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Ohio Staats-bote. (Canton, Stark County, Ohio) 1846-1851, January 20, 1847, Image 1

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e n u n e n
v'lfctt Ohio Staats-Bote erscheint regelmäßig
Mittwoch'. Der Subscriptions-Prcis ist $1,50 tm*
htdingte Vorausbezahlung
in Baargeld,
e cl,.tr
»tun die Zahlung innerhalb der ersten Holste des
)«hrcs geschieht. Spater Zahlende haben KS,50 zu
entrichten. Kein Unterschreibet wird für einen tür
zern Zeitraum als 6 Monatc angenommen auch
fann die Zeitung nur dann aufgegeben werden, wenn
ißt Rückstände abbezahlt sind, timte Bernachlasst
gung
die Zeitung vor dein Ende deg JhrS aufzukün.
digcn, wird al«t eine Erneuerung der SubscripUi?» bc
fachtet- Mittheilungcn und Bliese sind postfrei er*
beten. QCj3
fachtet ivcrden.
Licdöhen.
Ii» de« Lebens
Wechselspiel,
Auf der schönen Erde,
Hiebt« der süßen Freuden viel,
Wenig der Beschwerde.
Uer nur recht mit Kopf und Her
&*>• Kreuden weiß }tt finden,
A, dem wird bald jeder Schmerz
Wie tut Traum verschwinden.
Scheint die liebe Sonne nicht
Allen Menschenkindern?
Strahlt nicht lächelnd ihr Gesicht
Auch den größten Sündern?
Drum ein Thor, der nicht sich freu't,
Und voll eitlen Strebens,
Statt der Blumen, Disteln streu't
Auf den Weg des Lebens«
Kreuet euch der Jugendzeit
Und der reifern Zahre
Winkt Freund Hai«, dann seid bereit,
Aber WS zur Bahre
Wenkt Dort wohnet iit der Höh'
Einer, der da endet
l'
-Jeden
Kummer, jedes
jeden
Diese Bedingungen werden pünktlich be
^Jahrgang 1.
Weh,
Und dann Freuden spendet.
Doch nur dem, der tugendhaft
Hier dutch's Leben reiset,
©ich auf setittr Wanderschaft
Wahr und treu beweiset
Rur der Tugend wird zum
Lohtt,
Jener wahre Frieden
$ie nur tragt den Preis davon,
Jenseits und hienieden.
A e i k a u n s e i n e Z u k u n
Die VereinigtenStaaten vonNord-Amer
ika haben nun das stille Meer erreicht. Das
sternenbesäete Banner flattert im schönsten
Hafen der Welt, an der Bucht von San
Francisco. Es ist von Interesse, ein Land
karte von Amerika aus dem Jahre 1740 mit
einer von heute zu vergleichen. Damals
waren die dreizehn Colonien ein schwach be
völkerter Ufersaum am atlantischen Meere,
nur wenige kecke Waghälse drangen bis ins
Alleghenygebirge vor, selten ging einer hinü
ber ins Mississ.ppithal der ganze Westen
qch'orte unbestritten den Indianern. Jetzt
ist kaum noch ein rotherMann auf dem link
«n Ufer des Vaters der Gewässer überall
sind die Wälder gelichtet, statt der Büffel
pfade wird das Land von Landstrassen, Ca
nälen und Eisenbahnen durchzogen, und der
Ackerbau ist bis über die Grenze des fernem
Staates Missouri hinaus gedrungen. Die
große Union zählt zwanzig Millionen Men
schen, und entwickelt eineAusdehuungskraft,
wie kein anderer Statt in der Weltgeschichte
sie jemals bethätigte. Das Gebeimniß die
ser auffallendenErsche/nuug erklärt sich leicht
Die StammeseigkNt^ürnlichkeit der Angel
sachsen und Deutschen, welche den Hauptstock
der Bevälkerungen dcrUnion bilden, ist dem
Colonisiren durchaus günstig der Anglo-A
merikaner, der immer unruhig vorwärts ins
Weite will, bildet das Anstoß gebende Ele
ment, der Deutsche mehr das feste, ruhige
bleibende. Eine ungeheure Masse von Ein
sicht, Geld und Arbeitskraft wächst alljähr
lich dem «tuen Lande zu, das durch innere
Colonisation beispiellos an Kraft und Wohl
stand gewinnt. Es ist wahr, besonders in
den neuen Staaten geht es häufig noch tur
bulent genug Her aber wer wollte solche Un
bequemlichkeiten nicht gern entraqen bei so
vielen anderen Vortheilen, die das Land und
dessen Verfassung bietet? Der amerikan
ische Bürger hängt nur von sich selbst ab
Niemand bevormundet ihn, das Gesetz dem
er unterworfen ist, hilft er sich selbst geben,
kein patriarchalisches Gesetz hält ihn in Un
mündigkeit, bei ihm gilt der altdeutsche
Grundsatz der Selbstverwaltung, und wie
der Amerikaner sich bettet, so schläft er bei
ihm beherrscht nicht diePolizei das ganze Le
ben, Darum entfaltet es sich besonders im
Vergleich zu der europäischen Polizei, und
den Actenstaaten, in denen Alles von Beam
ten decretirt wird, so mannigfaltig und so
großartig Amerika nimmt den Gang eines
Riesen, dem gegenüber Europa bald klein ge
nug erscheinen wird.
Politische Betrachtungen.
Pflicht der Demokrat«».
Getheilte Kräfte
Erschweren die Geschäfte
Nur Einigkeit macht stark,
Und bildet Kern und Mark.
1.
Wenn es je einen Zeitpunkt gab, welcher
die demokratische Partbei der Union mit al
lem Ernste und Nachdrucke ihren Prinzipien
treu zu sein, und nach denselben in Eintracht
und Harmonie zu handeln mahnte, so ist es
sicherlich der gegenwärtige.
Die in den politischen Angelegenheiten
dieses Landes eingetretene Crisis fordert je
den wahren Patrioten und Republikaner
zur ungesäumten Pflichterfüllung, und zu
vereinter Thatkrast auf,—und die Bergan
heit enthält der Wcisheitsregeln genug,
welche wir uns bei den künftigen Bewegun
gen tur Richtschnur dienen lassen müssen.
Während des verflossenen Jahrs haben
wir eine augenscheinliche Revolution in der
öffentlichen Meinung wahrgenommen, und
in mehreren Staaten die demokratische Par
thei von der stolzen Höhe des Triumphes in
den Zustand der Minorität herabsinken ge
sehen.
Dieses widrige Ereigniß ist jedoch nicht
der Art daß wir dadurch verzagt und nmth
los gemacht werden könnten,—im Gegen
theile liegt in der demokratischen Gesinnung
eine rückwirkende Energie und elastische
Kraft, welche dieselbe sich wieder erheben,
und als mächtigere Element der Nation ihr
sich aufs neue Geltung verschaffen läßt.
Die Ursache», welche bemerktes Ergebniß
herbeiführten, waren theils remporairer und
localer Natur, theils die natürlichen Folgen
einer allzugroßen Sorlosigkeit oder Getheil
heit in den Reihen der demokratischen Par
thei. Auf der Bahn des Sieges und Ge
lingens pflegt man oft jene Wachsamkeit
iinb Einheit, welche ebenso nothwendig zur
Erringung als Bewahrung der Vortheile ist,
bei Seite zu setzen nnd zu vergessen.
Neues Sammeln unsrer Kräfte, verein
tes Zusammenwirken nach einem Ziele, und
der
feste
V
Entschluß, jedes unheilige Streben
jede niedere Selbstsucht auf dem Altare uu
sers gemeinschaftlichen Vaterlands aufzuop
fern, lassen alle diese Nachtheile bald wieder
spurlos verschwinden.
Andrerseits liegt auch darin für so Man
che die gewichtvolle Lehre enthalten, daß die
demokratische PartHei nicht zur Beförder
ung oder zur Begünstigung des einen ober
anderen Bürgers eristirt,—daß ihre Orga
nisation einen höheren Zweck als das Ver
schaffen und Austheileu vou Aemtern,—daß
ihre Aufgabe darin besteht, die republikani
schen Institutionen von den drohenden Be
flecknngen monarchischerJdeen zu bewahren,
die Volkssouverainität gegen die Beeinträch
tigungen eines immer wachsamen Feindes
in Schutz zu nehmen, und allen Gliedern
dieser Republik die politischen, bürgerlichen,
religiösen nnd persönlichen Rechte in ihrer
höchsten Reinheit und größten Unabhängig
keit zu sichern.
Von den Vortheilen, welche die Whig
PartHei durch List und Intrigue zu erringen
wnßte, und die sie als dieVorboten von noch
größeren künftigen TriumtHen in ihrem
Dünkel auszuschreieu wagt, angestachelt
und anfgemnntert bereitet dieselbe sich bereits
zu einem noch härteren Kampfe gegen die
demokratische PartHei vor, und gebraucht da
bei den zwischen den Ver. Staaten und der
Republic Merlko eristirenfccn Krieg als die
Hauptwaffe gegen ihre Gegner.
Derselbe wird sowohl von ihren Nednern
als Zeitungen als derjenige Punkt geschil
dert, wo mit Erfolg die .gegenwärtige Admi
nistration angegriffen werden könne.
Obgleich derCongreß den Krieg als durch
die Handlungen Merikos hervorgerufen er
klärte, indem dasselbe in unser GebietTrup
pen matschtreit ließ, und inifereBürget mor
dete, so halten dennoch die Whigs den Prä
sidenten für verantwortlich, und versuchen
als Freunde des Feindes, und als Feinde
des Landes, als welche sie sich von jeher
charakierisirten, gegen die Administration,
weil dieselbe ihre Pflicht that und die Ehre
der Union in Schutz nahm, zu Feine zu zie
hen, und dieselbe auf alle mögliche Weise zu
verunglimpfen.
Um diese Angriffe gebührend abzuweisen,
die Administration bei derDurchsetzung ihrer
Maßregeln zu unterstützen, und den Krieg
zu verfolgen, bis ein ehrbarer Friede erlangt
werden kann, müssen wir Demokraten ans
nnsrer Mitte alle kleinlichen Reibereien ver
eint uns um das Banner der Freiheit ver
sammeln, wie es in 1812 geschah.
Damals schlugen die Whigs, unter dem
Namen „Föderalisten" bekannt, denselben
Weg ein, welchen sie jetzt wieder zu wan
deln beschlossen haben,—aber es wurde, |wie
es auf's Neue geschehen muß, ihre nieder
trächtige Absicht enthüllt, und ihr laudesver
räthererisches Verfahren gebrandmarkt.
Bis jetzt wnrde der mexikanische Krieg
vonSeite unsrer Truppen mit erstaunlichem
Heroismus geführt. Die tapferen Män
ner, welche die Occupations-Armee bilde
ten, und die wackeren Volunteers, welche zu
deren Beistande herbeieilten, haben Wun
der gethau,—so lange derRioGrande in den
Gulf fließt, werden die an seinen Ufern ge
fochtenen Schlachten in der Erinnerung
fortleben, und so lange die Geschichte den
Namen Monterey's aufbewahrt, werden je
ne Helden, die diese Stadt bestürmten und
einnahmen, nicht vergessen werden.
Als der mexikanische Krieg zuerst aus
brach, und unsere Truppen am verflossenen
8ten Mai auf dem Wahlplatze bei Palo Al
to und Resaca de la Palma siegten, da war
kanm ein Manu in der Fdderalparthei auf
zufinden, welchem es gegen den Kampf eine
üble Aeusseruug vorzubringen eingefallen
wäre. Das Niedermetzeln so mancher unsrer
Soldaten war noch Jedem frisch in das Ge
V
mm
Nedigirt und herausgegeben von H. I. Nothnagel.
Emtton, Stark County, Ohio, Januar 20, 18'i7,
dächtniß geprägt, und Alles vereinte «sich, in
Jubel über das so glückliche Resultat auszu
brechen.
Nun aber schlgaen die Whigblätter über
die „Ungerechtigkeit des Krieges" Lärm, sa:
ßeln von „Eroberung unseres National
Charakters."
Es zeugt sicherlich von einem nnvatrioti
schen Gefühle, daß die Whigs unsere Admi
nistration angreifen, weil dieselbe einenPlatt
verfolgt, wodurch allein unsere Ehre eretet
werden kann,—und es liegt nun an der de
mokratischen Panbei, .alle Trennungen auf
zugeben, und sich gegen die Feinde der demo
kratischen Maaßregeln, zu vereinen.
Daß der Kamps mit dem Föderalismus,
von jetzt an bis zur nächsten Präsidenten
wahl, wo seiner abermals eine Niederlage
wie in 1844 wartet, ein erbitterter sein wer
de, läßt sich aus allen Anzeichen, welche be
reits dem heranziedemSturme vorausgehen,
entnehmen. (R. A.
Ausländische Nachrichten.
(Aus de Wochenblatt der deutschen Schncllpost.)
I n e i u i e a 1 9 o e s s o
Gfrörer kürzlich dahin berufen in der
Aula vor einer großen Versammlung aus al
Ständen seine Antrittsrede. Er sprach über
einen neuerdings viel verhandelten, interes
santen Gegenstand, „Wallenstedts Schuld
oder Unschuld."
Nach dem Novemberhefte der „Berliner
Jahrbücher für Erziehung und Unterricht"
i e e s i n e u s a n e z 6 2 0 0 0 V o k s
schulen, worin 6 Millionen Schüler von
68,250 Lehrern Unterricht erhalten. In den
i n e u s a n v o a n e n e n 5 0 0 e e r
teuschnlen werden 75,000 Schüler von
450 Lehrern unterrichtet. An den 25 dent
schen Universitäten befinden sich 1400
Lehrer und 48,000 Studireude. Die 123 Leh
rersemttt arten ttt Deutschland enthal
ten 500 Lehrer und 6000 Zöglinge ferner
besitzen die 400 deutschen gewerblichen An
stalten 2000Lehrer und 40,000 Schüler. Be
rechnet man das Geld, was durch die Schü
e u e s e z w i z o a n e n
zu einem geringen Ansatz, soergiebtsich allein
eine Summe von 2 Mill. Thaler«
e i n 1 8 N o v a n e s o a
durch durch d^ Einverleibung Krakan's be
sonders der schleßische Handel, welch mit Kra
kau bisher sehr lebhaft war, bedeutend lei
den werde.' (H. C.)
e s a u, 23. Nov.— Dieser Tage be
e e e e s a u e i n e K a w a n e v o n
neun Kindern, welche (von einer pol
nischen! Dame nach dem Greßherzogthum
gebracht wurden. Die Kleinen haben
haben in dem galizischen Massacre ihre El
tern verloren nnd suchen jetzt bei mitleidigen
Verwandten Obdach und Pflege. Das kurze
Leben manches dieser Kinder^soll sich in merk,
würdigen Schicksalen mit dem eines erwach
seiieit Menschen messen können. Einzelne sind
in jenen Tagen des Februar und März durch
ihre Ammen der Blutgier der Bauern entzo
gen worden, und wurden dann bettelnd von
ihren Erretterinnen dnrch's Land getragen,
bis sie von der mitleidigen Dame diesem elen
den Schicksal entrissen wurden.
(Schles. Ztg.)
s s e o f, 19. Nov.—Ein nicht ge
ringeres liebet als die Theuernng ist
der Wassermangel, wodurch in den
Fabrickstädten Tausende von fleißigen Hän
den feiern müssen. Es gesellen sich dazu di
in
den
letzten Iahren immer mehr gestiegenen
Holzpreise, sowie durch den sehr niedrigen
Wasserstand des Rheines und der Ruhr der
Mangel an Kohlen immer fühlbarer wird
und die Preise derselben immer im Aufschla
begriffen sind. Von dem traurigen Znstande
der Schiffahrt und des ganzen Handels kann
man sich einen Begriff machen, wenn man
hört, daß allein zwischen Dortrecht und
o i 270 Schiffe, meistentheils m»t Ge
treide beladen, liegen, welche durch d«m äu
ßerst uiedriegeu Wasserstand gezwungen sind,
in jener Gegend liegen zu bleiben. (E-A.)
S w e i z
u z e
it.—Hier
s&ämL*
ist viel Bewegung man
ererzirt und manövrirt, als wäre der Krieg
vor der Tbüre. Das macht viel Kummer und
Sorge für die Zukunft. DieReichen verschlie
ßen "ihre Gelder in ihre Kisten und fürchten
sich auszuleiheu, sogar auf die guten Kapital
briefe. Das hemmt den Verkehr und die Un
ternehmungen. Was soll die ärmere Klasse
anfangen, die sammt ihren Familien vom täg
lichen Verdienste leben, Verdienst suchen und
keinen finden? Reiche Bauern vermindern
sogar die Zahl ihrer Dienstboten, und sehen
nicht ein, daß sie dadurch sich selbst schaden,
die Zahl der Arbeitlosen vermehren, die Ar
mnth vergrößern und die künftigen Armen
steuern am Ende auf sie selbst zurückfallen.
Es ist daher kein großes Wunder, wenn die
Arbeitslosigkeit und Armuth zu Mitteln greift,
die die Zahl der Verbrecher vermehren, welche
beiden Partheien angehören. )Er. v. L.)
e i u e i e s i e E z e
erklärt, daß die Großrathsverhandlungen et
nett so gereizten Charakter annehmen, daß es
ihm unmöglich wäre, dieselben obnc Enlstel
lung in einem anständigen Gewände zu ge
ben deshalb beschränkte er sich aufMttthei
lung der Beschlüsse. Nach dem Antrag des
Hrn. Berchtold wird derStaatsrath ein
stimmig eingeladen, in kürzester Frist Aus
fünft über die Bewaffnung der Freiwilligen
zu ertheileu. Eine Motion des Hrn. ö h
i ch e r, wonach der Staatsrat!) über fein
gauzes Thun und Treiben Rechenschaft able
gen sollte, wurde, nach dem der Staatsrath
erklärt, er sammle.gerade ^lleit nothigen
Stoff, um über alle außerordentlichen Maß
regeln Bericht zu erstatten, mit 53 gegen 27
Stimmen für nicht erheblich erklärt. Nach
einer Correspondenz der „Berner Ztg*" hat
ten allarmirende Gerüchte wieder anßeror
deutliche Bewaffnungen veranlaßt, so daß
s e s e o a s s a a i
Soldatenangefüllt worden war.
(Mannh. Abdztg. v. 23. Nov.)
Aus der Alten Wttt.
Fast in jedem® chweizerstädtchen
sitzen sie jetzt ltitb flicken an der Verfassung,
meist aber nur neue Lappen auf abgetragene
Kleider. Auch über denn Schnitt und die
Facon streiten sie sich die Einen wollen den
neuen Staatsrock ganz nach der nenstenMo
de, die Andern a !a Roccoco zuschneiden.—
Wenn nur nicht darüber der ganze Rock ver
schnitten wird.
In dem n k s i e e w e k
zu
I i a brach in einigen Stellen Feuer
aus und erstickte 7Bergleute. Zehn andere,
die noch Rett nngsversnche anstellten, büßten
ihr edles Uittcrnchnyrit mit dem Leben. Die
meisten der Unglücklichen sind Familienvä
ter.
e o s s e n e a o .—Man
meldet dem "Fnrn-Corr." aus Berlin: Jetzt
ist diese Erfindung bereits so weit gediehen,
daß eine Fabrik dafür beiCbarlottenbnrg er
richtet worden ist, aus welcher nunmehr die
ersten Proben hervorgegangen sind. Diese
!?nd über alle Erwartung ausgefallen- Der
gegossene Marmor kommt dem cararifeben
vollkommen gleich, ist eben so kernig und eb
en so durchsichtig bei der Bearbeitung. Da
mit wird also für die Bildhauerkunst eine
ganze neue Aera beginnen. Die Statuen
werden eben so in Marmor gegossen werden
können, wie sie jetzt in Gyps gegossen wer
den, und damit nicht nur dieselbe Zartheit
erhalten, welche die Gypsabdrücke haben,
'ondern auch so billig hergestellt werden ken
nen, daß die Anschaffung auch weniger Be
mittelten möglich werden wird. De* Fnß
gegossenen Marmors wird nicht über einen
Thaler zu stehen kommen. Die Art der von
den Herren Mörser und Kricgk gemachten
Erfindung ist noch ein Geheimniß, doch
machen sie kein Hehl, daß sie das Material
aus Böhmen beziehen.
A e e s e e o- a n e i
schen Telegraphen.—In einem
in 1788 in Paris erscheinenenWerk wird be
reits der Erfindung eines electro-magneti
schen Verbindungsmittels, daß ein gewisser
Lingnet D- Genthey ausgedacht haben soll,
Erwähnung gethan. Fast seä)szig Jahre
vergingen, ehe diese Idee in's Leben einge
führt wurde. Ein langer Zeitraum, aber
doch ein Fortschritt, wenn man bedenkt, daß
schon im Jahre 1543 im Hafen von Barce
lona ein Spanier, Blascode Serray, einen
Versuch mit einem Dampfschiff machte, wäh
reud das erste brauchbare Dampfschiff erst
im Jahre 1807, also "264 Jahre später, vol
lendet wurde
An der Thüringer Eisenbahn weimarischen
Antheils arbeiten noch gegenwärtig, durch
die außerordentlich günstige Witterung un
terstützt, 3,000 Arbeiter. Dem Vernehmen
nach wird das Stück derThüringer Ei'senbahn
von Weißenfels nach Weimar noch den 1
Dezbr., jedoch vorerst nur dem Güterzuge
eröffnet werden.
Die Verlobten.
(Schluß.)
Pierre Hatte sich an die liebevolle Freund
lichkeit der Miß Fänny gewöhnt» ohne darin
etwas Anderes zu sehen, als eine durch
?prachverschiedenheit nöthig gewordene Art
Telegraphen- Wenn sie in dem Arbeitszim^
Hier
saß, ihr blondes Leckenhaupt anf den
nackten Arm gestutzt, den zur Hälfte ein
schwarzer Handschuh ohne Finger bedeckte,
und ihre Blicke unverwandt auf dem jungen
Gehilfen rubelt ließ, sah Pierre in dieser
träumerischen und zärtlichen Aufmerksamkeit
nichts als eilte freundschaftliche Aufmunter
ung wenn sie durch eine Geberde etwas v.
ihm verlangte und dabei seinen Namen mit
jener tiefen wohlklingenden Betonung sprach
den die Stimme eines Weibes nur einem
einzigen Namen unter allen zu geben weiß,
sah Pierre nichts darin als den Ausdruck ei
ites Wohlwollens, welches das Gebot unter
dem sauften Tone verberge. Uebrigens fnhl
te er lange in der Nahe der Miß Kanny eine
ehrerbietige Scheu, von der er durch alle
Heichen von Wohlwollen nicht geheilt werden
konnte. Miß Fanny, die seine Schüchtern
heit errieth, kam ihm nur um so anqelegent,
(icher entgegen, ermuthigte ihn endlich selbst
und stellte ihn auf ganz gleichen Fuß mit sich
selbst.
Es bildete sich zwischen den jungen Leuten
1
'«*. ^'',i.', y -1,:^ mm
11
*jw
e k a n n a u n e n
Eine Bekanntmachung von einem ZHmtfr, efct
weniger, kostet für einmalige Einrückung §0 Cents
fur 3 mal Li. und für jede fernere Einrüctunq dessel
ben Vierecks 25 Cents—Ein Viereck Z Monate nn»
zurücken kostet $ 3,6 Monate 5 5,1 Jahr $ 6 Ein«
halbe Spalte 3 Monate einzurücken $ 8, 6 Monate
$ 15, 1 Jahr K 2?,—Eine ganze Spalte für 3 Mona»
tc kostet $ 12, 6 Monate 20 und 1 Jahr $ 30.
e a S a e n v o n 4 o e w e n i e
3«l*
feit einzurücken kosten per Jahr $3, für 6 Monat«
52
u k a e i e e A n e u s e u n e n
lischer Sprache, wird
in der Office des ,,ShioStaatS*
Boten" schnell, sauber und ccrreft besorgt.
Nummer 6.
allmählig eine zärtliche Freundschaft, die bei
dem Madehen selbst bald in eine geheime Lie
be überging. Pierre sah sie traurig, launisch
leidend werden, ohne die Ursache dieser Ver
änderung zu emthen. Einige Male war
er nahe daran, die Wahrheit zu erkennen,
aber er wies diese Mnthmassung erröthend
zurück, als sei sie ihm vom Stolze eingege
ben. Endlich ait einem Tage überwältigte
ihn das Mitleid mit Miß Fanny, deren
Schmerz sich seit einiger Zeit verdoppelt hat
te, und *cr wagte sie zu fragen, was ihr feh
le.
Ohne ihm zu antworten, brach das Mäd
chen in THränen ans nnd ging schnell in da6
Zimmerchen Hinter der Arbeitsstube Pierre
folgte ihr dahin und fand sie knicend vor ei
nem Stuhle, das Gesicht mit beiden Händen
bedeckt und heftig schluchzend. In großer
Verlegenheit trat er zu ihr, rief sie, wollte
ihr die 5)ände vom Gesicht ziehen, gab ihr
tausend zärtliche Namen, welche ihm da6
Mitleid einflüsterte it. sagte endlich: „Ver
trauen Sie mir Ihr Leid Sie wissen ja,
wie ich Sie liebe."
„Sie lieben mich rief Fanny mit einem
Inbelgeschrei, und ließ ihre Stirn auf die
Achsel des jungen Mannes sinken, den sie
mit ihren Armen umschlang. Sie hielt das,
was nur eilt Ausdruck brüderlicher Freund
schaft war, für ein Geständniß der Liebe.
Pierre war gebunden, ohne es zu wollen,
ohne es vorher gesehen zu haben. Die Auf
regung. die Ueberraschnng, die Schüchtern
heit, die Schwierigkeit, sich im Englischen
auszudrücken, nahmen ihm alle Geistesge
genwart. Er konnte die feurige Umarmung
Fanny's nur mechanisch erwiedern. In die
sem Augenblicke trat der alte Smith herein
seine Tochter flog ihm entgegen und warf
sich ihm in dieArme er verstand, was vor
gegangen war, reichte dem jungen Gehilfen
die Hand, der mit niedergeschlagenen Augen
und in entsetzlicher Verlegenheit da stand u.
sagte lächelnd „Nun. habt Ihr denn ein
ander verstanden? Es ist gut, Kinder
wann soll denn die Hochzeit seyn
Pierre stotterte einige unzusammenhän
gende Worte Smith schrieb seine Verlegen
heit auf Rechnung des Erstaunens und der
Freude und achtete weiter nicht darauf. Der
junge Brctagner entfernte sich in Verzweif
lung.
Mehrere Tage lang glaubte er träu
men aber es wurden bereits alle Anstalten
zur Hochzeit getroffen Fanny arbeitete
chon an ihrer Ausstattung. Sie war wie
der fröhlich geworden und'sang. Pierre sah
etit, daß er nicht mehr zurück'könne und er
gab sich in sein Schicksal. Er war keiner
jener festen Charaktere, welche nie die spitz
en Ecken eines Hindernisses fühlen und so
lange daran flössen, bis sie dieselben abge
brochen. Er war furchtsam und schwach, u.
wie die meisten Menschen unfähig, gegen Ge
schehenes sich aufzulehnen. Wer weiß übri
gens, ob die Art Gewaltthat, die ihm gesche
he» war, nicht ein gewisses angenehmes,
schmeichelndes Gefühl in ihm erregte? Oh
ne es selbst zu wissen, gab er sich vielleicht
dem Gedanken hin, reich, unabhängig und
geehrt zu werden. Dann erschien das lieb
liche Gesicht der Miß Fanny im Hintergrün
de seiner unbestimmten Träume von Wohl
sein, mit den langen blonden Locken und de«
reizenden Lächeln, das Gesicht der so guten,
so schönen Miß Fanny, die ihn so sehr liebte
nnd die e n e Dame war. Wie konnte
er so frenndliche Bilder, so angenehme Ge
fühle von sich abwehren?
Pierre überließ sich indeß diesen angeneh
men Träumereien nicht lange. Sein Ge
wissen berichtete ihm, hinter dieser Ergebung
liegt eine schändliche Feigheit und Treulosia
feit. Seit er Fanny heirathen sollte, dachte
er fortwährend an Zlvenne. Er sah sie an
ihrem schmalen Fenster neben dem Lackstocke
sitzen, fröhlich arbeiten und vertrauunqsvoll
seine Rückkunft erwartend dieser Gedanke
preßte ihm THränen aus den Augen. Sin
sonst ganz unbedeutender Umstand, der Tod
eines Mädchens in der Nähe, die sich in daS
Wasser stürzte, weil sie ihr Geliebter verlas-
jjjfiwccftc
in
P"" die heftigsten Gewissens-
Alle seine Erinnerungen an die Kindheit
und die Bretagne lebten wieder auf und er*
hoben sich um ihn anzuklagen. Er wnrd«
düster und krank. Hr. Smith glaubte, die
se Krankheit sei nichts weiter, als Liebesun
geduld und beschleunigte die Anstalten mr
Hochzeit. Aber der beunruhigende Zustand
des jungen Mannes verschlimmerte sich von
Tage zu Tage mehr. Jeden Tag liessen sich
tue stimmen, welche ihn an Yvonne und {ti
tle ehemaligen Versprechungen erinnerten,
drohender vernehmen und klagten ihn lauter
au Sein Kummer wuchs zur Verzwei^
luug. Er hielt sich für ehrlos auf Erden n
verdammt im Himmel, weil er das iunae
Madchen von Paimpol binterganqen. Er
glaubte wirklich Stimmen tu hören, die
für Anzeichen hielt.
Nach einer in Verzweiflung, unter ThrS
neu und Innern Kämpfen verbrachten Nacht
schrieb er endlich au Smith einen lang«!
Z 'w aufrichtig seine
ganze Geschichte erzahlte. Er gestand, daß
,hn em Irrthnm zum Bräutigam der Mi«
Fanny gemacht, sprach von dem Zeichen vom
flPfa"SCIt' und kündigte
thtn lernen Entschluß an, Dublin jtt verlas»
•iflfn'i
U
1k

A e i s der Wanderer.
o e i e i w o n a i s e i n a e a n

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