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Ohio Staats-bote. (Canton, Stark County, Ohio) 1846-1851, October 17, 1849, Image 1

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Bedingungen.
Dtr „Ohio StaatS.Bote" erscheint Mttt«»ch.S
Der Subftriptionspreis fur 52 Riunmcrn ist $2 itz
Vorausbezahlung, $2,25 trenn innerhalb des erste«
halben Jahres, $2,50 wenn wahrend des zweiten Hai»
ben Zahrcs und $2,75 wenn erst nach Verlauf deß
Jahres bezahlt wird. Niemand kann die 3d»
tung aufgeben ohne vorher alle Rückstände bezahlt z«
haben. Briefe und Mittheilungen müssen portofrei
fein, trenn sie berücksichtigt werden sollen.
poft mct'fcr tonne» nach einer Verordnung
des General Postamts «Kubscriptionsgeldlr fr a n»
o ait Scitim^dhcraitsgcVer fcitdcit, wenn man den
selben selche Briefe offen übergiebt, |te versiegeln
und addrcssiren last.
(Jahrga»»g 8.
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&
Die wabre Freude»
Ernst und heilig ist die wahre Freude,
Und ihr folgen nimmer Neid und Schmerz:
Doch die Falsche naht im flucht'gcn Kleide,
Und ihr Taumeltelch bethört das Herz.
Zn der Tugend achtem Brautgeschmeide
Führt uns jene lächelnd himmelwärts.
Sie allein rcriitag uns zu erheben
Ihren Frieden tarnt die Welt nicht geben.
Sie empfangt uns in dcn heil'gcn Hallen
Deines Tempels, herrliche Natur!
Wenn umtönt vom Lied der Nachtigallen,
Hier im Hain, dort auf der Frühlingsflur,
Still betrachtend wir vorübenvallen
Und erforschen deines Schöpfers Spur
Hehr und heilig wird dann jede Stelle,
Und wir stehen an des Himmels Schwellt.
#ie begrüßt uns in geweihter Stunde,
Wenn ein Freund sich innig uns verband
Spricht dcn Segen zu der Liebe Bunde
Reicht zum Wiederfehn uns die Hand
Jauchzt mit uns in jeder frohen Stunde
Tröstet uns, ward unser Werth verkannt,
Und das Mitgefühl bei fremdem Lcide
Wird zur Wonne bei des Andern Freude.
Sie belohnt uns, wenn wir siegreich stritten
In dem Kampf der Leidenschaft und Pflicht
Sic ermuthigt, trenn wir vorwärts schritten
Auf dem steilen Pfad zu höhrem Licht.
Sie bekränzt uns, wenn wir schuldlos litten,
Mit dem Kranz, den sich die Duldung flicht
Und mit hohem, seligen Entzücken
titft sie uns auf edle Thaten blicken.
Aber, wenn entrückt der Erdenfphare,
Sich der Geist empor zum Himmel schwingt,
Und verkündend seines Gottes Ehrt,
Ihm der Andacht frommes Opfer bringt,
Wenn er, stimmend in die höhern Chöre,
Dankbar ihm ein heil'ges Loblied singt:
Selig ist er dann durch Lieb und Glauben,
Dicfe Frrnde kann ihm Niemand rauben.
5. H. Blecken.
tmS |||iCeljtititg*
Verhängnis.
(Schluß.)
„Da geschah es, daß das vergeltende Gc
schick ihn in die Gegend führte, wo jener
Mord, wobei Du unfreiwilliger Zeuge gewe
sen, so eben begangen war. Dies, an einem
friedlichen Orte seit Iahren unerhörte Ver
brechen füllte alle Gemüther mit Abscheu
und Erbitterung. Ein jeder drängte sich hiiv
zu, um die Leiche zu sehen, in deren Brust,
nach Veranstaltung der Polizei, noch das
blutige Messer rnhete, während geheime, in
der Nähe herumgestellte, Aufseher die Züge
der Zuschauer betrachteten.
Unter diesen befand sich auch Laver mit
Neugier, dabei doch völlig gelassen betrach
tete er den Ermordeten als das Messer
ihm aber tit's Auge fiel, fuhr er zusammen,
indeß eine fliegende Rothe auf einen Augen
blick die gelben Wangen überzog. Mehrere
Aufseher hatten es bemerkt. Er ward auf
der Stelle ergriffen. Anfangs läuguete er,
das Messer zu kennen allein dessen Anblick
—wahrscheinlich, weil er es noch immer als
ein Zeichen seines Unglücks erkannte, und
nicht den Mord, der dadurch bewirkt war,
sondern nur die Entdeckung des Mordes als
Unglück betrachtete verwirrte ihn immer
mehr. Er widersprach sich wurde, darauf
aufmerksam gemacht, verlegen, und bekannte
endlich, daß der Eigeuthnmer des Messers
ihm nicht unbekannt sei. Und nun nannte er
Deinen Namen."
„Doch Dein guter Ruf war zu begründet.
Dein sanfter, selbst kleinmüthiger Charakter
zu bekannt, als daß nicht diese verdeckte An
klage allgemeinen Unwillen erregt haben soll
te. Deine genauem Bekannten wollten sogar
wissen, daß Du noch, ehe der Mord gesche
hen, schon mit der Post abgereist gewesen
wärest. Diese Erklärung schlug völlig zu
Laver's Nachtheile aus. Schon früher war
die Nachricht eingelaufen, daß der Postwa,
gen, derselbe, womit Du, jetzt eingegangenen
Beweisen gemäß, wirklich abgegangen warst,
den zweiten Morgen nach dem Abgange rem
ausgeplündert worden. Mehrere, sich darauf
befundene, Personen waren verwundet, eini
ge getodtet, die Uebrigcu hatten sich zerstreut
und geflüchtet, und Du, wie es sich ergab,
wurdest gauz vermißt. Laver ward sogleich
verhaftet. Nicht ohne Grund entstand nun
der Verdacht gegen jhn, daß er, insofern das
Messer wirklich Dir gehöre, unter den Rau«
bern gewesen wäre. Dich geplündert, und
wevn Du nicht wieder zum Vorschein komen
solltest, wahrscheinlich getodtet hätte. Sein
Bericht wegen des Messers dagegen wurde
für ein eben so schlecht erfundenes, als uner
klärbar^s Mährchen gehalten. Die späte
Entdeckung jenes Mordes unter der Linde,
Deine Abreise, die Nennung Deines Na
mens, bit Plünderung des Wagens, gestatte
ten eine höchst consequents Entwickelung, die
an sich schon für Xaver verderblich werden
konnte, und nun mußte es sich auch so fügen,
daß nicht allein alle Aufforderungen in den
Zeitungen, um Auskunft über Dein Ver
schwinden zu erhalten, fruchtlos, sowie die
Zeugnisse der Reisenden, welche gerettet
worden, dunkel und widersprechend waren.
Ein Brief vou Deiner Heimath mußte noch
hinzukommen, der die Ankunft Deiner, mit
dem Frachtwagen abgeschickten, Sachen ver
kündigte, und Verwunderung und Unruhe
über das Ausbleiben des Eigentümers aus
sprach Indessen wurden mehrere Räuber
eingefangen, die Antheil an jener Plünde
rung genommen hatten. Sie wurden mit
Xaver confrontirt ihre gegenseitigeBekannt
schaff ließ sich nicht ablängnen. Er gestand
endlich seine Theilnahme an jenem Raub
mord ein, doch langnete er hartnackig. Dich
dort gesehen zu haben. Auch zu dem, mit dem
rätselhaften Messer verübten, Morde wollte
er sich nicht bekennen. Jedoch vergebens
war all sein Läugucu denn das Messer
schien eine gegründete Anklage seiner, in
Rücksicht beider Verbrechen zu sein, die er
nicht widerlegm konnte. Da gelang es ihm
nochmals zu entfliehen. In dieser Gegend
wurde er aber bei einem neuen Raube er
tappt und wieder erkannt. Die Akten der
»«beendigten Sache wurden herbeigeschafft,
und ihm schnell der Prozeß gemacht. Doch,
ist er auch au den zwei genannten Mordtha
ten unschuldig, nach dem, was er mir in der
letzten Beichte gestanden, hat er zehnmal das
Leben verwirkt. Das wichtigste, seine Seele,
ist gerettet, er ist reuig und bekehrt gestorben,
und jenes Messer ist, nachdem eS ein noch
nicht enthülltes Unglück verübt, ihm wirklich
heilbringend geworden."
Der Geistlick)e sprach ttoeb viele gewichtige
Worte, die wie ein heilender Balsam in Flo
rentius Wunden flössen. Er kehrte getröstet,
ermuthigt, fast ein anderer Mensch, zurück.
Nie hatte die uuverkeuubare Fügung einer
göttlichen Vorsehung sich ihm deutlicher und
ergreifender vor die Augen gestellt. Der An
theil an jenen Begebenheiten, der ihm von
oben zugetheilt war, versöhnte ihn mit
einer Lage, worin er, nach seiner Ansicht,
nicht ohne eine höhere Fügung gerathen
konnte. Nach dem Rath des Geistlichen,
der, wie es scheint, ihm diese fromme Bern
higung eingeflößt, sollte er nie seinen ver
meintlichen Tod widerlegen, und eben so we
nig, was er von der wirklichen Mordthat
wußte, je entdecken, damit er, der selbst zum
Theil darüber im Dunkeln war, nicht eine
neue unheilbringende Verwirrung hervorru,
fen möchte. Auch ist es ihm noch unbekannt,
ob der wahre Zusammenhang jenes Mordes
je eindeckt worden ist.
Alles Vorgegangene, wie es zunächst auf
Florentin's Geist nnd Gepuith gewirkt hatte,
konnte auch in RücfjTrfSt des Körpers nicht
ohne nachtheilige Folgen bleiben. Kaum zu
Hause angelangt, fiel er in eine schwere
Krankheit, die aber in so fern das spätere
Glück seines stillen Lebens begründete, als
sie den beiden Gatten Gelegenheit gab, recht
innig zu fühlen und zu erkennen, wie viel sie
einander waren. Die leichtsinnige Louisen
war nicht mehr die zärtliche, sorgende Frau
und Mutter klagte sich selbst als Ursache der
Leiden ihres Gatten an, den sie um das
Glück eines heitern Lebens, wie sie sich ans
drückte, betrogen habe. Sie gestand ihm, was
der aufmerksame Zuhörer dieser Geschichte
wohl schon hat vermuthen können, daß sie
und nicht der Vater das Zusammenklingen
des Eisens über seinem Haupte einst gehört
habe, obgleich Jener nie inne geworden, daß
die Tochter und nicht er selbst sein Benehmen
gegen den, wie er meinte, bedrohten Jüngling
geleitet hatte.
Der gottergebene Florentin, der in alle
dem nur die höhere Fügung und seiner Gat
tin Liebe erkannte, vergab ihr herzlich und
gern.
Sein Schwiegervater lebte noch mehrere
Jahre, und übernahm, so lange er lebte, für
Florentin das Schreckliche seines Amtes.
Wenn späterhin, nach dem Tode des Alken,
die Fröhnerei einen traurigen Gast bekam,
schauderte Florentin wohl leise zusammen.
Betrübniß und Zaghaftigkeit füllte dann sei
ne Seele, doch vermochte er immer mehr ih
rer Gewalt durch herzliches Gebet zu wider
stehen: dann freilich erst, wenn der entschei
dende Angenblick vorüber ist, beginnt er sein
einfach rnhig glückliches Leben auf's Neue.
Mau sieht ihn fast nie außer seinem Hause.
Den besten Theil seines Mannesalters ver
brachte er, wie in klösterlicher Abgeschieden
heit mit seiner liebenden Fran und drei hoff
nungsvollenSöhnen. Seitdem Tage, als
er sei» Probestück abgelegt, hat er nie mehr
laut gelacht. Doch ist er fast immer ruhig
heiter. Nur der Jubel seiner lustigen Knaben
brachte manchmal Thränen in seine Augen,
und jetzt, da der Frohsinn der Kindheit aus
ihrer auch freudenlosen Jugend gewichen ist,
wird wohl bald der finstere Ernst seiner noch
vorhandenen Lieben den Schmerz des eige
nm Frühlings in ihm erneuen.
Florenbonrg schwieg. Seine Augen schwam
men in Thränen die Blicke der Freunde
hingen mit Wehmnth nnd Theilnahme an
den seinigen.
„Warum seinen Schmerz erneuern?"
fragte endlich der Senior mit einem Seufzer.
„Haben Sie vergessen," erwiederte Flo
renbourg, „was Florentin'6 Schwiegervater
einst sprach?—Eines der Kinder des Letzten
sei wenigstens seinem Gewerbe verfallen
die Erfüllung dieses Gesetzes Hat Florentin
obendrein kurz vor dessen Tode eidlich znsa
gen müssen, und wird auch nie einen Versuch
machen, sich seines Eides zn entledigen. Der
Aelteste der Söhne, welcher ganz sein wei
ches Gemüth, doch ohne dessen Verzagtheit,
geerbt hat, und der sein Liebling ist, hatte
früh durch den entschiedensten Widerwillen
erlangt, daß er, obgleich der Erstgeborne, von
dieser Verpflichtung befreiet, und sie auf den
zweiten Bruder übertragen wurde, dem ganz
die Kühnheit und Entschlossenheit der Mut
ter zu Theil geworden war. Als nun die Ge
sundheit des Vaters in den letzten Iahren
immer schwächer wurde, drang die Mutter
darauf, daß jener zu seinem Mithelferund
Nachfolger ernannt wurde doch noch ehe
das Gesuch eingereicht wurde, fiel er plötzlich
in eine heftige Krankheit und starb. Nun
kam die Reibe an dcn Jüngsten, einen guten
Jungen, bei dem die Verzagtheit des Vaters
vorherrschend ist. Er wurde auch ernannt
und zu dem Probestück gelassen allein bei
diesem benahm er sich so ungeschickt, und rich
tete durch seinen Mangel an Besonnenheit
und durch seine ängstliche Verwirrung ein
solches Unheil an, daß das Volk laut murrte,
und er als unfähig, diese Bedienung je zu
übernehmen, erlärt wurde. Nun ist folglich
die Aufforderung an den Aeltesten ergangen,
der sich für immer von dieser schrecklichen
Bestimmung erlöst glaubte."
„O," rief einer der Freunde, ,^ewiß, er
unterzieht sich dieser nicht! Ist er doch ein
mal davon erlassen."
„Wer kann's wissen?" versetzte Floren
bourg schmerzlich „denn was wird dem ar
weit Jungen wohl anders übrig bleiben?
Seine Weigerung würde die gebeugten Ael
tern nur vollends unglücklich machen, ihnen
den Verlust der Amtswohnung mit den dazu
gehörenden Grundstücken zuziehen, und wür
de sie selbst der Volkswuth aussetzen: denn
nach Gebrauch und Sitte darf, so lange ein
Sohn am Leben ist, sich dieser nicht zurückzie
hen, und der Vater muß für seine Einwilli
guug stehen nur sein Tod kann den Aeltern
den ruhigen Genuß ihrer Lage bis an ihren
Sterbetag zusichern, wo dann die Obrigkeit
den Nachfolger erwählt, der zugleich ihre
Wohnung mit Zubehör übernimmt. Es
bleibt demnach immer eine Frage, ob sich der
Sohn nicht lieber der Qual eines selchen
Berufs hingeben muß, um nicht die Ruhe
und vielleicht selbst das Leben theurer tiefge
beugter Aeltern zn gefährden. Ich vermoch
te dem jungen Manne nicht zu ratlin
schwerlich wird die fromme kleinmüthige Er
gebung des Vaters ihm zu Theil werden.
Was ist es denn auch weiter? Muß er seine
Seele dem kindlichen Gefühl zum Opfer
bringen, suche er nur jede höhere und besse
re Empfindung in sich zu ertödten, sich in die
niedere Gemeinheit eines thierischen Lebens
recht einzubürgern, und wenn der Bluttag
kommt, die Augen, die leiblichen meine ich,
gedankenlos anfzuthnn (denn die des Geistes
nnd des Gemüths müssen schon geblendet
sein), und dann haue er nur getrost auf den
Kohlkopf los."
Thränen glänzten in seinen Augen er
sprang rasch auf die Freunde mit. „Es ist
spät," fuhr Floreubourg erhitzt fort. „Es
taugt nicht, mit solchen Geschichten im Kopfe
sich in den Schlaf zu wiegen ein lustiges
Nachspiel, meine Herren! oder lieber gar
nichts. Gehen wir nach Hause Morgen
früh," schloß er leise und beklommen, „werde
ich mit Ihrer Erlaubuiß vorkommen."
„Nein, nicht so, lieber Florenbourg fiel
der Senior wehmüthig ein. „In einer so
wilden, unheimlichen Stimmung wollen wir
nicht unfern lieben.ueuerworbeueu Freund
scheiden lassen, wir haben uns heute von ei
«ein treuen, liebevollen Gefährten trennen
müssen wer von uns hätte vor wenigen
Stunden gedacht, daß wir so schnell einen
würdigen Ersatz finden würden?—Ihr Herz
hat sich ausgesprochen, und sich dadurch die
lmsrigen erworben. Die zweite Bowle ist
noch nicht leer ist auch die erquickende Wär
me schon verrap
ddte Gemüth erwärmt. Auf denn, Bruder,
auf Du und Du Möge das volle Glas ei
nmFreundschaftsbund besiegeln, den wir alle
mit warmen brüderlichen Herzen zu schließen
bereit sind."
„Mit mir rief Florenbourg etwas be
treten dann ergriff er rasch das Glas und
fuhr mit überströmenden Augen fort: „Es
sei! Glaube mir, ich fühle mich Enres Bnn
des Werth, und werde seiner würdig bleiben."
„Noch einsnahm der Senior, nachdem
alle getrunken und ihm die Hand trenherzig
geschüttelt hatten, das Wort „Morgen ist
ein unruhiger Tag, an dem wir doch, nach
einem störenden Vormittag, weniger zu an
strengenden Studien, als zu ernsten freund
fchaftlichen Mittheilungen aufgeregt sind.
Wollen wir den Abend wieder beisammen
verbringen vielleicht wird uns der Morgen
Anlaß zu Betrachtungen geben, welche unsere
Ansichten von dem jüngst Besprochenen be
richtigen können."
Sie versprachen alle zu kommen, nur Flo
renbourg schwieg. „Du kommst doch auch,
Bruder?" fragte der Senior. „Ich längne
nicht, daß ich mit Zuversicht auf deu neue»
Freund gerechnet habe."
„Ich komme," gab dieser nach kurzer Ue
berlegnng, sonderbar gerührt, zur Antwort.
„Ja, Ihr guten Menschen, ich komme, in so
fern es mir möglich sein wird. Ich babe noch
nie einer Hinrichtung beigewohnt, nnd weiß
wahrlich nicht, wie sie auf mich einwirken
kann. Mußte ich mich so lange an diesem
geselligen Orte befinden, so lange nach ver
wandten Gemüthern vergebens suchen, bis—
mein Geschick mich nicht ohne Beziehung zu
Euch führt doch nun laßt mich gehen, denn
—ich gestehe es Euch—Eure Freundschaft
hat mir eine Gabe gespendet, deren erster
Gennß der Einsamkeit gehört."
Tie Freunde gingen auseinander. Floren
bourg trennte sich schon uuteu an der Haus
thüre von den Uebrigen.
Der folgende Abend fand die Gesellschaft
beisammen, nur Florenbourg fehlte. Auch
wandte sich die Unterredung mehr nm ihn,
als um die, denselben Morgen vollstreckte,
Hinrichtung. Jener war, erzählte der Se
nior, znr bestimmten Stunde bei ihm gewe
sen. Er selbst hatte ihn dem Offizier empfoh
len, und da er den Zug nicht begleiten moch
te, Florenbourg seitdem nicht gesehen.-Ein
anderer von dcn Freunden wollte ihn dage
gen ganz in der Nähe des Gerüstes, wo er
mit festem, unverwandtem Ange das blutige
Schauspiel begleitet hatte, erblickt habe»,
doch, wie er versicherte, immer mehr und
mehr erbleichend.
Mehr als eine Stunde war unter solchem
Gespräch vergangen, der Wirth konnte eine
kleine Unruhe nicht verbergen, nnd dieFreun
de fingen schon an, ziemlich einsylbig zu wer
den. Da klopfte es auf einmal leise, wie ge
stern, doch vernehmlich, an die Thür, auch
dießmal, ohne sich durch vorhergehende Fuß
tritte auf der sonst immer knarrenden Trep
pe anzukündigen. Der Senior rief heiter:
herein '.—allein die Thür wurde nicht anfge
macht. Er rief noch einmal, und da noch im
mer nicht geöffnet wurde, machte er selbst die
Thür auf. Es war aber kein Mensch da.—
Alle sahen sich bestürtzt an.—
Die vorige Unruhe des Seniors erwachte
auf's Neue, uud er entschloß sich, Floren
bourg in seiner Wohnung abzuholen, obgleich
nicht diese, nur die Straße, worin er wohnte
ihm bekannt war doch da mehrere ihm be
kannte Jünglinge in derselben ihr Quartier
hatten, so hoffte er, leicht durch eiueu von
ihnen Florenbourg aufzufinden. Er nahm
einen der Frennde mit sich, und Beide eilten
dann nach der bekannten Straße. Beim Ein
tritt in dieselbe bemerkten sie, noch ehe sie,
Gelegenheit gefunden, jemand zu ftagen,
beim Laternenschein das Gewimmel von
Menschen nicht weit von ihnen vor einer
Hausthüre. Der Senior eilte schnell hin,
nach der Ursache fragend. Ein Schuß, den
man aus dem Zimmer eines da wohnenden
Stndirenden gehört haben wollte, hatte die
sen Zusammenlauf veranlaßt. Ahnend dran
gen die Freunde durch die Menge und stießen
auf de« Hauswirth, der die Thüre soeben zu
schließen wollte dieser, der den Senior
kannte, ließ ihn mit dem Freunde herein.
„Sagen Sie mir," rief er dem betroffenen
Gigenthümer zn „ist's Florenbourg
„Leider!" bekam er zur Antwort „fol
gen Sie mir. Sie kommen mir eben recht."
Sie fanden dcn unglücklichen Jüngling
auf dem Bette liegend ein Pistol neben ihm,
die Brust entblößt. Die erkaltenden Züge
waren noch im Tode schön und unverletzt.
Die Kugel hatte wohlthätig sogleich das
Herz getroffen. Die Thränen des Wirths
und seiner betrübten Familie hielten dem
Jüngling die schönste Lobrede. „Er kam,"
erzählte der Hauswirth, „diesen Morgen,
bleich nnd stumm, nach Hause, schloß sich in
L««» brach­
te er Briefe auf die Post, kam zurück, und ei
ne hasbe Stunde hernach rief uns der töd
tende Schuß herein. Hier liegt no ch ein Brief
an Sie."
„An mich rief der Senior. „Wo, wo
Er erbrach ihn schnell, und las laut mit
gebrochener Stimme:
„Euch, meine lieben neuen Freunde, bittet
„der Scheidende um den letzten Liebesdienst.
„Wenn ich euch, wie ich hoffe, einigermaßen
„Werth geworden bin, s sorget dafür, daß
„mein Leichnam so anstandig begraben wird,
„wie die Obrigkeit es erlaubt meine Börse
„ist mehr als zureichend für den Zweck das
„Uebrige gebet den Armen. Doch noch wichti
„ger ist meine letzte Bitte. Macht meinen
„Tod in den Zeitungen, besonders in den
„wichtigsten Französischen, bekant, in Gemäß
„heit der Unterschrift meines wahren Na
„mens, und des beigefügten Taufscheins
„Eure Freundschaft lehrte mich den Werth
„des Lebens in dem Augenblicke erkennen,
„wo mir nichts übrig blieb, als dieses wegzu
„werfen, um jenes zu erhalten möge das
„Glück eines heitern Lebens, das mir verwei
gert ward. Euch zehnfach zu Theil werden.
a e s o e i n
„Das Räthsel ist gelöst!" flüsterte der
Senior leise dem Freunde zu, den Brief
schmerzlich an sein Herz pressend. „Warum
brachten wir grausam, in unserer sonderba
ren Stimmung, ihm anch in der bangsten
Stunde seines Lebens eine Gabe, die sein
Herz zerreissen mußte." Er drückte einen
Kuß auf die kalte Stirue der Leiche, und ver»
ließ schweigend das Zimmer.—
Wenige Tage hernach, den vierte», nach
dem die Frennde seine genauere Bekaunt
schaft gemacht hatten, kehrten sie, schwarz ge
kleidet, im Zwielicht von seinem Begräbniß
ans das Zimmer des Seniors zurück, wo sie,
bei verschlossenen Thürcn, unter sich eine
stille Trauerfeier hielten, und ein Glas—ein
einziges nur—zum Andenken des, nur auf
Augenblicke gekannten und doch so sehr be
weinten Freundes, leerten. Traurig brachen
sie dann das geleerte, leicht zerbrechliche
Glas entzwei, zerbrechlich uud schwach, wie
die Hülle des Erdenbewohners—und stumm,
mit einem schmerzlichen Händedruck, schieden
sie bald von einander.
Bekümmere bid) tun deine Sachen
Gesellschaft.
E i n e i u n u n o n s i u i o n
Ans einer in Indianapolis, im Staat
Indiana, herausgegebenen Zeitung ist die
folgende Einleitung uuv Constitution der
obigen Gesellschaft entlehnt. Odschon et
was abweichend von der Rechtglandigkeit,
kann sie doch viel Gutes zur Folge haben.
Sintemal, während so viele Gesellschaf
len formirt werden, und man sich so viel
Mühe giebt um die Grundsätze der Christen
heit zu verbreiten und die Sitten der Mensch
heit überall zu verbessern, da es ein Gegen
stand von großem Bedauern ist, daß keine
Gesellschaft formirt werden sollte, deren Ab
sicht und Vorsatz es sein sollte, ihr eigenes
Leben zu verbessern und zu berichtigen, oder
mit andern Worten, während sich zahlreiche
Gesellschaften und wohlwollendePersonen so
viele Mühe geben, um den Splitter aus ih
res Nachbars Ange zu ziehen, so wenig ge
schieht nm de» Balken aus unseru eigenen
Augen zu reißen. Arzt hilf dir selber ist eine
Ermahnung von der höchsten Autorität kom
mend, und man hält unterthäniqst dafür,
daß sie auf die Schriftgelehrten nnd Phari
faer unseres jetzigen Geschlechts eben so an
wendbar ist, als sie es war auf diejenige«,
die Zeitgenossen des Sohnes Got es auf Er
den waren. Würden die vielen Gesellschaf
ten und eifrigen Personen, welche so thätig
beschäftigt sind, andere zu moralisireu und
zu Christen zu machen, einen eben so rühm
lichen Eifer zeigen in der Untersuchung ihres
eigenen Herzens und V erbessernng ihrer ei
genen Fehler, um wie vielmehr würden sie
als Christenlehrer handeln würden sie alle
Arglist nnd Heuchele^ bei Seite legen, und
ausüben was sie zu lehren vorgeben in wie
viel besserin Licht würden sie allen wahrhaft
guten Menschen erscheinen.
Kur wenn eine Gesellschaft zur Selbst
untersuchung formirt und so populär wie
die Mäßigkeits und derartige Gesellschaften
werden würde, so glaubt man, daß sie zur
Beruhiquuq der bewegten Elemente der Ge»
sellschaft im Allgemeinen viel beitragen wür
de, und wir würden weniger als Bettler hin
und herzulaufen haben, und weit weniger
an den Straßenecken stehen, Gott dankend,
daß sie nicht sind wie andere Leute. Folgen
de Constitution wird daher für eine solche
Gesellschaft dem Publikum achtungsvoll vor
gelegt
Art. I. Diese Gesellschaft soll die Selbst
untersuchungs Gesellschaft genannt werden
und soll aus Mitgliedern beider Geschlechter
bestehen.
Art. 2. Die Absicht dieser Gesellschaft
soll sein, daß, während wir die Fehler An
derer sehen, wir uns bemühen, unsere eige
W# i« fühle» und zu verbessern.
"•4-
Bekanntmachungen.
16 «Seilen und weniger kosten 1 Thaler fur 3tMfU
ges Einrücken, jede nachfolgende tostet 2S (ttttf.
16 Zeilen und weniger vierteljährig #3,60
halbjährig #4,00
et« Jahr #7,0
Gefchaftskarten t#n 4 Zeilen für ein Jahr $3,0
Bei größeren Anzeigen wird ein liberaler AbjUg
gestattet.
dj* Poetmasters are politely requested anj sa
thorued to act as agents.
CANTON,
Art. 3. Alle Glieder dieser Gesellschaft
sollen mit dem vollen Recht und den Frei
heiten bekleidet sein, ihren eigenen Geschäft
ten abzuwarten, und diejenigen Anderer sein
zu lassen.
Art. 4« Diese Gesellschaft soll nie einen
Präsident, Vice-Prasident, Secretär, Dele
fliteit, Spione, oder Committee» anstellen
um deren Angelegenheiten zu verwalten,
oder über die Unthaten Anderer zu wachen
und Berichte zu machen, bis man solche
Werke zn Hause gebessert und ms Reine ge
bracht hat.
Art. 5. Es sollen keine öffentliche oder
Privat-Versammluugeu durch die Glieder
dieser Gesellschaft gehalten werden, mit der
Absicht Geschäfte der Gesellschaft zu verrich
ten, oder Vorlesungen anzuhören, die vor
fbr gehauen werden aber es ist die Pflicht
eines jeden Mitgliedes, sich täglich allein bei
sich selbst zu versammeln und der Vorlesung
seines eigenen Gewissens zunzhören.
Art. 6. Es sollen keine Mittel durch
Bitten oder Betteln von dieser Gesellschaft
gesammelt werden auch nicht durch Sub
scription, Geschenke oder Vermächtnisse, um
die Ausgaben der Gesellschaft zu bestreiten,
oder Selbst-UntersuchungsKalender zu ver
breiten, oder einen Advokaten oder Prediger
zu bezahlen, um uns eine Vorlesung zu hal
ten und uns überzeugen wie viel leichteres
it Andere z bekehren als sich selbst.
Art. 7. Alle Glieder dieser Gesellschaft
baden genau Acht zu geben, auf Mäßigkeit
im Essen und Trinken, und in jeder andern
Sache aber sie sollen ihre eigenen Richter
sein in Bezug auf das, was sie essen und
trinken, nnd womit sie sich bekleiden sollen
während Völlerey,Trunkenheit, engesSchnü
ren, der Auszehrung, dem Naqen des Ge
wissens und allen volksthümlichen Vorwür
fen, die sie so reichlich verdienen, anheimae
stellt bleiben.
Art. 8. Die Glieder dieser Gesellschaft
sollen alles mit seinem richtigen Namen be
nennen sie sollen nicht bitter für süß und
snß für bitter setze,?, oder tint Essig fragen
wenn sie RHin meinen, noch fur Seider oder
Bier, wenn sie Brandy oder Gin meinen,
weder soll ein Specereihändle», Kaufmann
oder Gastwirth neuen Most in alte Schlau
che thun, oder Brandy an die Vinterthür
für den Gebrauch der Mäßigkeits Kunden.
Art. 9. Alle Glieder dieser Gesellschaft
sollen getreu, aufrichtig nnd ehrlich handeln,
und alle, welche das nicht thun, sollen aus,
geschlossen sein.
Art. 10. Alle Glieder sollen völlige F«i
beit haben, Kaffee, Thee, kaltes Wasser,
Buttermilch, oder Limonade zu trinken, zu
schnupfen, Taback zu rauchen oder zu kauen
gerade wie sie Lust haben, mit dem Vorbe
halt daß es der Gesellschaft in welcher sie sich
befinden, nicht zuwider ist.
Art. 11. Sie solle» von allen andern
Gesellschaften getrennt und abgesondert sein
und bleiben sie soll keine religiöse oder po»
litische PartHei unter dem Namen von Selbst
untersuchungsGesellschaft formiren sie soll
N chts zu fhutt haben mit der Colonisirungs-,
Abolitions- oderAnti-Sklaverei-Gesellschaft,
oder ihnen 5ülfe leisten, oder auf irgend
eine Weise mit ihnen in Verbindung stehen,
fondern jedes Glied soll gänzliche Freiheit
haben, Gott auf seine eigene Art, nach sei
nem eigenen Glauben zu dienen, und soll
sein eigen Herz prüfen, und feine eigenen
Laster berichtigen, ehe er sich anmaßt, die
Laster Anderer zu berichtigend er mag sich
zu irgend einer Religion bekennen die ihm
gefällt, vorausgesetzt daß er moralisch lebt
und sich aufrichtig beträgt.
Art. 12. Gute Gesellschaft besteht nicht
nach der Meinung diese Gesellschaft aus
schließlich aus der Aristokratie des Reich
thums, weder kann sie errichtet werden aus
den politischen Aemterjägern und religiösen
Schwärmern sie faßt in sich die Armen,
welche ehrlich, verständig und fleißig sind,
sowohl als die Reichen auch soll der Unter»
schied, welcher der arbeitenden Klasse der
Gemeinheit, dem Bauer und Handwerker,
und allen deren Arbeiten sowohl öffentlich
als privat sind, nicht übersehen werden.
Schließlich, die Glieder dieser Gesellschaft
sollen ihre eigenen Heizen und Leben prüfen,
und auf der Hut sein gegen solche Sünden,
die am leichtesten »erführen sie sollen su
chen Gutes und nicht Böses zu thun, einan
der zu lieben und nicht zu hassen alle Stadt
unb Nachbarfchaftsplauderer, Klatscher und
£)b ren träger, Verleumder und unruhige
Menschen müssen notwendiger Weise von
dieser Gesellschaft ausgeschlossen werden,
weil man annimmt, daß sie so viel zu thun
baben, anderer Leute Geschäfte auszufor
schen, nnd ihnen nicht hinreichend Zeit übrig
bleibt sich selbst zu untersuchen und ihre ei»
genen Angelegenheiten zu besorgen.
Art. 13. Aber jeder echt moralische und
wohlwollende Mensch, der sein Vaterland
liebt, und an dem Frieden der Gesellschaft
zu dessen Schatz er jährlich oder auf andere
Weise beiträgt, wird angesehen als berech»
tigt ein Glied in dieser Gesellschaft |tt still
ohne ®-U, Gebühr oder Belohnung,
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H. J. NoTHHseiL, publisher
Corner of 7th & South Market Str.

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