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Der Sonntagsbote. (Milwaukee, Wis.) 1906-1912, April 22, 1906, Image 6

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6
Frirklina.
Tu, Bringer aller Lieblichkeit,
Du Kleinod uns'rer Jahre,
Streu' auf der Fluren kahles Kleid §
Tste bunte Blüthenwaare!
Pflanz' hoch in's Himmelblau hinein!
Die gold'ne Sonnenblume
Und locke Lerckenmelodein
Hervor zu Deinem Ruhme!
In allen Gärten winken schon
So sehnsuchtsvoll die Bäume,
Sckalmeienklang und Fiiikenrvn
Berschenckt oie Winkerträume.
Sckönwttterwind fegt flinker Hand
Den Schnee von Weg und Stegen,
In hofsnungsgrünem Prachtgewano
Kommt Dir die Braut entgegen.
Die Tanzmusik ist auch bestellt,
Hell glüh'n die Hochzeitslerzen
Dir jauchzen zu in aller Welt
Tie alt und jungen Herzen!
Richard Zoozmann.
Die schöne Amerikanerin
nen.
Wie sie im Auslande bcurthcil werden.!
erstand es dio Französin vo.>,
sich) jolior, vorhandene Schon
tust! in Szene zn setzen und
durch Toilette und stud-irle Graz!
aus das erreichbarste Maß zu steigernZ
so wirkte die euergiicke Amerikaneri' s
das och größere Wunder, Schöiibei':
zu schassen. .Heute ist Amerika, das
man i nicht sehr ichiiieiclhsthatt ür den;
aiiieritaiiijctwi! Mann) als GnnälaZ
kratie bezeichnet, sür die gekämmte
übrige Welt da :- Beispiel des ratio :
Hellen Schönheit:lulkiis gew rden,:
Das, was in Curvpa von de Frauen
' als verbesserte Körper, mit Schön §
heitspilege in den täglichen Hansge
brauch misgmwmmen wurde' kam zu
meist ans domLande der „Echiiätakra-!
ten". Man schlage eine
Zeiilmg auf, ganze Spalten sind mit;
kosmetischen, gmiiiiasiischeii Rat!' >
schlagen und Massagobelehrungen >'
Wort und Bild gestillt, ein Drittel der
Inserate empfiehlt Salben. Schön
hoitswässor, Turn nd Kuet.ppa
rate. Dir unglaiibfichslon Schwindel
im Dienste der „Beaiiti," nerden gc
gründet 'Pan seren bescheidenen;
Licht Luit, und Sportbädern, di
der Amerikaner anbelangen ans jeden--
flachen Dach kreiert, ganz z schux-i
gen Das 'Bäderwesen ist back, ent
wickelt: saslnonable Anstalten dieser
Art IRtrachten abw die dabei erstrebte
Reinlickleil als subordinirle Tclbslver
slciiidlichkcit, zu der sich, neben der un
läßlichen Massage, gymnastische
Uebungen im malerischen Gewand des
Alma ttadema RomaniSmuS und
sonstige theuer bezabltelleppigkeiten ge
seilen. Alles zum Zwecke, Schönheit
zu schassen oder sie zu eryvhen!
Schönheit ist Macht, vor allen Din
gen Frciuciinicich! und die aineritani
scheu Frauen sind thatsächlich die
mächtigsten, einsliißreichste dcr Welt
gcworden. Nirgends ist das Verhält ;
niß zwischen Frau und Mann ans so
bestimmte, für die Gattin vortheilhafte
Lebensformen geregelt, wie in Arne
rika. Die Frau ist dort die uribestrit ;
teile Herrscherin des .Hauses, der Stra
Ben, der Verkehrsmittel, dcr Vergi'.ii
gnngslokale. Ucberall wird sie ge
feiert, bewundert, gehätschelt, geschont,
gepflegt. Der Gatte behütet Frau nd
Töchter auf's zärtlichste, der Ärude
erweist Mutter und Schwester zum
mindesten dieselben Ritterdienste wie
ber Angebeteten seines Herzens. Un
kcr diesem Sckuh gelang es dcr Amcr!
kanerin, auch in den Erwcrbsfrcigc die
Opposition dcr Männer völlig zu über
winden nd sich als Gleichberechtigte
durchzusetzen. In Hcirsälen, aut
Wahtschlachten spielt sie eine setbstver
ftändlichk Rolle, als Astroiwmin ge
wann sie Ruhm, als Priesterin predigt
sie in der Kirche, als Temperenzlcrin
dringt sie mit bewaffneten Rotten i
die Schnnkloialc; weibliche Postillone
und „Cowgirls" durchstreifen die un
heimlichsten Gegenden, Das Blut der
Jnla scheint >n ihnen aufzuleben und
drängt sie, Gefahren auszusuchen. Die
ssreude an der Ueberwindung von Hin
dernissrii jeder Art ist ibnen angeboren.
Um wieder ans ibre Schönheit zurück
zukommen, muß man aber vor allen
Dingen b'stskcUei!, daß diese mit imse
reu Begrisfeii vergeistigter Schönheit
and Beseelung nichts gemein hat. Die
eisten landlünsigtii 'Amerikanerinnen
S-ch'onheilca haben den Tbpns dcr rei
zenden Porwllanfigur. Ihr charalte
ristischster Au-.-drnck ist das „Show
Air!" der Theater, jenes reizende Ge
noch reden, noch tanzen, noch sonst et
was kann und de.s deck' allabendlich in
Kn Ausstattung teinediei! drebue.i
den Applause - sii-.-.-r ist, wenn e - ick
tiiizig und allein at-: Zckvne Amerüa
ticrin" vorstellt. Den eststebenden
Tbpus des schönen ameri!an>'ck>eii
Mädchens bat der Zeichner Ebatte
Dana Gissen aesickatsen. Er bat du
Dellcirfeen in sechs Klassen eingetheilt,
„Teilor incidr" Kleider wägt. Sport
treibt, Zigaretten raucht.
fi'iclt: das romantificke Mädchen, das
die Männer verliebt wacht und sie
dinn zurückstößt, und die zwei bcson
gEckcn und des ehrgeizigen Mädchens,
die n ihrer stolzen muthiaen Schön
hei! nnbe-rrt ans das Zieh dessen Er
re'ckung sie sich vorgenommen haben,
losseben. Einern der von Gibson's
Otifi -'--zeichneten schönen Ttiprn zu
stett en, ist der Siolz der Amerika
m-M. B.
. ..chss- Duck auf Dick allein
Und iZemair euE die Andern,
Denn Du wirst immer bei Dir sein,
die freunde wandern. ---
Die Liebesblume.
lhr das Rauschen des
Frühlingswindes, der mit
seinem warmen Hauche durch
die Weli eilt, die Knospen noch küßt,
daß sie aus dein langen Winterschlaf
erwachen und froh sind, wieder wach
sen und blühen zu können? Er wird
nicht müde, uns von der ewigen Liede
Gottes zu erzählen, die vir Erde stets
von neuem schmückt, wenn die Oster-!
glücken läuten und sich die Menschen i
zu dem heiligen Feste rüsten. Er weiß -
auch viel wundersame Geschickten von i
den Menschen, denn er hat in den i
Jahrtausenden, wo er der Welt den
Frühling bringt, viel gesehen und er
lebt. Besonders ein Mäkchen erzählt!
er oft und gern, und ich habe es ihm i
abgelauscht, um es Euch mittheilen zu
können. Doch hört, was er bericht!!
Auf dcr ganzen weiten Welt gab cs
vor langen Jahren wohl kaum ein rei- >
chcres Land als das des Fürsten Ar
rgch. Er war dcr mächtigste Fürst
unter den Herrschern und alle beugten
sich vor seiner Gewalt und seinem
Reichthum. Er besaß alles, was sich
ein Mensch nur wünschen tonnte; den
noch hatte er argen Kummer, denn in
seinem großen Lande gab es keinen
grünen Baum und keine duftenden
Blumen. Alle Bäume, Gräser uno;
Sträucher waren von Gold und Sil
der; die bunten Blumen aber von ven
köstlichsten Edelsteinen. O! es war i
herrlich anzuschauen, doch von all de-
Pracht lbaten den Mnicken die Augen
weh und sie sehnten sich sehr nach grii
neu Wäldern, blumigen Gärten und
saftigen Wiesen. Vor gar nicht so
langer Zeit besaßen sie dies nocb alles.
Tie Menschen damals säten und ern
teten. In den herrlicken Wäldern
lebte das edelste Wild und auf den
fruchtbaren Wiesen weideten die Kühe.
Aber plötzlich hatte sich alles verändert.
Das Wild war über die Grenzen des
Landes geflohen, weil es keine Nah
rung mehr fand. Seit Jahren muß
ten nun schon alle Lebensmittel aus
den Nachbarstaaten geholt werden und
ver Fürst gab viel Gold dafür hin.
Er ließ weise Männer aus fernen
Ländern kommen, suchte bei Feen,
Nixen, Kobolden und allerlei Erdgei
stern Rath. bot ihnen Gold über Gold,
aber vergebens, niemand konnte ihm
belsen. So war er trotz seines Reich
thums kein glücklicher Mann, Sein
Gesicht wurde streng und finster und
sciiie Untcrlbanen fürchteten sich vor
ihm. Unglücklich fühlte sich auch seine
sehr stolze und bochmüthige Gemahlin;
doch am unglücklichsten war sein ein
ziges Kind, sein zehnjähriger Sohn
Conradin. Augenblicklich stand er an
einem der Fenster des prächtigen
Schlosses-, daS hoch auf einem mächt!
gen Felsen erbaut war und weit konnte
man von dort in das Reich hinaus
schauen. Bor ' Conradin's Blicken
breitete sich das von Gold, Silber und
Edelsteinen strotzend Land aus und
bei diesem Anblick liefen dem Knaben
die Thränen über die blaffen Wangen.
Poller Sehnsucht dachte er an den Be
such, den seine Eltern einst im Nach
barstaat: abstatteten und wohin sie
ihn mitgenommen lmtten. damit er
mal wieder mit seiner kleinen Freun
din Jutta, der Tochter des Landesfür
sten spielen konnte. Ach wie herrlich
war es dort! Die Menschen hallen
alle fröhlich ausgeschaut und waren
gut zu einander gewesen. Er und
Jtta kalten sich in den grünen Wä!
deru und blühenden Gatten umher
tummeln können ud die schönsten
Blumen durfte er pflücken, die so wun
derbar dufteten, daß er wieder und
wieder daran riechen mußic, Oester
setzten sich auch beide 'kill auf den Ra
sei! und Jutta erzählt ihm manck>er
lei: Zum Beispiel, daß die Blätter
nick! immer so schön grün blieben,
! sondern daß sie sich bald rotb, gelb
und braun färbten und dann abfielen;
chanich läine der Winter mit Eis und
Schnee, aber wenn der vorüber, würde
!es wieder Frühling und alles singe an
! zu wachsen; erst ganz klein, dann grö
Ber und größer. Oft kamen auch
Zvemi sie im Park beim Svielen waren,
i Ser Fürst nd die Fürstin, Jutta'?
-Elter, Sie ginacii beide Arm in
ZArm und lackten fick an: sobald Jutta
.sie sab. lies sic ibnen entgegen, kletterte
Zin ihnen empor und umarmte sie alle
i beide, „Mildfang!" riesen sic fröhlich
i und alle drei küßten sich, 'Ach er battc
Z'otcbe Sehnsucht, dort binzurei'en:
denn bald mußte es ja wiroer Früh
ling werden. Ei stand uns giübeltc,
j Wie war es nur möglich, daß es hier,
trotz aller Prack!, so ungemüthlick,
und öde war und die Leute mit äugst
Zickicn und mürrischen Ecsickttern um
. lettiescnWarum jubelten die Men
sck.en seinen Ettern nickst entgegen, wie
sie es doch brüten im Nachbarstaat
wieder und wieder baten Und eine
Eltern, warum waren sie nicht gut
und sreunSlich zu einander? Er batte
noch nie gesehen, daß sie sich umarmt
oder geküßt batten mir Jutta'; El
lern, Jin C/a.nikeil, sie zanttcn ich
Ztet > und sagten fick döse Worte, wo
'ei ibm dann ein Heines Herz so weh
>'it. Seine Augen wurden darum
, immer trauriger und seine Wangen
bla,, 's -,'nrden allcrtei Mittel
cinae-.vvnd', aber nichts Hai, Als
Conradin noch immer sinnend an;
Ferner stand, sie! ibm ein. daß cs ja
n S een Sckloise auch ein paar Men
- len gaa, die frö:lick lacken Henriken.
Das :ar der Castellan, denen Frau
und >e!i S/'bn F-.bs, 'Mit letzterem
lat' Conradin schon o! gespielt.
Hurtia litt er die langen Gänge eni
l na, die Treppen hinunter und bald
>aS er vor Ser Thür, die zu des Ka
'/.laus ZZlmiing führt Conradin
:,;: :.iv-, e-tt in's Zimmer. Die
Dur : Kucke stand offen. Er hörte
Sa. Fuer an dem Herde lustig p.-a
ein u "h, wie Sie düb'cke, junge
Frau n Ser .Küche univerhantirte
wobei ste tt., -i Liedchen trällerte.
Eonrad-.n -Zß beba:ich in einer Ecke,
als er den K -tellan in die Küche
treten 'ad. Ei !.,-:? se:ne Frau
! und er Sit. ' ~ .> im Schlöffe
ein sehr re--r und vornehmer
Arzt erwartet werde, der solle Conra
din behandeln, da: it eine Wangen
roth und seine Augen wieder fröhlich
<Nui>en. .Der arme Junge thut mir
Sonntagsbote, Milwaukee, Sonntag, 22. April, IW6.
leid," schloß er seine Erzählung. „Was
ihm nur fehlen mag?" „Ich weiß,
was ihm fehlt." sagte die Frau. Der
Mann lachte und meinte, sie solle ihre
! Weisheit nur auskramen, vielleicht
' könnte sie helfen und bekäme dann ei
nen gewaltigen Orden vom Fürsten;
aber die junge Frau fuhr ernsthaft fort:
„Ich kann nicht helfen und Niemand
wird cs können. Du weißt doch, lie
ber Mann, daß es dort oben im
Schlosse trotz aller Herrlichkeit kait
und öde ist, denn den Menschen fehlt
die Liebe und dem armen Conradin
fehlt sie auch." Conradin litt es nicht
mehr im Zimmer; leise, wie er ge
kommen, schlich er auch wieder fort und
lief hinaus in den Park. Ganz hin
ten in einem verborgenen Winkel des
selben stand eine mit goldenem Wein
laub umsponnene Laube. Da hinein
setzte sich Conradin und dachte über
das Gehörte nach. Also die Liebe fehl
te ihnen, hatte die Frau gesagt. Was
mochte das wohl sein und wie sah sie
aus? Er hatte noch nie von ihr gehört.
Wenn er doch wüßte, wo er sie herbe
kommen könnte. Und er legte den
Kopf auf den Tisch und fing bitterlich
an zu weinen. Plötzlich fühlte er, wie
sich eine Hand auf seinen Kopf legte
und ein lauer Wind über ihn hinstrich.
Als er aufschaute, sah er vor sich ein
junges Mädchen stehen, mit lachenden
Augen und goldenen Locken, die früh
lich im Winde hin und her flatterten.
„Wer bist Du," fragte Conradin „und
wo kommst Du her?" „Ich bin der
Frühlingswind," antwortete sie. „Als
ich über dies Land fuhr, sah ich, daß
Du traurig warst. Theile mir Dei
neu Kummer mit, vielleicht kann ich
Dir helfen." Conradin aber schüttelte
erst traurig mit dem Kopf, dann aber
erzählte er ihr alles, was er auf den:
Herzen hatte. „Kannst Du mir nun
sagen, wo ich die Liebe herbekomme und
wer sie ist?" Da nickte sie freundlich.
„Ja ich weiß es wohl. Die Liebe ist
eine wunderbare Blume, die der liebe
Gott jedem Menschen in's Herz ge
pflanzt hat; aber der Mensch hat die
Pflicht. bitte Blume zu hegen und zu
pflegen. Er muß stets aufnierken,
daß nicht harte Worte über seine Lip
pen gehen und sanftmüthig und gedul
dig sein. Das Beste und Schönste
muß er mit einem andern theilen, da
mit der sich daran freue und glücklich
sei. Hat er aber Kummer und schwere
Sorgen, wird der andere kommen, ihn
in seine Arme nehmen und ihn trösten,
bis er wieder fröhlich ist. Bei solcher
Bebandlung gedeiht die Liebesblume.
Sic wird groß und stark. Kein mensch
liches Auge hat sie je erblickt, aber die
Menschen fiiblen ihre duftige Wärme
und sind glücklich in ihrer Nähe.
Deine Eltern besaßen auch einst diese
Blume, doch sie pflegten sie nicht. Bei
jedem Zank, bei jedem bösen Wort
brachen kleine Zweige ab, bis sie end
lich ganz Ecrdortte. Als der liebe
Gott das sah, wurde er zornig; denn
Fürsten sollen die Liebesblume noch
viel mehr pflegen als andere Menschen.
Sie dürfen nicht eher ruhen, als bis sie
ein gewaltiger Baum geworden ist, der
mit seinem süßen Hauch das Land er
füllt und die Unterthanen glücklich
macht. Deine Eltern thaten das Ge
gentheil, darum wurde cs kalt und öde
in ihrem Reich. Mir aber gebot der
liebe Gott, dcr ganzen Welt den Früh'
ling zu bringen, nur zu Euch darf ich
nie mehr kommen, darum laß mich
nun fort, denn meine Zeit ist knapp."
Conradin umklammerte aber das Mä
dchen und ries: „Ich lasse Dich nicht
eher, als bis Du mir geholfen hast.
Kannst Tu mir denn nicht rathen?
Weißt Du gar lein Mittel, wodurch
die Liebe wieder in unser Land
kommt?" „O, ich weiß schon, doch Con
radin Du bist klein und schwach und
nie wird es Dir gelingen, das auszii
führen, was ich Dir .eigen werde. Siebst
Du," fuhr sie weiter fort, indem sie die
Blätter der Laube auseinander bog
und mit der Hand aufwärts zeigte,
„doch oben in den blauen Lüften jenen
ichroffen Felsen! Bis jetzt ist noch
!cin mciischticker Fuß dort hinau'gc
tommen. kenn der Weg ist unerforsck
lich, ick aber kenne ihn. Du armer
iConiadin weißt nicht, daß wir mor
! gen ein Fest der Liebe feiern, das
j Osterfest, Am ersten Ostertage eni
i faltet sich dort oben jene Blume zu
j ungeahnter Prack! und treibt frische,
Zunge Triebe, Sollte es nun einem
NS:iiicken gelinae, sich solch einen
Zungen Trieb zu twlen, dann würde
er. falls er die Blume gut pflegt, an
i dein Glück und Freude bringen. Er
- selbst aber wird die tiibne Tbat schwer
büßen müssen, denn eine 'Augen wer
aen ..'linden. Es wird stet' dunkle
'Nackt um ibn fein. Nur die Blume
darf er sckv.ue uns sich an ibrer
! Prack! erfreuen, doch damit er nuck
; verräth, was seine Augen erblicken,
Zvird sein Mund verstummen," Co,,
. radin hakte erregt zuaelört. „Und ich
' will doch binanf," ries er, „wenn ick,
auch blind und stumm werde, Bitte,
bitte führe mich bin," Aber das
Mädchen crmabn:-- ibn eindringlich,
lach sein Borbabcii reiflich zu üderlk
>gen. sie schilderte iknn alle Schrecken
lund Gekahien des Weges, aber verae
1-ens, -Eonradii! ~, gr-ße Sebn
sucht n.'-ck der Liebe, als Sa; er nicht
alles da'ür bing:gcd.-n lätte. Da tra
ten sie beide die Wanderung an. Am
Fuße des mächtmeii Ge./-,-, ~ machte
das Mädchen Halt, Sic beschrieb
Conradin genau Zn- w-ca and wünsch
tc ihm glück/che Rene, D-a dankte e:
, dem Mädchen und schritt dann tapfer
vorwärts. Cs war eine iniibielige
' Wanderung, die über kitte Schluchten
.und steile Fellen 'übrtc. Die -'cka
er> Felskaitten. rissen eine l'einen
Hände blutig und 'cknver gelang es
Conradin, an ihnen emporzukommen.
'Als er einmal aani verzweifelt war
und keinen '.'!: -reg ant, da erbot'
sich ein leichtes Sciu'etn, das stärker
und stärker ivartt and plötzlich fühlt
unwegsame Stelle ariget'raaew
Da merk er, paß Ser FrüZjnaswind
sein Begleiter und Helfer war. Iba
wurde fröhlich zu Mutte und trotzdem
es schon längst dunkle Nackt geworden
kannte er weder Furcht noch Grauen
auch fühlte er teinc Müdigkeit, son
deru schritt immir ro'cher weiter, dg
er bange hatte, nicht früh genug sein
I Ziel erreichen zu tonnen. Endlich, als
' der Tag schon graute, befand er sich
am Fuße eines mächtigen Felsblockes.
Er schaut empor und sah, daß dort
oben alles in rossges Licht getaucht
war, und auf der äußersten Spitze des
Felsens, stand etwas Herrliches,Leuch
tendes, anzuschauen wie viele tausend
köstliche Sterne. Conradin fühlte sich
wunderbar glücklich. Ein warmer
Luftstrom glitt über ihn hin und er
schloß die Augen. Ta fühlt er sich
wieder emporgehoben, und weit, weit
durch di Lust getragen, dann sanft
niedergelegt. Als er die Augen öff
nete, faß er unter einer gewaltigen
prächtigen Pflanze, deren Blätter ihn
umarmten, unv Seren wie Sterne
leuchtende Blüthen sich ihm zuwandten
und ihren süßen Duft über ihn hin
strömten. 4>as also war sie. die Wun
derpslanze! Conradin jubelte auf vor
Seligkeit. Er dacht nicht an die Ge
fahren des Heim'veges, sondern konnte
sich nicht satt sehen an der herrlichen
Pflanze. Da füllte er sich wieder
ganz behutsam emporgehoben und nur
mit Mühe gelang es ihm, noch schnell
einen jungen Trieb zu erfassen, dann
sauste er durch die Luft. Weiter und
weiter, tiefer und tiefer ging die Fahrt.
Endlich wurde er niedergesetzt. Er
öffnete die Augen, aber um ihn war
dunkle Nacht, nur in seiner Hand sah
er eine kleine, süßduftende Pflanze
und glücklich preßre er dieselbe an sein
Herz. Er merlt nicht, daß er sich im
Park seines Vaters befand, er wollte
vorwärts schreiten, stolperte und stürz
te inen Abhang hinab.
Im Schlosse war unierdeß große
Aufregung über Conradin's Ver
schwinden, man batte schon die ganze
Nacht vergebens gesucht. Hunderte
von Dienern waren in alle Himmels
richtungen gesandt tvorden. Da fand
der Kastellan den Knaben, besinnungs
los und schwer verletzt, im Parke lie
gen. Lange Zeit war Conradin krank
und lag stumm und regungslos in sei
nem Bette. Sein Gesicht zeigte aber
stets einen gliicklickM und zufriedenen
Ausdruck. Die ein Hand hielt er fest
zusammengeballt und niemand gelang
es, sie zu öffnen. Endlich trat Besse
rung ein und er erwacht. Sein erster
Gedanke war die Blume. Er öffnete
die Hand und voll Freude gewahrte
er. daß sie unversebrt geblieben war.
Er hörte die Stimmen seiner Eltern
und es schien ihm. als hätten diesel
ben einen viel weicheren Klang. Zärt
lich fragten sie nach seinem Ergehen;
aber er konnte ihnen nicht antworten;
trotzdem sah sein kstesicht unendlich
glücklich aus, tief holte er Athem, denn
ein süßer Duft zog durch das Zimmer.
Nicht lange dauerte cs mehr, da war
Conradin wieder ganz hergestellt.
Doch sprechen und sehen konnte er
nicht. Seine Eltern waren darüber
unendlich traurig und wieder wurden
die weisesten Männer um Rath ge
fragt, aber vergebens. Jedoch die
Liebesblume wurde größer und grö
ßer und voll Entzücken betrachtete
Conradin ihr stetes Wachsen. Er
spürte, daß sic Glück und Segen spen
dete, hatten doch seine Eltern schon
lange Zeit kein böses Wort mehr mit
einander gewechselt, sondern waren
stets gut und freundlich gewesen. Ein
Jahr war to vergangen, als sic wieder
einmal all: drei friedlich bei einander
saßen; da stürzte athemlos ein Diener
in's Gemach und meldete, daß sich an
den Bäumen und Sträuchern Knos
pen zeigten, ja daß man sogar schon
einige grüne Blätter entdeckt Hütte,
Voll freudiger Erregung sprang der
Fürst auf und lief in den Park. Rich
tig, da waren winzig kleine Blättchen
an den Bäumen und auch der Nasen
zeigte grünlich Stellen. Bei diesem
Anblick glitt über die strengen Züge
des Fürsten ein frohes Lächeln.
Der Früblingswind fährt durch das
Land des Fürsten Arrach und schmückt
alles mit frischem herrlichen Grün.
Conradin geht, begleitet von einem
Diener im Park spazieren. Gierig
athmet er die würzige, frische Luft ein.
und da er die Parkwegc so gut kannte,
daß er sich trotz seiner Blindheit darin
zurecht fand, io befiehlt er dem Die
ner zurückzubleiben. Still seht er sich
in seine alte liebe Laube und unwill
türlick rinnen heiße Thränen ihm über
de Wangen. „Na. Conradin," fragt
eine sriicke Stimme, „Dir thut es
setzt Sock wohl leid, daß Tu für die
Lieh-:-.-o!u:i;e Augenlicht und Sprache
geopfert hast!" Conradin erkannte'
den Frühling-wind, schüttelte euer .
gisck mit Sem Kopf und suchte durch
Zucken dem Mädck'n begreiflich zu
macken, daß es ihm durchaus nickt leid
thue, sondern, er jetzt nur ein wenig
traurig sei, weil er all die Frühlings -!
vrackt nickt schauen dürfe. „Du bist
un braver Junge. Conradin, sprach/
sie. „und eine schwere Zeit liegt hinter -
Dir. denn von jetzt an wirst Du wie- :
der sprechen und seien können. Der
Ge:t da: Dick nur aus die Probe
Kellen wollen, und sehen, ob Tn die
Liedes.:!! ne '-ober schätztest als alles !
andere au Erden. Du hast die Probe
bestanden und wenn Du die 'Liebes >
bäume auck -ie mehr schauen kannst.
u ie? s-r d-ch stets bei Dir 'ein und >
Dich und dir anderen Menschen mit
ibrem D"'t glücklich macken." Da
wurde r Conradin's Augen lick!
und klar, und er blickte hinein in die.
Früb/u ht. Mit Entzücken hörte
-r das Za - Fern der Böge! und das
Rauschen dc Früblingswindes. Kaum
'-'nn:e r Glück fassen, da be
mertte er r - Eltern, wir sic Arm in
Arm Z-z Lege kamen. Jubelnd
drang er n nkgegen, umarmte sie
beide uro rlle drei küßten sich.
Viele Ir sind vergangen. Fürst
Conradin sin: auf dem Thron seiner
' Väter, llru r seiner Fürsorge und i
Pst, c Liebesblume ein gewal- -
tiger B u- norden, und schon lange
feiert min 'einem Reiche das Oster ;
'est. A will es Frühling werden
und läuten die Osterglocken.
TANARUS/ na aes besonders schön, und
Ser In. tt der Menstcken scheint kein
Ende -- -,w ,u wollen: denn an die
e-n bc / : Teste boli sich Fürst Con
radw - r schöne, junge Fürstin in's
La.-F d'e eF Prinzessin Jutta! Der
Früb'-n-g rwd aber sängt zu rauschen
-n nd den Duft der Liebes
blume durch das ganze, mächtige Land.-
Lür -
Küche rind Zaus
Küchenzettel.
Sonntag. Mittag: Legirte Kalb
fleischbrühe. —Grüne Bohnen (Kon
serven) mit gedämpftem Hammel
rücken. Salat. Kompott.—Mehl
pudding mit Schokolade. Abends
(zur Auswahl): Fleischsalat.
Harte Eier mit Sardellen. Auf
schnitt. Butter. Brot. Käse. Thee
oder Bier.
Montag. Semmclsuppe. Saure
Kartoffeln mit Bouletten (Kalb
fleisch, aus dem die Sonntagssuppe
gekocht war, verwenden). Lunch
(zur Auswahl): Kalte Bouletten.
Butter. Brot. Käs. Thee oder
Bier.
Dienst ag, Griessuppe. Ragout
vom übrigen Hammelbraten vom
Sonntag mit Makkaroni. Lunch
zur Auswahl): Aufgebackene Mak
karoni. Aufgeschnittener Schinken.
Butter. Brot. Käse. Bier oder
Thee.
Mittwoch. Grünkernsuppc. *Ka
ninchcn mit Kräutern und Kartof
felmus. Lunch (zur Auswahl):
Puffer von übriggebliebenem Kar
toffelmus mit Preiselbeeren oder
Zungenwurst. Leberwurst. Butter.
Brot. Käse. Bier oder Thee.
Donnerstag. Rindfleischbrllhe
mit Nudeln. Rindfleisch mit
* Schnittlauchsauce. Lunch (zur
Auswahl): Haschee vom übrigen
Rindfleisch mit Pellkartoffeln. But
ter. Brot. Käse. Bier.
Freitag. Hafergrütze. 'Gebacke
ner Kabliau mit Kapernfauce und
Salzkartoffrln. Kartoffelsalat.
Lunch (zur Auswahl): Dicke Hirse
oder Milchreis oder Zervelatwurst.
Butter. Brot. Käse. Bier oder
Thee.
Sonnabend. Kartoffelsuppe mit
Speck. * Semmelklöße mit Mus
sauce. Lunch (zur Auswabl):
Aufgebratene Klöße oder Brüh
würstchen. Butter. Brot. Käse.
Thee oder Bier.
*Pikantes Kaninchen
mit Frühlings-Kräutern.
Ein oder zwei junge Kaninchen, die
gut zurechtgemacht, gewaschen und ab
getrocknet sind, werden in hellbraunem
Fett thalb ausgebratener Speck, halb
Butter) au' allen Seiten gebräunt,
lwnn nimmi .an da; Fl.zsch heraus,
rübrt I—2 Löffel Meist in das Fett,
g.cßt ungefähr 8 Ouatt Lasscc und
2 Löffel sehr milden Essig (anstatt
dessen, wenn vorhanden, 2 Löffel
Rothwein) daran, läßt alles etwas
verkochen, legt die Fleischstiicke wieder
hinein, fügt Salz,Pfeffer, I—21 —2 Zwie
beln, 1 Knoblauchzehe, etwas Schnitt
lauch, Thymian, 1 Lorbeerblatt, 3—4
Nelken und 1 Prise geriebene Muskat
nuß dazu, läßt die Kaninchcnstücke
auf gelindem Feuer langsam weich
dünsten und fügt Stunde vor dein
Anrichten noch 12 —15 kleine, in But
ter vorher durchgedllnstete Zwiebelchen
und 2 zerschnittene, ebenfalls vorher
weichgekochte Champignons dazu.
Beim Anrichten werden die Kräuter,
Lorbeerblatt. Nelken herausgenom
men. Die Sauce wird entfettet und
ivenn nöthig, mit etwas Kraftmehl
seimig gelocht, nach Geschmack mit
Zitronensaft pikant gemacht.
*Schnittlauchsauce. In
etwas zerlassener Butter werden 2
Löffel Mehl gelb gedunstet, dann giebt
man ein Tbeil gervoscheuen fcingehack
ten Schnittlauch dazu, läßt itm unter
beständigem Rühren mit durchdünsten,
gießt, immer rührend, so viel leichte
Brüt oder nach Belieben auch nur
Wasser zu. als man Sauce braucht,
läßt alles langsam auf gelindem Feuer
zu einer ebenen Sauce verkochen, die
man abschmeckt und. wenn man den
Schnittlauchgeschmack besonders kräf
tig wünscht, noch mit 1 Theelöffel ge
hacktem Schnittlauch würzt. Die
Sauce kann nach Belieben so servirt
oder noch mit 1 Eigelb abgezogen
werden.
"Gebackener Kabliau.
Vom gesäuberten, gut zurechtgemachten
Kabliau werden beliebig große nette
Stücke geschnitten, die man leicht mit
Salz einreiht und eine Stunde liegen
läßt. Dann trocknet man sie vorsich
tig ab, wendet den Fisch in Mehl, in
geschlagenem Ei und in feingericbener
Semmel und läßt ihn in steigendem
Backfett auf. beiden Seiten zu schöner
Farbe backen.
* Scmmelklöße (altgeworde
ne Semmel zu verwenden). Die alte
Semmel wird gewogen und in Wasser
oder Milch gewcicki. Auf 2/5 Pfund
geweichte, Eicht ausgedrückte Semmel
nimmt man ungefähr 2 Unzen Butter,
die inan an warmer Stelle zergehen
läßt unv mit dem Semmelbrei ver
mischt. Dazu fügt man 3 Eier, einige
Löffel Mebl. nach Belieben Zucker und
so viel geriebene Semmel, daß der
Teig gut hält. Der Teig muß sehr
gut durckgearbciter sein. Man kocht
in siedendem Salzwafscr zuerst einen
Probekloß, um zu seyen, ob sie gut
lra'.ten. Die Klöße werden mit dem
Löffel abgestochen und so viele in das
rockende Wasser gelegt, daß sie Platz
haben, „sich zu jagen". Sie müssen
10—12 Minuten kochen, werden dann
mit dem Schaumlöffel herausgenom
men und warm gehalten. Uebrige
Klöße werden zerschnitten, in Ei und
Semmel gewendet und in Butter auf
gebraten.
Ein einfaches Mittel, das
Alter von Eiern zu bestimmen, beruht
au? der Thatsache, daß die Luftkammer
an dem stumpfen Ende des Eies sich
mit dem Alter vergrößert. Wenn nun
das Ei in eine Kochsalzlösung von de
liebigcr Sättigung gelegt wird, so wird
es mir zunehmendem Alter immer mehr
die Neigung zeigen, in einer Stellung
zu schwimmen, bei der die Längsachse
senkrecht gerichtet ist. Ein frisckgeleg
tes Ei lieat waaereckt auf dem Boden
des Gefäßes. Ein 3 bis 5 Tage altes
Ei zeigt eine Hebung des stumpfen
Endes, so daß seine Längsachse einen
Winkel von 20 Grad mit der wagcrcch
ten bildet. Bei einem 8 Tage alten
Ei vergrößert sich der Winkel bis zu
4L. bei einem 14 Tage alten bis zu 60
und bei einem 3 Wochen alten bis zu
etwa 75 Grad, während das einen
Monat alte Ei senkrecht auf seinem
spitzen Ende schwebt.
Resterspeisc von Kalbs
braten. DieKalbsbrateniestr werden
fein gehackt, ebenso einige Schalotten.
Dann macht man vvn2LöfslnMeh!l in
ein-wenig zerlassener Lutter eine Helle
Einbrenne, giebt das gehackte Fleisch
und Schalotten und übrige Braten
sauce dazu, würzt mit etwas Zitronen
saft .Salz und Pfeffer und läßt alles
zusammen etwas durchdünsten. Die
Fleischmaffe muß natürlich fest und
darf nichi flüssig fein. Inzwischen
hat man nebenher Z —Z Pfd. Reis in
Wasser nebst Salz und etwas Butter
oder Brüh kcrnweich ausgequcllt, so,
daß die Körner ganz bltiben. Eine
feuerfeste Form streicht man mit But
ter aus, füllt eine Reisschicht hinein,
dann die Fleischmasse, deckt mit dem
übrigen Reis zu, bestreut ihn recht dick
mit geriebenem Parmesankäse, gießt
heiße Butter darauf und läßt die Spei
se eine Stunde im Ofen backen. Wird
in der Form aufgetragen.
Böchamel - Kartoffeln.
Mageren, geräucherten Schinken schnei
det man in Würfel, ebenso eine große
Zwiebel und schwitzt beides in Butter
gelb, giebt Mehl hinzu und läßt auch
dieses einige Minuten durchschwitzen,
gießt dann lockende Sahne und sehr
wenig Helle Fleischbrühe hinzu und
kocht hiervon unter beständigem Rub
ren eine ziemlich dicke Sauce, die man
mit Salz und weißem Pfeffer ab
schmeckt. Kleine Kartoffeln hat man
hübsch rund geschält, kocht sie gar,
gießt sie ab und giebt die Sahnesauce
durch ein Sieb über die Kartoffeln,
läßt dieselben noch ein wenig durch
ziehen und serviert heiß.
Feinschmecker - Sauce.
Drei hartgekochte Eigelb werden zer
drückt, mit je einem Eßlöffel Senf,
Essig, Fleischbrühe, dem nöthigen
Salz und Pfeffer, sowie drei Eßlöffel
Johannisbeer-Gelee zu einer dickflüs
sigen Sauce gut verrührt und zu kal
tem Roastbeef und laltem Lammbra
ten serviert.
Schinken - Krokeiis mit
Kartoffeln. Ungefähr 3 Unzen
Butter wird zu Sahne gerührt, dazu
giebt man, immer kräftig rührend, 1
Pfund geriebene Kartoffeln, zwei Eier,
alz, j Pfd. gehackten, gekochten Schi
nken, 2 Unzen geriebenen Käse, drei bis
vier Eßlöffel saure, dicke Sahne und
so viel geriebene Semmel, daß der
Teig gut hält. Davon formt man nach
Belieben runde, an den Seiten abge
plattete Krokctts oder flache Klöße (wie
Buletten), wendet sic in Ei, dann in
geriebener Semmel und bäckt sie in hei
ßem Fett schwimmend zu schöner Far
be. Der Teig muß recht glatt und
eben sein, eventuell nimmt man noch
einen Löffel Sahne dazu. Als Bei
lage zu Gemüse sehr zu empfehlen.
Haushalts - Ersparnisse.
Erstens: Zahle bar oder zum we
nigsten begleiche al l e Rechnung am
Wochen- oder Monatsende. Wer seine
Schulden zahlt, verbessert seine Gü
ter!
Zweitens: Prüfe sofortalle ein
gebrachte Waare, gieb' jedem Artikel
seinen bestimmten Platz und achte da
rauf, daß letzterer sich mit der Eigen
art der Waare verträgt. Feuchtigkeit
und Moder reißen manches Loch in
den Geldbeutel.
Drittens: Sei ebenso sparsam mit
Sachen, welche im Großen eingekauft
sind, als mit kleinen Einläufen, sonst
geht jeder Profit verloren.
Biertens: Kgufe Gemüse, Früchte,
Geflügel, Fleisch, Wild und Fisch in
der von der Natur bestimmten Jahres
zeit. Nicht saisongcmäße Speisen sind
nicht nur theurer, sondern auch min
derwerthigq.
Fünftens: Laß nichts umkommen.
In einem wohlgeordneten Haushalt
kann der unscheinbarste Rest eine prak
tische 'Verwendung finden.
Um fremde Körper ans
den Augen zu entfernen, empfiehlt
es sich, reines Olivenöl hinein zu träu
feln. D ieses Mittel wirlt sicher und
entfernt die eingedrungenen Körper,
wie Körnchen, Äsche, Kalk, Splitter
usw. Auch bei Nöthe von Schinerz
der Augen soll sich Oliven . auch re:
nes Baumöl recht gut bewähren und
Besserung in inner Zeit herbeiführen,
wenn man die Augenlider damit be
streicht.
Mittel gegen Sommer
sprossen. Man nimmt so viel Bo
rax in Wasser, bis derfiloc sich nicht
mehr löst, taucht ein Wattebäuschchen
in die Flüssigkeit und betupft die Som
mersprossen zweimal am Tage damit.
Ein sehr gutes Mittel ist Pciersilien
wasser. Dian kann sich dasselbe leicht
alle paar Tage frisch bereiten, indem
man eine Handvoll geschnittene Peter
silie in H Quart Waffcr timt und da
mit Morgens und Abends die Haut
wäscht. Auch folgendes Mittel, regel
mäßig angewandt, verhindert das Ver
brennen der Haut. Man thut saure
Milch in ein Mulliäckcken und wäscht
mit dem abfließenden Laster Abends
die Haut. Bor allen Dingen setze
man das Gesicht nickt direkt den Son
nenstrahlen aus, sonst helfen alle Nüt
tel nichts.
O weh! „Gestatten Sie, Fräu
lein Käte, daß ich Ihnen diese klein
Gabe zu Füßen lege." „Pardon,
aber ich pflege von Herren keine Ge
schenke anzunehmen." „Es ist doch
nur ein Band meiner Gedichte."
„Dann ja. Ick dachte es sei etwas
Werikwolles."
Tie liebe Unschuld. Hausfrau:
„Daß Sie mir dem Zeugniß, das ich
Jbnen ausgestellt bade, keinen Staat
machen können, gebe >ch zu, aber zurück
nehmen kann ick es nickt. Sehen Sie
sich dock gefälligst einmal die Sckmntz
winke! im Salon an!" Dienstmäd
chen: „Na. für di kann doch ick nicht!
Die waren doch bei meinem Aniriti
schon da!"
Allerlei.
* In der Grafschaft Gaiway in
England wurde ein weiblicher städti
scher Thierarzt Thirrbrschau-
ackgestelli.
*
* Wilhelmine v. Hillern erhielt
aus Anlaß ihres 70. Geburtstage die
Ludwigs-Medaille für Kunst und Wis
senschaft. Ihr Aufenthaltsort ist
München.
* *
* Die Königin Amalie von Portu
gal ist zur Ehrenpräsident!!! des 16.
internationalen Medizinetkongreffes,
der am 19. April in Lissabon tagt, er
nannt worden. Sir hat sich bekannt
lich durch ihre- Studien den medizini
schen Doktortitel erworben.
* Die Farbige Frl. Dr. M. Evans,
um die gelegentlich der Fraucn-Kon
vcntionen hier schon so viel Streit war.
da die meisten Amerikanerinnen sie als
Delegatin nicht anerkennen wollten,
hat in Columbia ein Hospital eröff
net. Frl. Evans hat in Philadelphia
ihre Studien gemacht.
* Eine Dienltboten-Altersversor
gungskaffc in Wien ist nun gegründet
worden. Das Unternehmen ist beru
fen, eventuell allen 9000 Dienstmäd
chen Wiens in den Tagen des Alters
oder der Invalidität zur Stütze zu
werden. Einzahlungen können gelei
stet werden durch die Dienstherrin
allein, oder durch das Mädchen allein,
oder durch beide Theile vereint.
* Tie Lehr- und Versuchsanstalt für
Photographie in München, tvelche dio
Lehre der. künstlerischen Photographie
seither nur dem männlichen Geschlecht
vermittelte, ist durch Entschließung der
königlichen Regierung von Oberbayern
ermächtigt worden, nunmehr auch Da
men aufzunehmen. Zur Ausbildung
ist ein zweijähriger Lehrgang noth
wendig.
* *
* Fräulein Dr. med. Marie Peiger
wurde am tschechischen Kinderhospital
in Prag zum Sekundärarzt ernannt.
Fraulein Peiger ist 28 Jahre alt uno
wurde vor drei Jahren in Prag pro
movirt, nachdem sie ihre Studien in
Zürich, Men und hier vollendet hatte.
Es ist dieses der erste Fall in Oester
reich. daß ein weiblicher Arzt an einem
Spital als selbstständiger Arzt ange
stellt wird.
* * *
* In Leipzig ist rin Frauenklub,
der erste in Leipzig, gegründet und auch
schon eröffnet worden. Er zählt be
reits 400 Mitglieder und soll ein Ver
einigungspunkt gebildeter Frauen sein.
Als vorläufiges Heim besitzt er zwei
große Gclellschafts- und ein reich aus
gestattetes Lesezimmer im Hotel de
Pruste. Diese Räume gelten aber nur
als provisorische, da die Erwerbung ei
nes großen Heims geplant ist. Pro
tektorinnen des Klubs sind Exzellenz
Gräfin Vitzthum v. Eckstädt, Frau
Kreishauptmann v. Ehrenstein. Frau
Oberbürgermeister Tröndlin und An
dere.
Eine Uebcrmaus.
Daß auch eine Maus in schwierigen
Lebenslagen sich zu helfen weiß —so
schreibt uns ein Leser —, davon zeugt
folgendes wahre Geschichten, da
sich kürzlich zutrug: Wir hatten in
unseren! Zimmer am Abend eine ge
wöhnliche Falle, wie man sick von her
umziehenden Händlern kauft, aufge
stellt. und es >var auch, wie wir am
anderen Morgen sofort hörten, ein
Mäuslein gefangen worden. Ais der
Kerker deS kleinen Nagetlneres einer
näheren Besichtigung unterwarf m
wurde, war van der Maus zuerst
nichts zu bemerken. Ein Haufen fein
gezuvfter Scharpie füllte den kleinen
Käsig anS und schließlich wurde fest
gestellt, daß daS Mäuschen während
seiner kurzen Gefangenschaft vier
Jungen das Leben geschenkt hatte, dis
warm eingepackt in der Falle lagen.
Wo aber waren die Wollfäden herge
kommen? In der Nähe der Falle, an
einem Kasten, bing ein Handtuch. daS
das schlaue Tlnercben an einem Zipfel
cricißt. bereingezogen und mir den
seinen Zälnicben zerfasert hatte. Ge
niärt 'über solche Mntterliebe, die eS
bei der eigenen Todesangst nach fer
tig gebracht batte, ibren Jungen eine
Lagernatt zu bereiten, konnten wir
es nickt über'? Herz bringen, das
Tbiercken zu tödren, sondern ließen es
laufen.
Die sparsame Hausfrau. Frau
l-u ibrem nach Afrika reisenden Man
ne, der die Sahara erforschen will):
„Daß ich es nickt vergesse, Du könntest
etwas weißen Sand mitbringen!"
Der Prozeßhansel. „Warum
möcht'si denn g'rad 'm Schlickser sei
G'höst, das alte G'lump. kaufen?" —-
„G'liimp is' scho', aber 's grenzen drei
Nachbarn dran!"
Reine Luft. Studiosus Bran
des: „Wo gehen wir nächsten Sonn
tag bin?" Studiosus Siebel: „Da
schau n wir uns einmal unsere Stadl
an, die Schneidcrinnung macht näm
lich dann einen Ausflug."
Schnell erledigt. Lebrer: Fritz
chen, Du bist doch der Sohn eines
Fleiscbers, da wirft Du mir wobl auch
sagen tonnen, wie Cervelatwurfi ge
schrieben wird'." Fritzchcn: . Di
wird überhaupt nichi geschrieben, son
dern gestopft!"
Sonderbare Logik. Nachbar:
„Bei den Wetzler'schen Ehelcuken ini
poriten Stockwerk giebt- ja immer
Mordsspektakel und Schlägerei wo
rum kitten Sie nickt 'mal dazwischen?"
Hauswiith: „Darf ick nichls das
würd Hausfriedensbruch sein."
- Illusion. Erster Student:
„Bringe doch Deinen Abreißkalender
in Ordnung! Wir baden heute schon
den Achten und Tein Kalender zeigt
nock immer den Ersten." Zweiter
Student: „Lass' mir doch die ange
nehm Täuschung!"

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