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Der Sonntagsbote. (Milwaukee, Wis.) 1906-1912, April 29, 1906, Image 1

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62. Jahrgang.
Neues Erdbeben.
Dasselbe hat jedoch keinen besonderen
Schaden angerichtet. Eine Fran
gctödtct.
Erregt große Unruhe.
Viele Kinder kommen nach Oregon,
ohne idcotifizirt zu sein und ohne
Begleitung.
Gouverneur Chamberlains Trpcschc.
San Francisco, 25. April.
Heute Nachmittag 3 Uhr 18 Min.
wurde ein neuer Erdbebenstoß bemerkt.
Er dauerte etwa eine Minute und ver
ursachte große Bestürzung. Ein Men
schenlebn ging verloren. Eine Anzahl
von Mauern brennender Gebäude, die
gestern bereits erschüttert dastanden,
wurde; umgeworfen und schwache Ge
bäude wurden beträchtlich erschüttert,
aber der entstandene Schaden war un
bedeutend. Der Stoß wurde auch in
Oakland und Berkeley gefühlt, aber in
diesen Orten war er nur leicht und
von kurzer Dauer.
Salem, Ore., 28. April.
Der Gouverneur Chamberlain bat
heute dem Gouverneur Pardee folgen
des Telegramm geschickt: Viele Kinder
und einige Säuglinge kommen hier
durch, unidrntificirt und ohne Beglei
tung, und Fremde tragen für sic Sorge.
Können dieselben nicht in Oakland
zusammen gebracht und zusammenge
halten werden für spätere Jdentifizi
rung? Wie es jetzt ist werden sie ihren
Eltern auf immer verloren gehen.
San Francisco, 25. Avril.
Die folgende Depesche traf heute
hier ein:
Weißes Haus, Washington,
24. April 1906.
„An den Achtbaren James D. Phelan,
Vorsitzender des Finanzkomites.
San, Francisco, Col.
Das Finanzkomite kann die Bun
besmlinze in San Francisco als ein
Depositorium für Hilfsfonds benutzcn
bis daS Unterschatzamt eröffnet ist
und dann kann es daS Unterschatzamt
benutzen bis dir Banken eröffnet sind.
Fonds sollten aus den Depositorien
m nicht kleineren Summen als §lOOO
zurückgezogen werden, da die Bundes
ämter in San Francisco nickt darauf
eingerichtet sind, Bankgeschäfte zu
thun. Bitte fetzen si sich wegen der
Einzelheiten des Arrangements mit
dem Superintendenten der Münz in
San Francisco in Verbindung. Der
Sekretär Shaw wird sofort genügende
Instruktionen an den Superintenden
ten der Münze und den Hilfsschatzmei
ster telegvapbiren. Dem Finanzsekre
tär ist besondere Vollmacht gegeben
worden, die Bewilligung des Kongreß
ses in einer Gesammthöhe von §2,-
800,000 auszuhändigen.
Theodore Roosevclt."
San Francisco, 28. April.
Der Vorsitzende der Verbesserungs-
Association Phelan teleqraphirtc ge
stern an den Architekten Burnham und
seinen 'Assistenten Bennett, die in Chi
cago, sind, sosort nach hier zu kommen
und die vor zwei Jahren geplanten
Arbeiten in die Hand zu nehmen.
Burnbam L Bennett sind die Urheber
der Pläne, San Francisco zu verschö
nern und das Comite will keine end
giltigen Schritte thun, ehe es mit den
selben konferirt hat.
Diele Tonnen frisches Fleisch wurden
gestern Nachmittag und heute Vormit
tag vertheilt. Große Bündel Bananen
und Kisten Orangen wurden ohne zu
sparen an die Leute vertheilt, die um
die Zelte am Strande und bei Fort
Mason herumgingen. Die Orangen
waren vor dem Erdbeben an die Kom
wtssionshändler j San Francisco ge
schickt worden. Sie waren aus den
Lagerhäusern und Wagen verladen
worden und glücklicherweise einer gro
ßen Beschädigung entgangen. Da sie
von den Firmen, an die sie geschickt
worden waren, nicht angenommen
wurden, tvaren sie zum großen Theile
Eigenthum der Absender im Süden
des Staates, und dieselben telegraphir
ten, daß sie sich freuen würden, wenn
die hcimlosen Leidenden sie verbrauch
ten. Die Bananen lagen hauptsächlich
in den Waarenhäusern zur Reift und
gehörten hiesigen 'Kommissionshänd
lern. wurden aber in zuvortommend
ster Weis an di Obdachlosen an der
Wasserfroni zur Bertheilung überwie
sen.
San Francisco, 28. April.
Tie kiesige Nebenmünze bat ge
stern die ersten 'Münzen verschickt, die
je aus derselben kervorgegangen sind.
Das Geld wurde nach Oakland für
die dortigen Bankiers geschickt und
von Truvpen geschützt. Weitere Ver
sendungen wurden durch die Tvna
mitspreugungen n de; nahe der 'Mün
ze verhindert.
Geld ging während deS Tages aus
vertchiedenen Duellen ein, um sicher
aufbewahrt zu werden.
Ter Superintendent Leach tagte,
daß er von den Bankiers in San-
Francisco ebenfalls eine Auftage er
hallen hätte, wann Gelder zu ihrer
Tisvosition sieden würden.
S'N Francisco. 28. Avril.
In den Tagen der schweren Heim
suchung haben di Bewohner dieser
Stadt einen solchen ungebeugten
Ptilth, eine solche Ausdauer gezeigt,
aß Lie Proklamation des Präsiden-
Dtp Sonvtagsbotr.
Rr. L.
ten ein unangenehmes Erstaunen her
vorrief. In dftscr Proklamation
überwies der Präsident die Ver
waltung der vom Kongreß und der
Nation für die Nothbedürstigen be
willigten Gelder dem Dr. Edward
Devine von der Rothen Kreuz Gesell
schaft, anstatt den Bewohnern selbst
diese Arbeit zu überlassen, welche,
nachdem sie jene furchtbare Feuerprobe
bestanden, nach ihrer Ansicht auch das
weitere Reilungswerk leiten sollten.
Nicht minder verletzend für die Be
wohner der Stadt war eine weitere
Kundgebung des Präsidenten. In ei
nem Brief an den Sekretär Tast er
klärte er nämlich, daß nach den vor
liegenden Berichten die Cbincsrn bei
der Vertheilung der nothwendigen Le
bensbedürfnisse zu kurz kämen, daß
solches aber nicht geduldet werden
dürfe. Dagegen wird geltend gemacht,
daß zwar die weiße Bevölkerung von
San Francisco für die Chinesen keine
besonder Vorliebe habe, aber weit da
von entfernt sei. irgend ein menschli
ches Wesen, möge es gelb, schwarz oder
weiß sein, Noth leiden zu lassen. In
diesem Sinne wurde dem Präsidenten
eine Botschaft übersandt, welch von
dem Mayor Schmitz und hervorragen
den Bürgern unterzeichnet ist.
San Francisco, 28. April.
Am heutigen Tage ist eine Woche
verflossen, seit das Erdbeben in San
Francisco wüthete und ein Feuer zur
Folge hatte, welches in der Geschichte
dieses Landes nicht seines Gleichen
findet. Während der röthüche Schim
mer des zerstörenden Elements, das
300,0 M Einwohner obdachlos machte,
allnächtlich noch den Himmel erhellt,
bat der Wiederaufbau der zerstörten
Stadt bereits seinen Anfang genom
men und Tausende von geschäftigen
Händen regen sich, um durch Hinweg
räumung der Trümmer neuen und
hoffentlich widerstandsfähigeren Bau
ten Platz zu machen. Pläne werden
entworfen und Kostenanschläge ge
macht, wonach die neuen, an Stelle der
früheren Häuser tretenden Bauten
diese an Größe und Schönheit weit
überragen werden.
Schon wurden aus mehreren Stra
ßen die Trümmer entfernt und nicht
lange wird es dauern, bis die Stra
ßenbahnwagen ihren regelmäßigen
Dienst werden aufnehmen. Inzwi
schen dauert der Exodus kort. Ganze
Cchaaren Männer. Frauen und Kin
der, benutzen das Anerbieten der Eisen
bahnen betreffs kostenfreier Beförde
rung. Man hat berechnet, daß mit der
Southern Pacific- und Santa F6-
Bahn 60,000 Personen andere Gegen
den aufftichten, doch ist es wahrschein
lich, daß viele davon zurückkehren wer
den.
San Francisco, 28. Avril.-
Ter frühere Polizeichef Witiman
hat das betreffende Comite in Beireis
der Wiederaufnahme des Kleinge
schäfts benachrichtigt, daß Folgende
ihre Läden wieder eröffnet haben . 24
Groecr, 11 Fleischer. 7 Milchgeschäft
te, 0 Bäckereien, außer denen, die be
reit früher die Erlaubniß zur Wie
derösfnung erhalten haben, und t Re
staurants. Tie Anzahl jeder dieser
Geschäftszweige würde im Laute des
Tages stark vermehrt werden. TaS
Comite hat auch die Verkaufspreise
festgesetzt.
Los Angeles, Cal., 28. April.
Fm Verhältniß zu ihrer Bevölkerung
hat die Stadt Santo Rosa den größ
ten Verlust an Menschenleben sowohl,
wie durch das Feuer erlitten. Fast
kein Haus ist stehen geblieben. Ver
muthlich hätten viele Menschenleben
gerettet werden können, wenn es mög
lich gewesen wäre, den Verunglückten
schnelle Hülfe zu bringen.
Oakland, 28. April.
Tie Bnreauräumc der Chicago, Mil
waukee L St. Paul Eisenbahn in
San Francisco sind vollständig zer
stört und nur wenige Aktenstücke wur
den gerettet. Sie sind sosort ach
107 t Broadway, Oakland, in tempo
räre Quartiere gebracht worden. Tie
Gesellschaft hat sich jedoch darauf vor
bereitet, nach Errichtung der eriren
Gebäude nach San Francisco zurück
zukebren.
Santa Rosa, Cal., 28. Avril.
Clii infolge des kürzlichen Crdbe
bens eingetretener Unfall hat dm'.Tod
von drei Männern in der Great
Easieril Ouecksilbermine veranlaßt.
Als der Förderkorb aus der Grube
nach oben gehen sollte, siel ein großer
Felsblock, der sich durch die Erschütte
rung der Erde gelöst hatte, in den
Schacht, zerschmetterte den Förder
korb und todtste die Insassen John
Hansen, C. Gorskn und John Miller.
Washington. 28. April.
Ueber das Unterstützungswerk in
San Francisco hat der Präsident jegt
eine zweite Proklamation erlassen,
welche lautet: „Als die erste Nachricht
über das schreckliche Unglück ankam,
war es nothwendig, für den Empiang
und die Vertheilung der Unter
stützungsgeldcr sofort Vorkehrungen
! zu treffen, da man nicht wissen konnte,
wie bald die Einwohner von San
Francisco sich zu diesem Zweck selbst
organisiren konnten. Aus dicftm
Grunde wurde die Gesellschaft vom
Rothen Kreuz gebeten, diese Arbeit
vorläufig zu übernehmen. Inzwischen
haben die Einwohner der Stadt Aus-,
ichüsse ernannt und mit so großer
Uebcrleaung und Thatkraft das Unter
stützungswerk in die Hand genommen,
daß meiner Ansicht nach die Rothe
Kreuz-Gesellschaft nur noch als eine
Hilfsgeftllschaft in Anspruch genom
men und der ehemalig- Mayor Phelan,
Vorsitzender des Finanzromttes, alle
Sendungen in Empfang nehmen
sollte."
New York. 28. April.
Bis jetzt hat keine einzige Versiche
Milwaukee, Lorrntag- den 29. April IWU.
rungsgesellschaft ihre Zahlungsunfä
higkeit erklärt und nur die American
Insurance Company in Boston hat
eine AndeullNly in dieser Richrunz ge
macht, indem sie ihre Agenten beauf-!
tragt, teine weiteren Versicherungen j
entgegenzunehmen.' Die auswärtigen
Gesellschaften, von denen mehrere de-'
trächtlich Verluste erlitten, haben ihre!
Agenten angewiesen, ihre Geschäfte
ruhig weiter zu fübren.
Philadelphia, 28. April.
Zwei Damen aus San Francisco,
Frau W. G.Richardson, Frederic Str.,
und Frl. Emma Duff, 2820 Van
Neß Str.. trafen heute hier auf dem
Dampfer „Hardford" von Europa ein.
Die erste Nachricht, die sie über die
Zerstörung von San Francisco erhiel
ten, erfuhren sie durch Zeitungen, di:
in d:n Delaware Capes an Bord ge
bracht wurden. Die Wohnungen beider
Damen liegen in dem abgebrannten
Distrikt und infolge der unerwartet
haltenen trüben Nachrichten fielen sie
in Ohnmacht. Beide haben sich jedoch
erholt und werden so schnell als mög
lich nach San Francisco weiter reisen.
Liverpool. England, 28. April.
Tie Roual Insurance Comvaiin er
fuhr beute von ihrem Geschäftsführer
in San Francisco per Kabel, daß die
Katastrophe der Gesellschaft meg
ticheriveise §6.780.000 kosten würde.
Tie Direktoren erklären jedoch, daß
mit Rücksicht aus die große Sum
men, die an Hand sind und das aus
gezeichnete Geschäft vom Jabre 1208
die Bezahlung der Verbindlichkeiten
nicht eine Reduktion der Reserve oder
der FeuersoudS nothwendig mach:.
Die Liverpool—London und Globe
Insurance Compam, schätzt ihren
Verlust in San Francisco mNen
§8,000,000 und erklärt, daß sie nicht
nothwendig hat, den Rcservesond ou
zugreisi'n.
Sacramento, Cal., 25. April.
Ueber bi von dem Gouv. Pardee
von Tag zu Tag erklärten Feiertage
hat sich der Ge.neralanwalt Wrbb wie
folgt ausgesprochen: „Diese fortgesetz
ten Feiertage bilden für die freiwillige
Wiederaufnahm der Geschäfte nickt
das geringste Hinderniß. Sie sind
lediglich dazu bestimmt, den Bauten
und anderen Unternehmungen eine
Ruhepause und ihnen dadurch Gele
genheit zu geben, sich auf die Erledi
gung ihrer Verpflichtungen vorzube
reiten. Während dieser Feiertage
kann Niemand gesetzlich zur Erfüllung
eines Kontrakts gezwungen werden,
doch ist es keinem Menschen verwehrt,
neue Kontrakte abzuschließen oder alte
zu erledigen."
Washington, 25. April.
Der General Greely hat eine zweite
Liste der Umgekommenen geschickt,
welch di folgenden Namen enthält:
Albert D. Saegnter, Margaret Miles,
Anne Mary Petrig. Unbetannter, Jo
seph U. Aebi, Jens, Sorrenscn, Met
Meclair, Kolber M. Mausen. Patrick
Dockcry, Denis T. Sullivan, Bernarö
Shan, Jules Jauzi, Amrlio Marco,
N. A. Hustell, John Faurth, Francis
Mercier, Teresa Roche.
Die Zahl der Verletzten beträgt
1080, die im Hospital des Presidio
und im Park Emergency Hospital
untergebracht sind.
Der General Greely Hai 2800 Mann
weitere Truppen verlangt, in einer
heute stattgehabten Konferenz zwischen
dem Hilfskriegssekretär Oliver, Gene
ralmajor T. C. Ainsworth und dem
Generalstabschef Brigadegeneral I.
Brantlin Bell wurde jedoch beschlossen,
den General Greely zu ersuchen, die
Lage sorgfältig zu untersuchen und
dem Kriegsdepartement genauereGrun
dc für die Nothwendigkeit weiterer
Truppen anzugeben. Wegen der Absen
dung aller entbehrlichen Zelte und La
gerausrüstungen nach Californien zur
Benutzung der von dem Erdbeben Be
troffenen ist das Kricgsdepartement
nicht im Stande für die weiter ver
langten Truppen so zu sorgen, das;
dieselben in passender Weise in Lagern
untergebracht werden können, und in
folge dessen nimmt dassclbeAnstand wei
Truppe-, noch dem Unglücksschau
platze zu schicken, wenn es dieNoth nicht
dringend erfordert. Das Departement
zieht es vor, alle möglichen Ausrüstun
gen und Vorrätbr zur Unterstützung
der Nokbleidenden zu schicken und
wünscht nickt seine Hilfsquellen zu er
schöpfen, indem es die Truppenzahl
vermehrt.
San Francisco, Cal., 24. April.
(Mittags,) Der Coroner William
Walsh erklärte, daß die Anzahl der
Todten nicht geringer als 100) sein
würde. Seine Berichte sind vollstän
dig und seine Schatzung beruht auf
Grund der von ikm gesammelten Da
tas. Er tagte: „Die von den Deputy-
Coroners gefundene Anzahl von Lei
chen beziffert sich aus 300. und zwar
wie folgt: An der Polt- und Bay
Str., 32) am Portsmouth Square,
23; am Washington Square. 12; im tz
Meilen-Hause, 200; auf dem Laurel-
Berge, 23; zerstreut in verschiedenen
Theilen der Stadt, 10. Es ftnd noch
keine genaue Durchsuchung in dem Di
strikte südlich der Market Straße und
im Chineftnoiertel statt. In diesen
Theilen der Stadt müssen viele Men
schenleben verloren gegangen sein.
Südlich von Market Straße befinden
sich die billigen Logirhäuser, von de
nen viele beim Erdbeben zusammen
stürzten. Es ist sicher anzunehmen,
daß die Hälfte der Insassen der zu
sammengebrochenen Gebäude keine Ge
legenheit zum Entkommen fand. Das
i selbe ist auck in„Chma-town" der Fall.
Wie mir mitaetbeilt wurde, haben kurz
nach dem Erdbeben Soldaten und Po
lizisten Leichen begraben, die sie an der
Wasserfroni fanden. Ich babe keinen
offiziellen Bericht darüber erhalten.
Die Lcsammtzahl der Todten wird
zweifellos IX>O erreichen, wenn die
selbe nicht überschritten wird,"
Der Richter W- D. We. Z früher
Mayor von Seattle, der in -üttelbar
nach Eingang des Berichte ver das
Erdoebcn nach San Frau ? kam,
um nach Verwandten zu suchen, die
sich besuchsweise hier aufyic n. und
der seitdem bei den Hiilfsurdeiten im
Interesse des Seattle'! Hüii.- Comites
thätig war, drückte heute dem Vertre
ter der „Associirten Presse" zcgenüber
seine 'Ansicht über die Situa:!.- in fol
gender Weise aus: „San Francisco
ist für die Welt eine Lektion un Opti
mismus. Jhe Triumph siebt mit ih
rem Unglück im gleichen Verhältniß.
Der Muth ihrerNeunundvtcrsiger und
ihrer eingeborenen Söhne wanlt bei
Nichts. Schon erhebt sick die Stadt
aus ihrer Asche. Der Mann, der ge
ftern seine Händer verbrannte, weil er
nicht warten konnte, bis die S leine sich
abgekühlt haben, reprästniir' in Wahr
heit den Geist San Francisco'--. DaS
neue San Francisco wird t-effer als
das alte sein, wie es in Beben. Chi
cago, Seattle, Galvefton und Balti
more der Fall war, aber in größere
Maßstabe. In 20 Tagen wird man
80,000 Männer in dem a! ciedrannten
Distrikt an der Arbei! leben. Der
große Handel San Francisco wird
weiter fortschreiten. Dirs mi der Aus
gabe ihres Reserve - Fonds, den Ver
sicherungsgeldern und den vielen Mil
lionen auswärtigen Geldes, für da
bei den neuen 'Verbesserungen eine An
lag: gesucht wird, werden San Fran
risco zur geschäftigsten Stadt aus der
Erde machen. Diese Tbäürieft wird
Jahre lang fortdauern, bis ein moder
nes und größeres San Francisco da-Z
Vertrauen belohnen und die Verluste
ihrer Bevölkerung ausgleichen wird."
San Francisco. Cvl., 24. April.
Heute kurz nach M ttag traf der
Polizei Leutnant John D. Hartford
mit lO Geheimpolizisten von Chicago
hier ein und meldete sich bei dem Poti
zeiäwf Dinan zum Dienste. Außer
dem Leutnant sind es John Dufsa,
Peter Fitzpatrick, William McGrath.
Edward Flaherty, Anthony Nagle,
Tiniothn D. Roche, J-mes Fitzgcrald
und Michael Magner. „Wir kennen
den Grund nicht, warum uns der Po
lizeichef Collins nach San Francisco
sandte", sagte der Leutnant Hartford
heute Nachmittag. „Wir wissen nur,
daß nach dem Eintreffen der Nachricht
über das große Unglück, welches die
Stadt San Francisco betroffen hat,
der Cbef uns befahl, i ns zur Abreise
dorthin vorzubereiten, und nun lind
wir hier, bereit, Albs zu thun, was
wir im Verein mit de -i Lokal Depar
tement thun können, vkn Leidenden zu
helfen und Verbrechen z verhüten.
Das Herz der ganzen Nation ist mit
San Francisco in seinem Unglück,
und Chicago beabsichtigt Alles
zu thun, was eine Stadt zu thun ver
mag, um die Hungrigen speisen, die
Obdachlosen unterbringen und Ihre
prächtige Stadt wieder aufbauen zu
Helsen. Wir sinb hier, um zu arbei
ten und der Polizcichef Dinan kann
uns zu irgend einem Dienste lomman
Liren, den er für nothwendig hält "
Der Polizeichef Dinan unterstellre die
Chicago'er Beamten unter Ansdruck
des Dantes dem Kommando des Ka
pitänS der Geheimpolizei Burnett.
Sie werden mit den hiesigen Geheim
polizisten zusammen arbeiten und ein
besonders wachsames Auge auf die
Verbrecher aus dem Osten richten, die
hierher kamen, um zu plündern. Der
Polizei - Sergeant Edward, der an
Nus,ebrung leidet, durchsucht seit dem
Erdbeben di: Stadl nach der Leiche
seiner Mutter, deren Tod sofort nach
den Erdstößen ersvlate. Heute Nach
mittag fand er sie in einem Grabe bc
erdigt, das von den Soldaten an d>er
San Bruno Straße aufgeworfen wor
den war- Der Beamte traf sofort
Vorkehrungen, um die Leiche auszu
graben. und sie ruh! nun in der Fami
liengruft.
San Francisco. Ca1.?24. April.
Die Direktoren der Handelsbanken
von San Francisco hielten heute eine
weitere Versammlung ab. Das Haupt
geschäft, welches erledigt wurde, war
der Beschluß, ein G-neral Comite von
Neun zu ernennen! r der Vollmacht,
Mittel zu finden, um den Depositoren
Geld zu zahlen und überhaupt alle
nothwcndigkii Vorbcreituimen zur Wie
Herausnahme der -eschäfte in allen
Zweigen der Ban! zu treffen. Nack
der Versammlung tagte der Präsident
der „Clearinghouft" Association Ho
wer S. King, der in er Konferenz den
Vorsitz führte: ~V :r haben Arrange
mcnts getroffen, um so schnell al
möglich Fonds au -zahlen, und zu
diesem Zwecke sühnen wir ein Einver
siändniß mit den Bandesbeamten her
bei, wonach dgs >' -ld in der Münze
gezahlt wird. Tu Einzelheiten d"s
Planes sind noch nil t vollständig aus
gearbeitet und um werden nicht vor
Ablauf mehrerer T ze im Stande sein,
Geld auszuzählen.'
Der Präsident King bestritt den
verösfentüchien Beruht, daß die Bank
von California nach Oakland übersie
deln wolle. Er er'lärte, daß teine
Bank in San Francisco ihre Bureaux
über die Bucht br ngen werde. Tie
Svarkaffen hängen !n jeder Beziehung
mit den Handelsbanten zusammen und
die Pläne der Letzttren werden erwar
tet. ebe ein bestimmter Entschluß ge
faßt wird.
San Francisco, Tal., 24. April.
Im Golden Gate - Parte wurden
temporäre Gebäude errichtet, welche
40,000 Menschen Unterkunft geioäb
ren. Diese Arbeit wurde heute Mor
gen durch ein besonderes Comite be
gonnen und die Wohnungsbedürftigen,
die bis jetzt nabezu eine Woche unter
freiem Himmel geschlafen haben, wur
den nach bequemeren Quartieren ge-!
brockt. Zu beinahe Verselt-en Zeit traf
ein Vorrath von Decken und Bettstü
ckcn ein und wurde nach dem Parke ge
bracht. Gegenwärtig ist dort nur we
nig Leiden oorbande, und och vor
Ablauf einer Woche glaubt man cS den
hier untergebrachte,! Obdachlosen be
quem macken zu tonnen. Diese tempo
rären Gebäude sind zur Unterbringung
von 40,000 Menschen errichtet, aber
man wird mit allen Kräften daran
arbeiten, dieselben immer mehr zu ver
bessern. Zur selben Zeit schickt das
Comite so viele der Obdachlosen nach
Orten im Innern, als diese Orte un
ierzubringen vermöge. Arbeit und
Unterstützung wurden versprochen. Die
Eisenbahnen befördern alle Diejenigen
kostenfrei, welche mil einem dahinlau
tenden Gesuch des Comites versehen
sind. Die Besetzung aller leeren Häu
ser in dem verschon! gebliebenen Di
strikte, womit gestern begonnen wurde,
schreitet noch immer vorwärts. Bicle
leerstehende „Fiats" wurden für die
Obdachlosen in Besitz genommen und
die Kranken erfreuen sich jetzt einer gu
ten Pflege. Ein Comite von Architek
ten wurde ausgeschickt, um die Kirchen
und anderen Gebäude, darunicrSchul
käuser, zu untcrsuckxn und zu berich
ten, ob dieselben zu Wohnräumen für
die Obdachlosen umgewandelt werden
können. Der Vorsitzende des Woh
nungs- Comites W. I. Burneft sagte,
daß die Situation nun eine geregelte
Gestalt annebine. Cr glaubt nicht
daß viele Beschwerden mehr ertrage
werden müssen.
Boston, Mass., 24. April.
Infolge der über die Stadt San
Francisco hereinaebrochenen Kaiastro
phe wurden die Agenten der „American
Insurance Company" von Boston an !
gewiesen, so lange leine neuen Geschäft!
te mehr abzuschließen bis die Gesell !
schafl genaue Nachrichten über die!
Ausdehnung ihrer Verluste in Califor-!
nia erkalten hat. Der Sekretär dem
Gkselttckaft Henrn S. Vean sagte Heu-!
ie, daß dieses Vorgeben für raihsam!
gehalicn werde mi! Rücksicht auf die
Ungewißheit hinsichtlich der Ausdeb !
nung der Verbindlichkeiten San Fron
ciseo gegenüber. Diese Gesellschaft
existirt seit 90 Jahren und wurde in!
Jabre 1313 inkorporirt. Nach dev!
letzten offiziellen Berichten betrug das!
Kapital der Gesellschaft §300,000, ihre,
Bruttoeinnahmen §7!)6.882 und der
Ueberschuß s-'-tt.lM. Die Gesellschaft
Hai ein allgemeines Geschäft im ganzen
Lande gethan.
San Francisco, Cal., 24. Avril.
Der frühere Superintendent des Ab
zugsröhrensysiems Brandon erklärt/
heute, daß innerhalb 24 Stunden das/
selbe hinreichend reparixk werden wür-I
de. um in dcn'nickt abgebrannten Thei-I
len der Stadt seinen Zweck wieder zu
erfüllen. Große Arbeiierabtheilungen'
sind jetzt damit beschäftigt, die Bruch I
stellen zu ermitteln, und heute Mittag!
war man der Ansicht, daß alle eriistl
eben Unterbrechungen festgestellt wur
den. Herr Brandon crttärte es als
seine Ansicht, daß das Abzugsrohren
System in den Theilen der Stadt, wo
es untersilcht wurde, sich in einem sol
che Zustands befindet, daß eine allge
meine Benutzung desselben in kurzer!
Zeit möglich sein wird. Das System
war nicht so schwer beschädigt, wie
man anfangs befürchtete. DaS Ab
zugsröhren - Departement Hai jedoch
große Schwierigleiten, die nöthigen
Werkzeuge für die Arbeiter zu deschas
fen.
Sa Francisco, 24. April.
Die Vorbereitungen für den Wie
deraufbau dS neuen und größeren
San Francisco werden mit allem Ei
fer betrieben und nicht lange wird eS!
Hauern, bis man in jedem Häuserge
viert des vernichteten Stadttheiles das!
Kommando der Bauführer, die Schlä
ge des Hammers und der Axt verlieh
men wird.
Im Geschäftstheil hat man schon!
den Anfang mit dem Sprengen der-
Rilinrn gemacht. Alle Mauern, welä)!
leicht durch Windstöße umgestürzt wer !
den können und das Leben der Vor
übergehenden gefährden, sollen so
schnell wie möglich dem Erdboden
gleichgemacht werden. Die Artillerie
ist den Lokalbehörden behülslich, um
die wankenden Gebäude oder Mauern
in Trümmer zu verwandeln, die dann
beseitigt werden tönneii, dann! an der
leergewordcnen Stelle das „Gebild der
Menschenhand" abermals erstehe Diese
Arbeiten sind an der Marke! Straße
in vollem Gange.
Am Sonnkag hat eine Kommission!
alle stehen gebliebenen Gebäude an die
ser Hauptstraße besichtigt und gefunO
den. daß solche Gebäulw, welche im
Einklang mit den Vorschriften der mo-j
deinen Elsenkonstiukt'.on errichtet wa
ren, dem Erdbeben mil Erfolg Wider
stand leisteten. DaS Innere war zwar
oft durch Wasser verdorben, doch das,
Aeußere zeigte keine wesentlichen Svu
rcn des Erdbebens. Ilm zu zeigen, wie,
die .Haus und Grundbesitzer den Ein
fluß des Erdbebens aus hohe Häuft/
betrachten, wird daraus ausmrt!am
gemacht, daß die Humboldt Bank
retts ankündigte, sie wolle sofort ein
I7stöckigrs Gebäude errichten. Ter
Bauplatz für dieses Gebäude bat einen!
Werth von >O,OOO, Las Gebäude
wird §BOO,OOO kosten.
Ter ganze, augenblicklich bewohn
bare Theil von San Francisco wurde
von den Behörden in in! Weise orga
niftri, daß er unter strenger gesund
heitlicher Aufsicht steht und der Aus
bruch einer zu fürchten
ist. Fachleute haben die großen euer
festen Gewölbe der Banken untersucht!
und sind zu dem-Ergebniß gekommen,
daß sie keinen Schaden gelitten haben.!
Doch können sie erst nach mehrere
Tagen geöffnet werden, well sie noch
eine große Hitze ausströmen.
Mehrfacher, leichtsinniger Gebrauch
der Feuerwaffen hat den Potizeiches
! veranlaßt, die Befehlshaber der Miliz
zu ersuchen, ihre Leute strenger zu de
aufsichiigen. Er fügt hinzu, daß in
der Stadt keine Gesetzlosigkeit eristire,
mithin außergewöhnliche Maßregeln
nicht am Platz seien.
Salt Lake City, 24. April.
Max East, ein Klridermacher. wel
cher von San Francisco hier ankam,
erzähl; eine haarsträubende Geschichte
von drei Männern, welci-e auf einem
brennenden Dach standen und von
Soldaten erschossen wurden. .Als
das Windsor Hotel an der Market und
Fifth Straße vom Feuer ergriffen
wurde," sagte er, „da standen auf dem
Dach drei Männer, welche von Flam
men umgeben und nicht im Stande
waren, sich zu retten. Damit sie" nickt
de! lebendigem Leide geröstet würden,
befahl ein Offizier seinen Leuten, zu
feuern und sic folgten seinem Befehl
in E-egenwark von mindestens 8000
Personen. Auf dem Union Square
stand ich neben einer Frau, welche vor
Durst ihren Geist ausgab. Ihre letzte
Bitte war ein Glas Wasser, doch Nie
mand konnte ihr Helsen. Auf dem
Jefscrson Square sab ich einen tödt
lickM Auftritt zwischen Militär und
Polizei. Ein Polizist befahl einem
Soldaten, eine Leiche auk den Wagen
zu beben. Der Soldat weigerte sich
und im iveiteren Verlauf des Wort-
Wechsels erschoß er den Polizisten."
John Cashmer, ein alter Bürger
aus Spearfisk. S. D.. sah mehrfach,
daß Soldaten obne genügende llrsack,
von ihren Feuerwaffen Gebrauch mach
ten, eine lleberstürzung, die von ihren
Kameraden sofort getadelt und bedau
ert wurde. Willis Ames, ein Bürger
/nis Satt Lake, welcher nach Los An
geles cntlam, sah. wie er erzählte, die
I Leichenräuber bei der Arbeit. Wäh
>rend einige Soldaten vor einem Lei
chenhaufen Wache hielten, gestatteten
Pie einem Manne, der seine Mutter
suchte und deren Leiche angeblich auf
den Trümmern eines Haufts erblickte,
die Leiche näber in Angriff zu nch
men. Er warf sich nieder, als ob der
Schmerz ihn übermanne. Doch be
inertte ein Soldat, daß er die Ohr
ringe von dem Ohr der Verstorbenen
! abzubeißen suchte. Soso krachte ein
! Schuß und als man später die Leiche
des Spitzbuben untersuchte, fand man
in seinem Munde mehrere Diamanten.
Washington, 21. April.
Dem Bericht des Generals Greely
zufolge beläuft sich die Zahl der durch
Erdbeben und Feuer in San Francisco
um's Leben Gekommenen auf etwa 278
Personen, wovon über 80 nicht ideiitifi
zirt werden konnten und vermuthlich
! noch dieselbe Zahl unter den Ruinen
! liegt. Nachstehend folgen die Namen der!
! Todten, soweit betannt:
Charles Anderson, Fannie W. Bar-!
rett, William Bock. E. Bürge, Anna!
Butler, Alleman, F. Bucaiuki, Pal.!
Brodenit, Franl Bodwell, George A.i
, Bowen. O. Bild, Frank Bordivell/
! Lyon. Henry Brannan, George'
! Brown, Robert L. Broderick, William!
Carr, I. K. Eooper, Lena Crowder.
Annie L. Conmay, Frau Macurren,
! Emily Curran Kind), Matth. Deluc- j
chi, Dominica Delucchi, Frau Marie
Dcbrunner, F. H. Delarantelli, Mary!
Dolovan, Louis S. Enger od. Engen,
Martha Fay. Max Fenner, Joseph
Gallagber, —Gettie oder Getz (Mann).
George Green, Frau Groß (Selbst
mord). G. Guy, Frau Jda O. Heas-j
lip, Hustle (Mann), N. F. Sieslle,!
Henry A. R. Hansen. Higgins. A.!
Houston, Jshida (Japaner), Hr. John. >
Frau Kohnion, Kind Johnson, Walter i
Nicholas Kempston, Kornfield, Ru
! dolph I Krauser, Kroutt (Mann),
Lander. H. Lund. Alfred Londale,
L- Louis. Eugene, Maroney.
Frau McCann, Earr.elius McCarthy,
l Robert McCarthy, McKenzie, Jo<
' sevh Meyers. Mnrtle M. Muge, John
Murtha, Myake (Japaner), E. C.
! Nauman, I. Troppy Nye, ltzeorge Ni
cholas, Richard Raffe (Kind), Frank
Nunan, Paolo O'Neill, O'Neill,
Tbomas O'Brien, —Paolonellc.
Raga, Reily, Ring, Frau Eli
zabeth Neece. Johanna Reiche, Frau
Rosenberg. Frank Riordan, Sukam
dah iJapciner), A. Shioni und Frau,
L. Lknetii. Henry Sckmuchert, Caro
line Simpson, Temperance Sherry,
Willig! Stanelse (Baby). Zstevrge
Stol. Lilian I. Sherman, Feuerwehr
chef D. T Sullivan. Dr. Charles F.
Taqgart, Los Angeles, H. C. Tilden
erschossen), Mary S. Van Tlyck, Fer
dinand Vanseichi, Julia Ward, Annie
Whalen, Annte Webster, John Weil.
Paul Sike, O! unbekannte Mäner
10 unbekannte Frauen, 6 unbekannte
Kinder, 6 unbekannte Chinesen, 21 u
bekannten Geschlechts.
Aus der Bundeshauptstadt.
Washington. 28. April.
In einer Botschaft an den Kongreß
befürwortet Ser Präsident eine Bewil
ligung von sttyo.ox) für den Marine
bauhof zu Mare Island, damit eine
Anzahl Arbeiter in Sgn Francisco
wieder Beschäftigung erhalten/ Ebenso
verlangt der Präsident die Bewilligung
der Mittel für ein Proviantamt.
Washington, 28. April.
Tor Botschafter Baron von Stern
bürg hat von dem deutschen auswärti
gen Amte per Kabel den Auftrag er
halten, sich über die Lage der deut
scheu Unterthanen in San Francisco,
die durch daSErdbeben und das Feuer
gelitten haben, zu insormiren iwd
Schritte zu thun, um ihre Bedürftüsie!
ans Kosten der deutschen Regierung
zu beftiediqeii. Der Botschafter bat i
infolge dessen an den Generalkonsul!
Franz Bopp in San Francisco tele
gravbirt und denselben beauftragt,!
die Instruktionen auszuführen. I
V Attest und meM-e
leie -etshe Blatt i
rvtresnstn. , j
Nummer tt.
Tcrtkongrcß.
Washington, 28. April.
Senat.
N.uhdem der Senat seine Rviltine-
erledigt sowie niehrere Ge
setzentwürfe iiillergeerüneter Bedeu
tung angenommen hatte, trat er in
die Berathung der BewilligungtzbilL
sur die Indianer ein und es entstand
eine längere Tiscussjon über inehrcra
Beslimnnlngen, so das; die Berathung
nicht zu Ende gelangte. Ter Sena
tor Tillman machte einen erneuten
aber vergeblichen Versuch, einen Tag
si'stzusetze, an dem über die Eiien
babntarisratenbill abgestimmt werden
lalle. Ter Senator Spooner theilt
mit, das; er morgen über dieselbe spre
chen werde und der Senator Clark
will am Freitag darüber sprechen.
Um 2 Ilbr 88 trat der Senat i
eine Ertrasihnng ein. in der folgend
Ernennungen bestätigt wurden: Ben
jamin F. Daniel-?. Bereinigte Stna
len-Marschall inr Territorium Arizo
na, und eine Anzahl Postmeister.
Haus.
Nach Annahme des Protokolls der
vorigen Sitzung erklärte der Sprecher
Cannon, das; der Einwand des Ab
geordneten Williams, Miss., gegen den
Antrag, das Gesetz No. -lv hinsichtlich
des Registrirens von Scbiffslicenzen
an den Senat zurückzugeben, gerecht
fertigt sei und daß das Gesetz an daS
Comite für Handelsmarine und Fi
scherei verwiesen werden müsse. Das
Haus kgann dann die Berathung der
Bcwilligungsbill für das Ackerbaude
partement unter Vorsitz des Abgeord
neten Foster, Vermont, und es wurde
der Landwirthschaft ein Loblied ge
sungen. Ein gleiches Loblied erschallt,
zu Ehren der Industrie und ihre
Nutzens, tvvbei der Abgeordnete Daw
so, Ja., sich als Hauptredner zeigte,
indem er derFarmlitcratur hohe An
erkennung zollte. Es konnt jedoch
kein Uebereinkommen hinsichtlich de
Begrenzung der Generaldebatte erreicht
werden und die Besprechung würd
bis morgen vertagt, ohne daß di Ein
zelheiten des Gesetzes überhaupt be
sprochen worden wären.
Die Botschaft des Präsidenten hin
sichtlich der Bewilligung von §300,000
für den Schiffsbauhof in Mare Is
land wurde verlesen,und an das Co
mite für Bewilligungen verwiesen.
Um 5 Uhr 20 trat Vertagung ein.
Maler und Millionärin.
New York, 28. Avril.
Der Maler Jones Thaddeus, wel
cher das Portrait der Frau Howard
Gould maln, h„c die Letztere verklagt,
eil sie sich weigerte, dos Bild anzu
nehmen und den bedungenen Preis,
! §BOOO, dafür zu bezahlen. Da di
Verklagte und ihr Mann sich in
Europa befinde, beantragten Ihr
Anwälte Howe und Hammel einen
Aufschub, doch der Advokat John W.
Corwin, welcher den Kläger vertritt,
machte geltend, daß der Künstler ein
mit bedeutenden Unkosten verknüpft
Reise von Wales nach Amerika unter
nahm und nickt zum Warten gezwun
gen werden sollte. Der Richter Gvee
nebaum war derselben Ansicht und
verfügte, daß der Prozeß sofort begin
ne müsse.
Dir Verklagte Hot eine schriftlich
Antwort auf die Klage hinterlassen
Sie macht geltend, daß sie das Por
trait als ein Ueberraschung für ihr
Mann bestimmt und dem Maler dal
Versprechen abgenommen hätte, keinem
Menschen etwas davon zu sagen. Ave
er habe dieses Versprechen nicht gehal
ten und sogar ihrem Manne von de
beabsichtigten Ueberraschung Mitthei
lung gemacht. Außerdem machte si
geltend, daß sie nicht das Kleid trug,
welches das Bild zeige.
B u d e l.
Cincinnati, 0., 28. April.
Vor dem Untersuchungsausschuß des
Senats bezeugte John I. Downey von
Terre Haute/Jnd., daß er und sein
Geschäftstheilhaber Sol. P. Kineon
August Herrmann besuchten und von
diesem erfuhren, daß der Freibrief für
eine Telephonqesellschaft von Cincin
nati bis nach Kentucky hinein §BO,OOO
kosten werde. Die beiden Unterneh
mer wollten §BO,OOO bezahlen, falls
ihnen dann ein Freibrief qarantirt wer
den würde, doch als Hrrrmann späte
erklärte, daß es §78,000 losten würde,
gäben sie den Plan auf.
Richter Lynch.
Oakwoods, Ter., 28. April.
Heute Morgen um 1 Uhr wurde ein
17 Jahre alter Negerbursch von ei
nem aus sieben Mann bestehenden
Mob aaus dem Gefängniß geholt unb
gehängt. Der Beamte, welcher den
Gefangenen bewachte, feuerte mehrere
Schusse auf den M-E ad, die aber alle
fehl gingen. Der Neger wurde dabei
überrascht, als er nächtlicherweile die
Wohnung einer Wittwe betrat.
DieKuhj u n g e n.
Pendleton, Ore.. 21. April.
Hier ist die Nachricht eingetroffen,
deren Wahrheit jedoch infolge des Nie
derbruches der Tetephondrähte noch
nicht bestätigt werden kann, daß auf
der Umatilla Indianer - Reservation
ein Kampf zwischen Kuhjungk.r. Indi
anern und Soldaten stattgefunden
hat. Drei Soldaten und drei India
ner sollen getödtet worden sein. Man
glaubt, daß Kuhhirten Vieh äuf einen
entlegenen Theil der Reservation ge
trieben baben. Tie Indianer sollen
protestirt haben, aber zurückgetrieben
werden sein. Die Truppen seien dann
zu den Indianern gegangen und der
Kamvf erfolgte. In Adams, dem dem
Schauplatze zunächst gelegenen Orte,
wird das Gerücht vollständig geglaubt-

tr„a r lMi-

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