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Der fortschritt. (New Ulm, Minn.) 1891-1915, April 21, 1897, Image 2

Image and text provided by Minnesota Historical Society; Saint Paul, MN

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Fortsckritt.
Ernst Brandt, Eigenthilmer.
Heu Ulm, SP2iii«c" ta
Inland.
O a A a a
a. Ga. wurden wieder von einem
Golscyclon heimgesucht.
Di« Waldbrände in dem um
e. Pa.. liegenden Ge
birge greifen in besorgnißerregender
Weise um sich.
Eine neue großartige Vereins
halle. die $75,000 kosten und das
schönste Vereinsgebäude in k
werden soll, errichtet der dortige
„(Schwäbische Sängerbund."
Die Ländereien am östlichen
Ende der Süd-Uta-Jndianer Refer
batton in Color ad werden wahr
scheinlich diesen Sommer der Besiede
lung eröffnet.
Eine Depesche aus a
Ark.. meldet, daß ein Orkan die Ge
gend am Quichrta River verheert hat.
Mehrere Plantagen wurden vernichtet.
In a g. Pa.. erlag
die siebenjährige Annie F. Delcamp
einem Herzschlag, nachdem sie 57 Mal
hintereinander über ein im Bogen ge
schwenktes Seil gesprungen war.
Die Staatslegislatur von Co
lo ra do hat ein Gesetz angenom
men. nach welchem in Zukunft Mad
chen und Frauen in die Colorado Na
timtat Garde eingereiht werden kön
nett.
Bei Cast a a. O. an der
Quelle des Castalia Creek hat man
eine Höhle entdeckt, welche der berühm
ten Mamuth Höhle eine bedeutende
Rivalin zu werden verspricht.
Viele Tausende von Antilopen
haben in der Gegend von a ri
tt) h, Idaho, überwintert, ohne daß
ihnen von Jägern viel nachgestellt
wurde. Ein einziges Rudel wurde
-auf 5000 Stiick geschätzt.
f*' Im Walde fünf Meilen nord
-westlich von t. Verna n. III.,
machten Knaben einen schauerlicyen
Fund. Es war der abgeschittene
Kopf einer weiblichen Leiche, deren
Rumpf 200 Yards entfernt gesunden
wurde. Ueber die Jndentität hegt
man nur Vermuthungen.
Kurz nach Mittag drangen zwei
Unbekannte in die Yonkers Savings
Bank am Getty Square in n
kers, N. Y., hielten den bejahrten
Cafsirer Lyman Cobb mit ihren Re
volvern in Schach, raubten $4.400
und machten sich dann aus dem Stau
be.
Zahlreiche Gebräuche aus alter
S a a a a
noch streng beobachtet. So besagt
ein Gesetz, daß der Clerk in jedem
County alle fünf Jahre die Licenzap
plikationen und Quittungen öffentlich
verbrennen soll, und eine derartige
Verbrennung wurde dieser Tage im
Gerichtsgebäude zu mit al
lem offiziellem Klimbim vollzogen.
Gouverneur I. B. Thomas von
S a a a
O., ist. auf Anklage des
Staats Nahrungsmittel Commis
sars verhaftet worden, weil
weil er in der Anstalt Oleomargarine
auftischte, ohne die von dem Ohio
Gesetze vorgeschriebene diesbezügliche
Notiz in dem Eßsaal angeschlagen zu
haben.
Frl. Sophia Rhinelander in
New York ihot der bischöflichen St.
James Kirche mehrere Gebäude an 81.
Str. und Madison Ave. und ferner
$500,000 für eine Kirche und ein
Pfarrhaus geschenkt. Frl Rhine
lander ist die Tochter des verstorbenen
Wm. Rhinelander und besitzt ein Ver
mögen von etwa 75 Millionen.
Schall Photographie ist die
neueste Erfindung, die kürzlich in
N gemacht wurde. Die
Vibrationen, welche Stimmen oder
sonstiger Schall auf die Membrane
des neuerfundenen Apparates ausü
ben, werfen feine Körnchen oder
Stäubchen auf, die im Anfliegen ge
gen. eine polirte Fläche verschiedenar
tige Zeichnungen auf derselben hervor
bringen.
Große Erbitterung herrschte in
Point Pleasant. Mo., gegen O. B.
Williams, der gemeinsam mit zwei
seiner Brüder nach einem dortigen
Barbierladen kam, und I. H. Conrad
mit einem starken Eichenknüppel hin
terrücks über den Kops geschlagen ha
ben soll. Trotz großer Schmerzen und
starkem Blutverlust ergriff Conrad ein
Rasirmesser und vertheidigte sich damn
gegen seinen Angreifer und dessenBrü
"der, bis Hülse eintraf.
Frau Leland Stanford hat ihr
Leben auf $1,000,000 versichern las
sen. Dem Kontrakte gemäß muß sie
jährlich $170,000 an die Mutual Life
Insurance Co. von New Uork zahlen.
TRoch ihrem Tode zahlt die Versiche
rungsgcfellfchaft an die Leland Stan
ford Universität $1,000,000 aus. im
Falle sie aber noch 10 Jahre lang lebt
und ihre Zahlungen fortsetzt, wird die
Universität doppelt soviel erhalten.
Der Farmer John P. Cuddy
von a Co y, der
im Staate Maryland im 88. Lebens
jahr gestorben ist. machte am 28. Au
gust 1830 die erste Fahrt mit der Lo
comotive von Peter Cooper auf der
Baltimore- und Ohio-Bahn mit. Eben
so wohnte er der ersten Absendung ei
net Depesche von Professor Morse
über die Leitung der Baltimore- und
Ohio Bahn zwischen Baltimore und
Washington bei.
In einer Tomatoebüchse einen
Daumen gefunden hat unlängst Frau
Martin in Passaic, N. I. Der von tu
nent Manne stammende Daumen hat
te sein natürliches Aussehen noch
und war gut erhaltut. Man vermu
thet, daß der Daumen in der Confer»
venfabrik von einer Maschine abge
schnitten wurde. In der Aufregung
hatte man das abgetrennte Glied aus
dem Auge verloren, fodaß der Dau
men unter die einzumachenden Früch
te und sodann in die Büchse geriet!).
„Beter John" nennt man einen
Mann in Ellis. Kas. So lange sich
die dortigen Bewohner nur zurückerin
nern können, geht John jeden Morgen
bei Sonnenaufgang und jeden Abend
bei Sonnenuntergang, ohne Rücksicht
auf Wetter. Jahreszeit oder feinen je
weiligen Gesundheitszustands nach ei
nem Platze in der Prairie hinaus, wo
er niederkniet und betet. Seine Kniee
haben dort den Rasen abgetragen und
den Boden vollständig hart gemacht.
Die Begeisterung indiattiiajer
Krieger zur Anftimmung des Todes
gesanges ist noch keineswegs ausge
sterben. Der Indianer Charcoal, der
unlängst in McLeob, Manitoba einen
berittenen Polizisten ermordet hatte,
zeigte ]tcy vor einer yinncyung oer
art schwach in den Beinen, day et nacy
dem Galgen getragen werben mußte.
Et starb aber trotzig und stieß drei
gellende Kriegsruse aus, als man ihn
die Treppe hinausbeförderte.
Der Polizei wurde in n
a i, O., gemeldet, daß eine
barmherzige Schwester von Mount
Adams plötzlich verschwunden sei. Sie
legte am letzten Samstag Abend ein
Buch, das sie gelesen hatte, nieder,
ging in den Garten und ist seither
nicht wieder gesehen worden. Die Ron
ne war früher Ftl. Maria Flood von
Louisville und wurde erst vor 2 Iah
ten barmherzige Schwester.
Mit dem Revolver in der Hand
zwang Frau C. V. Thorp in W a
shington, Ind., deren Gatte
früher Mayor dieses Ortes gewesen
war, einen jungen Mann, der ihren
Knaben geprügelt hatte, auf offener
Straße zum Niederknien. Dann
schlug sie ihn mit einer Peitsche über
das Gesicht, bis Blut floß, und zum
Schluß hielt sie dem Mißhandelten
noch eine Moralpauke.
Zwischen East Li erpoo 1
unib Wells in Ohio ist ein großer be
waldeter und mit Felsen versehener
Hügel. Bei dem Bau der Wellsville
Bahn wurde von dem unteren Theile
des Hügels so viel Erde entfernt, daß
der Hügel nun rutscht. Die Wellsville
Bahn ist an etlichen Stellen begraben
worden und man befürchtet, daß die
Geleise der Pennsylvania Bahn und
die große Walker Sewerröhren An
läge zerstört werden. Auch zwei Woh
nungen sind in großer Gefahr.
Zigeuner stahlen das 19 Mo
nate alte Kind von Joseph Sheppard,
drei Meilen nördlich von W ch e
st r, ©., wohnhaft. Eine Posse mach
te sich sogleich auf die Suche nach dem
Kind und fand es nach längerem Su
chen in einer 6 Zoll tiefen Wasser
pfütze. Das Gesicht des Kindes war
zerkratzt und mit Blirt bedeckt, sonst
war es nicht verletzt. Man glaubt,
baß die Bande das Kind am Wege
liegen ließ, als ihr die Posse auf den
Fersen war.
Von Glück erzählen kann der
28jährige Chinese Sun Sung in New
York. Der am den Folgen zu starken
Opiumgenusses leidende Schlitzäugige
kletterte auf das Dach eines fünfstöckig
gen Hauses und sprang in die Tiefe
hinab. Ms man Sun aufhob, waren
seitens desselben merkwürdiger Weise
nur ein Armbruch und einige unbedeu
tende Kontusionen am Kopfe zu kon
stanten. Die Hospitalärzte erklärten,
daß der Patient binnen Kurzem wie
der als geheilt entlassen werden wür
de.
Für den winzigen Betrag von
$ 7 5 0 a E S a
Jose, Ca!., eine wurmstichige Ar
che, in weichet ein alter Fischet Na
mens Charles F. Rodman die letzten
Iahte seines Lebens zugebracht hatte
und einsam und allein gestorben war.
In verschiedenen Winkeln dieser Arche
hat Emery nun mehrere tausend Dol
lars in Gold und Papiergeld gesun
den, die Rodman dort versteckt hatte.
Emery soll gerichtlich zur Herausgabe
d'es Geldes gezwungen werben.
Die tiefsten Schächte der Erde
befinden sich in den Ver. Staaten und
zwar am Superior See. Red Jacket,
Calumet und Hecla 1493 Meter. Ta
mara! 1356 Meter dann folgen zwei
belgische Kohlenschächte: Produits-
Kohlengrube (Möns) 1200 Meter,
Viviers Schacht (Gilly) 1143 Meter.
Die tiefsten in Deutschland sind Kai
ser Willhelm der Zweite (Clausthal)
mit 902 Meter und Einigkeit Lugau
(Sachsen) mit 799 Meter. Die süda
frikanisch«« Goldgruben gehen noch
nicht übet 607 Meter hinaus.
Die Schieferplatten Producti
on des Landes betrug 1896, $2,766,
000 Werth. Es ist dies eine Zunah
me von übet $47,000 gegen das Vor
jahr. Das meiste davon war Dach
schiefer. Die Industrie erhielt durch
den großen Streik in den Schieserbrü
chen von Wales einen kleinen Anstoß.
Von KeyWest wird gemeldet:
Bei der Herablassung eines Bootes
von dem II. S. Kreuzet „Marblehead"
brachen die Haltestangen und drei
Matrofen fielen in's Meer. Zwei er
tranken.
Der junge Löwe Wm. McKin
ley, welcher sich bisher im Raubthier
hause des Zoologischen Garten in
Cincinnati verhältnismäßig gro
ßer Freiheit erfreute, wird jetzt den
Rest seines Daseins im Käfig verbrin
gen müssen. Als Herr Oliver Kinsey
von Mt. Auburn den Garten besuch
te, wurde sein fünfjähriges Töchter
chen von dem jungen Löwen angegrif
fen und zu Boden geworfen. Es ge
lang den herbeieilenden Wärtern, den
jungen Wüstenkönig zurückzutreiben
und das Kind aus feinen Klauen zu
reißen, ehe dasselbe andere Verletzun
gen als leichte Kratzwunden erlitten
hatte.
Täglich 100 Cigarretten ge­
raucht hat ein junger Mann Namens
Madden in N A k. In Folge
des unmäßigen Cigarrettengenusses
wurde Madden vor einiget Zeit irrsin
nig und deshalb nach dem Hospitale
geschafft. Nach feiner Entlassung
aus diesem gab sich Madden dem Ct
garrettenrauchen von Neuem hin, in
dem et, wie es heißt, 100 der Glimm
stengel per Tag verbrauchte. Wiederum
trat Irrsinn ein, worauf der unverbes
serliche Raucher dieser Tage abermals
im Krankenhause landete.
Chas. Mohammed, der Araber,
der vorige Woche in A n,
Ind., in Hast genommen wurde, ist
wieder entlassen und hat sofort die Rei
fe in feine Heimath angetreten. Er
war einer von den 7 Arabern, die
Buffalo Bill vom Sultan erhielt.
Der braune Sohn der Wüste hatte sich
sterblich in ein« hiesige Schöne ver
liebt. die indessen keinen Sinn für fei
ne heißen Liebesschwüre hatte. Moha
nted aber versuchte nach Sitte seines
Landes, sich gewaltsam in den Besitz
der Spröden zu setzen, welches ihn
in Conflikt mit der Polizei brachte.
An Nikotinvergiftung gestorben
ist im Bellevue Hofpital zu N
York George Merkt, ein junger
Mann, der bei seinen Eltern in No.
262 W est 5. Straße wohnte. Der
Jüngling war durch anhaltendes Ci
garettenrauchen um den Verstand ge
kommen. Er rauchte mitunter fech
zehn Packete biefer Giftnudeln an ei
nem Tage. Noch auf dem Sterbebette
bat er um eine Cigarette. Am Mor
gen vor seinem Hinfcheiden tobte er
derartig, daß es der vereinten An
strengung von drei Polizisten be
durfte, um ihn zu überwältigen.
Dem Anstreicher Fred Doppel
meyer in A n, O.. wurde von ei
nem April-Witzbold vorgeredet, daß
er in feiner österreichischen Heimaty
eine Erbschaft von $200,000 gemacht
habe, und die Freude darüber stieg
ihm dermaßen zu Kopse, daß er sich
einer Spree in größerem Style hin
gab. Er engaghrte eine Musikbande,
an deren Spitze er die Straßen durch
zog und traktirte Jeden, der sich dem
Zug anschließen wollte. So trieb er
es mehrere Tage und gab ein paar
Hundert Dollars aus. Der Katzen
jammer hat sich mit der Kunde einge
stellt, daß er einem Aprilscherz zum
Opfer fiel.
Auf wunderbare Weise einem
schrecklichen Tode entronnen ist der
e
n. III. Er stand auf einem Ei
senbahn Frachtwagen, während der
Zug über eine Brücke fuhr. Hierbei
glitt er mit dem Fuße aus und fiel
über die Kante des Wagens. Zum
Glück vermochte er mit den Händen
einen Telegraphendraht zu fassen, so
daß er nun 286 Fuß hoch übet dem
Flusse und dem Felsen hing. Nach
dem der Mann aus seiner gefährlichen
Lage befreit war, fiel er in Ohnmacht,
und es betging noch eine geraunte
Zeit, bis sich der nach feiner Wohnung
Geschaffte von feinem Schrecken erhol
te.
Zur Abhaltung von Geister
tänzen statteten jüngst Cheyenne- und
Arrapahoe Indianer in O 1 a o
a den Otoe- und Ponca Roth
häuten ein mehrtägigen Besuch ab.
Die Besucher waren zu Hunderten er
schienen. Sämmttiche der angeführten
Stämme beteiligten ifich an den Tän
zen, und 50 Tänzer stöhnten dem
Vergnügen so lange, bis sie nicyt
mehr stehen konnten. Vier Cheyenne
Indianer starben an Erschöpfung.
Die Tänze sind von der Regierung
verboten und die kupferfarbigen Lan-
besfinder sehen sich genöthigt. zur
Veranstaltung der Tänze abgelegene
Orte aufzusuchen, wo sie außer Sicht
der Weißen sind und im Dunklen die
besagten Zeremonien ausführen.
Daß ein Pastor als Nebener
werb ein Maklergeschäft betreibt,
dürfte zu den Seltenheiten gehören
Dies ist der Fall in Victor, Col., wie
aus einer Mittheilung eines dortigen
Blattes «hellt. Dieselbe lautet: „Reo.
L— wird heue Abend in Victor er
wartet. Er wird die Kanzel des Rev.
M.— einnehmen, dessenMaklergeschäft
jetzt seine ganze Zeit in Anspruch
nimmt und es ihm unmöglich macht,
seinen Pflichten als Pastor nachzu
kommen." Seitdem die Wechsler aus
dem Vorhofe des Tempels in Jerusa
lern getrieben wurden, haben sich die
Zeiten offenbar geändert.
In New Jersey hat der 13 Jah
re alte John Connover sich erhängt.
Er war auf der Farm von Frank P.
Norton, nahe Cape May Court House,
beschäftigt und pflügte ein Feld nah1
dem Haufe, als er das Leitfeil vom
Pferde abnahm, ein Ende an einem
hohen Zaunpfosten befestigte, sich dann
die am anderen Ende hergestellte
Schlinge um den Hals legte und dann
herabsprang. Et war tobt, als man
ihn fand. Man glaubt, daß et durch
das Lesen vonSelbstmotden in Zei
tungen bewogen wurde, zu Probiren,
wie man Selbstmord begeht, aber nicht
die Absicht hatte, seinem Leben ein En
de zu machen, da et keinenGrund dazu
hatte und stets bei der Arbeit luftig
war.
Auf merkwürdige Weife ist
W S a
fort, Ky., in den Besitz eines
Checks zum Betrage von $100 gelangt,
welche Summe ihm ein Farmer in
Bell County fchuldete. Als jüngst
die Wasser des Kentuckyflusses über
die Ufer getreten waren, wurde ein
Kästchen aufgefischt, das außer ande
ren Werthpapieren ben beregten Check
enthielt. Wie eine Nachforschung er
gab, hatte der Farmer den Check dem
County Clerk in Pineville übergeben
und des Letzteren Office war von dem
aus den Bergen sich ergießenden Fin
then vollständig ausgewaschen worden.
300 Meilen weit war das Kästchen
mit denWerthpapieren vor. der Hoch
fluth getragen worden, bis es in Folge
eines glücklichen Zufalles in Frankfort
aufgefischt wurde.
Ein Geschäftsmann in
E a 1 e, Ind., Herr ti.
Marsicano ist in unverschämter Weise
von einem Gauner betrogen worden.
Derselbe nannte sich H. A. Lyon jr.
von New Jork und stellte sich als Rei
fender für ein großes Kaffeegeschäft
vor. Er gewann das Vertrauen des
Herrn Marsicano und bewog densel
ben, ihn zu beauftragen, einige feiner
Artikel als Nebenarbeit zu verkaufen.
Durch feine gewandten Mannen ge
lang es ihm, in Hopkinsville. Madi
fonville und anderen Städten Kentu
ckys Aufträge für Herrn Marsicano zu
erhalten, und nachdem die Maaren
angekommen waren, kassirte er das
Geld ein und verduftete bann nach un
bekannten Gegenden. Er soll sich
auf diese Weise „nebenbei" $140 ver
dient haben.
In Marblehead bei Quincy,
III., waren zwei Knaben, der 12jäh-
rige Sylvester Cosgrove und ein Bru
der desselben mit Reiffchlagen beschäf
tigt. Die Knaben befanden sich auf
der verdeckten Brücke, als Jesse Lan
Haiti, ein Sohn von Elijah Lanham,
mit seinem Pony des Weges kam, da
er in Marblehead 'die Postsachen ge
holt. Als Lanham die Knaben aus
der Brücke bemerkte, zügelte er sein
rasch laufendes Pferd etwas, die Kna
ben stellten ihr Spiel ein, und Lanham
ritt an ihnen vorbei. Nun begann der
älteste der Knaben, Sylvester, wieder
mit seinem Reifschlagen, der Pony
wurde erschreckt, traf den Knaben und
dieser blieb bewußtlos liegen. Der Un
glückliche wurde sofort nach seiner in
der Nähe gelegenen Wohnung gebracht
und ärztliche Hülfe herbeigeholt. Der
Knabe erlag jedoch seinen Verletzun
gen.
Große Eismassen, Eisfelder und
Eisberge pafsitten die dieser Tage in
New Uork angekommenem beut. Dam
pfer „Fürst Bismarck" von Genua,
„Pennsylvania" von Hamburg und
„Bürgermeister Petersen" von Bre
mm. Auch der französische Dampfer
„La Bretagne" von Havre gerieth am
2. April in die Nähe von zwei Eisber
gen und Eisfeldern, so daß er drei
viertel Stunde lang anhalten mußte.
Der Dampfer „Fürst Bismarck" hatte
am 29. und 30. März sehr stürmisches
Wetter am 1. April wurde er Mor
gens von einer riesigen Woge getrof
fen, welche den Dampfer förmlich zu
rückwarf, aber nicht beschädigte. Der
Dampfer „Pennsylvania", das Rie
senfahrzeug der Flotte der Hamburg
Amerika-Linie, ist zum zweiten Male
hier angekommen. Er brachte 931
Passagiere und 13.200 TonnenFracht.
darunter 60,000 Sack Zucker. Unter
wegs starben zwei Passagiere: ein 6
Monate altes Kind starb vier Stun--
ben nach bet Abfahrt und ein 33 Jah
re alter Einwanderer aus Galizien
Janaz Plesses. starb am 25. März an
Epilepsie.
Während sich ein Eisenöahnzug
a S a a r
sons, W.-Va., näherte, kam es in ei
nem Waggon zwischen Frank E.
Thompson, Geschäftsführer der
„Blackwater Bomm- und Lumber
Company," Davis, W.-Va., und Col.
Robert Eastham von ebendort zu ei
nem Streite, ber blutig enden sollte.
Eastham gab Thompson einen Schlag
in bas Gesicht, worauf der also Belei
digte seinen Revolver zog und East
ham, ehe dieser noch einen Finger rüh
ren konnte, zwei Kugeln in den Leib
jagte. Nun griff auch Eastham zum
Revolver unb knallte barauf los, und
seine Schüsse waren so wohlgezielt,
daß Thompson niedersank. Der auf
den Tod Verletzte wurde nach seiner
Wohnung in Parsons, W.-Va., ge
schafft und starb, während man East
ham nach Davis brachte. Letztere
diente mit Auszeichnung im Conföbe
ritten Heere und leistete der ©ach
des Südens als Spion wichtige Dien
stv. Eastham wurde am Arme und an
des Schulter verwundet jedoch ist sein
Zustand nicht besorgniserregend. Der
erschossene Thompson war 35 Iahte
alt und verheirathet.
Eine grausige That spielte sich
vor einigem Tagen vor den Augen der
entsetzten Passagiere des zwischen a
ronbelet (St. Louis) und Ost
Carondelet, III., fahrenden Fährboo
tes „Dr. Hill" ab. Frau Sophie
Vogel, die 30jährige Gattin des Schee
renschleifers Arthur Vogel, wars erst
ihre beiden kleinen Mäbchen über
Bord und sprang dann selbst in den
Mississippi. Das Boot besanb sich
auf der Rückfahrt nach Carondelet
(Süd St. Louis). Frau Vogel war
während der Fahrt nervös hin- und
hergelaufen, dann hatte sie zu ihren
Kinderv, welche laut weinten, in
Deutsch gefprochen unb sie mit Thrä
nen in den Augen wiederholt geküßt.
Im nächsten Augenblik sahen die Pas
sagiere, wie die Frau ihr ältestes
Kind aufhob und über das Geländer
in die Finthen schleuderte. Als sie ihr
Baby aufhob, sprang ein großer, dem
Papitän Keller gehöriger Neufund
länder Hund hinzu und packte das
Kind am Kleide!. Die Frau riß es
aber los. schleuderte es ebenfalls in's
Wasser und frang dann selbst nach.
Der Fischer Eduard Brandet befand
sich zufällig in ber Nähe unb es ge
lang ihm, die bereits halbtobten Kin
der zu retten die Frau tauchte aber
nicht wieder auf. Die Kinder sind
jetzt außer Gefahr. Sorgen wegen ei
ner auf ihrem kleinen Heim lastenden
Schuld und körperliche Leiden infolge
eines Anfalles von Grippe gelten als
Motiv der entsetzlichen That der
Mutter.
vom Congretz.
12. A I.
Dem Senat wurde, als er heute
wieder zusammentrat, Mittheilung ge
macht von dem Ableben des am Sam
stag in Washington verstorbenen Ex
BundessenaiorsWolseley Vorhees von
Indiana. Der Senat vertagte sich
aus Anlaß des Todesfalles.
13. April.
I S a a
Ala., feine Rede zu Gunsten seiner
Resolution betreffs Anerkennung der
albanischen Insurgenten als krieg
führende Macht. Dann wurde dieBcm
kerottbill aufgenommen, zu deren® un-1
sten Lindsay sprach. Es folgte eine
kurze Exekutiv Sitzung.
14. ApriL
Der Senat hatte heute Gelegen
heit, sich mit der Tendenz der Dingley
Tarifbill zu beschäftigen. Vest, Mo.,
hatte eine Resolution eingebracht, wel
che einen Erlaß bes Finanzministers
Gage betreffs rückwirkenber Kraft der
Dingley Bill für ungültig erklärt.
Morrill. Vt.. beantragte Verweisung
der Resolution an das Finanzcomi-ie.
Der Antrag wurde mit 24 gegen 23
Stimmen angenommen. Dann wur
de die Indianer Bewilligungsbill in
Betachung gezogen.
I a
Geschäft erledigt.
15. Apr l.
I S a a o
rough eine Vorlage ein, daß eine Com
mission ernannt werden soll, um un
sere Brodprodukte nach dem Orient
einzuführen. $30,000 sollen .für die
Commission bewilligt werden. Vest
Mo., bekämpfte vie Bestimmung ber
Indianer-Bill, welche indianische Sek
tenschulm abschafft. Er erklärte die
Jesuitenschulen als die einzig lei
stungsfähigen uniter ben India
nern er sei Protestant und möchte die
Indianer lieber als Katholiken beim
als Wilde sehen. Das Amendement
zurJndianer Bill, wonach die Ucom
paghre Reservation, in Utah der Be
siedlung eröffnet werden soll, wurde
mit 33 gegen 13 Stimmen angenom
men. Die Reservation enthält reiche
Asphaltlager.
«»(•ttien im »e««effee.
Wohl lein Staat der Union weist
eine so bunte Musterkarte ber verschie
benften Colonien auf wie Tennessee.
Während einzelne behufs Bethätignug
altruistischer Jbeen auf einer Coope
rativbaisis gegründet sind, waltet in.
anderen ein religiöser Gedanke vor
und es fehlt auch nicht am solchen, die
in landsmannschaftlichen Grenzen ge
halten sind. Die bebeutenbste Coopera
tiv Colonic ist im County Dickinson
belegen unb umfaßt außer der Stadt
Ruskin sowie einem Theile von Ten
nessee City 3500 Acker fruchtbaren
Lanbes in bent herrlichen Uellow Creek
Thal. Der Gründer biefer Kolonie
ist I. A. Wayland, welcher dort feine
national ökonomischen Theorien
praktisch zu bethätigen gebachte. Vor
Jahren gab er in Greensburg, Ind.»
unter dem Namen „Coming Nation"
eine Zeitung heraus, in welcher er für
feine Ideen eintrat und die er zu einer
bebeutmben Blüthe brachte. Im Lau
fe eines einzigen Jahres bezifferte sich
bie Zahl ber jHbnonenten auf mehr als.
ein halbes hunderttausend. Mit dem
Gelbe, das ihm feine Zeitung einbrach
te, kaufte Wayland Land u. sammelte
ca. 400 Gleichgesinnte um sich. Der
Hauptsitz der Colonic wurde zuerst in
Tennessee City aufgeschlagen, bald
aber von dort verlegt und fünf Mei
len westlich eine Stadt gegründet,
die nach John Ruskin den Namen
Ruskin erhielt dieselbe bietet 10,000
Menschen Raum, zahlt aber erst 600
Bewohner, welche Tabak, Wetzen,
Mats', Kartoffeln und andere Feld
früchte bauen. Die Colonie ist nach
dem Muster einer Actien -Gesellschaft
organisirt und Jedermann erhält von.
dem Ertrage der gemeinsamen Arbeit
einen Antheil, der im Verhältniß zu
seiner Anlage steht. Wayland trans
ferirte seine Zeitung nach Ruskin,.
verkaufte aber schließlich aus und zog.
nach Kansas City, wo er unter dem
Namen „Appeal to Reason" eine ande
re Reformzeitung ins Leben rief. Als
er Ruskin verließ, erklärte et, daß die
Colonic verfallen würde, wenn nicht
Religion zu ihrer festen Stütze werden
würbe zur Zeit sind noch alle Soloni
sten da, wenngleich sich schon Zeichen
bes Rückganges bemerkbar machen sol
len.
Von bem Engländer Thom
Hughes, dem Verfasser von „Tom
Brown at Rugby" gegründet und nach
dieser berühmten Schule benannt ist
der Ort Rugby, ber von ca. 400 Eng
ländern bewohnt wird. Auch diese Ko
lonic blüht lebhaft empor. Das Gleiche
läßt sich von ben zahlreichen deutschen
Kolonien sagen, die über den Staat
verstreut sind. Die Deutschen haben
ihre eigenen Kitchen und Schulen, eilt
Beweis, daß sie nicht blos ihre materi
elle Prosperität im Auge haben. Am
Unaka Berge haben sich an 1200
Einwanderer aus Wales, bie sich mit
dem Abbau der reichen Schieferbrüche'
befassen, angesiedelt und die Cherokee
Jndianer, welche ca. 1800 Kopfe stark
sind und 65,000 Acres Land ihr Ei
genthunt nennen, wohnen in der Ge
gmd von Aellow Hill.
Ganz eigenartig ist die Colonic der
„Harrifiten" im Milan, welche von dem
früheren Cowboy Robert Lee Harris
gegründet wurde und etwa 100 Mit
glieder zählt. Die Angehörigen die
ser Secte glauben, baß sie zweier Seg
nungen theilhaftig werben uitb daß.
sie nach der zweiten nicht mehr Sün
den, sondern nur noch Jrrthümer be
gehen. Verhältnismäßig zahlreich find
bie Mormonen-Colonien, was daraus
erhellt, daß es im ganzen Staate nicyr.
weniger als 429 Aeltefte biefer Secte
giebt die Zahl der Gläubigen soll sich
auf volle vier Tausend belaufen..
Walbenfer haben sich unter ber Füh
rung des Predigers C. A. Tron in
dent Gebirge an der Grenze von Nord
Carolina angesiedelt, wo sie die Ort
schaft Baldefe gegründet haben. Die
Kolonisten, welche 3000 A. Lanb zu
billigen Preisen und auf lange Zah
lungstermine erstanden, sind außeror
deutlich rührig. Auf ben in gleichePar
cellen eingvtheiltenLändereien betreiben
sie Lanb- sowie Weinbau, und au
ßerdem haben sie industrielle Etablis
sements, wie Sägje- unb
Mthlntiihler
Strumpfwirkerei, Tabakfabrik u. f. w.
angelegt. (W.)
Achtzehn Minuten nach AchL
InNewAork hängt vor jebent
Juwelierlaben als Geschäftszeichen et
ne mächtige Uhr. Jeder sieht und weiß,
das wenige aber bemerken bie That
fache, daß alle bicfe Uhren die gleiche
Zeit anzeigen 18 Minuten nach
Acht. Die Erklärung dieser Thatsacye
ist von merkwürdigem historischem
Interesse. Die Fabrikation dieser
Riefenuhren ist ein Monopol es gibt
nur eine Fabrik in New Uork, die sie
herstellt. In der Nacht des 14. Aprss
des Jahres 1865 war man dort noch
eifrig thätig, als ein. Mann hergelau
fen kam und 'die Kunde überbrachte,
daß Präsident Lincoln im Fords
Theater in Washington von John
Wilkes Booth erschossen ward und
zwar 18 Minuten nach acht Uhr. Seit
jener Nacht stehen die Zeiger aller die
ser Juweliersuhren aus 18 Minuten
nach Acht.

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