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Der fortschritt. [volume] (New Ulm, Minn.) 1891-1915, April 06, 1893, Image 3

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Zu einem Kampse
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(rriivrc werden na iiiiiiiiißUtc.u (Si
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In Der fyutptfrm T:g:c^i!y.l fiiljrt
U/.iiciiU BltSljuez nc Lchl
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Zufolge den neuesten über Panama
eingetroffenen Nachnchten ist es in der
Nähe von Tatumbla in der mittelame
rikanischen Republik Honduras zu ei
nem blutigen Zusammenstoß zwischen
Revolutionären und Regierungstruj)
pen gekommen. Eine starke Abthei
lung der Letzteren Aar unter oem
Oberbefehl deS Generals Villela ausge
rückt, um den auf die Hauptstadt %t*
gucicalpa losmarschirenden Revolutio-,
nären den Weg zu verlegen. Bon Ta-1
tumbla aus rückte der südliche Flügel
der revolutionären Armee unter Gene
ral Sierra, gemeinschaftlich mit dem
von General Rayua befehligten östlichen
Flügel der. Revolutionären auf die
Hauptstadt Tegucicalpa los. Der öst
liche Flügel unter General Rahna be
fand sich etwa vier Meilen hinter den
Truppen des Generals Sierra.
Für den Befehlshaber der revolutio
nären Truppen in Tatumbla war der
Anmarsch des General Villela eine völ
lige Ueberraschung. Sierra hatte auf
einer Anhöhe vor der Stadt an der nach
Tegucicalpa führende Straße eine Ab
theilung Reiterei aufgestellt, die jedoch
das Herannahen des Feindes erst be
merkte, als der Letztere bereits zum
Angriff geschritten war. Trotz der to
desmuthigen Tapferkeit des Reiteran
führers und seiner Leute wurden diefel
den jedoch in der Richtung der Stadt
zurückgeworfen, jedoch in kurzer Zeit,
nachdem Verstärkung von General
Sierra eingetieften war, wurden die
Regierungstruppen zum Rückzüge ge
zwungen. General Reyna's Truppen
rückten dann im Sturmschritte vor, Ge
neral Rosa mit zwei Compagn'en an
der Spitze. Der Kampf hatte so spät
am Tage begonnen, daß das Schießen
wegen der Dunkelheit eingestellt werden
mußte, als General Rosa zur Unter
stützung der in Tatumbla liegenden
Streitkräfte eintraf. General Villela
zog sich mit seinen Leuten auf eine kurze
Entfernung zurück, um am nächsten
Morgen den Kampf zu erneuern.
Bei Anbruch des Tages erneuerte
Gen. Vill?la seinen Angriff und ein
heißes Feuergefecht entwickelte sich auf
der ganzen Linie. Ein detachirtes
Corps Reyna hatte die Stellung der
Regierungstruppen umgangen und fei
denselben in den Rücken, worauf sie
sich in wilder Flucht zurückzogen. Die
Sieger drängten energisch nach und
Villela entkam nur von 50 Soldaten
begleitet nach La Montamka. Die Ver
folger gaben keinen Pardon uno metzel
ten alle G.fangenen, die ihnen in die
Hände sielen nieder. Während der
Schlacht waren an jeder Seite etwa
100 Mann gefallen.
Weitere Depeschen aus Honduras
melden, daß die Lage des Präsidenten
Agueto eine verzweifelte ist. Der
selbe ist thatsächlich ein Gefangener
des General Vasquez, der mit Dr.
Bonilla um die Herrschaft streitet.
Gesetzlosigkeit und Schreckensherrschaft
besteht in Tegucigalpa. Das Eigen
thum und die Familien derer, welcher
der Sympathie mit den Aufständigen
verdächtigt sind, schwebten in steter Ge-j
fahr und scheußliche Grausamkeiten ge
cen Freuen und Kinder sind an der
Tagesordnung.
Gen. Sierra und Dr. Bonilla be*
buhen die Hauptstadt.
Wie ist evc\i geworden.
Hamburg erhielt im 12. Jahrhundert
für die Instandsetzung und Sicherung
seines Fahrwassers und der unteren
Elbe vom Kaiser Friedrich Barbarossa
mittelst Freibriefes das Stapel- und
Zoll Privilegium, Auf \Grund des
Stapelprivilegiums, worüber die Harn
burger mit großem Eifer wachten,
durften an Hamburg keine Handelsgü
ter, weder land- n:ch fluß- oder see
wärts vorbeigefahren werden, ohne in
der Stadt den Bürgern oder Berechtig
ten zu Kauf angeboten zu werden.
Von den Gütern, die in der Stadt zum
Konsum ober Weiterverkauf blieben, er
hob die Stadt ebenfalls ihm Zoll.
Das „große" Stapelrecht brachte es mit
sich, daß die durchgehenden Güter nur
mit Land- und Wasserfahrzeugen wei
ter befördert rdeit durften, welche den
betreffenden Städten gehörten. Frem
de Kaufleute, „Gäste" genannt, durften
selbst bei nur durchgehenden Waaren
nicht unter- und mit einander kaufen
und verkaufen. Freihäfen gab es im
Mittelalter überhaupt noch nicht. Die
Holstein'fchen Herzoge, welche 1440 den
Thron von Dänemark bestiegen hat
ten, bestritten Hamburg die Reichsfrei
bett und wollten es wieder zu ihrer
landsässigen Stadt machen. Zu ihren
Angriffsversuchen gehört es auch, daß
sr*
König Friedrich der Dritte im Jahre
1664 den Flecken Altona zu einer
Stadt ex hob und ihr, vorläufig auf
zehn Jahre, Zollfreiheit gewährte.
Sein Zweck, die Schädigung Ham
burgs, gelang ihm dadurch vollständig.
Lange Zeit hatte Hamburg gegen di
Konkurrenz der Nachbarstadt anz {Hm
psen. Doch dieser Kamps gereichte ihm
zum Segen. Altona wurde für Ham
burg der Pfahl im Fleisch Es regte
den damals noch etwas schwerfälligen
Unternehmungsgeist der Hamburger an
und?wanci sie, die ihren Handel been
genden Fesseln zu sprengen. Die erste
nachweisbare Anregung zur Errichtung
eins Freihafens in Hamburg wird in
den Protokollen der Commerzdeputir
ten unterm 21. November 1692 gefun
den. Die alten Hamburger wehrten
sich sehr gegen die neue Idee und sagten
ihrer Vaterstadt Unterging voraus.
Die Verhandlungen darüber dauerten
bis 1713 und das Resultat derselben
war zunächst gering. Es wurde ver
suchsweise eine jeder Zeit zurücknehm
oare Erleichterung der Durchfuhr ge
stattet. Die Waaren mußten Plombirt
und spätestens nach sechs Monqten un
eröffnet wieder ausgeführt werden, wi
drigenfalls der volle Zoll erhohen wur
de. Was davon in Hamburg bei lauft
wurde, bekam die Transtt-Abgabe nicht
zurück und mußte dazu den vollen Zoll
bezahlen. Korn, Wein, Branntwein,
Essig waren vom Transit ausgefchlof
sen Holz, Kupfer, Eisen wurden erst
später zugelassen. Doch war dtfer
Schritt von großer Bedeutung: eS war
endlich der Stapelzwang aufgegeben
und man sah, daß das ging, ohn daß
Hamburg dab.i einstürzte. Auf dem
eingeschlagenen Wege mußte nun von
selbst ein Schritt nach dem anderen fol
gen. Altona blieb dabei der Sporn,
da dieses nun'neben der Handelsfreiheit
auch Gewerbefreiheit, namentlich Brau
fmheit erhielt, während Hamburg noch
einen dicken Zopf gewerblicher Einrich
lungert und alter Anschauungen im
Nacken sitzen halt und den Resormirten
nicht einmal stillen Gottesdienst gestat
tete. Auch waren in Altono die eigent
lichen Konsumtionsgaben billiger, so
daß in Folge der dort herrschenden ge
ringen Lohne und billigen Lebensmittel
die Hamburger Rheder ihre Sch ff.'
meist in Altona verproviantirten. Ne
ben die Eoncutrenz Altona's un? dann
an Stelle detselben trat später die
der holländischen Hafenplätze und in
neuester Zeit mit gewichtigem Einfluß
die Antwerpens. Durch die Konkur
renz tourdl Hamburg gezwungen, die
widerstrebenden Vorurtheile der am
Alten so sehr Hängenden aufzugeben,
und es gelangte auch Schritt für
Sch'itt vorwärts unb endlich erst in
unseren Tagen, im Jahre 1874, zu
voller Zollfreiheit. Streng ce.iommen
existirt erst se'.tbem ein Hamburger
Freihafen,und indem es im Kampfe
mit der Konkurrenz feine Thatkraft
stählte und zu immer weiteren Ver
kehrserleichterungen gedrängt wurde,
ist Hamburg, das Jahrhunderte lanq
und noch zur Zeit der Hanfablüthe nur
eine bescheidene Rolle spielte, groß ge
worden, zur ersten Handelsstadt des
europäischen Kontinents herangewach
sen. Der freie Wettbewerb, welcher
von maßgebenden Streifen oft zurückge
drängt worden ist und zurückgedrängt
wird, ist immer der Urspung alles Gro
ßen gewesen und wird es auch ferner
sein.
Fraztzösislhe (tietternie.
Unter den Befehlshabern de« großen
Napoleon gab es eine Anzahl echter
Teufel, aber auch brave Mannec von
Herz und Geist. Wir erinnern an ei
nige Persönlichkeiten, die I80d in Tirol
kommend,Brten. General Bara uay
d'Hilliers entließ nach d:tt mörderischen
Kämpfen bei Spinges die gefangenen
Bauern, damit sie, wie er ausdrücklich
erklärte, in den Schooß ihrer trauern
den .'Familien zurückkehren könnten,
da die „große Nation" nur mit den
Soldaten des Kaisers Krieg führe.
General Almeras, der sich nur mit
Mühe und Noch in Bruneck der stür
menden Bauern erwährt.', schütz di:
Stadt vor Plünderung, die Einwohner
vor Mißhandlung und ließ keine ein
zige Hinrichtung rollziehen, so daß man
ihm nach Jahrzehnten, als sein Gebeine
längst in spanisch Eide moderten, ein
ein dankbares Andenken bewahre. Aber
im Landgerichtsbezirk Welsberg, zu
welchem das Dörfchen Mitterolang ge
hörte, waltete der herzlose Broufsier
der ein Liebhaber der Bekehrungs
Methobe durch Pulver und Blei war
und den Exekutions-Pe^owns fleißig
zu thun gib. Er Ii den Pfarrer von
Virgen und seinen Cooperator, die Bei
de nie eine Waffe angerührt, kurzweg
erschießen. Tag und Nacht spürten
Streifpatrouillen Jenen nach, welche
sich verborgen hielten.
Zu diesen zählte auch Peter Sig
rnair, der nur Oberlieutenant bei den
Ausständigen gewesen war und nach
dem auf Broufsiers Befehl eifrig ge
fahndet ward. Als man ihn nicht
entdecken konnte, verfiel der General
auf ein teuflisches Mittel. Er ließ
Peters Vater, den gre'sen Tharerwirth
Georg Sigmair, verhaften und durch
öffentlichen Anschlag verkünden, wenn
sick der Sohn nicht binnen drei Tagen
stellte, würde der Alte an seiner Statt
süftliri. Da kam der Flüchtling aus
feinem sicheren Versteck hervor und
überlieferte sich den Feinden. Das
5anze Dorf weinte, als er kam
Broufsier blieb ungerührt. Er ver
schärfte das Todesurtheil gegen den
feldenmmhigm Sohn durch den bar
barifchen Zusatz, er solle vor seinem
Vaterhause erschossen und dann feine
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*f!f w.7/ \^ATfs vr' f...- Sn
Leiche zum abschreckenden Beispiele an
einem Galgen aufgehängt werden.
Peters Frau wirft sich mit ihren fiel»
nen Kindern dem General zu Füßen
und bittet um Barmherzigkeit. Ver
gebens Broufsier bleibt hat* wie ein
Felsblock, und die einz'ge Milderung
der Strafe, welche er gewährt, besteht
darin, da Peter Sigmair auf einem
andern Platz: sterben und dann christ
lich begraben werben darf. Am 2J.
Janirr 1810 sank der Sechsunddrei
ßigjährige, von französischen Kugeln
durchbohrt, tor einer deinen Kapelle.
tf-ittc (Srriiuicrunw an Lndwig tiitt«
denschmitt.
Im Hofraum des Mainzer Gymna
siurns befindet sich neben dem Haupt
portal ein achteckiger Treppenthurm,
dessen ausgetretene Steinstufen zu
dem geräumigen Zeichensaale hinauf
führten, in welchem weiland Ludwig
Lindenschmitt seinen Unterricht ei
theilte. Zwischen der Wendeltreppe und
dem. Eingang zum Saale war ein
dunkler Gang eingeschaltet, der als
Stapelplatz unserer Kunstproduktionen
verwendet wurde. In diesem dunk
len Räume hat Lindenschmitt einmal
ein Stückchen Pädagogik ausge/ihrt,
das mir und manchem der allerdings
nur passiv Betheiligten wohl zeitlebens
in Erinnerung bleibt. Wir waren be
teils ausgewachsene Primaner und
vielversprechende Hoffnungen auf
Schnurr- und Backenbärte zeigt sich
in unseren Gesichtern, die aber von
der Direktion Bone als „Schmutz" be
handelt und strengstens verfolgt wur
den, als wir unser Selbstgefühl noch
einmal ganz wesentl'ch he abzustimmen
gezwungen waren. Wir hatten näm
lich während der Zehnuhrpause unter
einander verabredet, immer Einer itadh
dem Andern möglichst geräuschvoll die
Wenocltrepp? hinaufsteigen, in dem
dunklen Gange die uns wohlbekannte
Thür zu tasten und dann schweigend
in den Zeichensaal einzutreten. Ich
war einer der Ersten, dem d'.es auch
olitv jegliche Gefährdung gelang. Aber
nicht fange, so hatte Lindenschmitt, der
sinnend wie immer durch den Saal
omenirte, unseren Plan durchschaut
und war still im dunklen Gängchen.
verschwunden. Eine halbe ahnungs
volle Minute mochte bestrichen fein,
als der Nestor unserer ganzen Klasse,
ein riesiger Fulder, der bernts bei der
A titterie gedi nt hatte, un!e der Thüre
erschien und uns für alle Be heiligten
tiemhmtich gcnu:j zur ef: „Da steht er.
e' kriegt Jeder eine Ohrfeig'! Ich
Hab' alleweil auch eine gek.iegt." Nun
war is für uns ein ergötzlicher Anblick,
einen nach dem anderen, unsere Ko
militonen eintreten zu sehen, wie sie,
je nachd.m es gerade aufgefahren war,
bald mehr das linke Ohr, bald mehr
den dazu gehörigen Backen rieben. So
ging das eine geraume Weil: fort, bis
alle 24 im Saale war n: bann erschien
als der letzt«: Lindenschmitt. Mit
überraschender Schnelligkeit hatte er
die oben angedeutete Prozedur auch bei
den drei od«r vier zuerst eingetretenen
nachgeholt und ohne, biß auch nur ein
Wort geredet worden wäre, begann n?r
Unterricht. Ob wohl noch viefc leben
von denen, die damals hoffentlich ihre
letzte Ohrfeige bezogen hotten? Sicher
keiner, der es dem hochverdienten Man
ne irgend wie nachgetragen hätte!
Weinheim. Dr. K.
Künstliche sütiyttsseiatio tu 5alt»
f/Tt. tut.
Pläne zu einem der größten Bewäs
serungssysteme, we'ches je in den Ver.
Staaten unternommen wurde, sind
entworfen worden. Es handelt sich
nämlich darum, einen großen Theil der
Mojave-Wüste in Süd-Calisornien ur
bar zu machen. Minnejota'er Kapi
talistin haben von der Hefp:ria Lano
und Wasserbau-Gesellschaft" bereits
das Anrecht auf das Wasser des Mo
jave-Flusses und Grund und Boden
zur Anlage eines Dammes an dem
Victoria-Engpasse, nahe der Süd
kalifornischen Eisenhahn, ungefähr 50
Meilen nördlich von San Bernardino,
erworben. Hier, wo hohe Grant feisen
nahe zusammenkommen, soll ein 170
Fuß hoher und 150 Fuß langer Damm
gebaut werden ,damit sich hier das
Wasser des Mo jave-Flusses ansammle
einen See bilde, welcher 250,000
Acres Rezierungsland mit Wasser ver
sehen würde.
Dieses Land foll dann in gewohn
ter Weise an Ansiedler vergeben wirden.
Die Kompagnie be echnet $40 für Mas
ser per Acre. Sie verpflichtet sich auch,
unter Umständen Land zu $50 per
Acre zurückzukaufen. Die Zahlungs
trnnine können weit hinausgeschoben
werden.
Die Kosten des Unternehmens wer
den auf $1,500,000 geschätzt. Mehrere,
tausend' Dollars find bereits für Ver
messungen verausgabt worden.
S3 tmehrt werdenn die Aussagen
dadurch werden, daß die Geleise der
Süd-Ealisornischen Bahn wegen der
neuen Anlagen verlegt werden müs
fett. Und hierfür würde natürlich die
neue Gesellschaft zu zahlen haben
Der Erfolg des Unternehmens hängt
begreiflicher Weife von der Schnellig
keit ab, mit der das künstlich bewäs
serte Sar an den Mann gebracht wer
den kann. Hier aber beruht die Er
wartung einer ersprießlichen Zukunft
auf gewissen gegenwärtigen Ersahrun
gen. Denn in der Nachbarschaft der
Mojavewüste sind bereits einige Stücke
Land, die it Jahrzehnten wüste oe
wesen waren, durch künstliche Bewäs
serungen in wah Fruchtgärten umge
wandelt.
1,
ödö tostet die Entdeckung Ameri
ta'-?
Diese Frage stellt und beaniwor et
Professor Sophus Rüge im „Globus."
Die Summe, um die es sich bei der
Ausrüstung der ersten cu3 ei einen
Schiffen lestehenden Flotte des Eolum
bus handelte, wird in den Urkunden
immer gleichlautend auf 1,14),COD
Maravedies beziffert. Wie el aber
diese Summe in unserem etfce beträgt,
das ist nicht sc leicht zu berechnen,
da die Ansichten über den Werth eir.es
Maravedis sehr auseinandergehen.
Der Maravedi (eine maurische Be
zeichnung) war eine kleine Münze, in
der am Ende des 15. und Anfang des
16. Jahrhunderts (als der Zeit, die
hier in Frage kommt) alle Preisangi
ben gemacht wurden, auch wenn die
Zahl in die Millionen ging. Nun ist
ja bekannt, daß fast alle unlet .inem be
stimmten Namen geprägten l'7?ütiden
im Laufe der Jahrhunderte im Wei the
immer schlechter g.worden sind. Die rö
mischen Silberd.nare wurden schließ
lich zu gemeinen Kupfermünzen, in
Frankreich denier genannt, um ihr Ab
kürzungszeichen, im Englischen d, im
Deutschen das bekannte Psecmsigzei
chen, dient zur Bezeichnung der Psg.
Aus dem unsprünglich, wie es auch der
Name verlangt, wirklich goldenin Gul
den, ist längst ein Silberstück geworden,
das nirgends mehr den Werth von 2
Mark hat. So ist auch der Maravedi
in feinem Werthe mehr und mehr xe
sunlen und hat schon vor hundert
Jahren kaum noch die Bedeutung eines
Pfennigs. Man darf also auch rück
wärts schließen, daß er vor vierhundert
Jahren mehr galt.
Unter Bezugnahme auf einige Ver
fügungen Ferdinands und Isabellas
gelangt Rüge zu dem Schluß, daß der
Werth eines Morovcdts 2,56 Pse t.ig
nach heutigem deutschem Gelbe betrug.
Demnach beträgt bie Gesammtsumme
von 1,140,000 Maravebis, bie von der
Königin beigesteuert werben mußte,ge
nau 29,184 Mark nach deutschem oder
$7,104.16 nach amerikanischem Gelbe.
Der höhere Gelbwerth jener Zeit ist na
türlich nicht in Anschlag gebracht, unb
ebensowenig ist berücksichtigt, daß die
Stadt Polos, wegen früherer Vergehen,
aus ihren Mitteln zwei bemannte und
ausgerüstete Karawelen auf 12 Mona
te zu stellen hatte.
Dem Staate kostete also die Entde
ckungsfahrt noch nicht 30,000 Mark.
Davon b. kamen der Admiral als Iah
resgehalt 1280 Mark, die Kapitäne
Martin, Juan und Anton Perez jeder
768 Mark, die Piloten 512 bis 614
Mark und ein Chirurg gar nur 153
Mark 60 Psg. Die Matrosen erhiel
ten für Lebensmittel u. f. w. jeden Mo
nat einen Dukaten zu 375 Maradevis
oder 9 Mark 60 Pfg.
2ic hmtfiiKu Ztinh'u1 zur
Bekanntlich hält die deutsche Reichs
Regierung den Bau moderner Schiffe
für nothwendig, um ihre Flotte zu mo
derntsiren, da die meisten ihrer Panzer
schiffe schon 18 bis 25 Jahre alt sind,
während in den beiden letzten Jahrzchn
ten der Bau von Kriegsschiffen die un
I geheuersten Fortschritte gemacht hat.
Der Reichstag hat aber die Förderung
für den Bau von sieben neuen Schlacht
Schiffen vrworfen.
Die deutsche Flotte hatte Anfangs
1892 im Ganzen 76 Dampfer, nämlich
13 Panzerschiffe (von je
7fU)0
Drei neue Kreuzer und der Aviso
„Hohenzollern" sind 1892 der deut
schen Flotte zugetreten, zwei als Ersatz
für die zwei zu Samoa vor ein paar
Jahren verunglückten „Adler" und
„Eber". Die deutsche Kreuzer-Flotte,
sagt die „Norbbeutsche Allgemeine"
(Regierungs-Organ), zeigt aber nach
wie vor im Vergleich zu ben übrigen
See-Mächten eine unverhältnißmäßige
Schwäche, obgleich bie deutsche Hanbels
Flotte als bie zweitgrößte ber Welt ge
rabe biefer Masse von Kriegskräften
am Nöthigften feebarf."
Von den zur Flotten-Revue Enbe
April in New York beorbertet?
ten schiffen ist bie Kreuzer-Korvette
„Kaiserin Auguste" bas größte. Es ist
bas erste beutfche Kriegsschiff, welches
brei Schrauben erhielt, bie von brei von
einanber gänzlich unabhängigen Ma
schinen bewegt wirb. Sie liegen in
derselben Horizontalebene, bie mittlere
hinter dem Achtersteven, die beiden an
deren an beiden Seiten des Hinter
theils, hinter besonderen Schraubenbö
cken. Jede Maschine ist für eine Lei
stung von 4000 indizirten Pferdekräf
ten konstruirt, fo daß die neue Kreuzer
Korvette, die jetzt in der deutschen Ma
rine unerreicht dastehende Maschinen
leistung von 12,000 Pferdekräften be
sitzt, welche dem Schiffe eine Fahrge
schwindigkeit von 20 Seemeilen in der
Stunde giebt.
Die Maschinen sind vertikal nach
dem System d:r stufenweisen Expan
sion in drei Eylindern. Der zum Be
trieb ber Maschinen ersorberliche Durck
wird in 8 Kesseln erzeugt, in drei von
t!|IT
einander wasserdicht getrennten Kessel
räumen. Neben den Hauptmaschinen
sind zahltet*« Hülfsmafchtnen vorhan
den. Das Schiff ist mit elektrischer
Jnnenbeleuchtung und für Tropenfahr
ten mit Eisapparaten ausgerüstet und
hat Torpedo-Armirung. De? Schiffs
körper ist aus deutschem Stahl erbaut
und hat folgende HauptdiPensionen:
Länge 118 Met.'r, Breite 15 Meter,
Tiefganz 6.85 Meier. Die Attillerie
Armirung besteht aus zehn 15-Zenti
m:te- Geschützen und mehreren 8.7
Zentimcter Schnellst. er-Kano.ten.
reuzet „Seeadler", der im Feb
-uar 1893 v:m Stapel lief, hat 1640
Tonengehalt, 2800 Pferdetraft und 8
10.5 Zentimeter Ring-Geschütze.
Man sieht also, daß Deutschland
zwei Modellschiffe allerneuester Kon
fttuetion unb Armirung zur Flotten
Parade schickt, was für Sachkenner von
größerem Werth ist, als die Sendung
eines ganzen großen Geschwaders ver
alteter oder doch nicht ganz moderner
Schiffs-Koloffe.
Ausland,
E l.s aß-L
S a
Kaisermanöver in Elsaß-Lothringen
sollen mit ganz besonderem Glänze
in's Werk gesetzt we.den. Außer dem
Kaiser werben die meisten deutschen
Fürsten persönlich cdec durch Mitgl e
det ihrer Häuser dabei vertre'en sein.
Auch rtreter des Kaiser? von Oester
reich, vielleicht auch des Königs von
Italien, werden dazu erwartet. In
der Nähe von Metz wird die große
Kaiserparade stat finden. An dieser
wird auch die bay tische 10. Jnfinterie
Bngade teilnehmen, die für die Zeit
ber großen Herbstübungen bie Besatz
ung von Metz bilbett wirb. Neben ben
glättzenben militärischen Veranstalun
gen sollen auch größere Festlichkeiten
stattfinben, welche seitens der staatlichen
und städtischen Behörden dem Kaiser
und dessen fürstlichen Gästen zu Ehren
gegeben werden. Di se Kaisermanöver
waren schon für den letzten Herbst ge
plant, aber wegen der Eholeragefahr
vom Kaiser abgesagt worden.
O
Tonnen
Gehalt), 16 kleinere Panzerfahrzeuge,
6 Kreuzerfregatten, lv Krcuzerkorvet
ten (je 2500 Tonnen Gehalt), 6 Kreu
zer, 4 Kanonenboote, ufio. mit mehr
als 500 Geschützen, 186,252 Tonnen
Gehalt und einer Besatzung von 18,
051 Mann. Die Ver. Staaten Flotte
hat, nur 8000 Mann Besatzung. Sie
hat 1 Admiral, 2 Bice-Admiräle, 7
Kontre-Admiräle, 34 Kapitäne zur
See, 75 Korvetten-Kapitäne, 129 Ka
pitän-Lieutenants, 199 Lieutenants u.
s. w., im Ganzen 597 Offiziere. Die
Zahl der Matrosen beträgt ab:r 14,003
Mann und die Marinetruppen zählen
40 Offiziere und 1200 Mann.
"*~K unowitz. Der Schaden, w:l
chetidaS letzt eHochwasser hier angerich
tet hat, ist ein enormer, ein weit hohe
rer, als in einem ber früheren Jahre.
Die warmen Witterung und der Regen
der letzten Tage haben der hier vorbei
fließenden Olsova so große Mengen
Wasser zugeführt, daß diese alsbald
über die Ufer traten und viele Dämme
zerstörten. Dabei war der Fluß noch
in seinem ganzen Laufe festgefroren.
Schon glaubte man am 25. gebuar
alle Gefahr vorüber, als in der Nacht
abermals das Wasser rapid stieg und
dadurch der Eisgang in Bewegung kam.
Die an den Usern Wohnenden hatten
kaum Zeit, nur die no hwendigsten
Gegenstände und das Vieh zu retten.
Neun Häuser wurden nahezu ganz zer
stört und viele sind derart unterwa
fchen, da sie mit dem Einsturz drohen.
Ein großer Theil des Marktes glich ei
nem See.
a
Ingenieur Franz Krizik die Koncession
zum Baue und Betrieb einet Lokalbahn
mit elektrischem Betriebe von der Bei
vedere-Anhöhe in Prag bis zum Lust
schlosse in Bubentsch ertheilt. Diese
1. 4 Km. lange Bahnanlage hat ihren
Ausgangspunkt auf der Belvedere-An
höhe unmittelbar neben der Endstation
der dorthin führenden städtischen
Drahtseilbahn und ihren Endpunit
nächst dem Luftschlosse in Bubentsch.
Die mit 80,000 veranschlagten Kosten
der. Bahnanlage werben aus ben etge
nen Mitteln bes Untern hrnens bestrit
ten.
a a
mann Jfef Vojtek, welcher wieberholt
als nationaler Agitator hervortrat unb
im Vorjahre in Wien den rufsisch-or
thodoxen Glau6.it annahm, unter ber
Anfchulbigung des .Hochverraths ver
haftet und dem Olmützer Preisgerichte
eingeliefert.
vorgenommenen Wahl eines Reichs
raths-Abgeorbneten für bie Lanbge
meinben von Reichenberg, Ftieblartb,
Gablonz, Tannenwald, Böhmisch-Aiche
und Rochlitz wurde der Kandidat der
deutsch-liberalen Partei, der Reichen
6?r— Rezi?ksobmann Ferdinand Äng
sten,'mit 220 von 362 Stimmen ge
wählt.
S
"v
W a o-
ßen Rath im Kanton Tessin siegten die
Liberalen. Das voraussichtliche Wahl
ergebniß wird sein: 51 Liberale und
40 Conservative.
Die Direction der eidgenössischen
Bauten hat fämmtlichen National- und
Ständeräthen die neuesten P.äne des
Entwurfes für ein eidgenössisches Par
lament "gebäude zusammen lassen und
soll in der nächsten Sitzung ein Ent-^
scheid darüber gefällt werden. Der Bau
wird zweifellos der hevorragendste der
ganzen Schweiz werden und hat die,
Sta^ B:rn zu den auf mehrere Milli-!
veranschlagten Kosten 500,000
Franken, der Staat Bern 200,000
Franken bewillig'.
a a S
gerfest, welches am 8., 9. und 10. Juli
in Basel stattfindet, wird da8 bisher
amstärksten besuchte schweizerische Sän
gerfest werden. Bis jetzt haben sich 85
schweizerische Gesangvereine mit rund
5800 Mitgliedern angemeldet. Dazu
kommen noch drei Baseler Vereine, de
ren Mitgliederstand ein hoher ist, fer
ner einige ausländische, an welche be­
-v
sondere Einladungen ergangen sind zu
denselben gehören die befreundeten et
sten Mänmtchöre o.i Stuttgart», Frei
burg, Karls uh,*, Frankfurt und ein
schweizerischer Gesangchor in Paris.
Die von dem Bas:ler Civilgeticht und
Obergericht von Base'.land in dem
Prozesse gegen die Jura-Simplon
Bahn wegen der Mönchensteiner Eisen
bahn-Katastrophe vom 14. Juni 1891
gefällten Urth ile sind von dem Bu ideS
gerichte umgestoßen Vörden. Das Bun
desgerift hat di" Frage, ob grobe
FtuLssigfeit vorliege, mit 8 gen 1
Stimme vermint.
Den Inhabern von Anlei
he^einen der 4prozentigen Anleihe von
1882 wird das Recht eingeräumt, ihre
Titel gegen neue 3 1—2prozentige Ti
tel umzutauschen, wobei bie näheren
Bedingungen erst durch großherzogli
chen Beschluß festgestellt werden sollen,
^nn ist überzeugt, daß die Kammer
den Entwurf genehmigen wird.
Die „Sydney Eaening News" theilt
cin.n angeblich echten Brief Professor
Garner's, des Erforschers der Affen
spräche mit. Das Schreiben ist dotirt
aus Sierra Leone, Westafrika, 16.
September 1892 und an einen Bruder
des Professors in Australien gerichtet.
„Ich habe", so beginnt es, „einen Er
folg gehabt, der meine kühnsten Träu
me übersteigt und bin hier in Sicher
heit an der Küste, als glücklicher
scher eines Schimpanse, der „Tena koe
Pakeha" sagen kamt, das heißt in
Maori „Guten Tag, Fremder",, fer
ner eines Gorilla, der zwanzig Worte
des Fijianifchen kann, 'und eines
Orang-Utang-Weibchens,
das von mei
nem deutschen Diener, in den es ganz
verliebt ist, „Donner und Blitz" aus
geschnappt hat. Ich Hab: außerdem,
was noch wichtiger, viele Affenworte
niedergeschrieben. Hier sind einige
Proben: „Achru" {bedeutet Sonne,
Wärme, Feuer, „Rukcha" heißt Wasser,
Regen, lalt und bedeutet offenbar alles
Unangenehme, „gofhku" Futter, Essen.
Da kannst aus Obigem ersehen, daß
es eine sehr primitive Sprache ist, sie
befttit vielleicht nicht mehr als zwan
zig oder breijjiig Wörter, die ich alle
besitze, so ddß mein Versuch nun prak
tisch zu Ende ist." Der Professor er
zählt dann, wie er 120 Meilen in einen
von Affen wimmelnden Urwald ein
drang. „Ich stellte meine Batterie mit
dein Phonographen und dem sich dre
henden Spiegel in ein Bananengebüsch
und verbarg mich 50 bis 60 Meter
davon. Der glitzernde Spiegel lockte
sogleich einen Haufen schwatzender Af
fen an ich beobachtete sie für eine
Stunde und näherte mich dann vorsich
tig. Als sie mich sahen, verschwanden
sie alle wie durch Zauber mit Ausnah
me eines einzigen Schimpansen. Als
ich mich ihm näherte, fand ich, daß er
keine Notiz von mir nahm, sondern
wie versteinert dastand, und mit weit
ausgesperrten Augen und erweiterten
Pupillen den Spiegel anstarrte.
Eine leichte zitternde Bewegung lie\
durch seine Glieder, ferne Ohren zuck
ten krampfhaft. Ich konnte kaum
meinen Augen glauben: der Affe war
hypnotisirt! Er ließ zuweilen einen
Kehllaut HÄren, wjie „achru", einen.
Laut, den ich nachher in meinem Pho
nogramm immer wiederkehren hörte.
Ick fetzte den Affen in einen Bambus
käfig und fand ihn nach einer Stunde
bei erneuter Prüfung immer noch un
ter hypnotischem Einfluß. Ich be
lebte ihn mit einer starken Dosts Am
moniak und hielt ihm eine brennende
Kerze unter die Augen. Er sagte
wieder „achru" und einige weitere Ex
perimente b.wiesen mir, daß dies
„Hitze", „Licht", „Wärme" usw. be
beute. Anbere Worte folgen unb es
ist wunbervoll, feine etwachenbe In
telligenz zu ver olgen. Den Gortlla
fing ich auf btefelbe Weise unb ich
machte Jack den Schimpansen zu set
nem Meister
-^Jn Jnbianapolis brannte
die Jnbianapolis Plaster Hair Fabrik,
welche ber Firma Ruk u. Son gehörte,
nteber, wobei ein Schaben von $40,
(00 angerichtet würbe.
Von einem Zuge ber St. Paul Bahn
wurde in Racine Louis A. Page
überfahren unb getöbtet.
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t: wandern von hier nach Amerika aus,
da sie in diesem Lande viel höhere Löh
ne als zu Hause erd'enen. So haben
z. B. zwei junge Männer, beide tüchtige
Arbeiter, die kaum zwei Jahre von
Hause fort sind, jeder schön über 2000
Franken an ihre Familien geschickt,
welche Summe sie hier hätten vielleicht
erst nach Jahre langer Arbeit ersparen
können.
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S a
von Monaco bietet der Regierung von
Luxemburg gCyCtt Gestatt .ng der Er
richtung einer internationalen Spiel
bank in dem luxemburgischen Badeorte
Mondorf die Uebetnahme des ganzen
Staatsbudgets im jährlichen Betrage
von neun Millionen an. Die Kammer
wird übet dieses Anerbieten entscheiden.
Die Regierung legte der Kammer
den Gesetzentwurf über die Umwand
lung der luxemburgischen Anleihen vor.
Der Zinsfuß wird von 4 Prozent auf
3 1—2 Prozent Hera'gefegt. Außer
dem ist die Tilgungsfrist der Anleihen,
die ursprünaltch mit dem Jahr 1915
zu Ende gehen sollte, bis zum Jahre
1947 hinausgeschoben. Der Entwurf
betrifft die Anleihen von 1859 u. 1853

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