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Der fortschritt. (New Ulm, Minn.) 1891-1915, February 27, 1896, Image 9

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slusland.
Brandenburg.
a
einem einzigen Vtöend im Polizeiasyl
in Iber Fröbelstraße gezählt. In den
Wärmehallen werden jetzt im Durch
schnitt 1000 Besucher gezählt.
Gegen die Dienstbotenkäfige, alias
Hängebogen, in welche weder Sonne
noch Mond ihtnfchemt, geht jetzt die
Behörde energisch vor. Fünf Personen
erhielten vor einiger Zeit die Aufor
derung, bit Hängeboden nicht mehr
als Schlafräum« für Dienstboten
zu benutzen. Eine Beschwerbe beim
Oberpräfibenten war von Erfolg nicht
begleitet gewesen. Alsdann be
schritt man btn Klageweg gegen ben
Oberpräsidenten Üeimj Oberverwal
tungSgericht. Letztere erklärte jetzt nach
umfangreicher Beweisaufnahme bas
Borgehen bet Polizeibehörde für be
gründet unb entschieb zu Ungunsten
sämmtlicher Kläger.
Die Kaninchenzucht, bie einen be
deutenden Ausschwung genommen
chat, finbet in Berlin immer mehr
iinib mehr Anhänger. Seitdem das
Kaninchen rationell gezüchtet wird,
wird es bald auf dem Küchenzettel vie
ler Haushaltungen einen hervorragen
den Platz einnehmen, da es billiger zu
produzieren ist als jedes andere Haus
«hier und die Kaninchens das reinlich
ste Futter genießen.
S a 7 0 a
alt« Arbeiter Gäbeler war beim För
stet Hentschel-Blumenthal beschäftigt.
Am 2. Jan. kam Gäbeler -hierher, er
hob bei der Post seine Altersrente
und blieb von jenem Tage an ver
schwunden. Jetzt nun wurde seine
Leiche im Prötzeler Forst aufgefunden.
Es ist anzunehmen, daß Gäbeler sich
betrunken ihat, auf dem Nachhausege
hen «ingeschlafen und erfroren ist. Ei
tie halb geleerte Schnapsflasche ist noch
bei ihm gefunden worden.
Schlesien.
A a A a
see wurden die Inf offen eines Schlit
tens überfallen. Bon sechs aus dem
Gebüsch hervorspringenden Männern
fiel einer von vorn ben Kutscher an,
während bie anderen a iff ben im
Schlitten sitzenden Herrn Bierverleger
Döring aus Weißstein, bei mit mehre
ren Bekannten von Reußbors nach
Hause fuhr, eindrang unb erstge
nannten Herrn burch Messerstiche ver
wundeten. Einer der Männer hat
te gerufen: „Ihr habt meinen Hut
auf Eurem Schlitten" und in der That
fand man einen grünen Hut, der die
Ermittelung der Raufbolde erleich
terte. Bier derselben sind aus dem
Oberdorfe und dürften ihrer gerechten
Strafe entgegensehen.
a a
erhielt kürzlich von ihrem Logisherrn
einen frischen Hasen zum Geschenk.
Bor seiner Zubereitung in der Pfan
ne wurde der Hase mehrere Tage „an
die Lust gehängt", und die Frau Mei
sterin überzeugte sich jeden Tag von
seinem Vorhandensein. Endlich sollte
Freund Lampe die Sonntagstafel
gieren und er wurde hereingenommen.
Aber, Schreck, ein verruchter Ha
"stnliebhaber hatte btn Braten gestoh
len unb damit nichts entdeckt werden
könnet, bas Fell des Hasen mit Papier
unb Lumpen ausgestopft, woburch bas
feiste Aussehen Lamped bewahrt wur
de. Alle Nachforschungen blieben er
gebnißlos.
Pose«.
I a
Jahre ist bie Bauthätigkeit in unserer
Stadt recht bebeuenb gewesen. Die
Zahl der im Lause des Jahres vom
Sadtbauamt ertheilten Baukonsense
beziffert sich aus nahe an 370. Im
vorigen Jahre sind allein 82 Neubau
ten ausgeführt worden, und dabei ist
bei uns gerade kein Wohnungsmangel
vorhanden, der eine solche Baulust
rechtfertigen könnte. Die meisten die
ser Neubauten sind auf der Neustadt
errichtet worden.
Fenske aus Waldvorwerk, welcher den
Zusammenstoß mit dem gefährlichen
Wilddieb Julius Böhm aus Lewitz
Hauland hatte, hat nach fchwurgericht
licher Aburteilung des B. von der
Regierung zu Posen die beschlag
nahmte werthvolle Büchsflinte des B.
und vom Allgemeinen Deutschen
Jagdschutzverein den Ehrenhirschfän
gtr, sowie eine Geldprämie von 20
Mark für seine Unerschrockenst und
treue Pflichterfüllung erhatten. Böhm
ist vom Schwurgericht zu Meferitz
nur zu 2-ls2 Jahren Zuchthaus und
5 Jahren Ehrverlust verurteilt wor
den ist, da an seinem Aufkommen sehr
gezweifelt wird.
a a a i
ter Niemet fuhr von dem Vorwerk Jo
sesinen mit einem Tonnenwagen zur
Brennerei. Unterwegs fiel die Ton
ne am Wagen und riß den Kutscher
mit zur Erde. Niemet hatte das Un
glück, unter die Pferde zu gerathen,
und wurde toon einem der Thier e'so
stark gdschlagen, baß et nach kurzer
Zeit eine Leiche war. Der Verunglück
te hinterläßt
tiH
junge Frau mit brei
unversorgten Kindern.
Ostpreußen.
iht 6 gl Der allgemeine
Wohnungs-Bauver«n, welcher billige
Arbeiterwohnungen unb villenartige
Familienhäuser für sein« Mitglieder
erbaut, Hai ein 9 Morgen gxoßeS
Grundstück auf ben Vorderhufen sich
gesichert. Im Frühjahr sollen weitete
54 Morgen erworben werben. Neben
biesem größeren Unternehmen1 wird
der Verein auch in der Sta.dt selbst
mit dem Beginn der Bauzeit eine
energische Thätigkeit entsolen. Al
le Vorbereitungen sind getroffen, daß
eine größere Anzahl Häufet in der
Altroßgärter Predigerstraße und de
ten Umgebung, sowie in der Nähe des
Viehmarktes zum 1. Oktober 1896
werden bezogen werden können.
IS ch t. Immer neue
Maßnahmen werden von den Russen
zur Verhütung des Schmuggels ge
troffen. So standen noch bis vor
Kurzem auf der ganzen Grenzlinie
zum Schutz gegen die Unbilden der
Witterung für die Grenzsoldaten in
geringen Abständen Schiiberhäuschen.
Da es aber oft vorgekommen ist, daß
bie Schmugglerttupps unbehelligt ihre
Straße ziehen konnten, während, na
mentlich bei ungünstiger Witterung,
die Wacher bes Gesetzes in dem Häus
chen schliefen, so sind sämmtliche
Schilderhäuser entfernt worden.
Westpreußen.
a I a
kam der Tapezierer Karl. Schiller in
ein Restaurant, als man sich dort ge
rade über den. Werth dreier Gipsbü
sten, von denen eine die Kaiserin dar
stellen sollte, unterhielt. Er wurde ge
fragt, was diese Büste
Werth
sei. Schil­
ler schätzte sie auf eine Mark, er moti
bitte darauf seine Schätzung und
durch diese Motitoirung soll er sich ei
net Beleidigung der Kaiserin schuldig
gemacht haben. Der Angeklagte be
stritt das, er habe nur den geringen
künstlerischen- Werth der Büste ge
meint. Die Büste befand sich im Ge
richtssaal und die Strafkammer-Rich
ter überzeugten sich, daß dieselbe we
der auf Aehnlichkeit noch auf künstler
ische Schönheit Anspruch machen fön
ne. Der Gerichtshof glaubte dem
Angeklagten, daß seine Aeußerungen
sich nur auf die Büste bezogen hätten
und sprach ihn frei.
E a a a
wüchsige Burschen beredeten dieser
Tage einen kleineren Knaben, mit der
Zunge an dem eisernen Brückenge
länder am Mühlengraben zu lecken,
weil er dann polnisch sprechen könne.
Der Kleine kam der Anforderung nach,
was zur Folge hatte, daß die Zunge
sofort anfror. Nachdem ihn später ein
älterer Bruder aus feiner gefährlichen
Lage befreit hatte, war die Zunge so
verletzt, daß sofort ärztliche Hilfe in
Anspruch genommen werden mußte.
Pommern.
a g. Ein hiesiger
Schornsteinfegergeselle glitt aus dem
Dach des Wagenbauers Grothe aus
und stifte mit großer Wucht auf den
hart gefrorenen Hof. Der Arzt stellte
den Bruch von drei Rippen und sehr
bedenkliche innere Verletzungen fest.
S a N a S a
verordneten in Trelleborg (Schweden)
dem Privatkonsortium, welches die
Poswampfervetbindung Trelleborg
Saßnitz einrichten will, eine Subven
tionsanleihe von 100,000 Kronen,
Freiheit von Hafenabgaben und a. m.
zugestanden haben, wird die genannte
Route voraussichtlich zu Stande kom
men.» Nach dem bereits festgestellten
Fahrplan wird der Zug Abends 6 Uhr
35 Minuten von Stockholm abgehen
und in Berlin am nächsten Abend um
8 Uhr 56 Minuten eintreffen umge
kehrt wird der Zug Berlin um 7 Uhr
Abends verlassen und in Stockholm
am nächsten Abend um 11 Uhr 30
Minuten eintreffen. Im Sommer
wird die Reife noch um 2 Stunden ab
gekürzt werden.
"S ch a e. Der auf der Wandet
schaft befindliche Färbergeselle Otto
Rein hatte 'sich in die Küche des Kauf
manns Meidow hier begeben, um um
ein Mittagessen anzusprechen. Wäh
rend er auf einem ihm angebotenen
Stuhle sitzend, von dem ihm gereichten
Essen aß, fiel er plötzlich um. Der
schleunigst herbeigerufene Arzt konnte
nur noch den eingetretenen Tod insol
ge Herzschlages konstanten.
Schleswig-Holstein.
A a I
sigen Bürgers befindet sich eine Bunt
stiftzeichnung, welche Friedrich von
Schiller in seinen Jünglingsjahren
darstellt. Das Bild, welches von
Künstlerhand ausgeführt ist, hat da
durch einen besonderen Werth, daß es
nachweislich seinerzeit seinen Platz in
dem Schiller'schen Wohnhause in Goh
lis-Leipzig gehabt hat und Eigenthum
des Dichters gewesen ist. Der We^th
des Bildes wird von Kennern auf 500
Marl angegeben.
E
Flensburger Dampfer „Thyta" woll
te an Bord seines Schiffes gehen und
ersuchte den 22jährigen Sohn des
Schuhmachers Batteseld, ihn in einem
Boot hinüber zu rudern. Wie man
längsseits des Dampfers angelangt
war, machte das Boot plötzlich viel
Wasser und kenterte. Beide Insassen
fielen in's Wasser. Der zweite Steu
ermann Kayser vom Dampfer „Thy
ra" sprang sofort über Bord und ret­
tete unter eigener Lebensgefahr den
'Heizet, wähtnd der junge Battefeld
vor den Augen der beiden Anderen er
trank.
E a a
um einen Kirschbaum im Werthe von
75 Mark ist zwischen einem Käthner
und Büdner zu ybmmet (mecklenbur
gische Enclave im Lauenburgischen)
entstanden, und immer ist die Sache
noch nicht aus der Welt geschafft. Der
Baum, der auf der Grenze stand, ist
Don
dem Beklagten abgehauen worden.
In diesen Tagen mußte wieber bie
Gerichts- Kommission von Schönberg
mit Sachverständigen an Ort und
Stelle, um weitere Erhebungen anzu
stellen. Die bis jetzt verursachten Ko
stn sollen sich bereits auf viele hundert
Mark belaufen.
Hannover.
a t
nerverband erbot sich, zur Bekränzung
der Feldzeichen und Geschütze der deuf
schen Truppentheile auch im Winter
deutsches Eichenlaub zu beschaffen.
Man war der Meinung, das Laub
durch Treiben von kleinen Eichen
stämmchen in Gewächshäusern gewin
nett zu können. Der Versuch blieb oh
ne Erfolg. Die Gebiüdet Thütnau
machten deshalb ick November den
Versuch, Sämlinge zu treiben. Die
set Versuch ist geglückt. Es wurden
500 Eicheln im Novbt. in der Eilen*
riebe gesammelt unb ausgesäet, wovon
etwa bie"Hälfte aufgegangen find unb
sich bis dahin zu 4 bis 6 Zoll hohen
Pstänzchen entwickelt haben, mit je 5
bis 6 Blättern von 1 Zoll Breite und
3—4 Zoll 'Länge. Ein anderer hiesi
ger Gärtner hat denselben Erfolg ge
habt. Den hiesigen Ttuppentheilen
ist deshalb Gelegenheit gegeben, ihre
Fahnen, Standarten und Geschütze bei
der Parade am Geburtstage des Kai
fers, mit deutschem Eichenlaub zu
schmücken.
W a A A e
Etaibtöffement hat das Ersuchen ge
kannte waren es, die mit lustigem Ge
zwitscher Ende Januar in zwei großen
'Schaar«!? ihren Einzug in unfern Ort
hielten die Staate.
iW nstorjf. 'Als die Familie
des Arbeiters H. Waßmann beim Mit
tagessen saß, ergriff der 3 Jahre alte
Sohn ein Messer, warf damit nach sei
net 10jährigen Schwester und has
dieselbe. Das Messet flog dem Kinde
fo unglücklich in's Auge, daß dasselbe
auslief. Nachdem Dr. Helwes den
ersten Verband anlegte, ist das Kind
nach der Kinderheilanstalt in Han
nover geschafft worden.
Provinz Sachsen.
a a
man hier in dem ©tadttheil Neustadt
den Privatmann (früheren Kürschner
metster) Hartoardt tobt auf, unb bet
Arzt stellte fest, daß et Hungers ge
stotben sei. Der „arme Verhungerte"
besitzt aber ein Vermögen von 50,000
Mark, bas theils in Sparkassenbü
chern, theils in Hypotheken angelegt
ist.
a I E t- S a
sind brei Bergleute burch niedergehen
des Gestein gefödtet owrben. Unter
ben Verunglückten befinbet sich ein Fa
milienvater von sieben Kindern, des
sen einer Sohn diese Ostern consirmirt
werden soll. Zwei anbete Bergleute
sind verletzt. Der eine hat in das
Krankenhaus in Eisleben gebracht
werden müssen, während der andere
sich mühsam nach Helbra geschleppt
hat.
a. Der hier verstorbene
Beigeordnete, Magistrats Assessor
Voigt, hat unserer Stadt Vermächt
nisse von zusammen 20,000 Mark zu
gewendet ferner seinen werthvollen,
schön angelegten Garten mit Pavillon
der Stadt mit der Bedingung übet
wiesen, daß der jedesmalige Bürget
metster die unengeltliche Benutzung
haben soll.
a I
fahr schwebte Frau Bäckermeister Kö
nitz. Beim Schlittschuhlaufen auf
der Saale geriet^ sie in eine offene
Stelle und versank sofort im Strome.
Ein junger Mann sah ihre Hände über
Wasser, worauf er umkehrte, die Hän
de ergriff und die Frau mit Hilfe sei
nes Bruders gyicklich an's Land brach
te. Die bereits bewußtlos gewordene
Frau erholte sich bald wieder und kam
außer dem Verluste eines Schlittschu
hes mit einem •falten Bade unfy mit
Schrecken davon.
Westfalen nnd Rheinprovm
e1 d. In der Nachbarge
meinde Oppum hat der Schaukelbe
sitzer Weiß den Karoussel Inhaber
Katcher erstochen. Der Mörder wur
de verhaftet.
W
Untergang der „Elbe" umgekommenen
Großindustriellen Walter Schnell
schenkte dem Vaterländischen Frauen
verein 20,000 Mark.
E a
schon bald mit dem Bau der elektri
schen Straßenbahnen begonnen wer
den, die auch eine Reihe von umliegen
den 'Ortschaften strahlenförmig mit
Eschweiler verbinden sollen. Die Aa
chener Kleinbahn Gesellschaft, welche
'diese Bahnen baut, beabsichtigt, auch
zu Straßenbeleuchtungs- und Indu­
strie-Zwecken ein größeres Elektrici
tätswerk herzustellen.
a a a
wärter Peter Bleeker wollte einen Be
trunkenen, der durch die Schranke
durchgebrochen war, zurückhalten und
ist bei diesem Rettungsversuche vom
Zuge ersaßt und völlig zermalmt wot
den. Die Gladbacher Zeitung hat für
die Hinterbliebenen des Verunglückten,
eine Frau und drei kleine Kinder, eine
Sammlung veranstaltet, die bis jetzt
rund 1000 MI. ergeben hat.
S A A
sehen in der Stadt und große Beunru
higung in den Kreisen der Eltern hat
hier bas plötzliche Verschwinden eines
zehnjährigen kleinen Mädchens verur
sacht. Das Kind stand mit mehreren
Gespielinnen bor einer belebten Wirt
schaft der Kaisetstraße, wo eine tarne
valistische Abendunterhaltung statt
fand. als aus der Wirthschast ein mit
Cylinderhut und schwarzem Anzug ge
kleideter Fremdet heraustrat und ei
nes der kleinen Mädchen, Ida Kreckel,
unter dem Versprechen, er werde ihr
in der nächsten Konditorei Leckereien
kaufen, mit sich nahm. Die Kleine
ging ohne IWiderrede mit, vielleicht
hatte sie in 'dem Manne einen Bekann
ten erblickt, und seitdem ist das Kind
verschwunden.
Hessen Nassau.
I I
Brotterodes resp. zu dessen Wieder
aufbau ist eine Denkschrift ausgear
beitet worden, welche allen Abgeordne
ten beider Häuser des preußischen
Landtags unterbreitet werden wird.
Assessor Dr. Freiherr v. Stein wird
die Denkschrift den Abgeordneten in
Berlin übermitteln. Das Schriftstück
geht auf die Brandkatastrophe vom 10.
Juli ein und führt aus, daß durch den
Wiederaufbau nach dem neuen Bebau
ungsplan 'den Abgebrannten Geldopfer
erwachsen, die der Einzelne kaum zu
tragen vermag. Die völlige Verlegung
der Straßen und die dadurch bedingte
Verlegung des Brotterode durchströ
enden Wasskklaufs, die baupolizeili
chen Vorschriften, daß di? Wohnhäuser
parallel zu der neuen Flußlinie gebaut
sein müssen, bringen es mit sich,' daß
die fämmtlichen stehen gebliebenen Ge
bäudereste, insbesondere die aus Sand
stein hergestellten Keller- und Sockel
mauern, für die Interessenten werth
los «werden. Bekanntlich leistet aber
die hessische Brandversicherung nur Er
satz bis aus die Grundmauern, und so
gehen Diejenigen, welche nicht auf ih
rem alten Grundstück wieder aufbauen
können, ihrer Keller- und Sockelmau
ern verlustig. Nach oberflächlicher
Schätzung beträgt dieser Verlust ins
gefammt an 250,000 Mk. Da wird
natürlich die Regierung helfen müssen.
W a I a
dentlichen Generalversammlung des
Vereins der Künstler und Kunstfreun
de wurde beschlossen, der Vorstand zu
beauftragen, die einleitenden Schritte
zur Errichtung eines Gebäudes für
künstlerische und gesellschaftliche Zwe
cke zu thun.
Königlich Sachsen.
4 4-
jähriger, aus Frankenhausen gebürti
ger Professor der Philofophie auf tele
graphisches Ersuchen der kgl. Staats
anwältschaft in Wiesbaden wegen be
trügerischen Bankerotts verhaftet.
A a a I e
ort Auerhammer hat elektrische Stra
ßenbeleuchtung erlhalten. Die Neue
rung ist dem Entgegenkommen des Ge
meindevorstands Fabrikbesitzers Al
bert Lange zu verdanken, der die An
läge für die Gemeinde auf feine allei
nige Rechnung errichten ließ.
N a
trollisten geprüft und richtig gestellt
worden sind, gestaltet sich das Haupt
refultat der Volkszählung vom 2. De
zember in unserer 'Stadt folgendem«!
ßen: Es hiebt 4842 bewohnte Häuser,
170 mehr als 1890,38,240 Haushal
tungen, 6258 mehr als 1890 und 160,
991 Einwohner, 22,037 mehr als
1890.
I N a a
22jährige, in der Restauration^ von
Lischke bedienstet gewesene Anna Mpr
tha Damm beim Wasserschöpfen in der
Elbe verunglückt, indem sie auf dem
Ufereis ausglitt und ins Wasser stürz
te, wo sie, da keine Hülfe in der Nähe
war, den Tod durch Ertrinken fand.
a I A
gen Realgymnasiums wurde Oberleh
ret Professor Dt. Gerat vom Schlage
getroffen. Der Tod trat sofort ein.
Die Bestürzung war eine allgemeine.
Thüringen.
a
leum getränkte Lumpen brannten auf
dem Boden des der Töpfers-Wittwe
Schröter gehörigen Hauses neben ei
nem Haufen Stroh. Kurz zuvor ge
wahrten die im oberen Stockwerke
wohnenden Miethsleute Tritte auf
dem Boden und glaubten, es habe sich
ein Dieb eingeschlichen. Das Feuer
'wurde sofort gelöscht. Ein im Hause
mitwohnender Schuhmacher, Joh. G.
Holdschuh, wurde wegen Brandstiftung
verhaftet.
a a I E a r
geschichtliches Grab aufgedeckt worden.
Auf einem Grundstück waren Gerippe
und zwei silberne Armringe gefunden
worden. An dieser Stelle wurde vor
einigen Tagen durch Professor Regel
aus Jena, Bürgermeister Sommer aus
Orlamünde und Pfarrer Betgner auS
Altenberga bei Kahla, die AuSgra
bung bewirkt. Der Frost war aber
leidet fo stark, daß die Arbeit bald
aufgegeben werden mußte. Professor
Regel konnte nur als wahrscheinlich
feststellen, daß es eine Grabstätte mit
slavischen Fachgräbern sei, in denen
sich die Leichen nebeneinander gar nicht
tief, aber meist ohne Beigabe befinden.
W a a d
bach aus Freiberg in Sachsen wurde
wegen Betteins in Hast genommen.
Bei dem mit ihm angestellten Verhör
machte er das sensationelle Gestände
niß, der Mötder der Postschaffners
frau Mendt aus Berlin zu sein, welche
1890 im Thiergarten zu Berlin als
Leiche aufgefunden wurde. Es war
damals zweifellos festgestellt worden,
daß ein Mord vorläge aber trotz der
größten Anstrengungen der Behörden
gelang es nicht, den Mörder zu ermit
teln. Goldbach wurde in Folge dessen
nach Berlin geschafft. Dort beichtete
er, nur einen Witz gemacht zu haben,
um Berlin zu sehen.
Mecklenburg und Oldenbnrg.
a A A
einem Knaben mit einem Stein am
Kopfe verletzt wurde, ist im Hospital
zu Wilhelmshaven gestorben.
a S
Bauraths Piernay aus Schwerin und
unserer Stadtvertretung fand die de
finitive Feststellung des Platzes für un
sere Bahnhofsanlage statt. Es ist
für dieselbe das schon früher vorläufig
projective Terrain beim „neuen Stei
ge" und Schützenhausgarten jetzt end
gültig bestimmt, so daß jetzt mit dem
Abräumen der Buchen begonnen wer
den kann. Beim Uebertritt der Gelei
se über die Wismarfche Chaussee ver
nothwendigt sich das Niederreißen deS
Arbeiter Gustävel'schen Hauses, um
für den Bahnkörper das nöthige Ter
rain zu gewinnen.
W a E a
großen Fischzug machte der Pächter
der Fischerei des von Thiele-Winkler
'schen Gutes Schorsow. Er hatte das
Glück, in einem Zuge ca. 700 Pfund
Brachsen und einige hundert Pfund
Hechte zu fangen. Einige der Brach
sen hatten das stattliche Gewicht von
10 bis 12 Pfund. Solch ein Fischzug
ist feit Menschengedenken noch nicht
vorgekommen im Maschiner See, und
legte derselbe wiederum Zeugniß ab
von dem großen Fischreichthum des
Sees. Die Fische wurden nach Mal
chin geschafft, von wo aus sie per Bahn
nach Berlin transportirt werden.
Braunschweig.
a W a
jestätsbeleidigung wurde Arbeiter Jo
Hann Gurlatt aus Helmstedt zu vier
Monaten Gefängniß verurtheilt. Die
ses Vorgehen beging er in der Baar'
schen Wirthschast zu Helmstedt bei ei
nem Streite mit einem Stellmacher,
der fein Soldatenlepen gegen ihn aus
spielte.
Ein schrecklicher Unglücksfall ereig
nete sich hier auf dem Hauptbahnhof.
Bei den Werkstätten gerieth der 45
jährige Hülfsarbeiter Gropengießer
beim Ueberschreiten eines Geleises zwi»
schen einen auf demselben stehenden
Waggon 4. Klaffe und einen Wagen,
den man auf das Geleise gegen den
elfteren schob. Durch den vorstehen
den Kasten an diesem wurde dem Un
glücklichen der Kopf zerquetscht. Er
war auf der Stelle tobt. Er hinter
läßt Frau und sechs Kinder.
Freie Städte.
a a
Hamburg ausgewanderten Personen
betrug im letzten Jahre 55,097 Indi
viduen, und zwar 31,270 männlichen
und 23,827 weiblichen Geschlechts.
Darunter 7790 bezw. 6007, zusammen
13,997 Deutsche. Es wanderten 20,
065 männliche und 8660 weibliche ein
zelne Personen aus, während bie übri
gen 8633 Familien bildeten, darunter
1890 Deutsche.
Frau Dr. Friedmann, die Gattin
des' flüchtigen Rechtsanwaltes, ist in
einem Lokal von St. Pauli als Sän
gerin aufgetreten. Die Zuhörer er
hielten beim Eintritt gedruckte Karten
mit der Erklärung, daß die Dame
durch ihre Mutterpflichten gezwungen
fei, öffentlich aufzutreten. Dann fang
Frau Dr. Friedmann mit etwas un
reiner Stimme zwei Lieder.
E
störte das Hintergebäude des Haufes
Obernstraße 13, woselbst sich ein La
ger von Japan- und Ehina-Waaren
der Firma Schweers & Hoernecke be
fand.
Die bekannte AuswaNdererwirth
schaft ,-Zum Bremer Schlüssel" am
Breitenweg ist von dem bisherigen
Besitzer Wikh. 'Günther an den Witth
Warnken verkauft worden.
Bayern.
a r-
wartete., Reform des ärztlichen Prü
fungswesens scheint jetzt dorn Reiche
in Angriff genommen zu fein. Vor
einiger Zeit weilte Geheimrath Althoff
aus Berlin in München und et hat
mit den hiesigen Ministerien darüber
conferirt.
a I a r
gemeinde ist in 2 Jahren nur ein ein­
ziger Sterbefall vorgekommen, seit
Oft. 1893 und zwar im Okt. 1895. itlj
N a S
stellt, die am 2. Februar ablaufende
Frist zur Eröffnung des städtischen
ElektricitätSwerkeS bis 7. März zu
verlängern.
W N a
tischen (Sommers zur Feier des fünf«
unbzwanzig jährigen Bestehens bes
Reiches, als bie offiziellen Personen
bie Festräume verlassen hatten, ent
staub eine furchtbare Holzerei zwischen
ben fchlagenben unb nichtschlagenden
(katholischen) Studentenverbindungen.
Der «Skandal war großartig unb dau
erte stunbenlang. Wieberholt würben
bie katholischen Stubentenvereine
„Marfomania" unb „Normannia"
zum Saale hinausgebrängt, worauf
bie Prügelei im Garten sich fortsetzte
und bann wieder in ben Saal hinein
zog. Blutige Köpfe gab es auf beiden
Seiten die Menge, aber auch bas Mes
ser spielte eine Rolle in btm Geraufe,
denn mit einer erheblichen Stichwunde
im Beine verließ ein Korpsstudent
(Mainländer) den Kampfplatz.
Pfalz.
I a a
Mehnert feuerte auf zwei Fabrikanten
fünf Revolverschüsse ab, jedoch ohne
zu treffen. Ebendort erhielt der Schu
ster Westrich im Streit einen Fußtritt
auf den Leib und war fünf Minuten
später eine Leiche.
1 1
Sohn des Ackerers Joseph Meßmer
fiel beim. Brechen von Kiefernzapfen
fo unglücklich, daß er sich schwer ver
letzte.
WÜttemberg.
S a i
tung von Stuttgart nach Nürnberg ist
nunmehr fertiggestellt und zur Zeit
finden bereits Sprechversuche der ein
zelnen württembergischen Telephon
ämter mit Nürnberg statt. In die
Telephonleitung Stuttgart-Nürnberg
sind württembergffcherseis die Städte
Aalen und Trailsheim eingeschaltet,
aber auffallender Weife bayerischer
seits die Stadt Ansbach nicht, obgleich
die genannte Telephonleitung an Ans
bach borüberführt.
E
dige' Holzhauer Rub. Holber beim
Baumfällen im Gemeinbewalb von ei
nem abstürzenben Baumstamm er
fchiagen unb war auf der Stelle tobt.
S a a A
ger stürzte in dem sehr alten Gebäude
ein kleiner Theil der Decke über dem
Tanzboden herunter unb damit ein
wohl schon nahezu 100 Jahre versteck
tes und halb vermodertes Söckchen,
welches 140 Stück größere, sehr gut
erhaltene Silbermllnzen und ein Gold
stück enthielt. Die Münzen repräsen
tiren einen ansehnlichen Werthund da
tiren bis zum Jähre 1798 es ist des
halb anzunehmen, daß ein früherer
Besitzer des Adlers, das Geld ^ur Zeit
bes Napolionifchen Kriege im Anfang
bieses Jahrhunderts unter dem Bret
terboden seiner Bühne verborgen hat.
S I a a
Böhringen hat sich beim Holzfällen ein
bebauerlicher Unfall ereignet. Ein jun
ger 18jähriget Mann Namens Ernst
Hecht, war auf einer hohen Tanne mit
Abhauen von, Westen beschäftigt, wobei,
er herabfiel unb beide Arme brach, auch
sonst, besonders am Kopf etheblich ver
letzt wurde indessen sollen die Ver
letzungen nicht lebensgefährlich fein.
Baden.
a a s- A s
schuf} ber badischen Gewerbevereine
hat in Offenburg folgende Resolution
gefaßt. Die versammelten Vertreter
der Gauverbände der badischen Ge-
Werbevereine sind
im Prinzip mit der
Vertretung des Handwerkes in obliga
torischen Kammern einverstanden. Sie
behalten sich aber bezüglich der defini
tiven Organisation Stellungnahme
vor,
bis
das in Aussicht gestellte Gesetz
vorliegt.
I N
de bie Errichtung einer elektrischen
Bahn Heibelberg Nußloch berathen,
deren Herstellungskosten von dem Ver
treter ber Aktiengesellschaft Schucfert
& Co. in Nürnberg aus 800,000 M.
geschätzt Würben. Die Betriebskosten
würben sich auf etwa 86,000 M. jähr
lich belaufen. Der Gang ber Ver
handlungen läßt einen günstigen Er
folg für das Projekt hoffen.
a S a z
toatdorten trifft die Nachricht ein, daß
am 27. Jan. Nachts zwei heftige Erd
bebenstöße verspürt wurden, die von
Süd nach Nord verliefen. Sie wa
ren so stark, daß Menschen aus ihren
Betten geworfen wurden.
W a ch d. Beim Laden von
Holzblöcken rollte dem Fuhrmann Se
raphin Gasser, 41 Jahre alt, aus der
Annexe Reimbach ein schwerer Holz
block auf die Brust, so daß der Aerm
ste bald darauf an den erhaltenen in
nern Verletzungen verstrb.
Königen vor'm Reichstag. Pro
se''"or Röntgen, der Entdecker der 3E*
Strahlen, experimentirte vor dem
Reichstage, um den Abgeordneten den
hohen wissenschaftlichen und prakti
schen Werth seiner Entdeckung klar zu
machen. Die Regierung beabsichtigt
nämlich, die Röntgen'sche Erfindung
von Reichswegen anzukaufen.

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