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Der Sonntagsbote und der Seebote. (Milwaukee, Wis.) 1912-1922, October 20, 1912, Image 5

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Eoltcrs Hölle - Entdcckuug.
L-'crschollene: Blatt aus der Geschichte
rin berühmten Exvebition.
Tie denkwürdige Lewis und Elark
sche Forschnngs - Expedition, welche
der Präsident Jcfferson im Gefolge
des großen Louisiana - Landankaufes
1804 von der LudwizLstadt aus
westwärts sandte, hat auch manche
beiläufige Episode gezeitigt, von der
in den meisten geschichtlichen Darstel
lungen der Expedition nichts er
wähnt ist. Io auch die nachstehende,
die interessant genug ist, um nicht
ganz vergessen zu werden.
Zu den Leuten von Lewis und
Clark gehörte auch Jobn Colter. Er
hatte nichts von einem Gelehrten,
desto mebr aber von einem kühnen
und furchttosen Abenteurer, der gele
gentlich auf eigene Hand Seitenwege
einschlug odn vielmehr sich selbst
bahnte; denn von Wegen konnte in
der ungeheuren Wildniß, welche das
„Louisiana-Gebiet" damals größten
teils bildete, überhaupt keine Rede
sein.
Als im Jahre IA)6 sich die For
schungs- Partie von der westlichen
Küste wieder nach St. Louis zu
wandte, da schlug sich Colter seit
wärts in die Büsche, und für mehrere
Jahre blieb verschollen. Er strebte
ab ganz allein nach den Quell-Ge
wässern des Missouri zu.
Vier Jahre darnach tauchte ein
ganz zerlumptes, verwittertes Indi
viduum in St. Louis auf. mehr wie
ein Indianer, als wie ein Weißer
aussehend, und behauptete steif und
fest, oaß e'. John Colt sei und zu
der obigen Expedition gehört habe.
Es gelang ihm schließlich, für die
letztere Angabe Glauben zu finden,
" über die Geschichte jedoch, welche
er von sein einsamen Forschung zu
erzählen hatte, entstand nur ein all
gemeines Schütteln des Kopfes; wer
ihn nicht für einen Aufschneider hielt,
der betrachtete ihn als übergeschnappt.
Colter erzählte nämlich, er habe
eine Stätte entdeckt, von welcher er
nicht anders glauben könne, als daß
es die Hölle sein müsse, obschon er
die Verdammte und Se. gehörnte
Majestät nickt gesehen habe. An vie
len Stellen sei Dampf au? der Erde
gekommen, kochendes Wasser sei hoch
auf zum Himmel gesprungen, unterm
Boden müßten lauter Teufels-Oefen
gewesen sein, und Schwefel u. andere
diabolische Gerüche seien emporgestie
gen.
Unaufhörlich plauderte Colter
von diesen unheimlichen Wundern,
und er fand auch Zuhörer genug, aber
keinen einzigen Gläubigen. Vielmehr
lachte Alles über „John Colter's
Hölle", die indeß als amüsantes
Märchen berühmt wurde. Als solches
wurde sie noch lange darnach gele
gentlich zum Besten gegeben: das war
aber auch Alles, und schließlich war
sie beinahe „versunken und vergessen".
34 Jahre darnach aber entdeckte
der bekannte Späher Bridger jene
Stätte aufs neue, und obwohl er sie
nicht eine Hölle nannte, bestätigte er
sonst alles, was John Colter über
sie gesagt hatte. Sie ist seitdem das
Ziel viel Tausende von Sommer-
Touristen und die Bewunderung der
Welt geworden, und Onkel Sam hat
ihre Umgebung noch verbessert: Ist sie
doch werter nichts, als d Dellow
stone - Nationalpark!
Stierkämpfc in Petersburg.
Eine riesige Arena dafür im Bau be
griffen.
Man berichtet aus Petersburg: 40
Stiere, 18 Toreadore und 40 Mata
dore und Pikadcre sind von Spanien
aufgebrochen, um den Petersburgern
Lust und Liebe zum Stwrkampf bei
zubringen. Eine englisch-französische
Gesellschaft baut am eleganten Ka
inenostrowski - Prospekt ein riesige
Arena, wo 6000 Zuschauer auf gedeck
ten Plätzen sitzen werden, während die
2000 Quadratmeter große Arena
offen liegt. Die Unternehmer liaben
das Gelände auf vier Jahre gepachtet.
Die Vorstellungen können natürlich im
Winter nicht stattfinden, sollen aber
auch im Sommer ausgesetzt werden,
weil dann das „schipe Publikum", auf
das man wohl hauptsächlich rechnet,
verreist. Es bleiben zwei kurze Spiel
zeiten im Frühjahr und im Herbst.
Die ämpfe werden in der theatra
lischen Ausmachung ein treues Abbild
der echten Corridas geben, ihrem
Wesen nack freilich recht verschieden
sein. Der Tiersckutzverein hat bei der
Polizei durchgesetzt, daß die Stiere
nickst getödtet werden dürfen, sondern
daß der Sieg des Toreadors nur
markiert wird, wie dies bei den Stier
kämpfen in Südfrankreich üblich ist.
Wahrscheinlich werden auch die Hör
ner der Tier umwunden werden, wie
irr Portugal, wodurch das widerliche
Schauspiel aufgeschlitzter Pftrdeleiber,
das den unleugbar mächtigen ästheti
schen und sportlichen Eindruck des
Kampfes zwischen wilder Kraft und
eleganter Geschicklichkeit nur beein
trächtigen kann, verhindert wird.
Freilich sinkt auck damit die Gefahr,
der sich die menschlichen Mitspieler
aussetzen, und die atembeklemmendr
rohe Erregung der zuschauenden
Menge wird gedämpft. Für das
Fleiersburgrr Publikum wird dies
gewiß eine Enttäuschung bedeuten,
denn die Unternehmer müssen haupt
sächlich mit den Be'uchern der kleinen
Bühnen rechnen, wo sich allabendlich
vor dicktgedrängiem Haus schwarz
uro weiße Ringkämpfer fast zerflei
schen. Tie urrgemilderteir spanischen
üerkämpfe können die schlummende
Alm girr nicht stärker aufpeitschen, als
diese Roheiten, bei denen dazu noch
Menschen und nicht Tier geplagt
werden: di „Corrida zweiter Güte"
ist im Vergleich damit ein recht harm
loses Vergnügen. Grade darum darf
man an ihrem Erfolg in Petersburg
zweifeln.
Ein Schlaumeier. Mut
ter: Siehst du. Hugo, dein gleichal
ter-g Bett Hans ist dir in der
Schule einen ganzen Kur vor; au,
was sagst du dazu?
Hugo: Man soll nickt neidisch sein.
Mama, da fasst d ja immer!
Für ud gegen Nüsse.
Als Ersah für Fleischnabrung dock von
Seit dem Aufrauchen d vielen
Gesuildheitsspeifcn - Schwärmereien
hat ma den Nüssen in den betreffen
den Kreisen einen größeren Wert bei
gelegt, als jemals zuvor, da man die
selbe nebst den Bohnen und den
zwischen beiden Gattungen stehenden
Peanuts als eine ausgezeichnete
Ersatz - Speise für Fleisch betrachtet,
daher auch gerne als direkte Nach
ahmung von Rind- oder Puter-Bra
ter usw. verwendet, für Leute, welche
trotz alles Glaubens an das Evange
lium des Vegetarismus wenigstens
eine „fleischliche" Illusion noch ge
nießen wollen.
Und es ist auch nicht schwer, theo
retisch zu beweisen, daß Nüsse ein vor
züglicher Ersatz für Fleisch als
Hauptspeise seien, soweit der bloße
Reichtum an Nährstoffen in Betracht
kommt. Enthalten sie doch Fette,
Stärke und auch Proteide, dies not
wendigsten Stoffe zum Aufbau des
Körpers. Schade nur, daß es nicht
auf den Nährstoff allein ankommt,
sondern dies auch in einer Form
und Zusammensetzung geboten wer
den muß. welche eine leichte Aufnah
me in das körperliche System und
eine vollkommene Vereinigung mit
demselben (Assimilierung) sichert!
Soweit sie diese Eigenschaft nicht hat,
ist die Nahrung in ihrer praktischen
Wirksamkeit nur Belastung.
Und das Fleisch der Nässe erman
gelt zu einem gross- ' 'Ter un
erläßlichen Bed:>- ttlich
chemischen Uni:' Ver
gleichen wurde '.ckert
Hutchison und -iwrt,
daß zwar dreißig g:e :. ffe so
viel Fett enthalten, wie 2>, Pfund
ziemlich magercS Rindfleisch, daß
jedoch schon 2 drei Fünftel Unzen
Rindfleisch jenen an Proteid-Gehalt
gleichkommen. Und Proteid ist von der
größten Wichtigkeit für die vollkom
mene Aufnahme der Nahrung in das
System; wenn es in einer Speise
weniger vorhanden ist, muß eben ein:
ergänzende Speise hinzutreten.
Nach sachverständiger Schätzung
müßte man jeden Tag etwa 700
Walnüsse essen, um die für den Kör
per benötigte Menge Proteid zu er
halten. Wer hat dazu Lust? Selbst
ein „Preisfresser" wohl nickt. Und
man würde, wenn Solches überhaupt
anginge, damit zugleich vielen, mehr
oder minder schädlichen Ballast dem
Körper zuführen. Die? gilt in ent
sprechendem Maße auch von einer be
scheidenen Quantität Nüsse, weshalb
man es sehr zweckmäßig erkannt hat,
irgend eine Speise, die eine abschwem
mende Wirkung bat. mit zu genießen,
wie Trauben, Aepfel oder anderes
frisches Obst, oder auch leichtes grü
nes Gemüse und Salat
So beliebt auch die Nüsse schon in
den ältesten Zeiten waren (batte doch
z. B. König Salomo seinen eigenen
Walnuß-Garten), so wurden sie auch
> damals hauptsächlich als Dessert
speise benutzt und gewöhnlich zusam
men mit Feigen genessen. Dies sollte
zunächst den Zweck haben, die Kolik
zu verhüten, und Feigen wurden als
die beste Gegengabe für das „Gift"
der Nüsse angesehen. Die moderne
Forschung weist allerdings die An
nahme, daß Nüsse ein Gift enthielten,
zurück, obschon es eine Tatsache ist,
daß das scharfe Oel manch Gattun
gen roher Nüsse Vielen nicht bekommt.
Im klebrigen war das Prinziv, das
jenen Gepflogenheiten zugrunde lag,
ein richtiges.
Sicherlich haben die Nüsse soviel
Nährwert, daß ihnen nicht der letzte
Platz in der Diät zukommt. Aber
zu einer Haupt speise eignen sie sich
nicht. Sie gehen, außer mit den ge
nannten. noch mit allerlei leichteren
Speisen gut zusammen. Im Mahl
zeit - Dessert haben sie ihre Glanz
rolle. besonders mit Kaffee und
„Crackers", doch ist es dabei am besten,
sie in der Schale aufzutragen, damit
sie langsamer und mäßiger gegessen
und gut gekaut werden. In Verbin
dung mit Bratenfleisch und sonstigen
fettigen Speisen sind sie gar nicht am
Platze, wie die Rebellion der Verdau
ungs- Organe bald zeigt. Und gar
manches Magenweh von Kindern läßt
sich direkt auf das Essen von Nüssen
zur unrechten Zeit und in unrecht
Weise zurückführen!
Neuer Gräbrrschah.
Tie ll!!,cs,alle ci,g skvrhisiticn Für
sirn i RuHland esidcckt.
Die russische Archäolcgic ist noch
nie in einem Jahre so ich mit kost
baren Funden beglückt worden, wie
im letzten Sommer. Die eigenartige
.Kultur der zur Zeit d griechischen
Antike und noch früher in den sarma
tlschrn Steppen nomadistcrendrn oder
ansässigen Völker begründ es, daß
hier fast niemals umfangreiche Bau
denkmäler oder Städteruinen, son
dern meist Gräberschätze gefunden
werden, von denen die kostbarsten, dir
in d ganzes, Welt bekannt wurden,
in der kaiserlichen Eremitage in Pe
tersburg liegen, lieber de, Fund im
Gouvernement Poltawa wurde schon
berichtet. Nicht weniger wertvoll, min
destens in ästhetischer und wissen
schaftlicher Hinsicht, ist ein zweit
Gräbersckatz, der in der Nähr von
Woronesch bei der Erforschung eines
d dort häufigen vorgeschichtlichen
Grabhügel, der sogenannten Kuraan.
zutage trat. Nach dem Urteil des Ar
chäologen Makarenko bandelt es sich '
um das Grab eines slawischen Für
sten, der zwischen dem 7. Jahrhundert
v. Ehr. und dem 3. Jahrhundert
n. Ehr. dort beigesetzt wurde. Daß >
ein tausendjährig Spielraum an-,
gesetzt werden muß. mag befremdlich
scheinen, bei der immer noch spärli
chen Kenntnis der Geschichte jener
Völker aber ist es begreiflich^
Das wichtigste Stück des Fundes!
ist eine etwa 7 Zoll hohe sil- j
bervergoldeke Bafe mit Reliefdarstel- >
lringen ans dem sfytbischen Leben.;
die anßbalb Rußland Lberhauvt
nicht ihresgleichen hat und der auch
hier nur eine 1831 bei kk,sch und
Eonntagsbote, Milwaukee, Lormtag, 2ft. Oktober 1912.
eine 1862 bei Nikopol gefundene, die
beide in der Eremitage verwahrt wer
den, an die Seite zu stellen sind. Das
Grab war vermutlich mit Holz ein
gedeckt; die Decke fiel später ein. wo
bei die Vase leicht beschädigt wurde.
Außerdem wurden viele goldene
Schmuckstücke. Ringe und Schnallen
mit stilisierten Pferdeköpfen, ein gol
denes Kettcken. das vielleicht zu einem
hölzernen Ger'äß gehörte, mit vorzüg
lichen Darstellungen von Prerden,
Bären und anderen Tieren. Lanzen
u. dergl. gesunden. Die Finder
schenkten den Schatz dem Kaiser, der
ihn der Eremitage überwies, wohin
nach einem kürzlich erfolgten Beschluß
auck der Fund von Poltawa gebracht
werden soll.
Auch im Kreist Akkerman in
Vessarabirn ist jetzt zufällig ein
Schatz entdeck! worden; er ist ins 2.
Jahrtausend v. Chr. zu datieren und
enthält außer einer silbernen mit
Gold verzierten Lanze einige vorzüg
lich gearbeitete Werkzeuge aus
Nephrit (Jade), sodaß anzunehmen
ist, daß zur Zeit der Bergung des
Schatzes noch Erinnerungen an die
Steinzeit lebendig waren.
Knechtischer Gehorsam.
Eine prachtvolle Blüte russischen
Kadavergehorsams wird aus Riga
mitgeteilt: Der Polizeimeister der
Nishni Nowgorod Messe Uschakow
war vcr einiger Zeit im Hauptgebäu
de des Jahrmarktes in den ihm zu
geteilten Dienst- und Wohnräumen
im Begriff gewesen, ein Bad zu neh
men. Da ihn mitten in den Vorberei
tungen zum Bade eine Order des
Gouverneurs abberief, eilte der Po
iizeimeist fort und vergaß dabei,
den Hahn der Wasserleitung zu schlie
ßen. Die Wanne war bald überfüllt
und das Wasser strömte auf den
Fußboden, von wo es in die untere
Etage, in die Räume des Handels
hauses Keller durchsickerte und die
Waren durchnäßte.
Als die Angestellten des Geschäfts
hinaufeilten, um die Ursache der
Uebrrschwemmung festzustellen, bot
sich ihnen in der Wohnung des Poli
zeimeisters ein kurioses Bild: Bor
der Wanne, im Wasser, das den Fuß
boden bedeckte, stehend, befand sich ein
Schutzmann in strammer Haltung, der
mit klopfendem Herzen hilflos auf die
Ueberschwemmung blickte, dir sein
Vorgesetzter angerichtet hatte. Als
man ihn fragte, warum er ven Hahn
der Wasserleitung nicht geschlossen
habe, antwortete er: „Trine Hoch
wohlgeborcn haben den Hahn geöffnet
und mir noch keine Order erteilt, ihn
zu schließen. Wie kann ich, ohne den
Befehl des Herrn Pslizciineistcrs .."
und das Wasser strömte ruhig
weiter.
Die Firma Keller ließ aber die
Sache nicht auf sich beruhen. Sie
verlangte vom Jahrmarktskomitee
Schadenersatz für die durch Nässe ver
dorbenen Waren. Das Komitee ver
wies die Firma mit ihrer Forderung
(126 Rubel laut Resolution des Ko
mitces) an den Polizeimeister Uscha
kow, für den wieder der Gouverneur
von Nishni Nowgorod Chwostow ein
trat, indem er auf die Resolution des
Jahrmarltskomitees folgenden Ver
merk schrieb: Ich kann diese Forde
rung nicht bestätigen, da derartige
Fälle in den letzten drei bis vier Jah
ren häufig vorkommen und aus einen
Mangel an der Badecinrichtuna. nicht
aber quf ihre Benüutzng zurückzufüh
ren sind." (!)
Eine untergehende Jnsrl.
Wenn die Herbststürme toben und
das Meer bis in se:ne Tiefen auf
wühlen, dann beginnt eine Zeit der
Sorge für die Bewohner der Nord-
und Ostsee-Inseln an den deutschen
Küsten. Dann frißt und nagt in
der Nordsee der „blanke Hans" an
Düne, Deich und Hallig, und manch
Fuß breit Landes wird von den Wo
gen der tosenden Brandung ins Meer
gerissen. Wenn auch infolge des
Fehlens von Ebbe und Flut, die sich
zu Sturm- und Springflut steige-,
in die Ostsee die Gekahr des Land
verlustes weniger stark ist, so haben
doch auch an der deutschen Ostküste
Sturmfluten im Lause der Jahrhun
derte ihr zerstörendes Werk getrie
ben and Land und Leute in die
Tiefe gerissen. Ter stürmische West
wind der letzten Tage hat wieder
große Strecken fruchtbaren Landes
an der pommerscken Küste ins Meer
.geschwemmt. So wird berichtet, daß
von der bei Rügen gelegenen Insel
Hiddensee große Erbmassen in das
Meer gestürzt find. Auf lange Strek
ken ist das ganze Vorland verschwun
den. Auch aus anderen Orten kom
men Meldungen von ähnlichen Ber
wüstungcn, die dort aber nicht so ge
fährlich find, weil jene Orte nach
Land zu verlieren haben. Die Ins'
Hiddensee dagegen, die der Insel Rü
gen im Westen vorgelagert ist, ist stel
lenweise nur einige Kundert Meter
breit und ein dem Untergänge ge
weihtes Eiland. Bei der großen
Sturmflut im Jahre 1308 wurde sie
von der Insel Rügen losgerissen und i
har im Laufe d Jahrhunderte einen
Fuß Landes nach dem anderen dem
Meer abtreten müssen. Wie lange
wird es noch dauern und Hiddensee
wird wie Vineta nur noch in der
Sage leben.
Unter den Renntierbe
ständen im nördlichen Norwegen
wütet feit einiger .Zeit die Pest. Die
Seuche tritt besonders heftig in Salt
' dalerr auf und hat kort bereits meh
. rer tausend Tiere dahingerafft. Tie
! wurde aus Norrland In Schweden
eingeschleppt, wo sie seit mehreren
'Wochen wütet und ganze R-nntierher
dcn vernichtet hat. Unter den nomc
i visierenden Lappländern in den nörd
lichen Gegenden der skandinavischen
Halbinsel, die von der Seuche am
härtesten betroffen werden, ist bereits
eine Hungersnot ausaebrochen.
— Ironie. A.: Hörst Du.
mein Magen knurrt wir'n Hund."
B.: Wirst woll 'n Rollma ge
gessen haben."
Wcisse EKimvS.
Zur Entdeck des isländischen
scher Llesnnsssn.
Bekanntlich ist vor kurzem der 's
ländische Ethnograph Bilbialmcr Str
fansson, MMelsens Begleiter auf sei
ner Expedition von p-Z? nach dem
Beausortmcer. nach Abschluß seiner
fünfjährigen 'Fsrsckii'wen im polaren
Amerika in Seattle ang.-lanat. Sein
i.'assantestes ethncaraphisches Er
gebni-. ist die Entdeckung eines hell
farbigen, blcndhaariacn und blau
äugigen Eskimofiainmes aus Bikto
rialarzd nördlich ven Kap Beilen, der
äußerlich zu drei Vierteln eber Euro
päern als Eskimo; gleichen soll.
In seiner ersten Meldung über
diese Entdeckung, die im Oktober v
I. veröffentlicht wurde, batte Sie
fansson die Ansicht aeäußert, es könn
te fick utn Akckömm! me vcn Mtglie
dern der 1848 verunglückten Frank
linerervedition oder auch um selche
der skandinavischen rönländer bau
dein, die im 15. Jahrhundert vcr
schwunden sind. Jetzt hat Stelanslcn
die dritte Theorie aus-estel-t: ien:
Eskimos seien NiWwmmen der Ex
pedition Leis Ericksi- die Sprache
sei ztvar ein ESk----d'alekt, cnth rlte
aber auch norwegische Wörter. Was
von der Entdeckuna zu halten ist
Wird sich erst dann l-gen lasscn. wenn
Stefanssons Resultate im einzelnen
vorliegen. Vorläufst, sei indessen sol
gendes bemerkt: Da'' nickt alle Mit
glieder der bei B ast n ibres Rückzu
ges noch 106 Mann .äulenden Frank-
Imkrexpedition mn-ekommrn sind,
sondern daß eniiee unter den Eski
mos ihr Leben bEWessen haben ist
nicht unmöglich nick anst samn früher
ver,nutet worden - n- daß freilich
die späteren Franst nfucker. wie Hass
und Sckivatka. wen Beweis dakür
haben erbringen kennen.
Der Rückzug der Trsnklinlente iss
an der Küste der st n: William'!,!?
entlang nacki dem '.re'-en FFchrluß
vor sich gegangen: ck--'.b'n 'i'.-nen
bei der einreihend - D'szst-linlos'g
kert sich em'ge Lust? ast"End:rt ha
ben und westwärl- nach B tt"r a and
gekommen sein. D-z ab.-r d'e'e n"
rügen den Tykn cines arrßrn Etti
mystüinines von 2M-> d--r-, beern
sinh! habe" könrsten ist n'ck t anui
nehmen. Ob man wetterbin mit
e'nem M:s4r'NgSnrr>d':b! zwischen Es
kirnos und, den verlAuund: e° nur
männiscken Grönländ-rn zu tun bett
bängt eng mit der Frage ziita-'m-n
wie diese Grönländer ihren Ilniergang
funden haben.
Dr: grönlsindisckr'! Kolonisten ver
loren jede Verbindung mit der He'
wat um die Mitte des 1". Jghrhiin
d:rt. nd bei d r W echren'd'cknna
Grönlands waren sie nickt mebr
nur Siedelunqsruinm fand man. D'e
landläufige Ansicht ging lange Jakne
dahin die Kolonisten seien von len
fegenannten Skrälingern. den grön
ländischen äslimoS, ancpgrisfen und
ausgerottet worden. 2 ritte das zu,
so wäre es d-rnkbar. daß in Teil der
Grönländer sich nach W-sten gerettet
und t-ef im arktischen Amerika jenen
Mischlingsstamm herrorgernfen halln
könnte, wobei mit rätselhaft wäre
wie sie dorth'n gekommen sein, moch
ten. Aber Nansen b>! neuerdings
zttmlich einwandfrei nachgewiesen,
daß das Verschwinden der euroväi
schcrr Grönländer n'cktt gewaltsam be
wirkt worden ist, sondnn ledittich
durch ihr Aufgehen in der wesigrön
ländischen Eskimobevölkenmg.
Stnsanssons dritte Tbeor zieht
nun die Erveditioir Leis Ericks ns
heran. Dieser Leis war ein Sohn
Ericks des Roten, des Entdeckers und
ersten Kolonisators von Grönland,
und lebte um das Jabr 1000. Ihm
wird die sagenhafte Enideckung d:s
nicht minder sagenhasien „Winlan
des" zugeschrieben, eben aus jener Ex
pedition. die Stcfansson meint. Aber
er ist nickt in Winland geblieben, son
dern heimgekehrt, weshalb er mit sei
neu Leuten nicht bis ins .Herz des
arktischen Amerika gelangt sein und
da zur Bildung einer Mrschrasse Ver
anlassung gegeben haben kann. Man
sieht daraus, daß die Deutung der
sonderbaren weißen Eskimos Sie
fanssons ihre Schwierigkeiten haben
wird.
Radium und Edelstein-Farbe.
Zu den neuesten der vielen merk
würdigen Wirkungen des Radiums,
die man schon entdeckt hat, gehört
i auch sein Einfluß auf die Farben von
i Edelsteinen und HalL-Edrlsteincn.
Für die Betätigung dieses Einflusses
ist weiter nichts erforderlich, als diese
Steine längere Zeit der Bestrahlung
durch Radium-Salze auszusetzen.
Wie man auf solche Versuche zuerst
verfiel, ist nicht bekannt geworden.
Jedenfalls haben einige Ehemie-For
scher interessante Ergebnisse damit er
zielt.
' Sic brachten die Edelsteine in ein
! Schacht! mit ner kleinen Quanti-
tät Radium - Bromid zusammen
! und ließen sie einen Monat darin.
Nach Ablauf dieser Zeit waren fol
' gen'or Farben - Veränderungen an
j den Edelsteinen eingetreten: Weiße
. Farbe, oder auch Farblosigkeit hatte
, sich in Topaz-Gelb verwandelt. Blau
in Smaragb-Grün, Violett in
Saphir-Blau, Wernkarbe in schönes
Rubinrot, und ausdruckslos dunkle
Farbe in ein tiefes Violett.
Weitaus die besten Ergebnisse wur
den mit Saphiren erzielt. Ja, es
wird erzählt, daß der Juwelier, bei
welchem einige dieser Saphire gekauft
worden waren, nachher mit den Ra
dium - Edelsteinen" trotz ein vor
genommenen Prüfung zeitweilig ge
täuscht worden sei. bis man ihn sel
ber aufklärte. Es wäre nicht zu ver
! wundern, wenn tstese Idee ein viel
l fache Ausbeutung fände, um minder
! wertige Edelsteine in bedeutend höher
bewertete zu wandeln! Daß diese
Versuche im Großen ebenso gut gelin
gen würden, wie im Kleinen, kann
wohl fernem Zweifel unterliegen. .
Eine Merstrrsingerschule
bestand in Memmingen im Allgäu bis
zum Jahre 18S2.
Zahlrcichr Lvier.
Zai'emmensikvung der Bawi-rvdkv in
der deutschen Marine.
DaS bei den jüngsten Flotten
'Manövern stattgeftindenrn Unglück des
I Rutschen Torpedobootes „G 171" gab
Anlast zu einer Zusammenstellung der
Katastrophen in der deutschen Marine
sei' ',870. Düse Uebersicht gibt,
laß das tückische Element viele Opi
au§ deutschen Seemannrkreifen gefor
dert bat. Die erste große Kata
strcpbe nach dem .Krieg 1870 war das
Unglück des Panzerschufes Großer
Kurfürst, das im Jahre 1878 im
Kanal von Dover zugrunde ging.
Es kamen dabei 21 Leute um! 7
Jahre später wurde die Augusts",
die sich auf einer Reise nach Austra
lien bekand, das Opfer eines furcht
baren Sturmes in der Whr von In
dien, bei Samoa wurde der kleine
Kreuzer Eber" im Jahre 1889 von
einem Sturme an die vielen dort
befindlichen Nisse geschleudert und
ging mit der ganzen Besatzung zu
grunde. Diese Katastrophe forderte
!2 Menschenleben. Einen größeren
Mcnschenvcrlust batte die Katastrophe
des kleinen Kreuzers Adler" im sel
ben Jahre, bei der 20 Menschen den
Tod fanden. Im Jahre 189 star
ben 13 Mann bei dem Untergang de
deutschen Torpedobootes „8 41." 6
Mann wurden gerettet. Ein Jahr
später lzatle unsere Torpedofloitk ein
neues Unglück zu bttlagcn. da das
Torpedoboot 8 ;z" untersank und
6 Mann mit sich in da nass: Grab
hinabzcg.
In aller Angedenken wird noch dir
viclbcschriebknc und gerühmte Kala
strcpbe des deutschen Kanonenbootes
„Jitio" s.iii. die sich gleicherweise im
Jahre Idtttt ereignete. Dos Kano
nenboot wurde von dem Kaprtönleut
nant Braun kommandiert. Als cs
an der chinesischen Küste von Schar,-
tr.ng un.eAonk. brach! bekanntlich
der Kap'länlkutnant Braun 3 Hurras
ruf den Kaiser aus. in die die Mann
schaft begeistert einstm.mie. Unier
dem Gesang de? F!ag,c ttüdes gingen
7 Offiziere nr-d ckl Mann unter und
starben den Helden!.-: für das Vater
land. Ein Jallr sviirer ist wied-r ein
schwerer Verlust zu b-klagen. Er han
delt HR nu, dos storved-'-odt 8 26."
daS i-n Jalttc 1-79 sank nud bei dem
Vr Herzog Friedrich Wilhelm zu
Meckstnl'u-g - Schwerin mit 8 Mann
seinen Tod f" d. O)>ki Jahre später
würd' das Schulschiff „Gneisenau"
ein Opfer der Wellen bei Malaga,
und der Karptttenkapitän Kreisbniar
land dabei n it 2E Seekadttten seinen
lad. Neben einer Erplosion auf dem
ckreuz-r Blücher" ist noch ein großes
Unglück aus dem Jahre 1906 zu nen
nen. wo das Torpedoboot „is 126"
zugrunde ging. Ein Panzerschiff
überrannte das To-wdoücot und da
durch wurde eine Kesstterplosian er
zeugt, die den Verlust der gesamten
Meinnsbaft und d.o Torpedobootes
zur Folge hettle.
Ariczscniineriingkn in Nogi.
Ein Peter-burger Verickt.-rstaltk'.
der bas russiste Heer i dem Feld
zuge gegen Japan begleitet hat. er
zählt folgende Erinnerungen' ES
war in einer eisigen Märznächt 1900
Wir lasen in den Smützengräb-n am
Schahs und spähten nach den klein-n
gelben Teufeln aus, ',ie jeden Russen
von der Brustwehr bernnterpusteten.
der nur die Nase in den Bereich ihrer
Flinten steckte. Da donnert es nü
Posaunen des jüngsten Gerichts, e ne
Granate nißt das gefurchte Antlitz
von Mut! Erde hinter uns in tau
seid Fetzen und bespritzt uns vcn
obtn bis unten mit braunen Klum
pen. Das Ungetüm wird herbeige-
I.tleppt und betrachtet. Harte Ge
übter. die oft dem Tod ins Ange
m schau:, werden bleich: Wißt Ihr
wer vor uns steht? Ncgi. Der erste
Gruß einer Port Arthur-KanrNe.
Nicht das Geschoß, der rnhmgelrönte
schweigsame Held von Port Arthur
schreckte die kampfgewvhnten Männer
Wa raunte man von ihm im feind
lichen Heere? Seine leiden einzigen
Söhne fielen vor der russischen Fe
sluna, daS Gesicht des greisen Feld
marschalls blieb ehern wie zuvor,
llur einmal soll man ihn während
der langen Zeir der Belagerung ge
sehen haben, wie er in einsamer
Nackt zusammengebeugt in seinem
Sessel saß und die Tränen, die seinen
Augen entstürzten, mit den Händen
verbarg. Am Tage zuvor hatte der
zähe Feind seinem Ruhme wieder
Tausende japanischer Krieger geop
fert.
Julihitze! Um einen Waldsaum
Halen Kosaken, halbnackt, um in der
mandschurischen Glut nur noch da
Gewehr hallen zu können, gegen ja
panische Vorposten gerungen. Ba
jonette zum Sturm. Urra und Ban
sai schallt's durch dir duftenden Or-
chidcenbüsche. Der Gegner ist
schwunden, nur ein graubärtiger Un
teroffizier liegt im grünen Klee. Ein
großer schwarzer Fa.'Or gaukelt um!
die Rote Wund, wo ihm der Knsa- l
kendolch in den Leib fuhr. Und er
lächelt, lächelnd raucht er. auf di!
Bahre aus grünen Aesten gelegt, eine
Zigarette, kein Lant des Schmerzes !
bis dir Seele dem stählernen Herzen!
entflieht. Im Kreise entblößte Häup-!
ter und ein Flüstern: Einer von
Nogis Heldenschar.
Ein Droschkenkutscher
in Swinemünd, der mit seinem Wa
gen angetrunken zum Bahnhof kam.
breit von einem Schutzmann di
Anweisung, wieder heimzufahren,
kümmerte sich aber nicht darum.
ihn der Beamte nochmals aufforderte,!
ging der Betrunken: auf ihn 10. Der i
Schutzmann mußte, um sich zu weh-!
rrn. von seiner Waste Gebrauch ma-l
eben und versetzte seinem Angreifer
einen Tebelhirb über dem Kopf. Bald
darauf ist der Kutscher an de Fol
gen der Verletzung gestorben.
Aus Madagskar wächst eine
Pflanz, welche einen Karfein-freien
Kaffee liefert. Sie wachst in dm
Wäldern und di Eingeborenen nen
nen Le Marita ca.
tsicmrinnützissks.
: Kropfkrankheit bei Tau
sb :n. Am besten ist es. wenn man
' für sofortige Verdauung durch Einge
ben von Abführmitteln sorgt. Als
solche sind zu empfehlen: Ein Tee
löffel voll erwärmten Leinöles und
als Futter ölige Sämereien, wir Hanf
und Lein mit gequellten Weizcnkör
nern. In das Trinkwaff gibt man
etwas Glaubersalz. Gehl das Fut
ter nicht srinen natürlichen Weg, so
muß bei wertvollen Tauben zur
Okflnung des Kropfes geschritten
> werden.
I ,
j "sc>mme n g e i i ck ne t e Tü
ren ergeben oft durch eie untere
Spalte am Boben einen iniangerich
lncn Luftzug. Um ihn zu vermeiden,
nehme inan ein Stück Fries oder zu
sammcngefeilteten anderen Stoss,
schneide ihn io lang wie die Tür und
etwas breiter wie die Spalte, nabe
drei kleine Ringe daran (einen in der
Mitte, zwei an den Enden), hänge sie
saus drei unten in die Tür geschraubte
Häkchen, so daß die untere Kante des
Stoffes den Boden berührt. Wenn
' man den Slots st, der Farbe der Tür
wählt, so ist die Schutzvorrichtung
kaum bemerkbar und erfüllt sehr gut
! den Zweck, den Luftzug abzuschließen.
j StarkrsNa'' e n b l u t en lann
i inan sehr leicht stüstn, wenn inan in
seine Flasche re ms Wasser gießt und
jnnler kräftigem Schütteln 2 Gramm
, Chloroform vollständig d.rrin auslöst,
s Watte in r'.eie Lösung tau,: t
u. S in die blutend.' Nasenössnung
! suckt.
Nrn E<ike t t e n nn Blech
büchsen haltbar z kleben, v>:
! wendet man einen nach folgendem
l Verfahren heraestklltcn Klebstoff: l
s Gewich-zieile Borar löst man durch
: Erwärmen in 42 GewicktSteilen
Ä nsscr. setzt 4 GewicbtSleile bett
- oGEn Dextrin sowie 6 Gewichtsteile
- Glukose (Stärlesirup) zu. chlor
>, mrsicktia unter fortwährendem Um
> riibren bis zur vollständigen Lösung.
: roänzt da verdampfte Wasser und
ca-',: ein Gazeläppchen. Düst,,
i Tkl'n bält ßL lange, trocknet schnell
! und h.rset dauernd gut aus Blech.
> Eme Lösung von Gummiarabikum,
j welcher man etwas Glyzerin zugesetzt
s bat -mn.tt sich ebeissaliS ant zum
s'l:b:n von Papiersckildern ms
, Metall und Glas.
i Einen Parkettfußboden
lbohnern und täglich naß auswi
schen ist cin Unding. Entweder das
eine oder das andere. Soll der Fuß
Hoden täglich naß brhcindelt werden,
so muß er mit einem Lackanstrich
versehen werden, der das Aussehen
dos Parkclis jedoch nicht bccinträch
Üat, Als solch Lack kommt nur rin
spirituöser Fußbodenlack in Frage.
Gegen leichte Vrandwnn
den hilft ein sofortiges Auflegen
von dapvelkoblensaurem Natron, daS
m m lmcht anfeuchtet. Auch Betupfn
mit Salatöl lindert den Schmerz. Ist
die verbrannte Stelle ziemlich groß,
wirkt Beiiieichen mit ganz reinem
G.liucwn sehr gut. denn man vrrhin
dert dadurch das Entstehen derßrcind
l-laleu. die nach dem Aufgehen sehr
schmerzhafte Entzündungen hervorru
s>:n können. Auch gewöhnlich Haus
seife. die man geschabt, mit kaltem
Wasser zu einem Brei verrührt und
auf der verbrannien Stelle aufträgt,
ist ein gutes Heilmittel.
Dcr Goldfisch im Aq !a -
riu m. Man füttert den Goldfisch
am beste- mit Ameisenpuppen.Weiß
brot oder feingehacktem Fleisch, doch
soll man nie mehr von diesen Stof-
fen geben, als sofort von dm Fischen
verzehrt wird: es gehe mehr Aqua
ricnfischc an Ueberfütlerung als an
Nahrungsmangel zu Grunde. Eine
Hauptbedi'igung für daS Wohlbefin
den der Fische im Aquarium ist die
Anwesenheit von Pflanzen; sind sol
che nicht vorhanden, so muß das
Wasser öfter als sonst erneuert wer
den. Das Wasser soll nicht kalt
sein. cS soll annähernd die Tempc
ratur des bisherigen haben. Wenn
die Fische häufig an die Oberfläche
kommen und Blasen ausstoßen, so ist
dies ein Zeichen, daß sie frisch/s
Wasser benötigen. Goldfische wer
den bei richtiger Behandlung im
Aauarium nicht selten 10—18 Jahre
alt.
Do Waschen von Seide.
Seidene Sachen können in der Weise
auf neu gewaschen werden, daß man
sie mit Eigelb wie mit Seife behan
delt; dann in lauwarmem Wasser
reinwäscht, kalt spült und trocknet.
Ein Mittel gegen Holz
würmer, di sich in Möbeln auf
halten und dort fortgesetzt bohren,
besteht darin, daß man an dem Mö
belstück Teller mit Eicheln aufstellt,
und zwar in verschiedenen Höhen, so
daß die Tine dies leicht erreichen
können. Die Tier: werden nämlich
durch den Geruch der Eicheln veran
laßt, den Teller aufzusuchen, und kön
nen durch siedendes Wasser leicht ab
getötet werden. Das Verfahren ist
so sicher, daß in der Regel auch nicht
ein Wurm zurückbleibt. Trotzdem ist!
cs empfehlenswert, die Bohrlöcher mit
Kitt zu verstopfen, weil einzelne Tier
leicht verschleppt werden können, die
dann in den schon vorhandenen
Löchern ihre Wohnung finden, so daß
nach kurzer Zeit der alte Zustand wie
der vorhanden wäre.
In England starb die
ser Tage in hohem Alter der Kauf
mann Robert Jamison Adams, der
ein Vergnügen von rund ZIiO.OOO hin
terließ. In seinem Testament er
klärt er, er Hobe im Jahre 1873, also
vor nahezu vierzig Jahren, nach ein
Reihe unglücklicher Geschäfte mit sei
nen Gläubigern einen Zwangsaus
gleich schließen müssen, bei dem diesen
75 Proz. auf ihre Forderungen be
zahlt wurden. Diesen Gläubigern
nun hinterlasse er die Hälfte seines
Vermögens, damit ihnen noch jetzt die
restlichen M Prozent zuzüglich der
seit vierzig Jahren aufgelaufenen Zin
fen und Zinseszinsen ausgezahlt wür
den.
5
Für die Küche.
: Gebeizter Schweinebra
!ten mit Kräutern. Mar
! nimmt dazu ein schönes Stück aus
1 der Ku'e, schneidet die Schwarte und
! einen Teil des Fettes ab. legt oar
Flrisch in einen riesen Napf und
gib: zwei in Scheiben geschnitten
Zwiebeln, Pfeffer- und Gewürzkör
ner, ein Lorbeerblatt, ?.—4 zerdrückte
Aachholderbeeren. ein Sträußchen
> Salbei, Thymian und Basilikum, so
!wie etwas Salz dazu. Dann über
sieht min c? mit aufgekochtem, wie
!der vollständig ausgekühltem, nickt
>zri scharfem Essig und läßt das
Fleisch bei täglich zweimaligem Um
wenden 2 bis 3 Tage darin liege.
2 Danach wird es abgetrocknet und in
etwas zerlassener Butter in der
Pfanne angebraten. Nun füllt man
etwas van der durch ein Sieb gegos
senen Beize und etwas Wasser dazu
, und brät das Fleisch bei fleißigem
Begießen in, Ofen gar und saftig.
Die Sauce wird vom Bodensatz los
gekocht. dar,- mit in Butter ge
bräuntem Meß! seimig gemacht, und
mit N, Teelöffel Maggi-Würze im
Geschmack gekräftigt. Eine Brotkruste
diesem Fleisch ist srbr beliebt,
UNan stellt sie ber. inaein man fein
gestoßenen, gerösteten Zwieback mit
!l—2 gestoßenen Gewürznelken und
etwas Zucker vermischt, dies Mi
schung aus die Oberfläche des Flei
sches gibt, mit Bratensaft überfüllt
jund die Brotkruste im Ofen braune
j Kön i g sbe rge rKlo p S. Zwei
Schabefleisch und ein Teil ge
lalltes Schweinefleisch werden mit
jtuwr acb' !en Zwiebel, einigen fein
jg-wi-gtcn Sardellen. Pfeffer, Salz,
i einem in wenig kaltem Wasser zer
guirlten Ei und einer kleinen Por
tion geriebenem Weißbrot gut ver
mischt. Dann werden davon mittel
große Klöße geformt und diese in
leichter Fleischbrühe einige Minuten
nun nimmt man sie heraus,
gießt die Bouillon durch rin Sieb,
lügt ein Glas Weißwein, eine Prise
Salz. Zucker, einen Löffel Kapern,
ebensoviel Butter und die ausgekern
ten Scheiben einer halben bis ganzen
Zitrone dazu, legt die Klopse in die
Sauce und läßt das Ganze noch eine
Viertelstunde lang dämpfen. Kurz
vor dem Anrichten zieht man di
Sauce mit 1 bis 2 Eigelben ab.
Gchirnschnitten. Das gut
geputzte Kalbshirn wird mit kochen
dem Wasser gebrüht, 10 Minuten
darin gelassen, fein geschnitten oder
gehackt und in Butter gar gedünstet.
Altbackenes Weißbrot wird in Schei
ben geschnitten, zum Durchziehen in
etwas Milch gelegt, die Schnitten
dürfen aber nicht durchweichen; dann
läßt man sie abtropfen. Diese Schnit
te bestreicht man vorsichtig mit dem
Kalbshirn und deckt über jede be
strichene Schnitte eine unbestrichene,
so daß die KiAbshirnmasse in der
Mitte liegt, wendet die Schnitten in
Ei, dann in trockenen Brotkrumen
und bäckt sie in Butter gelbbraun.
Suppe von Steinpilzen.
Die Pilze müssen frisch und fest sein,
sie werden gut geputzt, in Stücke ge
schnitten, fünf Minuten mit einer
feingeschnittenen Zwiebel in Butter
geschmort, mit etwas Mehl be
streut, mit Kalbsknochenbrühe über
füllt und darin langsam weichgekocht.
Die Supp, wird mit Salz und Pfef
fer abgeschmeckt und mit Ei und
Sahne abgezogen. Vielfach würzt
man sie auch mit etwa gehackter Pe
terfilir.
Kartoffelsalat mit roten
Rüben. 2 Pfund Salatkartoffeln
werden, mit Zugabe von einem Löffel
Kümmelkörnern, in Wasser gekocht,
abgezogen und in Scheiben geschnit
ten. Ebenso viel gut gewaschene rote
Rüben hat man in Wasser gargekocht,
abgeschält, in Scheiben geschnitten und
mit den Kartosselscheiben gemischt.
Nun wird beides mit recht gutem,
mit etwa- Salz vermischtem Essig
übergössen und der Salat abge
schmeckt. Zu Rindfleisch sehr Pas
ftnd.
Eiersauc für Sülze. Ment
zerquetscht in einem Porzellnnnapf
mit rundem Boden ein hartgekochte
Eigelb, gibt 1 bis 2 rohe Eidotter
dazu, verrührt alles sehr glatt nebst
etwas Salz und ein Spur feinem
weißen Pfeffer, gibt langsam nach
und nach 3—4 Lössel Speiseöl und
4 Löffel saure Sahne dazu, schmeckt
nach Zucker ab, den man nach Belie
ben hinzufügt, und kann zuletzt mit
etwas Zitronensaft würzen.
Schwein - Filet mit To
maten. Je nach Größe ein bi
zwei gut zurecht gemachte, fein ge
spickte Schwein-Filets werden in gelb
gedünsteter Butter in die Bratpfanne
gelegt und auf beiden Seiten schön
bräunlich angebraten; dann fügt man
etwas st-dendkS Wasser und zerschnit
tenes Suppengrün (Petersilienwurzel,
Poree, Sellerieschribrn und Karoi
tenscheiben) dazu, läßt die Filets bei
fleißigem Begießen weich werden,
und gibt zuletzt ein paar Eßlöffel
Tomatrnmus dazu. Nach 7 bis 10
Minuten nimmt man die Filets her
aus. legt sie auf eine erwärmte Schüs
se! und stellt sie warm, während
man die Sauce entfett, durch ein
Sieb rührt, nochmal aufkochen läßt
und abschmeckt.
Beim Friedensrichter
des Londoner Vororts Tottenham er
schien dieser Tage eine Frau und er
stattete Verlustanzeige ihres Man
nes. Vergangenen Montag, klärte
sic, sei sie abends totmüdr von der
Arbeit heimgekommen und habe ihren
Mann auf dem Kanapee liegen gefun
dn. Sie habe ihm Vorwürfe über
seine Faulheit gemacht, da das Eß
geschirr vom Morgen noch ungewa
schen dastand. Er habe es auch ohne
Widerstand abgewaschen, sei aber
dann fortgegangen und nicht wiederge
kr innren. Na. er wird sich wohl noch
wieder einfinden!" tröstete sie der
Fricuensrichter. I wo, Euer Gna
den, der kommt nicht freiwillig wie
der. Dar ist er viel u fiat*

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