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Der fortschritt. (New Ulm, Minn.) 1891-1915, May 28, 1891, Image 3

Image and text provided by Minnesota Historical Society; Saint Paul, MN

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I Verkauft nach Amerika?
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./ Ewe Itzthlung von Franz S»ge».
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(Fortsetzung.)
Wie sie nun setzt mimt ihm f,.ß und
mit einem zutraulichen kacheln fui'tn
prüfenden Buck erwidere, teigte sich sei.,
Herz in warmer Siebe dem Kind^ z», daS
die Züge id den Namen Ux (äk act tea
feinet Jugend tvug, u»d er «mpsa^b cS
diesem Augenblicke schmerzlich, daß er
für sie nur ein ftmnbet war, u»d sie incht
wußte, daß so nah« Baute de? Verwandt,
schuft und der Sympathie ihn mit ihr
vmnüpftn.
„Aber warum sollte et 6 ihr nicht fit»
gen fragte er sich selbst diescv Äit.d
toas gewiß fähiu, tin Gehen«» iß zu be
wahren. Und von einem Plötzlichen
Ueberzeugung gewann, d»ß fie sich mm«
mer glücklich fühlen würden tn der eunt
Welt, auf dem ftemden Boden, weil fie
zu fest hingen an dem Alten, dem Herge
brachten, an den anererbten Vormtyeilm
und Ideen. Aber diese? Kind, in dessen
Adern ein Tropfen feines Blute», floß,
aus dessen Auzen ein Strahl feines (Sv
fle» ihm entgegenleuchtete, war eine
Pflanze, die in jedem anbeten Boien Bes«
fei gedeihen mußte, als in dem tü ftigen
Erdreich det Heimath. Ganz erfüllt von
diesem Gedanken, wandte er sich zu dem
Mädchen, und sagte in hastigem Ton:
„Ich möchte Dich mitnehmen nach
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x\m«
vnlse getrieben, dem et nicht toibtstc
hen vermochte, erzählte et fcm fcsvavttt
aufhorchenden Mädchen die @)6ichte fe
«et Jugend, seiner Liebe und tri er emit
Ramen und Schicksale mit ih 4'at«
getauscht und at seiner Etitt alß SoUat
nach Amerika gegangen war.
„Sd bin ich denn DewOhm.Cbr'istel,"
schloß er und zog das Mädchen r.ü'w an
sich, „und Du sollst mich hnsort lieben
und ansehen als einen nahen Vemand
ten."
„Da» will ich gern," versetzte Christel,
„Ihr seid mir gleich vom Stliifcng gar
nicht fremd vorgekommen."
„Und Du wirst das Geheirnniß, das
ich Dir eben anvertraute, tue hl bewah
ren s" mahnte er mit eindringlichem
Ernst.
Sie nickte.
„Darum habt keine Sorg?, Oh?!', Ihr
sollt sehen, daß ich fchweigeu ka-m. t£t»
zählt mir nun aber auch ein we^'g von
den Gütigen bafceim, von Eurer F-au,
die ja meine Muhme ist und (iunm
Sohne."
Er streifte mit bet Hand die Blätter
des Schlehdoins ab, det stine Zweifle bis
untet die Buche streckte, und eine Wolle
flog übet seine Stirn. So einfallt, so
freudlos erschien ihm jetzt in dvt Grium®
rung das Lebe«, das er mit den S-ini
gen bisher daheim geführt, und er wüßt«
eS nun plötzlich, was ferner Häuslichkeit
immer gefehlt, warum er selbst sich nie
heimisch darin gefühlt, und warum es
seinem Sohne euch nicht wohl im El
tern haule werden konnte und er draußen
im wilden Strudel der Zerstreuungen die
Befriedigung gesucht, btc das Familien
leben ihm versagte. Es war der Son«
nenschem der Liebe, des Vertrauens, der
seinem Hause gefehlt hatte, und wie ein
Blitz.zuckle der Gedanke durch fein Hirn,
daß biete» Kind hier neben ihm mit fei*
nem fröhlichen, offenen Sinn, wenn »t
es verpflanzen dürfte in den fremden B*
den, seiner öden, kalten Häuslichkeit je«
nen Sonnenschein, den er jetzt so schmerz»
lich vermißte, geben könnte. Sein Plan,
die Eltern in Amerika anzusiedeln, war
gescheitert an dem starken Heimathsgefühl
derselben und er hatte ihn ohne Bedauern
r" aufgegeben, weil er mehr und mehr die
MKir gM«
einen Scherz
lachend de»
j# Sie glaubte/ et wolle
machen, und schüttelte
Kopf.
„Ich spreche im Ernst, mein SnV
l^fiuhr e« fori „könntest Dti Dich Mts^g«
len, mich zr
«t begleiten, wenn ich nach Bs-
Ott zurückgehe? Ich bin ein rächet
»nn, Christel, Du wirst, wenn Du mit
mir kommst, in einem große«,
IHüije'wohne«/ größer und schöner, al»
Du je eines gejehm, auf weichen Teppi«
cheit wird Dein Fuß gehen, in hohen,
prächtigen Zimmern wirst Du Dich auf*
halten, in Sammet nnd Seide kannst Du
Dich kleiden, und eine Schaar von Die«
nern nimmt jede Arbeit Dir ab. Ich
will Dich halten, wie mein eigenes Kind,
und was nur immer Dein Herz sich wün«
fchen mac, das will ich Dir geven."
„S^feib sehr gut, Ohm," sagte sie
leise, „aber ich möchte doch hebet Hier
bleiben bei ken Eltern und Geschwistern.
Ich bin (in arm', unwissend' Bauern«
lind, das in so große Verhältnisse, in ein
fv vornehmes, reiches Haus nimmer Pas
sen würde."
.„Ich habe nicht die rechte Saite bei ihr
angeschlagen," dachte er, „versuchen wir
es auf einem.anderen Wege'
„Ich lourüv fthc traurig st t, jChristel,"
be.iann er ie-, er, „wenn ich Deine Wei
gerung, mich (u begleiten, ganz ernstlich
nehmen müßte, denn ich habe große Hoff
ntmgcn an Dnr.en Eintrttt in mein Haus
getr.üpjt. Tu st das Eöenbild desMäd
chevs, bad, ich so sehr gcliebt, daß jetzt
W
einen
Eisatz zu ftiibev. für ihren Verlust, als
mein Kwd, als m. i„e Tochter wollte ich
Dich an mein Herz nehmen, die Freude
meines Alters, der Sonnenschein meiner,
ach! recht öden Häuslichkeit solltest Du
werden, und nun stoßest Du meine darge
botene Hai zurück.
Die Augen des Kindes füllten sich bei
seinen, in bewegtem Tone gesprochenen
Worten mit Dränen.
„Seid Ihr denn nicht glücklich, Ohm?
Ihr sagt doch selbst, Ihr wäret ein reifer
Mann und allem feib Ibr dock auch nicht
in der Mit, dii J^r göeiö und Sohn
habt
„Hint, das Glück erkauft man nicht
mit Gold und man kann recht einsam fein
im Herzen, auch wenn
hte't inne und ein bittere» Lächeln
spielte um feine Lippen.
„Willst Du mit mir gehen, Christel?"
fragt« et dann in weichem, überredendem
Tone und nahm die kleine braune Hand
des Mädchen» zärtlich in die seinige.
"Sie schien zu überlegen, und blickte
nachsinnend zu Boden, dann schlug fie die
grpßen glänzenden Augen voll zu ihm auf
und Jagte mit leichtem Zögern:
„Wenn Euch wirtlich gar so viel daran
gelegen ist, Ohm, so möchte ich wohl schon
mit Such gehen. Die Eltern hätten am
hat.
Ende nicht» dagegen einzuwenden, denn
mir noch vier Mädchen,
auch die Aelteste bin, so
doch M(T
fie haben außer mit noch vier Mädchen,
»ich
licht die rechte Stühe
an mir und würde meine Httlf« tm Hause
und wenn
hat die Mutter
leicht entbehren» weil ich ein gar schwache»,
erbärmliches Ding bin, da» nicht die rech»
ten Kräfte zur Arbeit hat. An so einem
kleinen Reiserbündel, wie da» dort, trag«
ich schon schwer, und die Arme brechen
mir fast ab, bi» ich damit nach Hause
komme."
„Du sollst keine Reiserbündel mehr
tragen!" unterbrach er sie rasch, und sein
Auge glitt mitleidig überdie seine schlanke
Gestalt, die so wenig geschaffen schien, für
die harte Arbeit, welche von ihr gefordert
wurde. „Komm, Kind, wir wollen nach
Hause gehen, und Deine Eltern fräsen,
er sie Dich mit mit ziehen lassen wol«
len."
Wilhelm und Grethlie» waren Anfangs
sehr bestürzt über den neuen Vorschlag
des Vetters, und es dauerte einige Zeit,
the sie sich mit dem Gedanken, die Toch
tec mit ihm nach Amerika ziehen zu las
"sen, vertraut machen konnten, aber end
lich kamen sie doch zu der Einsicht, daß es
Unrecht wäre, dem Glücke des Kindes im
Wege zu stehen, und gaben, wenn auch
mit schwerem Herzen, ihre Einwilligung
dazu.
Fritz ©tone, dessen Zeit knapp Bernes«
feit war, bestimmte nun einen der nach*
(ften Tage zur Abreist, und in dem ganzen
Hause sah man jetzt nur verweinte Augen
und trautige Gesichter, denn die Trennung
von Christel wurde den Eltern und Ge
schwistern immer schwerer, je näher der
Termin zur Reise heranrückte und das
,, Mädchen selbst .ging so bleich und still
timba, dftfi ihr Onkel oft fürchtete, fie
möchte tm letzten Augenblicke noch ihrem
gegebenen Versprechen untreu werden.
Das geschah jedoch nicht und als die Ex
ttapost, die Stone und sie nach der näch
ften Statt bringen sollte, vor dem Hause
hielt, zeigte sie sich gefaßter als die El
tent und die Geschwister, die laut schluch
zend sich um bie Scheidende drängten und
mit ihren Klagen imd Thränen sich und
ihr den Abschied noch schmerzlicher mach
ten. Um den mlichk» Moment der
Trennung atzutürz n, löste Stone mit
sanfter Gewalt die Tochter au» den Ar
men der Mutter und hob sie in den Wa
gen. Dann reichte er den Verwandten
die Hand und sagte:
„Ich will sie halten, wie mein eigen
Kind! Wenn Ihr aber Euch zu sehr nach
ihr sehnen solltet, nun so erinnert Euch
meine» erste« Vorschlage» und kommt her
über zu un» in die neue Welt."
„Nein." vcrs tzte Wilhelm und wischte
sich die Thränen au» den Augen, „mein
Kind sehe ich nicht wieder, dem nach
Amerika kommen wir nimmer ich könnte
nicht leben fern von meinet Heimath,
meinem Vaterland."
„Deinem Vaterland?" wiederholte
Stone mit schneidender Bitterkeit, „der
Deutsche hat kein Vaterland, das habe
ich schwer genug empfunden drüben in
dem fremden Land wir sind kein Volk,
wir find nur einzelne Völkerstämme, und
nur eine Heimath, kein Vaterland haben
wir. Deshalb Bin ich Amerikaner ae
worden mit Herz und Seele, um endlich
sin Vaterland zu gewinnen, und mit
Stolz fühle ich mich drüben als der freie
Bürger eine» großen, fteten Staates!"
Er sprang in den Wagen, der Schlag
slog zu, der Post llon blies sein Horn,
die Pfeide zogen an und bald war das
weisse Tuch, mit dem Christel ihnen das
letzte Lebewohl zuwinkte, den Blicken der
Zurückbleibenden hinter den Bäumen ds
Waldes entschwunden. ,,v
In feinem Privatzimmer, welches
"T-
yr
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das Eomvtoir stieß, saß der Chef des
Hauses Elliot und ©tone und schrieb
lehren Namen unter die Briefe, welche
fein Buchhalter ihm einen nach b:m
anderen hinlegte.
„Sorgen Sie dafür, daß bies Alles
roch mit der heutigen Post nach 3!eiryor!
expedirt toitb," sagte er, als ec das letzte
Schriftstück mit feiret Unterschrift verse
hen hatte. „U?ib wenn meinSohn frmmt,
so Ichicken Sie ihn sogleich zu mi? h-v
ein," fuhr er fort, inbem er feine go!^.
Uhr herauszog und sie repetir.n lufj. „Es
ist halb elf, er seilte feit zwei Ctunb-n
an der Arbeit fein. In der That, Brown,
die gezwungene Reise nach btm Westen
hat sich bei dem jungen Herrn nicht als
eilte gelungene Kur herausgestellt. Ehe
ich nach Europa ginn, war er wenigst».«?
immer pünktlich auf seinem Platz im
Comptoic unb jetzt..
„Er ist erst seit acht Tagen »Mückle
kommen, Sir," unterbrach der Bnchhil
ter seinen Prinzipal in entschuldigendem
Tone, „und hat sich noch nicht tv'tder
eingewöhnt in bie alte, regelmäßige Thä
tigkeit."
Ctone nahm ein paar Papiere, die vor
ihm auf dem grünen Teppiche des Tisches
lagen, und überflog fie prüfend, einige
Zahlen auf dem Rande notirend.
„Sechs-, sieben-, neuntausend Dol
lars," sagte er, sie zusammen abbitenb.
„Ein nettes Sümmwen. das wir für V»
leichtsinnigen Vogel zu Bezahlen hatten.
Dies sinb ooch bie Wechsel alle, unb es
ist keiner mehr in fremden Händ.n,
»town I"
't I
„Steinet, Biti* versetzte der Buchhal
ter und wandte sich zum Gehen.
Auf der Schwelle blieb et noch einmal
zögernd stehen.
„Seien Sie nicht zu hart gegen den
jungen Herrn," faste er bittend, „er ist
nur leichtsinnig und hat doch ein gute»
leichtes Lächeln flog übet Stern'»
ernste Züge.
„Seien Sie ganz ruhig, «toten, tch
werde nicht zu ha,t in Gericht gehen
mit Ihrem Liebling, den Sie übrigen»
mehr verziehen, al» ihm gut ist. Ich weiß
auch, daß junger Most brausen muß oder,
wie man bei unS in Deutschland sagt,
daß eine feste Hand ihn auf den «echte
Weg zurückfahrt."
Der Buchhalter verneigte sich und ver«
ließ da» Zimmer. Ein paar Minuten
später öffnete fich die Thür wieder, und
ein schlanker, hochgewachsener Jüngling
trat em, dessen hübsches Gesicht in den
Linie» de» Profil» viel Aehnlichkeit mit
den scharfen, kühngeschniltenen Zügen
Stone'» zeigte.
„Brown sagt mit, daß Du mich zu
sprechen wünschest, Vater," sagte er tm«
befangen, aber in demselben Augenblicke
fiel fein Blick auf die offen auf dem Tisch
liegenden Papiere, und eine dunkle Röthe
flammte über sein Geficht, als sein schar
fe» Auge den eigenen Namen daraus dr
kannte.
„Kenn» Du diese Wechsel?" fragte
Stone, die Papiere zusammenfassend und
ihm hinhaltend.
.Ich ... ich, in ber That ..." stam«
melte der junge Mann.
„Du erkennst doch diese Unterschrift
als die Deinige an fragte Stone und
beutete aus den Namen „William Stone,"
mit lern jeder Wechsel unterzeichnet
war.
„Ja," sagte Will'am leise es war,
al» rb ihm da» kleine Wort in d-r Kehle
stecken bleiben wollte
„Gut!" versetzte Stone, und die Pa
piere zerreißend, warf er ein» nach dem
anderen an die lodernden Flammen des
Kamins.
William starrte ihn sprach Io» an.
„Sorge dafür," juyr »er Vater fort,
„daß nie wieder ein Papier, welche» die
Unterschrift von dem Erben des Haukes
Elliot und Stone trägt, in die schmutzi.
pen Hände geforgt, aus denen ich diese
Wechsel durch Brown's Vermittelung ein*
lösen Ii .."
„Vater, ich habe Deine Vorwürfe ver
dient..." begann William im Tone tiefet
Beschämung.
„Ich mache Dir keineVotwürfe, unter
brach ihn Stone ruhig." Du hast Schul
den gemacht ich schließe daraus, daß das
Taschengeld, welche» ich Dir bewilligte,
nicht ausre cht sür Deine Bedürfnisse und
ich habe den Kassirer angewiesen, daß.r
Dir künftig die dreifache Summe aus
zahlen soll. Kominst Du auch damit
nicht au», so laße» mich wissen, meine
Der Sohn sah erstaunt zu ihm hinüber
in diesem Tone hatte der Vater noch nie
zu ihm geredet.
„Du bist in schlechte Gesellschaft gera
then," fuhr Stone fort, „unb ich habe
mit Bedauern gehört, daß dv Genossen,
mit denen Du verkehrst, lockere, wilde
Gesell find, von ben-.n Viele in einem
notorisch üblen Rufe stehen, und ich hoffe
unb wünsche, baß Du meine väterliche
Warnung beherzigen möchtest, inbem Du
künftig ihren Umgang meiden unb Deine
Freunbe besser wählen wirst. Ich habe
eine zu gute Meinung von Deinem Ver
stände unb Cba after, um zu glauben,
daß Du auf bie Dauer Befriedigung
sinbtn könntest an bem wüsten Treiben
in bas Du Dich feit einiser Zeit gestür t.
unb ich ben?e zugleich, Du würbest nie
av.f biefe Abwege gerathen fein, nie Dich
so ganz bem Elternhaus« und bem Fami«
lieniehen entfremdet haben, trenn wir
»s verstauben hätten, unsere Häuslichkeit
freundlicher unb angenehm für Dich zu
fachen.
Doch bas soll jetzt anders werben
6t?in Haus soll nicht bloß ein Conventi
rel sein, ich will an Ineimm Sti'ch fluche
fceitere unb fröhliche Gesichter gesehen,
picht nur bie finsteren Mienen ber puri
tanischen Geistlichen und der „erweckten^
Freunde Deiner Mutter, und Du wirst
oinfort Zerstreuung und anregende Ge
feQictf :it nicht mehr draußen unter Frem
den suchen müssen, das Elternhaus selbst
soll sie Dir bieten. Ich habe in dem
piunsch, unserer Häuslichkeit ein frisches,
ungt» Element zuzuführen und das Le
„en in der Familie dadurcy auch für Dich
h.iteret unb anrege ^er zu machen. Deine
louftne aus
Deutschland
mitherüberge«
»rächt nun will es mir aber scheinen.
nest
Bast
ist, unb ich mochte D'ch deshalb fragen,
)& unb in welcher Beziehung Dir der Ein«
(ritt Deiner Cousine in unfeven Famili
fnlreis stbrenb unb unertöünjcht Sichle abspielte,' und ih kalten, strengen
sttige vetnmd es, bem forschenden Blicke
hes Vat rs begegnen.
„Nun, Willic-m?" mahnte Stone in
strengem To e, als der Sohn vergeblich
pach einer A twort zu suchen schien.
Wenn ich aufrichtig sein soll," begann
er endlich, anfangs löaetnd, bann aber
v'.-yz vii
-'•'4^'.•
I
[ist,
WW
gu» Deutschland hierher zu hingen, nicht
(tetabe für eine glückliche Balte. Wie ein
tben au» dem Ei gektrchme» Hühnchen
hie Eierschale, so trägt sie die Gewohn,
fceiten und Auscbauunaen ibre» bsim«^,
lichen Dorfe» hoch NM ihrem ganzen We
sen und Sein zur Schau und paßt dahei
ticht hierher in unser Hau» und in unser«
Perhaltniss?..."
..«»würde richtiger sein, wenn Du
daß e» Dir nicht paßt, fie hier zu
fiel ihm Stone mit einem sarkasti«
ii Lächeln in da» Wort. „Du möch»
e» gern vergessen und e» Änderen ton«
essen machen, raß Du von deutscher Ab
»nft, der Enkel armer hesfischer Beuern
und de»halb war Dir höchst un«
Villkommen, daß ich al» meine Richte die
jes Mädchen in mein Hau» brachte, deren
pprache, Sitten und Gewohr h.'iten Dich
»Jeden, der sie sieht, daran mahnt,
Dein Bater ein Deutscher und kein
ntifantt ist, und daß seine Wiege nicht
dem stoßen Palast eines Bostoner
.ashtmi, sondern in der niedrigen Hütt«
te» atmen hessischen Dorfe» stand. Das
ra der Grund, warum Dir Christinen«
Anwesenheit in unserem Hause so unan
genehm ist!"
William wechselte mehtmal» die Farbe
bei diesen ironischen Worten seine» Va*
ter», die so schonungslos eine Schwäch«
bloßlegten, die et sich selbst noch kaum
eingestanden hatte.
„Du wirst Dich aber,- fuhr Stone mit
ruhigem Nachdruck fort, „an den Gedan
ken gewöhnen müssen, daß fie hier ist unk
hier bleiben wird, daß ich ihr in meinem
Hause die Stellung einer Tochter geben
und sie von Allen, auch von Dir, als
solche angesehen und behandelt wissen
will. Wonach ich Dich bitte. Dem Be
nehmen in Zukunft zu richten."
William biß sich auf die Lippen. „Ich
bin ein Gentleman, Vater, und werde ei
einer Dame gegenüber nie an der schulbv
ten Rücksicht feblm lallen."
et hatte bas Wort „Dame" so schar)
accentuirt, baß Stone in strengem Ton«
sagte: „Ein wirklicher Gentleman Witt
jebent Weibe, gleichviel ob Dante obet
nicht, mit Rücksicht unb Achtung begeg
nen. Aber lassen wir nun dieses Thema
fallen, Du kennst meine Wünsche unb ich
erwarte, daß Du ihnen Rechnung tragen
wirst- Komm jetzt mit mit, es ist bit
Stunde de» Lunch und ich wünsche, daf
wir künftig diese Mahlzeit mit den Da
inett gemeinschaftlich einnehmen. Dein«
Wutter wirb uns schon erwarten."
William folgte schweigend, aber mit
einer Miene bes Unmuths, bem Vater,
weichet ihm voran übet bie mit Teppichen
belegten Matmotflufen bet Treppe schritt,
die hinauf zu den im ersten Stock Bisinb
Uchm ftamilieniimmett! ffiBrte.
Sie fanden Mistreß Stone und Ehrt«
stine schon im Speisesaal ihrer warten*
und übet das Gesicht der letzteren flog ein
Bellet Schein det Freude, al» die beiden
Herren eintraten, öie gmg cent untei
küßte sie", "während sie den förmlicher
Gruß des Bettet» ebenso kurz erwiederte
Stone legte mit einem beifälligen Lächeln
die Hand auf die reichen blondenFlechten.
die wie eine Krone um ihren Keinen Kopj
geschlungen waren.
„So ist'» recht, Christine," sagte
mit einem Seitenblick auf den Sohn, „ich
sehe mit Vergnügen, daß Du wieder ein
Stückchen Eierschale abgestreift hast."
tuujs uuvf |v »up»» neeeö
Kasse steht Dir offen aber laß ich nie rasch entgegen, ergriff seine Hand unt
mrf/tfunm k/tfi m»iit (Sinti« foot Inü«. Ii« iwiSfarottS fi# tun' fArntlüfioi
wieder erfahren, daß mein Sohn bei
Wucherern borgt."
Siüir. Deine 9?ed6fuBt iefd&ätct mich
viel tiefer, al» e»die beitigsten Vorwürfe
vermocht hätten," sagte William errö«
thend, und es war ein innige- Dankes
blick, der jetzt tem forschenden Auge des
Vater« begegnete.
„Da bist mein einziger Sohn, William
wie sollte ich nicht Stachficht üben neuen
mein Fletsch unb Blut," erwiderte Stone
mit weicher Stimme.
Sie sah ihn fxaaenb an. „Was meinf
Du damit, Onkel
„Es war nur ein Scherz, mein Kinb!
Ich freue mich, baß Du endl ch Dein fiel
n.s hessisches Bauetnhäubchen, das nichi
mir, aber Deiner Tante unb Deinen
Vetter längst ein Dorn im Auge war.
enblich abgelegt hast."
„Ich that es Dir zu Liebe," flüstert,
sie. ten Kopf an seine Brust legend, unl
mit kindlicher Zärtlichkeit zu ihm aufbli
efenb, „nicht, um den Anderen zu gefat
len."
Er küßt: sie aus bie Stirn: „Du bis
ein gutes Kiid, Christine, unb yast end
lich wohl selbst eingeseben, daß bat
schwarze Häppchen der Bäuerin nich:
mehr recht passen wollte zu len stäbtische»
mobischen Kleidern, bie Du jetzt trägst
Deine Tante hatte ganz Recht, wenn sii
wünschte, daß Du biefen letzten Rest bet
heimischen Tracht ablegen möchtest, abei
ich habe auch begriffen, baß es Dir schwei
würbe, weil derMensch sich ungern trenn:
»oit solchen kleinen, äußeren Dingen»
ivenn liebe Erinnerungen sich baran knü
pfen."
Mistreß Stone hatte inzwischen ihren
Platz am oberen Enbe bes Tisches einge«
aommen, unb es war ein nicht eben
freudlicher Blick, ber ben Galten streifte,
xn bessen Brust noch immer ber blo-'be
topf Ehristinkns ruhte, während seine
Hand zärtlich ihre rosigeWa 'ge streichelte.
Sie hatte es schon als einen Eingriff in
ihre Rechte als Hausfrau empfuyben, baß
Stone feine Nichte aus Deutschland her
überbrachte, ohne sie vorher um ihre Zu
Stimmung zu fragen, und als sie nun sah,
vie n.ih bie Fremde seinem Hetzen stanb,
vie ec sie mit einer Weichheit, einer Zärt
iichkeit Behandelte, bie er nie gegen den
ligenen Sohn, auch nicht, wie bieser noch
nn Knabe war, gezeigt, ba mischte_ sich
(ersucht.
So fand sie sich denn auch jetzt unan
genehm berührt durch bie kleine Zärtlich
eitefeene, bie sich zw fchen Onkel unb
licher, als sonst, ihr Gatte mit einem
f.euiiblichem Morgengruß sich an ihre
Seite sitzte. Jh Laune tombi auch
nicht besser, als ©tone, nachdem er ein
paar vergebliche Versuche gemacht, ein
Gespräch mit ihr anzuknüpfen unb immer
nur kurze einsilbige Antworten erhielt sich
nut an Christine wandte unb in beutliber
.£$&»
W .p W^flZWF^
Sprache mit ihr ein« lebhafte Unterbot«
tung begann, in die «t auch William hin
einzog. Sie selbst war zwar de» Deut
schen vollkommen mächtig, aber fie sprach
da» fremde Idiom ungern, nuo früher
war in ihrem Haufe nur eiglisch aespro
chen worden, nun sollt« um Christinen»
willen, welche jene Sprache nur noch tot
nig verstand, im Familienkreise da» ver»
haßte Deutsch die Umgangssprache wer
den.
Sie sah auch darin eine Beeinträchti
gung ihrer Würde al» Hausfrau. Es
war, al» ob sie instinetatttg fühlte, daß
mit dem fremden Element, welches durch
Christine in ihr Leben getreten war, die
se» selbst einen Umschwung und eine Ver
ändetuna erleiden müsse, welche durchaus
ni«bt in tbrem G«iK und Sin» fUb voll
ziehen würbe. Schon, daß ihr Gatte sich
jetzt um viele Dinge, welche er sonst ganz
thtemErmessen anheim gestellt, kümmette,
unb bald diese, bald jene längst bestandene
Einrichtung im Hau»wesen geändert
wünschte, verstimmte sie, weil sie immer
herausfand, daß irgend eine Rücksicht auf
Christine der Beweggrund war, der ihn
dabei leitete. Ebenso ärgerte fie fich da
rüber, daß er sich eifrig bemüht leiate,
die Lücken und Mängel in dem Wissen
und der Bildung seiner Nichte durch un
terrichtsstunden aller Art aufzufüllen und
zu verbessern.
Daß et dazu die besten und theuersten
Lehret wählte, vergab sie ihm noch allen
falls, denn Geiz gehörte ntcht zu ihren
Schwächen und fie sah e» al» selbstver
ständlich an, baß ba» Hau» Elliot und
Stone immer, nach welcher Richtung es
auch sei, nur ba».Beste und Kostspieligste
nehmen konnte, aber baß er selbst den
Stundenplan für Christine entworfen,
versönlich mit jedemLehrer eonferirt hatte,
ehe er ihn engagitte, ja nicht selten soaar
bem Unterrichte beiwohnte, dies Alle»
beobachtete sie mit immer steigendem Ver«
druß. Welche Pläne verfolgt et mit die
sem Mädchen? hatte sie sich oft gefragt,
und nach langem Nachsinnen war sie end
lich zu dem Schluß gelangt, daß ihrGatte
eine Heirath zwischen seinem Sohne und
feinet Nichte beabsichtiae. Der bloße Ge
danke abet an eine solche Möglichkeit ließ
ihr sonst so kaltes Blut in Zorn unb Ent
rüstung heiß aufwallen, unb lie nahm sich
vor, mit allen Mitteln, bie ihr zu Gebot«
staube», diesen Plan zu verhinbern. Mit
Argusaupen beobachte« sie nun von bem
Augenblicke an. wo William von feinem
Aufenthalt im Westen wieber zurückge
kehrt, sein Benehmen gegen bie fremde
Cousine, unb zu ihrer unsagbaren Her»
zenserleichte»una überzeugte sie sich bald,
baß von bieser Seit: keine Gefahr brohte,
die Wünsche bes Gatten in Erfüllung ge
hen zu sehen, bmn ihr Sobn bebonbelte
Christine mit einet so kühlen Gleichgül
tigkeit, baß sie an offenbare Abneigung
streifte.
Als nun Stone fotlb nach ber Ankunft
de» Sohne» die Bestimmung traf, daß
künftig alle Mahlzeiten von den Fami
lienmitgliedern gemeinschaftlich eingenom»
men werden sollten sah sie darin nur die
Absicht, die Annäherung William» an
Christine zu befördern, und mit freudiger
Genugtuung beobachtete sie jetzt, wie ge«
zwungen und frostig die Antworten klan«
gen, ete er bem Vater gab, wenn bitter
ihn in ba» Gespräch zu ziehen suchte. AIS
William bann, sobald ba» Frühstück be
endet war, aufftanb, unb sich unter dem
Vorwanb, baß Zeit für ihn sei. sich
wieder in bas (Jomptoir an seine Arbeit
zu begeben, hosti,} verabschiedete,.und of
fenbar froh war, der Gesellschaft der
Eeinigen zu entfliehen, lächelte sie bei
fällig und' warf einen triumphirenben
Blick auf ibren Gatten, der über bie 93c«
deutunq besselben jjeboch völlig im Unkla
ren zu sein schien unb sie verwunbert an
sah.
„Ich glaube," sagte sie mit einem ma
nietirt sanften Tone, „William empfin
det cs als einenZwang, unb eineBeschiän«
kung ber petsönlichenFreiheit, baßDu aus
seiner Anwesenheit bei unsetenMahlzeiten
bestehst."
Stone zog bie Brauen zusammen.
„Um so notbwenbiger ist es, daß ich
ihm diesen Zwang auferlege. Liebes
Kind," wanble.cr sich bann an Christine,
„laß uns allein, ich habe mit Deinet
Tante zu reden."
Das jungeMädchen entfernte sich rafch,
unb Stone nahm aus feiner Brieftasche
ein zusammengefaltetes Papier unb reichte
es feiner Frau mit bett Worten:y
„Ich bitte Dich zuvörderst, biefen Brief
zu lesen, den ich von unserem Buchhalter
Brown vor einem Jahre erhielt, als ich
in Lonbon war."
„Ich begreise nicht..." sagte sie mit
einer vornehm gleichgültigen Miene, bie
ersten Zeilen des Brieses überfliegenb,
aber sie stockte in dem angefangenen Satz,
und eine dunkle Zornesröthe färbte ihre
Wangen, als sie weiter las. „Unmög
lich," rief sie dann, und warf mit ver
ächtlicher Entrüstung den Brief auf den
Tisch.
„Von all' dem, was der alte Freigeist,
der Brown, der nie in eilte Kirche geht,
ba schreibt, glaube ich fein Wort. Mem
Sohn, ben tch in ber Furcht Gottes erzo
gen, kann nicht aus solche Abwege gera
then. Es ist eine schändliche Verleum
dung."
„Es ist keine Verleumbuni, ich habe
mich nach meiner Rückkehr sehr genau
»räch bem Thun unb Treiben Williams
erkundigt unb leibet gesunden, baßVrown
eher zu wenig, als za vi.-l gesagt!"
„Nein," tUf sie autzet sich, „Brown
lügt, William, bessen Erziehung tch nach
so streng religiösen Prinzipien geleitet,
kann..."
„Die Resultate bieser Erziehung," fiel
ihr Stone mit schneidenber Jionie in ba«
Wort, „sinb leider nicht seht beillant,
linb ich gestehe, baß ich mit bittere Vor
würfe barüber mache, Dir zu sehr fuie
hano gelassen zu hafcn in Bezug aus
die Grundsätze, nach beneit William er
zogen worden.- Für ben beiMütisen
'vx,
Wardt« streng«, flftsf etliche
bigotten, engh rzigen Lehtetn, tm
für ihn wähltest, höchst verdeiblich.
KNaven Wardt« strenge,
enter
Du sie für ihn wäh
Doch lassen Vit da» jetzt, daran läßt
ja nicht» mehr ändern. Ich wollte tot
nur sagen, daß bielngaben Brown» üb«
den Leben»wandel, den unser Sehn m»
führt hat, wicht» weniger, al» übertrie
ben find, denn ich habe gestern neun»
tausend Dollar» Schulden mt ihn to
zahlt."
„Neuntausend Dollar» I" wiederholte
erbleichend Mistreß Stone. Dieser Ziß»
fet gegenüber vermochte sie nicht
länge*
ihre Zweifel an det Wahrhaftigkeit de»
Brown'fchen Briefe» aufrecht lu haitau
„Großer Gott, wofür kann et solch:
Sw
men vergeudet haben!"
„Oit wollen da» nicht nähet unl«
chen," sagte Stone kalt, „sie sind
und damit ist e» gut. Du wirst
jetzt vielleicht begreifen, warum ich dar»
auf bestanden habe, daß William
stimmte Stunden im Familienkreise zu
bringt, unb warum ich so sehr wünsche
daß er lernt, Geschmack an den einfach*
Freuden der Häuslichkeit zu finden.*
„So WÜr.fchest Du Wohl, ihn zu v«f
fcirathen fragte sie lauernd.
„Gewiß wünsche ich da» Eine einfach^,
liedenswürdiae Aran, bie er liebt, würbe
ihn am sichersten von aNen feinen Tho»»
heilen heilen."
„So hast Du wobl fchon eine Wahl
für ihn getroffen fra^t höhnisch Mist
reß Stone, die der ruhigen Gelassenheit
ihre» Gatten gegenüber immer mehr ihet
Selbstbeherrschung verlor.
„E» wäre möglich," versetzte er, „aber
leibet sind die Wünsche der Väter in die
set Beziehung selten maßgebend für die
Söhne."
„Nicht leibet, sondern glücklicherweise 1"
tief fie ausflarnmenb. „Oh, ich habe Dei»
nen Plan längst burchichaul, Du hast da»
fremde Mädchen, an weiches Dich etn mi»
iäthfelhafte»8anb ber Sympathie p»
knüpfen scheint, nur deshalb mit hierher
gebracht, damit fie die Gattin Deine»
Sohne» würde. Aber so lange ich rnxfr
Athem und Leben habe, will ich gegen
eine solche Verbindung protesttren, der
Erbe bes Hause» Elliot und ©tone unfc
diese deutsche Bauerndirne! ES würde
lächerlich fein, wenn es nicht so empörend
wäre!"...
„Du warst auch die Erbin des Hause?
Elllvt," sagte Stone mit ruhiger Watle,
„und glaubtest Dich nicht zu erniedrigen^
als Du Deine Hand bem deutschen Bau»
ernsohtte reichtest. In Christinens Aderm
fließt bass?lbe Blut, wie in den meinen."'
Mistreß Stone senkte das Haupt unb
schwieg.
„Beruhige Dich indessen, Hat riet"
fuhr er in freundlichem Tone fort, „toaft
auch meine Wünsche in Bezug auf Wil
liam und Christine sein möatn, ich habe
nicht die Absicht, in dieser Angelegenheit
irgend einen Einfluß aus ihn |u üben,
er soll vollkommen frei sein in d.r Wahl
seiner künftigen Lebensgefährtin, bai,
verspreche ich Dir. Aber dagegen a*
W itte ich nun auch von Dir, Du wist o»
Christinen nicht ferner entgelten lassen,
daß ich einmal hoffte, fie meine T:cht».
|U «»IUI#«
„Ich kann mich," sagte Frau Hontet
die es gerathen sand, jetzt da» Gespräch»«
thema zu wechseln, „noch gar nicht er
holen von meinem Entsetzen über Willi»
ams Leichtsinn. In welch' schlechte Ge»
sellschast muß er gerathen sein, um so alle
die guten hren, die frommen Grund
sätze, die ich und feine erleuchtetn Lehrer
ihm eingeigt haben, zu betreffen.
Warum aber erfahre ich erst jetzt, wa».
Du fe einem Iahte weißt 8" fügte fit
vorwurfsvoll hinzu.
„Ich wollte Dir den Kummer übet
W.Mam's Leichtsinn ersparen, so lange,
als nur Vermuthungen vorlagen, bie sich
noch nicht auf positive Thatfachen stütze
ten."
Äch werbe mit William reden." faate
sie erregt, „ich werde ihm bie heftigsten
Votwütse machen!"
„Ich bitte Dich sehr, ba» zu unterlaß
sen," unterbrach er sie mit ernstem Nach*
brück, „bie E zi-Huna, ober besser gesagt
btc Leitung nuines Sohnes, benn erziehen
kann man einen Mann von zwanzig Jah
ren nicht mehr, nehme ich fortan ganz in
meine Hände. Ihm Vorwürfe zu machen,
über feinen Leichtsinn, wäre sehr thoricht,
benn mit Vorwürfen bessert man nicht
feine Kinber, man treibt fie damit nur
aus dem Haufe, unb das ist gerade, wa»
ich Bei William am meisten vermeiden
Möchte,
denn mein ganzes Streben geht
dahin, ihn an das Haus zu fesseln, ihm
das LeBen in ber Familie angenehm zu
machen, damit er nicht draußen Unter
haltung und Zerstreuung sucht. In bie»
fem Streben nun sollst Tu mich unter
stützen urib mir helfen, unser Haus zum
Mittelpunkt einer heitere» Geselligkeit zu
machen/'
„Wie soll ich bas verstehen?" fragte fie
Bestürzt.
„Wir wollen," fuhr er fort, „unseren.
Umgangskreis erweitern, welle» außer
halb bes puritanischen Enkels, in wel
chent Du Dich seither allein bewegt hast,
jetzt auch mit dem Familien unserer Ge
schäftsfreunde verkehren. Merzen werbe
ich mit Dir und Christine bei diesen Fa«
mitten Besuche machen, und bann wollen
wir sie alle zu einem F.stt einladet, Bet
welchem bie Jugend sich nv Tanz unb
Spiel die Zeit vertreiben soll."
Eine?i Auaenblick sta.rt: sie ihn in
sprachlosem Erstaunen an, dann erhob sie
mit btm Ausdruck frommen Entsetzen»
btibe Hänbe unb rief: „T^nz und Spiel I
Hobe ich recht gehört Du verlangst tool»
I ch, baß bies Haus, welches zu' einem
Tempel bes Herrn zu machen ich mem
L^ben lang bestrebt war, nun zu einem
Tummelplatz eitler, sündiger Weltlust
werben soll?! Nie. ÜZimmermd&r."
/Fortsetzung folgt.)
«evanfenfptitter.
Ungeschickte «letzte sind Schee«n*
schleifet der Patze Attopos.
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