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Ohio Staats-bote. (Canton, Stark County, Ohio) 1846-1851, July 31, 1850, Image 1

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Der „Ohio StaatS.Bote" erscheint Mittwochs.^
Snbftripttonsprets fur 52 Nummern ist »2 it{
Vorausbezahlung, #2,25 wenn innerhalb des erstech
Haiben Zahres, $2,50 wenn während des zweiten hat*
ten Jahres und K2,7S wenn erst nach Verlauf de^
Jahres bezahlt wird. Niemand kann die Aeii
lung aufgeben ohne vorher alle Rückstände bezahlt zU
haben. Briefe und Mitthcilungcn müssen portofrei
sein, wenn ftc berücksichtigt werden sollen.
^jr Postmeiiter können nach cjiur Vererdnun
du General-Postamts Subftriptionsgeldcr fr an
o au Aeitungsherausglber senden, wenn man den
tlben solche trieft offen übergiebt, fit versieget,
und addressiren last.
(Jahrgang 3.
N s s s
WanS tittb der EheprocuraM.
it (Ein Schwank.)
Zur Zeit des dreißigjährigen Krieges
wohnte in Leipzig ein ehrbarer Sattlermei
ster. Der alte Mann war von jeher sehr
fleißig gewesen, besaß ein hübsches Vermögen,
und lebte in bürgerlichem Wohlstande. Da
aber nichts in der Welt vollkommen ist, so
hatte auch Meister Stephan große Sorgen.
Sein einziger Sohn, Hans, wollte durchaus
nicht klng werden. Der Vater zahlte schwere
Summen für seinen (Schulunterricht aber
der Junge lernte nichts. Er ließ ihn aufdin
gen, gab sich alle Mühe, einen tüchtigen
Sattler aus dem Stammhalter zu bilden
vergeblich Hans blieb ein Tölpel und lag
auf seiner faulen Bärenhaut.—
Als der schwedische Geueral Banner Leip
zig hart belagerte, traf den alten Stephan
das Unglück, durch eine Bombe tödtlich ver
wnndet zu werden. Hans stand ziemlich
gleichgültig an dem Sterbelager seines um
ihn sehr bekümmerten Vaters. Der Alte
schloß die Augen auf immer. Der Junge
heulte zwar ein paar Stunden, aber die
Thränen trockneten bald, als er den schwe
ren Geldsack ausleerte, welcher ihm hinter*
lassen ward. Nun ging's herrlich und in
Freuden. Lustige Brüder fanden sich ein, die
weit besser lehrten als Vater und Schulmei«
ster, und den Hans zum förmlichen Lebemann
ausbildeten. Er tractirte, spielte denSti'tzer,
kleidete sich kostbar, scherwenzelte, verborgte,
verschenkte und hatte nach einem halben
Jahre keinen Heller mehr. Jetzt schritt er
mürrisch und ärgerlich einher.
Wo fehlt's Herr Stephan, fragte sein
.Nachbar, der kluge, aber dgbei äußerst filzige
'Bader Naumann.
Hab' kein Geld, brummte dieser.
$,* Aber doch ein hübsches Haus, entgegnete
|f^?r Nachbar.—Auch schon Hypothek darauf?
I Was ist das? fragte Hans.
Ob Euch Jemand eine Summe geliehen,
jiiiib Ihr ihm dagegen Euer Gruudstück ver
Pfaudet?
Bewahre der Himmel! «O ist mir nicht
Angefallen, versicherte der junge Stephan.
So will ich Euch fünfhundert Thaler dar«
auf vorschießen, wenn Ihr mir von jedem
Hundert zwanzig Thaler Zinsen gebt, erbot
sich der Nachbar. Dies ist gewiß christlich von
mir gedacht, denn man muß auch Rücksichten
Änf seine Mitmenschen nehmen* Uebrigens
braucht die hochweise Obrigkeit Nichts von
fctefer kleinen Vergüliyig zu wissen. Eine Ge
fälligkeit ist die andere werth. Ich bin über
zeugt, daß jetzt bei dieser jammervollen Zeit,
Niemand einen Groschen aus der Tasche ge
6c» wird deßhalb nehmen wir auch vor
Gericht nur die landesüblichen Abgaben an,
I Wer war froher als Hans! Er bewilligte
Alles, und nun hing der Himmel wieder voller
Geigen. Auch diese Herrlichkeit währte nicht
lange. In kurzer Zeit ward der Verschwen
der so fertig, daß er sich genöthigt sah, noch
mals zum gefälligen Nachbar zu gehen, um
eine neue Aulehe zu mache».
Ei, Herr Nachbar, wixdenkt ihr hin, sagte
dieser mit finsterem Blick ick alter schwach
köpfiger Mann habe Ench schon mehr vorge^
schössen, als Haus und Hof werth ist, und
möchte jetzt blutige Thränen weinen, daß ich
so ein Thor war,—abee mein gutes Herz hat
mich dazu verleitet.
So verkauf' ich mein Grundstück, erklärte
Hans trotzig.
Versucht's einmal, lachte höhnisch Herr
Naumann, man giebt Euch nicht zweihundert
Thaler dafür. Ihr könnt es in Gottesnamen
ansbieten lassen, wie sauer Bier, ich habe
Nichts dagegen, werde aber ernstliche Maß
regeln ergreifen, wieder zu meinem Gelde zu
kommen. Der Schnldthurm ist ein erfreuli
ches Quartier.
Hol' Euch der Teufel, alter Filz! rief der
Bursche, dem die Galle überlief» u»d stürzte
wnthend fort.
Spornstreichs ffefrrptfpfnrit gttfrti Frenn,
den, klagte über Geldmangel, schimpfte auf
schlechte Gauner, hartherzige Nachbarn, und
ersuchte die lockern Dutzbrnder dringend um
Hülfe. Aber alle lachten ihn ans nnd spotte
ten seiner. Sogar der ehrwürdige Beicht
Vater speis'te sein werthes Beichtkind mit
salbungsreichen Vermahuungen ab, und rück
te mit keinem Heller heraus. Jetzt war guter
Ruth theuer.
Hans hatte sich den ganzen langen Tag
herumgetrieben, kehrte am Abend, mit leeren
Taschen sehr erhitzt in sein Haus zurück, nnd
warf sich auf's Lager, die erste sorgenvolle
Nacht seines Lebens schlaflos zuzubringen.
Der Schnldthurm lag ihm schwer auf der
Seele, denn wenn der Nachbar sein Geld
ernstlich verlangte, und Niemand sein Haus
kaufte, saß er wahrlich fest! Zwar lachten
nm dem ffiiirfrfifit »tKfofem bianfa
Jii
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Thaler ans dem sorgfältig dnrchsuchten Geld
kästen freundlich an, aber es war ja künsti
gen Sonntag auf der Garküche ein Schmänß
che», da mußten sie natürlich springen nnd
er wurde dann so arm wie eine Kirchenmatts.
Verdammte Lage! knirschte des weiland
reichen Meister Stephans verarmter Sohn,
und ging im höchsten Unnmth nach dem da
mals noch sehr verwilderten Rosenthal?,
durch ein kaltes Bad in den Finthen der
Pleiße den ermatteten Körper zu stärken.
Anf dem halben Wege nach dem Dorfe Goh
lis traf er ein nettes Bauernmädchen, das
keuchend einen schweren Korb am Arme trug.
Die schöne Dirne stach den Leichtsinnigen ge»
waltig in die Angen. Aller Kummer mar
augenblicklich vergessen.
Soll ich helfen, liebes Kind? fragte er
scherzend.
So ein schöner Herr hat mich doch nur
zum Besten, erwiederte sie erröthend.
'S ist wahrlich Ernst! rief der Geschmei
chelte, und nahm ihr die Bürde ab.
Ein Wort gab das andere, die jnngen
Lente wurden bald bekannter miteinander,
und als sie in Gohlis ein schönes Bauergut
erreicht hatten, bat das freundliche Mädchen
den gefälligen Herrn, mit in das Haus ihrer
Eltern einzutreten.
Die ehrlichen Bauersleute waren ganz
außer sich über die Ehre, einen vornehmen
Leipziger zu bewirthen, nnd trngen auf, was
Küche und Keller vermochte. Hans ließ sich's
trefflich schmecken. Er sah wohl, es sei hier
etwas zu fischen denn der alte Vater er
zählte treuherzig von. seinen liegenden Grün
den, seinem vielen baaren Gelde, das er in
der Stadt sicher untrrgebracht hätte. Die
Mutter sprach von der reichen Ausstattung
ihrer einzigen Tochter, und rühmte die Tu
geudeu des lieben Kindes. Plötzlich erlench
tet nnsern armen Teufel der glückliche Ge
danke sich durch ritte reiche Heirath aus
aller Roth zu reißen. Viele Gewandtheit ge
hörte eben nicht dazu, das an Erfahrung
noch sehr arme Banernmädchen einznneh
men. Die Eltern hatten das Pulver auch
Nicht erfunden. Das feine brauntnchene
Wammes,der reich bordirte Mantel, der
saubere Spitzenkragen mit zwei zierlichen
Quasten, die wohlgenährte Gestalt des mann
baren Jünglings Alles sprach zu seinem
Vortheil tüchtig aufschueiden hatte er von
den lockern Gesellen, die ihn auszogen, auch
gelernt es konnte also nicht fehlen, der Sieg
mußte heute noch errungen werden!
Nachdem unser He ID sein schönes Haus in
der Stadt, von dem ihm freilich kein Ziegel
auf dem Dache mehr gehörte, hoch angeprie
sen, dem schönen Röschen einige, nach seiner
Art nicht feine Schmeicheleien gesagt, ihr
mehrere Mal derb die Hand geküßt nnd die
glühenden Wangen gestrichen hatH, rückte er
Mit seiner Bewerbung heraus.
Ihr braven Leute, ich wüßte einen fchnwt
ken Freier für Euer liebes Töchterchen.
Röschen war mit Purpur Übergossen Vw
ter und Mutter machten große Augen.
Ja, ja, lächelte Hans, es müßte Euch
doch Freude machen, wenn sie eine vornehme
Frau in der feinen Stadt Leipzig würde.
Je nun, ich hätte Nichts dagegen, erklärte
die Mutter, weun das Kind gut ankäme,
Wer ist es denn fragte der Vater.
Ich bin es selbst! sprach .Hans, sich stolz
itt die Brust werfend.—Willst Du mein ehe
lich Gespann werden, schönes Röschens
fragte zärtlich der Zudringliche.
Ach ja, stotterte die aus aller Fassung ge
brachte Dirne.
Lieber Herr, nahm der gutmüthige
Voll guter Zuversicht auf
V v
X*,.,1*
1
Vater
das Wort, Ihr fallt auch gleich mit der Thüf
in's Haus. So schnell kann diese wichtige
Sache nicht abgemacht werden. Erst müssen
wir uns bei unserem Hrn. Vetter, dem Ba
der Naumann in Leipzig, erkundigen, wie eS
mit Euch steht. Das ist ein kluger Mann,
der die ganze Stadt kennt, nnd uns die beste
Auskunft über Eure Hühner und Gänse ge
ben kann. Was der nun rächen wird,
geschehen.
Hans erblaßte, dieser Ansspruch war ihm
ein Donnerschlag. Wie konnte er eine gute
Empfehlung von dem beleidigten Alten, der
seine schlechten Umstände am besten kannte,
erwarten? Doch der Bursche war dumm
dreist, sei« plötzlich gesunkener Much kehrte
bald wieder. So viel wußte er bereits aus
Erfahrung, daß Geld der Abgott des christtt
chen Nachbars sei bekam er nun eine reiche
Frau, so konnte er leicht auszahlen und
durch das Versprechen eines runden Sümm
chens ließ sich sicherlich das beste Lob von
dem alten Filz erkaufen.—O gewiß, es muß
te gelingen.
1
seinen Glücks-
stern ging der junge FreierSmann spät am
Abend nach Leipzig zurück, nnd sogleich zn
seinem lieben Nachbar.—
Ich bin gcst-rn früh grob gtgtft P.
«irjfit, W.h°k',
chen, redete er den alten Mann an, der eben
im Begriff war, in's Bett zn steigen. Seid
wieder mein Frennd, und Ihr sollt mit leich
ter Mühe hundert Thaler von mir verdienen.
Hundert Tbaler? fragte der halb Entklei
dete, die fchlaftrnnkenen Angen weit anfreif
send wie so?
Durch eine gute Empfehlung,ant»vhrtete
Hans.
Nehmt doch Platz Freundchen, bat der
Nachbar sehr freundlich, indem er dasNacht
iämpchftt mit einem großen Licht vertauschte.
Hans erzählte seilt Abenteuer und versi
cherte weun der Herr Vetter feiner im be
sten gedenken, und ihm zur Heirath besörder
lich fein wolle, hundert Thaler dafür zu ent
richten.
Wie könnt' ihr ehrvergessener Mensch es
wagen, mich durch solch' einen niedei^ächti
gen Antrag auf's Neue zu beleidigen? fuhr
Herr Naumann entrüstet auf. Ich, der ehr«
Iichste Mann in ganz Sachsenland, soll mci
item steinreichen Verwandten einen liederli
chen Bettler empfehlen, der
Dadurch ein wohlhabender Mann wird,
nnd gern noch fünfzig Thaler zulegen will,
fiel der Bursche keck ein.
Weich, Verführer! gebot streng derSchein
heilige, mit der linken Hand nach der Thür
zeigend, gleichwohl aber mit der Rechten den
Abgewiesenen, der, glühend vor Zorn, wirk
lich im Begriff war, fortzulaufen, am Mantel
ängstlich festhaltend.
Laßt mich los, in's KnkukSnamen! rief
dieser drohend mit der erhobenen Faust, oder
Euch soll
Sachte, sachte, Freund Hitzkopf, sprach der
Alte, seid nicht gleich Hansobenans, setzt
Ench in diesen Großvaterstnhl, und laßt ein
vernünftiges Wörtchen mit Ench reden. Der
Tugendeifer kann einen ja manchmal zu
Aufwallungen verleiten, die d'rum nicht so
böse gemeint sind.
Es ist wahr, stimmte er gar Herzbrechend
an, alö der junge Stephan knurrend Platz
genommen hatte, ich armer iniserabeler
Mann könnte wohl einen Nothpfennig fehr
brauchen, muß daher alles anwenden, mich
vor druckendem Mangel zu sichern.
Man hat auch Pflichten gegen sich selbst,
uud wenn der Verstand plötzlich erleuchtet
wird, da wär' es Sünde, wenn ein Men
schenkind diese herrliche Gabe des Himmels
nicht benutzen wollte. Ja, ich hätte wohl ein
Plänchen mein Gewissen wiro auch wahr
lich nicht dabei leiden-denn ich bin ein grnnd«
ehrlicher Mann! Ja, es ließe sich Alles
machen aber nehmt mir's nicht übel für
diefe Kleinigkeit nun und nimmermehr!
Prosit die Mahlzeit! Ihr würdet der reiche
Mann im Evangelio—und hättet den lieben
Nachbar mit lumpigen hundert und fünfzig
Thalern abgespeist Nein, Freundchen, das
zieht nicht!
Was soll ich denn geben, fragte Hans,
dem eine Centnerlast von der Brust wich.
Tausend Thalcr, erklärte Herr Naumann.
Seht, Freundchen, ich übertheure Euch
nicht versichere zugleich auf Ehr und Selig
keit! meiner lieben Sippschaft die reine
Wahrheit zu sagen, und Euch doch die reiche
Braut zu verschaffen wenn Ihr nämlich
alles pünktlich befolgt, was ich verlange.
Ei, laßt doch hören forschte der Bursche
sehr neugierig.
Kein Laut kommt über meine Lippen, ver
sicherte der Alte. Ihr versprecht mir nach
der Hochzeit tausend Thaler zu zahlen, an
genblicklich herüber zu kommen, wenn ich
Elich rufen lassen lasse und die Sache ist
abgemacht.— Ich hoffe zu Gott, sie fell zu
Eurer Zufriedenheit ausfallen, auch mein
zartes Gewissen durch keine Lüge verletzt
werden.
t)ans konnte leicht einwilligen. Ohne sich
weiter zu bedenken, gab er Wort nnd Hand
schlag darauf, uud schloß vor freudiger Er
Wartung kein Auge.
Den andern Morgen spazierte der Stutzer
bei guter Zeit wieder nach Gohlis, dem Fein
Liebchen fein Aufwartung zu machen. Sein
Gesicht ward ellenlang, als er hörte, das
Vögelchen sei ausgeflogen, und in allerFrühe
mit den lieben Eltern nach Lorenzkirchen
zum Jahrmarkt gefahren wann sie zurück
kehren werde, wußte das Hausgesinde nicht
zn bestimmen. Ach! wer doch Falkenfiügel
hätte, und nachschießen könnte seufzte der
arme Teufel, nnd schlich trübselig wieder
nach Hause. Der Gedanke, die so schön ein
geleitete Heirathsaussicht sei am Ende nur
ein ganckelhaftes Traumbild gewesen, peinig
te ihn sehr.
Drei Tage lang war der Bursche keines
Menschen Freuud er hatte sich früh und
Nachmittags trotz des heftigsten Regens in
Gohlis eingefunden, aber die sehnlichst Er
wartete noch nie angetroffen. Den vierten
saß der beklagenswertbe Liebhaber znr Mit
tagszeit am Tisch, und verzehrte sein spärli
ches Linftngericht.Da erschien ein Abgesand­
z, y v
i.»lEsf V"v» •*"Ä:
5lB* 9v
pr 'ftp-
'4»
ter des lieben Nachbars, und rief ihn eiligst
hinüber. 5)ans stürzte kauend fort auf der
Hausflur schon trat ihm Herr Naumann
entgegen. Glück aus! Freundchen, rief er
freudig in die dürren Hände klatschend:
meine Sippschaft aus Gohlis ist eben vom
Jahrmarkt zurückgekommen, hier eingekehrt,
und will wahrscheinlich ihr Anliegen vorbrin
gen. Ich habe sie in's Oberstübchen geführt,
bitte Euch höflich einzutreten, und mir gewis
senhaft in Allem zn folgen, was ich verlange.
Nach dieser Anrede führte der Alte den
freudig überraschten Freier in seine, zum
Ersticken geheizte Badstube, und fuhr fort:
DMfetzt Euch nieder, nehmt diesen Kopf voll
Milch, wie auch das Körblein mit dem Sem
mel, nnd brocket ftin säuberlich ein. Hier
habt Ihr auch einen neuen Pfennig, den
nehmt zwischen die Finger, haltet ihn fest,
damit er Ench nicht entfalle, nnd geduldet
Euch also in dieser Wärme eine kleine Zeit,
die Sache soll sich wohl machen.
Hans befolgte pünktlich, was ihm geheißen
nnd hielt den Pfennig dabei so fest, daß er
schier vor Hitze mit? Schweiß ohnmächtig ge
worden wäre.
Herr Naumann begab sich zu feinen Gä
sten, und fragte, was sie ihm Gutes brächten?
Der alte Bauersmann erzählte sehr weit
schweifig, wie ein vornehmer Leipziger seine
Rose zn ehelichen wünsche, auch sie großes
Wohlgefallen an dem stattlichen Galan fän
de. Weil er aber von dessen Umständen
keine gründliche Nachricht habe, so bitte er
den Herrn Vetter, ihm solche zu ertheilen,
und reinen Wein einzuschenken.
Der schlaue Geizhals, gab hierauf zur
Antwort: Soviel ich weiß, befindet sich der
junge Mann sehr wohl: E sitzt warm'.
Das gefiel dem ehrlichen Bauersmann
außerordentlich. Ei, dachte er, da kommt
Deine Tochter auch in ein warm Nest,
i e N a u a n n u o E a a u
e i n z u o k e n
Darüber ward die bedächtige Mutter hoch
erfteut. Der Tochter klopfte das Herzchen
gewaltig.
Und »vas noch mehr ist, endete der Herr
V e e E a a u e i n e n e i n e n
Pfennig in der 5)and.
Obenein ein schönes Haus, wie er selbst
sagt, setzten die ehrbaren Landleute hiuzu:
doch rctii und schuldenfrei erhalten?
Rein angefegt weiß Gott! und schulden
frei
von seinem Vater selig erhalten, siel Hr.
Naumann schnell ein.
Nun, da soll er die Dirne habe», «ttschlvs
fr» sich augenblicklich die lieben Eltern.
Auch würde ich Euch ratheu, die Hochzeit
sonder Verzug zu feiern, und lieber die Stra
fe für das übergangene Aufgebot zu zahlen,
bemerkte der Schlaukopf. Der Stephan hat
so viele Heirathsanträge, daß er leicht wie
der abspringen könnte. Ein angesehener
Rathsherr allhier will seiner schönen Tochter
auf der Stelle dreitausend Thaler mitgeben,
«Nd säh es gern
Ei, was der kann, vermag ich auch, und
noch mehr! unterbrach ihn der reiche Baner.
von mir bekommt nieine Rose an ihremHoch
zeitstage vier tausend Thaler baares Geld
gusbezahlt.
Ihr seid ein honiiettcr Mann, nnd wißt
Euch doch gleich in gehörigen Respekt zu sez
zen, schmeichelte der alte Heuchler. Wenn
Zhr's zufrieden seid, will ich den jungen
Mann, der mein Nachbar ist, augenblicklich
hole» lassen, damit die Sache auf's Reine
gebracht werde.
Liebwerthester Herr Better, Ihr erzeigt
uns eine große Gefälligkeit! fagten Vater
und Mutter denn rechtschaffene Eltern su
chen ihr Kind wohl zu versorgen. Laßt ja
sogleich den lieben Herrn rufen!
Hans kam.—Heute noch war Verlobung
den Sonntag darauf stand das Brantpaar
vor dem Altar in der Nikolaikirche. Der
Bursche erhielt eine reiche, fleißige Frau, u.
besserte sich von Stund' an. Die schlichten
Schwiegereltern erfuhren nie die traurigen
Vermögensumstände des werthen Eidams.
Durch ihr Geld ward er wirklich wieder zum
wohlhabenden Mann, der sein schönes Rös
chen auf den Händen trug.
Vetter Naumann wollte sich darüber halb
todt lachen. Was nicht so ein Schwatzköpf
chen bewirken kann! rief der alte Hagestolz
oft verwunderungsvoll. Aue dem verderbe»
neu, liederlichen Sattler hat es den thätig«
sten, sorgsamsten Gasiwirth zum Rosenkränze
in Leipzig gemacht.—Uebrigens wär' es ihm
auch gleichgültig gewefen, wenn der Hans
ein Verschwender blieb hatte er sich doch
auf der lustigen Hochzeit ein Räuschchen
gettunken, und den Tag darauf die leicht
verdienten tausend Thaler eingestrichen.
W e i z e i n e e v o o e
Wir leben in einer Zeit der Wunder, daher
e^ uns nicht wundern darf, daß der Blitz, der
jetzt gewöhnlich Sehende zum Grabe geför-
dert hat auch einmal die umgekehrte Wirkung
gehabt hat. Ein Bauernknabe im Staate Ar
fait fas, NamensWerlay sollte als todt beer
digt werden da überfällt einGewitter denLei
chenzng, der Blitz schlägt in den Sarg nnd
her Todtgeglaubte erwacht aus seinem Starr
krampfe. Das Merkwürdigste bei der Sache
ist jedoch die geistige Revolution, welche bei
dem Wiederblebten bewirkt worden ist. Dieser
ist seit jener Zeit in den Zustand der pr^)he
tischen Inspiration verfallen.
Ein zu Louisville, Kentucky, erscheinendes
Vl.itt berichtet Nachsteheudes Gestern früh
erlebten wir einen Austritt, der für den
Menschenfreund etwas ungemein Nieder
schlagendes hat. Der Dämpfer „Kendall"
lag bei der Wallstraße am Werfte uud war
im Begriffe, nach New-Orleans abzufahren.
Buf dem Deck des Vorderkastells stand ei»
lie eigentsinnliche Gruppe, ein Sklaven
Händler mit einem halben Dutzend Skla
ven, unter welchen eine Mutter, die ihr
Kind an der Brust hatte. Offenbar sollten
sie im Süden verkauft werden. Eben als
die Sch'ff^glocke zum letzten Male schellte
und die Taue vom Werfte abgelöst werde«
sollten, forderte man der Mutler das Kind
ab nuv bedeutete ihr, daß sie ohne dasselbe
fortrießen müsse. Das arme Weib wurde
beinahe wahnsinnig vor Schmerz. Sie
drückte das Kind krampfhaft an sich, küßte
es mit Thränen und lief dann zu einem Kof
fer, in welchem sie allerlei Kleidungsstücke
für das Kleine verpackt hatte. Dieses drück
te sie noch einmal an die Lippen und hiittte
dann das Kmd hinein. Der Sklavenhänd
ler befahl ihr, rasch zu folgen, und sie ge
horchte mechanisch dem Gebote. Aber das
Muttergefühl war zu mächtig, als daß e$
sich hätte unterdrücken lassen unter lautem
Angstgeschrei kehrte sie wieder um, packte
das Kind wieder und wollte es nicht lassen.
Ihr Jiminern, ihr bis zum Wahnsinn ge
steigerter Schmer erregte die i
im niste Tbeil
nahme der am Ufer Stehenden. Der Skla
venhändler wurde gefragt, ob er nicht Mut
ter und Kind zusammen verkaufen wolle.
Er ließ sich willig studen, beide für die Sum
me von 650 Dollars loszuschlagen. Mau
schoß sogleich Geld zusammen Manche, ga
ben 10 Dollars. Inzwischen war der Ca
p!tän des Dämpfers, Norton, aus seiner
Cajüte gekommen sah, was vorging, er
klärte dem Sklavenhändler, er werde ihn
nicht am Bord behalten, schickte Händler u.
Sklaven wieder an's Land und fuhr ohne
ihn hinunter nachNew-Orleans.
I.
Geehrter Herr Staats-Bote
Es ist ci» herrlicherSonntagsmorgen, wo
ich die Feder ergreift, und Ihnen und ihren
geehrten Lesern diese Zeilen schreibe. Da ich
nämlich aus Mangel an einem SonntagS
putze wegen einer höchst nnchristlichen 5)and
lnng, die an mir ausgeübt worden ist, keines
der Heiligtümer des Herrn in einer christ#
lichen Stadt in diesem allerchristlichsten Lan«
de besuchen kann, ohne Aufsehen zu errege«
und ohne Gefahr zu laufen, mit ^hanfier*
geiftr bespritzt zu werden so folge ich de«
Worte, welches Blumauer seinen evangelic
schen Bauernjungen sa^en läßt „Weit töf
von ist gut vor'm Schuß, wer nit' koinm^
hat fit V.'rdru ß." Laß sie ihren Hokus ixH
ben, und die Narren—Narren blechen.
Da fällt mir eben ein Verzeichniß dep
Abgeordneten, welche zu einer zeitgemäße«
Abänderung der Constitution des Staates
Oeio in Columbns zusammengetreten sind,
in die Hände und sehe zu meinemgioßen Er
staunen aber auch, um die Wahri eit zu sa
gen, zu meinem nicht geringen Verdruß, daß
unter den vieleuDele^ateu sich nur ein Deut
scher, nämlich Herr Rümmeliu, befindet, der
nebenbei gesagt, den erbärmlichen lächerli
chen Nativismus in einer kurzen bünUge»
Rcde tüchtig durchgehechelt hat, und Herr»
Hitchcock nebstConsorten dieGeisel derWahr
heit gehörig fühlen ließ. Da ich mich erst seit
neuerer Zeti in Ohio befinde, so ist mir die
Anzahl eingewanderter und eingebürgerter
Deutschen in dieseinStaat nicht bekannt, al
lein ich glaube mich nicht zu irre», wenn ich
sage, daß über eine halbe Million Deutscher
ihre Geistes und lKörperkräste zum Wohle
dieses Herrlichen THeiles der Union verwen
den.
Ganz natürlich stieg in mir die Frage auf:
Woher kommt es, daß diese große deutsche
Bevölkerurg in einer so wichtigenAngelegen
htif, wie die der Abänderung einer Staats
verfassung, nur von einem einzigen ihrer
Gtammgenossen vertreten ist? Daß nämlich
die Abänderung einer Staatsverfassung eine
S a e v o n e ö e s e n W i i
keit ist, wer wollte dies auch nur einen
Augenblick in Zweifel ziehen Und doch sind
über 500,000 Deutsche, denen der amerikß».
Nische Gesandte in London in einer kürzlich
gehaltenenRede ein eben so schönes als wohl
verdientesLob spendet, nur v. einem einzigen
Manne repräsentirt wird dem deutscheste,
ben gepaart mit ächt amerikanischerFreiheits
liebe heilig und theuer ist wie seine ganze
X' --Mae J.,
3
&
Bekantttmacknngen.
7 16 Zeilen und weniger tosten 1 Thaler fur SnM,
Des Einrücken, jede nachfolgende tostet 25 Cent.
16 Allen und weniger Vierteljahrs $2,50
halbjahrig f4,ÜO
u u u «in Jahr
GefchAftStarlen von 4 Zeilen für ein Jahr AZM
Bei größeren Anzeigen trtt» et» #frc**ter Atzpig
i'„ stattet. :.i
stitutionen nnd ächt demokratischen Grund
sätzen unserer Constitution innig vertraut
worden, folglich in jedweder Hinsicht fähig
find, ihr Votum zn Gunsten solcher Gesetz
'vorschlüge abzugeben, deren Anwendung in
dividuelles und allgemeines politisches Wohl
sein erzeugt, nährt und belebt. Dasselbe ist
der Fall in Cincinnati,,Dayton und mehre
ren andern Städten dieses jugendlichen und
doch schon zur Riesengröße herangewachse
neu Staates. Was ist denn die Ursache, fe
frage ich nochmals, daß die iu jeder Hinsicht
'große deutsche Bevölkerung nur eine nBer
treter iu
jenem
Weisung
1*
Rummer 15.)
politische Tätigkeit zur Genüge darthut T'
Daß es noch mehr deutsche Männer in die
fem Staate giebt, welche geistig und sittlich
fähig wären, an diesem großen Werke.zu ar
beiten und ihre Stimmen in den gesetzqeben
den 5)allen laut werden zu lassen das weiß
ich aus eigenerErfahrnng durch einen frühe
ren mehrjährigen Aufenthalt in mehreren
Theilen dieses Staates. In tmfernt tranli
chen Canton z. B. sind deutsche Männer, die
zwar nicht auf einer deutschen Universität
ihre Bildung erhalten, dagegen aber in der
großen Schule des Lebens ihr Talent ent*
tvidclt haben und durch langjäHrigenAufeat
halt in diesem Lande mit den politischen
In­
Körper besitzt, dem das wich-
tiefte Geschäft ausgetragen ist? Ich dachte
Über diese betrübende Erscheinung nach und
theile meinen deutschen Mitbürgern ohne
'Rückhalt das Ergebniß meines gewißvorur
theilsfreien Nachdenkens mit in der 5)off
nnng. daß ein Wort der Rnqe und Zurecht-
in Liebe nicht mißdeutet werde, und
Bitterkeit erzeuge, sondern beherzigt und in
!der Folgezeit beachtet werde.
Abgesehen davon, daß'wir imAllgemeine«
^betrachtet, zn zerstreut von einander wohnen
jitttb schon ans diesem Grunde bei der Wahl
der Staats- undConnty-Beamten nur Holz
harfer und Wasserträger sind folglich auch
nur eine solcher Stellung entsprechende Be
handlung erfahren, was wir Alle schon mehr
oder minder gefühlt haben müssen, wenn wir
nicht unter lastviehmäßigem Streben .nach
materiellem Wohlsein oder bei vollenFleisch
topfen alles Gefühl verloren haben: so fehlt
csVielen von uns erstens an ol i ti sch em
S e st e w u t.f e i n, mit ander» Wor
ten: Vielen ist noch nicht klar geworden, was
sie als freie Männer leisten können nnd fol
len was sie als Glieder dieser großen Herr
lichen Republik auszurichten den beiligenBe
ruf haben, nämlich das als gut Bewährte
aus dem alten Vaterlande in die neue Hei
niakh, in das Geburtsland uusrer liebenKin
der zu verpflanzen, damit es auch hier seine
herrlichenFrüchte bringe. Was könnten z.B.
etliche Marnier, die früher im Elsaß oder in
Rheinbaiern gelebt haben und den Code Na
poleon, dieses von den tüchtigsten Nechtsge
lehrten Frankreichs entworfene Gesetzbuch
'kennen, in einer gefetzgebendenVerfammlung
leisten, wo es sich darum handelt, die ganze
Gerichtspflege auf eilte unferaiZeiigeiste ent
i sprechende und den Fortschritten unsrer Zeit
genügende Weise neu zu gestalten? Was
könnten Männer, welche mit dem bis jetzt
Liitiitbertrcffeiieit Schulwesen unseres alten
Latcrjaudes vertraut sind, in einer Bersam
lnng leisten, wo die Leben 6 srag e de
i n w o e w e e n o W i e s o e n u n
k -e e S u e n e o e n w e e n
a i si e i e o e n e st i m
i n u u e n s e e n u n s e e K i n
der z u ch rig e n geist i und k ö r
lperlich gesunden Republi ka
e u n e u i k a n e i n n e n
u i e n Wie viel könnten die Rath
schlage tüchtiger deutscher Landwirthe, Kauf
teilte, und Handwerker, welche auf europäi
schem Boden so manche Erfahrungen gefam
melt haben, nützen in einer Versammlung,
die eine Grundlage für Gesetzentwürfe legen
soll, wodurch Landbau, Handel und Ge
werbe auf die schnellste und sicherste Weise
gehoben werden? Ja, deutsche Mitbürger,
was Vielen von uns fehlt und was im Her
zen jedes Vaterlandsfreundes gerechten Un
willen erregen muß, ist der Mangel an po
litischern Selbstbewußtsein, an klarer Cm
sicht in das, was wir als adoptirte Bürge?
dieser Freistaaten sein können und sein sol
len, wenn wir nicht unfern Bürgereid ver
letzen und unsre Würde in den Kcfh treten
und gleich einem Esau unsre heiiigstenRechte
und Ansprüche für ejg ALftAgcrtcht. wegge
ben wollen
eotamt MMNK 8$flUr2tr&t I
Orten, wo wir in größerer Anzahl beiiam
men wohnen und verlieren somit die Bedeu
tung und das Gewicht, welche zur Siche- i:
rting und Festhaltung unserer pvlitifthen I
Rechte unumgänglich nothwendlg sind. Ich I
scheue mich nicht zu sagen, daß der Fluch,
welcher auf unser rn ver kaffinen Vaterlande
mit tausendfacher Centnerwucht lastet und
alle Freiheiksbestrebnngen lähmt und es den
Fürsten möglich macht, die Würdigen und
Braven mit Schlechten nnd feigen Wiem*
men in schmachvoller Unterdrückung zu Hal-
I

N e i i u n e a u s e e e n v o n I N o n a e
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a n o n S a k a n y O i o i w o e n S i e u i 1 8 8 0
O^Poetmaeters are politely requested
ffiorised to act as agents.
H. J. NOTHNAGEL, publisher
Corner
of7i3fc & South Market Str. CANTON, IF
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