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Der fortschritt. (New Ulm, Minn.) 1891-1915, May 14, 1896, Image 11

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Schon den alten Römern bekannt und
von ihnen getragen.
Professor Sylvester Waterhouse von
der Washington Universität, der
Freund und Förderer der Namie
Pflanze in Amerika, hat die Entde
ckung gemacht, daß Ramie bereits zur
Zeit des älteren Plinius den Römern
bekannt war. Seine Beweise dafür
stützt Prof. Waterhouse aus einzelne
Werke des altrömischen Schriftstellers,
in welchen Pflanzen Erwähnung ge
than wird, die mit Ramie unverkenn
bare Ähnlichkeit besitzen. Prof. Wa
terhouse sprach sich über seine Entde
düngen in Plinius' Werken wie folgt
aus: ..Die Serer. ein Negerstamm
Senegambien. wurden schon von Pli
nius als berühmt für ihre Woll-Pro
duktion erwähnt. „Von der Wollpflan
ze. welche in ihren Wäldern wächst
so schreibt Plinius gewannen sie,
nachdem dieselbe in Wasser gebrüht
worden' war, die Wolle, welche den
Blättern anhängt, und die Frauen hier
wie in anderen Weltgegenden flechten
aus dieser Wolle Gewebe allerhand.
Auch die Astomi, welche in Indien an
der Ostseite unweit der Quelle des
Ganges wohnen, kleiden sich mit den
Geweben, die sie aus den Blättern
von Bäumen herstellen." Ferner
schreibt Plinius: „Juba constatirt, daß
um eine gewisse Pflanze herum, die auf
der Insel Tylos im persischen Meer
wächst, sich ein wollartiges Gewebe ent
wickelt, aus welchem die Eingeborenen
ein Wollfabrikat von großer Güte her
stellen." Des Ferneren constatirt Pli
nius, daß in Arabien gewisse Bäume
wachsen, aus welchen die Angeborenen
Material für Kleider gewinnen und
daß diese Bäume Blätter haben, welche
denen der Palmen sehr ähneln.
Aus diesen Blättern und Pflanzen
verfertigten die Alten ihre Rohstoffe für
Kleider. Die Möglichkeit, daß Pli
nius die Herstellung von Seide gemeint
habe, als er auf diese Pflanzengattun
gen verwies, stellt Herr Waterhouse in
Abrede und beweist dies auf Grund
verschiedener wissenschaftlicher Theori
en.
Auch die Theorie, daß Plinius mög
licherweise die Baumwoll- Pflanze ge
meint habe, weist Prof. Waterhouse
zurück, indem er sich dabei auf die
Schriften des Plinius selbst stützt, in
deren einer der Schreiber die Äaum-
Wollstaude
unverkennbar genau schil­
dert und dabei betont, daß dieselbe auf
demselben Eilande im persischen Meer
gedeihe, als die
oben
Diese Beschreibung der Pflanzen
gattungen, sowie mehrerer anderer,
welche in Aegypten und Aethiopien
wuchsen, passen so genau auf die
Baumwollenstaude, daß Herr Water
house keinen Zweifel hegt, daß diefel
be damit gemeint war. Die ersterwähn
ten Extrakte aus Plinius' Werken
müssen sich auf entweder Jute oder
Ramie bezogen haben, da in denselben
keinerlei Aehnlichkeit mit der Baum
wollstaude gefunden werden kann.
Des Weiteren sprach sich Pros.
Waterhouse wie folgt aus: „Uebrigens
sind die Beschreibungen in Plinius'
Werken nur sehr ungenauer Natur.
Jute und Ramie sind keine Bäume,
sondern Sträucher. Die Faser wird
nicht aus den Blättern, sondern aus
den Stämmen der Pflanzen gewonnen
und diese Pflanzen wachsen nicht im
Norden, sondern im Süden von In
dien und China. Allerdings muß man
in Betracht ziehen, daß zu Plinius'
Zeiten die Verbindungen mit dem
Osten sehr schwer und unzuverlässig
waren. Man hatte damals auch noch
keine Einsicht in das Wesen der Vota
nik oder der Geographie und die In
formation, auf welche Plinius sich
stützte, gründete sich auf nicht wissen
schaftliche Quellen. Uebrigens ist es
auch nur natürlich, daß, da diese Nach
richten nur mündlich und nicht schrift
Itch zur Kenntniß von Plinius gelang
ten, dieselben incorrekt waren. War
auch damals schon die Kunst des
Schreibens den Gelehrten und Prie
stern bekannt, so zeigen doch die Irr
thümer, die Plinius in der Beschrei
bung der Pflanzen machte, daß die
Ueberlieftrung von der Existenz und
Verwerthung derselben eine mündliche
gewesen sein muß, denn wären diese
Ueberlieserungen dem Schriftsteller ge
schrieben zugegangen, so würden sie
auch genau so reproduzirt worden sein,
und es ist kaum glaublich, daß ein
Schriftsteller, der wußte, daß die Ra
mie Faser aus dem Stamme der
Pflanze gewonnen wird, geschrieben
hätte, daß man.sie von den Blättern
abpflücke. Jedenfalls enthalten Pli
nius' Erzählungen über die Textil
Industrie der Jrodier und Chinesen
werthvolle Thatsachen. Schon die An
gäbe, daß die Pflanze erst in Wasser
durchweicht werden müsse, ehe man das
gewünschte Produkt erhalten könne,
schließt aus, daß von Seide oder
•Baumwolle die Rede sein konnte. Die
se Methode, die Fasern der Pflanzen
zu präpariren, ist blos bei Ramie oder
Jute anwendbar. Doch da Plinius
an anderen Stellen wiederholt betont,
daß die vornehmen Frauen in Rom sich
in diese kostbarm Gewänder kleideten,
welche auf diese »tf a,»S den beschriebe
nen Pflanzen des Orients hergestellt
wurden, ist es augenscheinlich, daß es
nicht Jute gewese.i sein kann, sondern
Ramie, dtnit die Fabrikate aus Jute
wären viel zu grob gewesen, als das
die Frauen Roms sie zu Kleidern hät
ten gebrauchen können, deren Pracht,
Schönheit und durchsichtige Feinheit
extra von Plinius hervorgehoben
wird."
Professor Waterhouse ist mit den
Aussichten der Ramie- Kultur in den
Ver. Staaten übrigens sehr zufrieden.
Wie er sagte, hat er kürzlich erst ein
Schreiben von einem Bürger von San
Diego. Cal.. erhalten, worin derselbe
seine Absicht, einen Versuch zur Ein
führung des Anbaus von Ramie im
Großen im südlichen Kalifornien zu
machen, ausspricht. In Guatemala hat
man bereits mit der Anpflanzung von
Ramie begonnen und erwartet günstige
Resultate zu erzielen. Besondere Auf
merkfamkeit hat man, dem „Manufac
Hirers' Record" zufolge, der Ramie
Kultur in Texas gewidmet. Die ,.Ra
mie Fiber and Land Co." ist eine Tex
as-Corporation, welche beschlossen hat,
die Ramie- Kultur in dem genannten
Staate zu fördern. Vorbereitungen
sind bereits getroffen worden, unt 5000
Acker in Jefferson County, 1000 Acker
in Brazoria County und ebensoviel
Acker Land in Liberty, Waller und
Harris County mit Ramie anzupflan
zen. Ein Acker Ramie ergiebt etwa
600 Pfund bei jedem Schneiden und
in Texas können leicht jährlich 3
Schnitte gemacht werden, was also
1800 Pfund per Jahr auf den Acker
ergeben würde. Herr W. D. Adlum
ist der Manager der genannten Texas
Corporation und auf feiner Ausspra
che hin kann jedes Pfund Ramie- Fa
sern. das in Texas gewonnen wird, zu
4 Cents verkauft werden. Die Wur
zeln kosten in kleineren Quantitäten
$5 bis $6 per Taufend Stück, doch
dürfte der Engrospreis bis auf $4 per
Tausend herabgehen.
Tie und «as reisende
Publikum.
„Die moderne Reisetechnik kennt kei
ne Grenzen mehr. Sie hat sich zu ei
ner besonderen Wissenschaft herausge
bildet, mit deren Hülfe
und
tzung es selbst der
kann, die ganze Welt
beschriebene
Baumpflanze. ..Diese Pflanze, so
schreibt Plinius, trägt Fruchtbehalter,
die zur Zeit der Reife aufbrechen und
Wollenballen zu Tage fördern, aus
welchen kostbare Leinenstoffe verfertigt
werden."
Unterstü-
Schüchternste
wagen
kreuz
und quer
zu durchziehen. Man kann dreist be
haupten Die Welt ist
durch
gleich von Zeit
den Aus­
und
Raum kleiner ge­
worden." Mit diesen witzigen Worten
leitete kürzlich im österreichischen Eisen
bahnbeamtenclub in Wien vor einem
sehr zahlreichen Auditorium Herr Al
bert Pauer, Inspektor der Staatsbah
nen, einen interessanten Vortrag über
die Eisenbahnen und das reisende Pub
likum ein.
Im Jahre 1840 zählte man erst
380, 1860 bereits mehr als 100,000
und heute über 700,000 Kilometer Ei
senbahnen. Die Länge dieses Netzes
erreicht das Achtzehnfache des ganzen
Erdumfanges und das Doppelte der
Entfernung des Mondes von der Erde.
Das Reifen von Einst, es klingt heute
wie ein Märchen. Wie possirlich finden
wir heute den Bericht über die Braut
fahrt der Jagellonen Tochter Jad
wiga von Polen zu ihrem Vermählten,
dem Herzog Georg von Bayern. Be
gleitet von den Segenswünschen ihrer
Eltern machte sich die Braut im Sep
tember des Jahres 1475 auf den Weg.
Die weite Reife von Krakau nach
Landshut, die heute kaum 24 Stunden
erfordert, dauerte in Folge der schlech
teif Wege nahezu drei Monate und erst
am 13. December verkündeten reitende
Feldboten dem Herzog das Nahen der
Braut. Heute wetteifern die weltbe
kannten Reisebureaux mit den Eisen
bahnverwaltungen in der Erfindung
immer neuer und ausgedehnterer Rei
fetouren. Zu den alljährlich wieder
kehrenden Erscheinungen gehört eine
Reise um die Welt. Aengstliche Ge
müther mögen sich mit der ziffermäßig
nachgewiesenen Thatsache begnügen,
daß auf den österreichischen Eisenbah
nen erst auf 9 lf2 Millionen Reifende
eine tödtliche Verunglückung und auf
eine Million Reifender eine Verletzung
entfällt. Die Sicherheit der Reifenden
ist eine so große, daß nach Berechnung
gen des französischen Statistikers Gar
tiaux ein Reisender, der acht Stunden
täglich auf der Eisenbahn führe, 7439
Jahre zu reisen hätte, ehe er befürchten
müßte, sein Leben zu verlieren. Drei
mal so dicht als in Oesterreich ist in
England das Bahnnetz. 30,000.Züge
rollen täglich und befördern per Tag
mehr als zwei Millionen Menschen und
100,000 beladene Lastwagen. Die Li
nien dieses Bahnnetzes gleichen einem
dichten Spinnennetze, kreuzen sich,
münden in einander ein und trennen
sich in mehr als 23,000 Kreuzungs
stellen. Im Weichbilde von London
allein befinden sich 250 Eisenbahnsta
tionen, und an einzelnen von diesen
gehen täglich 900 Züge ab, an Renn
tagen noch weit mehr. Ganz Eng
land verfolgte mit Spannung den
Ausgang des Wettkampfes, der im ver
flossenen Herbste zwischen den zwei Ei
sembahntimen, welche London mit
Aberdeen verbinden, entbrannte. Bei
de Linien überboten sich aus Conkur
renz, in der kürzesten Zeit diese Strecke
(so weit etwa wie von Oderberg nach
Trieft) zurückzulegen. Schließlich sieg
te die westliche Linie mit einer Fahrzeit
von nur 8 Stunden 32 Minuten (130
Kilometer per Stunde) gegen die östli
che. welche 8 Stunden 40 Minuten
brauchte.
Ans Natur- u,d Heilkunde.
S a
Obschon Röntgen von vornherein
darauf aufmerksam machte, daß die
von ihm entdeckten X-Strahlen keine
Lichtstrahlen sein können, von denen
sie sich in gewissen Punkten wesentlich
unterscheiden, so fährt man doch fort,
die durch die X-Strahlen auf einer
photographischen Platte erlangten,
schattenartigen Abbildungen (Schat
tenbilder) Röntgensche Photographien
d. h. also Röntgen'sche Lichtbilder zu
nennen. Nach Tesla wäre es jedoch
weder das Licht, noch irgend eine an
dre der bekannten sogenannten Strahl
kräfte, durch welche jene Abbildungen
hervorgerufen werden, sondern einlach
die außerordentlich beschleunigten
Schallbewegung in der, vermittels der
Apparate in hohem Grade verdünn
ten Luft. Durch die angewandten Vor
richtungen soll die letztere, statt wie
beim gewöhnlichen, dem Ohr vernehm
baren Schall eine sehr begrenzte An
zahl Schwingungen oder Wellenbewe
gungen in der Sekunde auszuführen,
in solche Bewegungen, oder „Erzitte
rungen," von fabelhafter Geschwindig
keit versetzt werden und in diesem Zu
stand die Eigenschaft erlangen, durch
Uebertragung der Bewegung auf die
Stoffe der photograph^chen Platte
und selbst andre Stoffe die Abbildun
gen zu erzeugen. Für gewöhnlich
nimmt unser Ohr die raschen Schwin
gungen oder Wellen in der Luft nur
dann als Schall wahr, wenn dieselben
zwischen 24 und 20,000 bis höchstens
40,000 in der Sekunde liegen, obschon
es feststeht, daß Thiere und selbst ein
zelne Menschen für höhere Schwin
gungszahlen, und demgemäß „höhere
Töne," empfänglich sind. Tesla selbst
glaubt in seinen Elektrizitätsexperi
menten mitunter viel höhere Töne
vernommen zu haben, die ihm deutlich
wie klarer Glockenklang aus der Ferne
klangen und eine seltsame, beruhigende
und einschläfernde, Wirkung auf sein
Gehirn äußerten. Die Röntgen'schen
Vorrichtungen sollen nach Tesla we
sentlich die Wirkung haben, die Hin
dernisse für die außerordentlich ra
schen Schallschwingungen hinwegzu
räumen und ihre Fortpflanzung auf
die photographische Platte oder andre
Gegenstände zu unterstützen. Als Be
weis für diese An^t führt Tesla u.
.A. die Beobachtung an, daß auch der
Blitz zuweilen Abbildungen hervor
ruft, was nur den, von ihm bemerkten,
außerordentlich raschen Luftschwingun
gen zugeschrieben werden könn^. Die
weitere EntWickelung der Rnötgen'
sehen Entdeckung ist daher nach Tesla
in der Richtung der Herstellung solch'
außerordentlich rascher Schallwellen,
selbst ohne Elektrizität, zu suchen.
Sogar eine Stimmgabel, die in einer
Sekunde hunderttausend Schwingun
gen ausführt, oder eine Glocke von
derselben Tonhöhe, würden, wenn man
sie herstellen könnte, die Röntgenschen
Bilder hervorrufen, die alsdann, d. h.
wenn Tslas Spekulationen richtig
sind, zu dem neuen Namen Schallbil
der statt Lichtbilder berechtigt wären.
Röntgen selbst hat übrigens die,
durch die X-Strahlen erlangten. Ab
bildungen niemals Photographien ge
nannt.
A a
Von den Gegnern der Annahme,
daß die Thiere ein Denkvermögen be
sitzen, das sich nur dem Grade nach
von demjenigen ds Menschen unter
scheidet, wird jetzt auf eine merkwür
dige Thatsache aufmerksam gemacht,
die aus den, in neueren Zeiten mit
Vorliebe gepflegten Beobachtungen des
Affenlebens hervorgehen soll. Selbst
den intelligentesten Affen soll es nie
mals einfallen, ein mit Erlöschen be
grisfenes Feuer durch Zusammenschie
ben der einzelnen Brände, Holz oder
Zweige, zu unterhalten. Sie genießen
mit Vergnügen die angenehme Wärme
des ausgehenden Feuers, ohne jemals
auf das, allen Wilden bekannte und
durch die einfachste Erfahrungs-Beob
achtung an die Hand gegebene Mittel
zur Verlängerung dieser Wohlthat
verfallen. Gleichzeitig wird auch
bestritten, daß die Sinnesorgane des
Menschen in ihrer ursprünglichen An
läge hinter demjenigen der Thiere theil
weise zurückstehen, wie dies u. A. vom
Geruchssinne behauptet worden ist, in
dessen gewöhnlichen Leistungen der
Hund den Menschen weit zu übertref
fen pflegt. Verschiedene neuere Be
obachtungen scheinen zu beweisen, daß
die menschliche Nase von Haus aus
ebenso fein ist, wie diejenige des Hun
des, und nur durch die überwiegende
Gebrauchsthätigkeit des Auges und
des Ohres in der vollen EntWickelung
ihrer natürlichen Fähigkeit zurückge
halten wird. Außer einer Anzahl be
glaubigter einzelner Beobachtungen
über wunderbare Leistungen des
menschlichen Geruchssinns werden für
'Jm"
diese Ansicht zwei Thatsachen von all
gemeiner Tragweite vorgeführt. Er
stens ist es die, durch fachmännische
Untersuchungen festgestellte, auffallen
de Feinheit des Geruchssinns bei allen
Taub-Blinden. die sich im Gefolge
des mangelhaften Zuftandes von Ge
hör und Gesicht eingestellt hat und die
jetzt sogar als ein Hilfsmittel für die
Erziehung der Taub-Blinden benützt
wird. Und zweitens ist es die wun
dervolle Geschicklichkeit der australi
schen Wilden im Auffinden von Fähr
ten, insofern dieselbe sich nur aus ei
nein, von Natur aus kraftvoll veran
lagten, Geruchssinn erklären läßt.
Der zivilisirte Mensch hat leider we
nig Gelegenheit, -sein Geruchsorgan
durch Hebung zu entwickeln, und unsre
späten Nachkommen werden allem An
scheine nach vorausgesetzt, daß es
mit der Entwicklungslehre seine
Richtigkeit hat das Riechen einmal
zu den „verlorenen Künsten" zählen
müjjen!
A
Die genaue. Untersuchung der, auf
der Höhensternwarte bei Arequipa in
Peru angefertigten, Photographien der
merkwürdigen, dort wahrnehmbaren
Sternhaufen oder Sternzusammen
ballungen, die sich durch die große
Zahl der in ihnen enthaltenen „Ver
änderlichen" auszeichneten, hat ergs
ben, daß nicht weniger als siebenund
achtzig solcher „Veränderlicher" an ei
ner verhältnißmäßig kleinen Stelle des
Himmelsgwölbes dort zusammenlie
gen. Mehrere dieser veränderlichen
Sterne- zeigen einen Größenwechsel,
oder Wechsel der Lichtstärke, um zwei
Größen d. h. ihre Leuchtkraft schwankt
in längeren oder kürzeren Perioden
zwischen dem Einfachen und Sechsfa
chen hin und her. Aehnliche Resul
tate hat einer, seitdem erfolgten Un
tersuchung verschiedener, auf der
Sternwarte zu Pulkowa aufgenommen
ner, Himmelsphotographien aus den
Jahren 1894 und 1895 ergeben. Auch
dort zeigte sich die Häufigkeit der „Ver
änderlichen" als eine charakteristische
Eigenthümlichkeit der sogenannten
Sternhaufen, die möglicherweise eine
Aehnlichkeit des Ursprungs und der
Zustände zwischen den, in einem Hau
fen zusammenliegenden, Sternen an
deutet.
Nach einem sorgfältig angestellten
Experimnt beträgt die Tiefe, bis zu
welcher das Sonnenlicht in's Wasser
eindringt, 533 Fuß. Bei dieser Tiefe
erlitten eingesenkte photographische
Platten keinen Lichteindruck mehr. Es
herrschte dort ungefähr eine ähnliche
Dunkelheit, wie diejenige einer klaren,
mondlosen Nacht.
Die Menge des jährlichen Regen
falles in den Ver. Staaten zeigt je
nach den Oertlichkeiten große Verschie
denheiten und liegt zwischen Null oder
völliger Trockenheit und etwas über
zehn Fuß. Der regenreichste Ort in
den Ver. Staaten ist Neah Bay im
Staat Washington dort fallen in je
dem Jahr durchschnittlich 123 Zoll
Regen. Der trockenste Ort, soweit
aus regelmäßigen Beobachtungen be
kannt ist, rühmt sich Fort Garland in
Colorado zu sein: dort fallen im gan
zen Jahr nur sechs Zoll Regen. Frei
lich gibt es in Arizona, Nevada und
Utah Gegenden, aus denen niemals
ein Regenfall gemeldet worden ist.
Abermals ist eines jener großen Rie
senthiere entdeckt worden, die unter
unsren Augen im Aussterben begris
fen sind, sei es. daß die Zustände der
Planeten ihnen nicht mehr zusagen,
sei es, daß sie der Feindseligkeit ihrer
Mitgeschöpfe, namentlich des Menschen
erliegen. Auf einer kleinen, zur
Insel Mauritius gehörenden, Insel
gruppe, die einst von einer riesigen
Schildkrötenart wimmelte, fand un
längst ein französischer Naturforscher
nur noch ein einziges Pärchen des ge
waltigen Thieres übrig und da das
Weibchen bald darauf starb, so war
wenig Aussicht auf die künftige Er
Haltung der Art vorhanden. Das jetzt
vereinsamte Männchen wurde gewogen
und gemessen fein Gewicht betrug
fünf und einen halben Zentner, seine
Füße maßen anderthalb Fuß im Um
fang und zwanzig Zoll in der Länge
um den Leib herum hatte es zwölf
Fuß im Umfang. Sein Geschlecht wird
wahrscheinlich bald den Weg des ge
waltigen Vogels Jodo gehen, der noch
vor zweihundert Jahren auf Mauri
tius massenhaft umherlief und jetzt
ebenfalls ausgestorben ist. Die Zeit
der Riesenthiere zu Land, zu Wasser
und in der Luft, von denen uns ver
stienerte Ueberreste und alte Sagen
oder dumpfe Spekulationen früherer
Menschengeschlechter erzählen, ist ent
schieden vorüber, und selbst die
Pflanzenwelt hat nur noch wenige
ebenfalls dem Untergange entgegenge
hende, ihrer ehemaligen Riefenformen
aufzuweisen.
Dtevergwertd Industrie der
*ia.ucu.
Die Bergwerks-Jndustrie der Ver.
Staaten lieferte in 1895 eine Produk
tion im Werthe von $673.881.505.
Dies überbot die von 189, welche
$578,470,858 betrug, um $95.411.
447.
1
Der schnellste Wind, von dem man
weiß, ist während der furchtbaren
Stürme, die vom zweiten auf dem
fünften März l. I. in New York wü
theten, beobachtet worden. Seine Ge
schwindigkeit betrug zweiundachtzig
Meilen in der Stunde, zwei Meilen
mehr, als die schnellste bis dahin ver
zeichnete Windgeschwindigkeit, und
das Dreifache der Geschwindigkeit ei
nes gewöhnlichen Eisenbahnzuges.
Die Produktion von 1895 lieferte!
Metalle im Werthe von $240,615,120
der Werth der nichtmetallischen
Producte (Kohlen etc.) betrug $433,
266,385. Da bei dieser Berechnung
nicht blos Eisenerz, sondern auch Eisen
eingeschlossen sind—also eine doppel
te Schätzung so müssen 45 Millio
nen Dollars für 1895 und 34 Millio
nen für 1894 vom obigen Total
werth der Berg-Jndustrie abgerechnet
werden. Bleibt als Nettowerth $628,
881.505 für 1895 und $544.470.058
für 1895.
Die Preise von Eisen und Kupfer,
die in 1894 sehr niedrig waren, stiegen
bedeutend im Verlauf von 1895. Die
Produktion von Gold nahm außeror
deutlich zu, während die von Silber
geringer ausfiel, wie man erwartet
hatte. Die Zunahme der Kohlenför
derung betrug 17 Prozent.
Mr. Rothwell, der Edltor des „En
gineering und Mining Journal"
schreibt, daß die Ver. Staaten, wie
obige Statistik ergibt, den ersten Rang
im vorigen Jahr als Produzent ein
nahmen, nicht nur von Edelmetallen,
sondern auch von Eisen und Kupfer,
während sie in der
Kohlen-Produktion
noch hinter England zurück sind, aber
sicher in ein paar Jahren auch darin an
der Spitze stehen werden.
In der metallurgischen Produktion
(Metallurgie heißt Hüttenwesen), oder
in Herstellung von Mineralien in voll
endetet Form, wurde um 10 Prozent
mehr Aluminium geliefert,^ des
sen Preis immer noch zu hoch für sei
ne zunehmende Kunst-Verwendung ist.
Auch Antimon wutde in größeren
Quantitäten und zu etwas geringeren
Preisen hergestellt.
Die Kupfer-Produktion betrug
175,294 metrische Tonnen, zu bessern
Preisen. Die heimische Nachfrage
stieg und die Ausfuhr nahm um 12
Prozent ab. Montana lieferte 88,
346 Tonnen Kupfer oder 50 Prozent
der ganzen Produktion, Michigan
58.850 Tonnen und Arizona 21,954
Tonnen.
Der Gold-Gewinn belief sich auf
2,265,612 Unzen fein, an Werth $46,
830,200, um 21,954 Unzen mehr wie
in 1894. Ausdehnung der alten Gold
minen, Eröffnung neuer und stete Ver
besserung der Methoden bei Bearbei
tung der Minen und des Erzes haben
dieses Ergebniß erzielt. Alte Minen,
die bei der früheren Methode nicht
mehr profitabel genug waren, können
jetzt wieder mit Gewinn betrieben
werden.
Die größte Zunahme der Gold-Pro
duktion fand in Colorado statt, beson
ders durch die neuen Cripple Creek
Mitten, aber auch durch größere Pro
duktion seiner älteren Minen. Auch
in Montana, Idaho, Kalifornien und
in Utah nahm die Goldproduktion be
deutend zu in Arizona aber nahm sie
ab zufolge lokaler Verhältnisse..
An Roheisen wurden gewonnen
9,446,308 Lang-Tonnen, um 42 Pro
zent mehr wie in 1894 die größte
Eisen-Produktion, die jemals in den
Ver. Staaten erreicht wurde, und die
größte in irgend einem Land der Welt.
Das Verhältniß in der Eisen-Produk
tion der Haupt-Länder ist folgendes:
Ver. Staaten 100, England 79,
Deutschland 66, Frankreich 21. Etwa
3 Prozent des Roheisens wurden aus
importirtem Eisen-Erz gewonnen.
Die Produktion von Blei nahm um
2,5 Prozent ab, zufolge Konkurrenz
vom Ausland.
Die Silber-Produktion in 1895 be
trug 46,331,235 Unzen feilt, mit ei
nem Marktwerth von $30,244,296
um 3,515,640 Unzen weniger wie in
1894. Der Durchschnittspreis per
Unze war 65.3 Cents, um 2.3 Cents
höher wie in 1894.
Die Kohlen-Produktion lieferte
138,079,466 Tonnen Weich- (Bitu
minöse) Kohle, 58,362,986 Anthracite
(Hart)-Kohle, und 9,927,348 Tonnen
Coke.
Die Zaren« KrSnnng.
Am 26. Mai wird in Moskau die
Krönung des Zaren Nikolaus 2. statt
finden. Ganz Rußland ist in unge
Hairer Spanung und auch seine
Nihilisten rüsten sich, wie es heißt, ein
Wort mitzureden. Davor wird man
sich wohl zu schützen wissen, lieber die
Feier wird wie folgt berichtet:
Das Fest soll mit unerhörter Pracht
gefeiert werden. Zur Krönung Alexan
der 3. 1883 wurden 20,000,000 Ru
bel bewilligt, und das war nur ein
kleiner Theil der Riesensumme, welche
die Feier verschlang. Doch im Ver
-f.. -.
ail
den Festlichkeiten am 26.
Mai in Moskau waren jene nur dürf
tig und armselig. Alle Nationen werden
die äußersten Anstrengungen machen,
um den Glanz der bevorstehenden Krö
nungsfeierlichkeiten steigern zu helfen.
Selbst der spanische Vertreter wird
über $100,000 zur Verfügung haben,
denn die weit kleinere Regierungs-Ver
willigung ist durch die Freigebigkeit
eines reichen spanischen Patrioten we
sentlich erhöht worden.
Der englische Botschafter hat „carte
blanche" und auch Deutschland loud
sich bei dieser Gelegenheit wohl zeigen.
Am meisten Geld aber dürfte Frank
reich in Moskau daraufgehen lassen.
In 1883 erschienen der Zar und die
Zarina auf einem Bankett, das
Deutschlands Botschafter ihnen zu Eh
ren gab. Diesmal ist an Frankreich die
Reihe, zu jubeln, denn das Kaiserpaar
wird der Einladung des Comte de
Montebello zu einem Bankett folgen,
das Alles, was in alter und neuer Zeit
an Gastmählern geleistet worden, in
den Schatten stellen soll.
An diesem Bankett werden nur
Fürstlichkeiten theilnehmen. Schon sind
die besten Pariser Köche nach Rußland
unterwegs, schon hat man unzählige tt
Kisten voll Silber- und Gold-Geschirr
unter militärischer Bedeckung nach
Moskau gesandt, und in Nizza, bei den
Gärtnern an der Riviera, sind seitens
der französischen Regierung Blumen
im Werthe von vielen Tausenden be
stellt worden. ..
Allein für Speisen und Getränke tst
die Riesensumme von $750,000 ausge
worfen worden. Wenn man aber den
Werth des Tischzeuges, des Geschirrs,
der geschliffenen Gläser u. s. w. hin
rechnet, kommt eine Million heraus.
Welche Nation wird es den Franzo
fen gleichthun? Etwa China, das ja
zu Rußland seit dem jüngst geschlosse
nen Bündnissen in nahen Beziehungen
steht und durch Li Hung Chang, den
Bismarck des himmlischen Reiches, re
präsentirt sein wird? Moskau be
ginnt bereits, sich in ein festliches Ge
wand zuGerfen. Taufende von Arbei
tern sind damit beschäftigt, längs der
Route, welche der Krönungszug einhal
ten wird, Flaggenstangen zu errichten,
von deretz Spitzen gelb-fchwarz-weiße
Wimpeln flattern werden. Einen
überwältigend prächtigen Anblick wird
am Abend des Krönungstages der
Kreml gewähren. Nicht weniger als
400,000 farbige Lampen werden seine
Mauern mit Licht überströmen, zwi
schen den Fensterbogen werden benga
lischt Flammen abgebrannt werden
und auf den. zahlreichen Thürmen
werden Feuer lodern.
Im Uebrigen wird die Krönungs
'Zeremonie an sich von der in 1883 nicht
abweichen. An die kirchliche Feier
schließt sich das Fest-Bankett, und erst
wenn sich das Kaiserpaar durch
sämmtliche Gänge gegessen, darf es der
nach den Anstrengungen des ereigniß
reichen Tages doppelt wohlverdienten
Ruhe pflegen. Bis zum 7. Juni
reiht sich dann Fest an Fest und im
titer werden Zar und Zarina den Mit
telpunkt bilden, um den sich die kleine
reit Größen gruppiren.
Besonders glänzend dürfte sich die
Aufführung der Glinka'schen Oper
„Das Leben des Zaren" gestalten, bei
welcher Gelegenheit auch Marfa
Kschinskaya, die bildschöne Premiere
Danseuse der Petersburger Oper und
der erklärte Liebling des dortigen Pub
likums, auftreten wird. Welche Ge
danken wohl den Beherrscher aller Ru
ßen durchströmen mögen, wenn er das
Weib wieder sieht, das Jahre lang der
Abgott seiner Augen gewesen damals,
als er noch gar nicht an die Thronbe
steigung dachte, als er noch ein jun
ger Großfürst war und den Geboten
seines Herzens folgen durfte? Am 6.
Juni wird noch der Zarina Geburtstag
gefeiert und am 7. ist große Militär
Parade. Am Tage darauf wird das
Kaiserpaar nach Petersburg zurück
kehren.
Aus Linz in Oberösterreich wird
berichtet: Kürzlich erkrankte in einem
Orte des oberen Ennsthales ein altes
Bäuerlein. Da sich sein Zustand in
sehr bedenklicher Weise verschlimmerte,
wurde ein Priester gerufen, der dem
todtkranken Manne die letzte Wegzeh
rung reichte. Nachdem die Ceremonie
beendigt war, bemerkte der Geistliche,
der noch eine Weile im Krankenzim
ntci geblieben, daß der Kranke'seinem
Weibe mit der Hand winkte und die
sem dann heimlich etwas in's Ohr
raunte. Zum Erstaunen Aller erfuhr
man alsbald, daß der Sterbende noch
ein Pfeifchen Tabak zu rauchen
wünschte. Sein Wunsch wurde er
füllt, und bald blies das Bäuerlein
die blauen« Rauchwolken seelenvergnügt
aus seinem Stummel. Nachdem er
eine Weile geraucht, sagte der Kranke:
„Jetzt is mir leichtert" Sprach's und
entschlummerte sanft.
Dem soeben veröffentlichten Be
richte des Staatsstatistikers Thompson
über Indiana's Möbelindustrie
zufolge gibt es in Indiana 116 Fabri
ken, in welchen Möbel verschiedener
Art hergestellt werden. Dieselben ver
theilen sich auf 33 Städte und Towns.
Die Staatshauptstadt Indianapolis
hat 26 Möbelfabriken aufzuweisen ihr
zunächst kommt Evansville mit 15.
Der Gesammtwerth der Möbelfabrik
Anlagen im Staate beträgt $2,734
985, das im verflossenen Jahr im
Ganzen verbrauchte Rohmaterial hat
te einen Werth von $3,243,333, und
der Bruttowerth der Fabrikate bezif
ferte sich auf $6,600,818. Im Ganzen
wurden im Jahre 1895 den Arbeitern
in den Möbelfabriken $2,033,300 als
Löhne ausbezahlt. Die Gefammt
zahl der Möbelarbeiter betrug 6503
oder 5044 Männer, 1068 Knaben und
391 Mädchen und Frauen.
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