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Der Sonntagsbote und der Seebote. (Milwaukee, Wis.) 1912-1922, September 07, 1913, Image 7

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Tic Reise nach Jkarien. Z
Roman von H. Trichmonn.
(6. Fortsetzung).
Gerta schwieg und preßte die Lip
pen zusammen. So traten sie schwei
gend in den kühlen Hausflur und
wollten soeben die Treppen hinaufstei
gen, als das Dienstmädchen mit
Gläsern von oben kam und sagte,
die Herrschaften wären im Garten.
Es war kein so großer, schöner Gar
ten wie der Frau Langenscheit,
doch gavr Hne Menge Waldbäume
darin, weite sonnige Rasenplätze und
unter ein wunderschönes
Plätzchen fürMnen Tisch mit Sesseln
rundum. Obermeister Velten
saß in ÄNem 'Lehnstuhl am. oberen
Ende der Tafel, der kranke Fuß lag
eingewickelt auf einem kleinen Tabu
rett.. Die rundl'ch Hausfrau kam
den beiden gleich entgegen und führte
sie mit freundlichem Geplauder an
den Tisch. Gertas Blick flog umher.
Neben dem Hausherrn laß sein jun
ges, schlankes Töchterlcin, das jetzt
schelmisch knickste und dem Direktor
Platz machte. Weiter unten, vom
Schatten der Kastanien grün beleuch
tet, lehnt Martina mit kühlcin, stol
zem. Gesicht. Ihre Finger spielten
nervös mit ein paar langstieligen
Blumen. Sie schien gar nicht zu
den einfachen Leuten hier, nicht in
den schlichten Bürgergarten zu pas
sen. Weshalb sie nur überhaupt hier
war? Sie neigte den Ankommenden
flüchtig lächelnd den Kopf zu, nur
für Heide hatte sie ein helleres Lä
cheln. Gerta bemerkte es mit eifer
süchtigen Augen.
Neben Martina saß ein junger
Mensch, der hatte den gleichen, ge
waltsam kühlen, stolzen Zug im Ge
sicht. Er wurde Gerta als der Ma
ler Velten vorgestellt. Sie sttzte sich
zu den beiden kühlen, hübschen. Men
schenkindern und beantwortete freund
lich den Wortschwall der redseligen
Obermeisterin. Der Direktor stieß
mit seinem Glas an das deS Ober
meisters u'.Ü sagic: „Wohl be
komm's! Prosit! Ja, was machen
Sie denn für Geschichten, lieber Bel
ten? Heute gerade wollte ich die
neuen Maschinen aufstellrn. Was
macht ihr Fuß?"
„Nun, bis spätestens übermorgen
ist's wieder gut. Da komme ich wie
der in die Fabrik. Aber sagen Sie
mir aufrichtig: Versprechen Sie sich
einen großen Gewinn von den
neuen Maschinen? Mei:::r Ansicht
nach erzeugen wir viel zu viel Fut
terseide".
„Dasselbe sagte ich heute Fran
Langcnscheit. Loch sie will von '.vet
teren Neuerungen nichts wissen. Sa
gen Sie mir einmal im Aevtranen.
Belten, wie steht eS sonst eigentlich
mit der Frau? Hat. die ganze Fa
brik eine sichere GelLunierlage? Mir
kommt's oft so vor, eN stünde sie
nicht sehr fest. Diesen Eindruck hatte
ich bei meinem ersten Hiersein nicht.
Da widersprach mir die Frau in kei
nem Punkte und behandelte die Geld
fragen überhaupt ganz bagatellmä-
Belten zog an seiner Zigarre und
entfernte umständlich ein kleines, los
gelöstes Blättchen. Dazu machte er
ein geheimnisvolles Gcsicht. „Ja, da
mals! Das war eine andere Sache."
„Wieso? Es hat sich doch in der
kurzen Zeit nichts geändert, kann üch
nichts geändert baben".
. Nein, aber Frau Langenscheit
beule ganz bestimmte Hoffnungen und
Pläne. Die vernichtelen Sie selbst."
„Ich? Sie sprechen m Rätseln!"
Der Obermeister zuckte die Achseln
und wies zu Onkel Fritz hinüber, der
jetzt mit Fräulein Roü Mühle spielte.
„Der alte Herr könnte es Ihnen
bestätigen und viel mehr erzählen,
als ich. Er wird's aber schwerlich
tun. Er ist sehr abhängig. Ich
bin's ja eigentlich auch, und ich mochte
im Ernste auch mit Frau Langen
scheit nichts zu tun haben. Aber"
„So reden Sie doch, wir sind ja
keine Kinder", drängt; Heide.
„Nun", meinte bedächtig Velten,
„mit der Fabrik steht es, wie Sie
ganz richtig vermuteten, nicht, beson
ders. Tie Frau hat ganz eigene
Schrullen. Sie machte auch einige
verunglückte Spekulationen. Sie spe
kulierte auch auf Sie und Fräu
lein Martina. Die ist sehr reich
das wissen Sie? All das Geld
wäre dann der Fabrik zugute ge
kommen. Hätte sie eine Ahnung ge
habe. daß Sie verheiratet sind, Sie
hätten nimmermehr die Stelle bekom
men, auch wenn Sie noch so tüchtig
gewesen wären."
„Ach, darum die Auslegung bei der
Erwähnung meiner Familie. Und
Fräulein Martina war die mit
im Komplott?"
„Ich glaube nicht. Sie ist ja ein
sc viel umworbenes, schönes Mäd
chen die hätte sich vielleicht beson
nen. Wer weiß es." Beide schwie
gen, und Heide sah zu dem Mädchen
hinüber, dis noch immer teilnahms
los in Sessel lehnte. Wie schön sie
war. Wie wunderschön! Und dieses
herrliche Wesen hätte er sein nennen
können, wenn ob sie ihn gewollt
hätte? Wahrlich, ein herrlicher Preis,
ein lohnenSwertes Ziel, sie zu errin
gen. Freilich, wie ihr Charakter
war, das wußte er nicht. Verwöhnt
und selbständig jedenfalls. Aber daS
war nun einerlei. Er hatte ein Weib
und Kinder. Für ihn durste kein
anderes Weib mehr existieren. Und
er liebte Gerta ja auf seine Weise,
ruhig, sicher, so wie man ein Besitz
tum liebt, das einem niemand nehmen
taun. an das man sich im Lause der
Jahre-gewöhnt hat, daß man eS laum:
l mehr b'nchtet, weil eS immer oa ist.
Er sah zu Gerta hin. Die unterhielt
sich eifrig mir dem jungen Maler.
Nu standen die beiden auf, und
Gerta sagte zu Martina:
„Kommen Sie mit uns, liebes
Fräulein? Wir sprechen eben von der
schönen Aussicht, die man von dem
Hügel oben genießen soll."
Martina erhob sich und schlenderte
langsam hinter den beiden her. Wie
hatte sich alles verändert in drn kur
zrn Wochen. Selbst oer junge Ma
ler. Wie kühl er sie begrüßt hatte.
Kein heißaufleuchtender Blick mehr,
kein "ersteckter Händedruck. Oder
hatte nur sie sich verändert? Waren
ihre Gefühle anders geworden? Aber
sie hatte sich gesehnt, ja, sie wußte es
ganz genau. Erst gestern abend
mußte sich die Wandlung vollzogen
haben, als ihr Tante Ernestine er
zählte, daß Velten seine Cousine hei
raten wolle daß sie heimlich ver
lobt feien. Und Onkel Fritz hatte es
bestätigt. In seiner kindisch harm
losen Art erzählte er ihr Einzelhei
ten, die ganz sicher aus diese Annah
me schließen ließen. Nun, es war
besser so. Sie würde die kleine Ent
täuschung schon verschmelzen. Gin
nord Belten sollte nicht glauben, sie
trauen ihm nach.
Oben am Hügel blieben die Drei
stehen und sahen in das. noch vom
Sonnenlicht erfüllte Land hinaus.
Weit dehnte sich die Ebene. Hie und
da in rotaufglänzender Kirchturm.
Di. Felder jenseits des Gartens wog
ten leise im Abendwinde. Die Dorf
schwalbe strich darüber in lautlosem,
schwingendem Flug. Und aus der
anderen Seite das Schloß am Berge.
Gerta rief weich: „Wie schön, wie
wunderschön das ist. Das müssen
Sie doch malen! Wie beneidenswert
Sie sind! Könnte ich doch diese leise
Abendstimmung festhalten. Sehen
Sie, wie schwarz die Wolke dort
steht im lichten Himmel? Wie sie
schwer lastend über die Landschaft
zieht? Wie ein drohendes Geschick!"
Der Maler sagte ernst: „Ja, wenn
ich dieses Bild so malen könnte, wie
es vor mir steht und in meiner Seele
lebt, dann wäre ich ein berühmter
Mann. Und könnte nach dem Glucke
greisen. So aber rückt es immer
feiner, immer weiter . . . Gnädige
Frau, Sie wissen nicht, wie daS
brennt und schmerzt."
„Ich soll es nicht wissen? Ich
lride selbst daran. Es ist vielleicht
in allen Menschen die gleiche Sehn
sucht. Nur wissen di meisten nicht,
wonach. Und die anderen überhören
die Stimme im Sausen der täglichen
Arbeitsmaschine. Sie haben, gott
lob, keine Zeit, zu horchen. Aber ich
habe Zeit io viel Zeit."
Gerta brach ab. Was sagte .sie
da dem fremden Maler? Was würde
ec von ihr denken? Sic sah scheu zu
ihm hin. Dach sein Blick weilte dü
ster auf der Wolke, die immer größer
wurde und dunkel unk drohend das
schimmernde Zepter der Sonnenkö
nigin zu brechen schien. Leise begann
er: „Sie sagten vorhin, Sie sahen
einige Bilder vcn mir bei Herrn
Fritz. Ich schenkte si: ihm, weil sie
ihm gefielen und weil sie wertlos wa
ren. Sie kommen mir sehr wahr
haftig vor. Können Cie sagen, daß
Sie die Bilder gut finden?"
Gerta war peinlich befremdet. Sie
sollte ihre Meinung über die Bilder
äußern? Und aufrichtig? Das war
schwer. Sir sagte:
„Ich bin doch keine Kunstverstän
dige. Ich kann selbst nicht einen
Strich malen, irchder-i ich ungemein
viel Sinn ja Leidenschaft für alle
Schönheit empfinde. Ihre Bilder be
sitzen sicher Wert. Es liegt ein eige
ner Neiz über Ihnen. Etwas Ver
träumtes, Schleierhaftes. Nur man
ches ist zu schülerhaft ausgeführt.
DaS ist meine Me.nung."
„Da sehen Sie es. Sie sprechen
mein Urteil: Schülerhaft gewissenhaft
ausgeführt. So sagte wir inst auch
ein großer Künstler. Ich soll mein
Können aus ein anderes Gebiet rich
ten. Wo man Akkuratesse und Aus
führlichkeit braucht. Schade, daß sich
für mich nicht irgendein Kunstwäzen
findet, wie es in Nomanen immer so
herrlich beschrieben ist. Oder ein
v-rschwiegencr Freund, wie z. B. in
Jenseits „Jabres-kiten"."
„Der Bankier Grevcnhorst den klei
nen Maler Winnenpfennig?"
„Sie kennen den Roman?"
„Ja, wie überhaupt den ganzen
Jenseit. Ich liebe ihn sehr. Ken
nen Sie einen anderen Dichter, der
wie er die Landschaften schildert?
Verträumt in mittäglichem Zauber
die weiten, roten Heiden und die
grauen Stämme am Waldessäume?"
„Sie schrifistellern, gnädige Frau?"
„Ich? O nein. Wie kommen Sie
darauf?"
„Weil Sie so viel Verständnis und
solch scharfen Blick haben. Und sehr
hübsch sprechen. Sie sollten's ein
mal versuchen."
Martina war näher zu den beiden
getreten uno sagte höhnisch:
„Nun haben Sie einen Bewunde
rer gesunden, Frau Gerta. Herr
Belten wird sich in Ihrem Kunstver
ständnis gütlich tun. Bei mir kam
er nicht an damit. Ich Hobe keinen
Sinn für Bilder und Bücher."
„Aber, Fräulein Martina, auch
für Bückier nicht? Mir gehen sie uoc:
alles, alles. Ich vergesse mein Leid,
die Eintönigkeit des Lebens über den
Geschicken der Menschen, die da vor
niir lebend werden. Wie schön muß
es sein, selbst schaffend zu wirken."
„Sv tun Sie es doch! Haben Sie
noch nie versucht?"
„Hie und da wohl, aber nur für
mich. Wenn eine eigene Stimmung
wich erfaßt hatte. Aber mein Mann
siebd es nicht gern. Er nennt das
überspannt."
Ssnntagsbote, Milwaukee, Lonntag den 7. Sevteirrber LNI3.
Gerta wunderte sich über sich selbst.
Sie war sonst nicht so offen zu frem
den Menschen. Ader sie empfand ein
eigenartiges Gefühl des Bertrautseins
dem jungen Maler gegenüber. Eine
fast schwesterliche Zuneigung. Sie
verstand ihn so gut. und sie fühlte
ganz deutlich: ec hegte dieselbe Emp
findung für sie. Martina sah finster
auf die beiden und dachte: arme Rosi.
Er ist doch ein Don Juan. Jeder
neuen Erscheinung macht er auf seine
Weise den Hof. Aber ich kann eS
ihm vergelten.
Sie verließ die beiden auf dem
Hügel und ging zum Tisch zurück.
Dort wurde die Tafel zum Nacht
mahl hergerichtet, und Heide wollte
aufbrechen. Aber da sagte der Ober
meister energisch: „Sir bleiben hier
und schenke:' uns die Ehre. Die Frau
Gemahlin wird sicher einverstanden
sein."
„O sicher", sagte Martina spöttisch
und anzüglich und sah zu Frau Gerta
hinüber, die noch immer im ernsten
Gespräch mit dem Maler auf dem
Hügel stand. Heide sah verwundert
nach dem Paar. Doch er empfand
nicht die geringste Eifersucht oder
Angst. Er wandte sich Martina zu.
die sich ihm gegenüber setzte und ein
lustiges Wortgeplänkcl mit ihm be
gann.
Nach dem einfachen, gemeinsamen
Abendessen saß man noch bei einem
Glase Wein heiter zusammen. Mar
iina und Belten sprachen fast nichts
zusammen, auch ihre Äugen mieden
sich. Ter junge Male: saß zwischen
Gerta und Rosi und Kilte seine Auf
merksamkeit zwischen beiden. Onkel
Fritz fühlte sich wie immer sehr be
haglich in dem kleinen Kreise. Er
taute auf und erzählte aus seinem
Leben. Er hatt seine Jugend in
Breslau verbracht, und er meinte:
„Nie mehr bin ich seit meiner Ju
gend dort gewesen. Aber jetzt, die
sen Sommer, reise ich hin."
„Potztausend", rief der Obei Mei
ster, „haben Sie ein: Erbschaft ge
macht?"
„Nein, aber Martina hat den von
mir entdeckten Georgstaler untersu
chen und verkaufen lassen. Da habe
ich eine Unmasse Geld dafür erhal
ten."
Ginnord Belten sah Martina an,
und sein Blick schien Zauberkräfte zu
besitzen. Denn das Mädchen, das den
ganzen Abend seine Augen gemieden
hatte, wandte ihm nun voll ihren
Blick zu, und eine Minute lang sa
hen sich die beiden in die Augen.
Nicht zärtlich verlieb!, nein, düstere
anklagende Leidenschaft war es, die
aus beider Augen loderte. Da strich
Rost ihrem Cousin neckisch über das
Haar, und der Zauber war gebro
chen. Rosi sagte: „Wo hast du dei
nen Taler, Ginnord? Ich sah auch
einmal einen Georgstaler bei dir.
Zeig ihn!"
Martina sah gespannt auf den
jungen Maler. Doch der sagte kühl:
„Das war kein echter, liebe Rost. Ich
habe ihn wohl verloren. Cr war
vollständig wertlos."
Erblassend wandte Martina sich
um. Den Taler, den sie ihm in jener
letzten Stunde geschenkt, hatte er
achtlos verloren. Er war für ihn
wertlos. Sie biß die Zähne zusam
men, um nicht aufzuschluchzen. Wie
recht hatte Tante Ernestine. Maler
sind leichtfertige, schlechte Menschen.
Nie mehr wollte sie sich auch nur eine
Minute nach ihm umschauen. Voll
ständig ignorieren. Und freundlich
und herablassend sein, damit er nichts
merke. Und dem Fabuldirettor woll
te sie ein wenig den Kopf verdrehen,
er war hübsch sehr hübsch. Und
empfänglich für dergleichen. Frau
Gerta mochte unterdessen mit Herrn
Velten fürlieb nehmen.
Spät ging man auseinander. Ter
junge Maler brachte die Gesellschaft
aus der Fabrik noch rin Stück We
ges. Er ging wiedrc neben Gerta,
und er sprach ihr von seinem Leben,
das aus einer Kette von Kämpfen,
Leiden und flüchtigen Künstlersreu
den bestanden hatte. Gerta war daS
etwas so Neues, Fremdes, Reizvol
les, daß sie wie gebannt lauschte.
Und sie verstand den Mann so aut.
Es war ein bekannter Klang in dem
fremden Lebcnslicde. Sie hatte ja
ähnlich gefühlt, nur daß sie ein Weib
war, dessen Leben, von Kind auf
wohlbehütrt von Eltern- und später
Gattenlieb?, nichts von Stürmen
wußte, wie sie der junge Künstler er
lebt hatte.
Jetzt sagte Einnorv Belten laut,
daß es die vor ihm schreitende Mar
tina hören mußte:
„Das geht uns allen so. den Rei
senden nach Jkaricn. Sie kennen
diese Bezeichnung, gnädige Frau?
Das freut mich. Sie ist so treffend
für alle, die einem zu hohen Ziele
nachjagen und dabei verbluten müs
sen. Mir geht es in ;eder Beziehung
so. Ich erzählte einmal in einer ähn
lichen Mondnacht einem mir teuren
Menschen von oer Reise nach Jkarien.
Damals glaubte ich nicht im Ernste
daran, daß auch ich dazu gehöre.
Aber heute weiß ich es ganz genau.
Nun ich werde es verschmerzen und
mir neue Flügel machen."
Martina wandte sich um und sagte:
„Sie scheinen schon U.'bung darin
zu haben, Herr Belten! Und Sie
nehmen den Sturz immer zu leicht,
niemals geht es Ihnen ans Mark des
Lebens."
„Vielleicht doch einmal, gnädige
Fräulein, wenn auch nicht hier und
vor Ihren Augen."
Belten war stehen geblieben, um
sich zu verabschieden. Die kleine Ge
sellschaft stand am Stadtplatz, der
tief im Schatten des Rathauses lag.
Der Mond stand übe: dem Schlösse,
das über dem Städtchen hoch oben
thronte. Das bläuliche Licht füllte
die lange, gerade Straße und lag auf
den Giebeln der alten Häuser, di- alle
die Fensierauoen geschlossen hatten.
ES war eine lau, völlig, winostille
Nacht, di. Bäume standen reglos, und
weit aus dem Parke kam das leise,
süße Lied einer NachtigM,
Alle standen still öhn heimlichem
Zauber gehalten. Der nlle Onkel nur
trippelte unruhig umher. Es war
schon unverantwortlich spat, und er
hätte so gern seinen genauen Reise
plan-nach BreSlau entworfen. Heid
hatte seinen Arm in den seiner Frau
geschoben und drückt ihn leise an sich.
Eie weiche jugendlich Stimmung
überkam ihn plötzlich und er fühlte,
daß er seine Lebensgefähott doch lieb
hatte, wenn er auch es
vergaß. Das Mondlicht, die schöne
Nacht hatte sein Her- geweckt, hatte
ihm ein Lied von Jugend, Liebe und
Poesie in seiner Seele aufklingen las
sen, das er meist im Surren und
Sausen der Maschine überhörte
So achtete niemand auf das andere
Paar, das sich voll Feindschaft und
Leidenschaft ansah. Velten bohrte
seinen Blick fast haßerfüllt in den
des schönen Mädchens. Sie war ihm
ein Rätsel. Wie innig, wie vielsa
gend sie voneinander Abschied genom
men hatten. Und dann war sie ohne
jedes Lebenszeichen wochenlang fort
blieben. Er hatte oft Frau uan
gen'cheit gefragt, was sie von Mar
tins höre. Und es >rr immer die
gleiche Antwort: sic amüsiere sich herr
lich, wolle gar nicht nnhr in das alte,
langweilige Nest zurWehreu. Nie
ein Gruß, nie eine Zeile. Und heute
das Wiedersehen im Garten. Er hatte
gerade seinen Georgstaler innig be
trachtet. als sein Cousinchen neckisch,
wie immer, ihm denselben entriß und
damit forteilen wollte. Er jagte ihr
nach und gerade, als er sie auffing,
und einen Augenblick in seinen Ar
men hielt, kam Martina in den Gar
ten, blaß, mit bösen, trotzigen Augen.
Was dachte sie von ihm? Einen Au
genblick lang hatte ihn ihre offenbare
Eifersucht beglückt, doch dann hatte
er sich sagen müssen: es war Täu
schung, eine böse Laune, nichts weiter.
Denn sie behandelte ihn kühl, herab
lassend, wie einen lästigen Diener. Er
hatte sie reizen wollen, um noch in
mal diesen Blick zu sehen, bcr sie ver
raten hätte sie war nur noch küh
ler und fremder geworden.
Auch jetzt sprach sie nichts zu ihm.
Eine Weile ertrug sie stumm semen
Blick, dann wandte sie sich zu Frau
Gerta:
„Gehen wir nicht bald? ES wird
die höchste Zeit, sonst fangen wir alle
noch hier zu dichten an."
Heide lachte und reichte dem ernsten,
jungen Maler die Hand, indem er
sagte:
„Sie müssen jünger sein, Velten,
jung und fröhlich. Da läßt sich das
Leben schon ertragen."
Velten nickte: „Ich will's versu
chen, Hebr Heide, gute Nacht."
Er reichte allen die Hand und über
sah dabei wohl Martinas feine,
schlanke Finger die leise unter den
Kleidersalten hervorzuckten. Dann
wandte er sich rasch um und ging
durch die mondhelle Straße nach
Hause.
Gerta lag noch lauge wach. Es
war so hell im Zimmer und so warm,
bind immer tönten ihr die Worte im
Ohr:
„Sie schriftsiellern nicht? So ver
suchen Sie es einmal!"
Es schwindelte ihr förmlich bei dem
Gedanken. Schriftsteller,:? Wie
hatte sie von Jugend auf die Dichter
bewundert und beneidet. Besonders
die dichtenden Frauen. Die sagten
alles, gaben ihre innersten Gedanken
und Gefühle preis, schufen Menschen
schicksale und sahen tief, tief in Her
zen und Seelen. Und viele tausend
Menschen lasen dann die Worte, lit
ten und lebten mit, gingen auf im
Schicksal anderer. Und das sollte sie
versuchen? Herzklopfend richtete sie
sich im Bette auf und sah zu ihrem
Manne hin, der schon tief und fest
schlief. Was er dazu sagen würde?
Er haßte blaullrümpfelnde Frauen,
wie er ihr oft gesagt hatte, lind nun
sollte gar seine eigene Frau schreiben?
Sollte zu dem Hee,e der Blaustrümpfe
zählen! Leise schauerte die junge
Frau zusammen. Die Stille der
Nacht lagerte sich schwer auf ihre
Sinne. Sie fühlte etwas heranna
hen, das wie Unglück, wie drohendes
Leid aussah. S! drückte ihren Kopf
fest in die Kissen und schluchzte leise.
(Fortsetzung folgt.)
Ein Spir i t i st. „Kellner!
Einen Kognak! Aber erst nehme Sie
oas Tintenfaß vom Tisch. Zwei
geistige Flüssigkeiten sind für einen
Menschen entschieden zu viel!"
Auch Spiritist. „Der
alte Lehmann soll jetzt gar mit Gei
stern umgehen?"
„Ja, aber nur mit flüssigen!"
Unsere Dienstbote
Dienstmädchen (bei der Entlassung):
„Gnä Frau haben mir ja nur ein
Jahr ins Dienstbuch eingetragen; ich
denke: Kriegsjahre werden doppelt
gerechnet?"
Ein Goldfisch. Kauf
mannsgattin: „Den fünften Heirats
antrag hat unsere Rosa in dieser
Woche schon bekommen!"
Gatte: „Muß also doch Wohl et
was durchgesickert sein von meiner
bevorstehenden Pleite!"
kn kaut terrible.
Onkel (auf Besuch): ..Komm, Karl
chen, wir wollen eine kleine Kahn
partie machen "
Karlchen: „Aber wenn der Kahn
umkippt?"
„Dann setzt Du Dich auf meinen
Rücken, und ich schwimme mit Dir
ans Land."
„Aber Papa sagte doch gestern:
Du kannst Dich nicht mal allein
über Wasser halten!"
Kindliche Logik. Willy:
„Dein kleines Brüderchen sieht aber
recht blaß aus!"
Ella: ..Kein Wunder, sie geben ihm
ja auch nichts weiter als- Milch zu
trinken."
Die Mutter.
Skizze von Srik Juel.
Frau Günter gehörte zur alten
Schule und wollte keinen Hut tragen.
Nicht, daß sie mit bloßem Kopf ging,
nein, nach guter alter Sitte knüpft
sie sich ein Kopftuw um das graue
Haar, und das erregte Aergernis.
Obwohl das Tuch aus Seide war.
denn dazu hatte sie jetzt oie Mittl,
so gut hatte unser Herrgott es schließlich
für sie und ihren Hjalmar gelenkt.
Ja. es war wirklich wunderbar, wie
der liebe Gott über sie gewacht und
alles zum Besten gewandt hatte. Wsi
schlimm hatte es damals ausgesehen,
als si als - Witwe zurückblieb mit
dem kleinen Hjalmar. Ja, damals
vor vierzig Jahren.
„Du lieber Gott, ja, ich stand so
gut wie an der Schwelle des Armen
hauses, denn ich war krank und
schwach, und Hjalmar war so klein,
daß er noch kaum auf seinen Beinen
sieben konnte, und ich Arme hatte
niemand, bei dem ich Hilfe suchen
konnte, stand allein und verlassen da
mit meinem Kind . . ." so pflegte die
alte Frau Günter immer wieder zu
erzählen, wie sie Witwe geworden und
Hjalmar noch so klein war, daß er
kaum auf den Beinen stehen konnte.
Aber nun war Hjalmar groß,
über vierzig Jahre alt und war so
eben Oberlehrer geworden.
Die ganze Stadt wußte ja, daß
er „von lleinei' Leuten" abstammte.
Die Verständigen kümmerten sich gar
nicht darum, die einigermaßen Ver
nünftigen meinten:
„Nun, das beweist ja, daß er Be
gabung besitzt," und die anderen
daS will sagen die meisten hielten
es für einen Mangel bei ihm als Ge
sellschastsmenschcn und möglichen
zukünftigen Schwiegersohn.
Aber man hätte es vergessen oder
doch so tun können, als habe man
es vergessen und Nachsicht geübt, sag
te die Frau Konsul, wenn nur das
nicht gewesen wäre, daß die Mutter
noch mit einem Kopftuch ging.
Hätte Frau Günter ihr graues
Haar unter einem großen Hut ver
borgen mit wallenden roten oder grü
nen Straußenfedern oder einer an
deren gleich feinen Garnierung, wenn
sie am Sonntagvorrnittag nach und
aus der Kirche ging, das Gesangbuch
und das Taschentuch in den Händen,
es härte nicht so großes Aufsehen er
regt, wie ihr schwarzes Seidentuch
mit den Fransen.
Als Hjalmar seine Oberlehrerstcl
lung bekam, sprach er ernsthaft mit
seiner Mutter. Aber weder Bitten
noch Drohungen halfen Frau
Günter knüpfte nur das Seidentuch
um so fester unter das Kinn, nahm
Hjalmars Arm und ging den direkten
Weg zur Kirche durch die Hauptstra
ße der Stadt, wie sie es an allen
anderen Sonntagen getan hatte,
Mutter und Sohn zusammen. Es
würde schlecht aussehen, dachte Hjal
mar, wenn er gerade jetzt nicht mit
ihr ginge, wo er zum Oberlehrer er
nannt war. und so war er gezwun
gen, wacker mitzugehen.
Nun, wohl hätte Frau Günter an
diesem festlichen Tage nachgeben kön
nen, wenn auch nur um Hjalmars
willen. Aber sie wußte, daß unser
Herrgott gerade heute auf sie nie
derblickte, und da wollte sie zeigen,
daß die Erhöhung sie nicht hochmütig
gemacht habe. Nein, nein, sie war so
tief innerlich dankbar und demütig
so warm war ihr ums Herz, und so
viel geringer noch fühlte sie sich als
sonst, daß sie sich gern in den Staub
geworfen und auf sich hätte herumtre
ten lassen wie ein Wurm, um ihre
Dankbarkeit zu beweisen. Und als
dann nach dem Gottesdienst Gäste
kamen: der Rektor und seine Frack,
der Pastor und der Schulrat, und die
Frau Pastor und die Frau Konsul
und die Frau Apotheker und der
Tierarzt und seine Damen die
Tochter der Frau Konsul nicht zu
vergessen! da waren alle Ermahnun
gen Hjalmars wie in den Wind ge
redet.
„Ach du meine Güte, ja. wie gut
ist unser Herrgott getvesen gegen mich
und Hjalmar, seitdem ich Witwe ge
worden und Hjalmar noch so klein
war, baß er kaum auf den Beinen
sichen konnte und ich so gut wie an
der Schwelle des Armenhauses
stand", fuhr Fcau Günter fort und
erzählte weiter von Hjalmar, der noch
so klein war, daß er sich naß machte,
ohne daß sie reines Zeug für ihn hat
te zum Wechseln „denken Sie,
eine arme Witwe wie ich," und weiter
und weiter sprach sie und vergaß
völlig, über all diese Dinge zu
schweigen, obwohl Hjalmar es nicht
mochte, daß sie sie immer wieder her
vorholte denn er war ja nun über
vierzig Jahre alt und Oberlehrer und
nahm Gratulationsbesuche entgegen
von den Honoratioren der Stadt mit
ihren Damen und von der Frau
Konsul und deren Tochter Berta.
Ja, der feinen Berta Holm. die
mindestens dreimal m Paris gewesen
war und ihre Hüte und Toiletten aus
Stockholm bezog und an ihren fran
zösischen Stiefeln Hokzabsätze trug.
Das batte Frau Günter erfahren und
es Hjalmar erzählt, denn si wußte
ja, daß er gern von Berta Holm re
den hörte; zwar wurde er böse und
brummte mit ihr, weil sie mit Schu
stern und Dienstmädchen klatschte.
Ja. klatschen nannte er es, obgleich
sie doch nur gern einmal ein Weil
chen mit ihresgleichen stand und plau
derte, wenn sie sie in der Tür oder
auf der Straße traf . . .
Mehrere Tage lang ging Frau
Günter nun mit roten Äugen umher,
weil sie gesagt hatte, was wahr war
und wessen sie sich nicht zu schämen
brauchte Sie hätte ja nur von der
Zeit gesprochen, die Hjalmar noch so
klein und sie noch so arm war. Und
dann hatte sie noch hinzugefügt, das
Hochmut vor dem Fall kommt, und
dos man nie zu hoch hinaus wollen
dürfe . . .
Berta Holm stand hoch, daß wuß
te Hjalmar Günter. Aber daß si
so hoch stand, daß sie ihm einen Korb
geben würde, jetzt, wo er Oberlehrer
war. das hätte er nicht geglaubt.
Diese Abweisung traf ihn hart.
Frau Günter? Mutttrauge sah. daß
etwas an ihrem lieben Jungen zehrte,
und die Stadt wac so klein, daß der
Grund ihr bald llar war. Die Frau
Konsul hatte im Bertrauen erzählt,
daß der Oberlehrer um ihre Tochter
geworben und einen Korb bekommen
hatte und noch hinzugefügt: „Es geht
wohl auch kaum an, Frau Günter
zur Schwiegermutter zu nehmen."
Aber das erfuhr Hjalmars Mutter
nicht.
Und eines Tages ging sie hinein
zu ihrem Sohn, um mit ihm zu spre
chen. Frau Gunter imponierte das
Arbeitszimmer ihres Sohnes durch
aus niwt. wie S wohl bei jeder an
deren alten Frau, die noch mit einem
Kopftuch ging, der Fall gewesen
wäre. Aber sie war ja seine Mutter,
und sie hatte ihm geholfen, ein Buch
nach dem anderen beranzuschaffen für
die großen Regale, die fast die ganzen
Wände vom Boden bis zur Decke
einnahinen. Und sie hatte ja selbst
dun Oberlehrer das Leben geschenkt
und ihn Essen und Trinken gegeben
unk sich für ihn und mit ihm ge
plackt und gequält. Und deshalb
ging sie auch geradeswegs los aufs
Ziel, sagte ihre Meinung heraus, und
es wurde beschlossen, daß Hjalmar
es noch einmal bei Berta Holm ver
suchen sollte. Ach. du meine Güte,
er tvar ja doch Oberlehrer und sie
schon über dreißig.
Nun, Hjalmar sprach zuerst mit
der Frau Konsul und dann mit Ber
ta, und nach vielen „o " und „wenn"
und vielen schönen Redensarten be
kam er ihr Ja —> aber unter einer
Bedingung. Es ist traurig, es er
zählen zu müssen. doch Hjalmar
mußte auf diese Bedingungen einge
hen darauf nämlich, daß „Frau
Günter die Stadt verlasse", nach den
eigenen Worten der Frau Konsul.
Frau Günter tat, als verstehe sie
ihren Sohn sehr gut: daß die Woh
nung zu klein sei. daß Berka finde,
es sei ein Jammer um Hjalmars
Mutter, in der Stadt wohnen zu
müssen, die sic eS nun in ihren alten
Tagen auf dem Lande so gut haben
könne, sie, die ihr ganzes Leben lang
so hart gearbeitet habe und nun
wirklich Ruhe und Frieden gebrauchen
könne, wie Berta meinte.
Frau Günter sagte zu allem ja
und Amen. Aber sie ging nun um
her und murmelte und redete mit sich
selbst. Hjalmar war wenig zu Hau
se; er lebte und atmete bei Konsuls,
und Frau Günter war allein in den
vielen hohen, dunkeln Stuben der
Oberlehrer-Wohnung, in der kein
Platz mehr für sie war. Und be
ständig sprach sie mit sich selbst von
Hjalmar, als er so klein war, daß er
noch nicht auf seinen Beinen sieben
konnte, und von der Zeit, da sie noch
nicht einmal trockenes Zeug zum
Wechseln für ihn hatte. Ünd ihre
Nachbarn und Bekannten begannen
über ihre Sonderlichkeiten zu reden und
sagten, sie scheine im Alter wieder
kindisch zu werden.
Sie kramte in ihren Sachen, pack
te ein und wieder aus und band zu
sammen und wieder auf und ordnete
„für ihre lange Reise" und nickte mit
dem Kopf und sah „in den Augen"
so merkwürdig aus, sagten sie. die
mit ihr gesprochen hatten, kurz ehe
sie die Bodentreppe hinaufging, in
ihren besten Kleidern, das schwarze
Kovstuch um die sorgsam gekämmten
Haare geknüpft.
Sie kam nicht mehr lebend die
Bodentreppe herunter.
Es hieß, sie sei oben Plötzlich ge
storben. Am Schlag, oder sie sei bö
se hingefallen. Andere wieder sag
ten, sie hätte sich erhängt. Und die
Schustcrsfrau zeigte sogar heimlich
den Nagel, denn es heißt, daß der
Rost von solch einem Nagel gut sei
gegen vieles. Andere hätten dann
gern den Strick gehabt, aber niemand
wußte, wo der hingekommen war.
„Wer zuerst kommt, mahlt zuerst,"
sagte die Frau des Schulmeisters,
doch sie war gar nicht ans den Boden
hinaufgegangen und hatte lieber „den
Tod das Seine behalten" lassen.
Jedenfalls lag jetzt die alte Frau
Günter draußen auf dem Kirchhof;
nicht nur ihr Kopftuch störte mehr
das Glück ihres Sohnes, auch sie
selbst hatte Platz für ihn und seine
Berta gemacht.
Aber die waren sich nur fremder
und ferner denn je.
Glück im Unglück. Ver
flossene Woche schloß ich einen Ver
sicherungsvertrag auf 60,000 Dollars
ab; zwei Tage später verunglückte der
Versicherte tätlich." „Donnerwet
ter das nenne ich Pech; da haben
Sie wohl Ihre Ueberredungslunst
schön verwünscht?" „Im Gegen
teil; ich heiratete die Witwe."
Wenig. Gast (bei einer Eh
rung des Dichters zu dessen Frau):
Gnädige Frau haben gewiß auch
schon oft in anregender Weise auf
den Herrn Gemahl gewirkt und ihn
unterstützt in seinem her-üchenSchaf
fen?
—Modern. Oberarzt: Was für
einen Namen geben wir dem neuen
Heilmittel? Assistenzarzt: Der Name
wird sich schon finden, vorerst müssen
wir uns über die Krankheit klar wer
den, welche kos neue Mittel heilen
soll.
Gemütlich. Grüß Gott.
Sepp! Wo kommst denn her?
Grüß Gott! Beim Ochsenwirt
war i.
War mein Nazi net unten?
Ja, weißt dort haben s' ge
rauft und da sind sie so durchein
andergelrgen. daß ma' an einzelnen
gar net auskermt hat.
Tie Birunga-Vulkane.
AS dem Grtirt der zentralafrikani
schen Fruerderzc.
Tort, wo in Jnnenafrika dir Ko
lonien Deutschlands, Englands und
Belgien zusammenstoßen, erheben
sich dir ob ihrer Lage im Herzen ei
nes Kontinents so merkwürdigen,
zum Teil noch tätigen Vsirungavul
taue, von denen nach den endgültigen.
Grenzverträoen zwischen jenen Kolo
nialstaatrn allein der höchste, der be
reits erloschene Karisimbi, 4600 Me
ter, Deutschland verblieben ist. Groß
artig und dabei sonderbar ist das
landschaftliche Gepräge jenes Gebie
tes, sind seine menschlichen und tie
rischen Bewohner; außer den Bulla
nen charakterisieren prächtige Seen
daS GrbirgSland, und neben den rie
senhaften Nnanduleuten, den Wahi
ma, Hausen in den Wäldern die Pyg
mäenhaften Batwa. Eine deutsche
koloniale Eisenbahn dorthin, über
deren Tröffe noch die Meinungen
auseinandergehen, scheint beschlossene
Sache zu sein, und so wird vielleicht
bald die Zeit kommen, da Touristen
sich nach einem Lande aufmachen, da?
noch vor 20 Jahren, bis auf Graf
Götzens denkwürdige Reise, mit Recht
als Afrikas geheimnisvollster Winkel
galt.
Im Jahre 1911 waren da eine
deutsche und eine englische amtliche
Expediiicn tätig, um für die endgül
tige Abgrenzung noch die letzten Auf
nahmen auszuführen. Die deutsche
Expedition führte Major Schlobach.
Zu den Engländern gehörte u. a.
Kapitän E. M. Jack, der jetzt über
seine Beobachtungen berichtet hat. Er
hat auch den Kiwusee besucht, dessen
Bildung ja mit den Vulkanen enge
zusammenhängt. Das Erweist auch
folgender, gelegentliH beobachtite-
Vorgang. Bei völliger Windstill
gerät die Wasserfläche des Sees plötz
lich in eine heftige Unruhe, und wenn
sie sich gelegt hat, so ist das Wasser
mit Sinkstoffen erfüllt. Bei der Ge
legenheit sei erwähnt, daß Jack die
Bezeichnung „Birungavulkane" für
unzweckmäßig hält; denn Virunga
bedeute lediglich Berge". Im Lan
de selbst gebe eS keinen Gesamtna
men. Wohl aber hätten die Wagan
da, d. h. die Bewohner von Uganda,
einen sehr bezeichnenden Namen für
die Gruppe, nämlich Mfumbiro, waS
so viel wie „Kochplatz", „Platz mit
Feuer" bedeute; sie hätten nämlich
aus der Ferne das Feuer und den
Rauch der zwei noch tätigen Vulkane
gesehen. Der Name Mfumbiro war
schon lange bekannt; aber die deut
schen Geographen hielten daran fest,
daß er nicht den Bergen, sondern ei
ner Landschaft zukomme; die Frage
hat vor Jahren auch eine politisch
Rolle gespielt, als man noch von ei
nem „Kiwu - Grenzstreit" sprechen
konnte.
UcberrasHrnd groß ist dir . Zahl
der Löwen m dem Gebiet. Die Eng
länder schossen deren sieben, die
Deutschen vier, darunter ein weibli
ches Tier mit Mähne. Auch Bur
chells Zebra war häufig, ebenso Hyä
nen und Schakale; auch wilde oder
verwilderte Hunde wurden gesehen.
Selten , ist die Situtunga, eine im
Sumpfland lebendeAntilove mildem
weichen und schlammigen Boden gut
angepaßten Hufen. In den Bam
buswäldern am Buyonisee wurde
ferner eine Art Zlvcrgelefant ge
schossen, dessen Haut und Schädel
dem Britischen Museum zur Bestim
mung übersandt worden sind. Große
Exemplare werden nur bis 8 Fuß
hoch. Die Stoßzähne wiegen nur
etwa 24 Pfund. Füße und Ohren
sind im Vergleich zum gewöhnlichen
afrikanischen Elefanten klein. Das
Ti-r soll sehr wild sein. Uebrigens
sah Jack, daß zwar die Batwa, die
ja Jäger sind, das Elefantenfleisch
essen, die übrigen Eingeborenen ober
es zu verschmähen scheinen.
Charakteristik der Schmuckstcink.--
Ueber die Möglichkeit, daß
Schmucksteine in ihrer Schönheit Ein
buße leiden und daher ihr Wert ver
ringert werden kann, belehrt uns ein
Edelstein Sachverständiger:
Schmucksteine, die ihre Schönheit ver-
Üeun, können nur -in, g-rsi.gere
Härle besitzen und dann durch 'den
Staub und die Luft angerissen wer
den. Gegen Säuren ist jeder Stcin
und auch die Perle empfindlich. Tie
vielfach vertretene Ansicht, daß der
Rubin, Saphir. Smaragd die Far
be verliert, ist unrichtig; ebenso, daß
ein Rubin, der m Duuteln aufbe
wahrt wird, nach ein paar Jahren
eine andere Färbe aufweisen soll als
Rubine, die vom Sonnenlicht be
strahlt werden. Gerade der Rubin ist
in dieser Hinsicht am unempfindlich
sten. Es sind Versuche angestellt
worden mit Radium, ultravioletten
und Röntgenstrahlen, und beim Ru
bin ist nach monatiger Bestrahlung
keine Veränderung in der Farbe ein
getreten; ebenso verhält sich der
Smaragd. Beim Saphir ist es et
was anders, er wechselt bei Bestrah
lung die Farbe, aber nie beim Son
nenlicht. Was den Opal anbelangt,
so besteht dieser aus Kieselsäure und
Wasser, und sobald der Stein nach
einem warmen Ort kommt, entweicht
das Wasser, und der Stein verlier:
gewöhnlich seine Farbe.
Für Maschinisten und Fahr
radleute ist jetzt eine Oelkanne erfun
den worden, bei der das Ueberslie
ßei> von Oel durch einer Trichter mir
automatischem Verschluß verhinder:
wird.
In Ca lifornie n hat mau ei
nen Kamin erfunden, der seine Hitze
nach allen Richtungen ausstrahlt, in
dem der Schornstein über dem Ka-,
min von eisernen Säulen geiragen
- wird.
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