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Ohio Staats-bote. (Canton, Stark County, Ohio) 1846-1851, August 21, 1850, Image 1

Image and text provided by Ohio Historical Society, Columbus, OH

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fff» „Ohio StaatS.Bole" erscheint Mitwochs.
K«r Subscrixttonsprtis für 52 Diiimmcrit ist $2 in
Vorausbezahlung, $2,25 wenn innerhalb des ersten
halben Zahres, $2,50 wenn während des zweiten hat»
ben Jahres und $2,75 wenn erst nach Verlauf des
Jahres bezahlt wird. Niemand kann die Zci
»ung aufgeben ohne vorher alle Rückstände bezahlt zii
haben. Briefe und Mitteilungen müssen portofrei
ftitt, wenn sie berücksichtigt werden sollen. i
(Zj* Postmei^er können nach einer Berordnm»^
fctJ General-Postamts Subftriptionsgcldcr fr a n
o au Zeitungshcrausg^ber senden, wenn wanden
elbeit solche Briefe offen überzieht, sie versiegeln
und addressiren lägt.
(Jahrgang S.
A S S S S N A
Mi"'!
oder
ft
schrecklichste Tag meines Leb««».
Erzählung aus dem Leben eines freiwilkge» Jägers
von A. v. Schaden.
(Fortsetzung.)
Ich war jetzt ganz von der* 2Beft obge
schnitten. Der kalte Schweiß lief mir von
der Stirne. Ich opferte viele, unendlich lan
ge Stunden, die ich wohl zn den schrecklichsten
meines Lebens rechnen kann, um die goldene
Freiheit zu erringen. Die Sehnsucht der
Eskorte, bald das nächste Nachtquartier zu
erreichen, veranlaßte glücklicherweise einen
sehr zeitigen Ausbruch. Bei der Stille meiner
unterirdischen Gesellschaft hörte ich, w»'e oben
mein Name verlesen, wie ich vermißt, gesucht
und gerufen wurde. Selbst in das Gewölbe
kam man mit Laternen, und lauschte und
suchte. Ich hielt den Athen» an, um mich
nicht zu verrathen. Da r.'ef man zu meiner
Freude von oben: Wir haben ihn! Ver
muthlich hatte man meinen Stellvertreter
gefunden. Er mußte seine Rolle gut gespielt
haben, denn die Sucheuden eilten sogleich
hinauf, und ich
ward
in
Cine vorübergehende Patrouille der ehrsa
men Nationalgarde, die mich durch die Lust,
in meinem weißen flatternden Kleide, herab
schweben sah, ergriff das Hasenpanier, über
dem da eben die Geisterstunde schlug. Ich
schlich durch einige Straßeu, und gelangte
bis iiini Ausgange der Stadt, die glücklicher
weise keine There hatte. Da begegnete mir
ein weniger geisterscheuer Nachtwächter.
Dieser hielt mich an, uud wollte durchaus
wissen, weß Standes uud Würden ich sei.
Statt aller Antwort warf ich ihm mein Tod
tenhemde über den Kopf band es in der Ge«
schwindigkeit um feinen Leib zusammen nnd
eilte auf das schnellste von dannen. Der
Bursche machte eiueu gewalligen Lärm, nnd
wurde von einem daherkommenden Gens
d'armen als unnützer Lärmmacher und ver
mummter Nachtvogel anetirt.
Hierdurch gewann ich einen bedeutenden
Vvrsprung, und verschwand in einem Gebü«
sche nicht weit von der Stadt. Glücklicher
weise befand ich mich wieder auf dem Wege
nach der Brücke von Tressein. ^ch eilte also
der Grenze zu, in der Hoffnung, daß unsere
Truppen sie schon passirt haben würden, oder
daß ich mit Madelaiu^'KMM.Mcklich
durchkommen dürfte.
IV.
fftt einem kleinen Bache, der sich dutch ein
schönes Wiesenthal schlängelte, warf ich lyich
bei Tages-Anbruch unter einer Weide nieder,
um meine vertrocknete Kehle mit dem schö
nen frischen Wasser zu erquicken, und meine
Wlinde, die mich sehr schmerzte, auszuwa
scheu. Ich hatte mich gelabt, und versank in
einen süßeu Schlnmmer.
Wie lange ich geschlafen
IH
der Liste der
haben
unter dem Schein der
Unbefangenheit Wein pochendes H«xz zu per-
Iff«y Iinfh% Iff v,
bergen, dem
Gefan-
genen gestrichen.
Wie ich nachher erfuhr, hatte man den
Todten richtig
für
Der
meine Wenigkeit gehalten.
Trupp marschirte ab,
und
ich athmete
wieder freier. Gern wäre ich nun sogleich
entflohen, allein die Anstalten, welche man
zur Wegräumung des Strohes und zur Be
erdignng der
Leiche traf, machten die Kirche
belebt.
So verging ein schrecklicher Tag, an dem
ich eben so wenig g-noß, wie meineNach
barn, denn mein Stückchen Braten uud der
Geuevre waren längst fort. Endlich kam die
ersehnte Nacht, die Beschützerin meiner
Flucht, und kaum hatte sich die Erde in ih
ren dunklen Schleier gehüllt, so verließ ich
mein Asyl. Meinen weißen Ueberwurf
be*
hielt ich vorläufig bei, da er auch dazu dienen
konnte, jeden Furchtsamen zu verscheuchen.
Aber unter demselben war ich mit Madelai
liens Geschenken bekleidet, damit ich am Ta
ge, zu welcher Zeit Gespenster polizeiwidrig
sind, weltlich erscheinen könne. Zu meinem
Schrecken fand ich die Kirchchüre verschlos
sen. Leider konnte ich den Weg dnrch's
Schlüsselloch, gleich andern Geistern, nicht
einschlagen, und mußte daher einen andern
Answeg suchen. Ich fand diesen im Thurm,
schnitt das Glvckeuseil ab, befestigte es an
einem Balken und ließ mich durch cinß
nächst der Erde gelegene Luke hinab.
Feinde
Landmann nicht achtete.
Hinter ihnen kamen etwa zwanzig entwajf
nete Soldaten, mit bleichen, trüben Gesich
tern, nnd aus den einzelnen Worten, die sie
mit einander sprachen, entnahm ich, daß es
Deutsche waren. Vermuthlich die verrat he#
nen Ueberläufer.
Still und ernst, ganz gegen bfe französische
Gewohnheit, kam das Regiment, etwa nnr
ein Bataillon stark, heran. Vielleicht hatten
sie heme oder gestern eine tüchtige Schlappe
erlitten. Jetzt kam ein Offizier auf mich z«,
hielt mich an und fragte: Wer seid Ihr?—
Es war der Colonel, derselbe, welcher Zeuge
meiner Gefangennebmung dnrch den Sap
pcur gewesen war. Wenn der mich erkannte!
Zwar war es ein flüchtiger Moment, und
Dunkelheit herrschte, als wir uns sähe« al
lein er blickte mich mit seinen scharfen Augen
sehr prüfend an.
Ich bin ein Landmann
Neuem an.
So ziemlich, mein Colonel.
So zeigt mir einen Platz,
ruhen läßt.
NUN, ich hatte auf
Worte
zu.
mochte,
weiß ich nicht. Der Ton einer Trommel eut
führte mich meinen süßen Träumen. Ich
schlug die Auge« auf und sah zu meinem
Schrecken eine französische Infanterie Co
lonne daher marschiren. Uebrigens war sie
schon so nahe, daß ich bemerkt werden mußte.
Zwar lag vor mir ein kleiner Busch allein,
eilte ich über das Feld diese»» zu, so hatte ich
zn fürchten, daß man mich verfolgen nnd als
verdächtig anhalten würde. Es blieb mir
also nichts übrig,
als
1
8 1 e i i
entgegen zu gehen, u»ch
irklleicht unangefochten hinüber zu kommen.
Zu meinem größten Schreck erkannte ich
das 91. Regiment, welches mich bei dem
Zollhause
so
unangenehm überrascht hatte,
uud sich vermuthlich jetzt zurückzog. Auch er»
kannte ich Geaudry, der an der Spitze seiner
Sappeurs ernst und finster vor sich, hinblik
kend baherschritt, nnd auf den ihm begegnen»
den
ans
Wertay, ent­
gegnete ich im flandrischen Jargon, dessen
Kenntniß mir jetzt sehr zu Statten kam, um
mit dieser Angabe die Richtung meines We
ges zu entschuldigen.
Und wo kommt Ihr her?
Aus Lens, von meiner KreUndschaft.
Habt Ihr die gefangenen Preußen dost?
gesehen
Vorgestern gegen Abend, erwiederte ich.
Der Colonel schwieg eine Zeit lang irnfc
ich erwartete mit Sehnsucht sein Adieu.
Ihr seid
also hier bekannt? fing er von
»Ofich'sgut
dee
Wiese am Bache,
unter der Weide herrlich geruht. Ich zeigte
dyrt
hin.
Er überflog mit einem raschen Blick die
©egent», und befahl der Tete des Regiments
dorthin zu schwenken und anfzumarschiren.
Der Herr Colonel wollen wohl hier noch
etz
wenig ererciren, fragte ich mit anschei
«ender Gleichgültigkeit.
Ja, erwiederte er mit finsterer Miene. Es
wird aber nicht lange dauern. Uebrigens
scheint Ihr Antheil an uns zu nehmen, drum
könnt Ihr auch Alles mit ansehen. Vorher
wird noch ein Kriegsgericht gehalten werden.
Ein Kriegsgericht? Und über wen?
Heber einige Meuterer meines Regiments,
bie
zum Feinde übergehen wollten.
O wunderbares Geschick, welches fiber
mill) waltete. Ich, der ich selbst mit in ihre
Schuld verwickelt war, hatte hier den Platz
zu ihrem Gerichte bestimmt, hatte hier den
Platz zu ihrem Grabe angewiesen, das Grab
für diejenigen, welche mir als Deutsche so
nahe standen, vielleicht mein eigenes Grab.
.Während des Verhörs der Soldaten
schwankte ich beinahe bewußtlos zu derWeide
am Bache, wo ich sanft geruht hatte. Kaum
dachte ich daran, mein Gesicht vor dem Be
kannten, dem Sappeur Geaudry, der finster
nnd in sich gekehrt mit seinen Kameraden
folgte, zu verbergen. Die Sappenre schau
selten ein tiefes Grab. Geandry nahm seine
Art, hieb einige Aeste vom Banrne, zimmerte
schweigend ein kleines Kreuz daraus, und
legte es auf die ausgeschaufelte Erde, um
nachher den Todtenhügel damit zu zieren.
Das Verhör war beendigt. Nur das Nr
theil und die Erecntion fehlten noch. Der
Auditor Offizier schrieb emsig auf einer
Trommel und flüsterte jetzt demColonel eins«
ßk
Sappeur Sergeant Geaudry, rief der
Oberst.
Mou
Colonel, entgegnete dieser, und trat
mit der Hand an der Bärenmütze, zu ihm.
Nicht wahr, Ihr wußtet nicht, daß zur
Ausführung des Planes der Meuterer die
Preußen herbeigelockt wurden.
Allerdings wußte ich es. Ich habe es ja
angezeigt sie wurden überfallen und gefan
gen, erwiederte Geandry mit fester Stimme.
Der Offizier protokollirte.
Ihr wnßtet aber nicht, fragte de? Oberst
weiter, und seine Stimme verrieth es dent
lich, daß der Sappeur seine Frage mit Nein
beantworten sollte, durch wen die Deutschen
zur Entweichung verleitet wurden, und wer
ihnen dle Nachricht:«v»
der
Unterstützung
des Feindes brachte.
Ich
weiß es, entgegnete der Gefragte fest
«nd ernst.
So werdet Ihr ihn anzeigen, damit der
Schuldige zur Strafe gezogen werde, sprach
8er Auditor-Offizier. ttW
a n
Nein, Herr Lieutenants
Bedenkt,
daß Ihr seine Strafe ans Euer
Haupt zieht.
Ich weiß es.
Und wollt nicht sprechen?
Weil
dadurch
Ja, war die kurze Antwort.
Ihr seid also hierdurch Mitschuldiger, und
habt dieserhalb nicht allein gegen die Kriegs
gesetze,
sondew auch gegen das Vaterland
gefehlt.
Gegen die Kriegsgesetze! Ja! Gegen das
Vaterland? Nein! Hier ist mein Zeuge,
wie ich als Soldat gehandelt habe, rief
Geaudry, indem er die Bärenmütze vom
Haupte riß,
und ans
Auf einer kleinen Anhöhe, vor der Mitte
des Regiments, wurde der goldene Adler
aufgepflanzt, und um denselben 13 Trom
meln aufgestellt. Mehrere Offiziere, Unter
offiziere und Soldaten traten als erwählte
Richter vor, gingen in feierlichem Schwei
gen nach dem Platze, und ließen sich auf den
Trommeln nieder. Der Auditor- Offizier
nahm de» Richtern gegenüber Platz. Nach
dem er die Anklageakte vorgelesen, und seine
Gründe für und gegen entwickelt hatte, erho
ben sich die Mitglieder, beriethen sich heim
lich und sprachen dann laut das gefürchtete
Schuldig aus. Der Auditor Offizier schrieb
ihr Votum nieder. Der Oberst unterzeichne
te, und auf seinen Wink wurden die deutschen
Soldaten wieder vorgeführt. Die Trommeln
gaben einen kurzen Wirbel, das Regiment
präsentirte, und der Offizier verlas das Ur
theil: „Wer zur Zeit des Krieges mit Wehr
und Waffen zum Feiude übertritt oder über
treten will, hat die Kugel verwirkt. Mithin
seid Ihr, die Ihr hier steht, um Euer UrtHeil
zu vernehmen, dem Tode durch die Kugel
verfallen. So ist es dnrch ein wohlbesetztes
Kriegsgericht, nnd durch mich, im Namen
des Kaisers bestätigt. Reignal, Oberst des
Slsten Regiments.
So lautete
was
mich
mt(
e a u s e
e e w o n t-
W o a e
nichts für die Schuldigen
geändert wird, und weil—kurz ich gab mein
Wort zn schweigen.
So habt Ihr also um
die ganze Sache ge
wnßt, fuhr der Offizier bitterböse a»&
die Wunde
Stirne zeigte.
Ich kenne Ench, mein
an
Ehre jedem Tapfern, er fei Fremid oder
Feind, erwiederte der Oberst. Aber besinnt
Ench, Geaudry,
und-sagt uns den Namen
des Verräthers.
Ich gab mein Wort uud halte es,.
der
Braver,
und
Eure
Tapferkeit, fiel der Oberst ein. Allein ich
darf mir die Sache sehen. Denn, wurde
auch der verrätherische Plan verhindert, selbst
durch Euch verhindert, so sind doch mehrere
der Unserigen dabei umgekommen.
Es ist Krieg, bemerkte der Sappeur, lind
der Soldat, der auf dem Bette der Ehre
stirbt, ist nicht zu beklugen. Je mehr das
Loos ihrer Bestimmung die Unsrigen traf,
desto höher muß man den Feind schätzen.
das furchtbare Bluturtheil,
imTiefsten meines Herzens erschüt­
terte.
Die Unglücklichen erblaßten. Noch wollten
Einige sich entschuldigen allein die Trvm
mcln wirbelten und das Regiment schulterte
das Gewehr. .... .... .....
V. i
xyj's»i
Sergeant Sappeur GnmdrH rief fe$t
Auditor- Offizier noch einmal. Dieser
wieder festen Schrittes vor nnd falutirte.
Ihr habt
Ohne ein Wort zn erwiedern, trat der
Sappeur ab und zu der Sectio« der Tirail
lenrs, welche zur Vollstreckung deS Urtheils
bestimmt war. Ich blieb kanm meiner Sinne
mächtig, so sehr ergriff mich das Schicksal
der Verurteilten, und bei den» Gedanken,
daß mir ein gleiches Schicksal bevorstehe,
sobald ich erkannt würde, rieselte mir ein kal
ter Schaner dnrch die Glieder.
Das erste Schlachtopfer warb" vvrgeflAt'
und neben die Grnft gestellt. Es war ein
hübscher junger Mann, mit blonden Haaren,
sehr bleich, schon jetzt halb das, was er in
wenigen Minuten sein sollte.
Nur gefaßt, Kamerad!
der
trat
Euch zwiefache Strafe zugezo-
gen, sprach Jener, daher befehligt Ihr zuerst
die Erecntion gegen Eure Mitschuldigen, und
dann
werdet Ihr Eurer eigenes Urtheil vcr»
nehmen.
rief
der Sappenr
ihm zn, nur gefaßt, unsere Tirailleurs schief
feil gut.
Der Verurteilte kniete nieder und faltete
yie Hände zum leßlen Gebet im schweren
Augenblick des Scheidens.
Geladen! Achtung! —Schlagt alt! ivm
mandirte knrz hinter einander der Sappeur,
«nd schlugen a».
'-V
I
I N
Feuer commandirte er weiter. Es folgte
Blitz und Knall, und ein grauer Pulver
dampf zog über den Gefallenen trübe nnd
langsam fort.
Das zweite Schlachtopfer,
ein alter
und die Kugelu Schädel
Ul
r...
So werdet Ihr heute noch Euer Urteil
hören, rief der Offizier, schloß das Protokoll
«nd erhob sich.
Die Entwaffneten wurden zurückgeführt.
Der Saxpenr trat mit Ruhe
und stolzer
Haltung zu seinen Kameraden.
Krie-
ger mit Narben bedeckt, die er meist für
Frankreich erhalten hatte, trat jetzt hervor.
Entschlossen beugte er ein Knie, und jah es
ruhig an, wie wieder geladen, der Hahn ge
spannt und auf ihn angeschlagen wurde, bis
wiederum das fürchterliche „Fener!" ertön
tc,
und
Brust
schmetterten.
Und wieder kam der Dritte, ein blutjunger
Mensch, um sich neben die Brüder blntig zu
beladen, wurden die Hähne gespannt und
taktmäßig angeschlagen, nach dem monotonen
Commando des Sappcnrs, der ruhig und
gerade, wie auf dem Erercierplatze stand.
Nenuzehnmal hatte es gekracht, neunzehn
Leben waren vernichtet. Da trat der Letzte,
der alle neunzehn hatte sterben sehen, hervor.
O, welche Gefühle mochten in der Brust des
jnngen Mannes sich erhoben haben, während
er sein bevorstehendes Schicksal so oft sich
wiederholen sah. Wahrhaftig, er hatte schon
mehr als einen Tod erlitten. Ich hoffte, das
kleine Wörtchen Gnade aus dem Munde
des Obersten zu hören. Doch der harte
Mann schwieg und sah still nnd sttmtm vor
sich hin.
zum zwanzigsten
Sergeant Sappeur Geandry, sprach dieser
im
ernsten Tone, habt Ihr Euch
jer#
Male hatte ei ge­
kracht, und auch der Letzte, er lag dahinge
streckt. Ein Blntstrom, dessen Tropfen eben
noch n zwanzig Herzen pnlsirken, bahnte sich
jetzt i auchend einen Weg hinab zn dem Ba
che, der nach der Brücke zu Tressein riefelte.
Der Pulverdampf zog wie eine weißgraue
Geisterschaar in eine lichte Wolke sich auflö
send, gen Himmel, nnd der Sappenr meldete
dem Colonel, eine Thräne im Auge, daß die
Erecution soweit vollbracht sei.
eines An-
dern besonnen.
Wo es die Ehre gilt, da ist kein Besinnen,
erwiederte dieser mit fester Stimme.
Dich Geandry, sprach darauf der Oberst
im
herzlichen väterlichen Tone, den all' deine
Kameraden lieben, den die Offiziere den
Bravsten im Regimente nennen, Dich,
mein
Geaudry, Dich kann ich nicht verlieren.
Meine Kameraden könnten mich nicht
mehr lieben, die Offiziere hielten mich nicht
mehr für würdig, in diesem Regimente zu
dienen, wenn ich wegen kleinlicher Todes
furcht mein
Wort brechen wollte, rief der
Sappeur.
Aber Geaudry, zum letzten Male, bedenke,
ermahnte nochmals der Oberst, bedenke, das
Gesetz
ist
stärker
wie ich,
nun Du kennst den
Kaiser.
Das weiß ich, mein Oberst, entgegnete
ruhig und entschlossen der Sappenr.
Eine Todtenstille herrschte ringsumher,
als der Oberst sich finster abwendete, «nd der
Auditor- Offizier mit seinem Buche, welches
die Kriegsgesetze enthielt, vortrat, und auf
den blutgierigen Artikel beutend sprach:
Sergeant Sappenr, Ihr habt Euer Urtheil
selbst gefällt, Ener Wille geschehe.
Eine ungewöhnliche Bewegung, ein leises
Murren zeigte sich bei diesen Worten im Re
gimente.
Ich weiß, erwiederte r«hig Geaudry, die
Strenge des Gesetzes vernrtheilt mich zur
Kugel. Sie wissen, mein Oberst, ich fürchte
den Tod nicht allein hier so schmachvoll zu
sterben, ist hart für einen ehrlichen Soldaten.
Für das Vaterland, dem ich mein Leben
weihte, für das ich schon an manchem heißen
Tage blutete, für das Vaterland, mein Oberst,
lassen Sie mich sterben. In der ersten
Schlacht senden Sie mich in den Kugelregen,
in die Bajonette der Preußen, damit ich
wenigstens von Feindesland, und nicht von
der meiner Kameraden, de« schuldigen Tod
leide.—
Es geht nicht, metit armer Geaudry,
sprach finster der Oberst. Da trat ein alter
Grenadier aus dem Gliede und präftntirte
vor dem Obersten das Gewehr.
Redet, erwiederte dieser, auf diese figürli
che Bitte sprechen zu dürfen.
Mein Oberst, haben diese Wunden
kein
besseres Loos verdient? fragte der Grena
dier, indem er die Uniform des Sappeurs
aufriß
Hud auf die Narben auf Höffen Brust
zeigte.
Mft unerschrockenem Ernste stand dieser
da, suchte die Narben zu bedecken, als wün
sche er nicht, daß man sie sehen möge.
Ich kenne jene Ehrenzeichen, erwiederte
der Oberst, der kaum seine Rührung unter
drücken konnte, ich kenne diese Schrift des
Hiebes, der mir zugedacht war, ich kenne den
braven Geaudry, der ihn mtfuahm, um mich
zn retten aber—und dabei perlte eine große
Thräne des Schrneezes aus seinem Auge—
ich keime auch
meine
s'-'•
'V
Wicht und die Kriegs-
V*$£.'V
i r,/
yi
Jieiieee
d$$e. Geaudry hat selbst sein Urtheil gck
Lochen.
"Das habe ich, fügte dieser bestätigend hilv
zu. Sei ruhig, Kamerad, tröstete er den
Grenadier, dem anch eine bittere Thräne
über die narbige Wange floß, sei ruhig, denn
der Colonel kann nicht anders.
Dieser schien doch etwas zu schwanken,
dtteiit der Auditor-Offizier, dieser blutgierige
jbämon, flüsterte ihm etwas zu.
Noch einmal, und zum letzten Male, rief
er,
Geaudry sage
mir
Mit Erstaunen, Hochachtung und Ver
wunderung sah ich ihn jetzt zur Weide schrei
ten, die blanke Art in den Stamm tief hin
ein schlagen. Jetzt wandte er sich auf die
Seite nach der Brücke von Tressein und rief.
Adieu mein Vaterland! theure Madelaine!
Nachdem dieses geschehen war, rief er den
Tirailleurs zn: Nicht verzagt, Kameraden!
Ruhig und sicher gezielt! Ihr werdet wissen,
wo das Herz eines Franzosen, eines alten
Kameraden, am sichersten zu treffen ist, und
es nicht verfehlen.—So sprach er mit fester
Stimme, indem er auf das Ehrenkreuz, wel
ches am Mutrothen Bande anf seiner Brust
glänzte, hindeutete.
•i
den
Namen des Ver-
räthers, »nd Du bist gerettet.
Es bleibt bei dem, was ich schon gesagt
|Se, Colonel, erwiederte ernst und ruhig
dieser.
Nun so sei es Gott geklagt/ ich kann nicht
anders, rief der Oberst, und wies mit einem
Winke den Grenadier in seine Reihen znrück.
Mit ernster Miene gab er das Zeichen zur
Vollstreckung des Urtheils. Atle Soldaten
schienen in tiefster Seele bewegt»
Da faßte mich der Sappenr, der ich voller
Stannen und Grausen dastand, in's Ange.
Nachdem er mich einige Minuten lang prü
fend betrachtet hatte, zog er ein weißes Ta
schentuch hervor, küßte es und reichte es
mir, indem er schweigend den roth gestickten
Namen vor die Augen hielt. Madelaine las
ich, und mir ward es plötzlich klar, we n er
mcht verrathen wollte.
Bringt das Verlorene der Eigenthümerin
zurück, und sagt ihr, wie ich es mit meinem
Blnte bezahle, sprach er leise mit einem
schweren Seufzer.
iiAber ich weiß ja nicht, ob' ich sie sehen
WUde, meinte ich mit zagender Stimme.
Ihr werdet Sie wiedersehen, entgegnete
er zuversichtlich. Ihr werdet sie wiederse
hen. Ich aber nur erst dort, fugte er hinzu,
indem er himmelwärts blickte.
Mechanisch nahm ich das Tuch und steckte
e# zu mir. Mit einem freundlichen, vielsa
genden Blicke wandte er sich von mir ab, um
seinem traurigen Schicksale entgegen zn ge
hen.
immer* «ls könnte Alch ein
Mann, das ächte Bild eines Heros ans den
fabelhaften Zeiten, gar nicht gerichtet, so
nicht
hingerichtet werden. Immer noch glaub#
te ich,
in diesen Anstalten nur einen Versuch
zu sehen, den eisernen Sinn des Sappenrs
zu beugen, und
ihn znr Angabe des Schuldi,
gen zu zwingen.
Geladen commandirte indessen Geaudry
f* ruhig und laut, wie vorhin bei der Hin
richtung der Kameraden.
Jetzt erwartete ich bestimmt das Wort
„Gnade" vom Obersten zu hören. Doch die
ser blickte ernst und stumm auf die Execution,
uud MP da, bleich, wie ein
.n:- ^Schluß folgt.)
riesigen Körperkraft des Tyrolers erzählt
Hans Normann in seinem „Oesterreich wie
es
ist" eine fürchterliche Probe. Der Stier
einer Alpenheerde im Pusterthal wurde plötz
lich wild, und mit genauer Noch entkam ich
mit meutern Gefährten in die Sennhütte,
wo wir ans dem Fenster nun einem Kampf
znsahen der uns die Haare emporhob wie
Borsten. Der Senner, eine riesige Gestalt,
Iviitde
von dem wüthenden Thirre, das mit
seinen Hörnern die Erde auffurchte, verfolgt
und endlich erreicht. Sobald der Aeipler
merkte, daß ihm das Thier auf der Ferse
war, wendete er sich um, streifte ein Paar
kolossale Arme blos, faßie den Stier mitten
im Anlauf an den Hörnern, warf ihn um
und bohrte die Hörner in die Erde. Der
Gnvalt des Thieres gelang es zwar, sich
wieder empor zu raffen und seinen Angriff
zu erneuern, allein gleichzeitig hatte ihn auch
der Senner
wieder
A T' ...
an den Hörnern gepackt,
und wiederholte nun das
erste
Manöver.
So warf er das ungeheure Thier, den größ
ten Stier, den ich je gesehen habe, dreimal
zu
Voden. Das vierte Mal war er es nicht
mehr im Stande. Er stürzte rücklings in
einen kleinen Graben, wo ihm die Bestie
glücklicherweise nichts mehr anhaben konnte,
als daß sie ihm sechs Rippen zerbrach. Nach
einem langen Krankenlager genas der Un
glückliche, und hat nun 6 Rippen weniger,
als ein anderer Mensch.—(Wechselb.
i Mekanntmachnnge«.
16
Aetli-n und weinarr frjktt 1 Thakcr
ßts Einrücken, jede nachfolgende kostet 25
4
aätimm
für SttwÜT
(UttU
Willlsens Hauptquartier soll sich jetzt
Sehestadt, nach Andern zu Wit ten see (bei
de Orte in der Nähe vou Rendsburg) befin
den und die daselbst concentrirte Stärke 36,
000 Mann betragen. Das Von der Tan»'
sche Korps war, nach Hamburger Berichten
vom 26 noch nicht bei Willisen angelangt
Man schätzt dasselbe auf 16,000 Mann.
'if*
3
16 Jetten und wenige, vierteljährig
halbjährig
u et« Jahr »M» fTflO
fj Geschäftsakten von 4 Zeilen für ein Jahr #3,0t
%i Bei größeren Anzeigen wird et» liberaler
,i stattet. üi
Nummer 48.)
CnropSische StachriehtelL^
S e s w i o s e i n
Am 25. Juli ist es bei dem Dorfe Idstedt,
nördlich von der Stadt Schleswig, zwischen
den Hauptarmeen der Dänen und Schles
wig Holsteiner zu einer Schlacht gekommen,
in der, soweit die sehr übereinstimmenden
Berichte bis jetzt vorliegen, die Dänen Sie
ger geblieben sind. Die Schlacht begann
Morgens um 3 Uhr durch einen Angriff, den
die Dänen auf beide Flügel der Schleswig
Holstet'tier machten. Nachdem der Angriff
erne Weile ohne alle Folgen blieb, schien eS
endlich, als ob der Däne auf dem linke»
Flügel vordringe und hier eine Position (das
Dorf Sckubye) zu gewinnen drohe, die für
den Erfolg des Tages von den entscheiden
sten Folgen sein mußte. Der Graf Baudis
sin, der hier die Deutschen commandirte, soll
gleich zu Anfang schwer verwundet worden
fem. Ein tüchtiger Angriff abseifen der
Schleswig-Holsteinischen Infanterie und Jä
ger trieb die Dänen jedoch in dem Maße zn
rück, daß sie einen entscheidenden Angriff
nicht wiederholten. Derweile hielt der
Kampf sich auf dem rechten Flügel in stetem
Gleichgewicht. So stand die Schlacht nach
Verlauf von ungefähr 4 Stunden und als
um diese Zeit die Dänen mit einer gesamel
ten Macht von Infanterie, Cavallerie und
Artillerie einen geschlossenen Angriff anf daS
unter unmittelbarem Befehl des General
Willison stehende Centrum der Schleswig
Holsteiner machten, wurden sie durch ein gut
unterhaltenes Fener aus den Schanzen zum
Rückzug gezwungen. Die Sckleswig-Hol
steiner gingen selbst in die Offensive aber
und trieben den Feind in Maffv vor sich her,
bis er in einem Wäldchen Schutz fand. Die
ses Maneuvre wurde zweimal wiederholt
und zweimal griffen die Dänen in derselbe»
Zeit die beiden Flü.iel der Schleswig-Hol
steinischen Armee erfolglos an. Das war
der Stand der Schlacht nach einem 8 stün
digen Verlauf derselben, und verschiedene
um diese Zeit abgehende Berichte schrieben
den Schleswig-Holsteinern bereits den Sieg
zn. Gerade um diese Zeit sollte sich aber daS
Blatt zu Gunsten der Dänen wenden. Die
selben, nachdem sie verschiedene frische Bat
taillone und Artillerieabtheilungen, die noch
gar nicht in der Schlacht gewesen, an sich
gezogen hatten, concentrirten ihre ganze
Stärke zu einem Hauptangriff auf daS
Schleswig-Holsteinische Centrum und den
rechten Flügel. Willison zog seiner SettS
auch einige Reserve-Batterie» und nament
lich Cavallerieabtheilungen, die nur noch
theilweise beschäftigt gewesen waren, herbei.
Die Dänen defilirten nun ans den erwähn
ten Wäldchen hervor und der Kampf wurde
auf den erwähnten Punkten bald allgemein.
Es war dies um 11 Uhr Mittags. Man
unterhielt auf beiden Seiten namentlich ein
lebhaftes Kanonenfener, wobei die Dä
nen an Zahl und Größe der Stücke dem
Feinde weit überlegen waren. Eine an'S
Unglaubliche streifende Tapferkeit entwickel
te sich auf beiden Seiten. Unter Ander«
soll eine kleine Schleswig-Holsteinische Bat
terie von Zwölfplündern sich nt das dichteste
feindliche Feuer bis auf halbe Distanz vorge
wagt haben. Ihr wurde endlich Befehl zum
Rnckzug, damit sie einem Cavallerieangriff
entgehe. Alle Tapferkeit der Schleswig
Holsteiner konnte ober nicht fruchten, die
Dänen waren ihnen an numerischer Stärke,
Artillerie und dergl. zu sehr überlegen, und
es heißt sogar, daß der Schleswig-Hvlsteini
scheu Artillerie gegen Mittag grvßtentheilS
die Munition ausgegangen war. Um 2 Uhr
Nachmittags endlich nahmen die Dänen die
Hohen Idstedt's durch einen Bajonettan
griff. Dadurch war aber die Schleswig
Holsteinische Stellung durchbrochen uud de«
General Willisen blieb nichts Anderes a!S
ein Rückzug übrig. Denselben führte er auch
ans und, wie es heißt, durch die von dem
Oberst Von der Tann befehligten Battail
lone gedeckt, in größter Ordnung.
Zunächst ging eS nach der Stadt Schleswig
zurück, und eS hat den Anschein, als ob
Willisen sich anfänglich in oder vor bieget
Stadt habe behaupten wollen. Jedoch räum
te er sie bereits um 5 Uhr Nachmittags wie
der und zog sich weiter südwärts auf der
Straße nach Rendsburg. Mit Schleswig
wurde zugleich die Stadt Eckernforde de«
Feinde Preis gegeben, nachdem man eifte
dort befindliche Batterie nach Rendsburg cch
führte. Durch diese Bewegung ist die StNM
ße nach Kiel dem Feinde offen gelegt.
Die Entfernung und Richtung, in der
Willisen sich von dem Schlachtfeld zurüf$$e*
jogen, läßt leider befürchten, daß der de»
Schleswig-Holsteinern zugefügte Schlag ei»
sehr empfindlicher sein muß, der sie für de»
Augenblick gänzlich machtlos
gemacht hat
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