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Der fortschritt. [volume] (New Ulm, Minn.) 1891-1915, December 24, 1896, Image 7

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Ausland.
Brandenburg.
Betreff der Sonntagsruhe sind nun
mehr auch auf die Theater ausgedehnt.
Es dürfen in Berlin Proben am Sonn
tag nicht mehr abgehalten werden und
die Bühnen-Einrichtung für die Tages
Auffllhrung muß bis 10 Uhr Vor mt
tags beendet sein.
Zahlreiche Schwarze aus de? Kolo
nial-Ausstellung haben in Berlin Stil
lungen angenommen in der Absi.'z:, in
Deutschland zu bleiben. Ein z.'ößerer
Theil dieser Neger fühlt sich jedoch sehr
unglücklich und beabsichtigt, nach der
Heimath zurückzukehren.
Eine Darlehnskasse für Handlungs
gehilfinnen wird in nächster Zeit in
Berlin ins Leben gerufen werden. Sie
soll für einen geringen Monatsbeitrag
den weiblichen Handelsangestellten zu
nächst im Falle der Stellenlosigkeit. bei
Krankheiten, Todesfällen in der Fami
lie u.s.w. kleinere Unterstützungen leib
weise gewähren.
a a E
der letzten Volkszählung (2. Dezember
1895) im Kreise Teltow wird jetzt amt
lich zur Kenntniß gebracht. Es hat
danach bei der Zählung der Gesammt
bevölkerung des Kreises 328,817 Per
sonen betragen, und zwar 161.287
männliche und 167,530, weibliche.
Schlesien.
N l. Auf Veranlassung
der Staatsanwaltschaft sollte der Pfer
deHändler Silbermann, früher in
Stolp wohnhaft wegen Wechselsäl
schungen verhaftet werden. Er erklär
te sich auch bereit, dem Polizisten zu
folgen, wollte aber erst seiner Frau noch
etwas sagen. Während der Polizist
im Vorderzimmer wartete, ergriff S.
die Flucht und ist auch trotz sofort auf
genommener Verfolgung noch nicht er
griffen worden.
A
a e-
amten Fuchs kaufte in Polen geräucher
tes Fleisch. An der Grenze angekom
men, wurde sie veranlaßt, zwei Pfund
Fleisch, welche sie zuviel genommen hat
te, zu verzollen. Der Zoll schien ihr
aber zu hoch zu sein, denn als man ihr
den Satz nannte, rief sie aus: „Na. soll
ich das Fleisch verzollen, dann esse ich
es lieber auf!" Mit diesen Worten
setzte sie sich vor das Grenzhaus hin
und verzehrte das Fleisch mit zwei an
deren von ihr geladenen Frauen in al
ler Gemüthsruhe. Nunmehr konnte sie
die Grenze vollfrei
Yassiren.
g. Gasthausbesitzer Riemer
in Paulau erhielt einen Drohbries .it
der Aufforderung an einem bestimmten
Tage und Platze 100 Mk. niederzule
gen. Als Verfasser des Briefes wurde
ein kürzlich aus dem Zuchthause entlas
sener Sträfling. Otto Wörth, ermit
telt.
Posen
I S a e-
tensitzung. der der Regierungspräsident
v. Jagow beiwohnte, wurden zwei Mil
lionen Mark Zuschuß zur Eindeichung
der Warthe bewilligt, die vorgenommen
werden soll, um die Ueberschwemmun
gen in den unteren Stadttheilen Posens
zu verhindern.
Originell ist ein Gesuch, das dieser
Tage beim hiesigen Magistrat einging.
Dasselbe lautete: „Hochgeborener gnä
diger Magistrat. Ich schreibe paar
Worte zu Hochgeboren gnädiger Magi
strat ich bin lange Zeit krank auf die
Füsse daß ich kann nichts verdienen ich
möchte gerne Arbeiten aber ich kann
nicht ausstehen und ich habe 4 kleine
Kinder und die sind noch so klein daß
sie nichts können verdienen diese brau
chen essen und Sachen. Mein Sohn
war nicht par Tage in die Schule, weil
er war krank und ich habe Zettel ge
schrieben und habe den Lehrer glittet
daß er soll keine Strafe schreiben und
er hatte doch geschrieben ich möchte den
sehr gnädigen Magistrat bitten das
gnädiger Magistrat mir die Strafe ab
zieht, werde dafür den lieben Gott
bitten das gnädiger Magistrat soll lan
ge leben. (Unterschrift.)" Das Ge
such ist von Erfolg begleitet gewesen.
Ostpreußen.
a a-
ren die Fischer Homp und Gerwien, so
wie der erwachsene Sohn des letzteren
in einem Fischerkahne auf der Heimreise
von hier nach Groß Heydekrug begrif
fen. Als sie aus der Pregelmündung
auf das Haff gelangt waren, wurde der
Kahn von dem Sturme umgeworfen, so
daß sämmtliche drei Insassen in's Haff
stürzten und ertranken. Gerwien hin
terläßt außer der Ehefrau mehrere un
erzogene Kinder, Homp wollte sich in
den nächsten Tagen verheirathen.
a a
Bausemio aus Tilsit begab sich auf sein
im hiesigen Hafen liegendes Fahrzeug.
Um 11 Uhr Nachts schlugen aus dem
Hintertheil des Kahnes Flammen her
aus. Später wurde der Schiffer aus
der vollständig ausgebrannten Kajüte
als Leiche herausgezogen. Augenschein
lich ist B. auf dem Bettrande eingeschla
fen und hat hierbei die brennende Lam
pe umgeworfen.
Westprenßen.
N ch. Hier erschoß sich der
Gastwirth Syndram in Eichwalde. Er
setzte sich auf die Bettkante, stellte die
Revolvermündung auf die entblößte
Brust in der Herzgegend und rief seiner
Frau zu: „Mutter, komm her. willst
noch Adieu sagen?" und gab dann den
tödtlichen Schuß ab. Heber den Beweg­
,4..
'"T:
grund zu dem Selbstmorde verlautet
nichts Näheres.
der Landesverraths-Affaire ist jetzt ab
geschlossen. Die Sache wird nächster
Zeit vor dem Reichsgericht zur Ver
Handlung kommen. Von den Verhas
teten sind jetzt noch Frau Albrecht und
deren Sohn freigelassen, so daß noch
drei Personen in Untersuchungshaft
sich befinden der Unteroffizier Fabian,
der Schachtmeister Fahrin und der
frühere Hilfsgerichtsdiener Albrecht.
Pommern.
S a
auf dem Panzerschiff „Brandenburg"
am 16. Februar 1894, bei welchem in
Folge Herausfliegens eines Ventils 44
Personen durch Verbrühen ihren Tod
fanden, beschäftigte nunmehr den 4.
Strafsenat des Reichsgerichts. Vom
Landgericht Stettin sind am 19. Juni
d. I. der Ingenieur Nikolas zu einem
Monat, der Ingenieur Schubart und
der Monteur Freiberg zu je drei Mona
ten Gefängniß veurtheilt worden, weil
sie für schuldig befunden wurden, durch
Fahrlässigkeit den Tod jener 44 Per
sonen herbeigeführt zu haben Unter
den Verunglückten befand sich auch ein
Sohn des Angeklagten Freiberg. Ein
vierter Angeklagter, der Kupferschmie
demeister Prüge. konnte nicht zur Ver
antwortung gezogen werden, da er in
zwischen in Geisteskrankheit verfallen
ist.
N a a d. Eines reichen Kinder
segens hat sich der Arbeiter Knüppel in
Kniephos zu erfreuen, indem ihn feine
Frau dieser Tage zum dritten Male in
nerhalb dreier fechte mit Zwillingen
beschenkte.
S a a a
schwerem Leiden Uhrmacher Joseph
Moulin. Der Verstorbene war 1870
als Kriegsgefangener der französischen
Armee vom Regiment der Chasseurs
d'Afrique hier internirt. und da es ihm
hier gefiel, beschloß er nach Abschluß
des Friedens seine alte französische 5ei
math mit der neuen deutschen zu ver
tauschen.
Schleswig-Holstein.
a S r-
bei". Commandant Corvetten-Capitän
Reincke, ist von West-Asrika im hiefiaen
Hasen eingetroffen.
A a A a
Schwurgericht wegen Tödtung des
Dienstmädchens Harost zu zwölf Iah
ren Zuchthaus verurtheilte Schlächter
meister Luscht erhängte sich kürzlich.
a
die Zweitälteste Einwohnerin
Husums,
ist im „Gasthaus zum Ritter St. Jür
gen" im Alter vom 94 Jahren gestor
ben.
a a a e
net Windmühle des Müllers Horst
mann bei Segeberg brannte mit den
darin liegenden Vorräthen nieder. Das
Feuer entstand in der Nacht. Man
nimmt an, daß die Mühle in Gang ge
kommen ist und sich dadurch entzündet
hat.
Hannover.
m. Für den Regie­
rungsbezirk Hildesheim sind durch die
Volkszählung vom 2. Dezember 1895
die folgenden Zahlen für die einzelnen
Kreise ermittelt worden: Peine 40,983,
Hildesheim, Stadtkreis 37,540, Hildes
heim, Landkreis 24,402, Marienburq
38,815, Gronau 19,188, Alfeld 23.
280, Goslar 46,365, Osterode a. Harz
39,959, Duderstadt 25,633, Göttingen,
Stadtkreis 24,541, Göttingen. Land
keis 32,543, Münden 23,191, Uslar
17,894, Einbeck 25,116, Northeim 30.
564. Zellerfeld, 29,086, Ilfeld 15,117.
W 0 u
chen in der Nähe Bokeloh's soll man auf
ein Kalilager gestoßen sein. Das Un
ternehmen scheint von Erfolg gekrönt
zu fein.
a W a a
Schwertferger'sche Ehepaar vermißte
sein 2 ls2-jähriges Pflegekind. Man
fand den Knaben ertrunken hinter dem
Nachbargrundstücke in einem zu Bühle
führenden Graben, der stets ziemlich
mit Wasser gefüllt ist.
Provinz Sachsen
a a
Infanterie, z. D. von Zychlinski feierte
mit seiner Gemahlin das Fest der dia
mantenen Hochzeit. Das Jubelpaar
steht in gleichem Alter, dem 81. Lebens
jahre, und erfreut sich einer trefflichen
Gesundheit.
E I a a
Bindersleben gerieth Landwirth und
Brandmeister Kerst mit einem Beine in
die Trommel einer Dampfmaschine.
Die Räder zermalmten das Bein und
hielten es fest, daß es. nur um den Kor
per herausheben zu können, abgeschnit
ten werden mußte. Gleich darauf v^r
starb der Unglückliche, der während des
schrecklichen Vorganges bei voller Besin
nung geblieben war. Kerst hinterläßt
eine zahlreiche Familie.
a n. Im Dorfe Ef
felder brannten 7 Scheunen mit Hin
tergebäuden nieder. Die Wohnhäuser
sind nur wenig in Mitleidenschaft gezo
gen.
tigsten Verhältnissen lebende Tagelöh
ner Fr. Kaufmann in Borken wollte in
einer Sandgrube eine Quantität Sand
holen, wurde aber dabei von nachstür
zenden Sandmassen verschüttet und
fand seinen Tod. Der Verunglückte
hinterläßt eine Wittwe mit mehreren
unmündigen Kindern.
Westfalen und Meinprovinz im
N a E
Volkszählung vom 2. Dezember 1895
hatte die Stadt damals in 2993 Woh
nungen und 9891 Haushaltungen 27,
870 männliche und 25,972 weibliche
Einwohner. Dem Bekenntnisse nach
waren 29,270 Katholiken, 23,549
Evangelische, 803 Juden und 214 an
dere Christen vorhanden. Am 1. De
zember 1890 betrug die Einwohnerzahl
47,016.
A a
Dortmunder Hafen sind soweit fortge
schritten, daß nächsten Sommer Wasser
in den Canal u. Hasen gelassen werden
kann. Von den 640,000 Kubikmeter
Erdmaffen sind 470,000 bewältigt.
Die 150 Meter lange Stadthafenbrü
cke wird wohl im Laufe des Winters
montirt werden.
I
Post waren Diebe in den Speisesaal
eingedrungen und hatten dort einen
Schrank erbochen. aus welchem sie eine
nicht unbedeutende Summe Geldes
entwendeten, außerdem fiel ihnen auch
die Sammelbüchse des kaufmännischen
Vereins in die Hände. Der Verdacht
lenkte sich auf den Hausknecht und ein
Küchenmädchen des Hotels, welche am
anderen Morgen gemeinschaftlich nach
Hannover abgereist waren der hiervon
in Kenntniß gesetzten Polizei gelang es
denn auch, die beiden Spitzbuben auf
dem Bahnhofe in Minden anzuhalten
und zu verhaften.
a A
Zeche „General Blumenthal" fand eine
Explosion schlagender Wetter statt. Der
Unglücksfall ereignete sich nicht lange
nach Beginn der Morgenschicht. Die
Wetterführung war in musterhafter
Ordnung. Die Ursache des Unglücks
salles hat noch nicht ermittelt werden
können. Das Unglück ereignete sich
auf der Sohle in Flötz 1. Die Explosi
on war eine so furchtbare, daß an der
Rettung der an den betreffenden Be
triebspunkten arbeitenden Bergleute
nicht zu denken war. Es sind 24 Todte
gefördert. Ein Bergmann wird noch
vermißt. Die Rettungsarbeiten schrei
ten wegen der Beschädigung des Han
genden nur langsam vorwärts.
Hessen-Nassau.
a l
kammer des hiesigen Landgerichts stand
an einem Tage in 14 Ehescheidungs
prozessen Termin an.
a a. M. Die Klage des
Pächters Stern vom Gasthof „zum
Schwanen" gegen die Stadt auf Zah
lung von 10,000 Mk. für entgangenen
Verdienst während der Vorbereitungen
zum Kaiserbesuch ist vom Gericht ko
stenfällig abgewiesen worden.
a a 1 8
alte Schriftsteller Franz Handschuh aus
Mundolfingen war von seinem Arbeit
gebet in Ludwigshafen an einem Mor
gen entlassen worden. Aus Aerger
darüber hatte er stark getrunken und in
diesem Zustand fing et in der Kern
merschen Wirtschaft, wo er in Kost
und Logis war, mit dem Dienstperso
nal Streit an. Als ihm der Wirth
Kemmer rieth, zu Bette zu gehen,
schimpfte er auch gegen diesen, versah
später einen Revolver mit scharfen
Patronen und schoß gegen Kemmer, als
dieser zur Thüre hinausschaute. Glück
licherweise traf die Kugel nicht, aing
vielmehr am Kopfe vorbei. Wegen
Todtschlagsversuchs erhielt Handschuh
eine Gefängnisstrafe von 9 Monaten.
W a a a
drei Wiesbadener Schutzleute, welche
wegen Mißhandlung von Gefangenen
in zum Theil nicht unerhebliche Gesäng
nißstrafen veruttheilt waren, begna
digt. Ihre Strafen wurden theils
ganz erlassen, theils in Geldstrafe um
gewandelt.
Königreich Sachsen
a
Grundbuchführer Richter soll allein in
den letzten Jahren 150,000 Mk. durch
Mißbrauch seines Amtes sich in unred
licher Weise verschafft haben. Richter
ist geständig und ieM im Gefänaniß
schwer erkrankt.
a
vor acht Jahren geraubte und in die
fem Sommer wieder ausgesetzte Mäd
chen, welches die Vetter'schen Eheleute
in Reichenbach i. V. als ihr Kind wie
dererkannten, nehmen ihrerseits auch
die Riethschel'schen Eheleute in Gautzsch
bei Leipzig' für sich in Anspruch, da sie
in dem Mädchen gleichfalls ihr seiner
Zeit verschwundenes Kind erkannt ha
ben wollen. Amtshauptmann Dr.
Platzmann hat sich nun zur Untersu
chung der Sache selbst nach Reichenbach
begeben und dort die feste Ueberzeugung
erlangt, daß das Mädchen das Kind
der Vetter'schen Eheleute in Reichenbach
ist. Die Rietschel'schen Eheleute sind
daher abschlägig beschieden worden.
Das Rietschelsche Kind ist nach alledem
nach wie vor als spurlos verschwunden
zu betrachten.
A
Gutsbesitzers Lochmann in Dalenschütz
wurden die beiden 17-jährigen Dienst
knechte Bohr und Moser erhängt auwe
sunden, während ein Dritter, ein Tage
löhner. noch mit dem Strick in der
Hand betroffen wurde. Durch sofor
tige Rettungsversuche wurde Moser
wieder zum Leben zurückgebracht, wäh
rend Bohr schon völlig tobt war. Die
jungen Leute hatten aus Furcht vor
Strafe Hand an ihr Leben gelegt: sie
hatten vor einigen Wochen aus einet
verschlossenen Kammet Aepfel gestohlen
und waren von dem dritten Mitwisser
infolge Uneinigkeit verrathen worden.
Thüringen.
a E a a
menstoß bei Weißenborn sind 6 Bahn
beamte und Passagiere leicht verletzt
worden, ein Passagier wurde getödtet.
I a a
Rothmann und Co. wurde in der Si
tzung des Schöffengerichts zu 10 Mk.
Straße verurtheilt. Er hatte in einer
Zeitungsanzeige fein Waarenhaus als
das einzige in hiesiger Stadt bezeichnet,
das bei Einkäufen nichts vorschlägt.
Dies war als Vergehen gegen das Ge
setz gegen unlauterem Wettbewerb an
gesehen und daher Anklage gegen den
Geschäftsinhaber erhoben worden.
0 a. In Folge von Dif
ferenzen zwischen dem Oberbürgermei
ster von Zeulenrode am Ende und dem
Gemeinderathsmitglied Buchdruckerei
besitze? Oberreuther (Verleger des
Reuß. Anz.") erläßt Oberbürgermeister
am Ende folgende Bekanntmachung:
„Das Halten des „Reuß Anz." wird
sämmtlichen Angestellten der Stadt
Verwaltung
hiermit verboten. Wir
erwarten von der Treue und ehrenhaf
ten Gesinnung unserer Beamten etc.,
daß sie diese Anordnung um so lieber
nachkommen werden, als das borge
dachte Blatt die Schändung der Stadt
behörde
u.
damit auch die Herabwürdi­
gung unserer Stadt sich dauernd ange
legen sein läßt."
Braunichweig.
a I
N
dem Streit
um die Erbschaft des Herzogs Carl von
Braunschweig, den die Erben de Civry
und Genossen gegen die Stadt Genf
angestrengt haben, fand wieder einmal
eine Verhandlung vor dem Pariser Ci
vilgericht statt. Bekanntlich verlangen
die Civry die Ungültigkeitserklärnug
des Testaments, das die Stadt Gens
zur Universalerbin einsetzte. Der Advo
kat Seligmann beantragte die Verwer
sung des Gesuches. Das Gericht ver
schob den Urteilsspruch.
A
Wolff hier, der kürzlich seine silberne
Hochzeit feierte, weshalb ihm der Ktie
gerverein ein Ständchen brachte, hat
den letzten Feldzug mitgemacht. Bei
Le Mans wurde ihm durch ein Geschoß
das Gebiß und der Gaumen zerschmet
tert. Obwohl die Kugel bis beute
wohl noch im Körper des Mannes
steckt, befindet sich W. den Umständen
nach sehr wohl und munter.
Mecklenburg nub Oldenburg
S I I a
wurde in Mecklenburg von 266 Ta
bakpflanzern 150 Hektar bepflanzt,
also 24 Hektar mehr als 1895.
Die Rübenverarbeitung in den 12
Zuckerfabriken im Steuerdirektivbezirk I
Mecklenburg betrug im Monat Oktober
193,819,400 Kilogramm netto. Es
wurden gegen Entrichtung der Zucker-.
steuer in den freien Verkehr gesetzt 100
Kg. netto Rohzucker und 8500 Kg. an
dere cristallisirte, sowie flüssige Zucker.'
a
zu vergrößern, wird ein Grundstück
planirf. Zur Herbeischaffung des er
forderlichen Sandes hat man eine amo
bahn angelegt, welche nach dem Bahn
geleise führt.
S s
tag der ländlichen Dienstboten hat wie
der gezeigt, daß der Mangel, nament
lich an weiblichen Dienstboten, immer
größer tvird. obwohl große Löhne ge
zahlt werden. Großknechte erhalten
weit über 70 Thaler und gute Dienst
mädchen fordern 60 Thaler.
Freie Staate.
Hamburg. Nach dreitägiger
Verhandlung verurtheilte das Landge
richt den Erbauer des auf dem Uhlen
horst eingestürzten Hauses, Architekten
Foßhag, zu 2-ls2 Jahren Gefängniß.
Der
im
Jahre 1858 erbaute grofee
Wiegekrahn ist für den elektrischen Be
trieb eingerichtet worden. Bei der
Probe hob der Krahn eine Last im Ge
Wichte
von 300 Centner. Eine solche
Last aus einer Schute bei niedrigem
Wasserstande durch diesen Krahn auf
das Ufer zu bringen, wurde bisher
durch vier Arbeiter bewerkstelligt, welche
gemeinsam die Kurbel drehten. Dieses
einmalige Aufnehmen dauerte 2 Stun
den und kostete an Arbeitslohn 2 M.
88 Pf. Dieselbe Arbeit wird jetzt auf
elektrischem Wege in vier und einer
halben Minute ausgeführt und kostet
17 Pf. für Stromverbrauch.
N a a 2b. Ol-
tcter bereits zwei Gerettete vom ..Jl
tis" hier eintrafen, läuft jetzt die Mel
dung ein, daß auch die übrigen (S^retn
ten in Wilhelmshaven ankommen wer
den. Für einen feierlichen Empfang
werden besondere Vorkehrungen aetrvs
sen.
Bayern.
E A e-
sitzt Ähnlichkeit mit dem Mörder Jo
Hann Berchtold, worüber er des Oefte
ren von seinen Kollegen aufgezogen
wurde. Kürzlich nun glaubte er sich
wirklich als der Raubmörder Bercktold
verfolgt. Ein zu Rathe gezogener Arzt
konstatirte Verfolgungswahn und ord
nete die sofortige Verbringung des Er
krankten durch die Freiwillige Ret
tungsgesellfchaft nach dem Krankenhau
se an.
N W
hier nicht weniger als vier Varietethea
ter das größte, das „Apollotheater," er
freut sich an den Sonntagen eines so
starken Besuches, daß eine aroße Über
schreitung der polizeilich gestatteten Be
suchetzahl konstatirt wurde. Es ist
deshalb gegen den Besitzer Strafanzeige
erstattet und ihm gleichzeitig für den
Wiederholungsfall die Entziehung der
Genehmigung zur Abhaltung von Vor
stellungen im nächsten Jahr angedroht
worden.
Kunstgegenständen aus Kirchen kom
men trotz der strengsten Vorschriften
des Staates und der geistlichen Ober
behörden fortgesetzt vor. So sind diesen
Sommer, obwohl gleichzeitig ein staat
licher Konservator hier anwesend war,
aus der uralten Schottenkirche viele
reichskulpirte Kapitäle und Vasen, aus
der Dominikanerkirche eine höchst
werthvolle geschnitzte Kanzel um Baga
tellpreise an Händler verkauft wroden.
Das Wiederaufgreifen des früheren
Usus, wonach die betreffenden Psarr
vorstände mit dem eigenen Vermögen
für derlei Schädigungen des Kirchen
Vermögens haftbar gemacht wurden,
wäre sehr am Platz.
a l
versuch, welchen der Redakteur der
..Salzburger Stimme," Mazal. aus
dem hiesigen Gefängniß unternahm,
brach derselbe beide Beine.
Pfal,
E 0 n. An das Bürger
meisteramt ging ein Gesuch ab, worin
eine große Anzahl hiesiger Einwohner
bittet, die Verwaltung der Stadt wolle
eine Interessenten Versammlung an
beraumen, in welcher über das Babn
ptoject Edenkoben Gommersheim
eoent. Speiet Beschluß zu fassen wäre.
Würtemberg.
S a a
in der Einnahme des Deutschen Sän
gerfestes in Stuttgart wird auf 40,000
bis 50,000 Mk. beziffert.
a a e
sigen Bahnhof angestellte Weichenwär
ter lebten in Hader und Streit. Vo
riges Jahr wurde einer von ihnen we
gen verschiedener Unregelmäßigkeiten
im Dienste entlassen. Aus Rachsucht
hat nun der Entlassene aus dem hiesi
gen Bahnhofe seinem Gegner ausge
lauert, diesen, während er Rangierdien
ste versah, überfallen und mit dem
Messer niedergestochen. Der Ueber
fallene hat eine so schwere Wunde am
Oberschenkel erhalten, daß es zweisel
hast ist, ob er mit dem Leben davon
kommen wird.
m. Ein 73jä )ttger Mann in El
chingen verunglückte auf gräßliche Wei
se durch Umwerfen einer Petroleum
lampe. Derselbe war so entsetzlich
verbrannt, daß er schon am andern,
Tage feinen Qualen erlag.
a I n
gen ließ sich ein 16jähriget Schmiede
lehrling vom Zug überfahren. Derselbe
wurde von seinem Meister hart be
handelt, und als die Eltern seinem
Wunsche, ihn aus den Händen des Mei
sters zu befreien, nicht entsprachen, ver
wirklichte er seine schon früher geäu
ßerte Drohung.
Baden
a E a
den Anschein, als ob der Fall Brüse
Witz auch noch das bürgerliche Gericht
beschäftigen sollte. Infolge der jüng
sten von drei Studirenden der hiesigen
Technischen Hochschule veröffentlichten
Mittheilungen, wonach der Begleiter
des Brüsewitz. v. Jung-Stilling, ihnen
die Thüre vor der Nase zugeschlagen
und sie verriegelt habe, als sie Anstal
ten machten, dem Siepmann zu Hilfe
zu kommen, hat der erste Staatsanwalt
das Ermittelungsverfahren eingeleitet.
Die Studenten sind bereits vernommen
worden, v. Jung Stilling* hat die
Rechtswissenschaft ftudirt, aber bis jetzt
noch kein Examen gemacht auch hat er
bisher seiner Militärpflicht noch nicht
genügt.
a a n
dantschaftsgebäude aus der Zeit, da
Dilsberg noch Festung war, ist mit
Wahrung des alterthümlichen Charak
ters zu einem schönen und praktischen
Schul- und Rathhaus umgestaltet und
feierlich eröffnet worden.
i
ner drei Kinder, Kaufmann PH. Ruf,
der Ende Mai die gräßliche That voll
brachte, ist für unzurechnungsfähig er
klärt und außer Verfolgung gesetzt
worden.
Hessen Darmstadt.
a I S a
schen Erbschaftsangelegenheit hat sich
die Stadt Mainz zu einem Vergleich
bereit erklärt. Sie will der Schwester
des Verstorbenen die von ihr verlangten
25,000 Matt herauszahlen. Der auf
Mainz entfallende Antheil der Erb
schaft beträgt 300,000 Mk.
Die Strafkammer verurtheilte den
Taglöhner Joh. Grünig zu vier Wo
chen Gefängniß. Er hatte einem de
sertirten Pionier des in Kassel liegen
den 11. Pionierbatallions erlaubt, in
seiner Wohnung die Militärkleidung
mit einem Civilanzug zu vertauschen.
S a
werbeschule wurde kürzlich mit über
50 jungen Handwerkern verschiedener
Altersstufen eröffnet. Die Schüler
werden in zwei Klassen meistens ge
trennt unterrichtet. Diese Einrichtung
hat sich bis jetzt vortrefflich bewährt.
Für fremde Schüler und solche hiesige,
1
S ch st a t. In der Si-|des
tzung des Schöffengerichts Speier kam
der Einspruch eines hiesigen Fabrikar
beiters zur Verhandlung, der gegen ein
Strafmandat appellirte. das ihn werten
Ueberfchreitung des Bahngeleises zu 30
Mk. verurtheilte. Das Gericht beftä
tigte das Strafmandat.
welche während der Woche auswärt?
beschäftigt sind, wurde die Sonntags
schule eingreichtet.
Elsaß-Lothringen.
A E
Münzenfund ist hier gemacht worden.
Ein Bauer fand in seinem Weinberge
beim Aushauen alter Rebstöcke einen
gußeisernen Tops, in welchem sich etwa
2800 Silbermiinzen befanden. Die
fachmännische Untersuchung des Fun
des ergab, daß es sich um iiver 100 ver
schiedene Münzsotten, meist Groschen,
größtenteils aus der Regierungszeit
der Kaiser Ferdinand 2., Ferdinand 3.
und Leopold 2. handelte. Der Schatz
wurde wahrscheinlich im spanischen
Erbfolgekrieg vergraben, der 1705 und
1706 die dortige Gegend berührte. Sei
ne eigentümliche Zusammensetzung
läßt vermuthen, daß er einem oder meh
reren kaiserlichen Soldaten gehörte.
a a I
Gemeinde fand eine große Schlägerei
statt, bei der die Messer wieder eine
Hauptrolle spielten. Der 19jäbrige
Tagner Krauß wurde durch einen Stich
lebensgefährlich verletzt und ist seiner
Verwundung erlegen. Als Tbäter
wird der Tagner Diez und als Mord
Waffe eine Mistgabel bezeichnet. Anlaß
zu dieser schrecklichen Affaire sollen die
letzten Gemeinderathswahlen gegeben
haben.
Otste reich
W I
Landesgerichts wurden die beiden
Brüder Emil und Stephan Franz Lö
wenthal verhaftet, unter dem Verdach
te, daß sie versucht hätten, den Versi
cherungs-Gesellschasten „Star" und
„Gresham" den Betrag von 699,000
Kronen herauszulocken.
a S
diese reizende Besitzung, von der die
nun mit der Stadtgemeinde Baden
vereinigte Gemeinde Guttenbrunn ih
ren Namen erhielt, ist von Dr. Eder in
Wien angekauft worden. Der neue
Besitzer, der das Schloß von den Er
ben des Gutsbesitzers Weitmann er
stand, beabsichtigt, hier eine Kaltwas
ser-Heilanstalt im großen Style zu er
richten.
W
A t-
amte wurde aus bisher unaufgeklärte
Weife die eiserne Kasse geraubt, die be
deutende Geldsummen und Werthsen
düngen enthielt.
a s
schießens forderte im Erzgebirge aber
mals ein Opfer. Als ein aus sieben
Wagen bestehender Hochzeitszug mit
35 Personen aus Hengstererben durch
die Häuserreihe auf der Straße gegen
Abertham fuhr, fielen mehrere Schüsse,
wobei die Handschuhnäherin Kraus
durch eine ©chrotladurg in die linke
Brustseite lebensgefährlich verletzt tout
de.
Strang verurtheilte Robert Fingerhut,
der in ©munden den Wiener Privatier
Markus Ostersetzer ermordet hat, wur
de vom Kaiset zu lebenslänglicher Ker
kerstrafe begnadigt. Robert Fingerhut
wurde dem Kreisgerichtspräsident vor
geführt und von dem kaiserlichen Gna
denakte in Kenntniß gesetzt.
Schweiz.
a a a
Schindle von Leipzig, der im Septem
19,000 Mark unterschlagen hat, wurde
in Jnterlaken von einem Landjäger
verhaftet. Et wird an Dri'ftihland
ausgeliefert. Et hatte alles Geld
verjubelt und hinterläßt tu Jnterlaken,
wo er unter falschem Namen lebte,
Schulden. Der Landjäger erhält die
von der deutschen Behörde ausgesetzte
Prämie von 200 Mark.
a 2 2
Dienstmagd bei einem Bäcker in Lenz
hatte ihrem Herrn eine Tausend
Franken-Note entwendet und dieselbe
verschluckt, als die Polizei Nachfor
schungen anstellte. Ein Uebelbefmden
der Diebin verrieth sie jedoch und ein
bet 19,000 M. unterschlagen hat, wur
sehrt ans Tageslicht. Die so Uebersühr
te wurde verhaftet.
S a
Behörde des Kantons hat mit 79 gegen
62 Stimmen die Einführung der fakul
tativen Feuerbestattung beschlossen.
W a-
genvistteur Wehrle infolge häuslichen
Zwistes seine Frau mit einem Hammer.
Sie verschied bald darauf. Der Mörder
wurde kurz darauf eingeliefert.
Luxemburg.
o-
naten starb in Paris in anscheinend
dürftigen Zuständen ein gewisser Pe
trus, geborener Luxemburger. Nach
dessen Tode fand man in seiner Woh
nung an Geld und Werthpapieren die
Summe von einer Million achthundert
tausend Franken. Der Mann war in
seiner Jugend nach Amerika gewandert
und hatte dort sein Gluck gemacht.
Paris verlebte er seine alten Tage. Er
war nicht verheirathet und unterhielt
auch keine Vebindung mit seiner Fa
milie.
ch a l. Bei der milden
Witterung Hot der Sandmann (Ende
November) noch immer Völlige Beschäf
tigung! überall *ieM man säen,
denn man ist mit den herbstlichen Ar
beiten noch weit zurück.
0 a a
den 82jährigen Arbeiter Grün Mathi
as als Leiche in seiner Wohnung lie
gen. Der Verblichene wohnte allein.
Der Tod scheint in Folge von Alters
schwäche eingetreten zu fein.

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