OCR Interpretation


Der Querschnitt. ([Camp] Opelika, Ala.) 1945-194?, April 01, 1945, Image 12

Image and text provided by University of Alabama Libraries, Tuscaloosa, AL

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What is OCR?


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Es tut mir' leid, unterbrach midi
Teresa kalt, der Maharadscha trinkt
Tee und isst dazu frische Broetchen.
Mit Butter und Honig, schlug ich
vor.
Nein, sagte mein Weib rachsuech
tig. Trocken. Ich versuchte sie zu
ueberseugen, dass man den Ma
haradscha mit dieser Art von Frueh
stueck grundlegend veraergern
wuerde, aber es war nichts zu ma
chen.
Ich schwieg verstimmt
Nach dem Fruehstueck arbeitet er
dann ein bisschen, verkuendete
Teresa.
Arbeiten . . . fragte ich unan
genehm beruehrt. Na. ja, regieren
und so . . . Teresa machte eine un
bestimmte Haudbewegung.
Mit allen Perlen ? erkundigte ich
mich entsetzt.
Gewiss, nickte sie stolz, 1 Kilo
Perlen und 1G Kilo Diamanten.
(Offenbar wollte sie sich nicht lum
pen lassen,)
Ich stellte mir vor, wie der Arme
also geschmueckt, mit. dem kaerg
lichen Fruehstueck im Magen bei
der Hitze regierte, und wunderte
mich keinen Augenblick mehr, dass
der Mann die Sache satt hatte und
auf eine einsame Insel wollte.
Ich sagte das Teresa, auch, dass
ich die Langmut des Maharadschas
bewunderte, weil ich meinerseits,
dies Hundeleben bereits vor dem
Mittagessen satt haben wuerde.
Teresa nahm es uebel, sie be
hauptete, ich sei faul und gefraessig
und daher unfaehig, die ethischen
Ziele ernsthafter Maenner zu be
greifen.
Natürlicherweise fuehlte ich
danach keinerlei Verlangen mehr,
die Unterhaltung mit ihr fortzuset
zen, ergriff die Zeitung und zog
mich in einen Sessel zurueck. Allwo
ich Gelegenheit hatte, Betrachtun
gen ueber die weibliche Gruend
lichkeit bei der Lektüre einer
Zeitung festzustellen.
Teresa, sagte ich streng, du hast
nichts davon erwaehnt, dass der
Maharadscha sich von der Welt
zurueckziehen will, weil seine Frau
gestorben ist. Das veraendert doch
die Sachlage mit einem Schlag. Ich
meine, du solltest dem Mann da
raufhin nichts mehr in den Weg
legen.
Ach, erwiderte Teresa, soweit bin
ich noch garnicht gekommen. Zeig
mal.
Und sie streckte die Hand aus,
um mir die Zeitung wieder zu. ent
reissen.
Nein, protestierte ich energisch,
jetzt lese ich. Spaeter, wenn ich
fertig bin, kannst du das Blatt
wiederhaben.
Der Maharadscha, meuterte Te~
lesa, gab der Maharani immer . .
Jawohl, aber die Maharani hat
auch niemals die Zeitungen so zer
pflueckt wie du.
Wenn ich nun, fragte Teresa nach
laengerem Schweigen, wann ich nun
nie, nie wieder deine Zeitung in
Unordnung bringe . . . gehst du dann
auch auf eine einsame Insel, wenn
ich sterbe ???
Selbstredend, mein Juwel.
Aber das kommt ja bei dir Gott
sei Dank nicht in Betracht, du ver
sprichst mir doch immer, zweiund
achtzig zu werden.
Anekdoten.
Das W. C.
Der Schauspieler Emil Jannings
erhielt einen Brief eines Berliner
Kritikers, in welchem ihn dieser
stark angriff und ihn einen kleinen
Schauspieler nannte. Umgehend
ergriff Jannings die Feder und
schrieb diesem Kritiker folgenden
Brief: Ich habe Ihren Brief erhalten.
Augenblicklich sitze ich im klein
sten und bescheidensten Gemache
meines Hauses und lese Ihren Brief.
Noch habe ich ihn vor mir.
Genau.
Der alte Wrangel erklaerte einst
einem auslaendischen Offizier die
Bedeutung des preussisehen Parade
marsches wie folgt; ein Parade
marsch besteht nicht nur aus der
Sitzsamkeit der Hosen, der Weissheit
des Lederzeuges, der Aufrichtigkeit
der Gewehre, sondern vor allem in
Hinblick auf mir.
Propaganda
Ein beruehmter Detektiv stanci
vor dem Inhaber einer sehr grossen
und sehr bekannten Firma, der ihm
folgendes sagte; also die Sache ist
die, unsere Firma ist um viele
tausend Mark geschaedigt worden.
Em Schwindler hat die Provinz
bereist und sich als einen unserer
Reisenden ausgegeben. Er hat mit
ausserordentlichem Geschick gear
beitet, hat die Leute von der Guete
unserer Waren ueberzeugt, ist un
ermuedlich von einer Stadt zur an
deren gezogen und hat in einer
Woche mehr Geld eingenommen als
alle unsere Reisenden zusammen.
Diesen Mann«? muessen Sie in die
Finger bekommen, ganz gleich—
gueitig, was es kostet.—Gut, sagte
der Detektiv, binnen heute und
acht Tagen wird dieser Mann hinter
Schloss und Riegel sitzen. Hinter
Schloss und Riegel, schrie der In
haber, ja, um Himmels willen, was
soll er denn da? Ich will ihn ja
nicht verhaften lassen, anstellen
will ich den Mann.
Die sauren Drops.
Drei Jungen kommen in eine
Apotheke. Der erste verlangt; fuer
fuenf Pfennige saure Drops* von
den roten. Der Apotheker holt um
staendlich eine lange Leiter, kletteri
zum obersten Regal hinauf, langt
die Buechse mit den sauren Drops
herunter, wiegt ab, nimmt das Geld
in Empfang, klettert wieder himauf,
stellt die Buechse an ihren Platz,
steigt herunter, stellt die Leiter an
ihren Platz, wendet sich dann wie
der zu den drei Buben, die noch im
Laden stehen. Er fragt jetzt den
zweiten nach seinem' 'Begehr. Auch
fuer fuenf Pfennige saure Drops.
Du Dussel, kannst Du das nicht
gleich sagen? Sie haben mich ja
nicht gefragt, erwidert der Junge.
Knurrend und schimpfend beginnt
der Apotheker die Uebungen mit
Leiter und Buechse, fragt aber vor
sichtshalber den dritten Buben;
willst Du etwa auch fuer fuenf
Pfennige saure Drops, von den
roten, haben? Nein, antwortet dies
er. Der Apotheker stellt nach ge
raumer Zeit schwitzend und
schnaufend alles wieder an seinen
Platz und fragt jetzt den dritten
Jungen nach seinen Wuenschen.
Freudenstrahlend antwortet dieser:
Ich bekomme fuer 10 Pfennige sau
re Drops, von den roten.

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