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Der fortschritt. (New Ulm, Minn.) 1891-1915, March 26, 1896, Image 9

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Friedrich be 6a Tour hatte einiges
Recht zu glauben, «in überirdisches
Wesen habe es übernommen, sein Le
den freundlich urob angenehm zu ge
stalten, denn seit einem Monat hatte
der Zufall öder das Glück sich an seme
Ferse geheftet-und ihn reicher und zu
friedener gemacht, als er es in seinen
fühnften Träumen zu hoffen gewagt
hatte. Friedrich war fünfundzwan
zig Jahre alt und schon früh verwaist,
er mußte von dem Gehalt, den ihm ei
ne 'untergeordnete Stellung rat Mini
sterium des Innern eintrug, sehr ein
geschränkt leben. Als er einst durch
'die Straße Saint Honore ging, hielt
ein reiches Gefährt plötzlich vor ihm,
und eine junge Dame, die sich «weit
aus dent Kutschenschlag gelehnt hatte,
rief ihn an. Der Jäger sprang vom
Bock, ließ den Tritt herab und lud den
jungen Mann ehrfurchtsvoll ein, ne»
ben der Dame Platz zu nehmen taunt
war er eingestiegen, so jagten die Pser
de nn Galopp «weiter.
Mein Herr," segle die Dante, die
ihn so entführt, mit sanfter Stimme:
„ich haibc Ihren Brief erhalten doch
hoff« ich, Sie trotz Ihrer Ablehnung
morgen Abend bei mir zu sehen."
„Mich, gnädige Frau?"
„Ja mein Herr,, Sie. Ach ver
zeihen Sie mir," rief Sie 'bann er
staunt aus, verzeihen Sie mir aber
Sie sehen einem Herrn, ber mich oft
besucht, so täuschend ähnlich, daß ich
Sie mit ihm verwechselte. Ach ich
bitte recht seht
um
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ifll%wmiiui|||ü PMW
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A 7 1 'T "I
Vin ^aliemaii.
Erzählung aus dem Französischen von
H. Bock.
Mitternacht war vorüber schon
lange harrt« bit Neuvermählt« im
bräutlichen Gemach, als es dem jungen
Gatten mdtich gelang, sich seinen
Freunden zu entziehen und 'bot Ball
saal zu verlassen, um auf einer verbor
genen Treppe, auf iber öine Kammer
zofe seiner wartete, zu seiner geliebten
Frau zu eiiten.
Der junge Gatte klopfte leise an, die
Thür öffnete fttih und er fiel vor einer
Dame auf die Knie nieder, tote im rei
chen bräiutlichen Schmuck «wer Wittwe,
die einen neuen Bund geschlossen, sei
ner harrend am Kamin saß.
,/Steh' -doch auf," sagte sie zu ihrem
Mann und.reichte ihm die -seine, weiße
Hand.
„Nein, nsm, verehrte geliebte Frau,"
«vwiderte der junge Mann und drückte
heiße Küsse auf die Hand, welche sie
ihm dargeboten, „lassen Sie mich zu
Ihren Füßen liegen bleiben und ent
ziehen Sie mir Ihre Hand nicht, denn
ich 'fürchte, Alles um mich her ist nur
ein Traum und idj bin der Held eines
der Feenmärchen, deren Erzählung
meine Jugend oft erfreute."
„Beruhige Dich, mein Freund, ge
stern war ich noch die Wittwe Lord
Melvils, jetzt bin ich Frau de la Tour,
Dome Gattin lasse ans Deinen Ge
bauten die Fve Deiner Kindheit ver
schwinden, zur Wirklichkeit ist Dein
Märchen geworben."
Entschuldigung,
was wenden Sie öon mir denken.
Aber die Ähnlichkeit ist so überra
schend, daß sie jdben andern, wie mich,
getäuscht haben würde."
Ehe noch diese Erklärung ganz zu
Ende war, hielt der Wagen int Hofe
eines schönen Hauses und Friedrich
konnte nichts Besseres thun, als Lady
Melvil ibett Arm bieten. La by Melvil
trug nur einen englischen Namen, sie
war eine geborene Französin und eine
der schönsten Damen in Paris. Ihre
Züge waren geistvoll und ein ernster
Ausbruck verlieh ihnen etwas Reizen
des, Fesselndes.
Wiedvich, von ihrer Ammuih und
Liebenswürdigkeit bezaubert, pries sei
tuen glücklichen Stern, der ihm eine so
herrliche Bekanntschaft zugeführt hat
te. Die Lcnby war sehr freundlich ge
gen ihn, und nach einigen Tagen war
er schon unter den Gästen der Wittwe,
deren Namen der anmeldende Bediente
am meisten zu wiederholen hatte. Viele
Anbeter umschwärmten die reiche
Wittwe, sie wurden, einer nach dem
andern, verabschiedet unb Friebrich
machte in ihrer Gunst so rasche Fort
schritte, daß er mit ihr bald in ein sehr
inniges Berhä'ltnaß getreten war. Sie
machte fhnt zuerst ben Vorschlag einer
Heirath.
Friebrich war es noch immer zu
Muth wie einem Träumenben, ber in
mitten ber lieblichen Bilder die Angst
nicht vergessen kann, daß sie sein Er
wachen in Nichts zerfließen lassen
wird.
Maite und Pfarrer kamen dazu,
seinen Bund mit Lady Melvil einzu
segnen aber selbst Religion und Ge
setz konnten seinen langen Zweifel nicht
verscheuchen. Er blieb noch immer
zu den Füßen seiner Frau liegen und
hatte das eine Ende ihres reich gestick
ten Gewaltbes gefaßt, als wolle er den
schönen Traum, der ihm bald entfliehen
müsse, noch festhalten.
„Steh' doch auf, Friedrich," sagte
ihm seine Frau zum zweiten Mal, „se
foe Dich zu mir und laß uns plaudern:
[email protected] war «wmal
„Ach mein Gott!" rief Friebrich, „so
irre ich mich doch nicht, und was mir
begegnet, ist nichts als ein Feernnär
chm."
„Höre mich ruhtg an, mein Freund
*V**-'\\?-T
TV,»!
if-yt
jj.fe.
es war einmal ein junges Mädchen, die
Tochter von Eltern, die vormals reich
gewesen, die aber, als das Madchen
erst fünfzchn Jahr« alt war, schnell
verarmten, sodatz sie nur von dem le
ben mußten, woi der Vater mühsam
erwarb. Sie wohnten eigentlich in
Lyon und 'ich wviß nicht mehr, welche
Hoffnung «wer besseren Zukunft sie
nach Paris übersiedeln ließ. Nichts ist
so schwierig, als cht verlorenes Ver
mögen wieder zu gewinnen, in der Ge
sellschaft sich eine Stellung wieder zu
erobern, die man gezwungen 'war zu
verlassen. Das mußte der Vater des
jungen
Mädchens
bitter und schmerz­
lich empfinden. Vier Jahre bestand
er einen traurigen Kampf mit dem
Elend, dann starb er in einem Spital.
Die Mutter folgte ihrem Manne
bald, und die Tochter blieb jetzt allein
in einer Dachkammer, deren Miethe
noch nicht bezahlt war. Sie Hatte kei
ne Verwandte, keine Freunde, Nie
marod, der sich ihrer annahm, in Lyon
noch «Schulden «die zu 'bezahlen ihr un
möglich umsonst bemühte sie sich
um Arbeit, die des Armen einziger
Reichthum ist. Und doch mußte das
arme Mädchen leben der Hunger, den
sie den ganzen Tag ertragen, wurde
am Abend stärker. Die Nacht floh,
ohne ihr Schlaf zu bringen, und am
zweiten Tage quälte sie der Hunger
Wie ein wildes Thier, welches sie mit
seinen Zähnen zerfleischte wollte sie
ihm nicht erliegen, so muß
te sie betteln. Sie hüllte
sich in ein Tuch, das ihr die
Mutter hinterlassen und ging gebückt
und die Haltung einer alten Frau
nachahmend aus die Straße hinaus.
An eine Straßenecke, weit von der
Laterne, 'welche rings um sich flüchtige
Helle verbreitete, stellte sich das arme
Kind, und kam ein Mädchen vorbei,
welches glücklicher als die arme Bett
lerin, so hielt sie die Hand hin und
bat um einen Sou, um einen einzi
gen Sou, daß sie ftch Brot kaufen kön
ne. Abe die Mä'dchen gingen, ihrer
rfichf achtend, vorüber. Kam ein
Greis des Weges her, so hielt die Bett
lerin auch ihre Hand und bat um ein
Almosen aber das Alter macht oft
hart und eigensüchtig, auch die Greise
gingen vorüber, ohne die Amte zu be
denken. Und die Nacht wurde sin
stet Patrouillen, Nachtwächter und
Straßensergeanten zogen vorüber.
Das arme Mädchen kämpfte nur müh
sam noch gegen Hunger und Mattrg
keit an. Noch einmal streckte sie bit
tend ihre Hand aus diesmal war es
ein junger Mann, an welchen sie sich
wendete. Er blieb stehn, griff in die
Tasche und warf ihr ein Geldstück hin,
als fürchte er, feine Hand möge die ih
rige berühren. Da sprang ein Mann
hervor, welcher die Bettlerin schon
lange heimlich belauert hatte und faß
te die Arme hart an: „So ertappe ich
Euch endlich," schrie er, „Ihr bettelt
marsch mit Euch in's Gefängniß.
Da nahm der junge Mann sich der
Bettlerin lebhaft an. Er faßte ihre
Hand, die er vorher nur mit dem
Handschuh zu berühren gewagt hatte
und wendete sich mit den Worten an
den Polizeidiener: „Diese Frau ist kei-•
ne Bettlerin, ich kenne sie
„Gute Frau," sagte er dann leise zu
dem jungen Mädchen, welche8 er für
eine alte Bettlerin hielt, „nehmt die
ses iFümffmnifeniftüdt. und laßt mich
Euch in die Straße bringen, wo Ihr.
wohnt."
„Das Geldstück glitt
aus
Ewst trat Lord Melvil in das klei
ne Zimmer, in dem ich gewöhnlich
nähte, und setzte sich zu mir. „Made
moiselle," sagte er mir, „ich kenne Jh
re Geschichte, wollen Sie mich heira
then?"
,j(5ie Heimchen," rief ich überrascht
aus.
1
3 5
wHM
9f
„Ja, ich bin schr reich und mag
meine Bvsitzthümer nicht undankbaren
Neffen lassen, die auf meinen Tod
lauern ich habe die Gicht und mag
mich nicht der eigennützigen Sorge von
Bedienten überlassen. Dorf ich Dem
glauben, 'was man mir von Ihnen ge
rühmt 'hat, so sind Sie ein braves und
liebenswürdiges Mädchen. Es hängt
nur von Ihnen ab, Lady Melvil zu
werden und zu beweisen, daß Sie des
Glücks würdig sind, wie Sie das Un
glück trouthvoll zu ertragen wußten."
„Glücklicher Lord Melvil." unter
brach sie Friedrich, „er durfte Dir
Reichthümer zu Füßen legen."
„Er war wirklich glücklich," erzählte
Madame de la Tour weiter. „Er
hatte richtig berechnet, daß Dankbar
keit ihm die Anhängigkeit einer Frau
sichern würde, die ihm Alles ver
dankte."
„Ich vertraute mich dem edlen Lord
an und zum Dank für das, was er
an ntlir gtfhan, verschönte ich seine
letzten Lebensjjahre. Er starb und
ließ mich im Besitze seines ganzen
Reichthums, ich aber gelobte mir mit
einem heiligen Eide, nie eine zweite
Ehe einzugehen, als mit dem edlen
Manne, welcher mir im schrecklichsten
Augenblicke meines Lebens die hilfrei
che Hand geboten."
iMtt diesen Worten löste sie von
ihrem Halse ein prachtvolles Geschmei
de ab und zog aus einer reich verzier
ten Kapsel, die -daran befestigt war,
einen Thaler von hundert Sous. „Das
ist derselbe, 'welchen 'Du mir einst ge
schenkt," sagte sie und reichte ihn ihrem
Gatten.
„Äks sie Geld in meinen Händen
sahen, gaben Sie mir an jenem Abend
ein Brod auf Borg, und ich konnte da
von mein.Leben bis zum anderen fri
sten. Arn andern Morgen gestaltete
'sich mein Geschick so günstig, daß ich
seinen Dhaler .behalten konnte er
hat mich nie mehr verlassen.
Ach wie glücklich war ich, als ich
vor einem Monat Dich wieder erkann»
te. Meine Pferde mußten halten, ich
nahint zu dem ersten besten Vorwand
meine Zuflucht. Ein einziger Gedanke
peinigte mich noch ich fürchtete, Du
feist verheirächet."
Friedrich hielt in stummer Rührung
den Thaler in den Händen, der ihm so
schönes Glück gebracht.
„Du siehst." lächelte seine Gattin,
„ich bin keine Fee. Du aber hast mir
übten Talisman gegeben."
a a
a a
Deiner
Hand in die meine," erzählte die jun
ge Frau weiter, „und als wir dann an
der Laterne votübergiingen, die ich bis
dahin vermieden hatte, sah ich Deine
Züge."
„Du sahst mich?" rief Friedrich
überrascht.
„Ja, mein theurer Freund, ich war
es, der Du damals das Leben und
vielleicht die Ehre rettetest der Lady
Melvil, idie Dir jetzt sur's Leben an
gehört, schenktest Du einen Thaler."
„Dir! Du so jung, so reich, so schön
und edel, Du hast betitln müssen?"
„Ja, ein Almosen habe ich empfan
gen, in einziges. Den Morgen nach
jenem furchtbaren Tage, welchen ich
jetzt zu den glücklichsten meines Lebens
zählen darf, verschaffte mir eine alte
Nachbarin, deren Mitleid ich erregt
hatte, eine Stelle als Nätherin in ei
nem anständigen Hause. Ich wurde
bald die Freundin 'der braven Frau,
bei der ich arbeitete.
Im Auftrage des französischen
Landwirthschaftsministeriums sind an
der Thierarzneischule zu Lyon durch
Professor Comevin eine größere An
zahl von Fütterungsversuchen mit Kar
toffeln bei Milchkühen angestellt wor
den der genannte Forscher giebt als
Resultat dieser Versuche folgende Sa
tze an: 1. Milchkühe, welche nur aus
schließlich mit rohen, zerkleinerten Kar
toffeln gefüttert werden, können unge
fähr 7 Progent ihres Lebendgewichtes
davon aufnehmen. 2. Diese einseitige
Ernährung erhöht zwar line tägliche
Milchmenge, aber es tritt eine starke
Verminderung des Lebendgewichtes
ein. Die Thiere nehmen die Kartof
ifelro zuletzt nur mit Widerwillen auf.
13. Gekochte Kartoffeln nehmen Milch
kühe gern« auf. Ernährt man die
Thiere aber nur mit diesem Futtermit
tel, so zeigen sie bald schwere Störun
gen 'der Verdauung, das Wiederkäuen
.wird gestört oder aufgehoben und eine
'längere Fortsetzung einer derartigen
Fütterung ist nicht möglich. 4. Gleich
I gültig, ob roh oder 'gekocht verfüttert,
.müssen die Kartoffeln mit anderen
Futtermitteln gemengt verwendet wer
den, uM eine dem Nutzungswerthe pas
sende Ration herzustellen. Durch die
I zweckmäßige Mischung der Kartoffeln
mit anderen Futtermitteln werben die
I mechanischen 'Verdauungsvorgänge ge
fördert und durch Herstellung eines
passenden Nährstoffvechältnisses die
vollständige Ausnutzung der Futter
Mischung
gesichert. 5. Die Nährwir
kung der Kartoffeln wurde gleichzeitig
bei zwei Gruppen von Versuchskühen
geprüft: bei der einen Gruppe machten
die Kartoffeln 50 Prozent, bei der an
deren
22
Prozent der Gesammttrocken-
suibstanz aus die erstere Ration erwies
sich als die bessere. 6. Andere verglei
chen'de Fütterungsversuche ergaben, daß
die rohen Kartoffeln die Milchabson
betung begünstigen, 'während bei der
Verfütterung im gekochten Zustande
das Körpergewicht durch vermehrten
Fettansatz zunimmt. 7. Während der
Kartoffelfütterung nimmt der Zucker-
ÜÜfc tit i&fcilSÄ
wmmämm
•tie
Vellage z«m
Fortschritt", New Mm, Minnesota.
gehalt der Milch zu diese Zunahme
gleicht 'sich indessen beim Futterwechsel
wieder aus. 8. In zwei Gruppen ein
getheilt, erhielten acht Kühe während
vier Monaten je 40 Pf unb, respektive
20 Pfund Kartoffeln per Tag unb
Stück bic wöchentliche Untersuchung
brr M:!ck
ergab eine Abnahme bes spe
zisischen Gewichtes, sowie bes Gehaltes
an Trockensubstanz unb Casein, wäh
rend der Gehalt an Fett unb Mineral
substanz zunahm.
Kü nst'li ch Dünger.
Die dem Boden durch die Ernte ent
nommenen Nährstoffe, müssen demsel
ben durch die Düngung wieder ersetzt
werden. Dies ist eine der wichtigsten
Grundlchren der Landwirtschaft. Oh
ne die genaue Beobachtung dieser Leh
re wird der Ackerbau zum reinen
Raubbau und von einem dauerhaften
landwirthschaftlichen Betrieb, der sich
für den Farmer von Segen erweist,
kann unter solchen Umständen kaum
die Rede sein.
Der Raubbau« entzieht seinem Acker
eine Ernte nach ber anderen, so lange,
als Nährbestandtheile, wie sie .die
Pflanze braucht, im Boden vorhanden
sind. Hat er denselben aus diese Art
ausgesogen, sind seine Ernten von Jahr
zu Jahr geringer geworden, so daß sei
ne 'wenige Arbeit, welche er aufgewen
det, ftch für ihn nicht mehr rentirt,
bann läßt er den Acker liegen unb sucht
sich neuen jungfräulichen Boden, auf
welchem er bann sein sträfliches Ver
fahren von neuem beginnt.
Der zurückgelassene ausgebaute Bo
den kann wohl wieder in Ertrag ge
bracht 'werden,, dazu gehört aber mehr
Zeit, Kapital und Arbeit, als hätte
aufgewendet werden müssen, wenn
man mit Beobachtung des Eingangs
erwähnten Fundamentalgesetzes die
Fruchtbarkeit des Ackers durch Ersatz
der Bodenbestandtheile erhalten hätte.
Im Stalldung sind nun die, für die
jeweiligen Ernten nöthigen düngenden
Beandtheile am vollständigsten enthal
ten,„abtt. doch nicht so vollständig, daß
sich nicht mit der Zeit ein Mangel an
Phosphorisäure und Kali bemerklich
machen wird.
Wurde der Stalldung richtig behan
delt, so sind alle Nährstoffe, in der für
die Pflanzen nöthigen löslichen Form,
sowie der nöthige Stickstoff, in bemsel
ben enthalten. Allein der Stalldung
wird leider in der Regel nicht so be
handelt, wie es sein sollte, und so hat
sich schon feit langer Zeit das Bedürf
niß nach sog. Hülfsdiinger, der den
Mängeln des StaWunges abhilft, ein
gestellt. Diese ergänzenden sogenann
ten Hülfsdünger enthalten in der Re
gel aber nur den einen oder andern
Stoff, z. B. Phosphorsäur«, Kali oder
Stickstoff allein. Seltener smb meh
rere Stoffe, z. B. die drei eben genann
ten zusammen vertreten, aber dann
thut jedenfalls einer derselben bedeu
tend überwiegen. Kochsalz, Gyps,
Ka'lk usw. sind in dieser Beziehung
ebenfalls als Hülfsdünger aufzufassen,
indem sie helfen- sollen, die düngende
Wirkung des Stallmistes zu vervoll
kommnen, older aber die etwa vorhan
de Bodenkraft des Ackers besser auszu
nützen.
Diese Hülfsdünger sind theils rein
mineralische, Gyps, Chilesalpeter u. s.
w. theils organische, wie z. B. Kno
chenmchl, Guano etc. theils sind sie
reine Naturprodukte, theils sind sie
in Fabriken in löslicher Form herge
stellt worden.
In Folge dieser letzteren Verarbei
lung der meisten Phosphor- und Ka
liidünger, um die «Löslichkeit der betr.
Stoffe herbeizuführen, spricht man
auch von künstlichen Düngern. Ew sol
eher mag aber nun so künstlich sein
als er will, nie und zu keiner Zeit wfrd
er die Stelle eines Stalldüngers ver
treten können, er ist und bleibt immer
nur ein Hülfsdünger. dessen Anwen
•bung cht die überraschendsten Erfolge
auswerft.
Bei allen diesen künstlichen Düngern
kommt die Löslichkeit ber in denselben
enthaltenen Nährstoffen in
Noch
HPIHID1 'I
BetrachM
so sein gemahlene Sombrero-
Koprolithen werben wohl eine Menge
Phosphorsäuve enthalten, die aber kei
ne sofortige Wirkung ausübt, wie ein
chemisch aufgeschlossenes Präparat.
Fehlt diese chemische Löslichmachung,
bann ist das Gelb für 'künstlichen Dün
get geradezu hinausgeworfen. Aber
auch chemisch aufgeschlossene Dünget,
wie z. B. Supet-Phosphate, verlieren
bei längerem 'Lagern oft den ursprüng
lich gehabten löslichen Procentsatz und
werden wieder unlöslich.
Der Farmer kann sich viel Geld spa
rot, wenn er vom Zukaus aller Phos
phorsäurehaltigen Dünger absieht, da­
1
W'ftMrnti
W
gegen alle Knochen, welche et auftrei
ben kann, sammelt und selbe durch
Selbstethitzung mit Jauche in eine lös
liche Form bringt. Selbstverständlich
müssen die 'Knochen so viel wie möglich
verkleinert werden. Waren die Kno
chen nicht ausgekocht, so gewinnt er bei
dieser Gelegenheit auch noch den Stick
stoff, welcher in den Knochen enthalten
ist.
Als Kalidünger ist in erster Linie
die Holzasche anzusehen. Dies ist für
ben Farmer der billigste Kalidünger,
welchen er überhaupt sich verschaffer
tarnt. Die s. g. 'Staßsuvter Abraum
salze und verschiedene Chlor-Kalium
u. s. w. enthaltende Nebenprodukte
aus chemischen Fabriken sind außer
der Holzasche wohl die wichtigsten Ka
li-Lieseranten.
Als Stickstoff 'Dünger haben wir
außer einigen chemische.» Nebenpro
dukten hauptsächlich Guano und Chili
Salpeter anzuführen. Elfterer ist oft
vom Regen, dort too er geholt wird,
so ausgewaschen, 'daß er öfters als
nicht einmal so 'werthvoller Phosphor
Dünger, statt als Stickstoff Dünger
angesehen werden muß. Auch aus Fi
sehen wird ein stickstoffhaltiger Dünger,
der s. g. Fisch-Guano, hergestellt. Der
C'hili-Salpeter ist ein Stickstoff-Dün-'
get pat excellence, man muß sich aber
sehr 'hüten, zu viel davon in Anwen
dung zu bringen, denn sonst verspätet
man sich seine Ernte ungeheuer. Da
er weniger ans die Frucht wirkt, wird
man bei Körnerfrüchten wenig Mehr
ertrag finden, die Pflanze selbst aber
wird ein üppiges Wachsthu-m zeigen.
Meiner Atisicht nach ist eine Düngung
von 100 Pfund Chili Salpeter auf
den Acker schon mehr als genügend.
Eine Stickstoff Düngung möchte
ich nur danb als von Vortheil anse
hen, wenn der Acker in guter Kraft
steht. 'Ein armer abgebauter Acker
ist nach der Crnte, wenn et eine Stick
stoss-Düngung erhalten, im Verhält
nis noch ärmer als vorher. In die
fem letzteren Fall sollte neben der Stick
stoff- Düngung noch eint Phosphor«
säure und Kali-Düngung gleichzeitig
mit stattfinden.
Die 'Beiidünger sollen rasch wirken,
denn ihre Wirkung ist in der Regel
nut für die kommende Ernte berechnet.
Daher ist eine Hetbstdiingung unter
Umständen nicht räthlich, sondern eine
Kopfdüngung im Frühjahre vorzuzie
hon. Bringt man aber den künstlichen
Dünget in den Boden, so sollte es je
derzeit nur sehr flach geschehen.
Unter der Überschrift „Die Got
tin det Freiheit heirathet nicht" schreibt
a a E s
bürget Zeitung brachte dieser Tage
die Nachricht, daß Frl. Anna W. Wil
liams, eine Lehrerin, die an ber hiesi
gen Novmalschule angestellt ist, sich
demnächst vecheirathen würbe. Die
Sache hatte nur insofern für das all
gemeine Publikum Interesse, als es
wohl kaum einen erwachsenen Men
schen in denVer. Staaten geben dürf
te, der nicht schon das Porträt ber
jungen Dame in der Hand gehabt hat.
Manche Leute besitzen dasselbe sogar
in seht vielen Exemplaren. Zu dem
Kopse der Göttin ber Freiheit, der sich
auf unseren Silberdollars befindet, hat
nämlich Frl. Williams Modell gesessen.
Sie erklärt, daß sie mit ihrer jetzigen
Lage ganz zufrieden fei unb nicht an's
Heirathen denke. Wenn sie gesonnen
wäre zu heirathen, so hätte sie nur die
Auswahl zu treffen brauchen, ba sie,
nachdem es bekannt geworden war,
daß sie für das Porträt Modell gesessen
hatte, die Heirathsanträge büschelweise
erhalten hätte. Im Iahte 1876 hätte
das SchatzamtSdepartement Hrn. Mor
gan, einen bekannten Graveur, beauf
tragt, eine Zeichnung für den neuen
Silberdollar zu machen. Den Revers
hatte er bald fertig, aber es fehlte ihm
an einer passenden Zeichnung für den
Avers, für welchen et das Portrait ber
Göttin der Freiheit ausetfehen hatte.
Thomas Gakins, ein bekannter Künst
ler und Freund des Herrn Morgan,
der in dem Hause der Eltern des Frl.
Williams viel verkehrte, wußte die
junge Dame zu veranlassen, Herrn
Morgan als Modell zu sitzen. Zwei
Iahte lang wurde die Sache geheim
gehalten, dann aber wurde sie bekannt,
und von der Zeit an hatte Frl. Wil
liams ein schweres Dasein, denn tag
lich erhielt sie ganze Stöße von Briefen
von „Cranks" aller Art, welche sie um
ihr Autograph, ihr Herz und ihre
Hand baten."
Die Wohnung von Father Bau
mann in Dubuque würbe beraubt,
während er Gottesdienst in ber Kirche
hielt.
-i -V.„8*i,
WWW
Humoristisches.
A W
„Du 'hast Dir während m«m«r Abwe
senheit den Dottor holen lassen, was
fehlt Dir denn?"
Junge Frau: „Ich habe mich so ge
langweilt."
«iste ö-Gegenwart. Ein»
brechet (einem Pfandleihe* die Pistole
auf die Brust setzend): „Geld her. Ju
de! ober..." Pfanblether: „Gott, was
werd' ich können geben auf die alte
Pistole? Drei Mark!"
Dame: „Das Blinden Asyl."
S
Frau scheint krank zu sein?" —„Ach
wo Verstellung ich soll ihr einen
neuen Wintermantel stibitzen!"
W a
verstimmt, Herr Assessor?"
„Ach, Herr Rittmeister, soeben
Korb bekommen!"
„Korb bekommen... Was ist denn
das?"
E a
Student (der arbeiten will, unb bei
Beginn gleich einen Klex macht, zu sei
nem Hunde): „Komm, Cäsar, gehen
wir in 'die Kneipe, es soll heut' schon
nicht fein!"
E A
Fräulein (zu einem Herrn): „Herr
Meter, Sie find meiner Schwester ge
genübet so liebenswürdig, ich glaub'
immer, Sie haben Absicht aus sie!"
Herr: „Aber, mein Fräulein, wegen
meiner Liebenswürdigkeit?" Wer wird
denn das gleich so übel auffassen!"
S a
Kollegen): „Wie fängst Du's nur an,
daß Deine Abtheilung so schneidige
Säbelhiebe macht?" „Ganz einfach
ich ärgere die Kerls vorher bann
hauen Sie wie verrückt."
a a n
tier Tausendmeiet zeigt einem Freunde
seine neue Wohnung beim Eßzimmer
angelangt: erklärte er: „Meine Frau'
hat schon ausgemessen: hier können,
Gobt behü't', vierzig Personen speisen."
S Jung
Dame (reiche Erbin, nachdem sie einige
Sachen gekaust, zum Händler): „Ich
möchte mich auch gerne einmal wiegen
gen lassen." Kaufmann: „Schön, mein
Fräulein Herr Lehmann, bringen Sie
'mal schnell die Goldwage herein!"
s
thekar, bessen Bibliothek er besichtigt):
„Aber, lieber Professor, warum haben
Sie denn die Bücher alle umgekehrt?"
Professor: „Aber Durchlaucht, tu,
konnte doch nicht zulassen, daß die Bü.
cher Ihnen den Rücken zudrehen!"
n. Die kleine An
na: „Mein Papa hat mit diesen Ring
vergolden lassen." Die kleine Bertha:
„Unld mein Papa hat die Uhr ber Ma
ma selbst versilbert."
S a a
Lehret: „Na, Klaus, wie vertreibt Ihr
unb Eure Mte Euch an Sonn- und
Feiertagen die Zeit?"
Bauet: „Gang fcho, Herr Lehrer,
rauch unld mei Alte schnupft."
A a
ster (zum Jagdgast, auf den man noch
gewartet): „Sie lassen lange aus sich
warten, Herr Baron! Es ist hohe Zeit,
daß wir mit der Jagd beginnen —die
Hasen werden schon ungeduldig!"
E
(am Hochzeitstage): „Aber, Lina, wes
halb hast 'Du denn solche Angst vor der
Ehe?"—T cht er: „Wegen der Gar
dinenpredigten weißt Du, Mama, ich
habe halt gar kein Rodnertalent!"
a A
Schon wieder Blumen, Herr Baron!
Sie könnten in der That nun schon
bald von der Botanik zur Mineralogie
übergehen!"
a a
heute ist, während Du abwesend warst,
der Bäcker Pappel hier gewesen und
hat um Deine Hand angehalten der
Mensch ist mir so verhaßt, daß ich or
dentlich Lust hätte, feine Schwieger
mutter zu werden!"
Am vor ch t. Fremder
(zum Otts'fiumdigen): „Warum ist denn
gar so ein Mdlefizpflafter in Eurem
Orte?" Einwohner: „Ja, wissen's,
Euer
Gnaden, unser Bürgermeister is
der Schuaster da hat et halt bö spi
tzigen Sianen extra legen lassen."
E a
A.: „Ich möchte mich Ihrer Nordpol
Expedition anschließen."
Kapitän: „Haben Sie irgendwelche
Empfehlungen?"
A.: „Ich habe einem Bostoner Mäd
chen zwei Monate lang den Hof ge
macht."
Die Ortschaft Graft"" in
OzaUkee County wurde als Village
incorporirt.
i-i

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