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Der fortschritt. (New Ulm, Minn.) 1891-1915, November 19, 1891, Image 7

Image and text provided by Minnesota Historical Society; Saint Paul, MN

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Anlchndische».
E a S a
Texas,
C. N.
Briceville, Tenn., in Freiheit gesetzten
ZuchthauSsträflingen wurden neulich
»jeder drei Farbige Namens Samuel
Goodrich, Wm. Graves und Albert
Henderson in der Nähe von Middles
borough und einundzwanzig in der Nähe
tot Staatsgrenze bei Somerset.
1
Burton, eignet jetzt die
Pflanzung seine» ehemaligen Besitzer»
«nd »st Mitglied de» Staatssenat».
Philadelphia haden gegen die dortigen
kaufmännischen Steuereinschätzer fed)#
verschiedene Anklagen wegen Betrug»
erhoben und außerdem den Abschätze«
Serschwitrungdessen
atton und Clerk Volk wegen
in Anklagezustand Der»
fetzt.
A
fe» e» sein, mit welchen der entsprun
gene Neger Bob Wicken» in Ehatta
«ooga, Ten»., verfolgt wurde. Diesel
See schienen den Reger weit lieber zu
haben, al» seine Verfolger, denn sie
schloffen sich demselben en, und weder
von dem Neger, noch von den Hunden
ist seither Etwa» gesehen worden.
pOrt. E»nn^ find feit einigen Wochen
eine Anzahl höchst verdächtiger Erkran
hingen vorgekommen, und einer der Er
-krankten, ein gAvisser Edward Allen,
der einen Termin von 30 Tagen abzn
»htKen hatte, i$t gestorben. Sechs an*
dere Gefangene mußten nach dem Ho
spital tran»portirt werden. Die Aerzte
wissen absolut nicht, wa» sie au» der
Krankbeit machen sollen. Man glaubt,
daß die Speisen der Gefangenen von
einem oder mehreren derselben systema
tisch vergiftet worden find.
tektive Dollton nach San Francisco ab
Gereist, um den dort verhafteten ehema
lige» BertranenSclerk John Hyer von
bet Firma Harney & Sohn, der vor
zwei Wochen, nachdem er die Firma um
teer $4000 betrogen, entflohen ist, zu
holen. Dalton wird auch die Frau des
Betrügers, welche mit demselben ent
floh, zurück bringen, und wurde zu die«
sem Zwecke von dem Bater der Frau
mit Reisegeld versehen. Die Trans'
portlosten des Paares und des Detek
tives werden auf nahezu $500 zu stehen
kommen.
8
nut einem farbigen Mörder in Mount
Vernon, Georgia, gemacht worden.
Devselbe hatte bei einem Raubversuche
i» Hause de» Capitäus Montgomery,
nahe Lumber City, einen Gast des Hau
se», Namens Bone, erschossen und war
dann in die Wälder entflohen. Vier
Tage später wurde er erwischt und, da
gerade Gerichtssitzung war, dem Richter
gwn Prozesse vorgeführt. Dieser dauerte
zwei Tage und endete mit einem auf
schuldig lautenden Wahlspruch und dem
richterlichen Urtbeil, daß der Gefangene
a« 21. d. Mts. den Tod am Galgen
erleiden solle.
Ky..
ge­
fangen genommen. Durch Bowling
Green,
Ky.,
päsfirte eine Anzahl von
-'Leuten, die von der Teaaeffeer Grenze
herkamen und wahrscheinlich ebenfalls
Sträflinge waren, dock schritt die Poli
zeibehörde der Stadt nicht gegen diesel
,6e» ein, weil die auf Ergreifung der
Flüchtigen vom Staate Tennessee alt?
gesetzte Belohnung eine zu geringfS
gigeist.
a W
Harrison County,
W.
W
Ba^ ereignete sich
dieser Tage ein beklagenSwerther Un
fall. Ein Farmer, Namens Windom,
und Professor Floyd Bailey waren im
Berein mit einigen Nachbarn auf die
Jagd gegangen. Bailey's 7jähriges
SSHnchen, welches sich bis an den Rand
de» Waldes gewagt hatte, versteckte sick
a«8 Angst vor den Schüssen hinter einem
Baumstamm. Windom hielt den Kopf
de» kleinen Burschen sür den eines
'Tbiere» und schoß. Die Kugel durch«
bohrte den Kops des Knaben und tödtete
ihn auf der Stelle. Der unglückliche
Kater wollte den unabsichtlichen Mör
der ferne» Kindes erschießen und tonnte
nur mit Mühe von den Umstehenden da
von abgehalten werden.
werden über die Prairie* Feuer, welche
,,-i» Oliver Coumy, North Dakota,
wütheten, gemeldet. Der den Farmern
zugefügte Schaden ist bedeutend größer,
al» man anfangs vermutete. Mehrere
tausend Tonnen Heu verbrannten und
manche große Ranche zvnrde durch
Feuer Zerstört. Heber dreißig Farmer
verloren ihre Farmwohnungen nebst
Stallungen. Das Anwesen des Far
Kiers John Day wurde eingeäschert
und 400 Schafe verbrannten mit.
Außerdem zog sich Frau Day schwere
Brandwunden zu. Die Farmer Nelson
Hunter und Smith verloren außer
ihren Wohnungen ihren ganzen Bieh
bestand. Zu Springer wurden mehrere
Wohnhäuser zerstört.
a
des Departements für Augen- und
Ohren-Krankheiten am homöopathischen
College in Baltimore, hat feit drei Mo
naten in der Klinik der Anstalt Experi
mente vorgenommen, den Phonograph
bei der Behandlung katarrhalischer
^Taubheit anzuwenden, und zwar mit
großem Erfolg, wie er hofft. Es ist
noch zu früh, mit einer ausführlichen
Darlegung 5er BeHandlungsweise vor
die medizinische Welt zu treten, da erst
zu kurze Zeit verflossen ist, um zu ent*
scheiden, ob die erhielten Heilungen von
t, V*.
\i
Dauer find Dr. Carey ist aber der
Ueberzeugung, daß der Phonograph bei
der Behandlung von Tauben, die durch
beständige» Geräusch in den Ohren ge
quält sind, mit vorzüglichem Erfolge an
gewendet »erden kann.
senator Jame» G. Fair, einer der Sil
berkönige von Nevada, dessen Vermögen
auf zwanzig Millionen Dollar» geschätzt
wird, hat fich dieser Tage mit der ehe
maligen Erzieherin seiner jüngsten Toch
ter, Fränlein Lake, welche bisher in
San Frauci»co eine Erziehungsanstalt
für Mädchen leitete, verheiratet. Die
junge Frau ist eine bochgebildeteTochter
de» verstorbenen Sachwalter» Delos
Lake, der seiner Zeit der gesuchteste An
walt in (Kalifornien war, aber feine
fürstlichen Einnahmen in Wohlleben ver
schwendete uud seinen beiden Töchtern
nur ein kaum nennenswerte» Vermö
gen hinterließ. Fair, der fich schon vor
Jahren für die Erfolge der jungen Er
ziehen« interesfirte, ließ ihr damals ein
schöne» Schulhan» bauen.
I O a a
abgehaltenen Versammlung der Pro
hibition» Partei griff der Pastor I.
Wesley Hill von Utah den Präsidenten
Harrison und den demokratischen Gon
oerneur Russell wegen ihrer Haltung in
der Getränkefrage heftij an. Pastor
Judson zischte laut bei den Bemerkun
gen de» Redner», betrat schließlich die
Plattform und es entspann fich ein hef
tiger Redekampf zwischen den beiden
Geistlichen. Die Erregung theilte fich
der Versammlung mit und Frau Juv
son fiel in Ohnmacht. Der Pastor der
Univecsalisten-Gemeinde erhob fich und
schlug vor, Hill zur Stadt hinaus zu
jagen. Der Letztere wurde von einem
Polizisten nach seinem Hotel geleitet
und weitere zwei Sicherheit»wächter ab
geordnet, um ihn vor seinen Amtsbrü
dem zu schützen.
1
I N 1 7
Jahre alte
Minna
Sauhaufen vott dem
24 Jahre alten Wily. Müller ermordet,
weil sie sich seinem Versuche, sie zu ent
ehren, widersetzte. Müller war früher
ein Spielgenosse de» Mädchen», und
als er noch ein Kind war, al» Waise
von der Mutter der Letzteren aus Mit
leid in Pflege genommen worden.. Auf
die Hülferufe des Mädchen» eilten die
Nachbarn herbei und die Polizei wurde
geholt. Anfangs glaubte man, daß ein
Selbstmord vorliege doch als die von
Blut triefenden Avdeitshosen des Mül
ler, dessen Hemd und Unterkleider auf
dem Boden liegend gefunden wurden,
unterlag es fernem Zweifel, daß ein
Mord verübt worden sei. Der Mörder
entfloh. Zwei Tage später wurde seine
Leiche auf den Palisaden gegenüber
New Jork, gefunden. Er hatte sich er
schössen.
I a a a e
ser Tage eine merkwürdige Familien
Vereinigung stattgefunden. Die Theil
aehmer daran waren: John H. Veasy
von Grand Island, Neb., 82 Jahr
alt Frau Ellen McGregor, dessen
Schwester, von Jessersonville, Ind., 84
Jahre alt Frau Daniel McCain, eben
falls eine Schwester von Braddock, 73
Jahre alt und Frau Ellen Veasy, eine
Schwägerin der Genannten, von Bea
ver Falls, 76 Jahre alt. Die Betref
senden waren bei Ausbruch bed Bürger
krieges sämmtlich in Beaber County,
Pa., wohnhaft, zerstreuten fich aber
später und feierten jetzt nach dreißig
Jahren ein rührendes Wiedersehen.
Das bejahrte Quartett reiste später
nach Beäver County ab, um einen
Bruder, Francis Beasy, welcher neulich
seinen 88. Geburtstag feierte, zu be
suchen.
S a
ÜäÜ«
alten Munson in Cincinnati zu Theil
geworden ist, weil er selber den Direk
toren de» „Fnlton Leib- und Bau
Vereins" mit thronenden Augen von
den Unterschleifen seines Sohnes
William Mittheilung gemacht hat,
scheint ziemlich überflüssig gewesen zu
sein. Es stellt sich nämlich heraus, daß
der alte Mann, wenn nicht eher, so doch
schon im letzten Dezember Kenntniß
von dem vorhandenen Defizit gehabt,
seither also die Direktoren wissentlich
getäuscht hat. Das Defizit ganz oder
teilweise aus eigenen Mitteln zu
decken, fällt ihm nicht ein, und er scheint
sich darauf zu verlassen, daß man ihm
nichts wird anhaben können, weil man
durch Nachlässigkeit sogar die kleine von
ihm ursprünglich gestellte Bürgschaft
hat verfallen lassen. Da die Unter«
suchung der Bücher noch nicht beendet
ist, so ist nicht ausgeschlossen, daß der
fehlende Betrag weit größer ist, als
wie angegeben —114,000 es ist sogar
Grund zu der Annahme vorhanden, daß
er diese Summe bei weitem übersteigt.
a W
rend der letzten zwei Monate in den
Wäldern bei Austin, Minnesota, aufge
taucht. In der Nähe von Jerrard
Jenson's Farmerwohnung sind in kur
zer Zeit mehrere Personen von diesen
Bestien angefallen worden. Bor eini
gen Tagen hatten sich zwei kleine Kin
der des Jenson im Alter von 6 bezw.
4 Jahren von Hause entfernt. Plötz
lich hörten die Eltern Hilferufe ihrer
Kleinen. Der Vater ergriff das Ge
wehr. eilte in jene Gegend und er sah,
wie die Thiere über die Kinder herfie
len. Das vierjährige Söhnchen war
vollständig zerfleischt. Das sechsjäh
rige Mädchen hatte schwere Wunden am
ganzen Körper/ indeß ist Hoffnung vor
Händen, daß es wieder genesen wird.
Die Farmer wollen jetzt Treibjagden
auf die hungrigen Bestien veranstalten.
a
den Verlust von vier seiner Geschwister
sowie die schwere Erkrankung des Mäd
chens, welches er liebte, drückten neulich
in St. Louis einem jungen, kaum ein
undzwanzigjährigen Manne den Revol«
ver in die Hand, mit welchem er feinem
Leben ein Ende machte. Die That ge
schah in einem Zimmer de# Logirhause»
No. 406 N. 11. Str. Die Bewohner
des Hanses wollten fich eben zur Ruhe
begeben, als »n dem Zimmer, welche»
von dem Buchhalter, Robert F. Burck
art bewohnt wurde, ein Schuß fiel.
Die Thür de» Zimmers war verfchlof
sen. Einer der Bewohner des Häufte
kletterte durch das Thärenfenster.
2 0 0 0
Berichten, welche dem Postdepartement
von Postmeistern in Conntysitzen für
das abgelaufene Jahr erstattet worden
sind, befinden sich auch solche von Weib»
lichen Postmeistern. Reunundzwanzig
der letzteren haben eine persönliche In
spektion der in ihren Counties gelegenen
Landpostämter (vierter Classe) vorge
nommen und berichten darüber allerlei
erbauliche Dinge. Eine von den Post
Meisterinnen schreibt, viele von den Post
ämtchen seien in ländlichen Kramläden
gelegen und e» sehe darin nicht so ganz
appetitlich ans, als eine reinliche Frau
oder Jungfrau wohl wünschen möchte.
Eine Illinois« „Postmistreß" schreibt,
nicht eine von den kleinen „Postoffices*
sei oomme il faut, nicht einmal ihre
eigene. Eine energische Poitmeisterin
in Idaho hat auf ihrer JuIpektiouStour
254 Meilen zu Pferde zurückgelegt und
ftch's dabei noch $20 baares Geld kosten
lassen. Eine Postmeisterin in Kentucky
machte die Jnspektionstour in einer
Kutsche, gab dabei *30 aus und berich
tet, sämmtliche Postmeister der betreffen
den Landdistrikte möchten gerne in di
rektere Beziehungen zum Generalpost
amt treten. Eine ebensolche Officiantin
in Louisiana berichtet, sie lasse fich's
ihren letzten Cent tosten, um den Post
dienst zu verbessern. Wieder eine andere
hat einen Theil ihrer Inspektionsreise
in einem Segelschiff zurückgelegt. Eine
andere hat furchtlos lange Reisen durch
Wälder in Mississippi gemacht, um ent
fernte Postämter zu inspiziren. Eine
New Yorkerin hat auf ihrer Inspek
tionsreise 291 Meilen per Kutsche
zurückgelegt. Eine Nord Carolinen»
wurde von den Landpostmeistern so
außerordentlich freundlich empfangen,
daß sie schon nächstes Jahr eine aber
malige Inspektion vornehmen will.
Eine Postmeisterin in Texas entschul
digt sich für die Nichtvornahme einer
Inspektion damit, daß sie 35 Meilen
zu Pferde reiten müßte und daß sie nicht
reiten könne. Eine Bermonterin sagt,
sie habe die Postämter ihres Conntys
nicht besuchen können, weil ihr Distrikt
ans fünf Inseln bestehe. Eine Post
meisterm in Alabama .schreibt, es thue
ihr leid, die Inspektion nicht vornehmen
zu können in ihrem County sei kein
Fuhrwerk aufzutreiben. Endlich ent
schuldigt sich eine Postmeisterin Mis
souri damit, sie sei zu einer Inspektion
noch gar zu jung. Fünf Postmeisterin
nen haben die Inspektion durch Stell
vertretung vornehmen lassen.
WM»WW««»WMM»?WWWMWW,
Auf
dem Bette im Zimmer lag als Leiche
der junge Burckart, in der Rechten einen
Revolver, in der Linken da» Bild eine»
jungen Mädchen» haltend. Der Schuß
war ein wohlgezielter, der Tod ein
augenblicklicher gewesen. Die Kugel
hatte mitten in» Herz getroffen. Selt
samer Weife hatte der Lebensmüde fich
die Augen mit einem schwarzen Tuche
verbunden vielleicht hatte er doch beta
Anblick der Waffe, welche ihm den Tod
bringen sollte, gefürchtet. Auf dem
Tische neben dem Bette lag ein Zettel,
mit Bleistift »ar darauf geschrieben.
„Begrabt mich an der Seite Derer, die
ich liebe."
I a a a 3 3
Jahre alte Edward G. Sutton in einem
Stalle hinter dem Wohnhause feine»
Bruders Selbstmord begangen, indem
er fich eine Kugel durch'» Herz schoß.
Kurz vorher hatte der Selbstmörder
noch in seiner Wohnung mit feiner Gat
tin und feinem vierjährigen Töchterchen
das Abendessen eingenommen und sich
dann direkt nach dem Stalle seines Bru
der» begeben, wo er beim Licht einer
Laterne an einem alten Tische fitzenb
mit Bleistift folgende Worte auf einen
Zettel schrieb: »An Alle die e» angeht.
Ich, E. G. Sutten, nehme mir hter nach
freiem Willen und Entschluß mein
Leben. Alle Fragen find überflüssig.
Ich habe es mit diesem Leben versucht
und bin bereit, es mit dem zukünftigen
Leben zu versuchen. In meiner Tasche
befinden sich Lotterie- Tickets, welche
Ihr wahrscheinlich finden werdet.
Sollte irgend eins davon gewinnen, so
gebt es meiner Tochter. Ich wünsche
Euch allen Glück und will meine Gele
genheit wahrnehmen. Einer oder der
Andere wird vielleicht sagen, ich sei
„voll-. Erlaubt mir, zu bemerken,
daß Dies so ist, denn ich habe soeben
Abendbrod gegessen. G. E. Sutten."
Al» die Schwägerin des Selbstmörders
auf den Knall in den Stall eilte, fand
fie den Mann auf einem Stuhle neben
dem Tisch sitzen der Revolver, mit
welchem er fich mitten dnrch'S Herz ge
schossen, war seiner Hand entsunken,
aber zwischen den festznsamntengebis
senen Zähnen hielt der Tobte noch eine
brennende Ctgarre. lieber den Beweg
grund der That liegt keine bestimmte
Erklärung vor da» hinterlassen? Schrei
ben läßt vermuthen, daß es im Kopfe
des Unglücklichen nicht ganz richtig war.
Auslündisches.
9 1 A
schreibt: Mehrere Zeitungen haben die
Nachricht gebracht, baß gegen den Ge
Heimen Commercienrath v. Bleichröder
ein früher eingestelltes strafgerichtliches
Ermittlungsverfahren wieder aufgenom
men werden solle. Wie wir an maßge
bend« Stelle erfahren haben, ist diese
Behauptung unrichtig. Allerdings hat
infolge von neuerlichen, an die höchsten
Staatsbehörden gerichteten Eingaben
eine Prüfung des Sachverhalts stattge
funden, dieselbe hat aber emen Anlaß
zu irgend welchen strafrechtlichen Maß
nahmen gegen Herrn v. Bleichröder nicht
ergeben.
a
Matthews hat seine Thätigkett als erster
Minister beun Sultan am 20. Okt. von
Zanzibar angetreten, nachdem feine Er
nennung die Billigung der übrigen Mit
glieder der Regierung gesunden hatte.
D»e Civilliste des Sultan» ist auf 3 Lac
Lupien $150,000) jährlich festgesetzt
worden. Der Rest der Einkünfte soll
für Polizeitosten, Verbesserungen des
Hafen und öffentliche Arbeiten überhaupt
verwandt werden. Alle Ausgaben sind
zuvor von dem Sultan und dem engli
schen Generalcousul Portal zu genehmi
ge«.
in dem Warschauer Schnellzug ermorde
ten Großgrundbesitzers wurden am 19.
Ott. in CzeSstochawa (Russisch Polen)
bei dem Versuch, sich einen Paß nach
Deutschland zu verschaffen, verhastet.
Man fand bei denselben sämmtliche bem
Hr mordeten abgenommene Werthgegen
stände. u. A. eine Brieftasche mit 10,000
Rubel». Der Ermordete, welcher ein
gebotener Deutscher mit Rainen Warner
ist, sich aber durch Ratnralifation die
russische Staatsangehörigkeit erworden
hat, befand fich auf einer Reise zu sei
nen in Deutschland lebenden Verwand
le«.
W
Hirsch ein entsetzlicher Unglücksfall her
beigeführt worden. Ja dem Dorf
Schwochow bei Pyritz in Pommern un
terhält, wie die „Starg. Z." mitteilt,
der dortige Gutsbesitzer in seinem um
zäunten Garten einen zahmen Hirsch
und eine Hirschkuh, welche vom Gärt
ner gepflegt wurden. Dieser war kürz«
lich int Hause seines Herrn beschäftigt,
und ein Anderer sollte statt seiner die
Thiere füttern. Al» nun der damit be
auftragte Arbeiter ganz sorglos das
Gehege der Hirsche betrat, stürzte sich
da» männliche Thier voller Wnth auf
ihn, warf ihn zur Erde und schlitzte
ihm mit dem Geweih den Bauch aus.
a S a a
China, melden, daß der Engländer Ma
son zu 2 Jahren Zwangsarbeit u«d
einer Strafe von 5000 Doll., sowie zu
Verbannung wegen de» Einschmuggeln»
einer Quantität Waffen und Munition,
welche für die Rebellen bestimmt waren,
verurtbeilt wurde. E» wird vermutet,
daß viele Europäer darin verwickelt
waren mit der Absicht, durch diese Ver
schwörung eine Revolution hervorzuru
fen. Man glaubt» daß irgend ein Ver
such der chinesischen Regierung, die Auf
rühre? zu bestrafen, wenn sie nicht von
einer fremden Truppe unterstützt werde,
einen allgemeinen Aufruhr über ben gan
zen Norden hervorrufen werde.
E A
Gouthe Soutard, welcher in einem
Schreiben an den Kultusminister Fal
liere» erklärt hatte, daß er dessen am 4.
Oktober an die Prälaten erlassene» Zir«
knlar über die Pilgerfahrten nach Rom
nicht beachten werde, ist auf Grund de»
Gesetzes und des Dekretes, welche für
einen Angriff auf die Rechte und die
Autorität der Minister eine GefZngniß.
strafe von drei Monaten bis zu 5 Jah
ren, resp. eine Geldstrafe von 300 bis
»zu 6000 Francs festsetzen, vor das
Zuchtpolizeigericht Der Seine gestellt
worden.
i
ges Fasten ist unter den Jams in In
dien etwas Gewöhnliches. Alljährlich
tritt Jemand hervor und erbietet sich,
35,40 ja selbst 60 Tage keine Nahrung
zu fich zu nehmen. D»e Fastenden
trinken während der Zeit nur warmes
Wasser und würden lieber sterben als
ihr Versprechen brechen. Ganz kürzlich
hat ein Iain 48 Tage und ein anderer
61 Tage gefastet. Als die Zeit vorüber
war. wurden sie von 25,000 Jains be
glückwünscht. Am 22. September waren
die Hanptbazars von Bombay zur Feier
des Ereignisses geschlossen und 5000
Jains, Männer und Weiber, fasteten
einen Tag. Da» auf diese Weise ge
sparte Geld wurde dazu verwendet,
Kühe und andere Thiere aus dem
Schlachthaus in Bandora tu retten.
N a
troffenen weiteren Meldung von der
Insel Pantclleria ist aus dem Meere
ein Erdstreisen hervorgetreten, welcher
nach Norden zu noch an Ausdehnung
gewinnt. Die Eruption von Stein
blöden, welche zu beträchtlicher Höhe
emporgeschleudert wurden, schreitet in
gleicher Richtung fort. Die meteorolo
gische Centralanstalt ist der Ansicht, daß
die Eruption auf Pantclleria ein für
vulkanische Inseln gewöhnliche» Ereig
niß ist und ähnlich wie 1831 enden
wird. Damals entstanden vulkanische,
Ausbrüche auf der Insel Firbinanbea,
welche nach wenigen Monaten versank.
Der Aetna ist seit der Eruption auf
Pantelleria vollständig ruhig.
A i
gen Mißernte in Rußland macht man
darauf aufmerksam, daß für weite Ge«
biete energische Maßregeln getroffen
werden müsten. um künftigen Mißern
ten nach Möglichkeit vorzubeugen. Jen
feit» der Wolga, in Osten und Süd
osten des Reiche», wäre den Boden
förmlich ausgesegelt worden die Bau
ern düngten ihn nicht, weil fie den na«
türlichen Düger bei dem furchtbaren
Holzmangel al» Heizmaterial verbrauch
ten und vom künstlichen Dünger nicht»
wüßten Mer ihn fich nicht beschaffen
könnten. Unter solchen Umständen er
scheint e» wahrscheinlich, daß Land
schaften und Staat eine planmäßige
Aufforstung nnd Bewässerung in jenen
Gebieten tn bie Hand nehmen werden,
da sonst die Gefahr nahe Liegt, daß
weite höchst fruchtbare Gebiete sich in
eine Steppe verwanbeln.
nister hat die Bereinigung Berliner
Architekten ersucht, sür Normal'
entwürfe von Arbeiterhäusern, die
im Ministerium gefertigt worden
sind» Kostenanschläge aufzustellen.
Dabei hat fich für ein Zwei
familienhaus von einem 3,10 Meter
hohen Stockwerk, kleinem Keller und
hohem Dachgeschoß bei 134 Qm. Grund»
fläche ein Preis vvu 99 M. für 1 Qm.
ergeben, für ein AchtfamilienhanS mit
2,10 Meter hohem Keller, zwei 3,80
Meter hohen Stockwerken uud 8,6 Meter
hohen Dachgeschoß bei 879 Qm. Grund
fläche ein Preis von 136 M. für 1 Qm.
Für das Schnppengedäude ergab fich
bei 53 Qm. Grundfläche ein Prei» von
rund 3300 M.
E S a u-
tag nahm am 21. Oft. den umgearbeite
ten Programmentwurf, der in alen
Hauptforderungen dem vom Parteivor
stände vorgelegten Programmentwurfe
entspricht, außerdem aber auch noch bie
Abschaffung aller Gesetze fordert, welche
die Frau in öffentlicher und privatrecht
licher Beziehung dem Manne unterord
nen, unverändert an. In den Bor
stand gewählt wurden: Singer zu»
erste«, Gensch-Berliu zum zweiten Bor
sitzenden, Auer nnd Fischer-Berlin zu
Sekretären, Bebel zum Kasfirer, Ewald
Brandenburg, Dubber- Hamburg, Ka
ben^Dresden, Schulz-Berlin, Herbert
Stettin, Jakody-Berlin und Meister
Hannover zu Kontrolleuren. Der Par
teitag wurde mit einem Hoch auf die
Sozialdemokratie geschlossen. Zum Ort
de» nächsten Parteitage» wurde Berlin
gewählt, ebenso auch zum Sitze der
Parteileitung.
T*'--r
S a
„Strom caique" bringen die „Grenz
boten" in ihrem letzten Hefte folgende
bemerkenswerte Notiz. „Daß der Sohn
eines Regierungspräsidenten beim Adi
turienten-Examen durchfällt, ist zwar
traurig, aber nicht unerhört, daß der
Bater vom Direktor die Arbeiten seines
Sohnes einfordert,
um
da» Urtheil der
Lehrer zu prüfen, ist seltsam, daß der
Direktor diese Forderung abschlägt, ist
erfrischend, daß der Durchgefallene ein
halbes Jahr später bie Prüfung an
eine« anbeten städtischen Gymnasium
mit Auszeichnung besteht, ist merkwür
dig, daß der Direktor dieses städtischen
Gymnasiums bald darauf an eine könig
liche Anstalt berufen wird, ist sehr eigen
tümlich. Ob solche Dinge wohl im
Staate Friedrich de» Großen vorkom
men können?
E a E
niß für Hammerfest, die nördlichste
Stadt Europas, »ar, wie wir der
„Elecrizität- entnehmen, die soeben er
folgte Bollendung einer Einrichtung,
die die ganze Stadt und jede» einzelne
Hau» mit elektrischem Sicht versteht.
Welche Tragweite diese Neuerung für
die Stadt hat, wird erst klar, wenn man
fich die ununterbrochene Dauer einer
nordischen Nacht vom 18. November bis
23. Januar, also von vollen 66 Tagen,
vorstellt. Während dieser Zeit find die
elektrischen Anlagen fortwährend in Be
trieb. Freilich stehen fie vom 16. Mai
bi» 26. Juli wieder gänzlich still, denn
während dieser 71 Tage geht die Sonne
dort bekanntlich nicht unter. Ein Mit
tel, den elektrischen Strom billig herzu
stellen, liegt in der Ausstellung der
Dynamo-Maschinen an drei kleinen,
eine englische Meile nördlich von der
Stadt entfernten, aber mit sehr star
kem Gefälle sich in» Eismeer ergießen
den Flüssen, welche jene in Bewegung
setzen.
a a a
hört-, fo schreibt die „Birmingham
Post", „daß die deutschen Militärbehör
den englischen Offizieren, welche ihre
Fabriken nnb Arsenale zn besichtigen
wünschen, besondere Hindernisse in den
Weg setzen. Oberst Majendie, der Ober
inspektor für Sprengstoffe im Ministe
rium des Innern, welcher die Fabrika
tion des rauchlosen Pulvers kennen zu
lernen wünschte, sagt, daß er gerade die
gegenteilige Erfahrung gemacht hat,
und die deutschen Militärs ihm gegen
über außerordentlich liebenswürdig auf
getreten sind. Nirgends wurden ihm
große Schwierigkeiten bereitet, und er
konnte in zwei oder drei der größten
deutschen Pulverfabriken den Prozeß
eingehend verfolgen. Die britischen
Militärbehörden legen dem Berichtendes
Obersten Majendie große Bedeutung
bei und glauben, daß er fem Thema er
schöpfend behandeln wird. Seine sorg
fältiflen Analysen des Pulvers sollen
manchen bisher dunklen Punkt aufge
hellt haben."
E a
Daily Telegraph" hat die greise Mut-
ter Parnell» besucht und von ihr allerlei Überraschung bereitet.
SS
Interessante» über den verstorbenen er»
fahren, darunter auch die bisher wenig
stenS außerhalb England» wohl ganz
unbekannte Thatsache, baß Parnell vo»
einer spanischen Juden-Familie stammt
Frau Parnell, die ihren Sohn nicht nur
zärtlich geliebt, sondern auch hoch ver
ehrt hat, sprach sich auf da» Heftigste,
wider seine einheimischen Gegner
deren wüthenve Angriffe mittelbar sei»
Ende herbeigeführt hätten. Er sei über
haupt das Opfer seiner politischen Thä-/Z
tigkeit geworden, welche sür seine nicht "I
besonder» starke Konstitution viel zu
aufreibend gewesen sei. Das viele
Sprechen im Freien habe feine Lunge,,
die beständige Aufregung de» poltti»
scheu Kampfe» fein Herz ang^riffen.
Auch feine Gutherzigkeit und Freigebig
feit rühmte die Mutter. Er hade Alle»,
wa» er besaß, theil» für seine Ge
schwister, theil» für die irische Sache
hergegeben und fei ganz arm gestorben.
Seine letzten Gedanken hätten Irland
gegolten, und die Hoffnung, daß das
irische Volk ihm dankbar sein werden'
habe ihn nicht verlassen.
A S
Prager Landesausstellung kam e» v«
Neuem zu lebhaften Straßegdemonstro
tionen de» Pöbel» gegen die Deutsche».
Die sämmtlichen Hauptstraßen und Ge*
bäube, in Denen fich deutsche Vereint
befinden, waren von der Polizei start
besetzt. Gegen acht Uhr Abend» zöge»
Rotten von Hunderten von Persone»
gegen die Stadt. Auf dem Ausstellung»
platze verlangten die Massen von der
fonzertirenden Militärkapelle das Auf
spielen nationaler Lieder al» die» der
Kapellmeister verweigerte, wurde gepfif
fen. Hieraus rückte die Kapelle ab, vo»
Schmährusen de» Pöbel» verfolgt. Der.,
Pöbel ließ sodaan seinen Mutwille»
unter Pereatrufen vor dem deutsche»
Theater au». Auf dem Josephsplatze
griffen 40 Wachleute die Menge an, die
fich in Folge dessen zerstreute Bald
darauf zog eine starte Rotte vor da»
deutsche Kasino und johlte, pftiff nnd
schrie auch hier, bis die Wache aber
mal» einschritt. Die Menge wendete
sich alsdann gegen daS Hau» des deut
schen Handwerkervereins auch hier
mußte die Wache kräftig eingreifen.
Hehn Personen sind verwundet worden.,
E a
such wurde dieser Tage, wie die Lon»
doner „Allg. Korr.- zu berichten weiß,
im Hofen von Portsmouth unternom
men, um festzustellen, ob ein Torpedo»
Boot bei einer Geschwindigkeit von 1®
Knoten in der Stunde einen Sperrbam»
einzurennen vermag. Zn diesem Zweit
war ein 70 Fuß langer und an der
Oberfläche mit starken «fernen Nägel»'
versehener Stamm zwischen zwei Lich
terschiffen befestigt nnb über ihn noch ei*
siebenzölliges Drahtseil gezogen. Ei»
Torpedoboot erster Klasse war zu bent
gefährlichen Versuch ausersehen. Die
Admiralität hatte zuvor das Leben de»
Kommandeur», de» Lieutenants Stur
dee, und der fünf Mann starken Be
satzung versichert. Auf dem Schiff be-.
fand sich ein von der einen zur ander»
Seite gehender Oberbau, der dem Draht»
seil Widerstand entgegensetzen sollte.
Mit vollem Dampf fuhr da» Torpedo»
Boot gegen da» Hinderniß, ohne diese»
ans dem Wege zu schaffen, da da»
Drahtseil nicht allein den Anprall aus»
hielt, fondern noch obendrein das an»
greifende Schiff auf die eisernen Näget
des Speerbaums herabdrückte. Nach»
dem da» Torpedo-Boot längere Zett t»
dieser unbequemen Lage zugebracht, ge
lang e» ihm endlich, wieder loSznkom»
men. E» ging jedoch unter, ehe e» die
Küste erreicht hatte. Der Offizier und
die Mannschaft hatten sich vorher geret
tet.
such des in Berlin in der Sommerstraße
dem ReichStagS-Neubau gegenüber er
richteten Musterhauses ber Baugesell
schaft „Eigenhau»- hat der deutsche
Kaiser befohlen, daß für ihn zwei solcher
Häuser, deren Besetzung er sich vorbe
halten hat, erbaut werden sollen. „Der
hierin liegenden Anerkennung der Be
strebungen der Gesellschaft, welche de»
arbeitenden Klassen ein billige» unt*
zweckmäßiges eigenes Heim schaffen will,
lag so schreibt ber „ReichSanz.
der Wunsch zu Grunde, daß die mit
GlückSgütern gesegneten wohlhabendere»
Klaffen dem Beispiel folgen und auch
ihrerseits durch ähnliche Zuwendunge»
bewährten und wohlverdienten Arbet
terfanulien zur Erlangung einer behag
lichen Wohnftätte verhelfen möchten.
Wenn es auch manchen Arbeitern bei
den von der Gesellschaft ausgestellte»
Bedingungen möglich sein wird, nach
und nach ans eigenen Mitteln sich in
den Besitz eines Häuschens zu bringen»
so werden doch andrerseits viele und ge,
wiß auch oft die besten und tüchtigste»
Arbeiter dazu nicht im Stande sein.
a
reichen Klassen die beste Gelegenheit ge
geben, ein gutes Werk zu thun, indem
sie Arbeiterhäuser errichten helfen, bete»
Besetzung mit würdigen Arbeitern vott
ihrem Ermessen abhängen kann. E»
ist zn hoffen, daß sich Männer finden
werden, die der Anregung des deutschen^
Kaisers Vcrständniß entgegenbringen
und dem Beispiel folgen, welchss ver
selbe in hochherziger Weise gegeben hat."
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bart des deutschen Kaisers nicht
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beson-^
ders gefallen zu haben scheint, so hnt
sich der Kaiser, wie schon telegraphisch
gemeldet, denselben abnehmen lassen und
der Kaiserin damit eine Geburtstags-,
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