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Der liberale Beobachter und Berks, Montgomery und Schuylkill Caunties allgemeine anzeiger. ([Reading, Pa.) 1839-1864, September 10, 1839, Image 1

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Und Berks, Montgomcry mld SclmMll Aiizeigel^^
Ncir Ä i N cx, PtNN. Gedrlickr nnd beransgegeben von Arnold PuweU c, in der Penn-Strasse, nächste Thür unterhalb Kend a l' s Hotel.
. Jahrgang 1.
bdi ngunge N.—Der Ntverale Ncoünclltcr erscheint jeden Dienstag auf einem grossen Superial-Bogen mit scheivn Settern gedruckt. Der Lubscripnon«-Preis ist sI n T haler de» I.ihrs, wrlcher in halbjähr acr TorauSbe
zai'lung erbeten wird. u» Sause dcv I.ihres »iel't bezahlt, werdc?> Hl angerechnet. Für kürzere Zeit >ils K Menat wird kein Uiitersilnciber angenemmcn, und etwaige Aufkündigungen werden nur dann anqenom'nen, wenn sie
einen vor Vll'l,nif des geicheben und gleichzeitig alle Nückiräiide abbezahlt iverden. Bck.innima>l'ungen >verde>r dankl'.ir angenommen und für dcn gewö!mli hen PreiA eingeruckt, llate'-schreibern in hiesiaer
Stadt wird die Zeitung porrefrei geschickt, weitere Versendungen geschehen durch die Post oder Träger, von Setzten, für 25 6t. auf Kosten der Untersehreiber. und Mittheilungen müssen p 0 st r e i eingesandt werden
U , Dichtcrstcllc.
' Der Ehescheue.
Wollt' ich mich einst bequemen.
Mir eine Frau zu nehmen,
Wär' ich wohl nur ein Thor;
Denn, wär' sie rei ch, mir Armen,
Sie würfe ohn' Erbarmen
r Mir meine Annnrh vor !
Die Sache umzukehren:
müßte sie ernäbren.
Wär' Armuth i h r Geschick.
mußte Bette», Kleider,
Kurz, A ll e 6 schasse», leider !
0 Fori! fort mit so lch e m Glück! —
1 U»d wär' sie sch ö n, danu wäre
I .Es schlimmer noch ! auf Ehre,
M Da»» wuchsen H örner gar
Hahnrei auf dem Kopfe.
! fort mit solchem Zopfe,
bleibe wie ich war !
Mund wär' das Frauchen häßlich,
MUnd dn m m dabei—wie gräßlich !
M Dann schämt' ich ihrer mich.
M Umringt vom Spötterschwarme
M Wär' ich an ihrem Arme,
Das glaubt-nnf sicherlich.
wär' sie gar ein Engel,
fr o m m uud ohne Mängel,
kam' Freund Klapperbein,
sie nach dem Himmel
Erdgetünnucl,
würd' ich Wittwer sein
sie das Z.inken,
ich mich sehr bedangen,
niiö Hand zu weih'n ;
h itt' ich ohne Zweifel
den lebhaften Teufel;
Nein, nimmer will ich frei'n !
öceulgfelteii und Unterhaltendes.
Der Scheriff eines westliche» Eauutieo
im Staate Mississippi »bergab k»rzlich sei
nem Weibe eine S»mme vo» 15 Tba-
mit der Bemerku»g,sie >n Venvabruug
Iu neyme», bis er von einer Reise, die er in
tamtticheu Geschäften verrielfte» müsse, zu
rückkehre. A»i Abend »ach seiner Abrede
Mneldete »ch ein Fremder, der die Frau des
Mause? um Nachtquartier ersuchte. Sie
M>lug es ab uud der Heinde ritt weit>r.
»Zu dem Gefühl,sie begehe vielleichc Unrecht,
»äudte üe ihm einen Bediente» nach, auf
Messe» Linladniig e. zurückkam. Nach eiuer
Scuuoe legce er sich zur Ruhe. Gegen Mit
ternacht dränge» drei verkleidete Neger ins
!Ha»s u»d forderte» von der Gattin des
Scheriffs das von ihm deponirte Geld.
Keine Rettung vor sich gehend, erklärte sie
dasselbe sogleich herbeischaffen zu wollen.
zufälliger Weise in der Schlafstube
Fremden aufbewahrt. Als sie diese be
itrat, fand sie ihren Gast, der den Lärm ge
hört hatte, schvn angezogen und im Begriff,
Hwei Pistolen z» lasen. Er sprach ihr Much
ein nud wies sie an, das Geld den Räubern
zu bringen, vvrschb sie mit mit
dem sie den. eine», das Heldin
.Empfang 'nehmen wurde» mederschiessen
»sollte. Das Ue'br'lge -wolle et besorgen.—
Mit »wem Muthe, der nur Men der An
kert des Weibe- ist, führte den Ratb
aus, schoß den Ziege 5, dem sie
tÄs Geld nberbrachte, auch i« .dem nämli
lichen Augenblicke nieder. Hitze Sekuude
blitzte die Pistole des Plastes und
Wer zweite Neger stürzte leblos nieder. Der
Ußritte wollte entfliehen, fiel den
»Messerstichen seines Unter-»
Reffen waren die Rachbarn geeilt u.
vlls man die schwärze Farbe von den Näu
«crn abwusch, entdeckte man
gefahrvolles Abendtbeuer all den Ni
ag.nafallen.
I Die neue Brüne nach Iris-Island ist über
j einer furchtbare» Stromschnelle errichtet,
wo der St. Lawrenze, nach dem Maasstabe
2 bis 3v Meile» m der Stunde, for.rollt.
Sie steht otmgefebr 100 bis 150 Aard ober
halb des Äammes, wo sich der Strom von
schwindelnder Hohe seul'rrchr in den Ab
grund stürzt. Ein Zimmermann Namens
Ebapin. war vor einigen Tagen mit andern
beschäftigt, die Brücke zu überdecken. Er
stand, etwa hundert Fuß von Iris-Island,
auf dein Gernst, als sei» Fuß zusällig aus
glitt »nd er i» de» reisseiidcu stürzte.
' c>nem Augeublicle riß ibm die Flurb
! I)iiiweg nnd d.m grossen z»;
j siNnellcr »»vermeidlicher Untergang schien
! seiner zu warten. GUi.rlicher Weise hatte er
sich jedoch im Falle» nicht beschädigt »nd
behielt selbst in dieser hoffuungslofesteu La
ge sem? Geistesgegenwart. Seine klugen
ans de» einzigen Retruiigspuukt über dem
schreckbaren Wasserstnrze gerichtet, gelang
es ihm durch grosse Geschicklichkeit im
Schwimmen, ein kleines Island zu eri ei
cheu, das gegen 20 Fuß lang und breit, uud
vo» der Gnlppe kleiner Ceder - luselu, die
dreissig Jard oberhalb der Fälle iu der
Mitte zwischen Goat - Island und dem a
merikanischen llfer liegen, u»d dem grosse»
Eatarakte am nächste» ist. Hier stand er
eine Stunde lang, seinen Blick ruhig und
fleheud auf die zahlreichen Zuschauer ge
richtet, welche Brücke uud Ufer füllten, zu
deuen er aber wegen der Entfernung und
dem Getöse des Wassersturzes nicht spre
chen konnte. Indem Flecken des Falls
lebt ei» Man» Namens Robinson, der un
gewöhnliche Muskelkraft und Unerschrok
kenheit besitzt, uud dabei der beste Boots
mann weit nnd breirist ; wahrscheinlich der
Eiuzige, welcher im Umkreis? von üO Mei
len gefunden werden der sich frei
willig erbot, de» Versuch zu'machen, das
Island in einein Boote zu erreichen und
Ehapi» zn retten. Ein leichtes Boot mit 2
Rudern, i» Bauart ähnlich der Whitehall-
Reimbootc», wurde herbeigeschafft, uud er
schiffte sich ei». Mit groffe6iiMlDlMM<d
e»tschlosse»er Gewandheil steuerte er sein
kleines Boot über die reisseilden Strömlin
gen n»d hielt i» den dazwischen liegenden
Winkeln an nm seine Lage zu überblicke»
ulid sür die uächste Anstrengnug »eu» Kräf
te z» sammelu. In wenigen Minuten nä
herte er sich dem Island, aber noch trennte
ihn ein mächtiger Stromkanal von demsel
ben u»d machte den Versuch einer Landung
höchst schwierig. Ein Augenblick Halt,da»»
glitt er mit aller Anstrengung seiner Kräfte
hinüber und fprang ans dem Boote; —aber
sein Fuß straiichelre und er fiel zurück in die
furchtbare Wasserschuellc- Für die in
athemlosem Schweigen harrenden Zuschau
er war dies eine erjchntlcrnde Scene; fein
Boot schien unwiederbringlich verloren und
er selbst iu der entsetzlichsten Lebensgefahr.
Kräftig hielc er sich jedoch am Bopte fest,
sprang wieder hiuei», ergriff die Rader und
brachte sie glücklich auf die Windseite des
kleinen Islands. —Allen schlug -das Herz
wieder leichter, aber die größte Müh.» n»d
Gefahr blieb noch zu überwinden, nur eiu
rubiges Gemüth und eiu starker Arm konn
te'ihr begegne», Robinson war der
dasnr. Sorgfälltig und wohlüberlegt setzte z
er seine» Gefährte» i» das Boot nnd brach
te ih» wohlbeoaltcu »ach Goat Island, ob
gleich die Rncksabrt unendlich schwieriger
uud gefährlicher war. Hier versammelten
sich die Znschauer, um sie herzlichen bewill
komme». Es war eine Sceile nicht gewöhn
licher Aufregung ; mau zog das Boot aus
Ufer, und augenblicklich wurde an Ort und
Stelle für Chapin nnd seinen edelmüthigen
Retcer Robinson eine Collekte gesammelt
Sie zeugte von dem Wohlthätigksitssinn der
Geber und wurde dankbar empfangen; a
ber Robinsons Bewußtsein, daß
einem
habe, wird seinem edlen
WMAIi ein viel "schönerer Lohn sein. Ro-
WM und Chapm setzten sich ms Boot «nd
"Lvillig zu loben und ohne Lurche zu tadeln."
Dienstag den 10, September, 1839,
wurden von il ren Nachbarn im Trinmpfe
noch dein Fl cken getra >v. Das e greife
de Interesse dieses Vorfalls wurde »och
durch die Anwesenheit vo» Coapins Weib
»no Kindern erhöht, die am Ufer
nns mit uuvcschrciblichem Schrecken und
Verzweistnng dem zuiahen, was sein
bleibliclier u. furchtbarer Tod zn fein schien
Mit welcher innigen und aufrichtigen
barkeir mögen sie ihre Herzen zu Gott >rho
haben, >ils der Gatte nnd Vater wohl
behalten wieder in ihrer Mitte stand.
Weltbürger.
Da mag es gurhergehe n.—Ein
s)err schreibt aus einer Stadt
unter anderem auch Folgendes . "S. M.
hat wieder einen Mann ermordet, es ist sein
ftinfter Mord. Er schwor, er wolle noch 2
oder 3 »lehr kalt machen, und daß man ihn
dann hängen möge. Ich furchte, daß Ihr
Freund G. einer dieser Todes Eandidacen
sein wird, denn den Tag nach jenem Morde,
kam er nach Hause und sagte seiner Mutter,
daß er G. umgebracht habe. Diese siel ihm
vor Freuden um den Hals, koste ihn, und !
nannte ih», den bravsten Mann. Endlich 1
gestand er ihr, daß er zwar G. noch nicht ge-!
tödtet habe, aber es ssgleich thnn wolle. I
Die ob der Täuschung ergrimmte alte Hefc
nahm den Besenstiel, und trieb den vor kei
nem Mo.diustr»ment sich fürchtenden
Schlachter in eiliger Flucht z»r Thüre hin
a»s.
Nnckvotc n.
Der berühmte Maler Keller hatte für
einen Kavalier das Bildniß seines Sohnes
malen mlisseil.—Rachdcm 5s fertig war, er
hielt Keller einen Besuch von dein Kavalier
und einigen Freunden desselben. Beim Ein
tritt in das Zimmer des Küustlers sah e/sich
überall um, und fragte dann den Maler:
> 'Wo ist das Porträt meines Sohnes?" —
! Dies verdroß Kellern, und er sagte ziemlich
j laut: Gott! Ich habe kein ähnlicher
! Porträt gemacht, als das des jungen
! liers; aber ich babe etwas Geist in seine Php
> siognomie gelegt, und nun kennt ihn weder
- sein eigener Vater, noch einer seiner Freun
de."
Der berühmte Fox wandte sich bei einer
l Wahl an einen Krämer um ftnie Stimme.
Dieser war-aber so brutal, ihm statt al!er
I Antwort einen Strick zu zeigen, mit den
Worten : "Nur damit kann ich dienen.''
l Ganz freundlich antwortete For"lch dan
ke für Ihre Güte, aber ich will Sie man
berauben, denn allen Vermuthen nach ist es
ein Familienstück."
Als der von Segnr von
Amerika »acb Europa zurückkehrte, führte er
einen Negersklaven mir sich. In Brest slie
! gen sie ans V'and und begaben sich nach Pa
! ris. Kaum kamen sie aus der Stadt, und
als die reizenden und üppigen Fluren, Thä
ler und Hl-gel Frankreichs sich ibren Angen
darstellten, überließ sich der Negersklave ei
ner ausgelassenen Freude; er jauchzte, saug
und lachte aus vollem Halse. "Was bast
du denn, Aza?" fragte ihn Segur. "Ach,
Herr ! Herr!'' rief der Knabe, unaufhörlich
lacheud, und wies mit der Hand auf ein
Feld, wo mehrere Landleute mit Graben be
schäftigt waren, "sebeu Sie dorr hin,
da ist )a die verkehrte Well! Die Weissen
arbeiten ! Sie arbeiten wie wir!"
Zu einen zudringlichen Liebhaber sagte ein
Frauenzimmer : "Sie sind der Ltzte, den ich
lieben wurde." — "Desto besser," erwieder
te jener, "ich verlange gar nicht, daß Sie
nach mir noch einen Andern lieben."
Chateaubriand sagte einst in ei- >
»er-Gescllschaft: "Der Nationalchharakrer
verleugnet sich nicht; wenn Seefahrer eine
neue InseMptdecken, so würdeu, wären es
Spanier, siegewiß darauf eine Kirche, Eng
>sänderDHO Taverne, und Franzosen ein
Fort bauem" "Aber die letztern anch ei
nen Äallsaal," setzte ein Englander hinzu.
Gerichts war der Mißbrauch
der Auseinanderfetzlmg der Worte von Sei
ten der Advokaten, um eine grössere Bogen
zabl den Partbeien anrechnen z» können,
dergestalt eingerissen, daß es von Seiten der
böiwrn Behörde bei namhafter Geldbus
se untersagt wnrde. Ein Advokat hatte
eunoch in einer ganzen Zeile nur die Wor
! re :
Daraus f0g1t....
geschrieben. Der Präsident des Gerichts
hofes, der es bemerkte, schrieb auf de« leeren
! Ranm : "Zwei Tbaler Strafe."
! l»
In Hamburg kai» einst ein englischer Sol
dat in ein Lade«, wo Eßwaaren feilgeboten
wurden, nm da sein Frühstück einzunehmen-
Hier gewahrte er auf einen Tische einige ge
sottene Krebse. "Wa-> ist das?" fragte
der Engländer. Scherzend antwortete der
Vertänfer, indem er auf die rothe Uniform
des englischen Militärs anspielte: "Es sind
englische Soldaten." „Wenn dem so ist,"!
, sagte der Kunde, indem er sich ohne Weite
! res der Krekse bemächtigte, "so nehme ich
i sie als Deserteure iu Beschlag." Der Kauf
l mann lachte und überließ ihm femen Fang.
"
! sse wohl, liebe Taiinte, warum
! die Kouigillnen von England in der Regel
! besser regieren als die Könige?'VH<Hre die
Herzogiü von Bo»rgog»e von
Mainreuon i» Gegenwart ded! Königs
"Danim," sagte sie nach einer Paufe weiter,
"weil ttvter der Regierung der Weider die
Neuner, und unter Regierung der
Mä»»er die Weiber herrschen."
Ein Soldat sollte mit zu einer Trnppen
abrbeiluug, die etwas gegen den Feind un
ternehmen sollte. Herr," sagte Er zu
dem anf»hre»dcn Offizier, „ich kann nicht
mit, dieweil ich fco - stot - stott - re." "Stot
terst ?" sa>ite der Ofstjier,"was schadet das;
sollst ja nicht mit dein son
dern fechte»." gut," erwiderte der ar
me Stettermaii», "g»--gitt ; aber, wenn
ich n»n soll Schi - Scln - Schild - wa »
wach steh», und kommt Einer, der ka - kann
eme Viertelst» - stuud gehen, eh' ich rufen
kann : We - we - weer - da
! " Das thut nichts," sagte der Ossizier, du
> bekommst uoch einen Kameraden mit, und
! der kaun anrufe», während du F u.r gibst/'
! we»u ich werde ge - gefa - gefa»gen, so re -
! re- re - rennen sie mich durch den Ba -
cd i - ich ka - kaun - r - ru - rufen:
P - p - p - p - Pardon !"
Hart bestrafte Luge.
Beider Einnahme der Festung Oczakow
durch die Russe» 1788 »derredeien die tur
ti>u,en Miliilier de» Suttau Abbul Hamid,
daß sich die Russen nur des kleinen, nicht
- des grossen Gezakow's demächtigt hätten,
und oer Sulra» glaubte auch dieser Lüge.
ritt er mcoguiro durch die Strassen
vo» Constantinopel lind traf einen Solda
'ten vo» der BesM!n>g Oczakow'6 a», der
' verstümmelt an deuiHäuser» bi»sch>ich iittd
j bettelte. Der Sdwai erkannte den Snltau
und siel seinem Pf.'rde »01l Verzweiflung in
! den Zügel
"Großmüthiger Snltan!" rief er ihm
! zu: "ich bin bei der Einnahme von Ocza
kow verstummelt worden, während ich furi
! die R'ligio» und für Dich kämpfte. Jetzig
sorgt Niemand für-rmch, ich muß vor Hun-
ger sterben !"
Bei der Einnahme des kleinen Oczakow
! bist Du verwundet worden? . Ist es nichts
> so?
, Was sagst Du ? Gebieter! Es gibt nicht
ein kleines u»d ein grosses Oczakow; es
gibt nur ein eiuziges, und das ist in der
Gewalt der uugläubigeu Moskowitter. i
Der Sultau, über eine solche freche Lüge
eutrustet, schickte einige von seinen Ministern
in das Eril. andern lteß er die Köpfe ab-!
schlage».
g
Die Neyen der Heringe.
Die Wanderungen des Herings, auf de-'
nen er soviele Ufer der alten und neuen
Welt berührt, und wodurch er so alUe
mei«c Speise geworden ist,sind höchst merk-
würdig. Der Hering nimmt regelmässig
- seinen Weg durch das Becken des atlanti
, schen M> eres. Der Zug kommt östlich von
Island vom nördlichen Polarkreise, geht
um die britischen Inseln, gelangt in den O
ceau durch die Meerenge von Ealais und
den St. Georgen Eanal, kommt im Norde«
von Madera an, geht sodaun schief bi» zum
! zwanzigsten Grade hinab, biegt nach Westen
um, zieht nun vor den Antillen vorbei,ltngS
den Küsten Amerikas hinauf «nd gelangt
an der SüdWtze von Neu-Fund»
land vorüber wieder dahin, von wo er aus
gegangen ist. Er vollendet diese lange Rei-
le in deck Zeiträume eines Jahres ; im lu
i li, August uuo September ist er au der eng
lischen «nd französischen Küsie. im Oktober
bei Madera, im Januar bei den Antillen
vorüber, im Februar, März und 'April be
sucht er die vereinigten Maaten Amerikas,
im Mai nimmt er seine Richtung nach Is
land. wo er gegen Ende des IckNius an
langt, worauf der Kreislauf von Neuem
begiunt. ,
Guter Rath.
Nach dem russisch-griechischen Kriege von
ward bei den blutigen Versolgunge»
!der Griechen im Peloponnes, die dort trotz
der Amnestie statt fanden, unter den Skla
vinneu für das Serail auch oie Tochter ei
nes griechischen Wcltprlesiers mit wegge
führt.
! Die Schönheit derselben entzückte den '
Sultan Abdul Hamid dergestalt, daß er sich
in sie heftig verliebte und'zu dem Rang,; ei
ner Gemahl n erhob.
Der unglückliche Vater begab sich nach
! Konstantinopel,'um die Befreiung seiner
! Tochter zu erlangen,und ging zum Banquier
! der Sultanin Asma, der Schwester Abdul
! Hamids, um sich seine Verwendung bei die
! ser Angelegenheit zu erlitten,
i „Ehrwürdiger Vater/ssagte der Banquier
! zu ihm "wenn Ihr auf Huren Kopf irgend
einen Werth legt, so nehmt diese zweitau,
send Piaster und verlaßt augeublicklich Kon
stantinopel"
Der Greis that das nnd die Tochter blieb
in der Gewalt des Sultans.
l,
Capper, der Wirchshausbewohner.
Kürzlich starb zu Kenniugtou in dem
Wirthsdause Zum Horn, Joseph Capper
alt 77 Jahr, einer der sonderbarsten
Charactere, welche das an psychologischem
Merkwürdigkeiten so reiche England her
vorgebracht hat. Er besaß in seinen jün
gern Jahren einen Handel, sobald er so viel
erworben hatte, um ohne Geschäfte leben zu
können was seinem mürrischen, auffahren
, den Gemüth am angemessensten schien. Bei
! einer Streiferei um London fühlte er sieh in
Kenuington zu sehr er.nüdet, kehrte iu das
! obgenannte Wirthshaus ein, und uachdem
er mir dem Wirth manchen Zank gehabt,
forderte er sehr ungestüm ein Bett. Der
Wirth antwortete ihm eben so ungestüm:
fiir ihn habe er keins, und nun folgte ein
beftiger Streit, der sich damit endigte, daß
Capper ein Bett erhielt.' Voll Zorn über
i-eu Wirth, beschloß er, ihn tüchtig zu plagen,
und blieb - funfundzwanzi.q Jahre in dem
Hause, während welcher Zeit er täglich er
klärte. er werde morgen Heiter gehen. Der
' Wirth'starb nach einem vieljährigen, täglich
wiederholten Zanke mit seinem Gast; aber
nun war Capper schon an das
so gehöhnt, daß er es nicht mehr verließ,
doch ohne jemals seine Reisefertigkeit abzu
legeii. .Alle Wochen forderte er seine Rech
ming. Zu seinen Sonderbarkeiten >ichörte,
daß er nie Geld verborgte, aber gewöhnlich
i die verlangte Summe verschenkte. Sein
j Liebli»gsverg»ügen war, Fliegen mit dem
Gtocke totzuschlagen. Damit aber gegen
wärtige Fremde dies aber nicht als eiz: Zei
chen der Bösartigkeit ansähen, pflegte er,
ehe er nach Tische an diese löbliche Leibes»-'
b»nq ging eine heftige Deklamation gegen
die Franzosen vorhergehen zu lassen, die sich
-immer mit den Worten schloß: ch wollt
ich könnte sie alle todschlagen wie Flie
gen !" nnd dann brach er gegen sie los
Er hat über 50,'ivu Pf. St. nachgelassen- »
No. 1.

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