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Der Sonntagsbote und der Seebote. (Milwaukee, Wis.) 1912-1922, September 14, 1913, Image 1

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KS. Jahrgang.
Tupfer am Werk
Ballin kritisiert An§-
stellnngkommisjion.
Wüvscht private Beteiligung.
Nach der Ansicht des Generaldirek
tors der Hamburg - Amerika Lime
hat sich die Ausstcllnngskoinmis
. siou ganz unberechtigter Weise mit
' der amtliche Ablehnung cinvcr
- standen erklärt. Hofft, dass die
, Kommission die Vorbereitungen
für eine private Ausstellung for
' . der wird. „Berliner Lokalan
. zeiger" tadelt aufs neue die Re
gierung iu Verbindung mit der
-Panama - Ausstellung. TaS
si Tageblatt" macht der
Regierung den Vorwurf, dass sie
- Ameri'.ancr im Stich
" gelassen habe.
' Berlin, 10. Sept. Im Vcrfolz
der Agitation ihres Generaldirektors
Albert Baüin zu Gunsten einer deut
schen Beteiligung an der Panama-
Pacific - Ausstellung in San Fran
cisco hat die „Hamburg - Amerita-
Linie" mehrere wirtschaftliche Verei
nigungen um Unterstützung ihrer
diesbezüglichen Bestrebungen ersucht
und dabei von neuem auf die große
Bedeutung der Ausstellung für die
Entwicklung des deutschen Exports
nach der gesamten Westküste Ameri
kas hingewiesen. Die ständige Aus
ftellungskommission, an welche dieses
Ersuchen ebenfalls gelangte, antwor
tete, sie bedauere, die Agitation nicht
unterstützen zu können; die amtliche
Ablehnung sei im Einvernehmen mit
der Kommission erfolgt, und sie, die
Kommission, könne sich nicht durch
eine Unterstützung privater Beteili
gung mit dem amtlichen Beschluß in
Widerspruch setzen.
Herr Ballin antwortete daraufhin
zurück, er könne sich nicht mit dieser
Auffassung einverstanden erklären.
Seiner Ansicht nach habe sich die
Kommission unberechtigterweise mit
der amtlichen Ablehnung einverstan
den erklärt. Die in der Kommission
vertretenen deutschen Interessen für
eine Beteiligung seien derartig große,
datzi wenn sie unbeachtet geblieben
seien, dies nur einem bedauerlichen
Mangel an Sachkenntnis zuzuschrei
ben wär?. Auch wenn die Kommis
sion dir Interessen nicht für groß
genug gehalten habe, um sich der
Regierung gegenüber für eine Betei
ligung auszusprechen, so sei sie doch
nicht berechtigt gewesen, das Gegen
teil zu tun und damit die Interessen
des einen Teils der Mitglieder zu
schädigen.
Zum Schluß giebt Herr Ballin
der Erwartung Ausdruck, die Kom
mission werde entsprechend ihrer
Ausgabe die Vorbereitungen für eine
private Beteiligung fördern.
Der „Berliner Lokalanzeiger"
greift heute in einem augenscheinlich
inspirierten Artikel den der Regie
rung gemachten Vorwurf auf, daß sie
bei den Erhebungen zur Feststellung
des Interesses der Jndustriekreise
übereilt vorgegangen und den betref
fenden Interessen keine Zeit zu an
gemessener Erwägung der Verhält
nisse gelassen worden sei.
Der Artikel sagt, die Regierung
habe einer unzulänglichen Beteili
gung, die nur dazu angetan wäre,
das deutsche Ansehen zu schädigen,
ihre Zustimmung nicht geben können.
Gewissenhafteste Umfrage habe eine
Menge durchaus unziveideutiger Ab
lehnungen ergeben. Jedoch stehe die
Negierung zweifellos einer würdigen
Privatausstellung seitens einer un
ternehmungslustigen Minorität sym
pathisch gegenüber.
Das „Berliner Tageblatt" setzt
seine Vorwürfe gegen die Regierung
fort. Die Regierung, heißt es in ei
nem heutigen Artikel, hätte dafür
,orgen müssen, daß Deutschland bei
der Weihe des Panamakanals vertre
ten sei, zumal es sich um eine bedeu
tende politische Angelegenheit handle.
Das Blatt macht der Regierung fer
ner den Vorwurf, sie habe die
Deutsch - Amerikaner im Stich ge
lassen, nachdem sie sich jahrzehnte
lang bemühte, deren Stellung zu
stärken. Es sei eine unglückliche Po
litik. die jahrelang in Liebesbriefen
arbeite und dann wegen einer Lap
palie Verstimmung schaffe.
Nebenbei erinnert der Artikel dar
an. daß ein großer Teil der deut
schen Schwer - Industrie auch in
Chicago und St. Louis nicht vertre
ten gewesen sei.
Bemerkenswert ist die Zuschritt
des Vereins zur Wahrung gemein
samer Wirtschaft-interessen der Elek
trotechnik. Ter Verein stimmt dem
ablehnenden Entschluß der Regierung
rückhaltlos zu.
Grlxiinrat Binz, der als Leiter
der Nürnberger Metallwarenfabrik
.''nr gewichtige Rolle spielt, erkennt
>ie gesckäftlicke Ersolalosigkeit einer
Beschickung der Ausstellung an, er
klärt jedoch, daß bei der Beteiligung
außer den rein geschäftlichen auch
deale Gründe mitsprächen. Er er
vartel, ehe er sich endgültig pro oder
:rnrra ausspricht, erst das Ertachten
Der lonMagsbotk.
und Dev Seeöote.
des New Parker Vertreters der Fa
brik.
Wie aus angeblich zuverlässiger
Quelle in Erfahrung gebracht wor
den ist, haben sich die in den letzten
Tagen aufgetauchten Vermutungen
bezüglich der Aufhebung des im
neuen amerikanischen Zolltarif ge
planten Bücherzolls bestätigt. Die
Regierung ist, wie mitgeteilt wird,
bereits davon benachrichtigt, daß die
Klausel, laut welcher gedruckte Bücher
bei der Einfuhr in die Ver. Staaten
mit 15 Prozent verzollt werden soll
ten, von dem Programm gestrichen
worden ist.
Die Interessenten, besonders die
Buchhändlerkreisc, in denen gegen die
Maßnahme eine kräftige Agitation
eingeleitet worden war, sind von die
ser Lösung aufs höchste befriedigt.
Im Senat passiert.
Tarifbill geht jetzt an das Kon
ferenzkomitee.
Unwichtige Veränderungen.
Washington, 10. Sept. Die Un
derwood - Simmons-Tarifbill wur
de in der gestrigen Sitzung des
Bundessenats mit 44 gegen 3 k
Stimmen angenommen. Gegen die
Vorlage stimmten zwei Demokraten,
die beiden Senatoren von Louisiana,
Thornton und Ransdell, während
Senator Poindextcr, Progressiver,
und Senator La Follette, Republi
kaner, für die Vorlage stimmten.
Jetzt geht die Vorlage an das Bun
des - Abgeordnetenhaus und wird
wahrscheinlich noch im Laufe dieser
Woche dem Konferenz-Komitee über
wiesen werden. Zu Mitgliedern des
Konfe-enz - Komitees ernannte Vize
präsident Marshall die demokratischen
Senatoren Simmons, Shively,
Johnson und Williams und die Re
publikaner: Penrose, Lodge und La
Follette. Die Vorlage in der von
dem Senat gestern angenommenen
Form enthält die hauptsächlichsten
Bestimmungen, die das Haus gutge
heißen hat, einschließlich zollfreien
Zucker und zollfreie Rohwolle, und
hat die Zollraten für andere Artikel
noch herunter gesetzt. Die Durch
schnitts- „ad valorem" Zollrate in
der jetzigen Bill ist ungefähr 26 Pro
zent, eine Reduktion von 28 Prozent
der bestehenden Raten und von bei
nahe 4 Prozent der von dem Abge
ordnetenhaus in der neuen Vorlage
festgesetzten Zollratcn.
Theologe gestorben.
Dr. Spicker am Seminar in Mount
Airy, Philadelphia.
Philadelphia, Pa., 10. Sept. Dr.
George Frederick Spieker, Professor
der Kirchengeschichte am Lutherischen
Theologischen Seminar in Mount
Airy, Philadelphia, ist gestern in der
Wohnung seines Schwiegersohnes,
des Pastors S. Reese von der luthe
rischen Christus - Kirche in Chestnut
Hill gestorben. Dr. Spieker, welcher
ein Alter von 69 Jahren erreicht hat
te, war einer der bekanntesten und
hervorragendsten lutherischen Predi
ger des Landes. Seine Eltern, Her
mann Heinrich und Elisabeth Spie
ker, waren aus Hannover eingewan
dert. Er absolvierte seine Studien
an den theologischen Seminaren in
Gettysburg und in Philadelphia und
wurde im Jahre 1867 ordiniert.
Abermals bei Tochter.
Familieuznwachs bei Enmbcrlandcr-
Paar zu erwarten.
Berlin, 10. Sept. Kaiserin Au
guste Viktoria hat ihrer einzigen
Tochter, Prinzessin Viktoria Luise.
Gemahlin des Prinzen Ernst August
von Cumberland, in Rathenow aber
mals einen Besuch abgestattet, der
einen ganzen Tag in Anspruch nahm.
Es heißt, daß dem jungvermählten
Paar Aussicht auf Familienzuwachs
blüht. Die „Vossischc Zeitung" er
fährt aus Gmunden, der Residenz
des Herzogs von Cumberland, daß
man dort mit einer baldigen Rege
lung der braunschweigischen Tlron
folge-Frage rechnet, so daß der Prinz
als Herzog in Braunschweig einzie
hen kann.
Lehnt Forderung ab.
Liebknecht will sich nicht mit Krupp-
Beamte duellieren.
Berlin, 10. Sept. Ein hoher Be
amter der Firma Krupp, welcher in
der Untersuchung des, durch die Ent
hüllungen des sozialdemokratischen
Reichstagsabgeordneten Liebknecht
aufgedeckten Schmiergelder - Unwe
sens erwickelt ist, hat die Parlamen
tarier zum Zweikampf gefordert.
Aber Liebknecht hat die Forderung
abgelehnt. Der Name des muf ein
Duell erpichten Krupp-Beamten wird
vorläufig nicht genannt.
Werben eröffnet.
Türkisch-bulgarische Friedcnckonserenz
an der Arbeit.
Konstantinopel, 10. Sept. Gestern
ist hier die türkisch-bulgarische Frie
denskonferenz zusammengetreten, die
->:c Anbahnung einer Einigung über
die zwischen den beiden Nationen
schwebenden Streitfragen einberufen
worden ist. Der türkische Grvßwesir
drückte in seiner Ansprache an die De
legaten die Hoffnung aus. daß die
Sitzungen der Konferenz von Erfolg
gekrönt sein mögen.
Milwaukee, Sonntag, 14. September 1913.
TIM in den
Ver. Staaten.
Wird von Coaticook
nach Vermont geschafft.
Befehl des Ministers des In
nern
ColebrocL, N. H., 10. Sept. Heu
te vormittag wurde Harry K. Thaw
auf Ersuchen des stellvertretenden
Gouverneurs Glym von New Jork
von hiesigen Behörden in Haft ge
nommen. Die Behörden weigerten
sich, darüber Aufschluß zu geben, ob
er gleich nach New Jork weiter be
fördert werden soll.
Albany, N. N-, 10. Sept. Ter
stellvertretende Gouverneur Glynn
hat heute die Gouverneure von Ver
mont und New Hampshire telegra
phisch ersucht, Thaw venMen zu
lassen und ihn zu halten, bis Behör
den von New Uork eingetroffen sind.
Avcrilt Vt., 10. Sept. Harry K.
Thaw traf heute morgen um 9 Uhr
hier ein. Nachdem er über die Gren
ze von Vermont gebracht worden
war, ließen ihn die kanadischen Be
hörden frei.
Ottawa, Ont., 10. Sept. C. I.
Doherty, der stellvertretende Minister
des Innern, sagte heute mittag. Laß
er die Berufung Thaws gegen die
Entscheidung der Einwarsterungsbe
hörde zurückgewiesen, die letztere als
zu Recht bestehend anerkannt und die
sofortige Deportation Thaws verfügt
habe. Der in Montreal bewilligte
„Habeas Corpus" - Befehl oder „writ
of Prohibition" komme nach dem Da
fürhalten des stellvertretenden Mini
sters die Einwanderungsbehörden
nicht daran verhindern, Thaw zu de
portieren.
Coaticook, One., 10. Sept. Harry
K. Thaw wurde heute morgen um
8 Ilhr plötzlich ans seinem in dem
zweiten Stockwerk des Bahnhofs ge
legenen Verließ geholt und in einem
Automobil nach der Vermont-
Grenze gebracht. Er protestierte so
heftig dagegen, daß Sie Beamten,
die ihn fort zu schassen hatten, ihn
die Treppe herunter in das bereit
gehaltene Automobil tragen muß
ten. Einer dieser Beamten war der
Hilfs- Superintendent der Abtei
lung für Einwanderungswesen Ro
bertson, der sich bemühte, Thaw
durch die Bemerkung zn beruhigen,
daß die Prozedur vorstäiidig gesetz
lich sei, weil sie, die Beamten, ihre
Instruktionen von dem Justizmuu
stcr erhalten hätten. Thaw schrie
dein Beamten ins Gesicht: „Das ist
eine infamS Lüge, man will mich
mit Gewalt über die Grenze schaf
fen; es ist ungesetzlich, grausam, nn
menschlich," Doch alles Protestieren
war vergeblich. In rasendem Tempo
gings, nachdem Thaw im Automobil
untergebracht war, der Vermont-
Grenze zu.
Coaticook, Que., 10. Sept. Thaw,
der sich hier unter der Aufsicht der
Einwanderungsbehörden befand, war
heute morgen nicht wenig überrascht,
als ihm mitgeteilt wurde, daß er auf
Befehl des Justizministers über die
Grenze nach Vermont geschafft wer
den soll. Man gab ihm nicht ein
mal Zeit, sein Frühstück zu essen, und
mit Gewalt mußte er aus seinem
Zimmer geschafft werden. Er schrie
so laut, daß es ans mehrere Häuser
gevierte im Umkreis gehört werden
konnte, daß man ihn gewaltsam ent
führen und auf ganz ungesetzliche
Weise den New Parker Staatsbehör
den ausliefern wolle Bekanntlich
haben die Anwälte Thaws in dem
Obergericht in Montreal ein „Habeas
Corpus"-Gesuch anhängig gemacht,
das am nächsten Montag, den 15.
September, zur Verhandlung kom
men sollte.
Die hier weilenden Verteidiger
Thaws waren über das ganz uner
wartete Vorgehen der kanadischen Be
hörden so erstaunt, daß sie vollstän
dig ratlos dastanden. Auf die Frage,
wohin man Thaw eigentlich schaffen
wolle, ivurde ihnen dis Antwort, daß
er höchstwahrscheinlich mich Norton
Mills gebracht werden werde, wo, wie
man hier vermutet. Wm. Travers
Jerome weilt und genügende Vor
kehrungen getroffen hoi. ihn. Thaw.
sofort in Empfang zu nehmen und
weiter über die Grenze des Staates
New Aork zu befördern.
Montreal Kan., 10. Sept. Die
Mitglieder der Familie Thaws und
seine Verteidiger waren heute wie
vom Donner gerührt, als sie hörten,
das, Harry über die Grenze nach Ver
mont gebracht worden sei. „Ich bin
durch die Nachricht beinahe vom
Schlage gerührt worden." sagte I. N.
Greensbilds, einer der Verteidiger.
..Ich kann es nickt verstehen. Mit dem
beantragten „writ os Prohibition"
nnd dem „Habens Corpus" - Befehl
ist es mir einfach unmöglich, zu glau
ben. daß cs möglich sein könnte. Eine
Schande für unser Land und unsrer
Rechtspflege.
Nicht zufrieden.
Bolksmassen in Japan
gegen Regierung.
Die Ermordung Abcs.
Tokio, Japan, 8. Sept.ß Die Er
mordung von Japanesen in Nanking
hat zur Anwendung scharfer Maßre
geln zwecks Unterdrückung von Anar
chisten geführt. Heute 'wurde in
Tokio die Herausgabe d;r unab
hängigen Zeitung „Riroku Shimbun"
untersagt. Die Zeitung hatte in ei
nem vor einigen Tagen veröffentlich
ten Artikel behauptet, daß die Be
strafung der von dem chinesischen
Präsidenten Juanschikai puSgesand
ten Spione erst begonnen Habe, daß
oie Ermordung des Direktors de
politischen Buriius im Auswärtigen
Amt, Abe, mit R-cht ein Strafgericht
des Himmels genannt werden könne
und daß andere Morde folgen wer
den. Die Mitglieder des Japanischen
Kabinetts werden bestände vonGc
heimplizisten bewacht und überall hin
begleitet, wohin sie sich begeben. Trotz
aller von der Regierung angewand
ten Maßregeln greift die regierungs
feindliche Stimmung untex dem Volk
beständig weiter um sich.
Für heute abend sind in verschie
denen Teilen der Stadt wiederum
Massenversammlungen einberufen
worden, in denen Redner die Re
gierung wahrscheinlich aufs neue
scharf angreifen werden.
Tokio, 8. Sept. Tic Cnnsrdnng
des Direktors des Politischen Bu
reaus im Auswärtigen Amt Ja
pans, Mortiaro Abc. hak Ke große
Masse des Volkes dermaßen ausge
legt, daß die Behörden in steter
Furcht vor einem allgemeinen Ans
stand leben. Im Hibiya Bark in
dieser Stadt fand gestern eine Mas
senversanimlung statt, in der meh
rere Redner ganz offen verlausten,
daß die Regierung gegen Ehiiia
energisch vorgehe. Eine große An
zahl derer, die an der Versammlmig
teilgenommen hatten, marschierten
nach Schluß der
nach dem Auswärtigen Anst und
verlangten dort den Minister für
Auswärtige Angelegenheiten, Baron
Nobnati Makmo, zu sprechen. Ter
Minister ließ sich jedoch nicht spre
chen. Leine Gattin teilte dev auf
geregten Menge unt, daß ihr Gatte
nicht zu Hause, sondern in wichtigen
Staatsgeschästen nach dem kaiserli
cheii Palast gerufen worden sei. Um
Mitternacht marschierten sic nach der
Wohnung des Premierministers, des
Grafen Paiiiainato. wo sic auch
nichts ausrichten konnten. Sic war
teten aber trotz des kalten Regen-
Wetters bis zur frühen Morgen,
stunde in der Nähe der Wohnung.
Unter den Teilnehmern an der
Massenversammlung befanden sich
viele Studenten, von denen einige
die auswärtige Politik der japani
scheu Regierung einer scharfen Kri
tik unterwarfen und erklärten, daß
die japanische Diplomatie noch nie
mals etwas dazu beigetragen habe,
das Reich aufzubauen nnd in alle:,
was sie unternommen, nur klagst
ches Fiasko gemacht habe.
Bleibt vcrickiwnnocri.
Nachforschungen ach griechischem Erz
bischof Bogdanowltjch vergebens.
Wien, 8. Sept. Der griechische
Erzbischof Bogdanowitsch, welcher
Metropolit in Karlvwiz, Ungarn, ist,
und der neulich von Bad Gasten, wo
er sich zur Kur aufgehalten, als ver
mißt gemeldet wurde, ist bis jetzt nicht
aufgefunden worden. Eine Hilfs-
Expedition, welche aus die Suche nach
dem Erzbischof ausgesandr wurde,
der von Bad Gastein aus eine:; Ans- j
flug in die Berge unternommen, fit i
unverrichteter Sache zurückgekehrt.
Von dem Vermißten hat sich keine
Spur entdecken lassen, und vorläufig
steht man einem Rätsel gegenüber.
Irr Bereitschaft gesetzt.
Schlachtschiff „Montaua" angeblich
nach mexikanischen Gewässern.
Philadelphia, 8. Sept. Als das
Schlachtschiff „Montana" von der
Bundesflotte gestern in Leagne
Jsland eintraf, wurden bcdenlende
Vorräte von Kriegsmaterial, nrstc
diesen 3,000 Patrone für dreizol
lige Geschütze, nn Bord genommen.
Es heißt, daß die „Montana" dem
nächst ach iiierikaiii'chell Gewässern
abgehen wird. Ter Befehlshaber
und die Lfsizicre des Schiffes be-
Häupten, daß fie vorläufig noch kei
nen Befehl erhalten haben, nach nie
xikaniichen Gewässern ;n gehen.
Leiche im Koffer.
Ottawa. 10. Sept. Die Leiche des
Buchmachers Ab Rubenslein von
Brooklyn. N. N-, der seit dem 28.
August vermißt ward, wurde in ei
nem Koffer in einem leerstehenden
Hause gefunden. Am 30. August
hatte sich ein Mann die Schlüssel ge
ben lassen, um das Haus zu besichti
gen, das zo vermieten war. Nach
zwei Tagen brachte er die Schlüssel
zurück. Vermutlich brachte -er wäh
rend dieser Zeit die Leiche in das
Haus.
Wieder in der Heimat
Der pensionierte General Lskerhaus
besnchtr seine Baker.
New York, 10. Sept. Vom Besuch
seines über 90 Jahre alten Vaters
traf der vor kurzem in den Ruhe
stand getretene Rear Admiral Hugo
Osterhaus gestern in New Zork
ein. Herr Osterhaus, ver
sich lange Zeit in Duisburg, dem
Wohnsitz seines Vaters, aufhielt und
eine längere Rheinpartie unternahm,
wollte von Politik nicht sehr viel
wissen. Nur so viel ließ er verlau
ten, daß er von seinem Standpunkt
aus Wilsons Art und Weise, die
mexikanische Frage zu behandeln,
durchaus als die richtige ansehe. WaS
Deutschlands Beteiligung an der Pa
nama - Pacific - Ausstellung anbe
trifft, so gab sich Herr Osterhaus der
Hoffnung hin, daß die gegenwärtig
wieder von neuem einsetzende Pro
paganda, Deutschland zur Teilnahme
zu bewegen, von Erfolg begleitet sein
werde.
2trneiti,ic„.
Torpedoboot-Zerstörer ans Germania
werft in Kiel gebaut.
Berlin, 10. Sept. Der Lau der
für Argentinien bestimmten vier Tor
pedoboot - Zerstörer schreitet auf der
Germaniawerft in Kiel rüstig voran.
Nunmehr ist auch von der Marine-
Verwaltung in Buenos Aires be
stimmt, von wem die artilleristische
Ausrüstung der Kriegsfahrzenge be
schafft werden soll. Diese der
„Bethlehem SteelEvmpany" inPenn
sylvanien übertragen worden. Der
neueste Zuwachs der argentinischen
Marine wird demnach eine Kompag
niearbeit deutscher und amerikanischer
Technik darstellen.
Grestes Lcstavcttfcuer.
Ju Salisbury Brach, Mass., sind
zweihundert Personen olwa,ylo>
Salisbury Bcach, Mass., 10.
Sept. Ein Feuer, das diesen Ort
gestern heimsuchte, hat etwa drei
hundert ticine Wohnhäuser und sie
ben Hotels in Asche gelegt. Minde
stens zweihundert Personen sind
obdachlos und haben unter der au
genblicklich hier herrschenden kühlen
Temperatur erheblich zu leiden.
Oberflächlicher Schätzung nach hat
das Feuer einen Schaben von etwa
?2505i)00 verursacht.
Besucht Ver. Staaten.
Fürst Albert von Moaaco ist i„ New
Port angekommen.
Now Park, 10. Sopt. Fürst Ai
bort van Monaco traf Homo auf
soinor Jacht „Hirondolle" hior oin.
Er roisl inkognito nnd hat die Ab
sicht, nach Wyoming zu gohen, um
Böron zn jagen nnd Oollagor in
westlichen Staaten zn inspizieren,
wo er ein Kapital von mehr als ei
ner Million angelegt hat. Während
seiner Fahrt über den Ozean h.u
der Fürst, der 05 Jahre alt in,
ozeanographische Studien gemacht
Zn diesem Zweck hat er seine Jacht
mit den modernsten Instrumenten,
die man für Geld erstehen tan,
ausgestattet.
Allerlei Depeschen.
In dem Städtchen Ingram,
Wis., statteten gestern Diebe der dor
tigen Staatsbank einen Besuch ab
und stahlen alles bare Geld, das sie
dort finden konnten.
In Tokio, Japan, beging heute
einer der Mörder des Direktors der
Polizeiabteilung im Auswärtigen
Amt, Mortiaro Abe, Selbstmord, in
dem er sich mit einem Schwert die
Kehle durchschnitt.
Kavt. George H. Pierre, der
Beejhlshaber des Bundes - Trans
portschiffes „Dir", starb am 25. An
gnit während der Fahrt von Ma
nila nach Japan am Herzsck'.lag.
Seme Leiche ist bereits nach San
Francisco unterwegs.
Auf einer der Hauptstraßen
in. San Francisco sant gestern ein
55 lallre alter Mann, der Waller
L. Baker heißen und ein Anwalt
aus Macv, Texas, sein soll, bewußt
los nieder und starb, ehe ilun Hilfe
gebracht werden konnte. Tie Poli
zei behauptet, das; ein Raubmord
vorliegt, weit ans den Taschen Ba
kers mehrere hundert Dollar fehlen.
In der ganzen Welt gibt
es schwerlich eine Frau, du täglich
so viel Gelo in die Finger bekommt,
als Frl. Louise Lester vom Schatz
amts - Departement in Waihington.
Täglich läßt s>e durchschnittlich eine
Million Dollars buchstäblich inßanch
aufgehen. Seit Mai, als sie mit
ihrer jetzig:, Beschäftigung, alte ein
gezogene Geldscheine zu zerstören, be
gann, hat sie eine Milliarde, 525
Millionen Dollars dem feurigen
Ofen überliefert. Da Frl. Lester
das absolute Vertrauen ihrer Vorge
setzten genießt, wurde ibr der Auf
trag, darüber zu wache, daß die
Scheine, die zerstört werden sollen,
dirs buchstäblich auch werden. Falls
sie das Gcld für sich behalten dürfte,
könnte sie jährlich drei Privat-lach
ter von der Große des „Imperator"
bauen; selbst in New Port zeitlebens
Taxi fahren, sich eine Millionen
se'dkner Strümpfe kaufen und all
abendlich für die Dauer von 300 und
mehr Jahren- auch im teuersten
Broadway-Restaurant speisen.
In die Nordsee.
Osfiziere und Mann
schaften ertrunken.
Neuer Zeppelin zerstört.
Berlin, 10. Sept. Das für die
deutsche Flotte bestimmte neueste
Lui'schifs „Zeppelin L. I.", der
Stolz der Flottenverwaltung, wurde
gestern vernichtet, und fünfzehn Offi
ziere und Mannschaften haben bei
der Katastrophe ihr Leben eingebüßt.
Unter den Opfern befinden sich Ka
pitän Metzing, der Befehlshaber der
Marine - Luftschiff - Division. Ka
pitän Hanne, der das vernichtete
Luftschiff kommandierte, Baron von
Maltzahn und andere hohe Offiziere.
Das lenkbare Riesenlustschiff betei
ligte sich an den Manövern der Hoch
seeflotte in der Nordsee und befand
sich auf der Fahrt von dem Festlande
nach Helgolano, als sich ein furcht
barer Sturm erhob. Die Lenter des
Luftschiffes glaubten, daß es ihnen
! durck geschicktes Manövrieren gelin
gen werde, trotz des Unwetters vor
wärts zu kommen, und es wäre
vielleicht auch gelungen, Helgoland
zu erreichen, wenn nicht ein plötzli
cher Windstoß das Schiff mit furcht
barer Gewalt gerade in der Milte
getroffen und so start beschädigt
hätte, daß es sofort niederging, ins
Wasser siel und von den Riesenwo
gen zertrümmert worden wäre. Bon
Helgolano waren dem Luftschiff auf
ein vor der eigentlichen Katastrophe
auf snnlentelegraphischem Wege ab
gegebenes Notsignal mehrere Torpe
doboote zu Hilfe geeilt. Sie retteten
aber nur fünfzehn Personen von der
Mannschaft des Schiffes. Kapitän
Hanne, der Befehlshaber des Luft
schiffes, hätte auch gerettet werden
rönnen; doch er erklärte, als er sah.
daß sein stolzes Ricscnluftschiff ver
löre war und die meisten der Offi
ziere und Mannschaften ihr Leven
eingebüßt hatten, daß er ihr Los tei
len und mit seinem Schiff untergehen
wolle.
Die erschütternde Nachricht von
dem bedauernswerten Unfall wurde
sofort dem Kaiser gemeldet, der in
seinem Manöver - Hauptquartier in
Salzbrunn weilt. In dem prächti
gen Hotel, in dem der Kaiser mit
feinen fürstlichen Begleitern als Gast
des Fürsten Pleß wohnt, fand ge
rade als die Nachricht eintraf, eine
Festlichkeit statt. Diese wurde natür
lich sofort unterbrochen, und der
Kaiser überbrachte persönlich die
Nachricht dem ebenfalls in Salz
brunn weilenden Grafen Zeppelin.
Tränenden Auges und mit vor Rüh
rung taun, verständlicher Stimme
versuchte er den Grafen zu trösten.
Dieser schien gefaßt; er sagte 'nur,
daß das soeben zerstörte Luftschiff
das beste in der ganzen Welt gewe
sen sei.
Wie bereits bemerkt, befand sich
das Luftschiff auf einer Fahrt nach
der Insel Helgoland, die zu Kund
schasterzwecken unternommen worden
war, und fuhr in einer Durch
schnittshöhe von 4,200 bis 5,000
Fuß, Die in jenen Luftschichten
herrschende kalte Atmosphäre verur
sachte einen empfindlichen Verlust an
Gas, und da das Luftschiff fast
überladen war, so konnte es bei dem
sich ganz plötzlich erhebenden Sturm
nur mit großer Mühe gelenkt wer
den. Sobald die Führer des Seg
lers der Luft sahen, daß ernste Ge
fahr vorhanden, wurde ein fuuken
tckegraphisches Notsignal ausge
schickt. Der Unfall ereignete sich
etwa 18 Meilen nördlich von Helgo
land.
Den Manen crzls.
Erhebende Gedächtnisfeier an dem
Grabmal veranstaltet.
Wien. 8. Sept. Zehntausend Zio
nisten, Vertreter jüdischer Organisa
tionen in allen Teilen der Bereinig
ten Staaten, begaben sich gestern
nach dem Grabe Theodor Herzls in
Toebling und hielten dort eine sehr
ergreifende und eindrucksvolle Ge
dächtnisfeier ab. I>ach der Feier
bstde-en die Teilnehmer eine Prozes
sion, marschierten uni das Grabmal
und legten Kränze darauf nieder.
Es datierte genau zwei Stunden, bis
die Prozession an den Grabe vorbsi
nian'ichert war.
Bon Eskimos ermordet.
Winnipeg. Manitoba, 10. Sept.
Heute traf hier die Nachricht ein, daß
der amerikanische Forschungsreisende
Harry P. Radford und sein Reise
gefährte George Street ca der Küste
des Eismeeres von Eskimos ermor
det worden sind. Eine Abteilung be
rilteiiLr Polizei ist von Chesterfield
nach dein Tatort abgegangen. Die
Tat ist schon vor 6 Monaten began
gen worden. Radford geriet mit ei
nem Eskimo in der Nähe des
Schultz Lake in Wortwechsel, und
dieser durchstach ihn mit einem
Speer. Street eilte seinem Genossen
zu Hilke und erlitt dasselbe Schick
sal.
va ältest G rd meist ge
lesen dentsstz, Blatt i
Wisconsin . . ,
Nummer 87.
Kaiserumllööer.
Werden in diesem Jahr
drei Tage dauern.
Kaiser nach Bad alzbrrinn.
Berlin. 8. Sept. Aus schlesischem
Boden beginnen, heute die drei Lage
dauernden Kaisermanöver. Der Kai
ser reiste heute Mittag mit dem ge
stern hier eingctroffenen König Kon
stantin von Griechenland und seinen
anderen fürstlichen Gästen nach dem
Manövergebiet ab und trifft abends
um halb acht Uhr in Bad Salzbnnm
ein. wo sich sein Hauptquartier beim
> den wird. Der Kurort prangt heute
! icbon in prächtigem Flaggen- und
> Blumenschmuck und wird dem H.-.c
scher bei seiner Ankunft einen einl'ii
s-asrnchen Empfang bereiten. Am
! Bahnhof und in den Straßen sind
l Ehrenpforten errichtet worden, und
! kein Haus ist ungeschmückt.
Das Grand Hotel, in welchem der
Kaiser mit seinen fürstlichen Gästen
wobncn wird, ist vorgestern schon oon
allen Kurgästen geräumt worden. Die
für den .Herrscher reservierten sechs
Zimmer sind mit seinen eigenen, on
hier nach Salzbnnm gesandten Mö
beln ausgestattet worden und machen
einen einfachen, gediegenen Eindruck.
D.e ausländischen Manövergäne,
unter denen sich Generalmajor Leo
nard Wood, der Ehcf des amenla
nischcn Generalstabs, und der italieni
sche Gencralstabsches Generalleutnant
Pollio befinden, werden in Breslau
einquartiert und täglich in Automoei
len nach dem Uebungsfelde gebracht.
Die Manöverleitung wird ih-cn
Standort in der Stadt Freiburg ha
ben.
Berlin, 8. Sept. Als eine der
bedeutsamsten und interessantesten Er
scheinungen der augenblicklichen int-w
-nationalcn Entwicklung wird allge
mein der deutlich hervortretende engere
Anschluß Italiens an den Dreibund
angesehen. Der vordem „nnsichire
Kantonist" ist sichtlich beflissen, seme
Stellung im Dreibund nachdrücklich zu
bet,, und keinen Zweifel mehr dr
über bestehen zu lassen, daß Italien
mit Deutschland und Oesterreich-Un
garn geschloffene Front hält.
Mit großer Genugtuung wird ir
den deutschen Blättern auf dies,
Wandlung hingewiesen, die als logi
sche Folge der Umwälzung auf ccm
Balkan und der Notwendigkeit, recht
zeitig zur Lösung der weiteren Pro
bleme im europäischen Wettenvinkel
gesicherte Stellung zu nehmen, angese
hen wird.
Als sprechende Beweise für das in
timere Verhältnis werden in der hie
sigen Presse die Teilnahme des Her
zogs der Abruzzen an den bevorstehen,
den deutschen Flottenmanövern und
die Einladung des Kaisers an teil
Ehef des Generalstabs der italieni
schen Armee, Generalleutnant Pollio,
an den heute beginnenden deutschen
Kaiscrmanöv-rn als schlesischem Bo
den hervorgehoben. Auch wird es als
überaus vemertenswert bezeichnet, biß
General Pollio bei der jüngsten Para
de des Gardekorps aus dem Tempel
hofer Felde auf der rechten Seite des
Kaisers ritt.
Auch in den österreichischen Blat
tern wird das in Rede stehende Thema
recht lebhaft besprochen, zumal l>er
Chef des Generalstabs der öster
reichisch - ungarischen Armee. General
d. Inf. Freihrr: Conrad v. Hötzen
dorf, gleichfalls Gast be- den Kaner
manövern sein wird. Es wird als
etwas Außerordentliches betont, daß
der Chef des Generalstabs der deut
schen Armee, General d. Inf. v.
Molttr, die Gencialstabochefs der
Heere der beiden anderen Dreibund
mächte bei dem Kricgsspiel zur Seite
haben wird.
Die gleiche Befriedigung, wie in den
deutschen Blättern, kommt auch in den
österreichischen zum Ausdruck. Letztere
bezeichnen die gemeinsame Teilna.-.mt
der drei Genernlstabs - Chefs an den
Kaisermanövern als symptomatisch
für das Gefühl der militärischen Zu
sammenaehörigkeit der Dreibundsiaa-
KU., '
s/ Straßenbahner streiken.
Indianapolis. Jnd., 8. Sept. Heu
te morgen um 8 Uhr legten etwa
150 Angestellte zwischenstadilicher Li
nien im Staat Indiana mit Aus
nahme der du Linien im Tal des
Wabash - Flusses die Arbeit nieder.
Sie verlangen Anerkennung ihrer
Union, kürzere Arbeitsstunden und
eine Lohnerhöhung.
Geschenk des Kaisers.
Berlin, 8. Sept. Als DankZfür
den ihm bei seinem kurzlichen Be
such in der Ostmark bereiteten enthu
siastischen Empfang hat der Kaiser
gestern der Stadt Posen dreißigtausenü
Mar! übersandt. Das Geschenk soll
für die Jugendpflege vertorndrt wer
den.
Aus Brüssel, Belgien, wird ge
meldet. daß Graf de Smet de Naeyer.
einer der Staatsminister, dort hvlte
gestorben ist.

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