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Der fortschritt. [volume] (New Ulm, Minn.) 1891-1915, April 09, 1896, Image 9

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Uk.
EechS auf einmal.
Im April des Jahre» 1884 war ich
in Tombstone, Arizona, der Zeug« ei
ner Hinrichtung, bte ich niemals ver
gessen werde. Es war das erste Mal,
daß ich einer Hinrichtung beiwohnte:
Sechs Personen fanden zu gleicher
Zeit ihren Tod am selben Galgen!
Tombstone war damals ein noch unbe
deutender Ort, erst vor etwa 6 Jahren
von Bergleuten gegründet. Die Stadt
war jedoch fast ausschließlich amerika
nisch, und amerikanische Sitten und
Gebräuche herrschten in derselben. Im
Jahre 1884 wait Tombstone der Coun
ty-Sitz von Cochise County und Theil
eines Gerichtsdistrikts unter der In
riSdiktion eines Bundesrichters, der
daselbst alljährlich zwei Gerichtstermi
ne abhielt. Angesichts der knapp be
messenen Zeit für gerichtliche VerHand
lungvn und des mitunter nur sehr
zweifelhaften Materials bei der Aus
Wahl von Geschworenen. war es nicht
allein.sehr schwer, die Uebersührung
der Angeklagten herbeizuführen, son
d^n ?s war vor Allem auch kaum
möglich, die Verbrecher zu halten, falls
dieselben 'Pferde finden konnten. Die
nächste. Eisenbahnstation lag über 12
Meilen entfernt, und die Berge in fast
unmittelbarer Nähe gewährten den
Verbrechern Schutz im Hinterhalt, Et
wa 10 Meilm vonToMbstone entfernt
lag ein kleines Minen „Camp," BiSbee
genannt, mit etwa 100 Einwohnern.
Dort befand sich die Office der Berg
wxrksgefellschaft, und nur viertel
jährlich gab es in dem armseligen
.Camp" etwas zu stehlen, nämlich
«wenn..der 'Superintendent die Leute
abzahlte. Infolge dessen hatte man
auch,.in 99tobte nichts weiter pon her
Rauberbande, zu fürchten, die von
„Red Sample" und „Dan Dowd"
geführt, die Umgebung von Tombstone
unsicher machten. Die Bande, deren
Fichrer notorische. Pferdediebe aus
Texas. warm, bestand aus sieben
Mann.
Zu verschiedenen Malen waren die
„Stage Coaches" unweit Fairbanks
und Tombstone aufgehalten und he
raubt worden. Verschiedentlich hatten
die Räuber die Faro-Banken heimge
sucht und jedes Mal floß Blut. Wie
viele Morde auch vorfielen, die Despe
radosentkamen jedes einzelne Mal.
Gegttt die Führer der Bande, wie ge
gen die Mitglieder derselben, welche
im Volksmmrde die verschiedensten Na
men, wie „John Doe," „Richard Roe"
u. s. to. trugen, doch deren wahre Na
men 'den Geschworenen unbekannt wa
ren, wurden wiederholt Haftbefehle er
fassen* doch nie gelang es, derselben
habhaft zu werden.
An einem Samstag Nächmittag
es war gerade Zahltag in Bisbee—
ritten sieben Männer in das Stäb
chen. Vor der Office der Mienen
Gesellschaft stiegen sie ab, und wäh
rend drei von ihnen die Office betraten,
lpatrouillirten die anderen vier außer
a 7 7 7 7 7
Der Sekretär und zwei Clerks wa
ren gerade mit dem Zählen des Geldes
beschäftigt. Drei Schüsse fielen, und
tobt' stürzten die Office-Beamten zu
sammen. Langsam und in aller Ruhe
nahriien 'die drei Raubmörder das Geld
an sich und schlössen sich bann ihren
Kameraden an, die indessen vor der
•Office sich damit begnügt hatten, nach
Allem zu schießen, was ihnen gerade
gefiel.
Durch den Lärm waren Neugierige
an Ort und Stelle gezogen worden,
doch zu ihrem eigenen Verderben,
beim die Desperados schössen aus sie,
wie. auf Jeden, der sich blicken ließ.
So wurden außer den drei Clerks
noch vier Leute in kaltem Blute von
den Räubern erschossen, darunter ein
Deputy-Sheriff, Namens Jones. Ge
rade dieses Namens entsinne ich mich
dnttflich, denn noch sehe ich 'dessen Witt
tve vor meinem geistigen Auge, als sie
vor etwa 12 Jahren vom Fenster ,des
Cckttthauses aus der Hinrichtung der
Morder beiwohnte, die einst ihren
Gatten erschossen hatten.
Mit lautem und harten Lachen sah
sie zu, als die erbärmlichen Missethäter
zum Schaffst geführt wurden, und mit
höhnischem Ausdruck beobachtete sie ge
nau. als man den Verbrechern die
schwarzen Kappen über die Köpfe zog.
Doch ich will auf jenen blutigen
Nachmittag in Bisbee zurückkommen.
Die 'sieben Männer, welche erschossen
wurden, waren nicht die einzigen
Opfer, auch eine Frau, die ihrer Ent^
bindüng binnen Kurzem entgegensah
und zufällig an die Thüre ihres Wohn-'
Hauses trat, wurde von den Schurken
niedergeschossen.
Hierauf sprangen die Mordbuben
auf ihre Pferde und ritten, rechts und
links in die Häuser feuernd, aus dem
Dorfe hinaus, ihren Schlupfwinkeln in
dm Bergen zu. Das kleine Stadt?
chen war in tiefe Trauer versetzt, und
Niemand dachte daran, die Mörder zu
verfolgen oder deren Identität festzu
stellen.
iJm County-Sitz Tombstone rief die
Nachricht von diesem Ueberfall und
schrecklichen Blutbad natürlich große
Aufregung hervor, doch auch hier
wußte man nicht, wie vorzugehem Der
Staatsanwalt war damals Marcus
Aurelius Smith, ein junger Mann
von 34 Jahren und ein Kentuckter.
Smith informirte sich so gut er konnte.
Nur
id7jß$t»f)a
„Pinto
tH5SHf
Er sprach mit Jedermann in der Tie «a«e d»r A«ge?tel»te« im «ol»
Stadt nimb im County, der die Räu- lande.
ber je gesehen, und sammelte alle und'
jede Information, die et Wer „Red Iohannisburg, Ende Jan
Sample" und „Dan Dowd" zu erhal- nuar. Im Lvnde des Goldes sieht es
ten im Stande war. augenblicklich traurig aus. Die Kri-
Durch dies«, wenngleich oft wider- sis hat das ganze Geschäft statt es zu
sprechenden Personal Beschreibungen heben, untergraben. Eine große An
wurde Smith, ein ehrgeiziger und zahl von Geschäftsleuten hat schon die
energischer junger Mann, in Stand Stadt verlassen, einige Minen wollen
gesetzt, eines Samstags Abends et- den Betrieb ganz einstellen und circa
wa'sechs Monate nach dem beschriebe- 2000 Arbeitslose aller Nationen sind
neu Blutbad in Bisbee—zwei von sie- in der Stadt. So schaut es aus.
ben Männern, welche in die Stadt rit- Und nun denke man. sich, welchen Ein
ten und vor der Occidental Faro-Ban'k, druck es macht, wenn mit der letzten
abstiegen, als Sample und Dowd zu europäischen Post ein Artikel der „Klei
erkennen. jtten Presse" aus Frankfurt a. M. zu
Die Fremden nahmen sofort an uns gelangt, der die Verhältnisse hier
verschiedenen Tischen an dem Spiele als die glänzendsten der Welt schil
theil. Da Tombstone als Proviant-j dert. Er ist vor der Krüsis geschrieben,
Station für die Bergwerke oft Hun-. aber von wem zunächst? Vielleicht von
derte von Fremden «beherbergte, fand. einem Günstling Fortuna's, der es so
Niemand etwas Auffälliges in dem angetroffen, daß sein Durchschn-ttts
Erscheinen 'der sieben 'Ankömmlinge,'gehalt 25 Pfund Sterling per Monat
die sich «überdies sehr ruhig verhielten.' beträgt. Kerne Regel ohne Ausnah
Smith jedoch hatte sofort die Polizei-1 me. Durchschnittlich aber beträgt das
behörden von seinem Verdacht in Anfangsgehallt 12,13 und 14 Pfund
Kenntnis} gefetzt, und allmählich. Ei- Sterling, das entspricht ungefähr ei
ner nach dem Andern, betraten die She-! nem deutschen Gehalt von 100 bis
riffs und Deputies den Spieksaal. um! 150 Mark. Denn man wolle bedenken,
jedm Verdacht zu vermeiden. jkaß hier alles doppelt so theuer ist als
Mittlerweile hatten die Beamten daheim, besonders für den unverhei
die Spiettische umzingelt und sich je ratheten Mann. Ein leeres Zimmer
zwei hinter den Stühlen der sieben kostet 2 Pfund bis 2 Pfund 10 Schil
Verdächtigen postirt. Auf ein gegebenes ling in den Vororten, im feineren
Zeichen wurden die Kerle festgenom- Stadtviertel, in welchem gar Mancher
men, indem jedem Einzelnen derselben in Folge der Entfernungen zu wohnen
zwei Revolver vorgehalten wurden, gezwungen ist, gar 5 bis 6 Pfund
An ein 'Entrinnen war nun natürlich Sterling. Ein Wagen nach dem circa
nicht Möhr zu denken, denn ein Versuch dreiviertel Stunden vorn Mittelpunkt
dazu wäre sicherer Tod gewesen. entfernten Sadtviertel Rosettenville
Einer der Mörder wurde von den kostet 10 Schilling.
erzürnten Bürgern sofort gelyncht, und Aehnlich steht es mit allem anderen,
die Anderen würden dasselbe Schick- mit Wäsche etc. Das Einzige, was viel
sal getheilt haben, .wäre nicht Mark leicht billig zu nennen ist, sind die
Smith gewesen, der eine genaue Un- Mahlzeiten, immerhin aber muß man
tersuchung der Mordchat in Bisbee per Monat für täglich drei Mahlzeiten
und eine gesetzliche Verurtheilupg der 4 Pfund Sterling 10 Schilling bis 5
Verbrecher forderte. Pfund Sterling., in deutschem Gelde
Nach wenigen Monaten wurden etwa 90 bis 100 Mark, also fast die
„Red Sample," „Dan Dowd." „Red Hälfte des Monatsgeldes zahlen. Das
Tex," „Dan Kelley," „Cool Tom" und Besohlen der Stiesel kostet 6 bis 7
„Pinto Jim," wie die Desperados sich Schilling, ein Glas Bier 6 Cents 50
nannten, prozessirt und für schuldig Pfennig, eine Flasche deutsches Bier
befunden. Eine Berufung an das 4 Schilling, eine Cigarre 6 Cents-50
Obergericht wurde abgMesen. Pfennig unld so fort. Diesen Preisen
Ich wohnte der Hinrichtung bei und ist das Gehalt angepaßt. Das wissen
sprach noch eine Stunde vor 'derselben leider die wenigsten Europäer, sie las
mit jedem einzelnen der verurteilten sen sich durch das Angebot eines an
Verbrecher. Ihre Vergangenheit war scheinend hohen Gehaltes verleiten,
und blieb ein verschlossenes Buch. Von hierher zu kommen. Sie rechnen den
Keinem wurde je bekannt, wer sie ge- ganzen Weg, wie viel sie sparen wol
Wesen oder wie sie geheißen, nur das tat, und wenn sie dann hier im gelob
verlautete, daß die beiden Anführer ten Lande sind, dann platzt schon nach
der Bande, „Red Sample" und „Dan wenigen Stunden die Seifenblase der
Dowd," früher „Cowboys" in Texas Hoffnung, der goldene Traum weicht
gewesen warm. einer trüben Stimmung und allmiilig
Zim," ein junger Bur- sehen sie ein, was sie für Dumm-
sche von etwa 27 Jahren, sprach etwas Hpfe waren, die Heimath zu verlassen,
offener zu mir. Er schrieb einen Na- Zwar werden sie nickt verhungern,
men in mein Notizjbuch und bat mich, denn der Deutsche im, Ausland hat ja
denselben nicht eher zu "lesen, als bis noch immer einen Schilling übrig für
die Hinrichtung vorüber sei. Er bat einen stellungslosen Landsmann aber
mich auch, falls ich je die Hauptstadt ei- monatelang ohne Arbeit auf's Mitleid
nes gewissen Staates im Osten besu- Anderer angewiesen zu sein, das
chen sollte dif ich hier nicht nennen schwächt und deprimirt den tüchtigsten
darf, ebensowenig wie den Namen des Mensthen. Nach den letzten Erhe
arnten Teufels —, seinem dort leben- düngen waren 80 bis 90 Deutsche Pel
den Bruder die Geschichte seines Le- lungslos. Ein anerkennenswerter
bens in Arizona und seines Todes Eiser, sie zu versorgen, entwickelte sich
mitzutheilen. aber, und heute nach vierzehn Tagen
Er war der Einzige von den sechs haben säst alle Beschäftigung theils
Desperados, der aufrecht und furcht- durch die Bemühungen des Gouverne
los das Galgengerüist bestieg. Die An- ments, theils durch dieUnseres^ Kon
deren mußten halb besinnungslos vor suls, des Herrn
Todesfurcht die Treppen zum Galgen letzten drangvollen Zeit sehr viel Lob
hinauifgetragen werden. Jeder der Ber- und Dank für seine unermüdliche Tha
urtheitten durfte vom Todesgerüst noch tigkeit geerntet hat.
einige Worte sagen. Jim war der letzte. Mochten alle Deutschen aus dieser
der mir noch unter schwarzen Kappe Schilderung der VerMmsse dre Leh
hervor die Worte zurief: „Sag' mei- re ztehen, daß es wicht leicht set, tm
mm Bruder, daß ich als ein Mann ge- Auslände durchzukommen ohne feste
ftörben sei" Stellung, was speziell von Sudasrtka
es,,
?n fhH
Jim Bruder war, wie ich spa-
ba
^i ihi
Beilage z««
„Fortschritt", Ke» Mm, Minnesota.
qilt dann aber auch weiter, möge Nie-
man
ÄLSÄSt Ärck^eine Pho- in den letzten Tagen aussprechen hören,
Berl«m^r^leat.^»rch ne Mancher hat mit dem nächsten
Wahrheit meiner.Angaben. Ich habe Zug« .das Land^ darin Milch^und Ho-
iöUTde imsölge der Enthüllung schwer aus gut Gluck hierher.
front ,in seinen Deliriert verrieth er v'
sein« Kenntniß von dem gräßlichen Strammer Dienst^in der Schweizer
Ende seines Bruders, die Geschichte „7. 7
wurlje weitergetragen, und seine poli-
hierher oder nach einem anderen
ÄT «kt Hamich b«l

ri
,-v
tifeben Hoffnungen waren damit zer-. Der Dienst der Schweizer Miliz,
stört. welche ein echtes Wölls bildet,
——r wahrlich keine Spielerei, sondern in
A a a a
Unteroffizier (zum Rekruten): „Sie zu, UM den einzelnen Mann trotz der
eignen sich zum Soldaten so wenig,
wie ein paar «alte Hosen zum Opern
gucker!"
Kürze seiner Dienst-, und Uebungs'
zeiten möglichst tüchtig zu machen.
Der. frühere Württemberg. Haupt-
0 Vii, {f-V
mann Edmund Miller, welcher in Fol
ge seiner Schriften über deutsche Sol
datmmißhandlungen aus dem deut
sehen Heere austrat und seit Jahren
in der Schweiz lebt, theilt über Dis
ziplm und Dienst in der Schweizer
Miliz namentlich Folgendes mit:
„Was die 'Strafrechtspflege betrifft,
so hocken selbst schon Korporale in der
Schweizer Miliz das Recht, Unterge
bene in Arrest zu schicken. Bemerkens
Werth ist weiter, daß der Militärge
richtsbarkeit auch Civilpersonen unter
worsen sind, wenn sie Militärpersonen
im aktibm Dienst zur Verletzung wich
tiger mttitärischer Obliegenheiten ver
leiten oder zu verleiten suchen, ebenso
Cwilpersonen, die sich der Spionage
oder des Falschwerbens schuldig ma
chen. Die Oeffentlichkeit kann bei den
Divisionsgerichten ausgeschlossen wer
den, wo diesen dies geboten erscheint.
'Eine Berufungsinstanz gibt es nicht,
außer wegen Formfehler. Bei dem
Kassationsgericht ist dann das Verfah
ren geheim.
Die gerichtlichen Strafen sind sehr
strenge sie überschreiten bei Weitem
den Whsten Satz der Strafen in der
deutschm Armee für entsprechende Ver
gehen. Wer sich in der Schweiz z. B.
einem Dienstbefehl unter den Waffen
widersetzt,^ wird mit Zuchthaus von
2—6 Jahren bestraft. Der „Käme
radendiebstahl" wird in der Schweiz
bei dem kleinsten Betrage mit Gefäng
niß don 6—12 Monaten oder mit
Zuchthaus bis zu 4 Jahren bestraft.
Wenn der Werth mehr als 200 Francs
beträgt, so tritt Zuchthausstrafe bis
zu 20 Jahren ein.
Diese abnorm hohen »Strafen sind
keineswegs Zufälligkeiten, sondern,
wie Offiziere, Juristen und selbst solche
Politiker, welche ausgesprochene Geg
ner stehender Heere find, versichern, un
vermeidliche Folgen eines Milizsy
stems, in welchem die Disziplin eben
niemals so glatt und rasch in Fleisch
und Blut übergehen kann, wie in ei
nem stehenden Heere.
Eine andere unvermeidliche Folge
des Wilizsystems ist es, daß der Dienst
den Mann weit mehr in Anspruch neh
men muß, als bei einem stehenden
Heer. Jede Verkürzung der Dienst
zeit muß durch stärkere Ausnützung der
Hebungen hereingebracht werden. Die
Pausen zwischen den Vor- und Nach
mittagsübungen sind 3- bis 4mal kür
zer. als in Deutschland die Hebungen
beginnen früher und werden nament
lich viel länger ausgedehnt, als bei
deutschen Truppen. Selbst am Sonn
tag ist der Mann häufig sehr beschäs
tigt Feiertage und Rasttage in deut
schein Sinne gibt es gar yicht.
Die Belastung der Mannschaften
ist sehr schwer sie beträgt für den Ka
valleristen 22, für den Infanteristen
60
Pfund.
Wer etwa glauben sollte,
im Milizheer führe man eine Art mili
tärisches dolce far niente, der täuscht
sich ganz gewaltig."
(Verl. Tglb.)
Den Bewohnern von Eupen im
RM. Aachen steht seit dem 8. Mai
1680 das urkundlich verbriefte Recht
zu, in dem preuß. Theil des großen
Hertogenwaldes an den Wochentagen
Holz zu sammeln, lieber 300 Jahre
lang machten die Eupener von diesem
Recht Gebrauch, bis am 14. Juli 1894
eine Regierungsverordnung das Holz
sammeln auf drei Tage der Woche be
schränkte, wodurch sich die Eupener. ge
stützt auf das verbriefte Recht, nicht
stören ließen. Eine ganze Anzahl von
ihnen wurde beim Holzlesen abgefaßt,
unld wegen Übertretung des Paragra
phen 40 des Feld- und Forstpolizeige
setzes mit Geldstrafen bedroht. Sie
erhoben dagegen Einspruch beim
Schöffengericht in Eupen, das sie mit
der Motivirung freisprach, das ihnen
durch Urifurtdt vom 8. Mai 1680 ver
liehene Recht sei ein reines Privatrecht,
das durch eine Regierungsverfügung
nicht eingeschränkt werden dürfe. Ge
gen das freisprechende Urtheil legte die
Staatsanwaltschaft Berufung zur
Strafkammer ein und zwar auf Be
treiben des Landwirthschaftsministeri
unis, dem an einet Verurtheilung der
Eupener aus prinzipiellen Gründen
viel gelegen war. Zwei Regierungs
commissäre traten für die Verurthei
lung der beim Holzsammeln protokol
lirten Personen ein und forderten die
Verurteilung, um dem Schmuggel
und detu Forstfrevel' Einhalt zu thun.
Die Strafkammer erkannte jedoch eben
falls aüs Freisprechung und schloß sich
den Ausführungen des Schöffengerichts
an. Das Urtheil «bezeichnete die Re
gierungSverfügung als einen unmoti
virten Eingriff in die verbrieften Rech
te der Eupener und legte die Kosten des
Werfahrens dem FiSkus auf.
Humoristisches.
a S a
Der Friedl glaubt, das Beste vom frei
en Sonntag sei der Samstag Abend,
denn der wisse man, daß am anderen
Tag Sonntag war'.
E r
st ändn ß. A.: „Sie wollen Ihren
Sohn enterben? Ist es Ihr Ernst?"
B.: „Nein, mein Jakob!"
61 nt t. Frau (eines Schau­
spielers): „Haben Sie meinen Mann
schon als „Don Juan" gesehen?" Be
kannter: „Im Theater noch nicht!"
Iin Seebade. A.: „Gehst Du
mit ans Ufer, die Ebbe anzusehen?"
B.: „Wozu so weit laufen? Da schau
in meinen Geldbeutel!"
tri g. Freund: „Du
solltest Dich aber doch besser frisiren,
Du schaust ja aus wie ein Wilder!"
Junger Ehemann: „Du hast gut reden,
einen Spiegel haben wir nur und von
dem geht meine Frau den ganzen Tag
nicht weg!!"
A a 1 8 4 8 A
beiter (betritt die Rednerbühne): „Mei
ne Herrn! Da ward nu gesprochen un
gesprochen...Ich dächte mer schridden
endlich mal zur Dhat! Jh halve ge­
a a a t
ter einer zahlreichen Familie): „Aber,
Herr Menzel, bleiben Sie doch noch
ein bischen Sie haben ja mein letztes
Baby noch nicht gesehen." Besuch:
„Nein, das kann ich auch nicht abwar
ten."
a a
lieber Herr Doktor, wie steht es nun
mit dem Patienten?" Doktor: „Ja. se
hen Sie, liebe Frau, es ist wohl Hoff
nung vorhanden, ihn zu retten, wenn
er noch bis morgen lebt, ist dies aber
nicht der Fall, so muß ich ihn verlo
ren geben!"
st z. „Wie alt
sind Sie denn, Herr Professor?"
„Ich werde sogleich im Lexikon nach
sehen!"
a l- S
tet ein junge Dante zum Tanz. „Sie
lieben wohl den Tanz?" fragt das
Fräulein, während der Quadrille. „O
no, Miß, ich lieben nicht den Tanz."
„Dann lieben Sie wohl die Musik?"
—„O no, ich lieben auch nicht die Mu
sik." „Warum tanzen Sie denn?"
„Mein Arzt hat mir häufiges Schwi
tzen verordnet."
a
dizinalratH: „Sie haben also gestern
Abend etwas Wein getrunken und süh
len heute ein Summen im Kopfe? Hin,
hm, ein ungewöhnlicher Fall!"—Dame:
„Ist es etwas Ungewöhnliches? Herr
Medi'zinalrath?" Medizinalrath:
„Gewiß, einen weiblichen Kater sieht
man nicht alle Tage!"
S a
Knicker (im Wäschegeschäft): „Diese
Stehkragen gefallen mir, ich möchte ein
Dutzend davon kaufen, wenn Sie mir
die Hälfte des Preises ^runter lassen."
„Verkäufer: „Bebaute sehr da müs
sen Sie sich schon in ein Geschäft für
Geizkragen bemühen."
Unmöglich. „Hans, hast Du
unf're Säu' alle 'zählt?" „Ja. Herr,
bis auf zwoi ganz junga dui mache
fott« 'Sprung', daß e' fe net hart zäh
la könna!"
a
einen Vagabunden im Wirthshaus an
trifft): „Was? Hier treff' ich Sie, und
vor einer halben Stunde haben Sie
mich angebettelt und gejammert, Sie
müßten sich ersäufen—?" Strolch:
„Das thu' ich auch, wie Sie sehen, tri*
i"
Zeitweise!
W a
ner, diese Eier sind verdorben und
nicht genießbar rufen Sie mir sogleich
den Wirth!" Kellner: „Sie, der ist noch
ungenießbarer!" ,Ull ,UJ1
E
st g. Arzt: „Ha­
ben Sie einen tiefen Schlaf?"
Patient: „Ja, Herr Doktor, ich
schlaf im Keller!"
a
merzienrath, Ihre Katze scheint auch
keine Mäuse zu sangen!" „Nu, hat
die 's nothwendig?!"
a W
geht das Geschäft, Herr Baumeister?"
---„Miserabel, man muß jetzt gutes
Material nehmen, denn oft bringt man
ein Haus erst in einem Jahre ant"
E a a N a
das ist wirklich ein WohlthätigkeitSball,
meine Aelteste Hab' ich schon an den
Mann gelbracht."
einem Violinvirtuosen): „Sie haben
heute wie ein kleiner Gott gespielt!"
Virtuose: „Wie ein kleiner Gott?
Ja, wer ist denn der Gott?"
S
chenden Freundin die Wohnung zei
gend): „Dies ist die Küche und daneben
das Dienstbotenzimmer. Er (ein
fallend): „Bitte sehr! Die Wechselst»
be!"
a a
e. Schusterjunge: „Mein Meester is
een oller Schwindler, alle seine Kun
den schmiert er an, dagegen ist wieder
die Meestern bitte zu ehrlich, die traut
sich nicht einmal, die Stullen anzu
schmieren."
E S a E a
„Was, Du Dtrmietheft Dein ganzes
Haus an Sommerparteien, wo wirst
denn dann Du wohnen?" Zweiter
Bauer: „Ich such' mir a billigeres und
g'sünderes Quartier!"
E S
S
Büffel: „Du, Dein Geldbeutel ist ja
die reinste Ziehharmonika!" Student
Süffel: „Ja, aber ohne Klang!"
Schnapsbruder (zu einem modernen
Dramatiker): „Geh'n S', Herr Dok
tor, za!hl'n S' mir einen Schnaps, dann
dürfen S' mich auch in Ihr neues
Stück bringen!"
Die a«ti?e Stadt 2*tri(um.
Vor wenigen Wochen sind werthvolle
Ausgrabungen im Gebiete des Pacht
Hofes Conca bei Nettuno gemacht wor
den. Man glaubt hier Uefberreste des
alten Satricum gesunden zu haben,
das im Kriege der Römer mit den
VolSkern von Coriolan erobert wurde.
Die Stätte liegt auf einem Tuffhügel
in der Gabelung zweier Wasserläufe
am Anfang der Pontinischen Sümpfe,
6 Meilen von Nettuno landeinwärts.
Reste von Mauern aus Polygonen
Werkstücken waren schon früher an
jener Stelle bekannt. Der neue Fund
besteht hauptsächlich in den Trümmern
eines Tempels, den Professor Verna
bei für das von Livius öfters erwähn
te Heiligthum der „Mater Matuta"
hält. Der Tempel zeigt fünf verschiede
ne Bauperioden aus einem ursprüng
lich etruskischen Tempel wurde später
eine einfache „Aedicula," dann ein
griechischer Peripteros gemacht, der
dann wieder in eine „Aedicula" und
schließlich in einen Dipteros umgestal
tet wurde. Der verschiedenartige
Terracottenischm'uck, den man zugleich
mit den Mauerresten ausgrub, ent
spricht den wechselnden Bauperioden.
Dem sechssten Jahrhundert v. Chr. ge
hört der Peripterosbau mit trefflich be
malten Statuen archaisch-griechischen
Stiles an, der letzte Uml&aii scheint in's
vierte Jahrhundert hineinzureichen,
aus welcher Zeit auch noch zahlreiche
Weihegeschenke gefunden wurden. Un
ter den Frontverzierungen des Tem
pels kommt häufig die Gruppe eines
Fauns vor, der eine Nymphe umarmt.
Professor Bemabei, ber sowohl in der
Akademie bei Lincei wie im deutschen
Archäologischen Institut zu Rom über
die Ausgrabungen berichtet hat, ist der
Ansicht, daß das Heiligthum am Ende
des vierten Jahrhunderts1 v. Chr. in
folge der fortschreitenden Versumpfung
jener Küstengegend verlassen worden
ist. Außer dem Tempel sind durch
die jüngsten Ausgrabungen auch die
Grenzen des Stadtgebiets und die
Nekropolis von Satricum festgestellt.
Chinesische Studenten. Der chi
neftscht Presbyterianer Prediger und
Missionär Hule Kin Hwang, wird ge
gen Mitte Mai 26 chinesische Knaben
nach den Ver. Staaten bringen, welche
nicht allein wissenschaftlich, sondern
auch technisch ausgebildet werden, und
später helfen sollen, in ihrem Vater
land die westliche Kultur und Civili
sat ion einzuführen. Diese Knaben
sind sämmtlich die Söhne reichet El
tern und kommen auf Antrag: der chi
nHschen Regierung und besonderer
Erlaubniß der Bundes-Regierung nach
New 2) ot k, wo sie ihre erste Aus
bildung, einschließlich Handsertigkeits
Unterricht, in der Presbyterian Branch
of Missions, No. 14 University Place,
empfangen werden. Den genauen Er
zichungs-Plan wird ihr Begleiter mit
Aung Wing, einem in New Haven,
.Conn., ansässigen China-Amerikaner
vereinbaren, welcher vor einem Viertel*
jahrhundert eine ähnliche Expedition
I junger Chinesen hierher begleitete, die
jetzt in ihrem Heimathlande gute
Freunde der Amerikaner sind und auch
meist den christlichen Glauben ange
nommen haben.
6
ÜÜÜ Ulli Hill

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