, FeindlicheS sogar, gewesen, ? kannst Du es mir
vergeben?"
?O mein Sohn!" sprach der Alte, nnd die Thranen
rollten in seinen grauen Bart.
?Meine Mutter! Wie soll ich Dir danken! Du, die
stets uur die Liebe selbst gewesen ist, zu mir, zu Allen!
Du hast mir viel, viel zu vergeben ? ach, wie vielen
Gram hat mein starrer Sinn deinem weichen Herzen
bereitet! Kannst du mir vergeben, ? anch diesen
letzten, bittersten Schmerz?"
Anna blickte ihn mit iyren sanften brannen Augen
an, die nur Liebe strahlten, ? sic sagten ihm AlleS!
Die Lippe vermochte nur die Worte zu haucheu: Mein
Karl! und sich heih aus seinen Mund zn pressen. ?
So hielt er sie lauge umschlungeu. Er dankte es ihr
in innerster Seele, dah sie nicht den Bersuch machtl, ihn
durch ihre Bitte von seinem Enlschlnsi abznwenden,
denn nichts wiirde ihn so ties zerrissen haben, als anch
ibc in der lctzten Stunde des Lebens ein ?Nein" zu sa
gen. Und er hatte nicht anderS vermvcht! ? Aber die
Nluitcr verjlanv IN vlk>em VUlgenVUck das ties von il>r
gekannte Herz des Sohnes zu richtig, um ihm diese >
L)ual anzuthun.
?Meme liebe, hvlde Gertrud," wandte sich Karl end
lich zu dieser, ?Dir habe ich itnr ein Wort zu sagen!
Sei Deiuer Mutter gleich!"
Die holde, erbleichende Nose dnickte ihr Antlit^ an
die Brust deS BruderS, und ihre herabwallendeu Locken
verhullteu die Bewegungen des zuckenden Schm erzcs in
ihrer Brust.
Den wackeru Pslegeeltern reichte Karl nur st um?u die
5>and. Endlich bat er: ?Meine Lichen! die Nacht ist
>a! Lasset mich nu?l mir selbst. Ein stilles Gebet ?
>ann scheidet ? bis nwrgen fruh!"
Er sclbst senkte sich sromm auf die Knie; Alle thaten
icsgleichen. ? Das leise Weinen der s^ranen war kor
'ar in der tiesen, beiligen Stille.
Mit geftarkter Secle erhob sich Karl wieder daiui
chied er von Allen in stummer Umarmung. Die letzte,
>ie er lange an seiner Brnst hielt, war seine Mutter!
(Schluh folgt.)
Vine Tragvdie
u i! o v e in '.'l e w A o r k e r Tageslebe n.
Dameii, welchedeu Krystallpalast besucht haben, wer^
>en sich vielleicht eineS von Frank Bennett und Comp..
Lroadway, ausgcstellten, prachtvoll gestickten Shawls
:nnncru, der unter den Stickereien am meisten die Anf
nerksam^eit anf sich zvg. Die zwei Frauen, aus deren
handen jenes wundervolle Stiick Arbeit hervvrging,
verden kein zweiteS mehr verfertigen: sic find todt und
verden heute aus den Leichenhof auf Randall's Island
lingescharrt werdell. Sie endeten durch Selbstmord.
Zlrmuth und verrathenc Liebe scheinen sie zu der entsei)
lichen That getrieben zu ^aben. Um zu der L)uelle zu
zelangen, aus welcher ihr ?eiden entsprang, mussen wir
!nehrere Jahre zuruckgehen.
Jnl Jahre 1846 lebte ill Berlin eine Familie, sta
mens Stein ? Bater, Mutter, drei Tvchter uud zwei
Knaben. Die beiden alteften Madchen liieszell Cecilia
uud Wanda; die Erstgenannte war die naturliche Toll'>
^er deS poluischen Fursten ZiaczywiU. Frau Steiu war
cin schwacheS Weil? und luelt nicht sehr viel anf Tu
gend. weder fur sich selbst, uoch iu Bezug auf ihre Toch
ter. Wauda war um diese Zeit etwa 15> oder 16 Jahre
alt uud von hochst einnehmendem Aupcrn. (5in Sekre^
tar der franzvsischen Gesandtschaft unter Cavaignar,
nnr namen ^vuarv ^irenter, verliebte sick in die s6)vne
Wanda, uud ihre Mutter willigte darein, dap er Wanda
und Cecilien in etnem eigenen Hauic einlogirte und sie
dort taglich besuchte. Die Fvlge dies^r Besuche war, das,
Wanda im September 1849 eines .ttnaben genas, der
nach seinem Vater Ednard geheifien ward' Da lam der
verhangnipvolle 2. Dezember, das sranzosische diploma
tische Corps hatte mit der Nepnblik ein Ende ilnd Wan
da'S Geliebter flvh nach der Schweiz. Lon dort aus
sck)rieb er an Wanda, sie moge ihm folgen, er wolle sie
heirathen. Wanda liebte mit einer Leidenschast, deren
ein juugeS Her; fahig sein kann; sic folgte der Auffor
dernng nnd ging mit ihrem Kinde nach der Schweiz.
Ihr Geliebter sorderte von ihr, dap sie von der pro
testantischen Kirche znr katholischen ubertrete; nur un
ter dieser Bedinguug konne er sie heirathen. Wanda
that anch dies ? und dann brachie sie ihr Geliebter in
ein ? Kloster in Evlmar. Hier blieb sie ein Jahr,
dann kehrte sie, an der Treue und Ehre ihrcs Geliebten
verzweifelnd, nach Berlin znruck.
Dort blieb sie bis gegen Summer, dann schiffte sie
sich mit ihrem Knaben nnd ihrer Stiefschwester Cecilie
nack Amerika ein. In New Aork angekommen, begaben
sich die beiden juugeu Frauenzimmer uach vein Hause
eineS Letters, NamenS Ludwig May, l'lieben dort etwa
zwei Monate und zogen endlich in ein Haus in Mott
street, wo ihuen ??^ay Zimmer einrichten liest. Herr
May vcrschaffte ihnen Stickerei-Arbeit von Bennet und
Comp, in Broadway und die beiden Frauen verfertigtcn
mancheS schone Stuck Arbeit. Bald hatten sie 150 Doll,
verdient; 50 Doll, sendeten sie nach Berlin, als Neise
geld fur ihren Bruder Lndwiz hierher; doch dieser schrieb
ihnen, er wolle nicht gehen, wenn nicht die ganze Fa
milie kommen konne.
Die beiden jnngen Frauenzimmer arbeiteten inzwi
schen uuerumdet fort und e6 jchien ihnen gut zu gehen.
Sie lebten sehr bescheiden. gingen wenig aus und wa
rm uberhaupt sehr zurnckgezogen und schuchtern gegen
Iedermann, mit dem sie in Beruhruug kamen. Die
noch immer sckone Wanda war fast immer schwermuthig
nnd tiefsinnig. Einwal sagte sie Herrn Man. ikv
habe ihr gesagt, sic werde nicht langer mehr als ein Jahr
leben. Plohlich machtc Hr. Bennet, fur dessen Etablis
sement sie bisher gearbeitet batten, Bankerntt und nun
begann cine Zeit der Thranen und Svrgen. Hr. Ma>,
bezahlte die Miethe mehrere Male fur sie und gab thney
auszerdem noch Geld, dvch endiich mnpte er sie i^-ey
Schicksale uberlafsen, da er selbst Familie hatte.
Am vergnngenen Montag nun fand man das Ziiu
iner der beiden Schwestern verschlossen. Sie hatten we
mqe Tage vorber gegen Hrn. Black, den HanSherrn,
ge^uhert, dah, sails die Zciten nicht besser wnrden, es
am bt.sten fur sie ware, wenn sie den Knaben zu seinem
Vater aach Frankreich schickten, sich selbst aber vergifte
ten. V^eser Zkvrte ennnerte slch Herr Black, als er a?,
Mittwoch leines der beiden Frauenzimmer noch ihren
Knaben sah. Er eilte nach der Thiire, aus welcher ih>n
ein besor.qni^erregendcr Geruch entqegen drang. Nun.
(Sieht Kosctsetzung a?f der 4ten Seite.)

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