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Der fortschritt. [volume] (New Ulm, Minn.) 1891-1915, December 24, 1896, Image 10

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«u( »I««rich»m Wcgt.
Von Dora Dunker.
Das thüringische Städtchen Allers
dorf lag tief im Schnee begraben. Die
Berge, die es nachbarlich umgaben,
standen wie bis an die Nasenspitze in
weiche Mäntel eingehüllte Wächter da.
Der dichte Decernberschnee schien von
jeher das Städtchen in einen gelinden
Winterschlaf versenkt zu haben, so still
war es tagsüber auf den hügligen,
winkligen Straßen, so lautlos insbe
sondere von Beginn der Dämmerung
ab, daß der Fremde, der es betreten
würde, sich in eine verwunschene Dorn
röschenstimmung zurückversetzt ge
glaubt hätte. Aber es tarn kein ^rem
der die Schneewälle zu durchbrechen,
die statt der dornigen Nasenhecken um
das Städtchen lagerten, es kamen so
gar nur wenige Briefe aus der Fremde,
geschweige denn ein Telegramm, und
trübselig saß der junge, zu künftigen
Thaten aufgelegte Telegraphist, der
erst feit Kurzem auf diesem einge
schneiten Posten stand, vor dem un
thätigen Apparat in dem niedrigen
Postgebäude am Markt und borefite
umsonst aus die mit konstanter Bösheit
ausbleibenden Schwingungen des elek
irischen Drahtes.
Die Belletristik der Leihbibliothek
des Städtchens war längst ausgelesen
der eigene lyrische Strom in dem trä
gen Bette unthätiger Langeweile ver
siegt und die Geduld des jungen
Mannes so ziemlich erschöpft, als der
Brave schließlich auf den gesunden &t
danken verfiel, wenn der Apparat ihm
nichts zu sagen habe, er dem Apparat
etwas sagen könnte, und zwar eine An
frage an die nächste Station landein
wärts, wie es dort mit dem Winter
schlaf stünde.
Die Rückantwort lief prompt und
nicht ohne ein Körnchen Witz ein. so
daß in unserem ttatkräftigen Beamten
die Lust nach weiterer Drahtunterre
dung rege ward und in den beiden so
lange stumm gebliebenen Apparaten
hüben und drüben plötzlich eine Wech
selwirkung entstand, wie sie sonst nur
ein erschütterndes Börsenevenement,
oder eine drohende politische Constella
tion hervorzubringen im Stande ist.
Erst die von der Behörde festgesetzte
Schlußstunde gab das letzte Wort, un
ter dem indeß ein „Fortsetzung folgt"
stand, was am nächsten Nachmittag in
den Dämmerungsstunden auf's aller
prompteste eingelöst wurde.
Von den Gemeinplätzen wurde heute
genau wie in der Gesellschaft, wenn
sich zwei einander sympathische Men
schen zum zweiten Mal begegnen.
zu Persönlichkeiten übergegangen, nur
daß die Fragen und Gegenfragen mit
der üblichen lakonischen Kürze des
Drahtstils, anstatt mit schönen gesell
schaftlichen Floskeln geschmückt einlie
fen.
Von Ellersdorf aus kam die erste
persönliche Anfrage.
„Wie lange schon im Dienst?"
„Fünf Monate. Und Sie?"
„Ebenso viele Jahre, Sie Neuling,
Alter?"
„Im Mai achtzehn, und Euer Wohl
geboten?'
„Vierundzwanzig. Name."
„Gemeiniglich Hans genannt."
„Genügt nicht. Erbitte vollen Vor
und Zunamen."
„Auskunft entschieden Verweigert."
„Oho. werde mit gutem Beispiel
vorangehen Walter Rietz."
„Grüßen Sie Walter Rh, bleibe bei
meiner Weigerung. Schluß für Heut."
ÜB.ilter Rietz war ärgerlich. Aer
gerlich, daß ihm die erhoffte Antwort
nicht geworden, ärgerlicher noch, daß
ihm der junge College den Schluß zu
diktirt. Er Hätte die Unterhaltung
gern noch einmal begonnen, aber der
Stolz des älteren Beamten bäumte ftcfi
in ihm und er schwieg, ja, sein Groll
ging soweit, daß er. am nächsten Nach
mittag brummend vor seinem Apparat
sitzen blieb, ohne die Unterhaltung
auf"s Neue zu beginnen.
Drüben schien man leichtlebigeren
Temperaments zu sein. Oder plagte
Einen die Reue über unmotioirten
Eigensinn?
Gegen sechs Uhr schlug das Zeichen
an.
„Wie geht's? Noch böse?"
Woher wußte dieser kleine Racker
von College, daß man böse gewesen.
Walter Rietz lachte wider Willen, und
ehe er sich's versah, war die Antwort
drüben.
Keine Spur. Wollen plaudern.
Wenn nicht Name, so doch Personalbe
schreibung."
„150 Centimeter, militärfrei, blaue
Augen, schwarze Haare, kurz geschnit
ten, Handschuhnummer 6 ls4."
Walter Rietz lauschte starren Blicks.
„Will mich der Kerl foppen oder
aber" und plötzlich schien ihm ein
Licht aufzugehen Daher der Eigen
sinn, daher die Launen, daher die räth
felhafte Natur und die noch rätselhaf
tere Handschuhnummer. Warte, klei
ne Krabbe. Dich wollen wir Kriegen."
„Personalbeschreibung ganz unleser
lich. Schadet nichts. Mal in der
Person betrachten. Sonntag Abend
dienstfrei. Rendezvous in A."
„Leider nicht dienstfrei."
Aha! sagte Walter Rietz fchmun
zelnd. Dacht ich's doch. Sie muß
übrigens eine reizende kleine Kröte
sein. Schwarzes, kurzgeschnittenes
Haar, blaue Augen, Handschuh 6 ls4
und dabei ein Erzracker und er tele
graphirte zurück: „Stimmt nicht. Bitte
wahren Grund oder Tausname." lind
der ehrsame Beamte trat ungeduldig
mit dem Fuße auf. als er die Antwort
bekam:
„Morgen. Schluß für heute.'
Was sollte er machen? Am liebsten
hätte er einen Schlitten genommen und
wäre bei Nacht und Nebel zwei Stun
den landeinwärts gefahren, um diese
schöne Spezies von College,, des Nähe
ren zu betrachten. Aber bis acht Uhr
fesselte ihn der Dien» und dann
nein, es war unmöglich. Aber noch
unmöglicher schien es ihm, unthätig da
zu sitzen. Sollte er den Draht noch
einmal in Bewegung selben und ihr "i
rufen: „Ich weiß, oder wenigstens ich
glaube, Du bist ein Weib und ich
ich." Ach was. seit wann hatte ein
Telegraphenbeamter solch romantische
Anwandlungen. Fort damit! Und
er schlug mit der Hand auf den Tisch.
Ich will mich von diesem kleinen entcitv
eipirten Frauenzimmer nicht länger ein
der Nase umherführen lassen.
Aber trotz des Fluchens wurde er
den Gedanken an das geheimnißvolle
Zwitterding zwischen Weib und Colle
ge nicht los. Die schwarzen kur,ge
schnittenen Haare rahmten sich um el
neu zierlichen Kopf, aus dem die blau
en Augen schelmisch hervorblickten, und
an der kleinen, lächerlich kleinen Hand
blinkte gar ein goldener Reif, dessen
Inneres die Buchstaben W. R. trug.
War er denn rein des Teufels... .Viel
fehlte jedenfalls nicht daran, denn das
erste Telegramm, das Ellersdorf am
nächsten Morgen verließ, lautete
„Wie geht es Ahlten, liebster Hans,
hoffentlich gut?" Und sein Herz klopfte
ihm bis in den Hals hinauf, als die
Antwort eintraf:
„Sehr gut, lieber Walter. Hoffe von
Ihnen das Gleiche. Gruß."
Warum beißt dies Zeichen nicht lie
ber Kuß!
Der Apparat schien den elektrischen
Strom auf ihn übertragen zu haben,
so siebig heiß, fo durch alle Nerven ru
ckend lief's ihm bei diesem Gedanken
vom Heizen aufwärts bis in den blon
den Scheitel. Und wenn er sich den
noch irrte! Wenn dieser Kobold kein
Weib war! Nein, länger trug er diese
Ungewißheit nicht.
„Sind Sie ein Weib?"
„Ich verde Hans gemurrt."
Die Antwort machte ihn rasend.
Wäre er bei ruhigerem Blut gewesen,
sie hätte ihn besänftigt, denn so konnte
nur ein Weib quälen.
„Ich hasse Sie!"
„Ich nicht, im Gegentheil."
Das Gegentheil von Haß war Liebe,
unanfechtbar logisch, Liebe. Mein Gott
wenn wenn
„Liebst Du mich, Hans?"
Seine Hände flogen, als die Ant
wort kam:
„Das sollten gute Collegen stets
thun."
Wollte sie ihn denn um den letzten
Rest von Verstand bringen. „Nicht als
College, als Weib, als mein Weib?'
Er wartete auf die Antwort, eine
Stunde, zwei Stunden, den ganzen
düstern Nackmittag, der Apparat regte
sich nicht.
Bureauschluß, eine schlaflose Nacht,
ein kalter, herzbeklemmender besckm5ti
gungslofer Morgen.
Gegen Mittag hielt's ihn nicht län
ger. Er beschloß, alles daran zu se
tzen, um einen Tag Urlaub zu erhal
ten. Er mußte sie wenigstens sehen,
es koste, was es wolle. Aber vorher
galt es, ihre Vergebung für feinen all
zu kühnen Schritt einzuholen.
„Vergeben Sie, Hans!"
Mein Gott, wie lange die Antwort
ausblieb. Es konnte doch auf der
kurzen Strecke nichts vorliegen. End
lich!
„Längst geschehen."
Er jubilirte auf. Nun konnte noch
alles gut werden. Wenige Minuten
später lief eine zweite Depesche von
drüben ein.
„Vergaß. Morgen dienstfrei."
Dieser Racker, dieser entzückende Ko
bold!
Sollte er es noch einmal wagen?
Dem Muthigen gehört noch immer die
Welt, und der Wagemuth brannte ihm
in allen Adern.
„Nein Standesamt. Sage ja."
Nun war's hinein nun drüben—
nun plauderte es der schnelle geschwä
feige Draht ihr in's kleine Ohr.
Der Athem stockte ihm. Jetzt nein,
noch nicht. Es summte und klan^
ihm in den Ohren, als ob tausend elek
irische Drähte ihn umschwirrten. Da
keine Täuschung ein Klingeln
und Knistern, und er lacht laut auf,
daß es das Summen schier übertönte
„Ja. Deine Johanna."
Im mittleren Rußland häufen
sich Eisenbahn-Unfälle. So stießen
auf der Moskau-Kafaner Bahn zwe
Güterzüge aufeinander, wobei sechs
Menschen urn's Leben kamen und 30
Wagen zertrümmert wurden. Bei
Charkow und Jekaterinoslaw hatten
Verbrecher die Schienen ausgerissen
und mit großen Steinen versetzt. Die
Aufmerksamkeit der Bahnwärter ver
hinderte ein Unglück. Man glaubt,
daß Nihilisten, die jetzt wieder eint eif
rige Thcitigkeit entfalten, die Uebelthä
ter sind.
Nach dem Ergebniß der letzten
Zählung beläuft sich die Bevölkerung
Griechenlands, abgesehen von den im
Auslände lebenden Griechen, auf 2,
418,000. Der Vermehruna seit 1889
beträgt 230,000 Seelen. Die Einwoh
nerschaft Athens beträgt 128,000.
a it dwi rthschaftlichc s.
ch S r.
Daß das Kochen der Futtermittel
unter günstigen Verhältnissen sehr vor
theilhast sein kann, ist sicher ob es
aber immer empfehlenswert!) und ge
winnbringend ist, darüber herrschen
verschiedene Ansichten. Im alten Va
terlande werden Getreidekörner, Kar
toffeln, Schrot, Rüben, Möhren u. s.
w. durchweg vor dem Füttern gekocht
sie gehen drüben dabei zum Theil von
der Ansicht aus, daß das Futter durch
Kochen besser verdaulich werde. Die
ses ist jedoch durch Versuche in unserem
Lande, aus der Versuchsstation des
Staates New York schlagend widerlegt
worden. Es wurde rohes und gekoch
tes Maismehl hinsichtlich der Verdau
(ichfeit geprüft. Es zeigte sich, daß in
chemischer Lösung Pepsin^ Lösung
von dem ungekochten Mehl 73.58
Prozent von dem gekochten aber nur
63.17 Prozent verbaut wurden es
wurden durch die Erhitzung also ein
Hauptnahrungsstoff in dem Mehle
Stickstoff weniger verdaulich ge
macht. Auch an anderen Orten bat
man ähnliche Versuche angestellt so z.
B. mit gedämpftem Heu es wurde an
Ochsen verfüttert und zeigte sich dabei,
daß gedämpftes Heu weniger verdau
lich ist als gewöhnliches trockenes Heu
von letzterem wurden 46 Procent, von
gedämpftem nur 30 Procent verdaut.
Für das alles fressende Schwein mit
seinem einfachen Magen hat man auch
geglaubt, daß das gekochte Futter giir.
stiger sei. Vergleichende Versuche haben
jedoch auch hier gezeigt, daß dies nicht
der Fall ist, wenigstens nicht beim Ge
treide Bei einem Fütterungsversuch
mit Schweinen ergab sich für eine al
lerdings sehr kurze Fütterungszeit von
14 Tagen das auffallende Resultat,
daß ungekochtes, geschrotetes Getreide
im Durchschnitt eine dreimal so grobe
Gewichtszunahme mielte, als gekoch
tes. In einem weiteren Falle wurde
u. a. auch gekochtes und ungekochtes
Gerstenmehl versucht. Hier war aller
dings nicht ein so weitgehender Unter
schied doch ergab das ungekochte Ger
stenmchl eine größere Gewichtszunah
me von 15 Procent. Gekochtes Ger
stenmehl, Maismehl, ganze Maiskör
iter, Erbsen, Kleie ergaben im Durch
schnitt 13.2 Procent zu Gunsten des
ungekochten Futters. Mithin ist das
Kochen der verschiedenen Getreidesorten
nicht blos eine Feuerungs- und Ar
beitsverschwendung. sondern bringt so
gar noch directen Schaden für die Ver
daulichkeit der Futterbestandtheile. Die
seitherigen Freunde des gefochten Fut
ters werden von diesen Ergebnissen
überrascht sein. Wenn auch manche
seither zugegeben haben, daß das Ko
chen nicht viel nütze, so haben sie doch
sicherlich nicht geahnt, daß es sogar
nachtheilig wirken kann. Die Erklä
rung hierfür liegt nicht sehr fern
denn außer der leichteren Verdaulich
keit gewisser Theile der ungekochten,
trockenen Futterstoffe, kommt noch
hinzu, daß die Schweine das trockene
Futter langsam fressen, daher besser
einspeicheln. Hiermit soll nun keines
wegs gesagt sein, daß das Kochen und
Dämpfen des Futters ganz zu verwer
fen ist. Bei Kartoffeln geht es schon
aus dem Grunde nicht, weil rohe Kar
toffeln, in größeren Mengen verfüttert,
abführend wirken. ES haben auch
vergleichende Fiitterungs-Versuche mit
gekochten und ungekochten Kartoffeln
gezeigt, daß erste« bei Schweinen eine
größere Gewichtszunahme veranlassen.
Durch das Kochen und Dämpfen wer
den viele Futtermittel schmackhafter,
wie beispielsweise bei Disteln, welche
gekocht, ein gutes Schweinefutter sind
auch werden hierdurch die denselben
anhaftenden und oft Krankheit verur
fachenden Pilze zerstört.
a a
Das Buttern aus gesäuertem Rahm
erfordert große Aufmerksamkeit, wenn
das Material nicht heute stärker und
morgen schwächer gesäuert, die Be
schaffenheit der Butter ungleich beein
flussen soll. Es darf die Säuerung
des Rahmes durchaus nicht zu weit
vorgeschritten sein, da die aus stark
saurem, vollständig dickem Rahme ae
wottnene Butter weder von feiner Be
schaffenheit, noch von Haltbarkeit ist.
Die Feinheit und Haltbarkeit der But
ter ist zum großen Theile von den da
rin enthaltenen Bnttermilchtheilen ab
hängig, und kommt hinzu, daß sich im
Rahme, dessen Säuerung einen hohen
Grad erreicht hat, Nebenproducte bil
den, nämlich Buttersäure und flüchtige
Fettsäuren, die nachtheilig auf die Be
schaffenheit der Butter einwirken. Es
ist deshalb für die Herstellung einer
feinen Butter aus saurem Rahm da
her durckmus nothwendig den Rahm
nur in schwach angesäuertem Zustande
zu verarbeiten. Daß der Raum, in
welchem der Rahm bis zum Verbuttern
aufbewahrt wird, stets reine und fri
sche Lust enthalten und frei von unan
genehmen, strengen Gerüchen fein muß,
ist jeder erfahrenen Hausfrau bekannt
denn nichts nimmt ja leichter schlechte
Bestandteile ans der Luft auf als ae
rade Milch und Rahm. Die Säuerung
erfolgt am besten in der Weise, daß
man entweder täglich frisch gemolkene
Milch schwach sauer werden läßt und
diese dem Rahm hinzusetzt, oder indem
man die Temperatur des letzteren sorg
fältig regulirt. Sehr zweckmäßig ist
es, zu diesem Zwecke Rahmkannen ans
Blech zu verwenden, welche in ein Ge
fäß Tonne ober Kasten gesetzt
werden, das mit Wasser der bestimm
ten Temperatur, also in, Mittel 50
60 Grad F., gefüllt ist. welche sich na
türlich dem Rahme mittheilt. Man
soll sich jedoch klar darüber sein, daß
beim Verbuttern von gesäuertem Ralun
dem Säuerungsvorgange selbst große
Aufmerff.unteit zugewendet werden
muß. wenn man eine gleichmäßige fei
ne und haltbare Butter herstellen will.
Aus dem über die Säuerung Gesagten
geht hervor, daß man. besonders im
Sommer, den Rahm nicht älter als ei
nen Tag werden lassen darf, da sonst
die Säuerung zu weit vorgeschritten
fein würde und außerdem die Butter
um so weniger fein ist, je älter der
Rahm, aus welchem sie gewonnen wur
de. Da das Vorschreiten der Säue
rung von der Temperatur in erster Li
nie abhängig ist, so mtch man dieselbe
in der Rahmkanne hin und wieder un
tersuchen. Die Temperatur zum Ver
buttern sauren Rahmes liegt zwischen
50—62 Grad F.. richtet sich aber nach
den Umdrehungen des Butterfasses,
120 bis 140 Drehungen. Bei allen
Angaben über Temperatur, Umdre
hungsgeschwindigkeit und derlei muß
aber stets betont werden, daß e? sich
immer nur um Mittelwerthe handelt
und daß Derjenige sehr schlecht weg
kommen könnte, der ohneweiteres sol
che Mittelzahlen in seiner Wirthscha^l
anwenden wollte. Jeder muß durch
Versuche die passenden Zahlen für sei
ne Verhältnisse finden.
Im Herbste und im Frühjahr wer
den unsere Pferde, besonders die jun
gen, von dieser Krankheit befallen.
Das erste Mittel dagegen ist, die Thie
rs vor Erkältung zu schützen geschieht
dies nicht, fo ist alle Arznei umsonst.
Ein gutes Arzneimittel gegen die Dru
se (Distemper) haben wir in dem
Rainfarren, dem überall wuchernden
Unkraut, das in manchen Gegenden
auch unter dem Neimen „Pferdekamille"
bekannt ist. Man sammelt biejölüthen
mit einem Theil des oberen Stengels
nachdem dieselben an einem luftigen
Orte getrocknet sind, schneidet mein fie
fein und bewahrt sie in einem Säck
chen. Hat man selbst keine eingesam
melt, so kann dieselben in jeder Apo
theke erhalten unter dem englischen Na
men Tansy. Zu der Zeit, wo sich
die Druse zu zeigen pflegt, giebt man
den Pferden Morgens und Abends so
viel auf das Heu, daß jedes eine Por
tion erhält, wie mein sie mit den Fin
gerspitzen einer Hand fassen kann.
Ein anderes sehr häufig erfolgreich
angewendetes Mittel, bei dem die Pfer
de selbst bei fortgesetztem Genüsse von
schlechtem Heu gesund bleiben oder doch
die Druse, wenn sie von derselben be
fallen werden, leicht überstehen, besteht
darin, daß man den Thieren einen
Theelöffel voll doppelkohlensaures Na
tron des Morgens auf das Futter
giebt. Dieses Mittel wird besonders
empfohlen, wenn das Heu schlecht ein
gebracht wurde.
1 a a
it.
Das Rauchern an und für sich wird
Manchem als einfache Sache erfchet
neu es ist aber durchaus nicht gleich
gültig, ans welche Art und Weise das
Räuchern, oder vielmehr die Erzeugung
des Rauches geschieht. Manche Haus
frciu denkt ihre Schuldigkeit gethan zu
haben, wenn sie das Rauchfeuer tag
lich legt oder legen läßt. Ob nun das
Holz trocken oder naß ist, darauf wird
nicht geachtet im Gegentheil, oft wer
den die Holzfpähne naß gemacht, da
mit sie nicht so hell brennen, sondern
nur glimmen. Augenscheinlich giebt
nasses Holz mehr Rauch als trockenes,
doch ist dies nicht der Fall denn nasses
Holz erzeugt feuchten, mit Wasser
dämpfen vermischten Rauch. Durch
diesen wasserreichen Rauch erhält na
mentlich die Wurst eine graue unan
sehnliche Farbe. Eine Hauptbedingung
zum Räuchern der Fleischwaaren ist
trockener Rauch. Ferner hat man bei
rauf Acht zu geben, baß bas aus bem
Pökelfaß genommene Fleisch auch gut
abtrocknet, bevor es in bett Rauch
kommt, weil das Fleisch im nassen Zu
stande den Rauch nicht gehörig aus
nimmt. Die Räucherutig geschieht am
besten mit Sägespähnen von Hickory
holz, zum Theil mit Tannenholzspäh
nen vermischt, da sich bei Verbrennung
dieser Hölzer am meisten Kreosot bil
det. Eichenspähne sind nicht zu gebrau
chen, das Fleisch erhält keine schöne
Farbe. Ebenso wichtig wie die Be
ftandtheile im Rauch ist die Tempera
tur desselben. Ist diese zu hoch, so
schmilzt an der Oberfläche des Fleisches
das Fett und nimmt damit rußige Be
standteile aus. Tritt beim Aushö
rett des Räucherns wieder kalte Lu^
an das Fleisch, so zieht das rußig
gewordene Fett theilweise wieder ein,
wodurch das Fett im Innern gelb -ge
räuchert u. schlechtschmeckend wird. Aus
sein, daß der Rauch, bevor er mit dem
Fleische in Verbindung kommt, gehörig
abkühlen kann. Außer der Remcknu
fuhr soll aber auch stets für Zufuhr
von frischer und trockener Lust gesorgt
werden, da sonst das Fleisch einen bit
teren und brenzligen Geschmack erhält,
weshalb hierfür einige Kanäle gegen
über den Reitichfanälen anzubringen
sind, und müssen diese mit Drahtgaze
verschlossen sein, damit das Ungeziefer
abgehalten wird. Der Rauch von Koh
len Torf ist nicht zum Räuchern
dienlich. Wie lange das Fleisch im
Rauch hängen muß, hängt von der
Große der Fleischstücke ab. Schinken
und Schultern sind in 6 bis 7 Wochen
fertig geräuchert, Speckseiten in 4 lo
chen. 'Würste müssen je nach ihrer
Dicke 2—3 Wochen hängen. Sind die
Fleischwaaren fertig geräuchert (Schin
ken müssen am Knochen trocken sein),
so hängt man sie in eine dunkle luftige
Kammer. Bei der sogenannten Schnell
räucheret wird das Fleisch durch Ein
pinseln mit Holzessig oder Kreosotwas
ser erhalten. Außer dem Kreosot ist
nämlich in dem Rauch auch Holzessig
in Verbindung mit Holzgeist enthalten,
welcher ebenfalls das Faulen organi
scher Körper und auch des Fleisches
verhindert. Man bestreicht die Fleisch
stücke mit einer Mischung von 1 Theil
Holzessig oder Kreosot und 2—3 Thei
len Wasser, hängt sie an einem lufti
gen Ort auf, bis die Flüssigkeit einge
zogen ist, und wiederholt dieses Ver
fahren noch einige Mal. Würste sind
nach einmaligem Bestreichen zur Auf
bewahrung fertig.
Die Hauptstadt der Mongolei.
llrga, die Hauptstadt der Mongolei,
hat durch die sibirische Eisenbahn und
Rußlands asiatische Politik auck im
Abendlaftde erhöhtes Interesse gewon
nen. Urga, We Stadt der Klöster, ist
den Mongolen eine heilige Stadt denn
sie ist die Residenz des „Beherrf^ers
der Welt", des Gottes Maidari, mit
fernem Hofstaat von Göttern und fei
ner Dienerschaft von 10,000 Mönchen,
llrga ist von Europäern, namentlich
von wissenschaftlichen Reifenden, bis
her nur spärlich besucht worden. Der
russische Reisende W. Obrutschew, der
im Auftrage der russischen geographi
schen Gesellschaft Mittelasien, die
nördlichen Provinzen China's und das
östliche Tien-fchan geologisch zu durch
forschen hatte, hat nun von dieser
merkwürdigen Stadt in feinem bei
Duncker & Humblot (Leipzig) in zwei
Bänden in deutscher Uebcrsetzunn er
schienenen Reisewerk „Aus China"
(Reiseelebnisse, Natur- und Völkerbil
der) eine interessante Schilderung ent
worsen.
Die Stadt entspricht äußerlich kei
neswegs ihrer religiösen Bedeutung.
Obrutschew hatte sie sich vorgestellt als
reich an vielem Wunderbaren und
Phantastischen, eingefüllt mit zahlrei
chen Tempeln und Pagoden voll von
Gold, Silber und Edelgestein. Von eil
ledern aber war nichts zu sehen nur
an einer Stelle ragte über den ein
farbigen Lehmhütten und dem Durch
einander von langweiligen Zäunen ne
ben einer riesigen Jurte, die wie ein
Hühnerkorb aussah, der umgestülpt
auf den Boden gesetzt und mit Lein
wand überzogen ist die Behausung
des Gegen Chutuktu oder „lichten Hei
ligen", der höchsten geistlichen Persön
lichkeit der Mongolei —, ein ungeheu
rer viereckiger Kasten aus unbehauenen
Steinblöcken empor, den eine mit den
grellsten Farben bemalte Kuppel be
deckt. das ist der Tempel des „Beherr
schers der Welt". Der Tempel des
höchsten Gottes Maidari ist fremden
Besuchern nicht ganz verschlossen, auch
Obrutschew besuchte ihn und schildert
seine Eindrücke folgendermaßen: „Als
ich durch die Thür eintreten wollte,
prallte ich gleich schon vor Überra
schung zurück denn dicht hinter der
?liir thronte das göttliche Wesen, dem
in meiner Unvorsichtigkeit Unfehl
barkeit auf die Fußzehen getreten wä
re, hätte Seine Göttlichkeit nicht zum
Schui.e für das bedrohte Beinwerk ei
nen Opferiisch vor sich stehen gehabt.
Dieser Altar reichte, so groß er war,
dem Kolosse noch lange nicht bis an die
Knie und war mit zahllosen Opfer
schalen und Schäfchen bedeckt. Der im
Thronsessel ruhende Götze selbst ist von
so ungenheuren Abmessungen, daß er
mit einem Blick gar nicht zu übersehen
ist, zumal er den ganzen inneren Tem
pelraum einnimmt und dem Beschauer
kein Platz darin bleibt, sich einen Aus
blick zu suchen. Den Kops in den
Nacken geworfen, daß dieser einen
Krampf bekam, stand ich minutenlang
vor bem Ungeheuer und reichte mit
meinen Blicken boch kaum hinauf bis
an dessen Leib, den eine Fülle von
schwerem gelben Atlas umfloß, und
bis an die göttlichen Hände, deren Fin
ger übet eine Elle Länge hatten. Der
Oberkörper der Statue verschwand im
Halbdunkel der Kuppel, und außerdem
war die ganze Figur so sehr von den
das Dach stützenden Säulen umstellt,
daß das Auge überall aus Hindernisse
stieß. Unter der Kuppelwölbung läuft
eine Gallerie rings um die Wand als
ich hinabgestiegen war, genoß ich zwar
den Anblick der oberen Gliedmaßen
Maidari's, allein das Götterhaupt
blieb mir von einer Menge Fahnen
und Fähnietn wie von Wolken des
Himmels verhüllt. Diese bunten Lap
pen, welcher frommer Aberglaube dem
Götzen geopfert hatte, hingen auf
Schnüren unter dem Dach und Mai
dort verschwand hinter denselben wie
eine Wäscherin hinter d»n behängten
Wäscheleinen ihres Trockenbodens,.
Das ganze, aus Erz gegossene und
reich vergoldete Götzenbild ist nicht aus
einem Stücke, sondern seine einzelnen
Theile sind in Tibet gegossen und spä
ter in Urgei zusammengesetzt worden.
Der Tempel aber wurde erst über dem
Haupte des vollendeten und in seinem
Thronsessel zur Ruhe gesetzten Gottes
erbaut. Dieser arme Gott faß nun
da wie ein mürrischer alter Kater, den
man in das Bauer eines Zeisigs ge
sperrt hat. Während ich immer wie­
der um den Koloß herumging, in bei
Hoffnung, von der einen oder anderen
Seite einen befriedigenderen Gesammt
Eindruck zu gewinnen, bewegten sich
die wohlgenährten Lamas sichtlich.-^
langweilt in dem Rauirit hitvlfnb her,
füllten gähnend. töt-C'pferfchalen, ent
zündeten gähnend die Weihterzen und
beteten gähnend ihren Rosenkranz. Le
6en und Beweglichkeit verriethen nur
die jüngsten unter diesen Mönchen,
zehn- bis zwölfjährige Knaben, welche
sich wie Affen hin- und herdrehten und
vor kleinen, scheußlichen Götterstatuet
ten, deren gewiß ein ganzes Tausend
in den Wandnischen aufgestellt war,
Verbeugungen machten, die viel mehr
Ubermüthigen Purzelbäumen glichen,
als den Andachtsübungen frommer
Beter. Die kleinen kahlgeschorenen
Schlingel machten aus ihrer Götter
verachtung kein Hehl, und daß sie die
ses ungestraft thun konnten, wo doch
von den älteren Klosterbrüdern stets
eine Schaar zugegen war, schien mir
bezeichnend für den Gottesdienst in
diesem Kloster. Alles darin trug den
Stempel äußerster Trägheit und cyni
scher Geringschätzung."
Eine entsetzliche Erscheinung, die
Obrutschew in der Stadt Urga und
deren Umgebung bemerkte, waren
Menschenschädel und Menschengebeine,
die überall auf den Straßen, wie au
ßerhalb umherlagen. Mit Gegenstän
den, welche in civilisirten Ländern auf
den Gottesacker gehören und pietätvoll
behandelt werden, spielten hier ganze
Rudel wilder Hunde ihr Spiel oder
bissen sich darum. Es giebt nämlich
in der Mongolei weder Friedhöfe noch
Leichenbestattungen. Die Tobten wer
ben einfach ausgesetzt und-ben Hunden
überlassen, ja es wirb von bet Familie
bes Verstorbenen als ein großes Un
glück angesehen, wenn ber Leichnam
während» einiger Tage unberührt von
ben Bestien liegen bleibt. Die Seele
bes Heimgegangenen, so behauptet der
Aberglaube bes Volkes, könne
int Jenseits ben Frieden nicht finden,
so lange das vergängliche Fleisch noch
ein ben Knochen hänge. Es werden da
her, wenn sich feine Vertilget bte her
renlosen Hunbe, beten es in jener Ge
gend Dank dieser gräßlichen Sitte,
ganze Rubel giebt, nicht bald einstellen,
den Göttern Sühnopfet gebracht, bis
bie Gebete ber trauernben Hinterbliebe
nen erhört, bie Leichname ihrer Ange
hörigen von ben Zähnen ber Thiete zer
stört sinb. Nut bte
Vornehmsten
un­
ter ben Mongolen werben nach dem
Tobe verbrannt, bie Asche mit Lehm
vermengt ,zu Statuen geformt unb in
ben Kapellen aufgestellt.
Interessant ist noch bte Geschichte
eines deutschen Uhrmachers, dem die
Heimath zu eng geworden Dnd der sich
in Urga als „einziger" Uhrmacher
niedergelassen und einen Wettbewerb
also nicht zu befürchten hatte. „Wie er
nun feine Uhren, große und kleine,
schlagende und tickende, in seiner Werk
statt aufgestellt und aufgehängt hat,
verbreitet sich in det Stadt bald das
Gerücht von den seltsamen, rast- und
ruhelosen Dingern. Die Werkstatt
des Meisters wird von neugierigen Be
suchern nicht leer. Kommt da eines Ta
ges auch ein Mongolenfürst herein mit
den Andern, die Wunder zu sehen. Der
Meister hatte gerade eine schöne Ku
kncksuht angefertigt und in Gang ge
bracht. Wie die nun anhebt zu schla»
gen, das Thürlein über dem Gehäuse
sich öffnet und der Vogel herausbringt,
lustig die Flügel regt und vielmals sein
„Kukuck, Kukuck!" in die Stube hinein
ruft, geräth der Mongole ganz außer
sich vor Entzücken. Et wolle den Vo
gel kaufen, sagte er. Aber so schnell
giebt ihn der schlaue Meister nicht her.
Es wird hin und her gefeilscht, dem
Meister ist der schöne Vogel für alle
Schätze det Welt nicht feil indeß viel
Bitten und Drängen. sowie
etnW Barren Gold erweichen seinen
Starrsinn, und der Mongole zieht
überglücklich mit der erworbenen Uhr
davon. Nach einiger Zeit aber kehrt
et wieder, tief niedergeschlagen, und
wickelt die Uhr. die er in ein Fell gebullt
mitgebracht hatte, behutsam aus. „Der
Vogel ist krank." sagt er betrübt, ..mach'
ihn mir wieder gesund." Der Uhrma
cher nimmt den Gegenstand kopfschüt
telnd in Emvs""- er weiß, das Werk
war gut. Wie hat's der Mongole
nur angefangen, die gute Uhr in so
kurzer Zeit zu tuimten? Der Meister
hängt sie an den Nagel, zieht sie auf,
versucht den Pendel in Bewegung zu
setzen der rührt sich nicht. Immer er
staunter, öffnet er endlich das Gehäuft
um das Werf auseinander zu nehmen,
und nun lacht er auf. Eine Fluth
von Gerstenkörnern fließt heraus. Der
Meister weist den Mongolen darauf
hin. "Setzt ist die Reihe des Staunens
an diesem. „Ja, „Ja, aber ber Vogel
mußte boch fressen," erwibertc er be
fremdet, „bas atme Thier, es will schon
seit einigen Tagen kein Futter mehr,
es ist krank, mach' mit's wiebet gesunb,
Meister."
Der Vogel war bem Mongolenfür
sten bie Hauptsache Zweck unb Nutzen
ber Uhr blieben ihtn, trotz anschauli
cher Erklärung des Uhrmachers, völlig
unverständlich.
In Dresden wurde der Inhaber
einer Mehl-Großhandlung Franz Uh
lemann mit Frau und dru Kindern in
feiner Wohnung tobt aufgefunben. Der
jüngste, breizehnjährige Sohn gab noch
Lebenszeichen von sich. Es handelt
rtch
um Selbstmord durch Kohlenoxydgas.
Oel, greifen.

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