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Der Vaterlandsfreund. (Canton, Stark County, Ohio) 1845-1846, October 08, 1845, Image 1

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tin Wunsch dic^Ibc für tin^ a»dcrc"zah'/iii^cstaltt»' "-'Z
17fec Jahrgang.)
(Aus den Memoiren eines Reifenden)
A a a.
Aus all' den Bildern die mir meine weiten Reisen
vorüberführten, ist keines mit lebendigeren Zügen in
weinem Gedächtnisse geblieben, als oas Erngmß, das
ich eben erzählen will. Es kann ebenso Zengniß _qcbnt
Von der ursprünglichen Wildheit des Menschench'arak
ters, als von dem snmarischen Jnstizverfahren, mit wel
chem halbrohe Volker gerne bestrafen.
Es war h\ Natolien, an den blühenden Ufern des
Marmormeeres, wo unser Schiff zwei Tage vor Anker
lag', um süßes Wasser einzuholen. Ich und mehrere
von den Passagieren des Schiffes giNZfffl eines schönen
Abends an der Küste spazircn. Wir gingen langsam
am Gestade fort, und es trat nach und nach ein allge
meinesSchweigen ein,—da drang, wie wir vorschritten,
aus weiter Ferne hinter einem kleinen Olivenwald her
vor, ein dnmpses Murmeln uns entgegen.
Wir alle beschlossen, die Ursache davon zu erforschen.
Und gingen mit schnelleren Schritten auf das Gehölz
zu, jenseits dessen wir nun ein verworrenes Geschrei
vernahmen, welches aber pcriedeuweise mit Stille ab
wechselte.
Kaum hatten wir das Wäldchen verlassen und traten
ins Freie, so erschauten wir in einer Entfernung links
vom Ufer eine kleine Ansiedlnng, und viele Menschen
auf einem Punkt versammelt, welche alle in thätiger
Bewegung begriffen schienen.
Je näher wir kamen, desto tosender und gewaltiger
wurden die Laute dieser Menschenmaße. Mehrere aus
unserer Gesellschaft riethen zum Rückzüge, weil das
Gauze einem Aufruhr nur zu ähnlich war. Doch da
unsere europäische Tracht die Neutralität unserer Ge
sinnungen deutlich bezeichnete, so schritten wir muthig
vorwärts.
Da sahen wir denn mit Staunen, wie mehre Hun
dert Hände beschäftigt waren, eine Baracke in der
höchsten Wnth bis auf den Grund zu demolireu. Es
war das furchtbarste Bild entfesselter Leidenschaft. So
oft ein Balken zusammenbrach, erhob die Rotte ein
furchtbares Freudeugeschrei, während das jüngere
Volk um jedes herabstürzende Fragment einen Rund
tanz auffuhrt?.
Diese mir noch niemals vorgekommene Erecntion
machte mich wirklich neugierig zu erfahren, was denn
Ursache einer solchen Zerstörungswuth sei, die selbst
durch unsere Gegenwart nicht im geringsten unterbroch
en wurde.
Doch da nichts geschwinder geht, als Niederreißen,
so war natürlich die Demolirung bald zu Ende und es
hätte nichts gefehlt, als noch Salz auf die Stätte zu
streuen, wie einst Barbarossa an den Trümmern des
zerstörten Mailand that.—In dem bunten Gemisch der
Angreifenden waren Araber, Arnanten, Griechen,
Schwarze und Mulatten zu unterscheiden.—Endlich
«äherte sich uns ein Grieche. Wir grüßten ihn, indem
wir ihm die Hand boten er reichte uns seine Linke,
während er mit der Rechten an den Turban griff und
feinen Kopf neigte.—Einer von nns, welcher der grie
chischen Sprache mächtig war, redete ihn an, und so
erfuhren wir denn aus seinem Munde folgende Bege
benheit, die uns über die seltsame Scene, welcher wir
beigewohnt, Aufschluß gab.
Ein Aezide Hatte sich auf einem Streifznge eines
wuuderschöuen cirkassischen Mädchen bemächtigt, und
s i e s a a s W e i e i e s e E s i e A a a
Weit entfernt von ihrer joemiath— aller Stütze und
Hülfe beraubt, mußte Ahala sich dem harten Verhäng«
pisse unterwerfen. Welches Leben sie bei ihrem Räuber
führte, mag man denken.—Als sie endlich ihm nach ei
H»em Jahr ein Kind gebar, lebte sie der Hoffnung, daß
her Anblick dieses unschuldigen Wesens seine Rohheit
mildern und ihn menschliche Gefühle lehren würde.
Allein ihre Hoffnung blieb unerfüllt! Vielmehr sollte
ihr Schicksal noch grausamer werden. Das Kind war
Daum zwei Jahre alt, als der Aezide mit Einigen seines
Stammes von einem Raube zurückkehrte, und wieder
mehrere Weiber mitbrachte, aus welche« er als .Häupt
ling die Schönste zum Eigenthum behielt und die Ue
hrigen als gute Prise seinen Ranbgenossen überließ.
A a a w n e n u n s o e i a e i e i s e i e n
Prerogative beraubt uud Sclavin zum Dienste ihrer
peueu Nebeubuhlerin bestimmt.
Sie mußte alle die früher bewohnten Gemächer räu
men—das ganze Hauswesen der neuen Favorite über
fie&e« und mit ihrem armen Kinde ein kleines Behält
«iß beziehen, das für des Hauses Sclaven bestimmt
war. Nun erst steigerte sich die elende Lage der armen
Verflossenen bis zur Unerträglichkeit.
,, Die nunmehrige Gebieterin des Hanfes war ein
Weib von der boshaftesten Gemüthsart. Sie hörte,
ungeachtet Ahala von dem Aeziden auf das Despotisch
ste erniedrigt war, nicht auf, sie mit Eifersucht zu ver
folgen, zu quälen und zu peinigen vor allen aber wen
dete sie ihren Grimm gegen den schuldlosen Sprößling
des ersten Eheverhältnisses, indem sie fürchtete, daß er
einst ihren eigenen Kindern im Wege stehen könne. A
hala ertrug Alles geduldig, was sie selbst betraf, allein
das traurige Schicksal ihres Kindes machte, daß sich
ihr Mnttergefühl gegen so viel Tyrannei empörte.
Es geschah nach einigen Wochen, daß die neue Favo
ttte das kleine Geschöpf wegen eines unbedeutenden
Vergehens jämmerlich peitschte.- Ahala hörte das
Schmerzgeschrei des armen Kindes, alle mildern Ge
fühle verstummten in ihrem Herzen durch die Macht
derVerzweifluug und der Angst. Sie stürzte halbrasend
in das Gemach und riß das Kind blutend aus denHäit-
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''"gegeben werden,
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115
Mutter schaute einen Augenblick mit starrem
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lichen Ungeheuer die Brust zu stoßen -in demselben
Augenblicke trat der Aezide ein.
Die Favorite warf sich fluchtend in seine Arme* uud
ergoß einen Strom von Klagen über Ahala, welche be
wusttlos das Messer fallen ließ und leider dadurch alfc
dle^osyaften Lugen der Andern zu bekräftigen schien
ge^et der Unmensch, sie zn entkleiden und ließ
ihren ganzen Lelb mit den stacheligen Ruthen des Ta
marlnden-Baumes zerfleischen, während die Mörderin
mit teuflischem Vergnügen zusah.
Umsonst war das Wehegeschrei der Unglücklichen
mehr als einmal warf sie der heftigste Schmerz in Ohn
macht, allein die höchsten Foltern rissen sie immer wie
dec auf,' bis nur noch ein leises Wimmern das einzige
Lebenszeichen war, das sie von sich gab.
Schon erlahmten den Peinigern die Arme, da befahl
der Barbar. Ahala loszubinden und in das Sklavenbe
Haltnlß zu bringen. Mitlerweile wnrde ut dem nah"n
Wald eine Grube gegraben. Als diese beendet war,
ließ der Wütherich des Nachts die Unglückliche, schon
halb todt, dahin schleppen, ihr ermordetes Kind nach
tragen, Beide in die Grube werfen, mit Erde bedecken
und einen langen, spitzigen Pfahl durch das lockere
Grab rn den Leib der Ohnmächtigen schlagen, so daß
sie noch lebend an ihre Todesstätte festgepfählt wurde
Noch vermag ich nicht ohne Schauer an dieses Gräßli
che zn denken
Kaum hatten die Mörder den Ort verlassen, als ein
Siedler dieser Colouit ebenda vorüber kam und e'ii lei
ses Aechzen hörte—Er sah den Pfahl, in der frischauf
geworfenen Erde, sah den Grabeshügel, den er früher
nicht gesehen, und konnte das Alles nicht begreifen.
Der gute Mauu lief nach Hause und ging von eini
gen Nachbarn begleitet, eilends wieder zurück an die
Stelle.
Sie zogeu mit angestrengter Kraft den Pfahl aus
der Erde, noch e i n dumpfer Wehlaut war zu hören,
dann aber wurde es todtenstill.
Wahrscheinlich hatte die Aermste durch diesen neuen
namenlosen Schwerz, den ihr das Herausziehen des
Pfahles verursachte, ausgelitten.
Mit Entsetzen sahen die Leute, daß der untere Theil
des Pfahles ganz blutig war.
Sie holten nun schnell Werkzeuge gruben die Erde
auf, nnd kannten in der gräßlich verstümmelten Leiche
die unglückliche Ahala, welche noch im Grabe ihr Kind
mit beiden Armen fest umschlungen hielt!
Heiliges Muttergesühl
Eilig machten sie nach getroffener Verabredung in
einiger Entfernung ein zweites Grab, füllten es mit
Balsamblättern und legten Ahala's Leiche sammt ihrem
Kinde in dasselbe, ohne es aber vor der Hand mit Erde
zu bedecken.
Sie kehrten hierauf nach dem Dorfe zurück, benach
richtigten die übrigen Siedler von dieser Gräuelthat,
nnd noch diese Nacht sollten die zwei Unmenschen er
fahren, daß dem rächenden Arm der Gottheit Niemand
entgeht.
Der Aezide nnd seine Favorite wurden von den to
benden Siedlern ergriffen, festgebunden und an da6 of
fene Grab Ahala's geführt. Dort sprach der Nalb
(Richter) folgendes Urtheil über sie
"Dieser schauderhafte Tod, welchen Dn diesen Un
schuldigen bereitet halt, wird nun Dich selbst treffen
Du aber, Geselliu, sollst ein Fraß der Seeungeheuer
werden."
Und dieses Urtheil, das alle weitereAppellation aus
schloß, wurde auch pünktlich vollzogen.
Der ?)ezide wurde lebendig in das Grab geworfen,
in welchem die Unglückliche Ahala unter vielen
Schmerzen ihr Leben ausgehaucht.—Es wurde mit
Erde verschüttet und ihm derselbe Pfahl durch den Leib
getrieben, der A a a 6 Leib durchbohrt hatte.
Seine Genossin aber wurde an Armen und Füßen
mit schweren Steinen belastet und in die Tiefe desMar
mormeeres begraben.
Diese sumarische Procedur der Criminal Justiz ist,
so wie in den meisten Staaten des Orients, auch in
dem Osmanischen Reiche legal, sie herrscht nicht nnr in
den Gerichtssälen des Divans, sondern ermächtigt alle
Gewalthaber, vom Großvezier bis zum Eadi und dem
kleinsten Dorf Naib herab, das wirklich vollbrachte
Verbrechen augenblicklich zu besttafen. Ja selbst dieser
letzte Hat—obgleich auf der untersten Stufe der gericht
lichen Würdeträger stehend—z. B. das Recht, einen
Dieb, den er bei der That ertappt, sofort vor demselben
Hanse, wo das Verbrechen begangen, an derThürpfoste
aufknüpfen zn lassen. Aehnliche Macht hat sogar jeder
Türke gegen den, der es wagen sollte, etwa in'den da
rein seiner Weiber zu dringe«. Alles jedoch mit den?
Vorbehalte, daß, wenn ein solcher Fall sich in einer
Stadt ereignet, worin Tschanch-Baschi (erster Beam
ter der ausübenden Gewalt) gegenwärtig ist, dieser
durch den Kadi (Oberrichter) früher in Kennmiß ge
setzt werden muß, worauf sodann dieser, nach einem
kurzen Verhör des THäters im Beyseyn des Klägers
sein Urtheil spricht.
Die Zerstörung der von diesem Scheusal bewohnten
Baracke, wovon wir Augenzengen gewesen waren, hat
te den Akt der strafenden Gerechtigkeit vollendet.^-Un
ser gefälliger Erzähler begleitete uns hierauf noch zum
gtttrtpit, Stark County, Oblo, gedruckt «nl» bcrausgegebe» von H. I. Nothnagel.
Cn^n^'aa^Oiil'itnTnlcVq-iflt
Mittwoch, den 8ten October,
tenfccr Pctntgenii diese aber warf sich anf sie, entriß
ihr das Kmd wieder und schlenderte es aus dem Fen
nnt folcher Gewalt an einen nahestehenden Baum,
daß das arme Wesen halb zerschmettert auf den Boden
entseeltes Kind, rang diel
Hände verzwei­
felnd, dann ergriff sie ein Messer, um es, übermannt
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stch oder diesem weib­
b*o "lern ®erlnu'fift(^l,SUI10V **0'
Grnbe der gräßlich Ermordeten—Es war schon mit
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Stein, der mit einer Menge
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auf. ^ch war zu tief ergriffen und entfernte mich, um
wieder uach dem Schiffe zu eileu, denn der Boden
brandte unter meinen Füssen, auf welchem eine so bei
spiellose ^hat vollbracht worden war. (B-amO-
Eine Whistpartie.
Wir hatten, erzählt ein Engländer von seinem Auf
enthalte in Indien, fast den ganzen Abend Whist qe
spielt und spielten noch. Marcy, der immer Glück Hat
te, gewann fortwährend, fein Gesicht strahlte vorFre».
de, während die der Uebrigen immer länger und ver
drießlicher wurden. Mit eiuem Male schien er zu zö
gern, da er doch mit so großer Sicherheit zu spielen
"So spielen Sie doch, Marcy was hält Sie
ab rief ihm Churchill zu.—'-Still'." antworteteMar
cy, der sichtbar erbleichte—"Fühlen Sie sich uuwohl?"
fragte ein Anderer indem er ausstehen wollte—"Um
Gotteswillen, bleiben Sic ruhig," entgegnete Marcy
mit angstvoller Stimme, "wenn Ihnen im geringsten
etwas an meinem Leben liegt, so rühren Sie sich nicht.
Wenn Sie sich bewegen, bin ich verloren."—Wir sahen
einander mit Verwunderung an uud er setzte hiuzu:
"noch ist nicht alle Hoffnung ausgegebeu es hat sich ei
ne Cobra de Capello um meiuen Fuß geschlungen."—
Wir wollten ans Instinkt der eigenen Sicherheit unsere
Stühle wegschieben, aber ein bittender Blick desFreun
deö hielt uns zurück auch wußten wir wohl, daß wenn
die Schlange Marcy verließt um einen andern zu um
schlingen, dieser im Voraus für verloren angesehen
werden konnte, so schrecklich ist seinen Wirkungen das
Gift dieser gräßlichen Schlange. Der arme Marcy
trug kurze Beinkleider und seidene Strümpfe, so daß er
alle Bewegungen, des Thieres genau fühlen konnte.
Er wurde leichenblaß, die wenigen Worte, die er sprach,
bewegten kaum seine Lippen er athmete fast nicht, so
sehr fürchtete er seine Feindin zu beunruhigen, und die
verderbliche Entwickelnng ^zn beschlennigen. Unsere
Angst war nicht minder groß als die seinige "tzolt
Milch ini Namen des Himmels. Man setze eineSchüs
sel damit auf den Boden nahe bei mir und gieße etwas
aus," sagte er nach einiger Zeit.—Etn Diener entfern
te sich. "Mein Schicksal wird bald entschieden fem,"
fuhr der Unglückliche fort. "Ich habe in Europa eine
Fran mit zwei Kindern sagt ihnen, daß ich sie segnend
starb. Meine letzten Gedanken gehören ihnen.—Sie
windet sich weiter herauf nach der Kniekehle zu.—Ich
fühle ihren Athem Mein Gott, soll ich so sterben
Die Milch wnrde gebracht der Diener stellte sie hin
und entfernte sich todtenbleich.—"Es hilft nichts," fuhr
Marcy fort, "sie schließt sich vielmehr immer fester an.
Ich wage nicht hinzusehen.—Gott nimm meinen Geist
aus und vergib mir.—Jetzt lockert sie sich ein wenig auf.
Will sie sich zu einem von euch wenden? Nein, die
Milch lockt sie.—Rührt Euch nicht, sie will mich verlas
sen, aber seidt auf Eurer Huth. Churchill, ich glaube,
lle kömmt zu Dir." Churchill, rührte sich nicht. Mar
cy sah uuter den Tisch. Die Schlange hatte seinen Fuß
losgelassen und sich zn der Milch gewendet. "Ich bin
gerettet!" rief er, indem er aufsprang und den Stuhl
wegschleuderte, um ohnmächtig in die Arme seines treu
en Dieners zu sinken, der ihn Hinanstrug. Ich brauche
nicht zu sagen, daß wir nns augenblicklich entfernten.
Die Schlange wnrde durch einen Säbelhieb gctödtet,
als sie aus dem Fenster Hinanskroch. Trotzdem hatte
der Vorfall die schlimmsten Folgen. Marcy konnte sich
von dem Schrecken nicht erholen er kränkelte mehrere
Jahre und sank endlich in ein frühzeitiges Grab.
i e S e e s a n e e W o o n s o k e 9 I
Patriot enthält den folgenden, Jabez Powers unterzeich
neten Bericht:
„Der Wind hatte während des Tages nur leicht aus
Nordost geweht und nm ungefähr halb drei Uhr, als
wir beinahe gänzliche Stille hatten, endeckte ein sich im
Mast befindender Matrose die Schlange ungefähr eine
Viertelmeile von unsern Leebng. Ich begab mich mit
meinem Fernrohre augenblicklich nach oben. Sowie
sie sich dem Schiffe näherte war ich befähigt, sie bis auf
die kleinsten Einzelheiten genau zu beobachten und auch
ihre Bewegnngen wahrzunehmen. Als wir ihrer zu
erst ansichtig wurden lag sie ihrer ganzen Länge nach
anf der Oberfläche des Meeres. In dieser Position
verharrte sie wenigstens 15 Minuten ohne irgend eine
Bewegung, obgleich es augenscheinlich war daß sie noch
Fortschritte machte, da sie immer näher kam. Dann
veränderte sie ihre Richtung nnd krenzte unserm Bug
worauf sie wieder regungslos lag bis wir tu ihrer nn
mittelbaren Nähe waren. Da das Meer nngewöhn
lich glatt und klar war, hätten wir keine bessere Ansicht
des Ungeheuers erlangen z.i können und die sämmtliche
Mannschaft benutzte diese Gelegeuheit ihre Neugierde
zu befriedige». Unsere Ansicht nach mag ihre Länge
nicht weniger wie 70 Fuß betragen Haben. Der Kopf
war nngewbhnlich groß und schien der furchtbarste Theil
des Thieres zn fein der obere Theil seines Rachens
war etwas abgestumpft und der untere Theil seines Rai
chens sah aus wie der einer gewöhnlichen Schlange.
Ungefähr 10 Fuß von dem Haupte an jeder Seite des
Körpers befand sich eine an 4 Fuß lauge Flappe oder
Fleischohr, und gleich hinter demselben ein großes dunk
les Auge mit einer weißen Linie umzeichnet. Unter
dem Halse und ungefähr in derselben Linie mit den' Au
gen ragten zwei fürchterliche Floßfcdern hervor, mit de
nen die Schlange sich fortzubewegen schien. Zehn oder
zwölf Fnß weiter hintenaus ragte« zwei kleinere und
schmälere Flofisedern hervor, die wohl ungefähr 6 Fuß
Icr'
5'llsdie Zeilmig nicht innelhalb der ersten Halst
(Nummer n.
lang sein konnten und ihre Steuer sein müßen. Der
Rücken war ganz schuppig und alle 3 Fuß bemerkte man
eine Erhöhung deren wir 15 zählten, und gegen den
Schwanz Hin wurde er glatt. Diese Erhöhungen ja
Heu aus wieHornringe.mit vielen ungefähr 8 Zoll lan
gen spitzen Stacheln.
Ist das nicht wahrscheinlich, daß dem Thiere diese
Einrichtung zur Vertheidigung dient? Der Schwanz
wurde ganz schmal und endigte mit einem an 4 Fnß
langen weißen Knochen. Der ganze riesenhafte Kör
per schien in einem dunkelbraunen Panzer eingehüllt,
der wie ein Kettenhemd nm ihren Leib lag und bei ih
ren Bewegungen sich öffnete und schloß er würde ohne
Zweifel ein mächtiger Beschützer gegen die Angriffe al
ler ihrer im Wasser lebenden Feinde feilt. Wir hatten
Gelegenhei die Undurchdringlichkeit dieser Schuppen
haut zu bewundern, indem einige von uns auf das Un
thier abgefeuerte Büchsenkugeln nicht den geringsten
Eindruck machten. Um Halb vier Uhr waren wir' ein
ander so nahe gekommen, daß wir um die Sicherheit
desSchiffes besorgt wurden. Ich stieg hinab u. ließ d.Ru
derauslegen um einerEollision vorzubeugen. Da sie jetzt
gegen unfern Bug lag. Auf einmal begann eine Scene
die sich nicht beschreiben läßt. Kanin berührten die Ru
der das Wasser, da vernahm man recht unter den Vor
derteil des Bugs einen fürchterlichen Aufruhr. Ich
sprang nach dem Stegsegelnetzwerk vor und sah hinun
ter, aber nur ein kochender, brausender Schaumstrudel
stellte sich meinen Angen dar. Ob die Schlange von
der Nähe des Schiffes beunruhigt oder durch das Ge
räusch der das Wasser berührenden Ruder aufgeschreckt
war, weiß ich nicht. Im nächsten Augenblick'Hielt der
Spektakel inne und der Kopf des Ungeheuers schoß aus
dem Wasser hervor nnd mit solcher Gewalt gegen den
Bugspriet, daß das ganze Schiff erbebte und die Mann
schaft erblaßte. Hätte ich mich nicht glücklicherweise an
einem Tau gehalten, so würde ich unfehlbar über Bord
gestürzt uud dem Ungeheuer zum Opfer geworden sein.
Ruit schwamm es fort. Gegen 4 Uhr erhob sich der
Wind und wir machten bald Land. Von dem Unge
heuer haben wir nichts mehr gesehen, obgleich wir ge]
nau aufpaßten.
Ob dieser fremdartige Bewohner der Tiefe derselbe
ist, den Andere so genau beschrieben haben oder ob er
einem gänzlich unbekannten Geschlechte angehört, wa
ge ich nicht zu bestimmen ich muß aber eingestehen,
daß seine Erscheinung neu und interessant war, und
daß dies Thier sich in ^arbe, Größe und Gestalt von
Allem unterschied was ich je gesehen tjabe, obgleich ich
seit 25 Jahren bereits den wogenden Ocean bereise.
a e z o w e 6
N. B.—Wenn dat nech goot för de Wanzen is.
So weet ick nech wat beter is. (Teuton?.)
W e i e u e Miß Mary Ann Golden wurde
am 10. Septbr. in New Orleans auf die Anklage von
Miß Mary Rogers arretirt, weil sie der letzter» eine
Duellherausforderuug zugeschickt hatte. Die beiden
streitsüchtigen Schönen leben in Franklin St., und nach
Ansicht der Miß Golden konnte ihr Zwist nicht anders
als durch Berufung auf die Waffen geschlichtet werden.
a n k i n S e e i w o o e n
Madam—Ich notifizire Sie hiermit, mir um 1 Uhr
heute Abend auf der.andern Seite des französischen
Kirchhofs zu begegnen, um dann und dort unsern Streit
gemäs dem Gesetze der Ehre zu schlichten. Meine
Freundin, Miß Sarah die Ihnen dies zuhän
digt, wird sich mit irgend Jemand, den Sie bezeichnen
mögen, über das Weitere verständigen.
a y'A n n Golde n."
Miß Mary Ann Golden sollte so schnell als möglich
unter die Haube gebracht werden, sonst giebt es noch
Unheil.
N e w-A o k .—Das dydrarchos oder Seeschlang
engerippe, welches gegenwärtig hier ausgestellt ist, er
regt unter den Gelehrten viele Disknssiönen. Einige
behaupten es sei der Liathan von dem im Buche Hiob
gesprochen wird Andere bestehen darauf, daß es die
große Seeschlange sei, von der Livins berichtet, daß sie
die römische Armee auf ihrem Marsche gegen Carthago
3 Tage lang aufgehalten habe, nnd nochAndere wollen,
daß es der' Urgroßvater der großen Seeschlange sey,
die schon so oft an der amerikanischen Küste gespukt
hat. Was es auch immer seyn mag, Niemand tollte
die Gelegenheit vernachlässigen, das Ungeheuer |u Se
hen. Es ist 114 Fuß lang.
V u a a n —Dieser Staat hat sich abermals ge
gen mexikanische Tyrannei aufgelehnt. Am 9ten Aug.
erhob sich das Volk in Masse und nachdem es die Be
amten der Generalregiernng eingefangen und an Bord
eines mexikanischen KriegSschoöners geschafft hatte,
setzte ans den eignen Bürgern eine provisorische Ver
waltung ein. Diese ganze, so zu sagen vollständigeRe
volntion wnrde ohne Blutvergießen bewerkstelligt, wel
ches ein schlagender Beweis fur die Einigkeit der Auca
teco's ist.
Hr. Van Buren bat einen Brief z« Gunsten der A«
neration von Teras geichrieben. Er sagt, daß jede
fernere Agitation dieser Länge oder» jedes .Hinderniß
zur friedlichen Uebereinknnft von Bürgern beiderStaa
ten höchst unweise nnd unausführbar sein würde und
tili Falle ein Krieg mit Meriko ausbrechen sollte, sagte
er:
"Ich kann unmöglich bezweifeln, daß die Administra
tion für diesen Krieg von dem ganzen Volke «it Herz
nnd Hand unterstützen werden wird."

Balsam übersäet war, lag dar­

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