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Der fortschritt. [volume] (New Ulm, Minn.) 1891-1915, September 15, 1897, Image 10

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Hin Fluchtversuch.
Episode au8 dem Leben des „Königs
von Rom." Von B. W l.
In der glänzenden Wiener Con
areßzeit, während ein Fest das andere
jagte und die Wiener in einem wah
ren Vergnügungstaumel dalMebtm
da gab es, mitten
1
den
Festlichkeiten, ein
rauschenden
stilles
Platzlein. wo
eine junge, kostbare Menschenbluthe
«a- ängstlich g-hiiw wurde, um uu
berührt auferzogen zu werden.
In Schönbrunn wuchs das Kmd,
km man in Wt Biege d.müth.g h»
bigte, und den Namen „König von
Rom" gab, der Sohn des großen. 1«
doch gestürzten Eroberers Napoleon.
Mitten litt der Congreßzvit wurde
der Erbe der Napoleontden nach
Wien gebracht, um unter der Ober
-uss'cht seines koiserlichkn G-°b°a»-
eine echte Französin, die Gräfin von
Aber von dem Lärm der Feste
Wien drang nichts in die Stille
Schönbrunner Idylls.
So ging die Congreßzeit dahin,
außerhalb des kaiserlichen Lustschlos
ses fluthete noch das festliche Treiben,
aber es PUlsirte nicht mehr ganz so
richten von der Mittelmeer
-Jnsel
war, als ob der gesonnene Leu zu neu
em Leben und unbesiegbarem Trotze
erwachen wollte.
Die Gerüchte waren allerdings noch
sehr
unbestimmt, gleichsam aus der
Luft gegriffen, doch die Bonapartl
sten trugen das Haupt und vor allem
die Nase beträchtlich höher.
So fam es. daß zu Ende des rau
hen Monates Februar sich em Frem
der bei der Gräfin Montesquieu mel
den ließ und sie um eine dringende
Unterredung bat.
Die Gräfin wollte, ihrer strengen
Verhaltungsmaßregeln stets einge-
r.1
und
in
dung ihren eigenen Sohn
Victor
dem Befreiungsplan. Der Reisewa
gen der beiden amm soll unser Ret
tungswerkzeug sein!" Der junge
Mann dämpfte seine Stimme bis zu
undeutlichem Geflüster. „Ich selbst
habe den Wagen bauen lassen, uitd er
besitzt einen hohlen Raum in der Hin
terwand. der durch eine doppelte
Wand gut geborgen und gesichert ist.
In diesen Raum bringen wir bei
Nachtzeit den süß schlummernden klet
nen Prinzen Napoleon. Und haben
die Damen mit meiner Wenigkeit, als
Bedienter verkleidet, die österreichische
Grenze passtrt, ^.-.n h^en w:r ge
wonnenes Spiel. Der Plan ist zu
wohldurchdacht, als daß er nicht qe
lingen sollte!"
durch den Kammerdiener sagen, et! harrte, der die beiden den Österreichs
Grafen
„Nicht wahr, gegen Mitte März ent
läßt die Kaiserin Maria Louise zwei
französische Hofdamen, Madame Mi
repoix und Madamoiselle Croix-Cho
nelle ist es nicht so?"
Die Gtiifin nickte.
„Nun, siehst du, ich lege meine
Hand in's Feuer, daß diese beiden
ebenso kaisertreu gesinnt sind wie du
und ich. Diese Damen ersehe ich zu
meinem Söerkeug sie sollen mir un
seren Kronprinzen ungefährdet nach
Paris bringen, wo wir Treugesinnten
ihn später in des Vaters Arme Ienen
wollen!"
„Du baust Luftschlösser, mein
Sohn!"
„Mit nichten, ängstliche Mama ich
spinne nur Zukunftspläne, deren Ge
lingen zum größten Theil in deiner
Hand liegt. Wohl weiß ich, wie
scharf bewacht du und dein theuerer
Zögling wirst. Es war nicht Zufall,
sondern Vorsicht, was mich dieses
elende Gewand wählen ließ, denn
schon mehrere Monate arbeite ich an
Während Mutter und Sohn so an
dem Fluchtplan des
erzogen zu werdet^
ob-rude. V°w «4 GbTn$Ä." '|& ©.ficht« °bgesehen. Jf.
Mit der wirklichen Erziehung war,
8alb traf cr
an
Montesquieu, betraut, die mit Hinge-erkennbar, zum Hof- der Km- zu schaffen, namentlich erschwert er
buna ihres Amtes waltete, hoffte stc,crin Maria Louise gehörte. »hm tn der letzten Zeit zwar nicht bai
doch auf den Ruhm, den beternsitgen,' Kammerdiener machte dem Rauchen der gewohnten Pfeife, wohl
Kaiser von Frankreich erzogen zu ha-|. Mann ein unmerkliches Zei- aber das Anrauchen derselben: „Wenn
Ben Der „König von Rom" war
bag
.Beiden,
des
„Eine wichtige Mittheilung. Herr der
frisch, denn mit den das Land durch
brausenden Frühjahrssturmen kamen alle Details von dem Kammerdiener.Befriedigung darüber, von jeder Ver
auch vereinzelt beunruhigende Nach- dieser durch eine geheime Tapeten-! antwortlichkeit frei zu fein: „Es thut
hnn der Mittelmeer-Jnsel. Es ^ür erlauschte, erzählen. „Bravo,
knk'"niemanbenempfangen. Doch 6er brunner Schloßthor in Maria-Hietz- ne: „Politik^ ist weniger Wissen
Fremde Meß so eindringlich bitten und mg ein wohlbespannter Reifewagen
„Macht nichts, Severin, Ihr be
kommt die Pferde dreifach ersetzt!"
Aber die Pferde stützten wirklich.
Doch Polizei Adjunct Schuster er
blickte hundert Schritte weit ein kai
er Etches Postgebäude eilig schwang er
sich aus dem Wagen und stürmte zur
Post.
„Relaispferde!" schrie er den Post
meister an. „Höchste Eile! Kaiserli
cher Dienst!"
In wenigen Minuten brauste wie
der die leichte Kalesche davon, dem
der kleine „König von Rom"
schlummerte.
Der Adjunct nahm das Kind be
hutsam in seine Arme, verlangte einen
frischen Wagen und Pferde, und zur
Verzweiflung der Hofdamen ging die
Reise nach Schönbrunn zurück.
So endete der erste Fluchtversuch
von bonapartistischer Seite, und der
kleine Thronerbe der Napoleontden
verblieb in Oesterreich, wo er später
so traurig enden sollte.
Es war ein stürmischer Märzabend ihm erbeten würden, da er deren Au»
des Jahres 1815, als bei dem Schön- fiihtung nicht amtlich üfeerrnach^n Ibu-
schlechter, verkommener Klei- folgt, den Reisewagen bestiegen Der, Pferdes.c_b
Montesquieu erkannte, den sie los und der schwerfallige Waqen der Gaul abwerfen.
im Heimathlande wähnte
„Vorsicht und stille, theuerste Mut
ter," raunte der junge Gras, die Mut
ter innig umarmend. „Niemand darf
mein Hiersein ahnen, für die Welt bin
ich nun bloß ein armer Student, für
dich dein tapferer Sohn, der zu einem
großen Werke ausersehen!"
„Aber Victor, wie soll ich dies ver
stehen?"
„Mutter, wir sind bald, bald wie
der mächtig und glücklich, schwöre mir
Verschwiegenheit! Er et, unser
herrlicher Held, unser großer Kaiser
wird bald wieder mächtig und frei!"
flüsterte der Eifrige mit heißer
Stimme, „und wir,, stine Getreuen,
haben beschlossen, das kaiserliche Kind
mit dem Vater zu vereinen. Er darf
von feiner größten Freude, von seinem
größten Stolz und feiner Hoffnung
nicht getrennt fein, wenn er die Kraft
haben soll, fein Reich zurückzuer
obern!"
„Victor, du faselst!" rief die Grä
fin mit gedämpfter Stimme. „Wie
willst du den Prinzen von hier ent
fernen. wo wir mit der größten Auf
merkfamkeit bewacht werden?"
„Laß mich nur walten, Mütter
chen," fchmeichslte der junge Graf.
Sofort gab er Befehl, dieThore des
Gebäudes zu besetzen, und höflich,
ober entschieden näherte er sich den
beiden Domen, Madame Croix-Cho
nette und Mirepoix.
„Sie wünschen?" nahm die ältere
das Wort. „Hier sind unsere Pässe
sie sind in Ordnung."
„Davon bin ich überzeugt, meine
Domen, Sie können ungestört ^hre
Reise fortsetzen, doch handelt es sich
hier für die Wiener Polizei um eine
dritte Person, ein Kind, das unbefugt
Mchönnbrunn verließ."
„Ein Kind?"
„Ja, meine Herrfchaften, leugnen
Sie nicht, ich weiß Alles!"
Und ohne weitere Umstände bestieg
der Adjunct den Reisewagen, in dem
er alsbald eine doppölte Hinterwand
entdeckte die nach der Entfernung
einen hohlen Raunt bloßlegte—in dem
AuS ^riedrtchöruh.
Einen interessanten, angeblich au
Mittheilungen aus Friedrichsruh be
ruhenden Artikel bringt die Wiener
..Neue Fr. Presse." Wir geben daraus
napöleon'lschen Folgendes wieder:
Thronerben arbeiteten, durchschritt! Es ist nicht mehr davon die Rede,
ein iunaer, in bescheidenes Civil ge-!daß für diesen Sommer noch irgend
Hcideter Mann die Ortschaft Maria- eine Reise des Fürsten in Aussicht ge
fmfeing, wie das Dörfchen hinter dem.nommen sei. Auch das Befinden
—u kaiserlichen Lustschloß in damaliger des Fürsten nöihigt in keiner Weise
sein welter« jjCt :ungc Mann ließ seine zu einem Orts- und Luftwechsel. Ter
Elba verbannt^ unauffällig und doch scharf Fürst ist bei bestem Humor und von
auch einen Kammer- fein vorirefslich.
der franözsifchen Uni-^ Gesichtsschmerz freck.ch macht ihm vte
dieser durch ein ebenso leises das Ding einmal brennt, geht es ja,
ein reizender, liebenswürdiger K™1*-!Kopfnicken erwiderte. JaBet das Anrauchen, wobei ich starker
91116er der Erzieherin umgab noch eiitj y_ einem versteckten Boskett des ziehen muß, lost mir regelmäßig ,, ..
ganzer Hofstaat das vierjährige Kind.! Schönbrunner Parkes trafen sich die Gesichtsschmerz
gut
bleiben, ich versprech' Euch eine aus-i falls ist mir der Gedanke, keine Ver
gezeichnete Versorgung!" Mit derstoh-' antwortlichkeit zu tragen, sehr oft an
lenem Händedruck schieden bit Man- genehm, wenn ich Dieses oder Jenes
ner. lese." Irren wir nicht, so fiel die je
„Canaille, wenn ich dich nicht brau- ...
chen möchte, möcht' ich dich verachten," Gesprächen, die sich auf die Kongo
murmelte der junge Polizeibeamte Angelegenheit bezogen. Im werteren
„wie willig er um ein paar Silber- Verlaufe des Gespräches kam der Fürst
finge seine Herrin berräth. Mir wiederholt daraus zurück, daß es .ihm
larm's recht sein, denn mir verhrlst—^ mtmöMch sei, irgend welche Rath
er zu Ruhm und Glück!" schlage zu geben, selbst wenn sie on
aus. Mein
söhn und meine Enkel helfen mir tn
Regel
Adjunct." raunte de? Kammerdiener,! und da ist meine schone Nachbarin,
„die alte Hexe, die Montesquieu, will Frau Baronin Merck, so Uebenswur
unser gnädiges Kronprinzlein entfüh-, dig."
ren!" I In Bezug auf die Tagespolitik be
..Aha! Dacht' ich's doch." nickte der herrscht dm Fürsten augenscheinlich
Polizeibeamte befriedigt, und ließ sich1
Zxit das Gefühl einer gewissen
m}r
Thibaut. nur so fort! Bleibt wachsam schlecht abschneiden. Aendern kann
und reichlicher Lohn soll nicht aus-sich es ja aber doch nicht, und je »zu­
|fchaft
VmitA h#n Kammerdiener laaen, er name, oer oic ociuen ueu uiicn.nu#i-1•»»» ""'"L T,.|J*icht mehr geben. Aber immer wte^
fei eL atmet kranker Franzose, daß Ischen Dienst verlassenden Französin-, beste Rath nützt nichts, wenn et nicht
rollte rasend davon. Zur Zeit bildet das kürzlich in Pa
Doch kaum bog er um die Ecke, als ris erschienene Werk, welches bisher
schon eine leichte Kalesche, mit
zwei
feurigen Rennern bespannt, ihm enthält, eine Liekckngslektüre des Fir
folgte.
Hebet zwei Stunden ging so die
i°IK°Jagd whw^^Jnsässe der K--! diiran fnupft.swd
«%nb« Slifd&tm ©fnne_oo„ unvergleichlich-
Erle an
„Herr, es geht nicht, die Rosse sittl
hin und crepiren mir aus der Stell'!"fe
a!ls Kunst, ste ^ßt stch nicht
(ten,
man muß dafür begabt sem.
für ne„ über die Grenze bringen sollte. in der richtigem Weise und nach öen|oItc noch den Schatten stellt. Man
Vom Hietzinger Kirchthurm schlug, Umständen ausgeführt wird. Das ist ^se nur die folgenden Zeilen über das
«s schon n^un Uhr, als endlich die gerade wie beim Rettin. Sie können Weberelend in Oesterreich:
beiden Hofdamen, dicht vermummt, einem Reiter in der Bahn die besten! Arbeiter Zei-
d-r^Dami^aiz Iii in ihrem B°ud°irjd°s fogenannte S«ickelh°us verließen Mfen zmufm! romnet ti mcht »|, lausen aus einet Gemeinde nach
tk».r «Sfirrmben entaeaentrat! und. von zwei, drei Dienerinnen ge- sich hat und sie
Nicht
Kutscher auf ^as Vlerg^pann mchts nutzen, sch ßch Aus der Gemeinde SSraunetfen wir!
unveröffentlichte Briefe Napoleons 1.
sten. Er liest oft ganze Stellen da
raus vor, und die Bemerkungen, die er
Prägnanz und Charakteristik.
Die Vorgänge in Süd-Afrika be
iÄL Wn.e6W.mn, et
amau
*'C'"„„r
Chamberlain fällt, ist mehr drastisch
als schmeichelhaft für diesen. Ueber
Haupt hebt der Fürst immer wieder den
Unterschied hervor, der zwischen oem
Charakter und Wesen der Engländer
als Privatpersonen und der englischen
Politik besteht. Der einzelne Eng
länder sei anständig, achtbar und zu
verlässig, der Vorwurf der Lüge sei
der schwerste, den man ihm machen
könne. Wie englische Politik hinge
gen sei von Allem das Gegeniheil ih-
yvu Vt VVtl "7
Reisewagen nach, der einen bedeuten».rc hervorstechendste Eigenschaft sei die
den Vor sprung hatte. Heuchelei, sie wende olle Mittel an, die
Doch in der Nähe von St. Pölten, der einzelne Engländer verabscheue,
erreichte auch den Reisewagen ein nei- In Frankreich sei ja die Politik zu
disches Geschick, die Achse brach und Zeiten auch nicht sehr wählerisch in
die Danten mußten in die nächste, ihren Mitteln gewesen, namentlich
Poststation flüchten. Eine Viertel-! schwächeren Volksstämmen im Aus
stunde später erreichte aber auch der
junge Polizei Adjunct die Post sta
tion.
lande gegenüber sei sie ebenso grau
sam umd brutal verfahren wie die eng
tische Gewaltthoten und Ueberlistung
seien ebenso vorgekommen, wie im eng
tischen Regime, aber dies unglaubliche
Maß von Heuchelei und Perfidie, wie
es der englischen Politik häufig eigen
fei, wäre doch an ihr nicht nachzuwei
sen.
Bon. den Türken hat der Fürst ev
ne verhältnismäßig gute Meinung.
Et theilt die Ansicht, daß sie im
Orient die einzigen Gentlemen seien,
während alle übrigen dortigen Volks
ftämme mehr oder weniger moralisch
verkommen und politisch unzuverlässig
seien. Von den Griechen hält der
Fürst nicht viel. Das ist noch mi»oe
ausgedrückt. Er bezeichnete neulich
die Auflehnung der Griechen gegen
die ihnen angesonnene europäische Fi
nanzkontrolle als den Gipfel betrüge
rifcher Bankerottere. Die russische
Reise des Kaisers bespricht der Fürst
nur Mit größter Zurückhaltung cc
Schwieget- OMate^gett^
aus jetzt sind si-nicht da.
ja feid, wenn wir irgendwo
Aeußerung in Zusammenhang mit
bet
süß'glaubt offenbar, daß vieles Reden und'Die Hausweber stehen außerhalb jeder
Zeitungsschreiben darüber nur unaün« Organisation. Es fehlt ihnerl noch
stig wirken können dagegen weilt sein das Verständniß der Nothwendigkeit
bei der Zeit, wo der deutsch russische
Neutralitäts-Vertrag neben dem Drei
bunde befand und Deutschland eine
Stellung gewährte, wie sie so bald
nicht wieder gewonnen werden wird:
„Komplizirt war es ja, aber jede Po
litik ist schließlich komplizirt. Der se
lige Kaiser Wilhelm 1. sagte mir zu
weilen: „Na, in Ihrer Haut möchte
ich auch nicht stecken. Sie kommen
mir manchmal! vor wie ein Neiter, oer
auf seinem Pferde das Spiel mit fünf
Kugeln spielt, die er immer wieder
auffängt," worüber ich meinen alten
Herrn aber stets zu beruhigen wußte,
so daß er zufrieden war."
Sinn mit ersichtlicher Gmugthuung! die Arbeitszeit zu regeln, für Sonn-
Anläßlich gewisser Vorkommnisse
wendete sich neulich das Gespräch utif
vie Dienste, welche die Post der Regte*
rung auf Verlangen durch Au-^ie.e
tung von Briefen leiste. Unter Ph'
lippsborn wäre vielleicht dergleichen
ab und zu vorgekommen, unter Stc-
Phau sei es sehr viel schwerer gewesen,
derartige Wünsche durchzusetzen. Ge
schickt sei die Sache zur Zeit v,n
Thum und Taxis gemacht worden du
habe es ein besonderes Bureau gegv
ben. worin mehrere geübte Herren be
ständig im Auftrage
der
verschonen
Regierungen gearbeitet hätten. Tec
Eine habe das Siegel mit einem Heist
gemachten Messer oder, wenn es tlvt
Dampf
geöffnet, der Zweite habe die betrafen
den Auszüge aus dem Briefe gemocht
und der Dritte habe das Convert wie
der geschlossen.
letzten Gedenktage von Wörth
(6. August) äußerte der Fürst: „Ja,
damals waren wir Alle sehr gespn'.nt
auf dos Verhältnis? zwischen den sra .
zösifchen Soldaten und unseren in der
Tüchtigkeit und Tapferkeit. Unsere
besten Erwartungen wurden noch
übertroffen trotz der Überlegenheit der
Chassepots. Nach Wörth und^ Si
cheren erschien uns der deutsche Soldat
einfach bewunderungswürdig, und er
ist es während des ganzen Feldzu^s
geblieben."
Arbeiter'Elen».
So oft man auch Elendsschilderun
gen liest sei es aus den pennsylva
nischen Bergwerkdistrikten, sei es aus
den New Notker Tenementshäusern,
sei es aus Sen ftctltanischen Schwefel
gruben, sei es vom Londoner Ostend
—immer meint man für den Augen
blick, ein größeres Elend könne es
fwdet sich neues Glend, das das
d.r Statur lemes beriierreiftende Schilde-
1
tungen des Jammers der Weber ein
Aus der Gemeinde Brauneifen wird
unter Anderem berichtet: Die Zahl
der Lohnweber ist durch die Errichtung
mechanischer Mbwaarenfabriken von
1100 auf 600 zurückgingen, nach
dem die noch rüstigen jungen Leute
ausgewandert waren. Im Oktober
1896 waren jedoch von jenen 600 We
bern nur noch 274 beschäftigt, und mit
Einschluß der Spuler über 400 Perso
nen ganz erwerbs- und arbeitslos.
Und die Kost? 'Die herkömmlichen
Die Kritik, wel-!Wochenverdienst bei angestrengtestem
Mb
«nbetm aus H-rr-
fi*fV
Der
nut 2 bis 2 ein h°.b sl. (der ji.
Af\ CC
1
rtofaürt
A.
rt hfl»1ttrtfl'
etwa 40 Cents davon gehen aber noch
ab für Fracht 32 kr., für Stärke eb:n
so biet, zusammen 65 kr. es vuaicn
ihm also 1 sl. 80 kr. Was sollen die
Aermsten beim Mangel solcher „Ar
beit" thun1? „Tagelöhnern"? Diese
schwächlichen, tut dürftig gekleideten
Menschen, denen die Regierung 1881
als Unterstützung alte Soldaten
kleider gewährte (!). Die Gemein
de Brauneisen scheint von jeher vom
Unglück heimgesucht worden zu fein:
1861 BWlkenbruch, 1863 Feuert-
brunst, 1874 ein Riesenbrand, der 106
Wohnhäuser, 38 mit Getreide gefüllte
Scheunen, 67 mit Futter gefüllte Ne
bengebäude einäscherte. Der Schaden
betrug 412,000 sl., die Versicherungs
gesellschaften zahlten 95,000 ft. Dann
1876, 1879, 1880, 1881, 1883, 1890
Hagelschäden und Massersnoth. Und
die Folge? Allgemeine Verarmung:
30 Prozent der Gemeindeumlagen ge
hen für Unterstützungen drauf— und
Hungertypus. Was thun im solcher
Roth? Nun, man weiß ja, daß eine
Regierung im Lande ist! Schon 1880
begehrte man von der Troppauer Lon
deStegterung eine Tabakfabrik. Tie
k. k. Generaldirektiom der Regie be
fchted jedoch wiederholt abschlägig. Im
Winter 1869 wandte man sich an den
Reichsrath und bat um getragene Sol
datenkleider. Kartoffeln und Brenn
material, den Nothbau einer Eisen
bahn oder einet Fabrik. Das Ge
such blieb gänzlich unberücksichtigt. Hm
April d. I. gemth überdies noch eine
Weberfirma mit etwa 40 Stühlen in
Concurs. Nur die Statthaltern yc
währte für 500 Arbeitslose eine Un
terstützung von 7 ft. Private steuer
ten 120 fl. bei. Was will das aber
sagen? Wie soll da geholfen werden
tagsruhe zu sorgen, die Kinderarbeit
zu beseitigen oder einzuschränken u.
s. w.
(Bin Mta»ouenerdsch«ftöschw!ndet.
Vor der Strafkammer des Land
gerichts in Bamberg wurde in den
letzten Tagen ein Prozeß verhandelt,
bei dem man nicht weiß, soll man sich
mehr über die Rafsinirtheit eines
Schwinlers oder über die Dummheit
und Leichtgläubigkeit der Leute, dU
auf den Leim gegangen sind, wundern.
Ein Millionenerbschaftsschwindel bil
bete den Gegenstand der Verhandlung.
Angeklagt war der Unterhändler Da-j
niel Mertel aus Kirchehrenbach, der
schon wegen Betrügereien mit schweren!
Zuchthausstrafen vorbestraft ist. Wie
die „Augsburg. Abendztg." berichtet,«
starb in Rosario am 15. Januar 1869
der Bierbrauer und frühere Pferde
knecht Johann Schönauer, gebürtig
aus Neuziegenrück bei Pfaffenhofen in
Bayern. Der Verstorbene hinterließt
ein Vermögen von 1,370.214 bolivia
nischen Thalern, welcher Betrag später
übersandt und umgewandelt in 2936,»,
35 M. an die Erben ausgezahlt wurde.
Als weitere Erbprätendenten hatten
sich auch Walburga Schmied! und:
Joh. Appel von Hundszell gemeldet,
die ihre Erbonsprllche daraus stützten,!
daß sie Verwandte des Verstorbenen
wären. Obwohl die Nichtidentität
dieses ihres Verwandten mit dem tri
Rosario verstorbenen Schönauer klar
war, beharrten Schmied! und Appel
in vielfachen Eingaben auf ihren Erb
onfpriichen, trotzdem ihnen der Sach
verholt wiederholt eingehend dargelegt
wurde. Allmählich traten sie sogar!
mit der Behauptung hervor, ihr Erb-!
ttcht sei von allen Behörden anerkannt
der Nachlaß betrage 4 Millionen,
zuweilen behaupteten' sie auch viele
Milliarden. Die Ueberlvitung zu
letzterer Aufstellung fanden sie da
durch, daß sie sich aus tint behördliche
Eröffnung beriefen, in der der Nach
laß auf 1370,214 bolivianische Tha
ler angegeben wurde, und daß sie be
haupteten, der Deoimalstrich sei in die
Nachlaßziffer erst infolge betrügeti
fchen Vorgehens der Behörden einqe
fetzt worden thatfächlich belaufe sich
der Nachlaß auf time Million 370
Tausend 214 Thaler. Schmied! und
Appel sowohl als auch nach deren Tod
ihre Erben haben auf Grund dessen
eine Reihe von zahlreichen und um
fangreichen Betrügereien verübt, von
deren Erträgnissen sie jahrelana leb
ten auch wurden sie und der von ih
nen aufgestellte Bevollmächtigte
Krannwitter wiederholt deswegen mit
schweren Zuchthausstrafen bestraft.
Im Früjahr 1895 machte sich Mertel,
der kurz vorher zwei Jahre Zuchthaus
verbüßt hatte, an die Erbprätendenten,
ließ sich eine Generalvollmacht ausstel
len und setzte auf Grund dieser Voll
macht die von Jörg und Schmiedl ver
übten Betrügereien fort. Dabei ge
brauchte er die falschen Vorspiegeln
gen, daß die nach Millionen betragende
Erbschaft in den Jahren 1869 bis
1871 in Berlin hinterlegt worden sei.
daß es nur noch dein Todtenschein des'
Verstorbenen zu beschaffen dürfe, dann
würde das Geld sofort ausbezahlt.
Zur Erlangung des Todtenscheines
müßte er nach Amerika reisen, und da
zu brauche er viel «Geld. Auf Grund
dieser Angaben erhielt der ,Schwind»
let von mehreren Personen reichliche
Geldsummen. Er begab sich auch
nach Amerika, schrieb von dort aus
glänzende Berichte über seine Erfolge
und erweckte auf diese Weise bei feinen
Opfern große Hoffnungen. Als der
Angeklagte unterrichteter Dinge von
Amerika zurückkam, setzte er seine
Schwindeleien in derselben Weise mit
günstigem Erfolge fort. Eine neue
Variante fügte er innen Vorfpiegelun
gm bei, in dem er vorgab, er brauche
große Geldsummen zur Bestechung des
bayerischen Mimsterialreserenten, der
der sonst flüssigen Auszahlung der
Erbschaft sich widersetzte. Endlich
wurde er verhaftet. Bei neun Per
fönen, zum größten Theil Münchener
Einwohnern, gelang es ihm auf diese
Wtise den Gesamtbetrag von 6400
Mark herauszuschwindeln. Seine
Angaben, daß er mit Erfolg für die
Auszahlung der Erbansprüche thätig
gewesen sei, unterstützte er durch Vor
zeigung eiims von ihm selbst angeser
tigten Briefes, unterzeichnet mit Ba
ron v. Seefried, dem Namen eines
Beamten im bayrischen Ministeriums
des kgl. Hauses und des Aeußern. Der
Beschuldigte «legte Anfangs nur ein
theilweises Geständniß ab am Schlus
se der Verhandlung gestand er aber
seine.Schwindeleien ein. Zu der
Verhandlung waren die Opfer aus
München, Oberbiberg, Charlottenburg
und Berlin geladen. Das Urtheil
lautete auf 5 Iahte Zuchthaus, 1530
Mark Geldstrafe und 10jährigen Ehr
Verlust.
Die Manitoba Weizenernte wird
nach vorläufigen Schätzungen sich auf
ewta 23,000,000 BushÄ belaufen. Es
sind etwa 1.290.000 Acker mit Weizen
besäet, wovon man einen Durchschnitt
von 18 Bushel erwartet.
•tue Areuudw frtlfc Heute*'#
Fritz Reuters treue Freundin Mfl*
ne Weiers, geo. 4Jyi, enljcyties tnt fast
vvuenoeicn b. «eoeiwjayre am iu.
saug, zu tottuenuoueniin oei Treptow
a. äfcou. Im ^ayre Yaue vteu»
ter, nacy bei yreiiungszeit als „Strom"
o. y. Jüolontat auf einem mtdienbutqi»
jryen taute, den jugenoucyen Pachter
Kritz Peter« und oenen tötaut Marie
4ji)i tennen gelernt Die Zuneigung
zwischen ihnen war gleich eine gegen*
leittge, und es wurde mit dem ^age
lyrtr «etannt|cyaft ein ivano fürs Xt»
vtn um |te gejcytungen. PeterS
ib49 naoy der Hochzeit das fruyer v.
joulow'lch« Gut Tyatberg üoernahm,
ercyien vtmitt dort und rief der iun
gen Krau lachend zu: „Maoammmg,
uiä «rut yedven «sei Ml leggt, )au
teei vejauien, wenn (6et urji verheira
tyet nnern nu bun tt bat" Aus
„xfiaoainuung" wurde bald „Tirte
peters und ]te nannte ihn „untel
Deuting." iL#« ioefuch dauerte funs
Vierteljahre. Dann, bis 1648, war
Reuter mit tutzen Unterbrechungen
Gap auf Thaiberg. „Diese Jahce
lino bte gluctltcyiten unseres Lebens
gewejen, gestanden die'Eheleute Pe
ters dem bekannten vteuter-^'tograp.)e
Harl Theodor Gaebertz. iLici« hat
eine anmutyige tzscyuberung von des
Richters Aufenthalt auf Tyalberg und
jpater Eiedenbouettn in fernen „Reu
ter-Stubien" entworfen, worin Marie
Peters eine liebenswürdige Rolle
spielt. Im tollen ^ahre 1848 reiste
vteuter als Abgeordneter nach Schwe
rin und schrieb bon bort eine hochto
mische, patriotisch politische Epistel
„an die'Bürgerin Peters '. Kurz vor
get hatte et nämlich die französische
ittevolutionsgeschichte von Thiers ge
ie)en. In dieje unruhige Zeit fällt
bet länger« Aufenthalt bon Renter's
nachmaliger Gattin Luise, geb. Kuntze
im Petets'schen Hause. ES war sem
Wunsch, batz sich feine Lowising durch
„Tante Peters" in der Oetonomie un
ter richten lassen möchte. Beide Da
men wurden bald innig befreundet.
Bei seinem Fortzuge fragte Reuter:
„Tante Peters, mögen Set bat woll,
wenn ick Sei in de Bautet bring?"
„„Ja, Unkel Renting, bat mag it
wou,"" lautete die Antwort.
Launige Gelegenheitsgedichte hat er ihr
gewidmet, gemüthvolle Briefe an sie
gerichtet, im Kreide sie gezeichnet, wie
bte von «Dr. Gaedertz veröffentlichten
illustrirten zwei Bände „Aus Fritz
Reuter's jungen und alten Tagen" in
Schrift und BAd anschaulich uns bor
führen.
toilet,««gehe»mniffe e»«»ischer
Vitt*.
Daß es Frauen gvebt, die durch
tunpucye iUnttei auffallende Schönhei
ten aus lieg zu maryen rotten, i)t eine
bekannte Tyatjache, aber es durfte
vielleicht sonderbar tlingen, datz in ben
met)tcn fallen auch die Reitpferde die
ser Damen auf ähtvliche Weise wie ih
re Herrinnen auöpaffirt werben. Ein
reicher londoner Pferdehändler, der
nur mit den vornehmsten Kreisen in •%,
Berbtnbung steht, hat turzkcy einige
bieSbezügAcye Ge^eimmiite uasgeplau»
bert. isr sagt, baß man im Hybe
park unter zehn Pferben immer iens
feyen tarnt, bei dem das schöne Aus
liegen, bie yerMcye blonde ^tayne, der
prächtige Schweif und vieles andere
nichts weniger ais Natur tft. Außer
day diesen (Pferden die Zäyne blom
Vitt unb häßliche Ohren ourch tünsttt
cye ersetzt werben, vebectt man etwaige
Klecken am Kopf ganz einfach mit
st-scyminte, die mit oer ^arbe des Kör
pers übereinstimmt. üie Uitäyne oer
bantt ihren svlberartigen Glanz ober
ihr seltenes tolonb ber Anwendung ei
nes fehr scharfen kosmetischen Mittels, 4
bad biete Damen jetzt ebenfalls brau- i"
chen, um ihr dunWeS oder farbloses
Haar in blondes zu berwandeln. Das
Anbringen falscher ÜJtöhncn und
Schweife ersordert größte Geschicklich
keit, und man muß dann mit einem
solchen Pferde sehr borstchttg umgehen
.Schweife, Mähnen unb die in die
Stirn fallenden Haare werden natür
lich auch sehr häufig gekräuselt, ent
weder durch Entflechten oder mit dentis
Brenneisen. Der ganze Körper des 'g
täglich mit kosmetischen Wassern ab
gerieben, um der Haut einen sanften
Glanz zu verleihen. Ein oollkom
men tabelloses Pferd ist sehr selten.
Bald fehlt es hier, bald da, und in
ähnlicher Wtise, wie die Menschen ei
nem etwaigen Uebel abHelsen, wird
auch bei den Thieren der Fehler, den
die Natur begangen hat, unsichtbar qe
macht.
Der Rekondaleszent. Fremder».'
(zum Hieselbauer, der bot einiger Zeit"
durch einen fallenden Baum schwer
verletzt wurde): „Nun, wie geht's
Euch?" Hieselbauer: „Dank' der
Nachfrag' es geht schon wieder!
Aber vor de geistreich'« Gedank'n muß vi
ich mich halt noch in Acht nehmen—M
hat der Herr Doktor g'sagt!"
5|
Eigene Ansicht. Doctor (einer
Bauernknecht das Loch fen Kopfe zu»
nähend): „Muß denn bei jeder Kir
meß getauft fein?" Knecht: '„Das is
g'wiß, Herr Landarzt, a Kirmeß ohne
Raufen is a Suppen ohne Salz!"
Jj

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