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Der fortschritt. [volume] (New Ulm, Minn.) 1891-1915, October 29, 1896, Image 4

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Neueste Rachrichten.
91 steht schlimm mit Spanien*
18'onlbiott, 26. Okt. Eine Madri
der Depesche an den „Standard" mtU
bet Folgendes: Die Königin führte in
einem Ministerrath den Vorsitz. Se
nor Canovas, der Premier, -gab eint
vollstiinidige Schilberung der sehr trau
rigen heimischen un!d auswärtigen
Behältnisse. Der Verlust an Men
schen durch die Kriege in den Coloni
en hat sich Pitt die Landwirbhschafi
als sehr ibcdeniHtch erwiesen.
Unwetter in Europa.
m, 26. Okt. Regensttirme herr­
schen in 'ganz Ober-Italien und olle
Bahnzüge sind in'Folge 'davon verspä
tet. Im Distrikt von Venedig 'herrsch«
te Sturmflubh. Der (Sandle Grande
hat den Platz von St. Marco zwei
Fuß tief überschwemmt.
18 on 'do it, 25. Okt. Schwere
Schneestürme werben aus dem Norden
von England 'iinlb Schottland gemel
det.
Goldftever in Arkansas.
S A 2 5 O
Es fand sich dieser Tage hietselbst eine
Anzahl Prospectoren ein, welche in
den Bergen in 'der Nähe der Stadt
eifrig nach Go'ld 'suchen: Sie sollen
bereits einige reiche Fun'de gemacht
haben. In Folge dessen ist hier das
Goldsieber ausgebrochen, und Alles
eilt in die Wälder, um Gold zu su
chen.
Reue schwimmende Paläste.
2 6 O
großen Schnellschraui6endampfer, wel
che der Norddeutsche Lloyd gegenwär
tig von der !Schiffsbaugesellschast Bul
can in Stettin und zu ©chichau bei
Danzig bauen 'läßt, werden die Na
men „Kaiser Wilhelm 'der Große" und
„Kaiser Friedrich" erhalten. Der Er
stere wird 13,800 Tonnen Gehalt ha
ben, eine Länge von 649 Fuß, eine
Breite von 66 Fuß und eine Tiefe von
39 Fuß. Der Letztere wird 12,800
Tonnen Gehalt haben, eine Länge von
€00 Fuß, eitte Breite von 64 Fuß und
eine Tiefe von 38 Fuß.
Rache an einem Staatszeu^en.
A a 2 5 O
Hollinhea'd. 'der Washington Co. Far
liter, der an dec.Lyncherei von Christo
pher Chambliß vor einigen Monaten
T'heit nahm, dann Staatszeuge tout
de und mehrere 'der Lyncher überführ
te, welche dann vor einigen Tage zu
lebenslänglichem Zuchthaus verur
fheilt wurden, wurde aus dem Fahr
weg in der Nähe seines Hauses von
einem Dutzend Männern aus dem
Hinterhalt erschossen. 'Einige dreißig
Bürger von Washington find aus den
Verdacht, hieran betheMgt zu fem,
verhaftet worden, alle Staatszeugen
find aber nach unbekannten Gegenden
verschwunden.
«in ers»lgreicher «rftnder.
W a 2 4 O
Herr Henry Tibbe, ein wohlhabender
Bürger dieser Stadt, ist im Alter von
77 Jahren gostor'ben. 'Er war zu En
schede in Holland gelboren und im
Jcchre 1867 nach diesem Lanide ausge
wandert. Er 'war der Erfinder der
sogenannten Missvurier Mee'schaum
oder „Corncob" Pfeifen und befaß
ein Patent auf feine Erfindung. Herr
'Tibibe ^begann 'die Fabrikation besagter
Pfeifen' rät Jahre 1878 fast ohne alles
Capital, hatte 'damit aber außeror
'dentlichen Erfolg, so daß die Gesell
schast häufig an einem Tage nicht tot
Niger als 25,000 Pfeifen herstellte.
Gefährlicher Berns.
a 2 4 O W
trie Dunham'sche Familie in Barnum's
Circus atff dem Trapeze probuzirte,
stürzte ein Mitglieid derselben, John
Dunham, aus einer Höhe von 80 Fuß
herab. Cr fiel zwar in das unter dem
'Trapez ausgespannte Netz, aber mit
"dem Kopfe voran, so daß er eine Ver
Setzung 'des Rückgrats davontrug.
Seine unteren Gliedmaßen schienen
völlig gelähmt zu sein. Cr wurde
mach dem Chicago-Hospital gebracht.
Wo die Aerate fernen Zustand für sehr
bedenklich erklärten. Jchn Dunham
ist 28 Jahre, alt.
Fürstliche Hochzeit.
2 3 O
von Montenegro, die Braut des Prin
zen von Neapel. Kronprinzen von Jta
lien, deren Hochzeit am 24. Oktober
stattfinden wird, ist heute Vormittag
um 11 Uhr, begleitet von den Mitglie
dern ihrer Familie, 'weiche der Trau
ung beiwohnen iwerden. hier eingetrof
fen. Schon in früher Morgenstunde
war die Straße vom Bahnhof nach
der Piazza dt Quirinal dicht gedrängt.
Längs des iganzett Weges flattern ita
lienische und montenegrinische Fahnen.
Piazza Termini ist in ein großes
Amphitheater umgewandelt, welches
gut 5000 Menschen aufnehmen kann
und dieses war übe ffüllt. Außer der
ungeheuren Menge, welche außerhalb
des Stations Gebäudes die Ankunft
erwartete, 'waren eine große Zahl
von Gesellschaften von Rom und aus
txro Provinzen zugegen.
Der «»l»a»finß nach' Kmtrif«
London, 24. Ott. $8 ist hier
allgemein die Absicht vorherrschend,
'daß die Direktoren der Bank von Eng»
land in ihrer regelmäßigen wöchentli
chen Sitzung die Discontorate von
drei auf vier iProzertt erhöhen werden.
Die Zeitungen find darüber einver
standen, daß dem Abfluß von Gold
nach Amerika ein Ende gemacht wer
den muß.
Die St. James Gazette sagt: „Nach
Ansicht von Sachverständigen haben
selbst bei Iber jetzigen Discontorate die
Vetsenider keinen Bortheil, so daß
möglicherweise in New Uork von sol
cheti Personen eine Prämie für Gold
"bezahlt wirb, welche über die politische
Lage so nervös gewotden sind, daß sie
daraus bestehen, Gold aufzubewahren.
Es ist ifor, baß das schnelle Steigen
der Weizenpreise den Aerikanern be
deutend behilflich ist, europäisches
Gold hinüberzuziehen, und wenn die
Direktoren der Bani eine noch weitere
Verminderung der Reserve gestatten,
so kann man mit Sicherheit darauf
rechnen, daß das Disconto steigt. Die
Aktienbörse war in der vergangenen
Woche vollständig auf ein ^Steigen der
Discontorate vorbereitet, so daß ein
plötzliches Fallen der Preise nicht zu
befürchten ist."
Die Bank von England hat den Dis
conto von 3 auf 4 Procent erhöht.
*nn»r it M-ndschkinlern.
W 2 6 O
Vom Oberen Elfihorn Creek in Pike
County, in der Nähe der Grenze von
Bertcher County, wird gemeldet, daß
ein Kampf zwischen vier Bundeshülfs
Marschällen unter Führung von „Kid"
Greer und Mondscheinlern stottgefun
«den halbe. Ms die Beamten sich dem
Lager der gesetzwidrigen Branntwein
brenner im Cumberlandgebivge nä
Herten, schössen die ersteren aus sie.
Die Beamten erwiderten die Schüsse
unld der Kampf dauerte eine 'halbe
Stunde. John Young, ein Mond
scheiner. wurde tödMch durch drei Ku
geln verwundet und ein zweiter
Mondschemer, dessen Namen man
nicht in Erfahrung bringen konnte,
wurde ebenfalls 'wahrscheinlich tödtt
Iich verwundet. Es gelang den Bun
desmarschällen, vier Brennereiappara
te zu zerstören und fünf Mondscheiner
gefangen zu nehmen, welche zur Pro
zessirung nach Jackson gebracht wur
den.
Hülse zur rechten tfett.
S 2 6 O E e
pesche von Chi'p'ley, Fta., sagt, daß I.
M. Criglar, Direktor der Hagermans
SägmÄhle in Hager Station, vier
Meilen von diesem Platze, gestern
Abend zwei Neger tödtete und vier an
dere verwundete. Criglar bekam ge
stern Abend mit einem der angestellten
Neger Händel und drei andere Neger
zogen sofort ihre Pistolen und began
nen auf Criglar zu schießen. Letzte
tet floh in die Office, woselbst et ftch
verbarrtiddirte und von wo aus er auf
die wüthenden Neger mit einem Win
chester, mit dem angegebenen Erfolg,
Feuer gab. Während einet Stunde
schössen die Neger mindestens 200 Ku
,gtfn in 'das «Gebäude und fte waren
eben 'dabei, Feuer anzulegen, um
Criglar zu braten, als zur rechten Zeit
ein L. & N. Zug aitlkam. Als das
Zugpersonal und die Reisenden sahen,
was hier vorging, eilten sie Criglar zu
Hülfe und verjagten die Neger.
Barbarische Kriegführnng.
E a o, 25. Oct. Einer hiesi
gen Zeitung wirb aus San Francisco
telegraphirt: Die auf Cuba verübten
Grausamkeiten isind mild im Vergleich
zu denen, welche aus den Philippinen
verübt werden. Aus dem Orient ein
getroffene Zeitungen enthalten einige
Andeutungen darüber. Die entsetz
lichste der (verübten Blutthaten war die
Art und Weise, in welcher ein spani
scher 'Lieutenant und dessen Familie
behandelt wurden. Die Spanier hat
ten eine Anzahl von Gefangenen ge
macht, und um den Eingeborenen eine
lLection zu geben, schnitten sie zweien
der Gefangenen die Eingeweide aus
und hängten ihre blutigen Leichname
an einem der Thore ideS Ortes auf.
Dadurch wurden die Rebellen wü
thend, rotteten sich nach Rache dür
stend in großer Menge zusammen und
eilten nach der Wohnung eines spani
schen Lieutenants in einer Vorstadt
von Manilla. Sie bemächtigten sich
des Offiziers, feiner Frau und der
zwiöls 'Jahre alten Tochter, worauf
eine blutige Folter begann. Die wil
desten Instinkte der Eingeborenen wa
reit erwacht. Dem Lieutenant wurde
vor 'den Augen von Frau und Tochter
die Haut am ganzen Körper zerfchnit
ten. Dann kreuzigten ihn seine Fol
terer und schlugen ihn ausgestreckt mit
ihren langen Messern an einen Baum.
Darauf wandten sie sich gegen die
Frau unld das Mädchen, an denen
fte mit thierischer Wildheit vor den
Augen des sterbenden Vaters Rache
übten.
Die Spanier thum ihr Möglichstes,
um zu verhindern, daß von den In
sein Nachrichten über diese Grausam
keiten abgesandt 'werden, und öffnen
und besichtigen zu diesem Zwecke die
Postsachen.
O 2 4 O
stern Wenld wurde ein siebzehn Met«
lien von hier wohnender Farmer Na
mens Butka, welcher aus der Verpaß
'turog von Petroileuntländereien ei%d6
deutendes Einkommen bezog, auf fei
ner Farm ermordet. Seine Frau
wurde fchwer verwundet. Als die
Familie löeim Abendbrot» saß, traten
zwei Verltitvte ein, erschossen Butka
und verwundeten seine Frau durch ei
nett Schuß am Handgelenke. Später
wutlde die Frau zu Boden geschlagen
und durch Schläge schwer verletzt.
Butka hatte eben seine monatlichen
Pachtgelder erhalten, jedoch gelang es
den Räubern nicht, den Ort zu finden,
an welchem er dasselbe versteckt hatte.
Sie erbeuteten nur feine Uhr und ei
nige Dollar, die er in der Tasche hat
te.
B.rbotene Goldfischanqelei.
2 0 O E a i
netsordre tritt einem weiteren im
preußischen Offizierskorps um sich
greifenden Uebelstande entgegen. In
der 'letzten Zeit ist es des öfteren vor
gekommen, daß Offiziere, um die
Mittel zur Bezahlung ihrer Schulden
zu erhalten, reiche Heirathen mit Be
nutzung von Heirathsannoncen mach
ten. Die Kabinetsordre droht nun
jedem Offizier den Abschied an, wel
cher auf Grund eilner solchen Annonce
heirathet.
Erzürnte Spanier.
a 2 1 O I
Leitartikel über die aus Washington
abgesandte Depesche, daß Präsident
Cleveland die Absicht habe, in Cuba in
einer Art und Weise zu interoeniren,
welche der Anerkennung der Unabhän
gigkeit der Insurgenten gleichkommt,
verlangt der Impartial, daß Spanien
eine Erklärung von den Bereinigten
Staaten darüber fordere. Eine der
artige »Drohung, kann sich Spanien
nicht gefallen lassen. Die Ver. Staa
ten kaben kein Recht, sich in Sachen
zu mischen, die Spaniens innere Ver
waltung angehen. Derartigen Be
stimmungen kann 'sich Spanien nicht
fügen.
Nachdem noch das Blatt bittere Be
merkungen über die Haltung der Ver.
Staaten in der Neuttalitätsstellung
gemacht, schließt es mit den Worten:
Das Verfahren der 8er. Staaten
wird allgemeinen Unwillen hervorru
fen. Wenn Spanien allein in einem
Konflikt mit den Ver. Staaten bleiben
sollte, so werden die Spanier selbst
den Unterschied zwischen einem edlen
Vertheidiger seines Eigenthums und
den feilen Schachern in Washington
machen lernen.
Anfregnng sür Spetnlanten.
a 1 9 O I
der wildesten Aufregung, wie sich alte
Spekulanten nur aus der Zeit des
Krileges erinnern können, öffnete De
zemiberwerzen heute an der Chicagoer
Börse zwischen 78 ls2 und 79 ls2
Cents, während der Schlußpreis am
Saimstag 75 ls2 Cents war. Dieser
durchschnittliche Sprung von 3 Cents
fiel wie eine Bombe unter die Händ
let. Der Preis stieg bis auf 79 ls2
Cents und hielt sich dort lange Zeit.
Zum 'Schluß fiel er auf 77 3s8 Cents.
1 ls2 Cents höher als der Schluß
pveis vom 'Samstag.
Ehe die Aufregung begann, melde
ten die englischen Kabelberichte der
Menge, daß in Großbritannien mehr
Weizen verlangt werde. London,
Liverpool, Paris und Berlin tihateir
ihr Bestes, um schon zu Beginn den
Preis mm drei Cents in die Höhe zu
treiben. !Die Spekulanten entdeckten
sofort, daß der Markt kein lokaler
war, und so blieben die Preise trotz
der starken Verläufe fest. Jeder mach
te heute großen Profit. P. D. Ar
mour kaufte stark, und es wurde be
richtet, daß John Cudahy einen gro
ßen Dheil seines Weizens verkaufte.
Daß der Markt in Minneapolis fünf
Cents eröffnete, wurde als ein Zeichen
der Festigkeit des nördlichen Marlies
angeschen. Die Nachfrage hier war
schr stark, aber es fan'den ftch wenige,
die votikauften und mit ihrem Profit
zufrieden warm. In einer Stunde
wurden Vermögen gewonnen.
ans Oklahoma.
O a a 1 8 O
ber. Heute trafen hier Nachrichten
über den gestern Abend auf das etwa
20 Meilen östlich von hier gelegene
Oertchem Garney stattgehabten lieber
fall ein. Abends gegen 9 Uhr kanten
sechs vertoilbte und bis an die Zäh
ttie bewaffnete Banditen, deren Führet,
wie man glaubt/ der 'berüchtigte „Dy
namite Dick", einer der Spießgesellen
der Brüder Dalton und von Bill
Doolin war, zu Pfetde in den Ort.
welcher etwa 300 Einwohner hat, und
diese wurden von den Räubern sämmt
lich in iSchach gehalten. Die Räuber
kamen von der nördlichen Seite schie
ßend in den Laden von B. Fouls und
zwangen diesen und dessen Sohn, den
Geld schränk zu öffnen, aus welchem sie
$800 raubten. Darauf banden sie
Batet und Sohn, warfen sie auf
Pferde und brachten fte bis etwa zwei
Meilen vom Orte, wo sie dieselben
an einem Baume festbanden. Inzwi
schen waren die übrigen Mitglieder in
iss Postamt eingedrungen, und da sie
j^ort nichts fanden, drangen fte in das
Hotel ein und nöthigten die Hotelbe,
sitzet und mehrere im Hotel logierende
Reisende, ihnen ühr Geld, ihre Uhren
und Schmucksachen einzuhändigen.
Mehrere kleinere Läden wurden eben
falls ausgeplündert. Ehe die Raubet
in Garney eindrangen, hatten sie die
Vorsicht gebraucht, die nach Chandler
führenden Telephomdrähte zu durch
schneiden. Während der Plünderung
schössen die Banditen fortwährend
nach allen Seiten hin und terrorisirten
die Bewohnet des Ortes in einet sol
chen Weise, daß nur wenig versucht
wurde, ihnen Widerstand zu leisten.
Erst längere Zeit, nachdem fte abgezo
gen waren, gelang es, bie Ordnung
wieder herzustellen, worauf eine ovga
gandsirte Verfolgung begann. Nach
langer Verzögerung fetzten etwa hun
dert Bewaffnete den Banditen nach.
Die Verfolger theilten sich in drei
Haufen, von 'denen jeder eine andere
Richtung einschlug. Bis heute Abend
waten die Banditen noch nicht einge
holt worden.
Heute früh am Morgen erschienen
vier Leute, welche, tote man glaubt,
ein Theil der Ban'de waren, die in
Gatmiey die Plünderung vornahm, in
Mulhall und zwangen einen Leihstall
besitzer, ihnen frische Pferde zu geben.
Außerdem traf heute in der Office
ot§ Bundesmarschalls die Nachricht
ein, daß zwei Leute, vermuthlich Mit
gtieber der Ban'de, in ein etwa 15
Meillen nordöstlich von hier gelegenes
Farmhaus eingekehrt seien und zu
essen gefordert haben. Mehrere Bun
deshülssmarschälle iberfolgen biefe bei
den Leute.
Ein Miefen* chwindler.
a W 1 5 O
Familie und Freunbe W. T. Ram
busch's, beS Präsidenten der Citizens'
Bank von Juneau, befinden ftch wegen
dessen plötzlichen Verschwindens in er
heblicher Aufregung. Er ist feit letz
ten Samstag verschwunden, doch fing
man erst jetzt an, die Angelegenheit
zu kommentiren. Alle möglichen Ge
riichte dutch schwirren die Lust.
Ramlfmjch galt allgemein als wohl
habender Mann und war einer der
drei Eigentümer der Citizen's Bank.
Er hatte außerdem eine Abstrakt-Of
fice, die sich nach der Zerstörung der
Countybücher durch das Feuer im
Jahre 1879 besonders deshalb gut be
zahlte. Viele wohlhabende Leute und
Geldverleihet betrauten ihn mit der
Verwaltung ihrer Geldgeschäfte auch
war er Verwalter einer Anzahl von
Erbschaften und Vermögen Minder
jähriger.
Am Samstag Morgen kam Frau
Laura Whinsield ©pence von Fond
du Lac nach Juneau und erwirkte Be
schlagnahmen gegen sämmtliches Ei
genthum des Herrn Rambusch, der ein
Darlehen von $12,000 (außer weite
ren $20,000, die verloren scheinen),
von ihr hatte. Nach den letzten Be
richten gehen die Summen, welche
Rambufch schuldet resp. veruntreut
hat, weit in die Hunderttausende.
Rambusch 'kam als Student der Me
btetn anfangs der 60er Iahte aus Ko
penhagen nach Amerika, war Hospital
Steward in BurNstde's Armee, er
schien nach abgelaufener Dienstzeit bei
seinem Onkel Fribert in Watertown.
wurde hier Dtygoods-Clerk bei feinem
Landsmann Peterson (jetziger bäni
scher Consul in Chicago), ging nach
mehreren Jahren nach Minnesota, er
hielt dort das dänische Konsulat, kam
wieber zurück und ließ sich Mitte der
70er Jahre in Juneau nieder.
Es traf ein Brief von ihm an feine
Frau aus Philadelphia ein, in wel
chem er alle feine Schlechtigkeiten be
kennt und angibt, baß er nicht mehr
lebenbig zurückkehren werde. Es ist
anzunehmen, 'daß diese Meldung nur
daraus i&erechnet ist, irre zu führen.
Man ibermuthet, daß der Schwindlet
nach Dänemark sein Geld in Sicherheit
gebracht hat und aus der Flucht dort
hin begriffen ist.
Die Veneznela-C
ommi sston.
A a a a 2 1
Okt. Der Professor Burr und Dr.
Koain, die Sachverständigen der ame
rikanischen Kommission in der venezu
elt schein Gnenizstreitfrage, welche feit ei
niget Zeit in den Archiven von Lon
don, Madrid und im Haag Nachfor
sihuttgem darüber angestellt haben, ha
ben ihre Arbeiten beendigt. Professor
Burr wird am nächsten Mittwoch mit
dem Dampfer „Teutonic" von Lwer
pool nach New Nork abreisen, wäh
rend sich Dr. Koan in dieser Woche
mit dem Dampfer „Spaarndam" von
der niederWndischen Linie von Rot
terdam aus ebenfalls einzuschiffen be
absichtigt.
Zwanzig Mann ertrnnkcn.
a 1 9 O a
sige Barkschiff „Venus", Capitän Pin
to, welches am 1. d. M. von Cardiff
hierher abging, ist aim 9. d. M. wäh
rend eines 'Sturmes aus der Höhe der
Insel Skomor untergegangen. Zwan
zig Leute ertranken.
A«slck«d.
Elsaß Lothringen
S aß g. Sin seltsamer
Jubilar stand am 30. Septernlbet vor
bent hiesigen Schöffengericht. Et war
im ganzen 90 Mal wegen Betteins be
straft und hatte diefecha'Sben etwa 12
Jahre Haft schon abgesessen. Neulich
begann er das zehnte Decennium mit
seinem 91. Erscheinen vor Gericht,
ebenfalls wegen Bettelns. Der Ju
belgreis wurde aber dies Mal steige
sprachen. Das Urtheil führte, laut
,Mf.", aus: arbeiten könne der Mann
nicht wegen körperlichen Gebrechen
zum Leben besitze er nichts, und das
Verhungern könne ihm auch nicht zu
gemuchet werden. Er befinde sich so
mit in einem Nothstande, welcher ihn
'der Strafbarkeit seiner Handlung
überhebt.
a a
pertheirner haben dieser Tage ihr
prächtiges neues Rathhaus eingeweiht,
und dalbei erhielt jeder Bürger vier
Mark ausbezahlt ds kleine Überra
schung, um die Festfreude zu erhöhen.
Sich selber hatten die Gemeinderaths
Mitglieder, tote billig, noch etwas
mehr bewilligt, nämlich 8 M., wofür
sie ein großes ^Festessen hielten, das
pro Couvert so viel kostete. Solche
„'An denken" läßt man sich gefallen!
'Lampertheim ist eine der reichsten Ge
meinden des Unter-Elsaßes und kann
ftch derartige Vergnügungen gestatten
anderswo abet wird man vielfach da
rauf mit Wchmuth hinschauen.
Oeste reich.
W E e
ne jüdische Friedhof wurde in un
glaublicher Weife demolirt. Fast
sämmtliche Leichensteine sind umge
stürzt und mittels scharfer Jnstrumen
te gewaltsam zertrümmert. Sämmt
liche «fernen Gtabgittet sind ausein
ander gerissen worden. Von den Thä
ten ist bisher keine Spur vorhanden.
•L tn g. Polnische Blätter
melden, daß der russische Oberst Kur
tanowski während der Manöver in
Bauerntracht bei Besichtigung der Fe
stungswerke unweit von Orzechovice
verhaftet wurde derselbe wird übet
die Grenze gebracht.
a S
böhmischen Braunkohlen-Becken nimmt
zu und scheint es, !daß man es mit ei
nem größeren Streike zu thun be
kommt. In Offegg, Ttiebschitz, See
stadtl unid vielen anderen Kohlencen
tren wird gestreikt. In Theresia
Tiefbau bei Brüx hefteten Nachmit
tags sechs als socialistische Agitatoren
bekannte Arbeiter an die Thür des
Schachtgebäudes Zettel des Inhaltes:
„Wenn morgen früh Jemand einfährt,
ist er ein Kind.des Todes!" Gegen
6 Uhr Abends stürmten 300 Arbeiter
gegen Nelson 3.-^Schacht los, wurden
aber von Gensbarnten in den Ofsegget
Wald zurückgeworfen. Zwei Agitato
ten wurden verhaftet.
Schweiz.
S a a
in den letzten 16 Jahren um 16 Mil
lionen.
a a
beantragte der Staatsanwalt gegen
Pfarrer Lienhard von Schöfflisdorf
(Kt. Zürich) 2 1s2 Jahre, gegen Emil
Schlittler 2 Jahre 1 Monat Zucht
haus. Die Beiden hatten das hinter
lassene Vermögen ihres Schwiegerva
ters, welches 148,000 Franks betrug,
auf 68,000 angegeben und für diese
Angabe das Gelübde geleistet! Das
Urtheil 'lautet: Schüttler 4 Monate
Gefängniß und 1000 Fr. Buße, Pfar
rer Lterthatfd 3 Monate Gefängniß
hmd 1000 Fr. Buße.
S a a
bewilligte 60,000 Fr. für die Fassung
der Quellen im Sihlthal.
a it. Im „Grand
Hotel" in Arosa hat sich eine Anzahl
Engländer angemeldet, die sich dem
Eis- und 'Schneesport widmen wollen.
Die Verwaltung hat sich daher ent
schlossen, ,das Hotel den Winter über
offen zu halten.
Luxemburg
A
Sonntags die im Pfaffenthal wohnen
'de Ehefrau Gales ihr Mittagsmahl
zubereiten wollte, goß dieselbe auf die
noch im Ofen befindlichen Kohlen et
'was Petroleum. Die sofort aufschla
genden Flammen ergriffen die Kleider
der Frau und bevor noch deren Ehe
mann ihr zu Hilfe kommen konnte,
hatte die Bedauernswerthe bereits be
deutende Brandwunden da-vongetra
gen. Die boHagenswerthe Frau ist
an den erlittenen Brandwunden ge
stotben.
Esch a. d. A. Der 17-jähtige
Rangtret Fettigen aus Schillingen,
der auf hiesigem Bahnhof neulich ver
unglückte. ist den damals erhaltenen
Verletzungen erlegen. Feltgen war bei
dem Abspringen von einem im Rollen
begriffenen Wagen auf das Geleise ge
stürzt und überfahren worden.
n. Die Regierung
hat beschlossen, eine schmalspurige
Bahn von Bettemburg über Hellingen
und Frifcngen nach Aspelt zu erbau
en.
Eine neue deutsche katholische Kir
a a S i
eingeweiht.
Pr»f. »irchsw.
Der 'berühmte deutsche Gelehrte
Prof. Virchow feierte in den letzten
Tagen feinen 75. Geburtstag. In An
knüpfung daran werden Mitteilun
gen übet den Lebensgang eines der
'hervorragendsten Gelehrten unserer
Zeit von Interesse sein. In Schie
veibein, einem hinterpommerschen
Städtchen, erblickte Rudolph Virchow
am 13. October 1821 das Licht der
Welt. Mit 18 Jahren erreichte er
die Reise für das Univetfttätsstudium
und seit dem Jahre 1839, da et sich
in die Listen des Friedrich Wilhelms
Instituts in Berlin, der sogenannten
„Pepinere," eintragen ließ, ist er die
kurze glänzende Würzburger Episobe
abgerechnet, in Berlin geblieben und
mit der lEntwickelung ider preußischen
und später deutschen Hauptstadt als
einer ihrer größten Bürger und leuch
tendsien Zierden auf's Innigste ver
«wachsen.
Schon der 24 Iahte alte Assistent
an der Charite trug das ganze Pro
gramm der zukünftigen Reformatio«
im Kopfe bevor noch ein Iaht ver
ging, führte er einen großen Schlag,
welcher Ihn berühmt machte und den
Fünfundzwanzigjähtigen zum Führer
einet neuen Richtung in der patholo
gischen Anatomie stempelte: die Wider
logung der Rokitanksky'schen Krasen
Idhrt. 1847 wurde er Privatdozent,
1848 erhielt er den Auftrag, den Herd
der Hungertypihus-Epidemie in Ober
schlesien zu studiren. Dann kam der
Sturm des Jahres 1848 und riß auch
Virchow mit sich fort. Und wie so
Manchen, traf auch ihn die Reaktion
des folgenden Jahres. Et schüttelte
den Berliner Staub von seinen Füßen
und zog als Lehrer für pathologische
Anatomie an der Universität Würz
burg in eine glänzende Stellung in
der Mainstadt ein. Hier bildete er
seine „Cellular PaWlogie," das groß
te und erfolgreichste Werk feines Le
bens, aus. Wälhtnd des 'Würzburger
Aufenthaltes verheirathete er sich auch
mit Fvl. Minna Meyer, einer Tochter
des damaligen 'hochgeschätzten Berli
ntr Arztes Sanitätsrath Karl Meyer.
Im Iahte 1856 entschloß sich das
preußische Ministerium Räumer, Bit
choiw nach Berlin zurückzurufen er
wurde der Leiter des neuen pathologi
schen Instituts. Und als Ende des
Jahrzehnts die neue Acta in Preußen
kam, entfaltete ftch Virchow's glänzen
de Universalität. Mit ungeheurer
Vielseitigkeit des Geistes, mit fabel
'hastet Thatkraft und nie zu ermüden
der Regsamkeit wird Virchow jetzt ei
ne Zentral Persönlichkeit im geistigen
Leben Deutschlands. 1859 wird er
Stadtverordneter von Berlin und die
Organisation des iKtankeNhauswesens
ist seilt Werk. 1861 überschreitet et
die Schwelle des Parlaments, und zur
selben Zeit faßte er auch festen Fuß
auf der öffentlichen wissenschaftlichen
Bühne durch die Popularisirung der
strengen Wissenschaft. Das hindert
in!deß feine Arbeit auf dem Gebiete der
letzteren nicht: 1864 erscheint die
Epoche Wachende Arbeit „Die Lehre
von 'der Trichinose," die erste glänzen
de von praktischen medizinischen Fol
gert 'begleitete Arbeit über die kleinsten
/Lebewesen, die inzwischen der Gegen
stand einer neuen gewaltigen Wissen
schaft ,geworben ftrtb, der Bakterio
logie.
In den Kriegsnöthen ber Jahre
1866 und 1870 war er 'der leitende
Geist bes Sanitätswesens.
Mit dem 'Jahre 1869 beginnt Vir
chow's großartige T'hätigkeit als An
thropologe. Sein Wirken als solcher
ist unermeßlich er hat in der physi
schen Völkerkunde neue Wege in den
Urwald von Vorurtheilen und Dun
ketheiten gehauen, er hat die ausge
zeichneten exakten Metthoden der Kör
permessimgen geschaffen, die brachyke
phale Schädellehre begründet und ei
ne archäologische Große wie Schlie
-mann zur Anerkennung gebracht.
Von 1880 bis 1893 gehörte Vir
chow dem deutschen Reichstage als
Mitglied der Fortschrittspartei, deren
Mitbegründer er war, dann der
dvutsch-freisinnigen Partei an. Welches
auch die Parteistellung des Einzelnen
sein mag, ein Geist von der Bedeutung
Virchow's wüttde eine Zierde jeder
Volksvertretung sein.
Vor fünf Jahren feierte die ganze
zivilisirte Welt den 70. Geburtstag
Virchow's und fte gedenkt jetzt in
gleicher Verehrung, mit gleichen Wün
schen des Mannes an seinem 75. Ge
burtstage. Sie tust dem Jubilar,
welcher in seiner Bescheidenheit sich
allen Ovationen entzogen hat, einen
verchrungjsivollen, tiefempfundenen
Glückwunsch zu.
Erwünschte LnftverA,.dernng.
2 0 O 5 S
James Gazette'' sagt, daß die Frei
lassung Dr. Jamieson's und Major
Sir John Willoughby's, den Trans
vaal-Embrvchern, welche mit Major
R. Grey, Col. H. White, Major R.
White und HeNty F. Coventry wegen.
Verletzung der Foreign 'Enlistment*
Akte zu 15 bis 6-monatlichem Ge
fängniß vemrtheilt worden, wahr
scheinlich unmittelbar bevorstehe. Die
Entlassung dürste aus ein ärztliche»
Gutachten, begründet werden.

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