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Ohio Staats-bote. (Canton, Stark County, Ohio) 1846-1851, September 19, 1849, Image 1

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^r „Ohls S taatS»Bett" erscheint Mittwech-S
Gi'.tscnptionSpreiS für 52 Rtummrn ist. $2 in
Vorausbezahlung, $2,25 wenn innerhalb des erste»
halben Jahres, £:2,50 wenn wahrend des zweiten hat»
ten Zahrcs und S2,7S wenn erst nach VerlaufdcA^'
Jahres bezahlt wird. Niemand kann die Aei»
tung aufgeben ohne vorher alle Rückstände bezahlt z»,
haben. Briefe und Mitteilungen müssen portofrei
fehl, wenn (:c berüi sichtigt werden Iollen.
cry- Vvstnui!cv können nach einer Verordnung
des Gc!i"l-^cstantts Sttbftriptionsgeldcr fr a n»
o an Bcihv^tytvavf'iVfrtr senden, wenn mait dem?
feiten solche ^tiefe offen nbergiebt, sie
und addrrssiren la-zt.
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(J^b^gang 2.
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!fr

Has Band der Geschlechter.
Morastig, feines Willens Master,
Machtig im Gebiet der Zeit,
Mächtig im Gebiet der Geister,
Gegen Welt und Schicksal dreister,
Steht der Mann, in Herrlichkeit.
Muth entflammt dag Her ihm««r.
Seine Stirne ist ein Felsen,
Und join. Jawort ist ein Schwtt»
Aber Freuden Ihr Alten fließen
Von dem stolzen Auge nie,
Nie kann er das Glück genießen
Herz in Herz sich zu ergießen,
Nie der Wchmuth Sympathie.
Mitgefühl für Andrer Schmerz,
Mitgefühl für Andrer Freuden
Kennt feilt Kopf nur, nicht sein Herz.
Und fo gleichend dein Orkane,
Streut er, wo er kühlen will,
Irümvnmt nur auf seine Bahne,
Denket hohe, laute Plane
Für dies Leben klein ttnfc still.
Glüht für einer Welt Idee,
Will das Ganze nur umfassen
Und zerdrückt das Einzelne. v
Doch da tritt mit leisem SchwOM
Liebe naher hin zu ihm,
Und er fühlt sein Inneres beben,
Seine Brust sich fanfter heben,
Schwinden feinen Ungestüm,
Was er nie vorher gedacht.
Fühlt er mm mit frohem StauftSt, I
Der Empfindung Uebermacht.
Sie entblüht tn schonen Blüthen
An der Rose Weiblichkeit,
Sie nur gibt dem Auge Frieden,
Sie nur ist's, die Aphroditen,
Au der Schönheit Muster weiht,
Dann entfallet seinen Glanz
Jede still entkeimte Knospe,
Zu der Pflichten Blumen »KrätH i
Und von ihrem Duft durchdrungen,
Fühlt der Mann ein neues Ich,
Bon der Milde fünft umschlungen,
In des Muthes Huldigungen
Webt dcr Sanftheit Lächeln sich,
Aus des wilden Meeres Fluth
Wird ein Spiegel» Strom er handelt
Nicht mehr groß allein, auch gut.
Ja, im Bande der Geschlechter
Wird erst jede» groß lind klar,
Denn des Mannes Sinn wird ächter,
Prüft dcr Dinge Werth gerechter,
Schön wird auch, was traftig war.
Und was u ch o s fönst zerstreut,
S a e s i z u v o e S e e n
In den Kreis dcr Häuslichkeit.
e
ttUrfjftUtMg tmö MeleßrilvA.
(Fortsetzung.)
Es können wohl einige und dreißig Jahre
sein, da in einer kleinen Stadt im westlichen
Frankreich, ein Missethäter, so wie morgen
hier, mit dem Schwerte vom Leben zum To
de gebracht werden si llte. Zwei der ältesten
Schüler des dortigen Iesniter-Seminarinms
gingen am Vormittage der Hinrichtung, mit
Erlaubniß der Aeltern und Obern, ohne von
den übrigen Mitschülern begleitet zu sein, al
lein zum Thore hinaus, um dem seltenen
»Schauspiele beizuwohnen.
Im Scminarium war der nahe Verein
dieser Jünglinge den Lehrern wie den Schü
lern schon lange ein Räthsel. Gewiß sah
man selten eine tückische Wolfsnatur zu ver
eines furchtsamen frommen Lammes in so
traulichem Verhältnisse, als demjenigen, wel
ches zwischen bat Beiden obwaltete, die all
gemein ttitr die Unzertrennlichen hießen, und
wie im Gemiith, so auch im Aeußern einen
schneidenden Contrast bildeten. Der eine
groß ititb schlank, immer mit gesenktem Haup
te einherschleichend aus dem gelben, von
Blatternarben zerrissenen, Gesichte starren
große milchblaue Augen hervor, dem Unknn
digen ans Dummhei'Mnd schlaffe Sanftmuth
deutend. Aber nicht so sein inneres, dcr
Gestalt widersprechendes, Wesen denn
Schlauheit und Tücke haben in Kopf und
Herzen, des Verächtlichen, ihren Wohnplatz.
—Dagegen sein Gefährte (dcr kleine Floren
tin genannt), obgleich mit jenem von glei
chem Alter, dennoch um einen Kopf niedriger
an Gestalt, von starkem Glied»bau, von
einnehmender Gesichtsbildung, besonders
durch die kleinen schwarzen lebendigen Au
gen dabei Gutmüthigkeit, Treue und Be
scheidenhcit die Hanptznge seines Charak
ters. Sejn Fehler: Schüchternheit und eine
nicht zu überwindende Zaghaftigkeit.
Es schien eine psychologische Mfgabt zu
sein, aufzufinden, was eigentlich diese beiden
J» im« »4« (iE I I
der oft bei reiferen Iahren an diese fast ein
zige ungetrübte Zeit seines Lebens znrück
dachte, meinte, die gegenseitige Anhänglich
keit dadurch erklären zu können, daß der lan
ge schlaue Xaver, der von Niemanden
sonst gelitten war, und sowohl seiner Tücke
wegen von den Uebrigen gefürchtet, als auch
seines Aeußern verspottet und geneckt wurde
in seiner Gutmüthigkeit allein eine freund
schaftliche Annahme fand, die ihm von Tag
zu Tag wichtiger wurde. Besonders deßkalb
war das für Xaver der Fall, weil eben sein
trauliches Verhältniß mit einem anerkannten
guten Jungen ihn von manchem, heimlich
verschuldeten, Verdacht freisprach. Da näm
lich Florentin, seiner bewährten Wahrheits
liebe znfolge, inter geglaubt wurde, so brauch
te Xaver nur dem Freunde seine Unschuld
recht deutlich darzulegen, was ihm nicht
schwer fiel, um den arglosen Knaben dahin
zu bringen, für ihn zu zeugen, wodurch er sich
öfters straffrei machte.
Florentin dagegen fand sich gefchmei
chelt, den Beschützer eines von Allen gesürch
teten, nnd, wie er glaubte, «'.'.schuldig Ver
folgten machen zu können, um so mehr, da
dieser bei oft vorkommenden Knabenzwistig
keilen ihm physischen Schutz verlieh, und
manchen drohenden Angriff von dem Furcht
samen abwandtc.
Gleichwohl zog diese Verbindung die Her
zen der übrigen Mitschüler von ihm ab, und
je mehr Beide fühlte», daß sie in dem großen
Kreise einzeln und verlassen standen, desto
unentbehrlicher und notwendiger wurden sie
sich selbst. Die klugen Väter ermunterte» die
jugendliche Freundschaft, freilich nicht so sehr
in der Hoffnung, den Mißgerathencn mvra
lisch zu bessern, als um eben durch die Auf
richtiges des kleinen Florentin desto eher
entdecken zu fvtmni, was der lange Xaver
gern verschweigen möchte. Indessen schien
es wirklich, als besserte sich dieser von Tage
zu Tage, wenigstens entdeckte selbst Flo
e n i n nur sehr wenig, was ihm Anstoß
geben konnte das Wenige wnßtc jener
durch sophistische Gründe immer zu bemän
teln.
Die HoHung, einer noch immer tückischen
Natur eine recht einflußreiche Warnung zu
geben, hatte die Väter bewogen, die beiden
Jünglinge das schauderhafte Schauspiel recht
in dcrNähe betrachten zu lassen. Der immer
mehr beklommene o e u: tt folgte lang
sam dem Freunde, der nicht allein durch sei
ne Ueberreduugen und jein Treiben ihn ver
Utecht
hatte, die Erlaub» iß auszuwirken,
sondern auch jetzt aus aUcu Kräften zu ver
hindern suchte, daß Florentin, bei seiner zar
teren Reizbarkeit und angeborener Verzagt
heit, sich nicht von ihm losreiße und mit
schnellen Schritten zu Hause eile, um, wie er
gedroht hatte, den Kcpf in die Bettkissen zu
verbergen, bis das Getöse der vorbeieilenden
Menge, die Trommel und die.Todttnglvckctl
verhallt wären.
Dennoch gewann or eiHin ^gewöhn
liche Nachgiebigkeit Oberhand über seine
Furcht, und von seinen: kühnen Gefährten,
dcr manche Schlauheit glücklich benutzte, im
mer näher gezogen, erreichten sie eben zu
rechter Zeit einen Standpunkt) von dem sie
nicht allein alles übersehen, sondern sogar
die blassen, todtenähnlichen Züge des Verur
theilteu deutlich erkennen konnten.
Erbleichend, ja fast wankend, schloß Flo
rentin die Augen in dent entscheioenden Mo
went fest zusammen, während sein Gefährte,
ohne eine Mine zu verziehe«, mit den großen
milchblauen Augen die Gerichtsstätte an
starrte. Florentin war sich seiner kaum be
wüßt, als Xaver ihn heftig rüttelte.
„Komm, es ist aus sagte er gleichgül
tig. „Ich wette. Du hast nichts gesehen, und
doch siehst Du so bleich und sterbend, als
wenn Du der arme Sünder selber seiest!
Schäme Dich Denke Dir, daß Du da oben
auch einmal stehen müßtest, wurdest Du dich
dann auch so erbärmlich betragen?"
„O!" erwicderte o e n i n leise,
mit zuckenden Lippe»: O, ich werde mich
wohl hüten!"
„Sage das nicht," fuhr sein Gefährte nek
keitt) fort „Niemand kann sein Ende vor
aussehen, und öfters tr-fft das ein, vor dem
man sich am meisten in Acht nehmen will
darum rasch in die Welt hinein, ohne Grü
beln und Zagen. Dich hüten? Ich wollte,
daß Du das Unglückswort nicht ansgespro
cheu hättest!"
Es überlief Florentin ?alt bei dieser
Rede, und als er lächelnd versuchte, seine
Zuversicht auf seinen rechtlichen Wandel zu
äußern, schauderte er zusammen. Cs fiel ihm
plötzlich ein, wie viele Unschuldige schon ihr
Leben hatten hingeben müssen, wie der Rein
ste selbst durch unvorhergesehcneVerwickelun
gen als schuldig erscheinen könne doch konn»
te er nicht umhin, ängstlich bei sich zu wieder
holen Ich werde mich dennoch hüten!
schweigend kehrt» er znrnck «»Her SM
seines, mehr als sonst aufgeregten, Freuu
des, der mnthwillig nnd wie von einem Lust
spiel aufgeregt, die lächerlichsten Bemerkun
gen über die, theils mitleidigen, theils betrof
fenen Züge der Rückkehrenden machte.—Es
war dagegen Florentin, als wären ihm
Zwar verloren mit der Zeit diese Eindrucke
mehr nnd mehr von ihrer Stärke, allein die
Furchtsamkeit seines Gemüths nahm dennoch
den Charakter einer quälenden Verzagtheit
an, die sich bei jedem verdrießlichen Ereig
niß, das ihm begegnete, äußerte, und welche
veranlaßt, daß er oft seufzend trug, was er
mit freiem Muth. abgeworfen hätte.—Seine
äußere Lage nahm indessen bald eine neue
Wendung.
Kurze Zelt nach dem so eben erzählten
Auftritte, war eines Morgens sein Freund
spurlos aus dem Scminarinm verschwunden,
und dieß Ereigniß, bei dem er allein litt,
wurde von den Vorgesetzten mit ferner Sylbe
erwähnt, auch von den Mitschülern, welche
Aufklärung darüber von ihm verlangten, mit
einer flüchtigen Verwunderung besprochen,
die sich bald in Gleichgültigkeit und Verges
senheit verlor. Nicht so bei Floren tin.
Er hatte allerdings senken envigett, so wie
er meinte, treuergebenen Fecund eingebüßt,
an den er sich mit ganzer Seele geschlossen
hatte, und da eben diese Freundschaft ihn
um die seiner übrige:: Gefährt.-:: gebracht, so
blieb ihm nichts anderes übrig, als sich in
sich selbst zu verschließen. Unaufhörlich grü
belt: cv über dies Verschwinden. So viel
besann er sich mir, daß Xaver in den letz
ten Tagen ihn: sehr niedergeschlagen vorge
kommen, welches dock) jetler dent um die Ur
sache Fragenden nicht hatie eingestehen wol
len. Ungeachtet des Stillschweigens dcr
Obern, sah er doch sehr wohl ein, daß hier
von keinem Weglaufen die Rede sei» könne:
denn alle Sachen Xaver's, bis auf sein Bett,
waren mit ihm verschwunden, und fem äus
seres Zeichen, nicht einmal die Erwähnung
seines Namens, bezog sich auf Seiten der
Lehrer auf sein frnher. o Dasein.—Nur ein
geheimes Andenken war Florentin geblieben,
und dies betrachtete er oft mit Wehmuth.
Es war ein schönes, ziemlich großes Einle
gcmesscr, welches dem Verschwundenen als
eilt theures Erbstück, wie er sagte, sehr werch
gewesen war, so daß er aus Furcht, desselben
beraubt zn werde», es niemanden, weder von
den Mitschülern, noch den Lehrern gezeigt,
und es schoii vor längerer Zeit dem Florentin
zur Verwahrung übergeben hatte, indem er
mehr auf dessen Vorsicht als auf die eigene
banete. Nun war cs für ihn verloren!—
„Aber doch wohl nicht auf immer," seufzte
Florentin still bei sich, „ich werde ihn doch
noch einmal irgendwo außer diesen Maueru
antreffen, wenn er nicht schon a^ßer dcr Welt
ist. Sein Messer will ich treulich aufheben
er soll sehe», daß ich nicht leichtsinnig mit dem
umgehe, das ihm werth uud theuer war. Als
ein liebes Andenken, doch stets bereit, es zu
rückzugeben, will ich es immer bei mir tra
gen erinnert es mich doch an so Vieles, und
—ach mahnt mich nicht das breite Blatt an
Xaver's ernste, furchtba e Warnung?"
So lange Florentin noch im Seminarium
b!icb, waren immer feilte Gedanken mit dem
Verschwundenen beschäftigt ja, er glaubte
sogar im Laufe dieser Zeit aus einzelnen
Aeußeruugen eines wohlwollenden Paters
schließen zu können, daß etwas Unglückliches
mit dem Freunde vorgegangen. A!s er näm
lich diesem würdigen Geistlichen eines Tages
in dcr Beichte seinen Schmerz über die
Plötz-
lich alle Lebensfreuden entschwunden, und
als breite sich eine neblichte trübe Ankunft
vor seinem Blicke aus, in der er nichts dent
lich erkennen konnte, als sein eigenes zerspal
tenes, zerrissenes Innere.
Plötz-
Iichc Trennung von seinem Frautde anver
traute, legte ihm jener die Haitde auf die
Stirn, mit gen Himmel gerichteten Augen:
Danke Gott, mein Sohn, daß es so, tt:td
nicht anders gekommen.'—Florentin konnte
sich damals diese Worte nicht klar deuten,
und konnte es auch da noch nicht ganz, als
er, das Scu'.inar verlassend, ins Leben und
iu die W'lt zurückgetreten war. Das Au
denken des Freundes blieb ihm »verlh, uud
dessen ihm anvertrautes Eigenthum: das
Messer legte er nicht von sich. Letzteres gc
schah auch in späterer Zeit nicht, wo er rich
tiger seine früheren Verhältnisse würdigen
lernte. Wohl schwand nämlich nach nnd
nach die Sehnsucht nach einem Gefährten,
den er bei reiferem Verstände, stets weniger
achten mußte ja, er konnte am Ende nicht
umhin, sich über die Trennung von Xaver
zn freuen, je mehr er sich überzeugt fühlte,
wie oft der schlaue Freund ihn getäuscht har
te, und klar stand es dann vor seiner Seele,
daß der Umgang mit demselben ihm sehr
leicht gefährlich hätte werden können, und
daß er noch nachtheilig auf ihn wirke.
Denn einsam, in sich verschlossen, stand er
lange verlassen hatte, und mit dem kleinen
Erbtheil, das ihm von seinen früh versterbe
itett Aeltern zugefallen, nach einer entfernte
ren Hochschule gegangen war. Auch unter
seinen neuen Umgebungen fand er sich fremd,
unbekannt uud ««beachtet, keinen anziehend,
von keinem angezogen. Sein eingeschüchter
tes Wesen, das ihn von jeder freien nnd küh
neu Mitteilung zurückhielt, schwächte so
gleich die Theilnahme, die sein sanftes, ja
selbst geistvolles Aeußeres bcnn ersten Anblick
erregt babcn mochte ja seine Bedächtlichkeit
und Unentschlossenheit bei den einfachsten Le
bensvorfällen machten ihn selbst in den Ali
gen derer lächerlich, die er sich durch seine
Gutmüthigkeit».td Ticnstfertigkeit verpflich
tet hatte.
Auch die Aebe, die sonst fo manche Kraft
dcr Seele aufschließt und entwickelt, vcrmoch
te ihm nicht Entschlossenheit einzuflößen, wo
durch allein ihre Gunst sich erwerben läßt.
Florentin stndirte die Rechtswissenschaft, ein
Studium, welches dent Besitzer, vorausge
setzt, daß er dasselbe recht anzuwenden ver
steht, Ansprüche auf jede ehrenvolle bürgerli
che Stelle ertheilt. Er war fleißig, und fein
Eifer, sich eine glückliche Znknnft durch die
eingesammelten Kenntnisse zn bereiten, ward
noch vermehrt dnrch die Neigung zu der rei
zenden Tochter eines angesehenen, reichen, in
der UuiversitätSstad: lebenden, Kaufmanns,
deren Bekanntschaft Florentin auf einer
Landpartie zufällig gedacht hatte. Wie
wohl Amalie, so hieß die Geliebte, seine stnm
ine Huldigung nicht ohne Theilnahme zn be
merken schien, so fehlte es ihm doch an Mnth,
ihr nnd dem Vater die theuorste Angelegen
heit seiner Seele zn eröffnen, nnd das um so
mehr, da zu gleicher Zeit zwei junge Offiziere
sich um die Glittst der Schönen beroarben:
ein Hinderniß, das an si«.h um so nnerhcbli
chet war, al'. der Adel und die Stellung der
beiden jungen Männer, die ihnen erlaubte.!,
zu einer Bürgerlichen herabzusteigen, mir auf
eine flüchtige Huldigung, der Schönheit und
Liebenswürdi^leitd^sMädchens dargebracht,
hindettteten.
Während jene Beiden nun die Angebetet?
seines Herzens umflattertcu, begnügte der
arme Floreutin sich damit, das zierliche
Landhaus des Vaters, ohuweit der Stadt,
nnd mitten in einem angenehmen Lnsthölz
chcit gelegen, in immer engeren Kreisen zu
umkreisen besonders war ihm eine stattliche
Linde lieb geworden, worunter die Geliebte
sich mitunter des Morgens ans eine Rasen
bank niederzulassen pflegte, und ans welche er
mehr als einmal ein redendes Zeichen seiner
befcheideueu Huldigung hingelegt hatte, des
fen gute Aufnahme jedoch nicht vermochte,
ihn zu einem entscheidenden Schritte zu be
wegen.
Indessen ttohete der Herbst die Stunde
rückte heran, die er nach beendigten Studien
zur Rückkehr in die .Heimath festgesetzt hatte
denn nnr an einem Orte, wo er noch Ver
wandte besaß, und wo seine alten Lehrer ihn
zu würdigen verstanden, durfte er bei seiner
Schüchternheit hoffen, durch ihre Empfehlun
gen unterstützt, zu einem genügenden Wir
kungskreise zn gelangen.
Noch hatte er sein Herz der Gc liebten nicht
mit Worten geöffnet, ja selbst ihre persönli
che Bekanntschaft nur flüchtig auf jener
Landparthie gemacht: eine nähere sich zu
verschaffen, hinderten die noch immer anwc
senden kühnen Mitbewerber. Wohl schalt er
seine Mnihlosigkeit nnd Furchtsamkeit, wohl
konnte er nicht länger bleiben, ohne sich lä
cherlich zu macheu, beim seine Abreift war
seit längerer Zeit seinen Bekannten mitge
theilt und immer aufgeschobeu worden —aber
zu einem freien, offenen Autrage konnte et
sich immer nicht entschließen.
Da hörte er zufällig, daß die, in seiner
Einbildung auf mehr als cine Art gefährli
che«, Nebenbuhler Ordre bekommen hätten,
sich mit dem Anfange des Frühlings zu ihren
Regimentern zu begeben uud nun faßte er
einen Entschluß, bei dem es ihm gleich lach
ter ums Herz wurde, so wie cs immer ist,
wenn wir einen wahrscheinlichen Vorwand
finden, um ei» gcsürchtctes Uuteruehmeu
weiter hiuauszusch.'cbcn. Er wollte abreisen,
und zum nächsten Frühjahr, wenn das Feld
geräumt, nnd die Luft gereinigt war, zurück
kehren, uud dann, insofern seine Liebe nnd
die Geliebte diese Probe bestünden, mit
Muth uud Zuversicht um ihre Hand anhal
ten.
Ein stummes Zeichen seiner Liebe und fei
nes Verlangens, das auch an ihr Herz reden
sollte, wollte er jedoch hinterlassen- Heiterer
als je machte er nun entschlossen alles zu sei
iter Abreise bereit, nahm Abschied von seine»
wenigen Bekannten, spiegelte noch einmal
seine Hoffnungen in dem Blicke seiner Ge
liebten ab, und eilte den letzten Nachmittag,
der ihm noch übrig blieb, zu dcr theureu Lin
de, der einzigen Zengin uud Vermittlerin fti
ner stumme« Reignng^^
In ihre Rinde wollte er den Namen der
Geliebten und den ftinigen schneiden, der
Umriß eines Herzens sollte beide umfassen.
Er zog das noch treu aufbewahrte scharfe
Messer, das er nach mehr als sechs, ohne
die kleinste Spur von Xaver, hingeschwnnde
tteit Jahren nun als sein wohlerworbenes
Eigenlhnm betrachtete, aus der Tasche, nnd
anf die Nasenbank Hinknieend, schnitt er mit
scharfen und festen Zügen die Anfangsbuch
stabeu des geliebten Namens tief in den
Baum. Des Halbgelnngeuen sich erfreuend,
mit uassem Auge die geliebten Buchstaben
betrachtend, legte er leise das Messer zur
Seite, und versank in schmerzlich süße Träu
me. So hatte er mehr als eine Stunde ge
sessen, die erste Dämmerung ergoß sich schon
über den Wald, als er von einem lauten
Wortwechsel in geringer Entfernung aufge
sti'rt wurde.
Unwillkürlich sprang er auf, und von sei
nrr gewöhnlichen Furchtsamkeit getrieben, sich
hinter die Linde versteckend, bemerkte er seine
beiden Nebcnbnhler, welche, bürgerlich geklei
det, und, wie cs schien, heftig gegen cinan
der erzürnt, auf den Baum losgingen. Des
armen o e it 11 tt 0 Lage wurde pein
lich, denn so konnte ihm, dem ängstlich Ver
steckten, und obgleich mit Widerwillen Lau
ernden, eine mögliche Entdeckung gefährlich
werden
(Fortsetzung folgt.)
Eilt bekehrter Com munist.—
Antipfaff Koch, ter Führer dcr St. Lonis
Commnnisten nnd Gründer der Colonic
Commur.ia, hat seine Anstedluug verlassen.
Wie aus folgendem Anc^itg feines Schrei
bens an die „deutsche Tribüne" hervorgeht,
hat er den praktischen Eo:nmunis:nn6
bis aufs Weitere an den Nagel gehängt.
Herr Koch schreibt
„Nächsten September verlasse ich mit in ei#
ner Familie die Colon-'e. Wo und in wel
chem Städtchen am oberen Mississippi ich
mein Winterquartier nehme, weiß ich noch
nicht jedenfalls aber werde ich cs Ihnen
schreiben, unterdessen singe ich
,,W:c tc: ntü dc:n mer,
W?::n
ihm i u Flu.5t gelingt.
Wieder :uf den gr." -,cn Zweigen
tüst-g fc:nc jieder fingt,
Mach' ich irichtr frei und ledig
In die Welt n:: meine Reis',
Sing' tv'e fen fr jetzt meint Lieder
Wieder mnt der aitcit Weif.
Schau' !.,it Lächeln auf den Käfig,
Dcr mich fo gefangen iiiett,
Singc, lev freie Ganger
Wicver i dcr Kr.ih.it suhlt.
Daß er n'utmtr v.ci)r im Leben
An -er geht,
Wenn auch gleich von Gold umflschten,
D'lin das tefit gutter steht.
Und iiic mci)r vru Kffeit Worten
Segtnün-u.r Brüder tra t,
Bis er uit* itt ihre Seelcn,
Bis er in ihr Herz gefchattt!"
[2. Corr.]
De
Hexenkougreß auf dem Blocksberg
Constitiit!enelle Pcsse ohne Akte mit (gestaut ui»
Dampf, sici nach dem Stenograxhifchen des Herm
von Mäufelcch,
»earbeitet von dem Dichter der „Enthüllungen."
e s o n e n
Fürst Beelzebub, der Oberste der
Fürst Mmernacht, derErste derDiplomaten.
Mcphisiopdeles, eine Schmerling'sche Per
sönlichkeit.
Manteuffel, Staatssekretär der £ötte.
Würgengel, Oberst der höll^fthen Heerschaa
ren.
Herr v. Rathewitz, alsSamicl, der schwarze
Jäger.
Die Here Kamarilla, Fräulein Reaktion
und Madame Contrerevolutiou, ihreTöch
ter,—alle drei guter Hoffnung.
S u e u n s a i s i s e e
s o n e it
Der österreichischeStandrecbtsdelilama, eine
geistlose Erscheinung.
Bassermann, eine unheimliche Gestalt.
Gagern, ein gefallener Engel.
Windischgrätz, ein gefallener TMel.
Dcr deutsche Kaiser, ein mittelalterliches
Gespenst.
Die Paulskiche, ein sprechendes Bild deS
Jammers.
Ritter Viuke.
Diplomaten, Heren, Constabler, Teufel,
Besen, Schweine, Geister, Pferde, Gift,
Dolch, Mord, mein herrliches Kriegshee^.
Galgen, Geheimeräthe, Hunde, Katzen
S a u a z
Wüste Gegend auf dem Blocksberge Steine
des Anstoßes liegen in greßer Zerstreuung
nmher, einige Dutzend Galgen stehen in
Selbstbetrachknngen versunken dabei, in
der M.tte der Buhne erhebt sich die Ten
selSkanzel andächtig gegen Himmel. Die
^abgeschiedenen Seelen verabschiedeter Ge
heimrathe sitzen in tiefes Schweigen ge
hnllt anf den Steinen, uud die starre«
Leiber tobtet Demokraten hängen in stil
tiller Erwartung an dem Galgen. Es ist
stockfinster das Dtuifel der Nacht wird
von keinem Geistesblitze erhellt. Die Orb
iiiung der Scene ist durchaus Parlamente
irisch. Links erblickt man einen bodenlose«
Abgrund, t« «eiche« die Grundrechte 11#. 1
Vekanntmachnngen.
16 Zeilen und weniger fcflcti I Th-ler fät Zn««.
ges Einrücken, jede nachfolgende kostet 25 Cent.
tSKNlen und weniger vierteljährig #2,50
halbjährig.» $4,00
ein Zahr •'««*. $7,00
©el'chaftöfartcn von 4 Seiten ftir ein Jahr $3,00
Bei größeren Anzeigen wird ein liberaler Abz«g
gestattet.
W n
CANTO*,
V i e e S i e n u e n
Der Meister Wo bleibt dcr Meister
E
in
o n
st
ge
O.
Rmnmer 52-)
gen rechts ein Stück Rechtsboden, daS
aber von Maulwürfen unterwühlt ist:
das Centrum schwebt in dcr Luft. Im Hin
tergrunde hat man die Aussicht auf de»
Abtritt des Reichsministeriums. Einzelne
Nachtgedanken schwirren durch die Luft.
Es herrscht die tiefste polizeilicheRuhe, die
nur durch das Geheul der Unken und et
licher Gutgesinnter unterbrochen wird.
Man hört in der Ferne einen Constable?
nießen. Eine Legion Teufel in preußischkr
Uniform ruckt an uud besetzt alle Ein- und
Ausgänge. Constabler treten paarweise
auf Eine Wolke zieht über die Scene.
Sie wird sogleich von bftt Con stabler» an
gehalten, und, da sie sich nicht legitimiren
kann, arrctirt und in die Stadtvogtei ge
bracht In Folge dessen entsteht eine Zu
sammenrottnng unter den Wolken, so daß
sich das Militär geuöthigt sieht, Feuer zn
gebe». Das Feuer wird mit einem ntchti
tigen Platzregen erwidert, und es ent
spinnt sich ein Kampf zwischen den himm
liftl en und höllischen Mächten. Letztere
müssen sich in eine Höhle flüchten, jene
zerstreuen-sich von selbst wieder. DerHim
nicl wird aufgeklärt, aber die Soldaten
nicht. Die Constablcr stehen «liier Waf
fen. Es schlägt Mitternacht: die Ver
sammlung beginnt U'.'.rnlug zu werden.
a
ble (Solc.)
Still I Ruhe da, ihr Ieister!
V i e e S i e n
Mitternacht! Mitternacht! Mitternacht!
e i s o e e 6
(als Rcichstf'm^ss.'.r crsch^i?tc!',d.)
Haltet Rich im deutschen Reich!
Der Meister uabt, er kommt sogleich!
(Gtsnig ter (ScttilaHitn unter dc:i M..ffcn).
Ieduld Ieduld Wenns Herz auch bricht.
Ruh' ist die erste Bürgerpflicht.
(Würgeugel «nd Mauteufcl hinter Ut
Scene.)
W e n e
Kreuz-Schock-Schweruotb Mich wirb janz
jräulich!
a n e u e
Der Weg ist abscheulich, ganz unpolizeilich.
S ch i U) a ch
(draußen.)
Halt.' Werda?. V
W e n e
He! Was hat er zu fragen
o n s a e
5arück Zarück! Nehmt sie beim Krage«
n
ge
Was soll das heißen Verstehen Sie
alt?
(Würgengel un^Mantenfe! ?--f»e«
e i s o e e S
Willkommen, ihr Herrn wUU^...men ^er!
a n e u e
Sind wir am Ort ist das die^Mfte?
e i s o e e s
Ja wohl, hier gehts iivcU'fit'&fte.
Fürst Mitternacht und Beelzebub erscheine»
in deit Lüften, reitend aiif,jrref königlichen
Standreclitsbestien. Don der CMtaceite
kommt die Here Camariita ^tit ihren
Töchtern, nnd einem großen Gefolge von
Heren aller Art, die auf Besen,'Mast
schweinen, preußischen uud östreictuschen
CircnlarNoten, Bayonetten, Hunden,Kaz
zen uudBundestagsbeschlüssen reite». Bei
ihrer Ankunft erhebt sich die ganze Ver
sammlung und begrüßt sie »tu dem drei
maligen Rufe:
Eijen Metternicii
1
lc ciialjie! Eviva la camarilla
Vivo
Fürst
Mitteruacln besteigt die Kanzel.
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Ihr Herrn von edlem Stamm und Blnt!
Und Dit, erlauchte Herenbrut!
Ich bab' Euch diese Nacht geladen.
Daß wir mitsammen uns berathen
(Ungeheurer Beifallsstnrm.)
Die Welt i|t i
und und muß sich dreh«:
Das habt Ihr an mir selbst gesehn
Vor'tit Jahr mußt' ich «ach Lngclland,
Jetzt lenk' ich die Welt am Gängelband.
[(£nt u|Itifiifd}(6 Bravo.)
Das Parlament ist Lebensmüd,
Gefesselt sind des Volkes Kräfte
Wir haben gesiegt in Nord und Süd,
Wir halten fest das Schwert am Hefte,
Noch ?inen Schlag, den letzten Schlag,
Der Schlange Hanpt gilt's zu zertreten.
Es naht das Ende unserer Schmach^
Und kniccnd soll man zu uns beten.
(Ungeheurer Jubel. Die Paulskirche isW
herbeigeführt uud empfängt von jedem
Versammelten der Reihe nach einen Fuß
tritt, bis sie zusammenstürzt. Gagern wird
verhöhnt und mit faulen Eiern geworfen.
Bassermann wird von einer Rotte Teufel
und Heren unter schaurigen Grimassen
und Pantomimen umtanzt und erhält da
bei taklmäßig Nasenstüber. Znletzt wird
ihm von Beelzebub höchst eigenhändig bei
Hals umgedreht, uud er in das Gefolge
des wilden Jägers eingereiht, nm von
fürchterlichen Gestalten so lange umherge
hetzt zn werden, bis die deutsche Einheit
zu Stande gekommen ist.)
Chorder Heren, Constabler, Tenftl «ch
P^ußen.
Daseist «L wahre Herenluft^#
A
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Verhtmgnitz.
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H. J. NOTHSAGKL, po
Corner of 7th & South Market Str.

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