OCR Interpretation


Der fortschritt. (New Ulm, Minn.) 1891-1915, May 12, 1897, Image 2

Image and text provided by Minnesota Historical Society; Saint Paul, MN

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn89064940/1897-05-12/ed-1/seq-2/

What is OCR?


Thumbnail for

Fortsckritt.
Ernst Brandt, Eigenthiimer.
Urn Miw,
Jnlan
I a
gleiste ein electrifcher Straßenbahn
wagon und stürzte in die Tiefe. Drei
Passagiere verloren Gr Leben und
mehrere wurden verwundet.
Bei a s. Me. wur
den John L. Lane, nebst Frau und
Kind in einem Hotel erschossen aufge
funden. Man vermu-thet Doppelmord
und Selbstmord.
a
hat im ver
gangenen Jahr für $17,181,562 in
Gold und $422,436 in Silber pro
ducirt. Eine sehr zufriedenstellende
Ausbeute.
Im Setzersaal des Evening He
raid in h, Minn., ist rin Feu
er ausgebrochen, welches die Linotype
Maschinen zerstört« und einen Schaden
von $30,000 verursachte.
Unter den Beamten der ver
krachten Globe Savings Bank in
Chicagohat die Grand Jury eine
Auslese gehalten und fünf davon in
Anklagezustand versetzt. Die Zahl der
Anklagen ist 29, davon 14 allein gegen
Spalding.
Einen merkwürdigen Fang
machte der Trapper H. C. Aalden, der
in einem See bei E x, Conn., ei
itc Otternfalle aufgestellt hatte. Als
er nach der Falle sah, fand er in der
selben keine Otter wohl aber einen
vierpfündiigen Hecht.
lieber 18,000 Zuschauer wohn
ten dem ersten Baseballspiel dieser
Saison in Philadelphia bei.
Es war dies eine Sensation für die
ganze Stadt und nach den Meldun
gen stimmen diese alle darin überein,
daß die Aufregung, die dabei herrschte,
in der Stadt der Bruderliebe eine ganz
ungeheure war.
Edward Lower? der wegen Fäl-
schungen feit einem Monat Gesuchte,
wurde in a vom Patrol
mann Sullivan verhaftet. Lower zog
einen Revolver und schoß den Polizi
Pen in die Leiste. Trotz dieser Ver
wundung hielt der Beamte feinen Ge
fangenen fest, bis Hülfe herbeikam.
Die schwersten Locomotiven
sind die zwölfräderigen Berglocomoti
ven der vexikanüschen Central Ei
sen bahn, welche ohne Tender 104 Ton
nen wiegen und deren acht gekuppelte
Räder mit 88 Tonnen belastet sind.
Der größte Raddruck beträgt hiernach
11 Tonnen, während derselbe $. B.
bei den deutschen Locomotiven 7 Ton
nen nicht übersteigen darf.
In den angeschwollenen Finthen
a a
Missouri fanden Frau Brugg, ihre
beiden Kinder und ein junges Mäd
chen, Namens Minnie Frazer, den
Tod. Dem Farmer John Johnson,
der sie über den Bach hatte fahren wol
len. gelang es, das Ufer zu erreichen.
Die Legislatur des Staates
N hat $1,000,000 zum
Ankauf von Waldland in den Adi
rondacks bewilligt. Man will den dort
noch vorhandenen Holzbestand vor
Vernichtung bewahren und damit den
Wasserzufluß des Hudson regeln und
zugleich der Ausrottung des noch vor
handelten Wildes vorbeugen. Selten
Hat eine Million Dollars nutzbringen
dere Verwendung gesunden.
Der Schatzmeister von Trum
Hull County. O., erhielt in einem
"Briefe ohne Unterschrift eine größere
'Summe hinterzogetter Steuern. Der
runbekannte Absender bemerkte in dem
Schreiben, daß es ihm rathsamer er
scheine, die Steuern fteiwilligg zu ent
richten, als daß er gesi tzkich dazu ge
zwungen werden würde.
Ein braver Kentuckyer hat das
Courthouse eines alten Town von
Ohio für den Betrag von zehn Dol
lars auf dem Abbruch erstanden. Nicht
das Holz, noch die Ziegeln reizten ihn
zum Kaufe, sondern die Nachricht, daß
eine Flasche guter alter Whiskey in
dem Grundstein eingemauert worden
sei, als das Courthouse errichtet wur
de. Den Schnaps zu erlangen hat der
Kentückyer das ganze Gebäude ersten
den.
Eine junge, neueingewanderte
Polin, deren Name Rosa Klecz sein
soll, ist auf der Eisenbahnfahrt von
New Jork nach Buffalo in der Nähe
von ch e, N. N-, durch Ab
stürz oder absichtliches Abspringen von
der Hinteren Plattform eines Wagens
sehr schwer verletzt worden. Man
fand sie bewußtlos auf, doch wird sie
wahrscheinlich am Leben bleiben. Man
hält es für möglich, daß sie durch Ab
springen von dem Wagen ihrem Leben
ein Ende machen wollte.
Bei einem Streite zwischen zwei
14-jährigen Zeitungsjungen in n
a i, Robert Simms und Ja
mes Bvone mit Namen, versetzte der
Letztere dem Simms einen Schlag
mit einem stumpfen Ggenstand über
den Kopf, der denselben bewußtlos
machte. Während Wiederbelebungsver­
suche angestellt wurden, entfloh Boone.
Simms wurde w's städtische Hospi
tat gebracht, wo eine Untersuchung ei
ne Gehirn Erschütterung feststellte,
die wahrscheinlich den Tod des Jun»
gen herbeiführen wird.
Wilde Aufregung wurde in ei
ner Neger kirche zu a h. S. C.»
in Folge eitteS merkwürdigen Unfalles,
hervorgerufen. Der Wollkopf Jonah
Crosby hatte sich, mit einem geladenen
Revolver in der Hüftentasche, in die
Kirche begeben, und dort wurde ihm
das Schießeifen unbequem. Während
er im Begriff stand, dasselbe in eine
andere Tasche zu stecken, entlud sich ein
Schuß und die Kuigel fuhr dem Man
ne in den Oberschenkel.. Eine schier un
beschreibliche Szene folgte. In dem
Glauben, daß der Schuß das Präludi
um zu einem echt südlichen Intermezzo
wäre, zogen die Männer Revolver und
Rasirmesser. während die Weiber tjnd
Kinder laut schreiend dem Ausgange
zuströmten. Glücklicherweise wurde die
Ursache des Schusses bald ermittelt
und Blutvergießen verhütet.
Ein schwerer Schicksalsschlag hat
Christopher Waechter. einen bekann
ten Deutschen der Stadt s
bürg betroffen. Waechter. der erst
seit drei Jahren verheiratet ist, fuhr
mit seiner Gattin, seinem zwei Jahre
alten Sohne und dem zwei Monate
alten Töchterchen in einer offenen Kut
sche die 2. Avenue entlang, als das
Pferd plötzlich vor einer in der Nähe
passirenden Lokomotive scheute und
durchbrannte. Die Kutsche wurde von
einer elektrischen Straßen Car ge
troffen und vollständig zerschmettert.
Waechter wurde mit seinem Söhnchen
auf die Straße geschleudert und erlitt
lebensgefährliche Verletzungen, wäh
rend der Knabe unversehrt blieb. Frau
Waechter fiel mit ihrem kleinen Mäb
chen kopfüber auf das Straßenpfla
ster und beide wurden mit zerschmet
terten Schädeln als Leichen aufgeho*
ben
Heber ein Lynchgericht eigener
Art wird aus a e. O.. be
richtet: Frau Michael Hohenberger.
welche fünf Meilen von hier wohnt,
fand eine große englische Dogge, die
daran war, in einem Hühnerstall zu
räubern, und versuchte, sie wegzutrei
ben. Das Thier warf sie nieder, biß
sie und zerfleifchte sie garstig. Als die
Frau schon bewußtlos war, kam Hül
fe herbei. Der Gatte der Frau sagte.
Erschießen fei zu gut für die Bestie.
Er rief daher ein Dutzend feiner Nach
barn zusammen, und der Hund wurde
an eittem Querbalken in der Scheune
aufgehängt' und langsam erdrosselt,
während die „Lynchet" zugleich von
allen Seiten mit Peitschen auf ihn ein
hieben, bis er ganz blutüberströmt
war. Der Zustand der Frau Höhender
get ist etin kritischer.
Graf Manfred Matufchka,
Frhv. von Toppolczan und Spaetgen,
hält sich gegenwärtig in t,
Mich., auf, um feine im Juni bevorste
hende Hochzeit mit Ellen Walker,
Tochter von Frederick Walker von der
Millionär Whiskey Firma Hiram
Walker & Söhne in Walkerville, nahe
bei Windsor, in Canada, vorzuberei
ten. Oraf Matufchka ist Reserve-Lieu
tenattt im Kgl. Preuß. Regiment« der
Gardes Du Corps und ein stattlicher
junger Mann, von 28 Lenzen, der die
Abstammung seiner Familie als un
garisch angiebt, von der Zeit her, da
die sogenannen Hunnen im 12. Jahr
hundert durch Schlesien zogen. Man
schätzt, daß der Alte, Hiram Walker,
ewige dreißig Millionen als Nachlas
fenfchaft für feine sechs Kinder übrig
hat.
Die Mannschaft und Passagie
re der in S a Francisco einge
troffenen Dampfers „Walla Walla"
genossen, während der Dampfer sich in
dichtem Nebel bis auf etwa 18 Meilen
der Küste genähert hatte, einen selte
nen Anblick, indem ein großer
Schwärm Kolibris, durch die Lichter
in den Cajüten angelockt, sich auf dem
Schiffe niederließ. Die kleinen buntge
fiederten Thierchen waren so schwach
und von der Kälte erstarrt, daß sie sich
leicht fangen ließen. Nach den Angaben
des Capitäns muß die Zahl der Thier
chen wenigstens dreihundert betragen
haben. Sie wurden von der Mann
fchafi und den Passagieren mit Brot
krumen gefüttert und mit Zuckerwasser
getränkt und hielten sich bis zum An
bruche des Morgens in der Nähe des
Schiffes auf. Der Kapitän des Dam
pfers hat etwa zehn der Thierchen ein»
gefangen und zum Beweise dafür, daß
die Kolibris keine „Enten" waren, in
einem Käfig mitgebracht.
Aus Wilmington, O.,
wird berichtet, daß Andy R. Shidaker,
ein wohlhabender Farmer und Politi
fer, von zwei Confidenz Schwind
lern, die ihre Namen als John H. Ry
an und C. C. May von Kenia anga
ben, um $100 beschwindelt worden fei.
Die Schwindler offerirten dem Far
mer falsches Geld zum Kauf, und er
mußte ihnen zuerst $100 vorzeigen als
Beweis, daß es ihm mit dem Geschäft
ernst fei. Die Kerle zählten das Geld,
legten es darauf scheinbar in ein Cou
vert und versiegelten dieses, worauf
sie sich entfernten und dem Farmer
sagten, daß er daS Convert mit dem
Oelde behalten solle, bis das
Packet mit dem falschen
Geld ankommen. Shidaker off
nett das Convert, fand aber nur eint»
ge Stücke braunen Packpapiers in dem
selben. Daraufhin ließ er einen Ver
haftsbefehl gegen die Beiden ausfiel
len und sie wurden auch bald darauf
in genta verhaftet.
Am letzten Freitag wurde in
Newport „auf der Straße,'
wie es im Börsen Jargon heißt, ein
Verkauf von Aktien der „Standard
Oil Co." zu 300 abgeschlossen. Es ist
dies der Höchste jemals für die Aktien
des Erdöl Monopols bezahlte Preis,
welcher durch die Thatfache erklärlich
wird, daß der Kurs innerhalb der letz
ten Monate um ca. 40
Points
in die
Höhe gegangen ist. Die Standard Oil
Aktien, welche gegenwärtig einen hö
Heren Kurs als alle anderen söge
nannten TrustAktien haben, werfen
eine regelmäßige Jahres Dividende
von 12 Procent ab. Innerhalb der
letzten 15 Monate hat diese Dividen
de, infolge der Erklärung von Extra
Dividenden, die Höhe von 40 Proceni
erreicht. Diese Thatfache, in Verbin
dung mit dem Gerüchte, daß in der
nächsten Sitzung des Direktoriums au
ßer der gewöhnlichen Quartals- Divi
dende von drei Procent abermals eine
Extra Dividende von wenigstens 10
Procent erklärt werden würde, sind
die Ursachen für das ungewöhnliche
(Steigen des Kurfes der Aktien.
Die Entscheidung des Oberöun
desgerichtes, welcke nicht licentürte
Hunde nicht als Eigenthum, sondern
für vogelfrei erklärt, wird vielfach
fcharf getadelt. Es handelte sich in dem
Falle um eine Schadenersatzklage,
welche Geo. W. Senitell jun. gegen die
New Orleans- und Carrollton Bahn
anstrengte, weil sein Neufundländer,
ein prachtvolles Thier im Werthe von
$200, von einer Car der Gefellschaft
überfahren und getödtet worden war.
Die Gesellschaft machte geltend, daß
laut eines Staats- Gesetzes von Lon
lisiana Hunde nur dann als persönli
ches Eigenthum anerkannt werden,
wenn sie versteuert sind. Das war aber
mit besagtem Hunde nicht der Fall.
Der Prozeß durchlief alle Instanzen
und endete im Ober Bundesgerichte
damit, daß die Constitutionalität des
Gesetzes anerkannt und die Schadener
satzklage abgewiesen wurde. Richter
Brown erklärt in der von ihm verfaß
ten Entscheidung, daß ein Hund als
„Mittelding zwischen wilden und
Haussieren" nur „unvollkommenes
Eigenthum" sei, wie Katzen, Papagei
en, Affen, Singvögel u. f. w.
Die beiden aus Bremen, resp.
Havre in N York eingetroffenen
Dampfer „Weimar" und „La Gas
cogtte" hatten zu berichten, daß je ei
ner ihrer Zwischendecks Passagiere
während der Reise Selbstmord began
gen habe. Unter den Passagieren der
„Weimar" befand sich' der 35 Jahre
alte Gottlieb Sturm, der in Amerika
geboren war. Derselbe hatte Verwand
te tin Deutschland besucht und befand
sich auf der Rückreife nach feiner Hei
math im Westen. Der Mann schien
geistig fehr niedergedrückt zu fein, m.d
am Morgen des zweiten Tages, nach
dem der Dampfer von Bremen abge
fahren, sprang Sturm plötzlich über
Bord und ertrank. Der Dampfer
wurde angehalten und ein Boot aus
gesetzt, welchem es gelang, die Leiche
aufzufischen. Dieselbe wurde am
nächsten Tage in's Meer versenkt.
Unter den Zwischendecks Passagie
ren des am 17. April von Havre abge
fahrenen Dampfers „La Gascogne"
befand sich der 29 Jahre alte Ungar
Rudolph Silbnacht. Derselbe wurde
am dritten Tage der Reife vermißt,
und man glaubt', daß er am Mittwoch
oder Donnerstag v. W. über Bord ge
fprungen ist. Niemand an Bord
kannte den Mann.
In N a st e, Pa.. jagte
sich L. Genkinger, ein iin weiten Krei
sen bekannter früherer Brauereibesi
tzer, einer Anwandlung von Lebens
Überdruß eine Kugel in den Kopf. Er
wurde in einer zur Standard.- Brau
erei gehörigen Scheune in sterbenden»
Zustande aufgefunden. Genkinger war
vor 10 Jahren Besitzer der größten
Brauerei der Stadt, et gerieth jedoch
in finanzielle Schwierigkeiten und
sein Besitzthum wurde vom Sheriff
verkauft. Er richtete sodann eine
Wirtschaft ein. Doch das Unglück ver
folgte ihn auch hiier, und mit der
Wirthfchaft ging es, wie es mit der
Brauerei ergangen. Später eröffnete
Genkinger eine Wirthfchaft in Aoung
sione, O. Er wurde aber in einen Be
stechungsfall verwickelt und befand sich
über zwei Monate im Gewahrsam des
Sheriffs von Mahoning County,
während vor dem Gouverneur von
Ohio und den« Gerichten über seine
Auslieferung nach Pennsylvania ar
gumentirt wurde. Nachdem die Angele
genheit beigelegt worden war, kehrte
er freiwillig nach New Castle zurück
und wurde zur Bezahlung der Kosten
herangezogen. Später nahm er in der
Brauerei, die einst sein Eigen tihum
gewesen, einen Clerkposien an. Ger­
linger war ein in seinem Fach durch
au» tüchtiger Mann und war allge
mein beliebt.
Zwei Jndianerknaben in Nord
Dakota. Paul Holytrack und Philip
Ireland mit Namen, haben den Be-
Hörden eingestanden, daß sie bei der
Ermordung der Familie Spieet ihre
Hand im Spiele gehabt. Die beiden
Knaben, die sich in N a
im Gewahrsam befinden, haben gegen
zwei Halbblut Indianer. Namens
Black Hawk und Cadotte, die bereits
früher verhaftet worden waren, sehr
belastend« Aussagen gemacht. Sie er
klären, daß der Mord einige Wochen
vor der Ausführung bereits geplant
gewesen sei. Unter Führung des Black
Hawk seien sie am Tage des Mordes
alle vier nach Spicer's Wohnsitz ge
gangen, die beiden Knaben in 8 Haus,
die Halbindianer in die Scheune, wo
sie Spicer gebunden hätten. Black
Hawk habe letzteren sodann erschossen
und ihm mit einet Axt den Schädel
gespalten. Cadotte sei sodann w's
Haus gegangen und habe Frau Spicer
unter dem Vorgeben, daß.ihr Mann
krank, in die Scheune gelockt, wo er ihr
eine Heugabel dutch's Hetz gestoßen
habe. Sodann seien die beiden Unhol
de w's Haus gegangen, wo Holytrack
mit Frau Rouse in fürchterlichem
Ringen begriffen war. Cadotte habe
dem Kampfe ein Ende gemacht, indem
er zuerst die beiden Zwillingskinder
und dann Frau Rouse mit Axthieben
tödete. Holytrack schändete hierauf die
blutüberströmte Leiche der Frau
Rouse und Black Hawk diejenige der
Frau Spicev. Mit $62 in baatetn
Oelde machten sich dann die menschli
chen Bestien aus dem ©taube.
Einer der größten jemals im
Zollamte präserttirten Checks wurde
am letzten April seitens des Kassirers
N l-
amtes in Empfang genommen der
für Zuckerzölle ausgestellte Check des
Zucker -Trusts lautete auf den kolos
salen Betrag von $350,725.16. Der
letzte FreÄag war im Zollamte auch in
sofern ein denkwürdiger, als die für
Einklarirungen und Zurückziehungen
zollpflichtiger Maaren erlaubte Frist
um fast eine Stunde verlängert wurde.
Bis zur letzten Minute war der An
drang von Maklern und Importeurs
im Kafstrer Departement ein gewal
tiger. Die eingegangenen Zölle auf
Zucker bezifferten sich auf $600,000
und diejenigen für Tabak auf ebenso
viel. Der Gesamtbetrag an Zöllen
für vom Zollspeicher zurückgezogene
Maaren belief sich auf $1,277,606.50.
Es wurden im Ganzen 1132 Einkla
rirungen gemacht. Die Einnahmen be
trugen $2,408,829.12, der größte feit
dem 15. März d. I., an welchem Tage
derselbe die Höhe von $2,667,979.51
erreichte, eingegangene Betrag. Die
Gesammt Zolleinkünste in New
Aork für den Monat April belaufen
sich auf $17,711,362.97.
Daß auch in unserer Bundes
Marine das deutsche Element in wür
diger Weise repräfenitirt ist, erhellt
aus der soeben erfolgten Ernennung
des Capitän Albert Kautz zum Como
dote. Ein Bruder des verstorbenen
Generals Kautz von der Bundes -Ar
mee, trait er im Jahre 1854 in die Ma
rine Akademie zu Annapolis und
machte den Bürgerkrieg als Lieutenant
mit. Als er im Juni 1861 die geka
perte Brigg „Hannah Balch" in den
Hafen bringen wollte, fiel er dem Ka
perschiff der Conföderirten „Winslow"
in die Hände und wurde gefangen. Im
Oktober desselben Jahres wur
de er vom „Castle Thunder"
auf Ehrenwort freigelassen, um bei
Präsident Lincoln zu Gunsten der
Auswechselung von Kriegsgefangenen
vorstellig zu werden. Allein weder der
Präsident, noch die Sectetäre Seward
und Welles wollten1 etwas davon wis
sen und Lieutenant Kautz mußte sich
wieder den Conföderirten stellen. Bald
darauf wurde die Auswechselung doch
«jmgeführt und die Marine Offiziere
Kaut», Worden sowie Selben waren
die Ersten, die dadurch ihre Freiheit
erlangtem Im Jahre 1862 nahm
Lieutenant Kautz unter Capiiän Far
tagut an der Eroberung von New Or
leans Theil und ihm wurde die Auf
gäbe, die Flagge des Staates Loutisia
na von der City Hall in New Orleans
zu entfernen und die Bundesflagge auf
dem Zollhaufe aufzuziehen. Im Jah
re 1865 wurde er Lieutenant Com
mander, 1872 Commander, 1885 Ca
pitan und seit fünf Jahren ist er in
Charlestown stationirt.
Die französische Brigantine
„Amede," Capiiän Forting. von S t.
Malo, welche am Samstag in S t.
Pierre anlangte, brachte vier wei
tere Fischer von der Brigantine „Vail
lant" mit, welche an den Grano
Bants infolge der Collision mit einem
Eisberg am 14. April untergegangen
war. Die vier sind die einzigen über
lebenden Insassen eines der vier Ret
tungsboote, welche zur Zeit der Ka
tastrophe herabgelassen wurden, die
anderen siebzehn, darunter der Capi
tän, erlagen den Entbehrungen und
der Kälte und ihre Leichen wurden
über Bord geworfen,. Die Leiden, wel
che die Aermsien durchzumachen hat
ten, waren vielleicht noch schlimmer
als diejenigen ihrer vom „Victor Eu­
gene" geretteten Kameraden, welche sich
gleich Cannibafen von Leichen ernähr
ten. Ohne Wasser, Nahrungsmittel,
Ruder und Segel hatten sie sich, den
Tod vor Augen sehend, auf's Meer
hinaus gewagt und sahen sich genö
thigl, mit dem rohen Fleische
K.,
eines
Hundes, den sie mitgenommen, ihren
Hunger und mit seinem Blut ihren
Durst zu stillen. Dabei balgten sie sich
noch um die ekelhaften Rationen, wie
sie sich schon um Plätze auf dem schwa
chen Rettungsboot gebalgt, als vor ih
ren Augen etwa 30 Mann mit dem
Schifft untergingen. Den vier lieber«
lebenden hatte die Kälte ebenfalls ent
setzlich mitgespielt. Zwei von ihnen
werden sämmtliche Glieder, den ande
ten die Füße amputirt werden müssen.
Als sie des rettenden Schiffes ansich
tig wurden, hatten sie kaum noch
Kraft genug zu einem Nothfchrei.
vom Congretz.
3. a i.
Im Senate wurde die Freie
Heimstätte Bill berathen. Morgan,
Ala., reichte eine Resolution ein, daß
alle bis 1900 nickt besiedelten öffentli
chen Ländereien, den verschiedenen
Staaten und Territorien zugewiesen
werden sollen. Nach einer animirten
Debatte mit Tillmann. S. Car., zog
et die Resolution wieder zurück. Be
schlössen wurde, morgen Nachmittag
die Bill zur Abstimmung zu bringen.
Chandler, N. H.. reichte eine Bill ew,
zur Deckung desDefizits $50,000,000
Schuldscheine auszugeben. In Ere
cutivsitzung wurde über den Schieds
gerichtsvertrag berathen.
Im a griff Simpson, Kas.,
ten Sprecher Reed heftig an, weil die
ser die Comites- nicht ernannt habe.
Das Haus verwarf aber mit 124 ge
gen 52 Stimmen eine von Lewis,
Wash., eingereichte Resolution, durch
welche der Sprecher aufgefordert wird,
die Ausschlüsse zu ernennen. Bewilligt
wurden $50,000 für den Weltpost
Congreß.
4. a i.
Der Senat nahm heute mit 42
gegen 11 Stimmen die freie Heimstät
te-Bill an. Die Tariifbill wurde vom
Fwanzcomite ewberichtet, allerdings
in einer von der Dingley-Bill wesent
lich verschiedenen Form. Die Sundry
Civilbill wurde berathen. Es folgte
eine Executiv-Sitzung.
5. a i.
Der Senat nahm heute nach einet
lebhaften Debatte die angekündigteAb
stimmung über den Schiedsgerichts
Vertrag mit England vor. Derselbe
wurde verworfen, da keine Zweidrittel
Mdhtheit von Stimmen für den Ver
trag abgegeben wurde, sondern nur
43 gegen 26. während 19 Senatoren
abgepaart waren oder fehlten. Für den
Vertrag stimmten: Allison. Bacon,
Burrows. Cullom, Davis, Deboe,
Fairbanks, Faulkner, Foraker, Frye,
Gallinger. Gear, Gray. Haie, Hanna.
Hawley, Hoar, Lindsay, Lodge, Mc
Bride, McEnery, McMillan, Mit
chell. Morrill. Nelson. Pasco, Perkins.
Platt (Conn.), Platt (N. Y.). Prit
chatd. .Proctor, Smith, Spoonet,
Thurston, Turpie. Vest. Walthall,
Watren, Wellington, Wetmore, 2öil*
son —46. Gegen den Vertrag stimm
ten Bake?, Bate, Butler, Carter, Cock
rell, Daniel. Hansbtough. Harris,
(Ks.), Harris (Tetm.). Heitfelb, Jones
(Art.), Jones (Neb.), Kyle, Martin,
Mafon, Mills. Morgan, Penrose,
Pettigrew, Pettus, Quay, Rawlins,
Roach, Shoup, Stewart, White— 26.
Zur Civilbewilligungsbill brachte
Pettigrew ein Amendement ein, den
Besäht des Präsidenten Cleveland vom
22. Februar, wodurch an 20 Millio
nen Acker Land als Forstreserve er
klärt wurden, zu suspendiren und
$150,000 zur Vermessung des Landes
auszusetzen.
6. a i.
Der Senat nahm heute das
Amendement zur Civilbill an, wonach
die Ordre des Präsidenten Cleveland
von 22. Feb. betreffend Refervirung
von 17.000.000 Ackern für Forstzwecke
widerrufen wird. Die Civilbill wurde
darauf angenommen dieselbe verwil
ligt im Ganzen $53,000,000. An d.
Ausfchuß für Auswärtiges verwies
man eine Resolution d. Sen. Barcon,
welche den Krieg verdammt ui. v. d.
Regierung eine Pdfittk zu Gunsten,
schiedsgerichtlicher Beilegung aller
Streitigkeiten fordert.
Im a wurde durch Par
teivotum eine Resolution passirt, wo
nach das Haus bis auf Weiteres nur
Montags u. Donnerstags zusammen
tritt. Die Opposition—83 gegen 101
Stimmen machte geltend, d. durch
diesen Beschluß d. Berathung d. Ban
kerottbill verhindert wurde. King,
annektirvni.
Vom Weltpost-Co«greß.
W a 6 a
stern trat der Weltpost Congreß im
großen Saale der Corcoran Kunsthalle
zufarnrnen. Etwa 60 Länder, meist
folche, die zum Weltpost Verbände
gehören, sind vertreten. Es sind auch
Delegaten von Korea. China und dem
Oranje Freistaat anwesend, welche
noch nicht zu dem Verbände gehören.
Man glaubt, daß der Congreß etwa
sechs Wochen lang in Sitzung bleiben
wird. Die meisten Arbeiten werden
in Comitesitzungen erledigt werden,
und die Resultate dieser Sitzungen
werden dem Congreß etwa ein Mal
wöchentlich unterbreitet werden. Der
gegenwärtige Postvertrag wird revidirt
und erneuert werden. Es werden meh
te wichtige Fragen zur Sprache gelan
gen, darunter der Vorschlag zur por
tofreien Beförderung der amtlichen
Postsachen derjenigen Länder, welche
dem Postvetbande angehören.
Der Saal war glänzend dekoritt.
General Batcheller, der erste Delegat
der Ver. Staaten, tief den Congreß.
um 11 Uhr Vormittags z. Ordnung.
Die Delegaten trugen theils Gesell
schaftsanzüge, theils Hof trachten. Die
Sitzungen des Congresses sind «hei
me. Generalpostmeister Gary, Hülfs
Gvneralpostmeistet Heath, General
Batcheller und Capitän Brooks»
machten die Honneurs. Generalpost
nteister Gary hielt eine Bewillkom
mnungsrede.
Herr Camille Delessert. Delegat
der Schweiz, hielt nach dem General
Postmeister eine kurze Ansprache, in
welcher in gefühlvoller Weise der
fett dem vor sechs Jahren in Wien ge
haltenen Congresse verstorbenen Mit
glieder gedachte. Er zollte dem Dt. v.
Stephan, dessen leeres Pult mit Trau
etflor, Eichenlaub und Immortellen
decorirt war, einen hohen Tribut, wo
rauf er den General Batcheller als
ältesten Delegaten der Ver. Staaten
zum Präsidenten des Congresses vor
schlug. Derselbe wurde einstimmig,
erwählt.
General Batcheller antwortete
französischer Sprache in passender
Weise auf die Rede des Herrn Delel
fett.
Der deutsche Postdirector Fr Usch
hielt eine Gedächtnisrede auf den Dr.
von Stephan und Herr Raubeut er
gänzte die Rede feines Collegen mit
ewigen Worten tiefen Bedauerns.
Herr Hohn, Director des Postver
eins von Bern, wurde zum Secretär
des Congresses etwählk Außerdem
wurden noch andere Beamte des Con
gresses erwählt.
Herr 2tnsaitilt, Verwalter des Post
und Telegraphenwesens von Frank
reich, hielt eine kurze Lobrede auf den
Präsidenten der Ver. Staaten und die
dem Congresse von der Regierung der
Vet. Staaten erwiesene Gastfreund
fchaft und schloß, indem er dem Prä
sidenten die aufrichtigsten Glückwün
sche des Congresses aussprach.
Darauf wurde ein Imbiß eingenom
men. In der Nachmittagssitzung wur
den die drei Comites des Congresses
ernannt, worauf sich der letztere bis
zur Einberufung von Seiten des Prä
sidenten vertagte, welche erfolgen wird,
sobald eins der Comites bereit ist, Be
richt zu erstatten.
Marktberichte.
Ehteag».
Winterweizen 72 Roggen 33—34
Gerste 26—35 Hafer 17 Corn 24—
25 Mehl, Patent, per Faß 3.90—
4.30 Kleefamen 4.00—7.50 Timo
thyfamen 2.25—3.0 Flachs 77—78
Timothyheu 7.00—10.50 Praitieheu
7.50—9.00 Butter, Creamery 12—
16 Butter, Dairy 9—14 Stiere
3.85—5.45 Kühe 1.75—4.50 Sta
ckers 4.15—4.50 Kälber 3.00—5.25
Schweine 3.75—4.05 Schafe 2.00—
5.25 Lämmer 3.00—5.25 Hühner
7 Tutkey 8—9 Enten 9 Gänse per
Dtzd. 4.00—5.00 Aepsel petFaß 2.50
—3.00 Kartoffeln 14—24 Bohnern
50—70 Eier 8 Talg 2—3 Whis
key 1.18 Käse, Cream 10—11 Käse,
Schweizer 10—11.
aUilwaulee»
Weizen 75—77 Roggen 35—37
Gerste 27—33 Hafer 21—23 Corn
24—25 Mehl. Patent per Faß 3.85
—4.35 Timothysamen 2.25—3.10
Kleesamen 5.00—7.00 Flachs 77—
78 Timochyheu 8.00—10.50 Prot»
tteheu 5.00—8.50 Butter. Creamery
11—16 Butter, Dairy 11—15 Käse
Cream 10—11 Käse, Schweizer 10
—11 Kartoffeln 20—25 Eier 8^
Hopfen 11—13 Stiere 3.90—4.35
Kühe 1.90—3.25 Stockers und Fee
ders 3.00—4.00 Schweine 3.80—
4.00 Schafe 3.25—4.25 Lämmer
"4.25—5.00.
Weizen 77—98 Com 22—23 Ha
fer 22—23 Roggen 32 Eier 7—8
Stiere 2.75—4.90 Kühe 1.50—4.40
Stockers und Feeders 3.25—4.40
Schweine 3.70—3.75 Schafe 3.00—
4.60 Lämmer 4.00—5.00.
9Rin«e«)0li# «it. $«ttl.
Weizen 71 Gerste 22r-25 Hafer
16—20 Corn 21—22 Flachs 73—
74.
Stiere 3.00—5.20 Kühe 1.60-^
4.60 Stockers und Feeders 3.35—
4.55 Schweine 3.60—3.95 Schafe
3.75—4.50 Lämmer 4.50—5.00
Weizen 94 Corn 20—21 Roggen
34 Hafer 19—20 Flachs 73.

xml | txt