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Der fortschritt. [volume] (New Ulm, Minn.) 1891-1915, May 12, 1897, Image 10

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Nebenbuhlers Rache.
Kriminal Novelletie nach dem Eng
lischon. Von Wilhelm Thal.
„Acland," sagte Mr. Vyse. den jun
gen Kommis fest anblickend, „ich habe
Sie im Verdacht, daß Sie mich be
stohlen haben."
Robert Aclands Gesicht verfärbte
sich und er versetzte in leidenschaftli
chem Tone
„Sie thuin mir Unrecht, Mr. Vyse,
ich schwöre es Ihnen bei meinem
Seelenheil."
„Ich wünschte, ich könnte Ihnen
glauben, Robert." entgegnete Mr.
Vyse. „denn ich habe Sie gern aber
der Schein ist gegen Sie. Was thaten
Sie gestern ittn fünf Uhr in met*
wem Privatkomptoir? Sie hatten doch
nichts darin zu suchen?" ..
„Ich war auch gar nicht baren,
antwortete der junge Mann bestimmt
und richtete sich zu seiner vollen Höhe
auf. ..Ich bin niemals in meinem
Leben in diesem Zimmer gewesen, es
sei denn, daß Sie mich etwas aus
demselben holen ließen. Hat Ihnen
Jemand gesagt!, daß ich gestern Abend
darin war?"
„Jawohl, Srarkie erklärte es mir
vor noch 'nicht 10 Minuten."
Richard Starkie!" rief Acland
höchstem Erstaunen. „Er muß toll
fein. Wie kommt derselbe dazu, die
fe falsche Behauptung aufzustellen?
Wir sind Ms gute Freunde gewesen.
Warum will er mich denn zu ©runde
richten?"
Mr. Vyse fing an bezüglich der
Schuld Aclands schwankend zu wer
den und sagte in freundlicherem
Tont
„Können Sie mir vor Gott schwo
ren, daß Sie unschuldig sind?"
Der junge Mann erhob seine rechte
Hand und erklärte feierlich: „Ich
schwöre zu Gott, vor dessen Richter
stichle wir beide dereinst stehen wer
den, daß ich schuldlos bin! Glauben
Sie mir jetzt, Herr Vyse?"
Mr. Vyse Welt ihm die Hand hm
und sagte: „Ja. ich glaube Ihnen und
bitte Sie um Verzeihung, daß ich an
Ihnen gezweifelt doch ich begreife
nicht, was Starkie veranlaßt haben
famn, Sie zu verdächtigen."
„Ich weiß es auch nicht," erwiderte
Acland, „fein Verhalten ist mir ganz
und gar unklar."
„Gut denn. Robert" sagte der alte
Herr, als er seinen Kommis verab
schiedete versprechen Sie mir eins!...
Behandeln Sie Starkie ebenso, tote
wenn nichts vorgefallen wäre.
„Ich will's versuchen, wenngleiu)
es mir schwer werden wird," entgeg
nete Acland und verließ das Zimmer.
Mr. Vyse war allein, er lehnte sich
in seinen Sessel zurück und überließ
sich seinen Gedanken. Doch je länger
er über das Verschwinden seiner Geld
kassette nachgrübelte, desto weniger
fand er eine Lösung des Geheimnisses.
Sie war fort, doch auf welche We'tie
sie gestohlen war, war ihm ein Räth
sel.
Natürlich verbreitete sich die Nach
richte daß der Chef bestohlen worden,
bald im ganzen Geschäft». Starkie
hatte die Neuigkeit zuerst erzählt: doch
wagte er nicht, feinen Kollegen gegen
über den jungen Acland zu verdächti
gen, denn dieser war bei Allen beliebt
und Starkie wußte nur zu gut, Nie
mand würde ihm glauben.
An demselben Abend besuchte No
be'rt Acland seine Braut. Sie waren
seit 3 Monaten verlobt, und Robert
wartete nur auf eine Gehaltserhöhung,
um Elsie Werner als fem Weib heim
zuführen. Er hatte ihr zuerst von
den Vorkommnissen des Tages nichts
sagen wollen, doch das kluge Mädchen
bemerkte bald, daß etwas vorgegangen
war und drang in ihn so erzählte er
nach kurzem Zögern den ganzen Vor
fall.
„Ich kann mir gar nicht denken,"
schloß Robert feinen Bericht, was
Starkie veranlaßt haben könnte, mich
des Diebstahls zu beschuldigen."
„Soll ich es Dir sagen?" bemerkte
Elsie.
„Du?"
„Ja, ich!" versetzte sie und erzählte,
wie Richard Starkie vor wenigen
Tagen um ihre Hand angehalten
habe, auf ihre Weigerung in eine
furchtbare Wuth gerathen war und
geschworen hatte, sich an ihr und an
Robert zu rächen.
„Und Du glaubst, er hat den Dieb
stahl mir zur Last gel yt, um Dich
mit zu entfremden?"
„Hättest Du den Blick gesehen, den
er mir beim Fortgehen zuwarf," ent
gegnete das junge Mädchen, „so wür
best Du meine Ansicht theilen, daß et
zu Allem fähig ist!"
Am nächsten Tage berichtete Acland
Mr. Vyse die Unterhaltung mit feinet
Braut.
Während dessen befand sich Starkie
in ungewöhnlicher Aufregung der
Schlag, den er gegen Acland geführt,
war zwar mißlungen, aber 'riefer
Mißerfolg hatte ihn nur noch mehr
erbittert. Eine Spielwuth fonder
Gleichen, die et von feinem Vater er
»rbt, hatte ihm fast fein ganzes Vet-1
,.gen geraubt, und et sah bald sich]
von Gläubigern auf das Härteste be
drängt. In dieser Verlegenheit stahl
er die Geldkasse. Erst nach dem
Verbrechen war ihm der Gedanke ge
kommen. Acland des Diebstahls zu
bezichtigen.
„Verteufelter Bursche! .murmelt«
er zwischen den Zähnen „wenn ich ihn
nur zu Grunde richten könnte! Dann
wird Elsie doch noch die Meine!"
Mr. Vyse hatte die Gewöhn^:, an
schönen Tagen um die Mittagszeit ei
iren Spaziergang zu unternehmen. Er
streifte dann in der Regel die Uinge
gend von London ab und kehrte über
die Felder durch eine kleine An
pflanzung nach Häufi zurück. Wenige
Tage nach dem Verschwinden der
Kassette schlug er wieder den gewöhn
lichen Weg ein. Dot. sein Lieblings
hund, begleitete ihn. Mitten in ^et
Anpflanzung blieb das Thier stehen,
schnupperte und brach in ein wüthen
des Gebell ans.
Mr. Vyse ging nach der Stelle, wo
der Hund stand. Plötzlich sprang ein
Kaninchen auf und Dot hinterher.
Doch Vyse kümmerte sich weder um
den Hund, noch um das Kaninchen.
Seine Aufmerksamkeit war auf die
Stelle gerichtet, von der das Kanin
chen aufgescheucht worden war. Eine
Minute blieb er stehen, ein seltsames
Lächeln spielte um seinen Mund und
er ging schnell seinem Geschäftslokale
zu. Drei Tage später ließ er Richard
Starkie vor sich kommen und sprach
zu ihm:
„Starkie. Sie sind der älteste mei
ner Kommis, daher habe ich Sie aus
gewählt, um Ihren Eollegen zu sagen,
daß ich das Verschwinden der Kassette
Niemand zur Last lege und von Aller
Unschuld überzeugt bin."
Richard Starkie erblaßte doch er
faßte sich fchn-ell und erwiderte:
„Ich freue mich, daß Robert Ac
land ferne Unschuld beweisen konnte!"
„Vollkommen!" erklärte Mr. Vyse.
„Ich habe eine sehr hohe Meinung von
Acland!"
„Ich ebenfalls. Herr Vyse." gab
Starkie mit kriechender Höflichkeit zu
rück. während er innerlich den Mann
verfluchte. „Der Gedanke, er könnte
der Dieb fein, hat mich tief beküm
mert."
„Sollte dieser Mann dennoch un
schuldig sein?" fragte sich Mr. Vyse.
„Wenn nicht, so ist feine Heuchelei ein
fach erstaunlich nun, ich werde die
Wahrheit bald herausbekommen."
„Noch Eins," fuhr Mr. Vyse fort,
Starkie fest in's Auge blickend, „und
das sage ich Ihnen allein bei dem
Diebstahl der Kassette hat der Dieb
feinen großen Vortheil gehabt. Es ist
eine ganz besondere Konstruktion mit
einem Geheimfach, in dem sich Bank
noten im Werthe von 700 Pfund be
finden. Ich hatte sie erst zwei Tage,
bevor ich bestohlen wurde, hineinge
legt."
„Natürlich haben Sie doch die
Nummern. Herr Vyse?"
„Gewiß habe ich die Nummern.
Starkie doch ein gewandter Dieb
und an der Kühnheit des Diebstahls
ersehe ich, daß ich es mit einem solchen
zu fhun hatte findet mit Leichtig
keit einen Hehler."
Als Richard Starkie zu feinen Kol
legen zurückkehrte, um ihnen den Auf
trag des Chefs auszurichten, erfüllten
ihn Haß und Habgier.
„Ich werde ihn doch noch vernich
ten!" murmelte er. „Diesmal ist et
mir entfchlüpft, ich werde mich aber
doch noch rächen. Elsie Werner wird
nie die Seine werden das schwöre ich
mir selber!"
Dunkle Nacht. Richard Starkie
stand an der kleinen Anpflanzung und
grub nach der Kassette.
„Hier habe ich sie hergelegt," mur
melte et „Hier herum muß es sein!
Ha!" rief er, und seine Hand erfaßte
etwas Metallenes, „da ist sie ja! Ich
dachte schon, ein College," er lächelte
höhnisch, „wäre mir zuvprgekommen.
Doch jetzt schnell fort, denn es ist hier
nicht geheuer. Doch bait! Was ist
das?"
Vier derbe Fäuste hatten ihn von
hinten gepackt und bevor er recht er
messen konnte, was eigentlich gesche
hen war, waren ihm von den Polizisten
schon Handfesseln angelegt.
Die Verhaftung von Richard Star
kie wurde erst bekannt, als Mr. Vy^e
sein Personal zusammenrief und dem
selben die Neuigkeit mittheilte, die Alle
von dem schweren Verdachte reinigte.
„Gleichzeitig will ich Ihnen noch
sagen, meine Herren," schloß er seine
Rede, „daß ich Starkie nie den Ge
richten übergeben haben würde, hätte
er nicht einen von Ihnen zu verdächti
gen versucht."
Wer dieser Andere war, wurde bald
darauf bekannt gleichzeitig erfuhren
die jungen Leute auch den Grund für
Starkie's Handeln, der fein Verbre
chen mit dreijähriger Zwangsarbeit
sühnen mußte.
Am Schwersten aber traf Starkie
nach feiner Entlassung die Nachricht,
daß Robert Acland mit einer bedeu
tenden Gehaltszulage in feine Stel
lung eingerückt war und mit EIrte
Werner in glücklichster Ehe lebte.
«iSverge.
Alle in New Aork einlaufenden
Dampfer berichten, daß sie auf ihrer
Reife von Europa hierher entweder
mächtigen Eisbergen begegnet, oder in
Eisfelder gelangt find, die sich meilen
weit erstreckten.
Daß sich schon Anfangs April sol-
che Eismassen so weit südlich im at
lantischen Oceant sehen lassen, ist eine
bemetkenswerthe Ausnahme, die da
rauf schließen läßt, daß dieses Jahr
die Westküste Grönlands, von der die
Eisberge kommen, durch kräftige Luft
und Meeresströmungen früher als ge
wöhnlich beleckt worden ist und die
dortigen Gletscher dal,er auch zeitlicher
„gekalbt" haben.
Der Ausdruck „gekalbt" ist nicht et
loa von uns erfunden, sondern der
gebräuchliche.
In den Polarregionen geht bekannt
lich die sogenannte Schneegrenze bis
zum Meeresniveau herab. Das Glet
schereis entsteht aus dem Firnschnee
der Gletscher und erleidet denselben
Urbildungsprozeß in den Gletschern
der Hochgebirge der mittleren Breitem,
wie in denen der Polargegenden, nur
mit dem Unterschiede, daß in den nie
deren Breiten der Gletscher sein Ende
findet, sobald er sich in seiner abwärts
gerichteten Bewegung soweit gesenkt
hat, daß das Abthauen in Folge der
Lust- und Erdwärme dem Nachschübe
von rückwärts das Gleichgewicht zu
halten vermag, während in den hohen
Breiten, z. B. in Grönland, sich im
Lause des Jahres mehr Schnee ansetzt,
als durch den sommerlichen Schmelz
prozeß verzehrt wird, also eine eigent
liche Schneegrenze sich nicht unterschei
den läßt, der Gletscher bis zum Meere
hinabreicht und in dasselbe mündet,
ja sich sogar noch unter dem Drucke
der nachschiebenden Eismassen weiter
und weitet in das Meer hinein ver
schiebt, bis ihm die feste Unterlage des
Bodens zu fehlen beginnt und et als
dann sein Ende erreicht.
In Folge des Unterschiedes zwischen
dem spezifischen Gewichte von Eis und
Wasser brechen alsdann mächtige Eis
stücke an allen jenen Stellen ab, wo der
Gletscher in einer genügenden Tiefe
vorgeschoben ist man sagt, der
Gletscher „kalbt". Diese Stücke sind
die Eisberge, welche dann von Winden
und Strömungen fortgetrieben wer
den.
Diese Eisberge sind zuweilen gto
tesk geformte Gebilde, die manchmal
bis zu 300 Fßu über den Meeresspie
gel emporragen, und weil dieser in die
Lust hinausragende Theil nur etwa
den siebten Dheil der Höhenaxe beträgt,
so sind Eisberge mit einer Gesämiftt
höhe von 1500—2000 Fuß keine Sel
tenheit. Sie enthalten viele Millio
nen Tonnen Eis und erniedrigen daher
die Temperatur des Meerwassers, wo
tin sie treiben, um ein Beträchtliches.
Eisberge schwimmen Jahre lang in
den Meeresströmungen hin und her
und man hat das Alter einzelner auf
zehn Jahre geschätzt.
Während die Eisberge im westlichen
Dheil des Nordatlantischen Oceans
zuweilen bis zum 36. Breitegrade vor
rücken, also sogar die nördliche Flanke
des Golfstroms durchbrechen, worin sie
dann allerdings rasch schmelzen, ist
noch nie ein Eisberg an das europäi
sche Gestade, selbst nicht an das un
ter dem 72. Grade liegende Nordkap
Europas getrieben worden, denn der
Golfstrom hüllt ganz Europa in einen
warmen Mantel ein und in seinen
Gewässern schmelzen die Eismassen
rasch dahin, wie der Märzenschnee in
der Frühlingssonne.
Längs der nordamerikanischenKüste
fließt aber ein kalter Meeresstrom süd
wärts dieser Strom umspült die
Bank von Neufundland und strömt
dann als „cold wall" zwischen der Kü
ste der Bet. Staaten und dem Golf
ströme bis gegen Florida.
Wie alle Gletscher, so führen auch
die Eisberge, Sand, Gerölle, oft ganze
Felsstücke mit und diese stürzen, wenn
das Eis schmelzt, zu Boden. Man hat
daher mit Recht die Bank von Neu
sundland eine Grönland'sche Schutt
ablagerung aenannt. Die längs der
Grenzlinie zwischen dem kalten und
warmen Meeresstrome liegenden Un
tiefen sind dadurch entstanden. Die
schmackhaften Fische der arktischenGe
wässer z. B. gehen nur bis zu
dieser
Beratungsstelle südlich sie scheuen
vor dem warmen Golfstrome wie vor
einer Flammenbarriere zurück, wes
halb sie auf der Bank von Neufund
land in so reicher Menge gefangen
werden.
Eisberge können Schiffen, befon
dets während der Nacht, feht gefähr
lich werden, und weil die europäischen
Dampfer auf der Ametikafahrt ihren
Curs südlich von der Neufundland
bank nehmen, fo treffen sie häufig mit
Eisbergen zusammen, welche die kalte
Strömung in ihr Fahrwasser bring
i.
Ende April und während des Monats
Mai zeigen fich die meisten Eisberge.
Am 24. Mai 1882 hat ein deutscher
Dampfer innerhalb vierundzwanzig
Stunden 351 Eisberge paffirt. Alle
Schiffe suchen die geographische Lage
sowie den Curs der Eisberge genau zu
ermitteln und fte sind angewiesen.
New Dork an das Hydrographische
Amt. in Deutschland an die Deutsche
Seewait- zu berichten. Beide Anstal
ten »etöffentlichen Eiskarten und Eis
Prognosen, und geben sie den auslau
senden Schiffen mit, damit sie vor den
auf ihren Pfaden lauernden Gefahren
auf der Hut sein künrten.
Himmlische 'Jittferittitttcn.
Die Astronomen haben die Entfer
mutigen einer Zahl von Sternen be
rechnet und gefunden, daß der uns
nächste Fixstern der Stern Alpha Cen
tauri ist, d. h. der Stern Alpha im
Bilde des Centaur, eine Sonne, die
dem südlichen Himmel angehört. Die
[er Stern ist von uns 5,511,000,000,
000 Meilen entfernt. Wäre die Erde
mit ihm durch eine Eisenbahn verbun
den, so würde ein Dampfwagen, der in
einer Stunde 12 Meilen zurücklegt,
rund 52.630.000 Jahre nöthig haben,
von uns dorthin zu kommen. Er ist
so grenzenlos weit, daß sogar das
Licht 4 ls3 Jahr Zeit nöthig hat, von
ihm zur Erde zu gelangen. Noch ent
fem ter von uns ist Sirius. Sein Ab
stand von der Erde beträgt 21,3 Bil
lionen Meilen sein Licht gelangt erst
in 16,9 Jahren zu uns. Arkturus, der
sich jetzt erst um 10 Uhr Abends am
nordöstlichen Himmel erhebt, ist 32,3
Billionen Meilen weit das Licht
braucht zur Zutiicklegung des Weges
bis zu uns 25,6 Iahte Zeit. Der doch
gewiß uns allen bekannte Polarstern
hat einen Abstand von 54 Billionen
Meilen die Lichtzeit beträgt 42,75
Jahre. Die in prachtvollem Lichte
funkelnde Kapella ist 89,2 Billionen
Meilen weit das Licht hat 70,6 Jahre
vonnöihen, ehe es zu uns gelangt.
Wega in der Leyer, die jetzt desAbends
tief unten am nördlichen Horizont
steht, ist gar 120 BillionenMeilen ent
fernt ihr Licht kommt erst in 95 Jah
ren zu uns, obschon es in unbegrei
flicher Schnelligkeit in einer einzigen
Sekunde einen Weg von 40,000 Mei
len zurücklegt. Da ist wohl Niemand,
der es fassen könnte, wenn gejagt
wird, der oder jener Stern fei ooer
120 Billionen Meilen von uns ent
fernt. Ilm uns abet bei Aufstellung
der Abstände in Meilen nicht mit gar
zu viel Ziffern zu kommen, haben die
Gelehrten bei Berechnung und Festse
tzung von Entfernungen im Bereiche
des Fixsternhimmels die Sache verein
facht und nicht nur Sonnenweiten
(eine Sonnenweite 20 Millionen
Meilen), sondern auch Lichtjahre als
Maßeinheit eingeführt.
Da nämlich das Licht in einemJah
te eine Strecke Weges von etwa 1 ls3
Billionen Meilen durcheilt, so sagt
man kurz z. B. betreffs jenes Sternes
im Centaur, er sei 4 ls3 Lichtjahre
entfernt. Sirius ist also 16,9, Arku
turus 25,6, der Polarstern 42,75, Ka
pella :d Wega 95 Lichtjahre weit
von uns entfernt. Daß wir aber auch
so die Entfernungen jener Weltkörper
nicht fassen, liegt auf der Hand von
Werth ist eben nur für uns der Um
stand, daß wir es bei Lichtjahren nicht
mit Riesenzahlen zu thun haben. Wir
gehen weiter. Von den äußersten Gren
zen der Milchstraße blicken Sterne mit
einer Entfernung von 6000 bis 7000
Lichtjahren zu uns hernieder. Nehmen
wir dort einen Weltkörper mit einer
Entfernung von 6500 Lichtjahren an!
Dies heißt also, er ist von uns 6500
Lichtjahre entfernt oder das Licht hat
6500 Jahre Zeit nöthig, um von ihm
zur Erde zu gelangen, oder der Welt
körper hat einen Abstand von 8,325,
504,000,000,000 Meilen. Aber jene
letzten Sterne des Milchstraßen Sy
stems, zu dem unsere Planetenwelt als
winzigerBestandtheil gehört, find nicht
die „alleräußersten" Weltkörper des
Universums^. Ein Milchstraßen Sy
stem nach dem andern wird vorhanden
sein. Und wenn wir Menschen uns
mit unserem Geist höhet und immer
höher ins Universum emporschwingen
und tiefer und immer tiefet ins Welt
all hineinbringen und meinen, endlich
hätten wir das „letzte", das „alleräu
ßerste" Milchstraßen System erreicht,
ja, was dann? was kommt nach
her? Jedenfalls wieder ein Etwas,
denn ein Nichts ist nicht denkbar. Da
gieb es feinen Anfang, kein Ende. Ue
berall Unendlichkeit. So findet auch
in dieser Hinsicht das Wort des Dich
tets Anwendung: „Wenn ich dies
Wunder fassen will, so steht mein Geist
vor Ehrfurcht still."
Der aet» des Me»le«vurger«.
Das mecklenburgische Staatsmini
sterium giebt den amtlichen Bericht
über das Ableben des Großherzogs be
kannt. Darin heißt es: „Am 10.
April war im Laufe des Tages die
Herzschwäche in solchem Grade gestie
gen, daß die Aerzte mit Bestimmtheit
erwarteten, der Patient werde die
Nacht kaum überleben. Der Patient,
welcher viel durch Unruhe gelitten hat
te, fühlte Abends 7 ls2 Uhr Ruhebe
diitsniß und wünschte, wie in solchem
Fall regelmäßig, allein gelassen zu
werden. Der Großherzog suchte Schlaf
im Rollstuhl sitzend. Der Ayt und
die Dienet zogen sich zurück, lauschten
aber im Gange auf den Athem des Pa
tienten, der deutlich zuerst alß beklom-
men. dann ruhiger hörbar war. Ali*
nach einiger Zeit der Athen» nicht mehr
vernommen wurde, trat der Arzt, das
Ende befürchtend, in das Zimmer und
fand es leev. Zugleich brachte ein Die
ner die Nachricht, daß der Großjherzog
auf dem Wege vor der Villa liegend
gefunden worden fei kurz daraus
wurde der Großherzog in schwer ver
letztem Zustande ihereingetragen. Der
Großherzog hatte augenscheinlich, loiu
er öfter bei seiner furchtbaren Aiheni
noth zu thun pflegte, freie Luft gesucht,
war so in sehr geschwächtem Zustande
in den Garten getaumelt und ist über
die nur tomige Schritte von der Thür
entfernte niedrige Umfassungsmauer
auf die in bedeutender Tiefe darunter
führende Straße gestürzt. Dort fan
den ihn die Frau des Gärtners lind
der Kammerdiener Gazzot". Als er
ins Zimmer gebracht war, konstatirten
die Aerzte eine Verletzung des Rüd
grates. Inzwischen waren die An
gehörigen an das Lager des Großher
zogs geeilt. Dieser richtete an die An
gehörigen und den Prinzen und die
Prinzessin Reuß noch Worte der Lie
be, umarmte seinen Sohn und ver
schied sanft nach einer Stunde.
Der genaue Bericht über die hier
geschilderten näheren Umstände, unter
denen das Ableben des Großherzogs
erfolgte, ist von dem Rittmeister von
Kap-Herr nach Schwerin überbracht
worden. Et gründet sich auf den Be
richt der Aerzte Dt. Müller und Dr.
Haun, der im Wortlaut beigefügt ist
wenigstens deckt er sich mit ihm inhalt
lich vollständig. Einem Bericht de
Freiherrn von Maltzahn, der sich in
der nächsten Umgebung des Großher
zogs befand und in der letzten Stunde
im Sterbezimmer anwesend war, ist
noch Folgendes zu entnehmen: Der
Gärtner der Villa Favorite, welche dcr
Villa Wenden gegenüber liegt, und
dessen Frau hörten Hülferufe auf )ec
Straße und fanden dort den vcoß
herzog liegen. Auf Befragen ant»voe
tete Letzterer: „J'ai voulu prendre
l'air et suis tombe par le mur". Dem
Kammerdiener Gazzow, welcher unge
fähr 7 Uhr 40 Min. zufällig dieStra
ße entlang kam, sagte der Großherzog:
„Gazzow, wie komme ich hierher?"'
Der Großherzog wurde nun in d':e
Villa getragen und zunächst in feinem
Wohnzimmer auf den Rollstuhl, dann
feht bald in das Bett gelegt. Er ent
schlief nach heftigen Schmerzen sanft
um 8 Uhr 40 Min. Der Großherzog
war bei vollem Bewußtsein und :r
kannte die am Bett Anwesenden,
nannte sie auch verschiedentlich beim
Namen.
Der «uftmagen als Muse«»
Was man alles in Thiermägen sin
den kann, darüber gab Herr g)oung,
Vormann in don Union-Viehhösen zu
Chicago, unlängst erbaulicheAuskunft.
Herr Uoung trägt an einem Finger
der rechten Hand einen schweren Gold
ring mit den Initialen „F. W." Der
Ring wurde in dem Magen einer ge
schlachteten Kuh entdeckt. Er zeigt an
der einen Kante eine Kerbe, von den
Zähnen des Thieres beim Verschlucken
des Kleinodes herrührend. Wer der
ehemalige Eigentümer des Ringes
Mzq Bunoß -jhnu uvm sa,
tir ganze Sammlung von in Thier
mägen gefundenen Gegenständen, als
da zum Beispiel sind: eine Uhrkette mit
einem kleinen Feder messet alsAnhcing
sel eine bronzene Medaille, auf wel
cher der Name „Kosciusko" noch les
bar ist ein gespaltener Haken von
acht Zoll Länge ein Pferdeschienbein
von 12 Zoll Länge und nahezu zwei
Zoll im Durchmesser ein Heugabelzin
ken der Boden eines schweren Bier
glases ferner Schnallen. Knöpfe, Na
dein Hüte voll Nägel jeder Größe,
und so weitet. Ein gewöhnlichesVor
kommniß bildet der Fund von Haar
ballen in Thiermägen. Sie rangiren
in der Größe von einem Marmorspiel
kügelchen bis zu der eines gewöhnli
chen Fußballes, sind, wenn man fte
entdeckt, hart wie Holz, fast völlig rund
und so glatt, daß nichts ihren Inhalt
andeutet, bevor man die Ballen aus
bricht. Diese Haarballen entstehen
auf folgende Weife:
Im Frühjahr, wenn das Vieh sich
härt, pflegen die Thiete, Wahlschein
Itch angezogen durch die salzige Po
tenausschwitzuiig, sich gegenseitig zu
belecken. Dadurch lösen sich die Haa
re und wandern in den Magen des
leckenden Rindes, wo sie, weil unver
baulich, sich zu Ballen formen, die in
Folge erneuter Haarzufuhr bis zu et
item unbestimmten Umfange anwach-,
sen können. Man findet deshalb auch
in der Regel in den Mägen älterer
Schlachtthiere größere Haarballen, in
den Mägen jüngeren Viehs kleinere.
Was die Threre zum Verschlingen un
verdaulicher fremder Substanzen ver
anlaßt, ist schwer zu sagen Letztere
mögen in einer« Weise unter das Futter
gelangen, daß es dem Thiete unmög
lich ist, sie wieder auszubrechen. So
lange es sich hierbei nur um gewöhnli
che Dinge handelt, scheint auch keine
Gefahr vorzuliegen. Man hat keine
Anzeichen, dafür, daß dieselben den
Thieren eine Krankheit verursachten.
Anders ist es natürlich, wenn Nägel,
Heugabelzinken und andere derartige
spitze Gegenstände in den Magen ge
rächen. Dieselben Halen die Neigung,
durch die Magenwände nach der Herz
gegend vorzudringen, so leicht fatal«
Folgen herbeiführen o. Und doch hat
man auch Beispiele, daß selbst solche
Dinge dem Tytere augenscheinlich iei»
itert Schaden verursachten. 5i)et er
wähnte Vormann Aoung fand einmal
in der Schulter eines geschlachteten
jungen Bullen ein Fleischermesser mit
zehn Zoll langer Klinge, die sich weit
aus dein Magen hinauSgearbertet hat
te, daß die Spitze fast schon die Haut
durchbohrte. Nachweisbar hatte das
Thier das Messer schon seit mehreren
Iahten im Körper. Von sonstigen in
Thiermägen gefundenen Dingen seien
noch angerührt: Löffel, Austernschalen.
Draht von HeubaUen. Salzsacke und
Münzen. Einen stählernen Rechen
zahn, in der Form eines zusammen
gebogen und sünfAchtel Zoll imDurch
messer haltend, barg der Magen einer
vor mehreren Jahren in Chicago ge
schlachteten Kuh. Der Rechenzcchn
prangt jetzt unter den Schaugegenstän
den des dortigen Columbian-Museum.
Just 34 Pfund glatte Steine, von der
Größe einer Kastanie bis zu der eines
Thürknaufes, entfernte man seinerZeit
aus dem Magen eines geschlachteten
jungen Stieres. Das Thier hatte, so
nimmt man an, vielleicht Salz an den
Steinen gefunden und sie fernem Ma
gen einverleibt oder auch an einem
rauhen oder gebrochenen Zahne gelit
ten und Heilung durch Kauen der Kie
fel gesucht. Ein Thiermagen in der
Windstadt enthielt eine vollständig un
beschädigte Goldmedaille, auf welcher
der Name und die Adresse eines jun
gen Frauenzimmers in einer texikani
fchen Stadt zu lesen war. Die Dame
hatte ihrer Zeit die Medaille als Zog
ling einer Schule empfangen und er
hielt das Andenken nun von Chicago
wieder übersandt.
Da, wie gesagt, in den Thiermägen
nicht selten auch Münzen jeden Ncnit
werthes gefunden werden, so wird es
einem begreiflich, wenn Herr $ouitg
das Schlachten einer von einer Milch
farm kommenden Heerde eine Lotterte
nennt. Für diese Arbeit werden" Die
Nachmittage verwandt, wobei dieAus
ficht auf einen etwaigen toerthvollen
Fund für die bereits ermüdeten Arbet
ter einen neuen Ansporn bildet. Letz
teres, so meint Herr Aoung launig,
wird so lange der Fall bleiben, 6h vie
Farmer sich zur Höhe der Situation
auffchwingen und ein Brechmittel für
Rinbvieh brauen oder ein Instrument
anfertigen, welches ihnen zeigt, welch'
Art Eifenwaaren- oder Juwelenladen
jede Kuh in der Hürde in ihrem j,
Innern birgt.
Der für die Municipality von
Apia ernannte neue deutsche Präsident
Dv. Raffel wird in diesem Monat die
Reise nach Samoa antreten. Er wird
die Reise durch Nordamerika machen
und sich, gleich seinen Vorgängern, erst
in London und dann in Washington
bei den Regierungen vorstellen. Der
muetnannte Oberrichter Chambers
wird wohl vorher nach Samoa abrei
sen, so daß die nächste, dritte, Verwal
tungspevwde auf Grund des Samoa
Verlages Von 1889 im Frühjahr ihren
Anfang nimmt während sie bisher
stets im Herbste begann. Die beiden in
teimationailen Beamtem werden immer
auf drei Jahre verpflichtet. Die Anzei.
ge von der lange hinausgeschobenen
Ernennung des Mr. Chambers erfolg
te von Washington aus. zur Zeit des
Präsidenten Wechsels Anfang März
telegraphisch, und die beiden anderen
Vertragsmächte wurden auch zu tele
graphischer Antwort aufgefordert.
In Garmisch starb nach kurzem,
jedoch schwerem Leiden der in Touti
ftenkrdifen weitbekannte Bergführer
Johann Ostler, „Koserhannes". Vor
Kurzem wurde er von einer Kuh ijn's
Gesicht gestoßen und verletzt er be
achtete jedoch die Wunde nicht genü
gend, sondern giny noch einige Tage
seiner Arbeilt nach, bis sich der Zustand
verschlimmerte und ärztliche Hilfe zu
spät war. Eine Blutvergiftung mach
te dem Leben des kräftigen Mannes
nach schmerzlichem Läden ein End«.
Poser war lange Jahre Obmann der
Bergführer in Garmisch. Ueber 500
Mal hatte er den Gipfel der Zugspitze
bestiegen und die sich ihm Anvertrauen
den sicher und ungefährdet geleitet.
Fast alle Bergspitzen der Umgegend
hat Koser betreten. Bei den Touri
sten, Damen wie Herren, war er eine
beliebte, g. gesehene und mit Vorlie
be als Führer begehrte Persönlichkeit.
Kosler hinterläßt eine zahlreiche Fami
lie auch seine Sohne haben den Berg
fiihrtt'tieruf erwählt.
Ein echter Kavallerist. Lieute
nant (noch in den Flitterwochen, kommt
etwas verspätet zum Frühstückstische,
an dem ihn schon seine junge Frau
tttoariet. Johann ist an dem Buffet be
schäftigt): „Guten Morgen, guten
Morgen Johann, wie geht's den
Pferden und Dir, liebes Kind?"
Verrathen. „Kinder, kennt Ihr den
Mann dort nicht? Er kommt mir so
bekannt von." „Freilich, Batet, 's
ja der Gerichtsvollzieher!"

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