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Der Sonntagsbote und der Seebote. (Milwaukee, Wis.) 1912-1922, September 14, 1913, Image 3

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Ende in Sicht.
Baldige Annahme der
Tarstvorlage sicher.
Nicht lange imUonferenzkomitee
Präsident Wilson hat bis jetzt feine
Partei vollständig unter Kontrolle
gehabt und darauf gesehen, daß
die iu der Baltimorrr Platform
gegebenen Versprechen gehalten
werden. —Mau kan heute sicher
bchnuvten, daß die Tarifvorlage
bis spätestens am ersten Oktober
Gesetz sei wird. —Demokratische
Srnntorc sehne eine baldige
Vertagung des Kongresses herbei.
Werde vielleicht sogar für den
Antrag des Republikaners Works
stimmen.
Washington, T. C., 9. Sept. Selbst
die repuvlikanisckien Gegner des Prä
sidenten geben zu, daß er seine Par
tei bis jetzt vollständig lontrolliert
nnd an das von der Baitimorer Na
timal-Konventicii aufgesteUie Pro
gramm gehalten hat. Der Druck des
PartcikaukuS mußte allerdings sehr
häufig in beiden Zweigen de Kon
gresse ausgeübt werden zur Unter
drückung der sporadischen UnaLhän
gmkeitsausbrüche. Tie Laritbiil' ist
jetzt sogut wie unter der Haube,
c-elbstvccständlich wird es geraume
Zen nehmen die Differenzen zwischen
dem Abgeordiietenhause und den, Se
nat im Konferenzkomitee be'zuiegen,
aber diese Differenzen sind nicht der
orff um hie Vorlage in ihrem letzten
Stadium.'zu gefährden. Sie berüh
ren teil: politisches Prinzip und gegen
alle Erwartungen nnd Traditionen
hak diesmal der Senat die Zollsätze
Nicht nur nicht erhöht, sondern er
niedrigt. Gerade das Gegen:? war
der Fah als vor einigen Jahren das
deiithnide Tariigcsctz ocm Konferenz
lvmitee vorlag. Schon aus diesem
Grunde wird der demoklatische Tarif
nicht lange im Kvifferenzvmilee liegen
bleiben. Es ist möglich, daß die Vor
lage bis zum 20. des Monats Gesetz
wird. Um aber sicher zu gehen, neh
me man lieber den erstcu Oktober an
T-otz der gclegeiiffichrii Unabhangig
*eltsausbrücne sind keine Lücken von
Bedeutung in dm demokratischen Rei
hen vorhanden. Gefahr war aller
dings vorhanden, daß durch eine Ver
bindung unzufriedener demotiatiicher
Senatoren mit dem Gros ber „Stand
pat"--Rcpuvlikaner das ganze so müh
sam aufgebaute Wert zerstört werden
würde. Ader die an dieser Verschwö
rung beteiligten Herren wagen es
schließlich doch ich., den Versuch zu
machen, ihre Pläne anzuführen. Sie
tameu noch zeitig genug zur Ueb-r
zeuguna, lraß genügend unabhängiar
Republikaner und Progressive vor
handen waren, um d::sc „Standpat"-
Verschtvmung lahm zu legen, wenn
auch im allgemeinen unabhängige Re
publikaner und Progressive evcrffogut
Schutz- nd Raubzollner sind wie iyr?
„Standva '-Kollegen.
Diesmal werden die dem Konfe
renzkomffee zugeteilten Abgeordneten
ihren Kollegen vom Senat am Ko
mitee sehr wenig Opposition machen.
Cs Härte auch keinen Zweck, wenn sie
es tun würden. Der Senat siegt in
neun aus jeden zehn Konferenzen.
So weit, so gut. Aber was dann?
Der Präsident ist entschlossen, die ge
plante finanzielle Gesetzgebung noch
in dieser Sondersitzung zustande
zu bringen. Er bleibt ans seinem
Posten, er sehnt sich nicht nach Ferien
und er gibt nicht nach, wenn er auch
weiß, das; in dieser Frage die demo
kratische Opposition leicht eine Ver
bindung mit der republianischtn Min
derheit abschließen kann. Tee Be
schluß des demokratischen senatorieUcn
Kaukus, die Glast - Vorlage aufzu
nehmen, ist nicht bindend ' geinacht
worden. Das bedeutet, daß em de
mokratischer Senator, ohne seine
Loyalität zu verlieren, für den An
trag des Republikaners Works von
Kalifornia, die Bill bis zur reguläre!'.
Sitzung im Dezember zu verschieben,
stimmen kann. Er bleibt loyal. Und
summt er für diesen Antrag, so ist
damit nicht gesagt, daß er schließlich
gegen die Bill selbst stimmen wird.
Zur Zeit kann niemand sagen vic
viele demokransche Senatoren sür den
Antrag des Herrn Works stimmen
werden.
Ohne dem Präsidenten und der
demokratischen Patri opponieren zu
wollen, sind wohl im Herzen die mei
sten demokratischen Senatoren zu
Gunsten einer baldigen Vertagung des
Kongresses. Tie Herren sind einfach
müde. Sie sehnen sich nach einigen
Wochen Ruhe. Wird der Antrag 'ves
Senators Works niedergestimmt, was
ebenso leicht möglich ist wie dessen
Annahme, so wissen die Senatoren
ganz genau, was ihnen bevorsteht.
Eine Umgestaltung unseres Umtaufs
systems kann im Pundessenat nicht in
ein paar Wochen bewerkstelligt werden.
Tie Sache ist zu wichtig und der
Druck des Parteikaukus kann im
Sffrat nie so effektiv gemacht werden
wie im Abgeordnetenhaus?. Das las
sen die Traditionen des Senats ein
fach nicht zu. Da nun die Debatten
im Senat nickt beschränkt werden kön
nen und eine Abstimmung obne ein
stimmiges Uebereinkommen nicht for
dert werden kann, so mag sich die ge
genwärtige Spkzialsitzung bis zum
Anfang der regulären Sigung iin
Dezember ausdkdnen. Ob das un
politisch vorieilhast ist. wird von vie
len kiesigen Politikern stark bezweifelt.
Selbst unter den loyalst" Ankänaern
nnd intimsten Freunden des Präsiden
ten werden Stimmen laut, daß es
wohl besser wäre, wenn e: in dieser
Frage einlenken würde, besonders weil
dießefiimm ringen des Aldrich-Gesetzes
für die Notfors - Emission von 600
Millionen in Schatzamtsnoten durch
einen einfachen Beschluß in wenigen
Minuten verlängert werden können.
Jedenfalls wird der mehr konservative
Flügel der Demokraten im Senat den
Versuch machen, genau ouszuftnden.
wie viele demokratische Senatoren für
den Antrag des Senators Worts zu
stimmen gedenken. Man will dem
Präsidenten und der Parteiführung
im Abgeordnetenhaus die Blamage
sparen, im Senat niedergestimmt zu
werden. Bis man diese Auskunft er
langt hat. wird Senator Works kaum
im Stande sein, seinen Antrag zur
Abstimmung zu dringen. Diese ganze
höchst kitzliche Frage wird wohl erst
entschieden werden können, nachdem
die Finanzbill vom Abgeordnetenhause
dem Senat übermittelt wor
den ist, was in zwei, höch
stens drei Wochen, geschehen kann.
Wenn aber bis dahin die Tarifvorlage
aus dem Konferenzkomitee hervorgeht,
wird es sehr schwer sein, den Senat
länger hier zu halten.
Jede namentliche Austimmung im
Abgeordnetenhause erfordert die Zeit
von wenigstens einer Stunde, und da
eine solche Abstimmung bei fast jeder
Gelegenheit verlangt werden kann, ist
ein sogenannter „Fillibufter" oder eine
ganz unnötige Zeitvergeudung, auch
zu jeder Zeit möglich, wenn auch nicht
mehr so leicht wie vor Annahme der
sogenannten Reedschen Regeln. Appa
rate zur Entgegennahme einer
namentlichen Abstimmung auf elektri
schem Wege, sind sehr .eicht herzustel
len und auch sehr leicht zu operieren.
Die Frage der Installierung eines
solchen Apparats beschäftigt jetzt wie
der den Sprecher und den zuständigen
Ausschuß. Aber die meisten Abgeord
neten wollen von dieser Neuerung
nichts wissen. Wird sie eingeführt,
so müssen die hohen Herren beständig
im Sitzungssaals bleiben oder ihre
Stimme verlieren. Sie könnten sich
nicht wie jetzt gelegentlich drücken, um
einen Brief zu diktieren oder eine Er
frischung einzunehmen. Wenn jetzt
eine namentliche Abstimmung verlangt
wird, läuten elektrische Klingeln im
ganzen Kapitol und den Herren wer
den zwanzig Minuten gegeben zu er
scheinen und ihre Stimmen zu regi
strieren.
Steht obenan.
Amerikanischer Militärarzt über deut
sches Militiirsanitlitswesrii.
New ?)ork, 9. Sept. Mujor Hen
ry Page, ein Militärarzt aus Wash
ington, welcher einen zweimonatigen
Erholungsurlaub in Deutschland und
Frankreich zugebracht und während
dem da- Militärlanität-wesen dieser
beiden Länder einem eingehenden
Studium unterzogen hat. sprach sich
sehr wvcnswert über das in Deutsch
land Gesehen aus und erklärte, daß
kein Land der Weit eine militärärffli
ch: Hochschule wie die Berlin be
sitze. Auch die Begine': Charitd- an
welches nie nkfti Krächz kl kchell Studen
ten chre klinischen Studien betreuen,
sei eine Musieranstalt und das in
kompleieften eingerichtete Institut die
ser Art. welches er jemals gesehen
habe.
LLastl in Maine.
Republikaner PctcrS im dritte Kon
grcßbistrikt gcwäylt.
Portland, Me., 9. Sept. In dem
dritten Kongreßdistrüt Maines w.ude
gestern John A. Peters von Elswor h,
repuölit.-.nischer Sprecher des Rep-ä
-sentiintcnhaiises in der Staatslegisra
tur oon Maine zum Vertreter im
Lundes - Abgeordnetenhaus gewählt.
Die anderen Kandidaten waren Wil
liam R. Pat tangall, Demokrat, 'ür
den Stautsselretär Bryan mehrere
Reden gehalten yatte und Edward M.
Lawrence, Anhänger der Partei der
Progressiven. Peters erhielt 15,106,
Pattangall 14,553 und Lawrence 6,-
189 Stimmen.
Lank beraubt.
Gelds mit ftniszigtauscild Franc in
Zürich verschwunden.
Zürich, 9. Sept. Tie Polizeibeb er
de arbeüct lebhaft an der Aufklärung
eines geheimnisvollen BankdicbstaZs,
dessen Opfer die hiesige Natioualbank
geworden ist. Aus bis jetzt durchaus
yst riös erscheinende Weise ist ein
Geldsack mit fünszigtauiend Francs
abhanden gekommen. Auf die Er
mittlung des Diebes oder der Diebe
und die Wiedererlangung des Rau
bes ist eine Belohnung ausgesetzt.
Die crstc Fahrt.
Ter neue Marine Zeppelin hat sich
vortrefflich bewährt.
Berlin, 9. Sept. Ter kürzlich ür
tiggestellie Marine - Zeppelin, der
größte der bisher gebauten Leviathane
der Luft, hat seine erste Fahrt, einen
Tag eher als geplant, ausgeführt.
Das Luftschiff sst in Friedrichshofen,
nachdem die Füllung über Erwarten
schnell von Statten gegangen, aufge
stiegen und hat verschiedene Manöver
ausgeführt, bei denen es sich noch je
der Beziehung vorzüglich bewährt hat.
Graf Zeppelin selbst hat den reiten
Aufstieg geleitet und sich sehr befrie
digt ausgesprochen.
Scharf aeschosfcn.
Bei Gesechtsoperatioiicii in der Nähe
von Beüiarft, Pommer:'.
Sept. Ein Aufsehen er
regender "Vorfall hat sich be> einer
Manöverübung des Infanterie - Regi
ments Nr. 54 (?. Pommersches), das
in Kolberg und Köslin in Garniion
sieht, zugetragen. Bei Gffechtsopera
tionki! in der Nähe von Belgard -'EI
ptötz'ick: ein scharfer Schuß. Die Ku
gel pfiff umnitieldar an dem Kom
mandeur des Regiments, Obe: Pen
Westphol, und mehreren Offizieren
vorüber. Es nt sofort eine steng ge
heime Untersuchung eingeleitet worden.
T-ttttiaöSrst,, Milwaukee, Sonntag, den 14. September 1913
Tarif-Vorlage.
Bnndessenat ist fertig
zur Abstimmung.
Unwesentliche Veränderungen.
Washington, 9. Sept. Die endgül
tige Abstimmung über die Tarifvor
lage wird heute nachmittag um 4
Uhr im Bunde-scnat vorgenommen
werden. Das wurde in der letzwn,
sechzehnstündigen bis heute morgen um
2 Uhr dauernden Sitzung des Bun
dessenats beschlossen. Es heißt, daß
die Senatoren sich auf freien Zucker
von 1916 an und auf freie Wolle ge
einigt haben. Als die Sitzung des
Senats heute morgen eröffnet wurde,
waren einzelne Senatoren noch sehr
müde und schläfrig. Sie erklärten
aber, daß sie entschlossen seien, der
Sitzung beizuwohnen, des die Tarif
vorlage in irgend einer Form erledigt
ist. Senator La Follette erklärte,
daß er die Absicht habe, über len
auf Baumwolle Bezug nehmenden Pa
ragraphen in der Tarifvorlage zu
sprechen, die Senatoren Bristow und
McCumber wollen gegen Abschaffung
des Zolls auf Vieh, Weizen und an
dere landwirtschaftliche Produkte Re
den halten. Allgemein wird hierange
nommen. daß die meisten Bundesse
natoren nach erfolgter Abstimmung
über die Tarifvorlage sich nach ihren
respektiven Heimaten begeben wrrüen,
weil die Währnngsvorlage, die aua/n
-blicklich vor dem zuständigen Komckee
durchberatcn wird, vielleicht erst in
einigen Monaten einberichtet werden
kann.
Die Tarifvorlaae hat genau vier
Monate und zwei Tage dem Senat
vorgelegen.
Washington, 9. Sept. Tie Haupt
lächlichsten Veränderungen, die der
Senat in der neuen Tarisvorlage vor
genommen hat, beziehen sich auf die
Freiliste und auf die Einkommen
steuer. Führer im Abgeordnetenhaus
glauben, daß die von dem Senat vor
genommenen Aenderungen die durch
die neuen Zollsätze zu erzielenden Ent
nahmen reduzieren werden.
So reduzierte der Senat das ge
ringste Einkommen, das besteuert wer
den soll, von P 4.000 auf 8-3,000 und
erhöhte Zollsätze auf Einkommen
von höheren Beträgen. Ausgleiche:,de
Zölle auf einzelne fabrizierte Kommo
ditäten wurden von dem Senat aufer
legt, um den durch die zollfreien
Rohmaterialien, zu erwägenden Aus
fälle zu begegnen. Der ausgleichende
Zoll auf Holzbrei wurde vollstänng
eliminiert. Die Bestimmungen be
treffs freier Wolle und freiem Zucker
sind von dem Senat unverändert ge
lassen Man erwartet, Saß die Ein
kommensteuer die durch den zollfreien
Zucker verursachten Ausfälle vollstän
dig ersetzen wird. Nach der Ansicht
der prominentesten Führer -m Senat
und im Abgeordnetenhaus: wird es
noch mindestens zwei Wochen dauern,
ehe Senat und Abgeordnetenhaus sich
betreffs der noch streitigen Punkte :i
-nigen werden.
kratyolizell in Rom.
Athleten werden von Anti-Klc
riialen anqcqriffcn.
Purad: werde untersagt.
Rom, 9. Sept. In Verbindung
mit dem Kongreß der katholischen
Athleten sollte gestern eine Parade
hier stattfinden, da aber die Anii-
Klerikalen eine Gegen Demonstra
tion organisierten, s verbot die Po
lizei beide Auszüge, tveil sie Unruhen
befürchtete. Kaum aber wollten nie
katholischen Athleten sich von der Kir
che des Heil. Johannes nach der St.
Peters Kathedrale begeben, als sie von
den Anti - Klerikalen angegriffen
wurden, Die Klerikalen riefen: „L .n
-ge lebe der Papst," und die '/nli-
Klerikalen: „Lange lebe die Freieen
kcrei". Es kam zu Schlägereien.
Vier Stunden brauchten die Aible
ten, um nach St. Peters zu gelan
gen. Der Papst, der von se aer
Schwester Marie, seiner Nichte Gil
da, seinem Bruder Angela und seinem
Gefolge umgeben war, erschien auf
dem Balkan und ertundiote sich nach
der Ursache der Verzögerung. Als
ihm dieselbe mitgeteilt worden war.
riet er zur äußersten Vorsicht. Der
„Osservatore Romano" protestiert ge
gen die Untersagung der Parade.
Kardinal gestorvcn.
Ein treuer Freund des Papstes und
nur 59 Jahre alt.
Rom, 8. Sept. Im Alter von
59 Jahren starb gestern hier Kar
dinal Joseph Calasanotius Vivesy
Tuto, der Präfekt der Kongregaffon
sür religiöse Angelegenheiten an
den Folgen einer Operation für
Blinddarmentzündung. Ter verffor
bene Kircheiifürst war in San Am
drea de Lievaneras, in der Tic-',e>e
Barcelona, in, Jahre 1851 gehöre
Tcr Papst war von der Nachricht,
daß der Kardinal gestorben sei, kies
ergriffen und sagte: „In dem Ver
storbenen habe ich meinen besten
Freund und die Kirche eine ihrer
größten Stützen verloren."
Hochzeits-Medaille.
Berlin, 8. Sept. Zur Erinnerung
an die Vermählung seines Sohnes,
Rs Prinen Ernst August, mit der
Prinzessin Viktoria Luise hat der
Herzog von Cumberland eine Me
daille schlagen lassen, die allen Per
sonen überreicht werden soll, rvelche
der Hochzeit als Gäste oder in amt
licher Eigenschaft beiwohnten. Die
Medaille trägt die Bildnisse des jun
gen Paares.
Scheint gesichert.
Teutsche Ausstellung auch ohue
offizielle Beteiligung.
Anficht eines Diplomaten.
Berlin. 9. Sept. Der bereits ge
meldete Bericht betreffs der Beteili
gung bezw. Nichtbeteiliaung Deutsch
lands an der Panama-Pacific - Aus
stellung in San Francisco, laut wel
chem sich die überwältigende Mehrveit
der deutschen Industrien gegen cme
Beschickung ausgesprochen hat, gibt
der hiesigen Presse Anlaß, die Angele
genheit von neuem eingehend zu be
leuchten. Besonders beachtenswert er
scheinen die diesbezüglichen Auslas
sungen des „Berliner Tageblatts" und
der „Vossischen Zeitung."
Das „Tageblatt" bemerkt, im Ge
gensatz zu gewissen Vorwürfen von
anderer Seite, die Ausstellungskom
mission habe ihre Aufgabe pflichtge
mäß erfüllt, indem sie hauptsächlich
den von einer Beteiligung erwartba.cn
geschäftlichen Nutzen für die deutsche
Industrie geprüft habe; die Kommis
sion sei schuldlos an dem schweren
Fehler der offiziellen Ablehnung. Die
Verantwortung hierfür treffe allin
die Regierung. Diese hätte, erklärt
das Blatt, einsehen müßen, daß es
diesmal notwendig sei. die Frage nach
verschiedenen Richtungen, nicht nur le
diglich nach der des geschäftlichen Vor
teils. zu prüfen.
Die „Voffische Zeitung" gibt die
Ansicht eines europäischen, mit den
amerikanischen Verhältnissen durchaus
vertrauten Diplomaten wieder. Tiefer
betont, die Regierung sei über die po
litische, wirtschaftliche und kultur-lle
Bedeutung der Ausstellung offenbar
ungenügend unterrichtet gewesen, an
dernfalls sei ihre Haltung unverständ
lich im Hinblick auf die Größe oer
durch die Eröffnung des Panamaka
nals aufgeworfenen Welifrage. Das
mangelnde Interesse der Schwerindu
strie sei wohl begreiflich, aber die gan
ze übrige Industrie denke anders.
Der betreffende Diplomat hob auch
die Berechtigung des Erstaunens oer
Masse der Deutsch - Amerikaner
über die Ablehnung hervor.
Der Verfasser des Artikels nennt
das Vorgehen des Generaldirektms
der Hamburg - Amerika - Linie,
Herrn Albert Ballin, höchst erfreuach
und erklärt, die seitens der Reichsie
gierung an den Tag gelegte Reserve
stehe im schroffsten Widerspruch mit
der bisherigen amtlichen Amerikapeli
tik, wobei er auf die Amcrikareise des
Prinzen Heinrich und auf den P.o
fessorenaustausch hinweist. Es iei
ganz sicher, daß eine deutsche Aus
stellung, ob mit, ob ohne offizielle Be
teiligung, zustandekommc
Derselbe Diplomat Hai sich auch
über den mexikanischen Konflikt aus
gesprochen und erklärt, es sei politisch
notwendig, daß Deutschland und das
übrige Europa der Politik der Ver.
Staaten sekundierten.
Jntrzug auf die kürzlich gemelMte
Ermordung eines angeblichen Deut
schen, v. Thaden. der auf einer mexi
kanischen Ranch von mexikanischen
Banditen erschlagen wurde, wird heu
te offiziös mitgeteilt, daß v. Thaden,
der mit einer Amerikanerin verheiraiet
war, ke'n Deutscher gewesen sei.
Am Interesse 9ius;lads.
Spionage - Affaire iu Eqötknhnen,
Rußland, verursacht Aufregung.
Berlin, 8. Sept. Die neueste
Spionage - Affäre in Eydtkuhnen.
Ostpreußen, unmittelbar an der russi
schen Grenze, erregt nicht geringes
Aufsehen. Vorläufig ist nur ein
Krankenpfleger Neumann rn Haft ge
nommen worden, doch dürften ehe
stlns weitere Personen dingfest ge
macht weiden. Die Behörden sind
mit einer sorgfältigen Untersuchung
beschäftigt, deren Ergebnisse soweit
auf eine ausgedehnte Spionage im
Interesse Rußlands hindeuten.
Dcutschkauv fest.
Bo Beteiligung au Panama Ans
steilung koinc Rede.
Berlin, 8. Sept. Allgemeine Be
achtung findet eine in der „Kölnischen
Zeitung" veröffentlichte, auf die Hal
tung der deuischcn Regierung gegen
über dec Ausstellung in San Fran
cisco bezügliche offiziöse Kundgebung.
Das rheinische Blatt, welches von hie
itzjer maßgebender Seite inspirier! ist.
stellt fest, daß die Auffassung, es be
reite sich an den deutschen Amtssicl
len ein Meinungsumschwung vor, un
richtig sei. Es wird bei der Kundge
bung betont, daß mit einer Wieder-
des Entschlusses der deut
sche Regierung, eine Beteiligung an
der Ausstellung abzulehnen, nicht zu
rechnen sei. Indessen wird die Frage
der Beteiligung an der Panama - Pa
cific - Ausstellung noch andauernd
auf das lebhafteste erörtert.
Prunken in Uniformen.
Amerikanische Milizoifizierc mit mi
litärisch cm Glanz.
Berlin, 8. S-Psi Unter den nach
T-utschland kommenden Amerikanern,
die in ihrer Heimat irgend einen mi
litärischen Rang bekleiden, wird es
Mode, Paraden und andern militä
rischen Veranstaltungen in Uniform
beizuwohnen. Das tonnte letzte Wo
che anläßlich der großen Herbstparade
der Gardetruoprn auf dem Tempel
hcfer Felde zum ersten Male be
obachtet werden.
Zu dec Parade erschienen nämlich
„Colonel" Edwin Rombcrg, ein Mit
glied des Stabes des Gouverneurs
von Illinois, und drei amerikanische
Milizosfizlcre in goldbetreßten Ga
launiformen. Die Herren fuhren in
einer ihnen von der amerikanischen
Botschaft zur Verfügung gestellten
Kutsche nach dem Paradefeld.
Pearys Reisen
Wichtige Schriftstücke
von ihm gesunden.
Nach zwanzig Jahren.
New Dork, 9. Sept. General Tho
mas H. Hubbard, der Präsident des
„Peary Arctic Club", hat heute be
kannt gegeben, daß von dänischen
Nordlandforschern wichtige Aktenstücke
gefunden worden sind, die von dem
Nordpol - Entdecker Admiral Peary
in jenen Gegenden gelassen wur
den. Die Regierung von Dänemark
hat durch ihren Gesandten in den
Bereinigten Staaten Admiral Peary
sämtliche Dokumente, die dieser in
einer Höhle in Navy Cliff an der
nordöstlichen Küste von Grönland im
Juli 1892 niedergelegt Halle, zustel
len lassen. Diese Schriftstücke und
Dokumente wurden genau zwanzig
Jahre später von dem dänischen For
scher Kund Rasmussen gefunden.
Peary kreuzte Grönland von We
sten nach Osten zuerst ini Jahre 1892.
Er und sein einziger Reisebegleiter
Fivind Astrup erbauten an Navy
Cliff eine Art Denkmal und ließen
dort die Schriftstücke, auf deren
Rückseite, sie in verschiedenen Spra
chen den etwaigen Finder aufgefor
dert hatten, sie nach ' der
angegebenen Adresse zu befördern.
Rasamussen fand das Denkmal im
Jahre 1912, nahm die Schriftstücke
an sich und übergab sie später seiner
Regierung. Tie von Peary hinter
lassenen Dokumente waren an einer
Stelle zurückgelassen, die noch keines
Menschen Fuß betreten hatte. Im
Jahre 1910 übergab der damalige
dänische Gesandte in Washington
dem „Peary Arctic Club" Schrift
stücke. die Peary auf seiner Reise
um die äußerste Nordküste von
Grönland im Mai 1900 dort Hinter
listen h. e. Diese hatten die Mit
glieder ciner dänischen Expedition im
Jahre 1900 gefunden.
New Dort, 9. Sept. Einen neu
artigen Ohrenschmaus haben der
Markonibeamte, mehrere Offiziere und
Passagiere sowie Kapitän M. Dietrich
vom Norddeutschen Lloyddampscr
„Großer Kurfürst", welcher gestern
mit ausverkauften Kajüten von We
rnen und Boulogne hier eintraf, am
letzten Freitag genossen, als sich der
Dampfer etwa 800 Meilen von Sid
ney Harbor, wo damals die Mcht des
Fürsten Albert von Monaco lag, be
fand Die drahtlosen Wellen l-.u
gen auf diese große Distanz oemüch
vernehmbar die Melod'e des „God
save the King", der britischen Na>w
nalhymne, zu dem deutschen Dan.p
fer herüber und einige von den Zuhö
rern, die sich der Telegraphist schnell
zusammen getrommelt'hatte, wollen
sogar die Worte des Lade deuli-ch
verstanden haben. Allgemein wird an
genommen, daß man damit einem
Teil der zu Ehren des Fürsten von
Monaco in Sidney Harbor verannal
teten Empfangsfeierlichkeiten per bi
stcmce beiwohnte und es ist das roste
Mal, daß irgendwelche Musik draht
los und auf eine derartige Entfer
nung übermittelt worden ist.
Der Markonibeamte auf dem „Gro
ßen Kurfürsten", die zuerst in Frage
kommende Autorität hierüber, welche
der Berichterstatter einer hiesigen Zff
tnng interpellieren konnte, zeigte sich
nicht gerade abgeneigt, eingehend Aus
kunft zu erteilen, erklärte aber rund
heraus, er rönne die Neuigkeit sehr gut
an hiesige Zeitungen verkaufen and
schien auf ein höheres Angebot sei
tens des Zeitungsmannes zu warum,
welches aus Gründen der beruflichen
Ethik unterblieb. ES scheint also,
daß das beim Untergange der „Ti
tanic" allgemein gerügte Zurückhalten
von drahtlosen Nachrichten zum Zwek
ke des Verkaufs an den Meistbirtenoen
auch heute noch ebenso im Schwünge
ist. HM ist nur, daß nicht allein auf
Dampfern, die unter nichtdeutscher
Flagge fahren, diese Praxis vor
herrscht, wie damals von verschiedenen
Seiten behaupte! wurde, sondern daß
derartige Sachen, wie obiges Exempel
zeigt, auch auf deutschen Schiften pas
sieren. 'Es sei aber zur selben Zeit
hier die Tatsache festgestellt, das-, aer
Kapitän und die Offiziere des „Gro
ßen Kurfürsten", welche die drah:b>se
Musik mit angehört hatten, sich dieser
Geheimniskrämerei durchaus nichr an
schlossen, sondern in liebenswürdigner
Weise dem Zeitungsmann davon so
viel erzählten, als sic wußten.
Der Polizei in New Jork ff't
es immer noch nicht gelungen, die
Identität des ermordeten Mädchens
festzustellen, dessen einzelne Körpertei
le am vergangenen Freitag und
Samstag an der New Jersey Seite
im Hudson Fluß gefunden wurden.
Sinnt auf Rache.
Bulgarischer General will Griechen in
einer Woche schlage.
Konstantinipel, 8. Sept. Ter als
Bevollmächtigter hier weilende bulga
rische General Sawoff erklärte ge
stern, daß der Friedensvertrag zwi-
Rulgarien und der Türkei praktisch
fertig ist und seine Unterzeichnung
schon in den nächsten Tagen erfol
gen wird. Die Festung Adrianopel
Gl! in türkischem Besitz übergeben.
In einem Interview, vas er einem
B-rtreter der Presse gewährte, gelb
der General zu verstellen, tzvß Bul
garien rnffchlcffen ist, sobald als ir
gend möglich wieder loszjffchtagen
und mit Griechenland abznrechstest.
Er sagte, daß er das griechische Heer
innerhalb einer Woche vernichten
könnte, wenn sich die Mächte nicht
einmischen würden.
(Lryebende Feier.
Zur Erinnerung au die Schlacht
von Dennewitz.
Früherer Kanzler hält eine Rede.
Berlin, 8. Sept. Der Patriotismus
schlug gestern hohe Wogen gelegentlich
der Jahrhundertfeier der Schlacht bei
Dennewitz im Kreise Jüterbog-
Luckenwalde des Regierungsbezirks
Potsdam. Auf dem historischen
Schlachtfelde, wo sich eine große Ge
sellschaft hervorragender Persönlichkei
ten nut einer riesigen Zuschauermenge
eingefunden, spielte sich eine erheben
de Dedenlfeier ab, deren Mittelpunkt
die Enthüllung eines Denkmals für
den General Freiherrn Friedrich
Wilehlm von Bülow bildet, der nach
der Schlacht von Großbeeren am 23.
August 1813 auch noch die Schlacht
veiDennewitz am 6. September schlug,
wodurch die Rettung Berlins vor Be
setzung durch die Franzosen vollendet
wurde.
Fürst Bülow, der ehemalige Reichs
kanzler, hielt an den Stufen des
Denkmals die Festrede, die eine große
nationale Kundgebung genannt wer
den kann und von packender Wirkung
auf die Anwesenden war. An der
Feier nahmen Enkel und Urenkel des
Siegers von Dennewitz Teil. Bon der
denkwürdigen Schlacht Halle General
Frhr. v. Bülow den Namen Graf v.
Dennewitz erhalten. Auf dem
Schlachtfeld erinnert bereits seit lan
ger Zeit ein eisernes Denkmal an den
glorreichen Sieg.
Zerstörter Mebestraum.
Bekannte Schriftstellerin wird auf
Ehescheidung klage.
Delaware, 0.. 8. Sept. Wenn
Frau Lillian Bell Bogue, Verfasserin
von „Die Liebesabenteuer einer alten
Jungfer" und „Warum Männer
Junggesellen bleiben", sowie anderer
Werte, alle die in ihren Büchern ge
gebenen guten Ratschläge befolgt hät
te, so würde sie sich nicht in der Lage
befinden, auf Ehescheidung klagen zu
müssen. Frau Bogu: sagte gestern,
das; sie sich von Arthur Hohl Bogue,
Chicago, scheiden lassen will, und
wirft ihm vor, daß er sie nicht unter
stützt habe, daß er ein Verschwender
und gewohnheitsmäßiger Zigaretten
raucher sei und irreligiöse Tendenzen
habe. Die Bogues heirateten am 9.
Mai 1900 nach kurzer Bekanntschaft,
was Frau Bogue damals damit ent
schuldigte, daß viele Paare sich in
längerer Bekanntschaft auch nicht bes
ser kennen lernten. Vorigen Dezem
ber verließ Frau Bogue ihren Gat
ten, weil sie nicht miteinander aus
kommen konnten. Unter anderem
warf sie ihm damals zu starke Vor
liebe für geistige Getränke vor.
„Wie heiß auch immer ein Mann
seine Frau lieben mag," sagte sie da
mals, „er wird niemals um ihret
willen das Trinken aufgeben, nach
dem er es sich einmal angewöhnt
hat." Bor zu großer Familiarität
warnte. Frau Bogue Verheiratete vor
einiger Zeit. Sie verlangte damals,
daß Mann und Frau besondere
Schlafzimmer, besondere Briefkästen
und besondere Bankbücher haben soll
ten. Eine Frar sollte ihren Mann
niemals ohne Hemdkragen sehen, und
er sollte sie niemals mit. in Papier
zwickel eingedrehten Locken erblicken.
Als Frau Bogue sich verheiratete,
hatte sie ganz vergessen, daß st- der
Welt verkündet hatte, daß alle Män
ner unter 35 Jahren dumm seien.
Sie nahm einen Mann, der sieben
Jayre jünger war als sie selbst. Wie
es scheint, l,a! Bogue, der mit seinen
Geschäften als Gründer von Unter
nehmungen wenig Erfolg hatte, sich
in vielem auf seine Frau verlassen.
So mietete er einmal ein Apparte
ment für H2OO monatlich und über
ließ ihr die Zahlung der Miete.
Frau Bogue kam vor einem Jahre
nach Delaware, um einen Vortrag
zu halten, und wurde hier so freund
lich aufgenommen, daß sie es zu
ihrem Heim gemacht hat. Sie arbei
tet augenblicklich an ihrem neunzehn
ten Buche.
Ins Massengrab.
Opfer des Massenmörders Wagner
in Mülilhausen bestattet.
Mühlhausen, Deutschland. 8. Sept.
Gestern fand hier unter zahlreicher
Teilnahme das Begräbnis der zehn
Opfer des Massenmörders Wagner
statt. Alle wurden in einem gemein
samen Grabe zur letzten Ruhe gebet
tet. Die Behörden sind sich noch nicht
klar darüber, ob Wagner geistig zu
rechnungsfähig. also für seine schreck
liche Bluttat verantwortlich ist ober
nicht. In dem Hospital, in dem ec
infolge der von den wütenden Bewoh
nern der Stadt ihm zugefügten Ver
letzungen schwer krank darnieder liegt,
gebärdet er sich vorläufig wie ein!
Wahnsinniger.
Eeschenk für Manuel.
Darf vorläufig nicht von Lissabon
abgeschickt werden.
London, 8. Sept. Aus Lissabon,
Portugal, wird gemeldet, daß die
dortigen Zollbehörden eine Kiste zu
rück gehalten haben, die ein Hochzeits
geschenk für den früheren König Ma
nuel enthalten soll. Sie warten dar
auf, daß jemand sich melden wird,
um die Kiste zu öffnen, damit sie, die
Zollbehörden, sich davon überzeugen
können, ob es wahr ist, daß das Ge
scheut die Inschrift trägt: „Bon der
Stadt Lissabon ihrem König." Die
städlisckjen Behörden werden es nicht
gestatten, daß das Geschenk weiter
befördert wird so lange diese Inschrift
nicht entfernt ist.
Chemiker tagen augenblicklich
in Rochesicr, New b-ort, in Konven
tion.
JnvollemGange
Kaisermanöver in der
Provinz Schlesien.
Großzügiger als je.
Ter Kaiser und seine königliche
Begleiter sind während der Ma
növer die Gäste des Fürsten Pleß
in Bad Salzbrunn. —Fnnkentelc-
graphie soll während der Manö
vcrnbongen in ausgedehntestem
Umfange verwendet werden. —.
Oberschiedsrichter bei den Manö
vern ist Gcneralfeldmarschall Frei
herr von der Goltz. Bewegun
gen des Kaisers und der Truppen
sollen durch einen Wandelbilder-
Äpparat für die spätern Genera
tionen festgehalten werden.
Berlin, 9. Sept. In dem histcri
scheu Gelände des schlesischen Regie,
rungsbezirks Liegnitz, einem Gebiet,
das im Lauf der Geschichte, so wäh.
rend der Freiheitskriege, den Schau
platz zahlloser hervorragender Waffen
taten gebildet bat, herrscht reges mili
tärisches Leben. Gestern begannen
dort die großen diesjährigen Kaiser
manöver, an denen das fünfte und
das sechste Armeekorps beteiligt sind,
geführt von den kommandierenden Ge
neralen von Strantz und von Pnt
.felwitz. die beide zum ersten Mal Ge
legenheit haben, ihre Korps dem ober
sten Kriegsherrn vorzuführen.
Der Kaiser ist mit seinen könig
lichen Gästen, dem König Konstantin
und dem Kronprinzen Georg von
Griechenland, nebst großem Gefolge
bereits gestern abend in seinem Manö.
verhauptquartier.Bad Salzbrunn, ein
getroffen. Dort haben sie in dem vom
Fürsten Pleß, dem Besitzer des Ba
des, erbauten neuen großen Kurhotel,
dem Grand Hotel, als Gäste deS Für
sten Wohnung genommen.
Die Mnnöverleitung ist in die
Stadt Freiburg gelegt, in der seit
Wochen schon eifrig an der Schaffung
der nötigen Fazilitäten gearbeitet
wurde. In Freiburg hat außer dem
deutschen Generalstabschef Grafen
Moltke, dem österreichischen General
stabschef Frhrn. Conrad von Hötzen,
dorff und dem italienischen General
stabschef Pollio auch Graf Zeppelin,
der auf besondere Einladung des Kai.
fers an den Manövern teilnimmt, sich
einquartiert.
Da die Zusammensetzung und um
fangreiche Tätigkeit der Manöveuei
tung naturgemäß für die Stadt Frei,
bürg an und für sich schon eine große
Einquartierung und reges Leben mit
sich bringen, wird die Stadt von son
stiger Einquartierung und enger B-le.
gung durch die übenden Armeekorps
frei gelassen.
Neben den Militärpfliegern und
Zeppelinen, die in den letzten Jahren
in stetig steigenden, Maße zu d-ra.ii
gen Uebungen herangezogen wurden,
wird diesmal zum ersten Mal die
Funkentelegraphie in ausgedehntestem
Umfange bei den Operationen verweil,
dct. Als Oberschiedsrichter fungiert
Geiieralfeldmarschall Frhr. v. ' ü.
Goltz.
Berlin. 9. Sept. Die Manöver sind
in diesem Jahre großartiger und
großzügiger als je. Durch einen Wan
delbilderapparat sollen die Bewegun
gen des Kaisers und der Truppen
für die späteren Generationen festge
halten werden. Die Luftschiffe und
die Acroplane sollen eine besonders
hervorragende Rolle spielen, darunter
ein Zeppelin. Die Manöver begannen
gleich nach dem Eintreffen des Kai
sers. Der Kampf spielt sich in einer
langen Schlachtfront ab, dagegen wird
es Aufgabe der Berteidigungsar.nee
sein, den Feind in cngbegrenzlem
Raum durch rücksichtslosen Angriff zu
vernichten.
Die feindliche „rote" Armee hat ve
reits die äußerste oberschlesische Grenze
ohne Widerstand überschritten, da die
schwache Grenzbesatzung der „blauen"
Arme zurückwich. Die „rote" Ar
mee überschritt die Oder, kam gegen
Abend in der Gegend südlich von
Breslau an und dirigierte ihre Kaval
lerie gegen Schweidnitz. Die „blaue"
Armee sammelt in breiter Front fünf
Armeekorps, die sich zwischen dem
Riesengebirge und Liegnitz konzentrie
ren sollen.
Neuer Komet entdeckt.
Astronomen finde ihn angeblich am
nordöstlichen Himmel.
San Jose, Kal., 9. Sept. Von den
Astronomen des Lick - Observatori
ums auf dem Mount Hamilton ist am
nordwestlichen Himmel ein neuer Ko
met entdeckt worden, der allerdings
dem nackten Auge unsichtbar ist. Er
befindet sich in der Konstellation
Luchs und wurde zuerst von Pastor
Joel Metcalf von South Hero, Pt.,
beobachtet, der telegraphisch seinr Ent
deckung nach dem Lick Observato
rium meldete. Mittels der großen Be
obacht ungsinstrumenie ist der Komet
etwa von Mitternacht an sichtbar und
steigt dann in nördlicher Richtung.
Der Schweif des Sternes ist schwüler
als der irgend eines anderen beobach
teten Kometen.
Keine Bentilatiori.
Acht farbige Sträflinge in einer Tun
kitzelte gestorben.
Richmond, Texas. 8. Sept. Acht
, farbige Sträflinge, die in einer
'Dunkel,Me 'stuf der Ziichthaussarni
in Hartem eingesperrt waren, star
ben infolge dos Cliiatmens cm
ichlechter Lust, und vier andere
Sträflinge, die mit den Allst zu
sammen eingesperrt waren, bogen
schwer krank darnieder. Die Zell?,
in der die Unglücklichen eingesperrt
ivürerr. fäll absolut keine Ventila
tiaiisoorrichturigen gehabt habrn, '
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