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Der Sonntagsbote. (Milwaukee, Wis.) 1906-1912, August 05, 1906, Image 7

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Das
Kind feines Herzens.
Roman von M. Neichen.
iForiietzung)
„Ein neucs Leben!" töi '.c cs wie
ein Echo hinter ihr, aber so schmerz
lich, so furchldar wehe. Da staut Graf
Hetzlar mitten ii Zimmer, uno trotz
der Dunkelheit tonnt Alera rkuinen,
daß sein Gesicht wie von wildem
Schmerz Surchlodl war. „G-'h- nur",
sagte er. „und beginne ein
bcn! Vergiß mich, wirf mich zur Seite
wie in abgetragenes Kleid."
Alexa eilte auf ten Lattr zu. „Wir
magst Du nur jo rollen. Papa! Sind
wir uns nicht alles?"
„Ja, ja, Kind; das heißt: Tu bist
mir alles." Tann fügt er milder hin
zu: „Verzeih'!" Seine Augen hafte
ten mit heißer Zärtlichkeit auf 'rein ju
gendschönen Antlitz, das sich an seine
Brust gebettet; mit fast schmerzhaftem
Druck umschlossen seine Hände die rosi
gen Finger des Kindes. „Ich glaubte.
Tu könntest mir mein Leben ausfüllen
und nun ..
„Tu redest ja, Papa, als wenn man
mir einen Heiraths-Anirag gemächt
hätte, wozu es doch hier nimmermehr
Gelegenheit gibt. Tu sollst sehen, Tu
freust Dich noch über das Talent, dessen
Entdeckung ich nicht Dir, sondern mir
selber dank."
Heßlar seufzte. „Wenn Du ahnen
könntest, Kind, was Du mir bist..."
Hastig abbrechend, verließ er das
Zimmer.
Aber als er einige Minuten später
die kleine Scene überdachte, kam es ihm
übertrieben vor. daß er gefürchtet
hat:-:. Sie ist mein!" wiederholte er,
„mit dem Geist und mit dem Herzen."
In der Frühe des nächsten Morgens
ließ Graf Heßlar den Lebrcr zu sich
rufen. Er empfing ihn bochmüthig und
kalt. „Ihr Brief", sagte er, „hat mich
überrascht. Ich glaubte, Sie würden
nach reiflicher Uederlegung von dem
Wunsche, meine Tochter kennen, ab
stehen. Wie Sie d:n entferntesten
Einfluß auf das Glück oder Unglück
meines Kindes gewinnen könnten, ist
mir wenigstens unklar. Nur eines
gebe ich Ihnen zu bedenken: Alepa ist
so vollständig mit ibrer Stellung als
Gräfin Heßlar verwebt und verlnüpft,
daß man ihr mit der Nachricht von ih
rer niederen Herkunft einen tödtlichen
Schlag versetzen würde. Wir sind
nicht das, als was wir gebvren, son
dern zu was wir erzogen -werben."
Nichts reizt einen leidenschaftlichen
Menschen so sehr. als die lalle Ruhe.
mit der ein Ueberlezrner zu ihm
spricht. In dem langen Blick, welchen
Johannes Gregor als einzig Antwort
gab, lag mehr Groll und Erbitterung,
als Worte tundzuthun vermögen. Ner
vös drehte er den Hut in den Hän
den.
Als koste es ihn Ueberwindung, be
gann Heßlar auf's neue: „Meinem
j Worte gemäß gebe ich Ihnen Gelegen
j beit, mein-' Tochter zu sehen un'd zu
sprechen. Alera bat bis auf den Heu
Ügen Tag keinen Musik-Unrerrickt ge
nossen. Wollen Sie denselben über
nehmen?"
Ueberraicht fuhr Gregor empor;
es schien, als lodere ein mächtiges Feuer
in seinen Augen auf, um gleich darauf
wieder zu erlöschen. „Ich will es!"
zogle er.
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. Lwerico Lo.< rr. V. vopx.iM isa-t.
„Und der Preis für Ihre Lnkur.
gen?"
„Herr Aras!" klang es so dumpi und
drohend von den Lippen des Mannes,
daß Heßlar unwilltürüch einen Schritt
zurückwich.
„Es ist gut", sagte cr mit der Hand
winkend. „Sie können gehen, Herr
Gregor."
Lhne ein Wort des Abschieds verließ
'rer Lehrrr das glänzende Gemach und
schritt mit auf dem Rücken gekreuzten
Handen über die mit Teppichen beleg
ten Cvrridoie und Treppen. Sein
Bück blieb an Len hohen, prächtig deco
rirlen Wänden der Eingangshalle bas
ten. Aus dem Getäfel ,'chaurcn Goel
frauen und ritterlich Herren herab:
die uralten Ahnen der Heßlar. Er
ballte die Faust gegen sie: „Verfluchte
Sippe!"
„Der Mensch beißt mich", sagte un
terdessen Gras Heßlar, „und -der Haß
eines niedrig stehenden Menschen rik
stets zu fürchten. Immerhin! Ein
Wur.'crr müßt: geschehen, wenn er Ein
fluß auf Alepa gewinnen sollte."
Heiler lächelnd begrüßte er das
jung Mädchen am Frübstückstisch, ihr
mitthttlend. daß der Musit-Unterricht
beginnen könne, sobald er für die An
schaffung eines Flügels gesorgt.
Uebrrglücklich tüßte Alexa seine
Hand.
Nach beerdigtem Frühstück bcschäs
tigte-Graf Heßlar sich damit, seine
Tochter zu unterrichten, und zwar be
standen die Lertionen, welche er ihr er
tberlrc. eigentlich nur in einer Unter
haltung über alle möglichen Ding:
Kunst. Theater. Umgangsformen,
Rase Erinnerungen. Psychologie und
! Philosophie, Mythologie uirb Religion
' — olle dies Zweig des menschlichen
l Wissens berührte er, ohn: sich an eine
Reibefolge zu kalten. Sr beleuchtete
sie in seiner subjectioen Manier sprach
stundenlang über irgend ein tiefsinniges
Problem, legte Alepa einige Fragen
vor. die er sich beeilte, selbst zu beant
worten, und redete sich dann ein, seine
Tochter wisse alles, was cr ihr vorge
tragen. Nichts wäre ihm verhaßter
gowei'en, als ein nach regelrechtem
Stundenplan abgetheilter Unterricht.
Sein eigener Bildungsgang war zu
nnregelmäßig gewesen, als daß er den
Segen res Aufbaues auf sicheren
Grund hätte würdigen können. Auf
diese Weis hatte er es dahin gebracht,
daß Alepa auf der einen Seite ein
weit über ihre Jahre hinausgehende
Welt- und Lebens-Anschauung, auf
der arideren aber ine sehr lückenhafte
Bildung besaß.
In gewisser Weise freilich hatt Heß
lar sein Z-irl erreicht: Alepa war in
ungervöhnückes Kind geworden, ge
macht, zu blenden und zu glänzen. Er
war dem Grasen gelungen, ihr einen
Theil jenes Geistes einzuflößen, welcher
das Leben mit „seinen eigenen Augen"
betrachtet. Nur hatte der geistreiche
Selbstling vergessen, daß bei einer
Frau das Gemüth reicher sein sollte,
als der Geist, dqß das Weib nur glück
lich macht mit dem Herzen.
Later und Tochter waren eben in
einer eifrigen Diseuffion über das
Verhältniß des Michel Angela zu Ra
sacl Sanzio begriffen, als gschah,ivas
auf Schloß Heßlar seit Jabr und Tag
nickt ooigek-mmen: der Diener reicht:
dem Grafen auf sildernem Teller n:
Lisi.-mtarie.
H:ßlar nahm sie gloichgüttiz auf und
las den Namen. „S'est dritte", sagte
cr, um von dem Diener nicht verstau
d.n zu werden, „c'est trole. j'ai pensr
qu'il ne revienbrait jamais ..„Wir
werden -wohl nicht umhin können",
fuhr er fort, Alera dir Karte reichend.
Dann sprach er zu dem Diener ge
wandt. „Führen Sie den Herrn
Major zu uns lserauf."
Als sie allein waren, Katschte das
junge Mädchen in. die Hände. ..Alle
meine Wünsche gehen in Erfüllung!
Nock b.ute Morg.n sachte ich. wie
hüosch cs sein müsse, wenn der junge,
galante Onkel einmal zu uns auf Be
such käme. Freust Du Dich denn gar
nick!, Papa?"
Heßlar sab finsterer aus als je. „Ter
bloße Äetanke an Besuch ist mir schon
verhaßt, Kind. Sin Mensch, ver nicht
in unser Leben hinein gehört, folglich
auch nickt hinein paßt, ist überall „de
trop". Wenn man sich glücklick in das
Unvermeidlich getunten, reist er na
türlich ab ui.d läßt im allerbesten Fall
einen leeren Platz zurück."
„Ah, bah!" lackte Alera. „Wir ba
ben so wie so immer leeren Platz in
dem großen Schloß."
Evwar'ungsvoll wende! sie ihr la
ckendes Gesichlcken der Tdüre zu.
welche eben von dem Diener nt den
anmeldenden Worten geöffnet wurde:
„Herr Major von Heßlar."
„Eine unerwartet Ehre!" sagte der
Graf kühl, die-Hand nach flüchtiger Be
rührung aus der seines Bruders
ziehend.
Das Unhöfliche dieser Begrüßung
war so poierttrt. daß der Major zö
gernd stehen blieb; allein Alera ließ
ibm keine Zeit, beleidigt zu sein. „Al
les Unerwartete hat doppelten Reiz!"
rief sie. lebhaft nätrr kommend. „Ich
finde es höchst liebenswürdig von Ih
nen, daß Sie uns in unserer Einsam
beit auspichen, „cher oncle."
„Meine Tochter ist noch ganz Kind",
sagte der Graf. müde in seinen Srssc!
zurücksinkend urid dem Gaste den gegen
überstehenden amveisend. „Noch ge
stern Rrsicherie sie mir. nichts auf drr
Welt sei ihr lieber, als die Einsamkeit
in meiner Gesellschaft und heute so!
Tie erinnert mich an di Erfahrung,
welche meine Jugendstudien mir ein
brachten: alle Töchter Eva's sind un
berechenbar."
Das sollte wie Scherz klingen; allein
der Major, fühlte nur den Mißmuth
über seine Ankunst heraus. E: stand
auf. „Einige Minuten unter vier Au
gen werden mir genügen, Dir zu sagen,
was ich gern persönlich ausrichten
wollte. Danach werde ich eilen. Tick
von meiner Gegenwart zu befreien,
mein Brrrdrr."
Ter Graf war doch zu viel Gentle
man seinesgleichen gegenüber, als daß
ihn diese Ro:e nickt zur Besinnung ge
bracht hätte. „Du darfst meine Bemer
kung nicht persönlich nehmen", meinte
er halb entschuldigend. „Tu kennst
mich aus eigener Anschauung und „par
roncmmce"; daß ich ein Menschenfeind
bin aus Princip, kann Dir daher nicht
verborgen sein. Du siehst aus wie ein
Mensch der nie Leute zu nehmen ver
steht, wie sie sind, ich kann das nicht.
Wenn Du mich aber so nehmen willst,
so bist Du willkommen."
Ein bittender Blick aus den Augen
Alera's vermochte den Major, seinen
Platz wieder einzunehmen.
„Geh' jetzt auf Dein Zimmer. Kind,
und gib Jean den Befehl, die Gastzim
mer zu lüften."
Jnneilick! frohlockend über die end
liehe Abwechselung im todten Einerlei
ihres Lebens, verließ Alexa das
Zimmer.
Nachdrw. sie gegangen, saßen sie bei
den Herren imrnder schweizer gegen
über.
Endlich nahm der Major das Wort:
„Ich Haie mich freiwillig d.-r peinlichen
Lage, Dir ungelegen zu kommen, aus
gesetzt. weil ich dächte. Du würdest di
Versicherung, daß ich stets für die
Rechte einstehen iwerde, rrelcke Du Der
n:r Adoplivtochwr zu übertragen ge
denkst, nicht ungern persönlich ent
gennebmen."
„Für dies Rechte", entgegnet der
Graf stirnrunvlnd, hofft ick in einer
Weise Sorge zu tragen, daß kein Ein
stehen mehr nöthig fern -wird. Indes
sen ist r- mir lieb. Deine Gesinnung in
dieser Hinsicht zu kennen. J.b für mei.
nrn Theil gebe nichts auf die Bande
der Verwandtschaft. Für Alepa aller
dings könnt es späterbin angenehm
sein. einen Halt an Dir zu finden."
Das Auge des Grafen glitt während
seiner Rede prüfend über die (Malt
des Bruders. „Du bist Major gewor
den", sagte er jetzt ablenkend. „Ich
gratulier."
„Ich baute Dir."
Es entstand ein jener unliebsamen
Pausen, in denen man die Zeit (ärmlich
mit sckwkr>en Schritten durch das Zim
mer gehen hört. Der Gras sah vor
sich nieder, und Major von Heßlar be
sann sich ver, rbl'.ch. wober eigentlich der
seltsam schwüle Bann käme, der in der
Nähe de Bruders sich au? ihn legt.
Er hätte das Fenster aufreißen mögen,
so erstickend schien ihm die Luft
Vielleicht bedurft -es nur ein: Wor
tes, den unheimlichen Zauber zu lösen
eines Wortes warmer Herzlichkeit.
Einer Regung folgend, sprang er auf
und legte die Hand aus die Schulter
ves Bruders. „Alfred", tagt er, „Du
bist nicht glücklich—Du kannst es nicht
sein mit diesem ungerechrftrtigtenMn
schenhaß in der Seel. Womit hatx ick.
Dein einziger Bruder, das Mß
trauen verdient, mit welchem Du mich
betrachtest? Du hast es noch nickt
oeriuckt, wie es G an eine Bruders
Herz sich anzulehnen, an Treue glau len
zu lernen!"
Ah dieses wanne Gutmeinen,
aas frank und frei an ihn herantritt!
Der Graf möchte ihm gegenüber ein
geschlossenes Lisir zeigen, denn die Ge
wobndeit langer Jahre hält ihn in ei
lernen Armen. Dennoch fliegt vor der
Gewalt des guten Wortes irgendwo
in Riegel zurück: Gras Heßlar kann
nicht artdtrs, er muß das Auge zu dem
Antlitz des Brulders emporheben. Sr
siebt in diese lichtem, jetzt fast wei
chen Züge, und ein Srölmen entringt
sich seiner Brust.
„Ich könnte Dich liebem, Robert,...
ich könnte Dir vielleicht trauen. Aber
Du siehst der Mutter so furchtbar ahn
ltch Laß mich jetzt allein.... Auf
Wied-rsehen.... vielleicht beim Ti
ner."
Erschüttert verläßt der Major das
Zimm:r seines Bruders und begibt sich
nach 'den ihm angewiesenen Gemächern.
Gras Heßlar aber bleibt noch eine
Weile in Gedanken versunken sitzen.
Jeder Mensch, selbst der härteste,
hat sein sanfte Stund, und den Gra
fen trägt seine Erinnerung zurück in
eine Zeit, da er noch jm Kampf lag
mit dem finsteren Dämon des Men
schenbasses. 1-2 noch zuweilen die Sehn
sucht nach Liebe und Glück schmeichelnd
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an sein Herz trat. Er gedacht der
Stunden, da die Geschichte von dem
Erlöste der Welt,'der gestorben um der
Liede willen zu den Menschen, in über.
wältigende: Macht, in irrer ganzen un
endlich. Größe und Erhabenheit vor
seiner Seele gstanb:n. Damals ivar
er beinahe gewonnen: aber eine grell
Disharmonie klang durch >n Eooral.
„Du Narr Tu Mrnschdeil Erretter",
hatte Heine gottesälternd gesagt.
Heine tehielt Recht sei ibm.
Graf Heßlar batte es tief emz-fun
den, welche cinllngäck es ist. nicht glau
bl zu können. Deshalb hatte er
Atera glauben machen wollen: aber ein
Mensch, der nicht glaubt, überzeugt
nicht. Nach und nach war das Vorha
ben eingeschliimmrri.
Graf Heßlckr stand auf uno öffnete
ein Gesuch seines Schreibtisches. Er
erinnerte sich. daß er in der Zeit seiner
Jugend zuweilen di in ihm ringenlden
Gedanken niedergeschrieben; es schien
.ibm plötzlich interessant, einen Bück in
sein Herz von damals zu werfen.
Aus einer gvidverzierten Mappe
fielen ihm vergilbte Blätter entgegen;
einige enthielten Vers. Mit einem
Halden Lächeln hob der Gras sie auf;
es .war kaum glaublich, daß er geschrie
ben haben sollte. was da stand:
„Jegliches Versprechen leer!
User. Strand ward wilde Wüst!
Wirst das perlenreickn Meer
Mir nur Muscheln an die Küste?
Knietief stelle ich im Sand,
Hände b'.uiend, nachzugraben,
O'b die Klippe, ob der Strarro
Keinen gold'nen Boden haben.
Wenn des Glaubens Fahne sinkt,
Heil'ge Jugend, fahre, fahre!
Wer Ixn Kelch des Zweifels trinkt,
Lebt in einem Tage Jahre."
Und dann wieder:
Thränen sink gekommen, schnelle, heiße,
Ta ich einsam tief im Dunkeln wachte,
Ta ich in des Abends Todtenstille,
Müd' vom Thge, meiner Zukunft
dachte.
Liebe brauch ich, wie das Licht der
Sonne,
Ein Paar Augen, die sich zu mir
kehren.
Mich ermuth'gen mir den süßen
Glauben
An ken Hasen eines Herzens lehren.
Ged'n am Himmel dort die gold'nen
Sterne
Einer sinkt und schwebt in weitem
Bogen,
Wuntchersüller! Eine große Bitte
Ist empor zm Herrn der Welt ge
zogen :
Soll der Zweifel mich,,zum Wahnsinn
treiben?
Soll des Glaubens Glück ich ganz ent
behren?
.Laß mein Herz mir nicht, o Gott, ver
steinern,
Laß die Sehnsucht lieber mich ver
zehren ?
O, mein Gott, noch rollt di gold'ne
Stunde.
Noch ist's Zeit zur Seligkeit des Le
bens !
Ach ein Herz nur, eine Hand,
zwei Augen
Eine Seele nur! Sag' nicht: „Berge,
bens!"
Sprich nich!: „Selbstsucht läßt dich
also beten !"
Sei mein Vater ! Sieh', Du weißt,
ich darbe!
Ein Arhr nur, Gott! Ems Aehre
Nus der Fülle deiner Segenszarbe!
Nur ein Herz, Gott. von den tausenk
Herzen.
Die wie Wachs in deiner Hand sich
biegen.
Eine Seele und mein ganzes Leben
Soll als Dank zu deinen Füßen liegen.
Nimm dem Auge jen.n Blick der
Sckärfe.
Ter d-ie Sund' erschauet vor dem
Kuren,
Laß mich an der Härt: eig'irer Klug
heit
Nickn verdorren, Gott, und nich:
verbluten.
„Kindisches Jammern'" '.igle Gras
Heßlar un- stallt das Papier in Ser
Hand zusammen.
Auf einem zweiten Blatte standen
nur jen belannlen sranzösi-cken Bier
zeilen. welche der cyniiche Galgenku
mor einer üderi'ättigten Nation erfand
„Das ist schon besser!" meinte der
Graf. „Das kommt drr Wahrheit
näher."
, l -
73. Capitel.
Seit der Ankunft des Majors war
beinahe eine Woche verstrichen. An
fangs beabsichtigte er. schon am folgen
den Tazr abzureisen; allein Graf
Heßlar batte .xsagt, daß bie Amorsen
heit des Majors für Alepa eine Freude
zu sein scheine, und idn selbst „genire
sie nicht." Diese Einladung war schon
sehr herzlich in ihrer Art, und der
Major ergriff den Strohhalm brüder
lichen Entgegenkommens, nur um in
Alepa'S Nahe bleiben zu können.
Das Leben auf dem Schlosse ließ sich
einförmig genug an sürtden an die Zen
strenungcn einer Großstadt Gewöhn
ten. Tie Pferde waren nur Mangel
haft zugeritten, und Graf Heßlar hatte
die Jagd verpachtet, da jede körperliche
Anstrengung ihm zuwider war.
Den Strömungen der Zeit, hinter
ldenen ein Mensch, der nicht in der Nähe
der Pulsadern des Weltverkehrs lebt,
bekanntlich nur gar zu leicht zurück
bleibt, war der Graf nicht gefolgt. So
enthielt die Bibliothek die Romane aus
dem modernen Leben nickst, und 'sei
Major war eine viel zu aesuird Natur,
um auch nur ine Stunde Jean Paul
zu lesen, ohne dabet einzuschlafen.
Dis Angeln war der einzige Sport,
tvelchem er obliegen konnte. Angeln
ist beinahe eine so sinnende Besckästi
gong an bst Lectüre eines modernen
Romans. Die aufregende Frage:
„Wir er anbeißen? Kriegen sie
sich?" Angel und Fisch nämlich
spielen ein große Rolle hier wie
dort.
Robert Heßlar legte sich für die
Dauer der Unterrichtsstunden Alepa'S
mit der Leidenschaft eines EnglärlderS
aus's Angeln. Während er am Wasser
saß und das Schilf neben sich rauschen
hörte, schmiedet er tausend Pläne und
beschwichtigte mit süßen Borspiegelun
gen die Stimme der Vernunft, welche
ihm deutlich zuraunte: „Nicht um eS
gutwillig von sich zu geben, erzog Graf
Heßlar da Kind seines Herzens."
Selbst dies Stimme aber schwieg in
den Stunden, welche der Mäjor mit
Alera verbrachte. Wie verstanden
diese leuchtenden Mädchenaugen. dn
alten Jugendtraum erstehen zu lassen!
Wie machte dieser plaudernde Mund
den Mann zum Jüngling!
Bon seinem Bruder sah der Major
wenig, und, um 'die Wahrheit zu sagen,
bedauerte er es nicht Jenes Gefühl
der Herzlichkeit, des Mitleids, bas ihn
anfangs ergriffen, fand nicht Gelegen
heit, stärker aufzuleben. War er doch
7
Räthsel > Ecke.
AUrtlilvH
Siehi Vau voi dir I L. Lai' an:
Wae heißi die Ziadi, das 2., jener Mann?
,^r,lilenrutksel.
1 2 l! 4 ö 6 7 > t><> lÜ..militärischer kitel.
Schlüssel:
2 4 5 4 n>k
4 c> 7 6 l<> Muslkiiijirumeiil.
h i! 7 Nuppflan^.
7 4 7 ? 8 alte
8 r 4 I Min-ial.
!' V 4 4 6 l -'äh.
w 0 7 S S U) vget.
2lnagramln
Schon in dem grauen Alterthum
War ich sehr bekannt:
Ter Schüler ii Gymuosiuui
Nimmt auch jebr häufig mich zur Hand.
Vi>; rückwliris mich, und als ein Spiel
l'iedt mich die ganze Kinderwelt:
Doch werde ich gegessen viel.
Wenn man die Lettern anders stellt.
-r-1
Für Auslösung der obigen Räthsel ist
solgtnder Preis auSgeje-t:
Ein Eolumbia - Kalender.
Beider AnSloosung de Preise komme
nur solche Bewerber, die alle drei Räthsel
richtig gelöst und die Auslösungen bi zum
11. Aug. l!Wt>. ingeschickt haben, in
betracht.
Auslösung der Räthsel i> N, S
1.
Buchstab „p".
S. '
Beeren Bären.
S.
Siam —Blair.
Richtige Lösungen erhalten von: Le
Krorger, MrS. I. Zahlen, John Schnei
der.
Den Preis erhielt: John Schneider.
" >
augenblicklich auch zu viel mit seinen ei<
genen Gedanken beschäftigt, um ein sch
'dllstereb Raths! lösen zu wollen, wich
der Sharacler des Grafen S war.
Eben jetzt schlenderte der Major, iw
einen grauen Eivilem-zug gekleidet, des
Hag>ick in den sonnenbeschienenen Wes
gen des Schloßgartens umher.. Seinch
Blicke folgten Alepa. welche bald ernch
Polka hüpfend. bald nach
terling haschend, vor ihm her täne'
zelte. i
„Ich kann noch gar nicht begreifen,
das-, Tie wirklich der Bruder meineU
BaterS sind", sagte sie, vor ihm stehen
blrilen und Halo neugierig, halb lu
stig seine Züge betrachtend. „Es wird!
Ihnen gar nicht schwer, zu lachen, uckal
Papa braucht eine solch Zeit. bi r
sich dazu entschließt."
„Und doch sollte es ihm nicht schwe
fallen, wenn er Tie ansieht. .Petit
chatelaine."
„Gefalle ich ihnen wirklich. Onkel?*
fragte Alera ganz ernsthaft, ihren Arm!
in den seinen schiebend. „Sic sind doch
ein Mann der Welt; Tie wissen, welch
Anforderungen man an jemand stellt,
welcher salonfähig sein soll. Ich möcht
wissen, ob ich nicht ein jämmer
liches Fiasco machen würd: .wenn ich
jemals in jene subtile Atmosphäre triitr,
ivelcke man „unsere Kreise" nennt."
Tie bettelt um ein Kompliment,
dachte der Major; eine richtige Joch
! r Eva's! Dabei fiel ein so feurige
Blick seiner blauen Augen in ihr ein,
porgericktetes Geeichtesten, dass fie ihn
empfand, als habe ein zu greller Tirol
der Tonne ihr Lider zum Niedersim
ken gezwungen.
(Fortsetzung folgt.) '
Elsas, Lothringen. Dil
hoch.o. HH. Emil Linzer, Pfarrer von
Maria Hilf in Mülhausen; Isis
dor, Pfarrer an Tt. Josef fn Tvl
mar und Ernst Mathis, Superior in
Marienrstal, sind zu Ehrendom
herren ernannt erden. Die Lan
dtt-i.ersickeiung- Anstalt Elsas; Loth
ringen hat ren Bau eines Gcnesunge,
heinies in Breu ' chthal beschlns.
iIN. ' I-e aeistirgesiörre Ehefrau de
Fahrra: Händlers Möge! in Se se n
'n' 1 - :n ni,:!l von Irr
sinn il.iem 2jährigen Töchterchen mit
einem Rasirmesser di Kehle durch und
aerübt dann aus riejelb Weise Selbst,
mord. Hcchw. Hr. Pfarrer Müller
in Tüttlrnheim feierte sein Dia
mantenes Priesterjubiläum. Die
Psairlirch: in Gebw e i! e r soll durch
einen Thurm verschönert werden. —In
Ttil! farro-i.se teurliche Kinweihupg
dt- Lichlerberger-Brunn.nc statt, den
die Gemeinde zu Ehren ihrer Wohlthä
ters, des Bischofs Johannes 6. von
Lichtenberg (ILZ6 —1i '-r>) errichtet hat.
Gl: ich zeitig fand auch die feierliche
Eonseciation der Pfarrkirche statt.
Luxemburg. Die Pfarrkircli
in Esch a. d. A l z. wubre von Diebe
heimgesucht, di vom MuttergctteSbilde
di goldene Krone, das goldene Scep
ter uno goldene Schlüssel stahlen. De
Taternake! versuchten sie -ergeben zu
öffnen und auch der feuer und diebes
sichere Schränk in der Sakristei wider
stand it,r:n Anstiengungen. Bon den
Berübern rer Schandthat hat man
noch keine Spur. In einer Gallerte
der Grube „Galgmberg" ebenda wurde
der Mjähnie aus Holler (Elerf) gt
bürkige Bergarbeiter Jos. Schmitz sc
:inem abstürzenden Er,block erschlagen.
In Weirner k i r ch e brannte
das Nebengebäude rer Unternehmer-
Goblet gsnz ab. Tie Pfarrkirche in
KonSoorf wird gegenwärtig reno.
oirt und verschönert. In T a n-d e l
erlag der 76 Jahr alte Eigenthümer
und Ackerer Theis-Kellen einem
Sck'.laaanfall und an einem Herzschläge
starb in Blättert die Wittwe Pier
plötzlich.
rnnia„. rcursio
fahren im Milwaukee jede- Lnla, um
st ltO Übr vormiiiag, ach arme ab.
Rundfahrt 50c, j , °r,e!le
Tamplerliaie Deck No 68 Westwall
Ltratzr, relephon Grand 777,

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