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Der fortschritt. [volume] (New Ulm, Minn.) 1891-1915, April 06, 1893, Image 9

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1_
Der Klofterjäger.
tin Hochla»^ ro«« dem iucr
zehutcn Jahrhundert.
Fortsetzung.)
Der Eingang führte in eine geräumi
ge Küche mit offenem Herd daneben
log ein kleines Herrenstübchen, dessen
einfaches Geräch aus dem röthlichen
Holz der Zirbelkiefer gefertigt war, und
die Schlafkammer mit zwei Heubetten.
Von der Stich! stieg man über eine Lei
ter zum itiootnraum, auf welckem
Bergheu in genügender Menge aufge
"chütt.t war, um im Nothfall für ein
lbes Dutzend müder Schläfer weiche
agerstatt zu bieten.
Neben dem Herd, auf dem ein helles
Feuer brannte, stand Fratcr Severin
er hatte die Aermel der Kutte aufge
stülpt, eine weiße Schürze vorgebunden
und war damit beschäftigt, ein „Spich
citer" (vie
chen Schwarzreiter" (vie im Bartholo
mäersee gefangenen Saiblinge wurden
im Kloster zu Berchtesgaden auf fol-
gende Art geräuchert: An langen hol
lernen Stäben wurden zehn bis zwan
zig Querstäbe befestigt und an die
Enden dieser Stäbchen die Fische durch
geheimnisvoller.
taS# auigefpitflt bet geöffnetei .Wenn ich barf!" ftamme«e
Leib derFische wurde durch kleme Holz- "Schaue*, ^richneym !^oo^
chen auseinandergespreizt. So kam mm ferne b^ nuf ben A'rb"
den Hit b=n Abmd.isch «men oft»chen. i.', Ms.
lein, dann leckte it die von den
Des Fraters Sorge war unbegrün
det. Herr Heinrich weilte noch immer
in der Jagdhütte. Er hatte einen neu
en Verband auf Haymos Wunde gelegt
und den Arm in meiner Schlinge befe
stigt, damit nicht etwa eine ungestüme
Bewegung des Schläfers eine neue Blu
tung hervorrufe. Nun blickte er su
chend umher.
„Wo i|t das Mädchen?"
Pater Desertus ging mit raschem
Schritt zur Thüre. Vor der Hiiitc
saß Gittli auf der Bank ihre Thriinen
waren versiegt mit verlorenen Blicken
starrte sie hinaus in die sinkende Nacht.
Pater
Desertus berührte ihre Schulter,
Sie fuhr erschrocken zusammen und er
hob sich.
„Komm', Gittli, Herr Heinrich frag
te nach Dir!" Er nahm ihre Hand und
führte sie in die Stube.
„Nun, willst Du nicht sehen, wie es
Deinem Pflegling geht?" sagte der
Propst. „Komm' her—sieh nur, wie
-gut und ruhig er schläft!"
In wortlosem Dank wollte sie Herrn
Heinrichs Hände küssen.
„Laß doch, Du Kind!" sagte er. „Ich
habe zu seiner Rettung das Mindeste
gethan. Hayrno wäre ein verlorener
Mann gewesen—ohne Dich! Er hat
es Dir allein zu verdanken, daß er nun
leben wird."
lispelte sie. Heim will ich gehen."
lster
„Es ist finstere Nacht!" sagte Pater
Desertus erschrocken.
„Ich sürcht mich nicht! Es ist ja
sternscheinig, den Weg kenn ich auch,
und auf dm Almen kann ich ja näch
tigen."
„Dort schlafen die Knechte." warf
Hetr Heinrich ein dann läche!« er.
„Und denke nur, wenn Har.mo morgen
erwacht und fragt nach Dir, was sollen
wir ihm sagen? Willst Du nicht blei
ben?"
fcnt itÄeti'Ä™ »«I W bis 3«m ®ntte bei R°ck
für ihn ewe Nuß. welche zu beißen gab. ging.
Aber als wäre er des zwecklosen Gtü-, ®1C
belns müde, schüttelte er auf
einmal'an.
„Ich Hab mir bie Aermel wegge
schnaubend das Haupt, fuhr mit ten' nssen. iveü ich das Leinen gebrauch.
Fäusten durch die Luft und platzte los:' Hab für ihn.
„Teufel! Teufel!—Wenn ich denke. Da ging er auf sie zu, legte ihr die
daß ich jetzt drunten im KeUetstüblein: Hand auf dem Scheide! und sagte leise
säße!" in lateinischer Sprach:: „Auch in Dei
„Mit Pater Hadamar und dem Kü-: ner Blöße wirst Du Gott gefallen."
chenmeister," schmunzelte Frater Seve- Und zu Pater Tesertus sich wendend,
tin, "bei Rechberg und Stein." fuhr er gleichfalls auf lateinisch fort:
„Höret aus, höret auf," stöhnte Herr ^ann eines Fürsten Tochter reicher
Schluttemann, „ich kqnn's nicht hören, an edlen Steinen und Geschmeide
es reißt mir die Seel' aus dem Leib'!"
Schwarzreitern fettgewordenm Finger f,ei ihm wachen."
ab, trat auf ihn zu und flüsterte ihm „Ueberlasset mir dieses Amt!"
in's Ohr: Habt Ihr den Korb nicht Pater Desertus mit raschem Wort,
gesehen, den der Walti getragen hat?"! „Der Bruder ist müde."
„Ja! Warum?" „Gut, so bleibe!" Herr Heinrich
Frater Severins Miene wurde im- reichte dem Pater die Hand, nickte Gitt
mer
Ein Seufzer, heiß und freudig,
schwellte Gittlis Brust. Mi: leuchten
den Blicken hing sie an Haymos blassen
Zügen dann fuhr, sie mit zitternder.
Hand über die feucht, Augen und
wandte sich zur Thüre.
„Wohin willst Du?" fragte Herr
Heinrich.
„Jetzt braucht er mich ja nimmer!"
W- w°m7w !hU Wini.-schl.ich-n
a(§
Dann wieder in grimmige Melancholie Gemüths?"
versunken, fragte er: „Es ist doch wohl Pater Desertus schwieg seine trau
gesorgt für unseren Durst?" mendm Augen hingen an Gittli, welche
Frater Severin zuckte die Achseln. zum Herde ging, in ihre Jacke schlüpfte
„Wie es Herr Heinrich anbefohlen hat!} und sich leise in den Winkel kauerte.
Fünf Tage sollen wir bleiben—zeqn: £crr Heinrich war an Haymos Lager
Flaschen sind befohlen —rechnet Euch getreten und hatte seine Hand auf die
aus, wie viel auf einen trifft!" ig time des Schlummernden gelegt.
„Verflucht wenig!" meinte Herr ^as Fieber ist gewichen und der
Schluttemann mit langem Gesicht. Schlaf wird ihn erquicken. Er hat ge
„Frater! Frater! Mir wird die Leber Fundes Blut und eine gute Natur—ich
brandig werden—ich kann das Wafler hoffe, wir haben den Mann in drei Ta
nicht vertragen! Aber schon gar nicht!" gCn eder leidlich auf den Beinen. Ich
Frater Severin betrachtete den un- Mll Wein herüber schicken, davon soll
glücklichen Vogt mit zwinkernden Aeug-
et
tün
dieses Bettelkind an (Schatet des
bekommen, wenn er munter wird in
ttr
Nacht. Und Frater Severin soll
„Und habt Jhr's mit freundlichem Lächeln zu und ver-
nicht scheppern hören in depi Korb?" ließ die Stube. Zu Häupten des La
Herr «»chluttcmann legte den Kopf gers setzte sich Pater Desertus auf die
auf die Seite und zeigte ia§ Weiße in Bank. Es war stille in der Stube,
den Augen. Ein schüchternes Lichtlein: Gittli rührte sich nicht in ihrem Winkel
der Hoffnung schien in seiner trostlos' man hörte nur Haymos tiefe Athemzü
finsteren Seele aufzudämmern. ge, und auf dem Herb knisterte es zu
„Jftcdet, Frater, redet, was hat ge- weilen noch leise in den glühenden Koh
scheppert?" I len.
„Heimliche Flaschen Rechberg und Draußen murmelte das Wasser, von
Stein. Hinter der Hütte liegen sie in der Herrenhütte herüber klang in Zwi
kühler Erde vergraben, und wenn Herr schenräumen die laute Stimme des
Heinrich schlummert, dann Hilm wir' Vogtes, und tief aus dem Steinthal
uns einige Pärchen!" herauf tönte der* Gesang der vier Knech
„Frater Severin Ihr seid ein je,
welche zu
Heiliger!" schrie Herr Schluttemann! „Das Herzlein
auf und wollte dem Frater um den Im Herzensfchrein
Hals fallen. Thut gar so weh dent schwarzen Kna-
Der aber schob ihn von sich. „Nicht ben:
so laut!" flüsterte er und schielte nach! Das braune Mägdlein möcht' er haben,
der Thüle. „Herr Heinrich lönnt' uns
hören!"
den Almen niederstiegen:
Ja haben,
Wenn man es ihm nur gab',
Ja gäb', ja gab'—"
Nach einer Weile kam Walti, um den
Pater zum Imbiß zu rufen er brachte
auch einen Teller für Giitli. „Du,
das ist gut!" flüsterte er dem Mädchen
zu. „Ich hab's auch schon verlosten
dürfen, und was übrig bleibt, das krieg'
ich alles, hat der Frater gesagt." Gittli
richtete sich auf und begann zu essen,
während Pater Desertus die Stube
verließ. Als er die Herrenhütte betrat,
sage er zu Frater Severin: „Schickt
ein Kissen und eine Lodendecke hinüber
für das Mädchen das Kind hat ein
hartes Lager auf den Herdsteinen."
Nun saßen sie beim Scheine einer
Kiensackel im Herrenstübchen beisam
men, der Propst, Herr Schluttemann
und Pater Desertus, dir Letztere schwei
gend in sich versunken, während Herr
Heinrich und der Vogt die an dem Jä
ger verübte That besprachen. Herr
Schluttemann beschwor die ganze Rache
seines flammenden Zornes über das
Haupt des Mörders, den er finden
wolle, und trenn er sich auch in den un
tersten Schlupf der Hölle, verkrochen
hätte sobald es Tag würde, gedachte
er, sich mit den Knechten auf den Weg
zu machen, um in weitem Kreise rings
um die Hütte jeden Busch und jede
Felsschrunde zu uniersuchen ein Häk
Iein würde sich schon finden, an welches
der Faden eines Verdachtes sich an
knüpfen ließe.
Als Pater Tesertus in die Jäger
hütte zurückkehrte, fand er Gittli schla
fend im Herdwinkel. Das Kissen, das
ihr Walti gebracht, hatte sie unter Hay
rno wunden Aim gelegt nur die Lo
dendecke hatte sie für sich behalten und
zum Polster geballt unter ihr Köpfchen
I
geschoben. So lag sie, die beiden Hän
de unter der Wange, die müden Glieder
vom Schlafe sanft gelöst sie schien auf
den harten Steinen so gut zu ruhen,
als läge sie in Daunen. Die verglim
menden Kohlen strahlten einen rothm
Schimmer über ihr Gesicht, so daß es
aus dem Dunkel hervorleuchtete wie
ein liebliches Räthsel.
Lange, lange stand Pater Desertus
vor dem schlafenden Mädchen. Im
mer näher zog es ihn, er beugte das
Knie, er streckte die Arme, er neigte das
Antlitz in bürstender Sehnsucht da
bewegte sich Gittli'und stöhnte le se, toi
unter einem schweren Traume: „H.iymo
—Haymo—"
Pater Desertus taumelte zurüi di:
Hände vor das Antlitz schlagend, wank
te er zur Thür unb sank auf bie
Schwelle nieber. „Herr! Herr! Du ver
suchest mich über meine Kräfte!" rang
es sich mit erstickter Stimme von seinen
Lippen und mit brennenden Augen
starrte er hinaus in bie finstere Nacht,
empor zu ben ruhelos stimm rnden
Ste nen.
In den Fenstern der Herrenhütte
bas Licht erloschen Herr Heinrich
schlief. Durch bie Ritzen der geschlosse
nen Thür quoll aber noch ein matter
Schein in ber Küche saßen Frater Se
bertn unb Herr Schluttemann beim er
löschenden Feuer auf bem rbtanb,
leise plaudernd, mit den „heimlichen
Pärchen" beschäftigt, die sie aus dem
Versteck hervorgeholt hatten. Walti
hockte in einem Winkel und vertilgte die
Reste bes Mahles bann trank er noch
einen Krug Wasser leer und Iletterte
über bie Leiter hinauf in's Heu.
Als ben beiden Zechern „des Him
mels höchste Huld" zur Neige ging, be
kam Herr Schluttemann feine üblichen
„Zustände." Er schien völlig vergessen
zu haben, wo er sich befand, wähnte tm
Kellerstüblein zu weilen und fürchtete,
daß mit jedem Augenblick die handfe
sten Boten der Frau Cacilia eintreffen
möchten, um ihn heimzuholen. „Aber
ich geh' nicht, wirst sehen, Bruder, ich
geh' nicht! Jetzt sitz ich einmal, Donner
wetter, und jetzt bleib ich!" Frater
Seerin drückte ihm die Hände auf den
Mund und zerrte ihn zur Leiter mit
aller Mühe, stoßend und schiebend,
brachte er ihn endlich über die Leiter
hinaus und warf ihn in's weiche Heu.
„Cäcilia, Cäcilia, Du treibst es heute
wieder arg mit mir!" brummte Herr
Schluttemann, halb erstickt von de
über ihn herfallenden Heu. Eine W:tle
lallte er noch fort, dann begann er zu
schnarchen. Frater Seerin folgte die
sem Beispiel, und da ging nun ein Sä
gen um die Wette los, so daß Walti er
wachte und kein Auge mehr schließen
konnte dazu hatte er bald eine Faust
des Herrn Schluttemann im Gesicht,
bald dessen Füße auf der Brust oder
zwischen den Beinen er verkroch sich
in den äußersten Winkel, aber Herrn
Schluttemanns Füße fanden den Wfg
tu ihm. Schließ! ch erhob er sich, glitt
über die Liter hinunter und legte sich
auf warmen Herd. Jetzt konnte
er schlafen.
15. Kapitel.
Nach Mitternacht bewölkte sich der
Himmel, und ehe der Tag noch graute,
begann ein warmer Regen zu fallen.
Bei Anbruch der Dämmerung fatn
die Knechte. Pater Desertus saß noch
immer auf der Schwelle der Jägerhütte,
mit bleichen müden Zügen, bie Aug
heiß umränbert. Als er bie Knechte
sich nähern sah, erhob er sich unb ath
mete tief, wie wenn ihm die Nähe wa
chender Menschen willkommen wäre.
Einer der Knechte srag'e ihn, was sie
zu thun hätten. Er meinte, sie sollten
sich, da Herrn Heinrich der Pirschgang
auf den Auerhahn verregnet wäre, ru
hig erhalten, bis die Schläfer von selbst
erwachen würden. Dann trat er in die
Hütte Gittli war schon wach, sie stand
über Haymo gebeugt, der immer noch
ruhig schlief als sie den Pater kommen
hörte, trat sie scheu zurück, lispelte den
Morgengruß und verließ die Hütte.
Nach einer Weile kam sie wieder, ge
waschen, mit frisch geflochtenen Haaren
sie schürte auf dem Herde ein Feuer an
und ging geräuschlos ab und zu, um
saubere Ordnung in der Stube zu
machen. Als sie wieder einmal Wasser
holte, wurde drüben an der Herrenhütte
ein Fensterlaben aufgestoßen.
Sie stellte bie Wanne nieber unb lief
hinüber.
„Guten Morgen, Gittli!" rief Herr
Heinrich.
„Nun, wie geht es ihm?"
„Er schläft noch allweil, Herr, unb
ich mein', ber Schlaf hat ihm gut ge
than, benn er hat schon ein Bißl Färb'
im Gesicht!"
„Dann wirb er wohl auch balb erwa
chen. Freust Dich schon?"
„Unb tote!"
„Gelt unb freust Dich auch schon auf
feinen Dank?"
„Den Hab' ich schon, Herr!"
„So?"
„Ja, gestern in der Nacht, ba hat et
ein liitzel (ein wenig, mühsam) teben
Erzähler
Beilage zum „Fortschritt", New Ulm, Minnesota.
Sie
r4ute
ihm auf. „Was sollt
no*
ni8^thVf.2
ftif'rV «n„„h,r
innnfnm
sich hin.
'afeMnÄhl?
lönnen, und da hat et mir gleich ein Als Herr Heinrich wtt Pater Deset*
ni»/i iiäflott aefaat ia'" „Dein Aussehen ist schlitnim, Diet
„äber ich meine, Du hoffst doch wohl Nachtwache hat Dich er
nock aus besseren Dank?" lächelte Herr S, mit
Heinrich, während er sich breit in's »pa
fonte finsterem Blick zur Erde starrend.
ich
Hollen? Ich Hab ja
mit aroften Auaen au „Aber ich hoffe, es hat Dich in dieser
mein 5öer-
gcltsqott!"
Er betrachtete sie mit freundlichen
Blicken. „So? So?" Und leise zuckte
Hurtig lief Gittli davon, um
denn mehr Nacht Dein Gespenst in Ruhe gelas-
Unb
ihr aber es war eine bange
nun konnte Haymo sprechen, nun
„Meint Ihr?"
„Dietwald!"
„Es weilte mit mir unter
Dach die ganze lange Nacht!"
aus
dem Reaen wieder unter Dach zu kom- Sie betraten die gemnhutte Pater
Ueb.r diesm Zwiegespräch war Wal- und wars sich auf's Lager, doch seinen
1
aufgerissenen
Augen im Dämmerlicht bes Heubodens »®ot1
uiyher.
rUf
f?0Älu
n5$L SrfH @Ät
i?n ckla
„Das irdi-
sche Vergessen ist über ihn ge'o.nmen!"
Er drohte zum Heuboden hinauf:
zum
„Wartet nur, Vogt, der Morgen kommt
schon wieder, da Euch die Donner, des
Gerichtes wecken!"
Als Herr Heinrich hinüber ging nach
der Jägerhütte, kam ihm Gittli entge
gen. „Herr, Herr! Er wachet schon!"
stammelte sie.
11
gesche-!
hen können." Die Freude redete au£! getstigung dieser Wissenschast durch
Freube:
Haymo saß aufgerichtet in feinem Oker-Mel. viel Morast
Heubette. „Herr Heinrich—" Macht da5 gute Lanb verfaßt.
Det Propst legte ihm die Hand auf nS* bill!
den Mund. „Du sollst nicht fprechen, gedrungen und leben noch heute
Haymo, ich will es so! Lege Dich zu
rück und laß mich nach Deiner Wunde
schauen. Dann sollst Du essen und
trinken und wieder schlafen, und wenn
Du dann gestärkt erwachst, dann setz'
ich mich zu Dir, und Du erzählst mir
einem
lick, mehr" kannst Du auch nicht Vertan* .?lr^"ciII^m^r0d%iC beß "vVllst'äÄig^gesund geworden war.
gen von ihm. Aber jetzt g.h' nur, geh', mit forschendem BUck. Dann sagte er Der biedere Handwerker war schon
ick komme aleich hinüber!" „Komm, lege Dich schlafen, Du btft. ganz betreten unb verwirrt, als die
men Desertus ging tn die Schlafkammer jst
übermüdet." „Wittwe" ihm mit der häßlichsten Mie-
a«s dem Scklaf erwacht. Er rieb sich Augen war anzusehen, daß sie den ,Mttwe" erklärte dem Tischler mit
erschrocken die Augen, als erben hellen Schlummer nicht finbm würben Herr wenige Worten, daß ihr Mann nicht
Moraen schimmern sah, kletterte die Hemnch füllte emen Becher mit Wem gestorben fei unb baß sie beshalb für
Leiter empor unb rief: „Frater! Fra- unb goß bazu einige Tropfen ausi einem die „Emballage" feine Verwendung
ter' Stehet auf der Herr ist wach!" Fläschchen, das er seinem Arzneikastlem ^be, aber der mißtrauische Handwerker
«Kroter Severin fuhr aus d.m Heu entnommen hatte. wollte den Wied-rauferstandenen fehen,
wie der Hase aus dem Krautacker, wenn
to
der Bauer kommt. Er packte feinen Schlaf bringen! Wunsch nicht gut abschlagen. „Was
Scknarchaenossen an der Brust. „Herr Pater Desertus leerte ben Becher M's, Meister?" fragte der Ex-Leich
mSS!auf! äuf'" •mt
eä roäi rle
"W
lerr Schluttemann drehte sich auf tief athmend, im traumlosem, schweren
die Seite Aber Cäcilia!" Schlummer. mein Herr? Ich frage nur. weil man
Auf' Auf' Auf'" Herr Heinrich wollte in's Freie tie- ,n Geldangelegenheiten sehr vorsichtig
"Aber Cäcilia'" wimmerte Herr ten da sah er Gittli in der Küche schaf- sein muß. Schwören Sie mir, daß
Schlußmann Geht brnn ber Teu- ftn. Ein Gedanke schien ihn zu befal- bie wirklich leben." „Mein Ehren
fel schon wieder los? Alle Tag' und len. er schüttelte wie abwehrend das wort, daß ich noch lebe," erwiderte der
alle Taa" Nicht einmal ausschlafen Haupt, doch immer wieder kehrten seme Kunde des Meisters. „Das freut
soll bet Mensch limn-n. K«u, Teufel »lick-zu^m Mädchen juruef. mich seht, mein Hett. hiet ist auch die
noch einmal! Laß mich in Ruhe!"
k.
Ktaiet Sevetin schüttelte den K-pi, Sie säuberte die Hände an ter zahle den ©arg nicht, weil ich ihn
üfcrliefc den Vogt seinem Sicks-l und Schü-z- und tarn aus ihn zugegangen, nicht btauchen konnte »Bin ich
sti«, mit statten Seinen übet bii Seilet .3°. ... ..' d-tan schuld? Sie hatttn sletben s°^
hinunter „Erzähl' mir doch, Haft Du Dich mit fon, mein Herr." „Ich Hatte noch
f«rr Schluttemann hatte sick tief ein- dem Pater auch gut vertragen die lange keine Lust dazu und ich zahle nicht."
J&hinÄs &rÄ
m« feine!!«ÄK w««! „Mlp.il gut!" mehrte Gittli mit btauche Jhten guten Rdih nicht. Ich
iedem Moraen feit über bie Ohren iu scheuem Lächeln. ..Der Pater Hat ge- weiß, was ich zu thun habe und werde
drücken vfleate wenn Frau Cacilia ihre wachet, und ich Hab' geschlafen!" Und sterben wenn es mir paßt." „Dann
2 ®S (auifofe^ «X «ß müßte sie sich entschuldigen, fügte ^rbe ich Sie betltagen," -fogte der
akt die hn «Uch umgab m°A f« bei: „Ich bin halt so diel müd' ge- Tischler. st-M- wn Satg aus die E.d«.
tkm
iu ßcareifen fcc-' mitemander Haimgart (in den Predig- daß er sofort sterben soll, bws weil zu-
1^1 Sr »er' ten kS »ruber B«cht°v»«n Regens- pig schon ein ©atgjiit ihn Mig ge
bürg (13. Jahrhundert) heißt es: stellt wurde, in Erwägung ferner, daß
W lÄerKaüf hahmgartten Und: da vil gerüemen lichen Haus^h gehört, kam der
Sf. W.f- ul frA 1-nbe geizchen unde geweterblitzen unde Tischler zu einem Entschluß, der seiner
ZlKt Sil unb ?r geztoieren mit den ougen, so mahtu tool Ansicht nach lle ketkeiligten zufrieden-
be siruchen in ben stric bes tiuvels) ge- stellen mußte. Er legte sich in Gegen-
A ^ratr ©ev rin ^ten/gelt?" wart bes Ehepaares ruhig in ben
Äe/r SchU tt' '.Aber Herr!" sagte sie ganz erschro- Sarg h'nein, zog ein langes Messer aus
A W a a
?9?nnif S'
f,
mann horte nicht. „(=?o lafet U)n Ichia- Wr i.nh Spt reiche Rüraer von
fen!" lächelte der Propst.
an die Meeresküste. Ja, der türkische
Grofaezier schwerte sich im Jahre
1683 gen en französischen Gesand
en, daß Frankreich den Polen den,
Durchz 'g g.fhttet habe, damit sich die
selben m!t dem deutschen Kaiser in
Ungarn verbünden könnten. Der
gleichen wird h.utzutage freilich sel
teuer vorkommen, doch ist eS noch nicht
fünfzehn Jahre her, daß in einem der
gelesensten Pariser Blätter Breslau
als Seestadt in den russischen Ostsee
Provinzen bezeichnet wurde.
Der Sarg etil?
Unter dieser Spitzmarke erzählen die
in Barcelona erscheinenden Blätter fol
gende Geschichte: Vor kurzer Zeit
wurde ein reicher Bürger von Bar
celona schwer krank. Die Aerzte ver
sicherten, daß er sterben würde, und
seine Familie bestellte mit einem Eifer,
der einer besseren Sache Werth gewesen,
sofort bei einem Tischler einen Sarg
für den „präsumtiven"» Todten. Der
Sargtischler begann sein Werk und als
er es beendet hatte, lud er es auf seine
Schultern und trug es zum Hause bes
vermeintlichen Tobten, aber unter-
nc bon
lassen, daß ich haimgarten wollt' mit so ehe ihn Jemand daran hindern tonnte,
-i einem Heftern Ich bw allweil gelegen die Kehle! So wurde der Sarg doch
und l)ab' keinen Muckser gethan!" noch feiner natürlichen Bestimmung
»Und er? Er wird doch mit Dir g?
rei3€^
^a°cn*
(Fortsetzung fol^t.)
2K 5ldbtsch:cipttiiN
Seif.
,U
rruiKict Friedhof.
Das Interesse für bie Geographie
Mein Gott7und soviel! ist erst in unserem Jahrhunbert w! LeiK' eines gewissen I. Monahan im
soran thut er sich. Ihr könntet ihm! weitere Kreise gedrungen, vorzugsweise ©chnee aufgcfund.n. Monahar stamm-
Harb fein, weil ihm so was hat
durch die Bemühungen urn die Ver-
ö_
1
alles. Und mach Dir leine dummen im Volksmunde, welche die ehemals erst am Sams.ag Abend gesunden.
Sorgen. Du bist Haymo, mein get:eu-! bedeutendsten Städte Mittel-Europas
er Jäger, hast ja Deine Treue mit Dei-! Augsburger Pracht,
nem Blut besiegelt!"
|unt
„Herr Heinrich—" städte preist:
„Wirst Du wohl schweigen!" schalt Nürnberger Witz.
der Propst und brückte ben Jäger mit1 Beliebiger Macht,
sanfter Gewalt auf bas Kissen zurück. Straßburger Geschütz,
ich Euch nicht helfen?"! graphie kann es dann freilich nicht
„Ei, freilich, mein Dirnlein, schürz'j Wunder nehmen, wenn nicht nur Poe
Dich, tummel' Dich!" Unb im Nu ten, sondern selbst wegen ihrer Gelehr
hatte er ein Dutzend Austräge für Git-^ samkeit berühmte Leute und Staats
tli bereit.
I
Sie griff mit beiden Hänben zu, trug I ©chjulbenl kommen ließen. So führt
alles herb.i, was ber Frater in ber KL-1 ber bekannte Levassor in der Geschich
che brauchte, brachte- Ordnung in bie te Ludwig's 13. an: In den herzog
Schlaffammer und machte bas Herren- lich sächsischen Lanben gebe es zwei
stüblein spiegelblank. Universitäten, nämlich Jena und Thü-
männer sich die gröbsten Jrrthümer zu
Draußen „schnürelte" ber Regen,! ringen Madame Seuderi läßt einen
und die Knechte, bie unter bem vor- türkischen Pascha sich in Eonstantino«
springenden Dach ber Herrenhiltte.j pel auf ein Schiff begeben, um nach der Atlantic & Pacific Bahn, ein Pas
an die Balkenwand gelehnt standen, dreiwöchentlicher Seereise in's Kaspi- sagier- und ein Frachtzug zusammen,
sangen mit leisen Stimmen, um sich die1 sche Meer zu gelangen und Shakespeare wobei der Locomotivführer Robt.
nasse Zeit zu vertreiben. verlegt im „Wintermärchm" Böhmen Avung und ein Heizer getobt wurden.
der Welt die Thür öffnete. „Da
tx*
benn
Seit torn Wend bis ,mn Slotgen?" .Abet so sterben Sie doch." .Ich
nrrna Miaeteuerlickes er- Wesen." setzt.' sich barauf unb begann zu über
schin'n.^ Et tichlete sich e-fchto-Ien' Znm« --schlafen? Die ganze legen. In Etwägung. daß-in S-t,
auf unb starrte mit weit
„Gott behiit', Herr! Ein paar Mal gut entzogen werden kann, in Erwa
bin ich schon ausgekommen." rung, daß eh Tischler von einem ehr
da§, „Nun? Und dann habt Ihr wohl somen Bürger nicht verlangen kann,
„Ach so!" stotterte er, als er
ngsam zu
gönn. Dann lachte er o.rgnügt vor
„Jetzt kann aber .geschehen 'Mt guAem'tanze unde zuo dem Tin Sarg nicht zu bem nicht verkauf
au'
bie Seite unb streckte sich behaglich
sagte der Tischler. ..Was ist
das?" „Nun, der Sarg." Di-
und die .I/^u konnte ihm diesen
lang-, f° °s ». üam.„Ich füt Sie abet
öor
Allem: Sind Sie nicht gestorben,
... Rechnung füt den Satg. «3$
feiner natürlichen Bestimmung nicht
zugeführt und der reiche Bürger von
Barcelona begleitete die Leiche bes ar
men wunberlichen Tischlers, ber es
nicht verwinden konnte, daß er nutzlos
einen Sarg angefertigt hatte, bis zum
y— Dieser Tage wurde auf dxm Ge
birge b:i Glarmont in Wyoming bie
te
mußte! Wie man in früheren Jahrhunberten wesen, wurb aber durch Spiel unb
er sagen, wie alles gekommen war.— die Erbbeschreibung lehrte, nämlich Suff zu Grunde cerichiet. Emst be
So blieb sie, als Herr Heinrich bie' in Knittelversen, bavon erzähle saß er ein Vermögen von fünfzig Tau
Hütte betrat, an ber Thür stehen, Frm-! Garthe noch, ber selbst als Knabe Ver- senb Dollars, das er aber binnen ,ve
de im Herzen, Angst in ber Kehle. fe ^rnte, wie z. B.:
Nicht minder lebt noch die Stroph:1 die ganze Woche hindurch gesucht, aber
namentlich die deutschen Reichs-
Gittli athmete auf und ba sie in ber- Ulmer Geld ..
Jägerhütte nun entbehrlich war, lief sie Behält den Preis in der ganzen Welt.! volver und eilte halb bekleidet »n den
hinüber in das Herrenhaus. I Bei solcher Betreibung ,der Geo-1
aus Warning, hatte eine gm Erge­
funa
Ritter, Arago unb A. v. Humbolbt. sür ben geistlichen Stanb bestimmt ge-
erhalten und war ursprünglich
nlgen Jahren tHeils burch Wetten
auf den Rennbahnen des Ostens verlor,,
tHeils burch bie Gurgel jagte. Zuletzt
war er Streckenarbeiter an ber Eifen-
....... bahn. Im Anfange der torigen Wocke
in bestimmten Gegenben fort dahin hatte er sich eines Abends mit Slnleren
gehört ein in Mitteldeutschland üb- auf den Heimweg begeben, kehrte aber
liches Wort: allein um, um noch „Eins" zu trinken,
Wär' Nürnberg mein, dabei verfehlte er in der Dunkelhe.t den
Sollt' es in Bamberg verzehret fein. W und «fror. Seine Leiche wurde
I
kentuckyschen County Nelson wurde
dieser Tage Alfred Murphy von feinem
besten Freunde Joseph Houston im
Fieberwahnsinn erschossen. Houston
litt am Nervenfieber im höchsten Grade,
ergriff im Fieberwahnsinn nen Re-
L,
a^c^®aier !hn auf5
Kraft nicht gewachsen und Murphy
eilte ihm zu Hülse. Während er im
Begriffe war, den Kranken zu entwaff
nen, richtete dieser den Revolver aus
die rechte Brust des Freundes und
streckte ihn durch einen Schuß toM nie
der. Beide Männer waren ton Kin
desbeinen an fast unzertrennliche
Freunde.
—In New Mexico stießen bei
Exceter, in der N'ihe ton Ash Fork, auf

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