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Der Staats=Anzeiger. (Rugby, N.D.) 1906-current, December 17, 1908, Image 5

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«. Jahrgang
Friede aus Erden!
ntm ruht die Nacht auf weiter $Iinr,
traumhaft locht es in den Zweimen,
s Winters Bann umhüllt die Flur
seinem Schlaf und seinem Schwei
gen.
D»ch schimmernd über Flur und Hain
Eryießen sich des Lichtes Wösten
So zart, so mild wie Morgenschcm.
Kommt schon der Tag herangezogen?
H«ch oben strahlt der Moraeiistcm
S glänzend auf die Welt hernieder.
R«n klingt und siegt es nah und fern
Und hallt millionenfältig wieder.
Des Märchenivaldes dunkle Pracht
Mlammt auf im Licht der Zaubcrkerzen.
Das ist die sel'ge Weihe-Nacht
Und Weibnacht ivird's im Menschen
herzen.
holder Zauber I Welch' ein Traum
Hält alle Sinne doch umfangen!
Wie sind vom schlichten Tannenbaum
Ss sel'oe Freuden ausgegangen!
Die Nacht entflieht vor al. dem Schein.
Der über Nacht uns aufgegangen.
SZmu hält die Liebe ganz allein
Die ganze Welt umfangen!
Ertöne denn, du ßhnmeiafang,
tHemm' auf. du Licht der WeihnachtS
tonnen:
Der Orgel Ton, der Glocken Klang
Soll allen Erdenkummer bannen.
ttak uns in deiner ^reude Schein»
O Jcliij Fest, zu Kindern werden,
wir uns heil'ger Liebe weih'n,
UiTti Friede, Friede sei auf Erden!
Wochenschau.
»Man».
Eine Doktor Rechnung über die
WkiriiCtifit von $20,000 biledt sie
V«sis f':nifc Prozesses, den Dr. Joserh
A. Reeves von Philadelphia gegen
roättig gegen Andrew M. Moreland
von der Carnegie Steel Co. führt.
Der Doktor behandelte den Millionär
in den Iabren 1904 bis 1905 wegen
eines Nierenleidens und reiste all
wöchentlich des Samstags von Philo
delphia nach Pittsburg, wofür er
durchschnittlich $500 pro Besuch be
rechnete. Herr Moreland hat sich
nun ausgerechnet, daß diese Forderung
S35 für jede Stunde bedeutet, welche
Dr. Reeves auf der Reise, im Hotel
oder als Gast in seiner Villa zu
brachte, und er will die Forderung
bis in die höchsten Gerichte anfersten.
Dr. Reeves dagegen erklärt, daß ein
Honorar von $15 pro Stunde für
stent Arzt ein anerkannt angemessenes
sei.
Unter zahlreicher Betheiligung des
Deutschthums oon Lincoln. III.,
feierte der „Teutonia Männerchor"
daselbst unlängst den 40. Jahrestag
seiner Gründung. Es hotten sich da
zu auch gegen dreißig Sänger aus
twtn benachbarten Vloomington einge
funden und zehn Vertreter der Sän
gerkreise Peorias, diese unter Führung
von Herrn Kammann, betn Präsiden
ten des Illinois« Zweigverbandes
vom Deutsch Amerikanischen Mio
nolverband. Herr Kammann hielt
auch die Festrede.' Im Namen der
Bloomingtoner Sangesbrüder über
reichte Herr Frenze! einen hübschen
Trinkkrug als Festgeschenk, wofür der
Präsident des festgebenden Vereins,
Herr Raut*nberg, in wohlgesetzten
Worten dankte.
In Mulkeytown, einem kleinen un
weit von Benton. III., gelegenen
Städtchen, wurde unlängst der dort
bis dahin allgemein geachtete Arzt
Dr. B. F. Brayfield unter der An
klage des Mordes und der Fälschung
in Haft genommen. Er soll zuerst
Reuben F. Parrish. einen Agenten der
Illinois Central Eisenbahn, ferner
seine eigene Gattin vergiftet und dann
den Versuch gemacht haben, auf
Grund gefälschter Papiere die Ver
slcherungssummen, für die das Leben
der Beiden versichert war. einzuziehen.
Mit Frau Parish, der Gattin deS an
geblich ermordeten Agenten, soll Dr.
Brayfield in unerlaubtem Verkehr ge
standen haben.
Schiffstrümmer, die in der Nähe
von Câp Ray. N. F.. an'S Land ge
spült worden sind, lassen mit Be
stimmtbeit darauf schließen, daß der
kleine Dampfer ..Soo City", der seit
zwanzig Jahren auf den Seen als
Excursionsdampser benutzt worden ist.
in dem schrecklichen Sturm, der diese
Küste unlängst heimgesucht hat. mit
allen Mannschaften an Bord unterge
gangen ist. Der Dampfer wurde von
Capt. John G. Dillon aus Brooklyn,
der früher als Capitän des Regie
rungs TranSportdampfers „Mis
souri" fungirte. befehligt und sollte
demnächst nach Galveston, TexaS, ge
bracht werden, too ihn feine Besitzer
als Küstendampfer benutzen wollten.
Die Mannschaft deS Dampfers he
stand cms 28 Personen.
Dt.' Emli G. Hirsch, der bekannte
Rabbiner und Geistliche deS Sinai
Tempels in Chicago, hielt unlängst
in RavenSwood, einer Vorstadt Chi
cago'S, eine Rede vor den Mitgliedern
deS RavenSwood Frauen-Clubs, in
fcer er unter anderem
lich sagte: „Das beste Schutzmittel
gegen Trunkenheit und gewohnheits
mäßiges Trinken ist offenes Trinken.
Der amerikanische „Saloon" wird
ausschließlich von Männern besucht,
und ein gewisser Makel haftet den
jenigen an, welche dort gesehen wer
den. Das schlimmste in dem ameri
konischen Gesellschaftsleben ist die
Trennung der Geschlechter. In
Deutschland, wo ganze Familien zu
fammen in öffentlichen Plätzen trin
ken, wo die Frau es ganz natürlich
findet, daß sie ihren Gatten begleitet,
kommen keine Ausschreitungen vor,
und der in deutschen Caf^s Herr
fchent* Ton ist so anständig, wie in
deutschen Familien. Die Stimmung
gegen die sogenannte ausländische
Idee hat eine solche Aufregung her
vorgebracht, daß wir von der Kanzel
Drohungen gegen diejenigen aussto
ßen hören, die entweder im Ausland
geboren sind, oder von im Auslande
geborenen Eltern abstammen, wenn
sie versuchen, ihre Auffassung von
persönlicher Freiheit zur Geltung zu
bringen."
Herr Louis Thumm, in deutschen
Kreisen weit über die Grenzen Penn
ivlvaniens hinaus bekannt, ist in
«Pittsburg, Pa.. nach längerem Kran
kenlager im hohen Alter von 74 Jah
ren aus dem Leben geschieden. Der
Verstorbene war Suprerne-Sekretcir
des Deutschen Unterstützungsbundes
seit dessen Gründung 1892 und gehörte
außerdem mehreren anderen deutschen
Vereinen als Mitglied an. Thumm
wurde am 1. November 1834 in
Karlsruhe geboren und erhielt in sei
ner Vaterstadt eine kaufmännische Er
ziehung. Als 21jähriger Jüngling
wanderte er nach den Ver. Staaten
aus, die ihm zur zweiten Heimath
wurden und von denen er den größten
Theil bereiste. Jahrelang war er im
Süden ansässig. In El Paso, Lexas,
betrieb er ein großes Exportgeschäft
nach Mexico. In den späteren Iah
ren brachte ihn die Sehnsucht wieder
nach dem Norden und in Pittsburg
nahm er seinen bleibenden Wohnsitz.
Rheder und Seeleute in Duluth,
Minn., glauben bestimmt, daß der
Dampfer „D. M. Clernfon" mit Al
len an Bord untergegangen ist. A.
B. Wolvin, der Besitzer des Dam
Pliers erklärte, daß er jede Hoffnung
aufgegeben habe und der festen An
ficht sei, daß dem Dampfer, der
sonst seetüchtig war, bei dem letzten
furchtbaren Unwetter, das auf dem
Superior-See herrschte, etwas zuge
stoßen ist. An Bord des Dampfers,
der schon lange in Duluth hätte ein
treffen sollen, befand sich außer dem
Capitän S. R. Chamberlain eine
aus 26 Personen bestehende Mann
schaft. Von Duluth wurden Schlepp
dampfer ausgeschickt, die an der ame
titanischen und an der canadischen
Seite betreffs des verschwundenen
Dampfers Untersuchungen anstellen
mußten, aber von dem Dampfer nicht
die geringste Spur entdeckten.
Charles A. Eckstromer, der schwe
dische Viceconsul in St. Louis, Mo.,
beging unlängst in seiner in No.
1244 Goodfellow Ave., St. Louis,
gelegenen Wohnung Selbstmord, in
dem er Blausäure verschluckte. Der
Verstorbene machte vor einigen Iah
ren dadurch von sich reden, daß er
mit den Bundesbehörden in Conflikt
gerieth und daß ihm infolge dessen
auf Veranlassung von Präsident Roo
sevelt das Exequatur entzogen wurde.
Später erhielt er es wieder zugestellt
und wurde auch von Washington aus
als persona grata anerkannt. Ueber
die Veranlassung zu dem Selbstmord
ist angeblich nichts bekannt. Man
glaubt, daß er mit seinen Vorgesetz
ten im Consulardienst in Streit ge
rathen war und aus Aerger darüber
den verzweifelten Schritt that.
Frederick A. Hyde aus San Fran
cisco, der unlängst schuldig befunden
worden war, die Bundesregierung um
werthvolle Ländereien in Oregon und
Washington betrogen zu haben, wurde
im Distrikts-Kriminalgericht inWafh
ington zu einer Geldstrafe von $10,
000 und zu einer Haftstrafe von zwei
Jahren im Zuchthause zot Mounds
ville, W. Ba., verurtheilt. Javst H.
Schneider von Tucson. Ariz., ein An
gestellter Hyde's, der mit diesem des
selben Vergehens schuldig befunden
worden war, wurde zu $1000 Geld
strafe und einer einjährigen Zucht
hausstrafe verurtheilt. Hyde und
Schneider meldeten nach ihrer Verur
theilung Berufung an das Distrikts
Appellaäionsgericht an. und bis zur
endgültigen Entscheidung deS Falles
wurden Hyde unter $20,000 und
Schneider unter $10.000 Bürgschaft
gestellt.
Francis D. Hirschberg, eine in ka
tholischen Kirchenkreisen von St.
Louis, Mo., sehr prominente und be
kannte Persönlichkeit, persönlicher
Smmfe w Sttbijchofk
Rugby, Nord-Dakota, Donnerstag den 17. Dezember, 1908*
Glennon. Direktor der Louisiana
Purchase Exposition und einer der
angesehensten Geschäftsleute, wurde
vor einigen Tagen in seiner Woh
nung. No. 3818 Lindell Boulevard,
als Leiche mit durchschossener Schläfe
aufgefunden. Der Polizei ist es nicht
möglich gewesen, festzustellen, ob ein
Selbstmord, ein Unglücksfall oder ein
Raubmord vorliegt. Der Verstorbene
war ein Sproß einer der ältesten und
angesehensten Familien von St.Louis,
und seine Gattin eine geborene Chau
vin, deren Vorfahren zu den Grün
dern dieser Stadt gehörten.
Das britische Schiff „Haddon
Hall", um dessen Sicherheit man sehr
besorgt war, kam vor einigen Tagen
nach 245tägiger Fahrt von Liverpool,
England, über Montevideo in Seatt
le, Wa.. an. Die Reise war eine
überaus stürmische, viele Matrosen
erlitten Verletzungen, die Ladung ver
schob sich und nur mit den größten
Anstrengungen verhütete die Mann
schaft den Untergang deS Schiffes im
südlichen atlantischen Ocean. Etwa
200 Meilen von Montevideo entfernt
collidirte der „Haddon Hall" mit der
deutschen Bark „Amsterdam" und
mußte zur Reparatur nach Montevi
deo zurückfahren. Auf dieser Fahrt
erhob sich ein furchtbarer Sturm,
während dessen die Mannschaft das
Leck nothdürftig ausflicken mußte.
Studenten und Professoren des
New Hampshire Staats-College stell
ten an der Küste von Great Bai noch
zwei verschwundenen Studenten,
Charles Chase von Webster. N. H.,
und John W. Davis von Concord,
N. H., Nachforschungen an. die in
einem kleinen Boot in der Bai eine
Spazierfahrt unternahmen. Man
hat auch nicht die geringste Spur
von den Beiden gefunden und man
glaubt deshalb, daß sie ertrunken sind.
In der österreichischer Dopelmonar
chie wurde am 2. December überall
der sechzigste Jahrestag der Thronbe
steigung des Kaisers Franz Joseph
festlich begangen. In sämmtlichen Kir
che it Wiens versammelten sich Tau
sende und Abertausende von Perso
nen beiderlei Geschlechts und von
Vertretern aller Stände und Berufs
arten zu Festgottesdiensten der Kai
fer selbst wohnte dem Gottesdienst
in der Kapelle der Hofburg bei. In
Begleitung sämmtlicher Mitglieder
der kaiserlichen Familie fuhr er in
einer offenen Equipage auf dem We
ge zur Kapelle durch einige der am
dichtesten bevölkerten Straßen der
Stadt und wurde überall mit lauten
Hurah- und Beifallsrufen begrüßt.
Sehr imposant und eindrucksvoll war
das Te Deun' in der St. Stephans
Kathedrale, dt in ausschließlich Vertre
ter der ersten Familien des Reichs
beiwohnten.
Der für den 13. December ange
setzten offiziellen Feier des goldenen
Dienstjubiläums des Generalfeldmar
fchalls Prinzen Leopold von Bayern,
Zweitältesten Sohnes des Prinzre
genten Luitpold, wohnen auf Befehl
des Kaisers die kommandirenden Ge
nerale des 3. und 4. Armeecorps,
General d. Inf. v. Bülow und Gene
ral d. Inf. v. Beneckendorff und v.
Hindenburg, bei. Die beiden preußi
seyen Corps gehören nebst den drei
bayerischen Corps zur vierten Armee
Lnspektion, an deren Spitze Prinz
Leopold steht. Auch eine Deputation
des westfälischen Dragoner Regi
ments No. 7, dessen Chef Prinz Leo
pold ist, wird auf Befehl des Mo
narchen bei den festlichen Veranstal
tungen in München zugegen sein.
Unter Beobachtung eigenartiger Ce
remonien wurden unlängst in Con
stantinopel die bei der letzten Munin
palwahl benutzten Stimmkästen mit
Mliitärbegleitung durch die Straßen
der Stadt getragen. Viele Häuser
waren reich geschmückt, und die Stadt
hatte überhaupt ein Festkleid angelegt,
da sogar an einigen Stellen Ehren
Pforten errichtet worden waren. In
der Prozession, an der sich viele pro
minente Bürger der Stadt betheilig
ten, und die eine Meile lang war.
bemerkte man Fahnen und Banner,
die auf die Wahl Bezug nehmende
Inschriften trugen.
Der englische Consul, Capitän A.
W. W. Forbes, wurde unlängst in
Prag. Böhmen, von einem Straßen
bahnwagen heruntergerissen und bös
von den Tschechen verprügelt, die ihn
für einen Deutschen hielten. In den
Vorstädten dauerten die Krawalle an
demselben Tage bis in die späte
Nachtstunde. Deutsche Geschäfte wur
den geplündert, und die Excedenten
errichteten Barrikaden, zu denen sie
Drähte und andere Hilfsmittel ver
wendeten. Die Zahl der bei den
Kämpfen Verwundeten ist groß, aber
die Truppen halten jetzt die Straßen
'V 'I'"
Das deutsche Colonial-Budget sieht
eine erstmalige Bewilligung von
$150,000, sowie die lveitere Forde
rung von $32,500 jährlich für die
Errichtung und den Unterhalt von
Schulen für die chinesischen Eingebo
renen in Tsingtau in dem deutschen
Pachtgebiet Kiautschou vor. Die Chi
nesen sollen in diesen Schulen Unter
richt in den technischen Zweigen, in
der Medizin, Landwirthschaft. im
Forstwesen und im Völkerrecht erhal
ten.
Die „Suffragettes", die sich auch
„die kämpfende Section" der Frauen
nennen, veranstalteten unlängst in
London eine Demonstration gegen
David Lloyd-George, dm Kanzler
des Schatzamts, als er in Albert Hall
vor einer Versammlung von Frauen
eine Rede hielt. Er wurde von den
..Kämpferinnen" wiederholt unterbro
chen und schließlich herrschte in dem
fast bis aus den letzten Sitz gffüll=
ten Saal ein solches Durcheinander,
daß die Polizei zu Hilfe gerufen wer
den mußte. Dieser gelang es, die
Ordnung wieder herzustellen, so daß
Lloyd George seine Rede beenden
konnte.
Auf Anzeige der Äeneraldirektion
der ungarischen Staatsbahnen wur
den unlängst in Budapest von der
Polizeidirektion eingehende Recherchen
eingeleitet, da ein triftiger Grund zur
Annahme vorhanden war. daß zahl
reiche Angestellte der Staatsbahnen
aus Grund gefälschter Zeugnisse über
vier Bürgerschulklassen ihre zur Auf
nähme benothigte Qualifikation be
wiesen haben. Die von der General
direktion im Archiv vorgenommene
Untersuchung ergab, daß die Zahl
dieser wahrscheinlich in der Haupt
stadt angefertigten gefälschten Zeug
nisse mehrere Hunderte betrage und
daß sogar die von. den zur Aufnahme
sich Meldenden eingereichten Zeugnisse,
etwa hundert an der Zahl, sich als
gefälscht erwiesen. Es wurde bisher
ermittelt, das junge Bauernburschen,
die, wie sich später ergab. Analphabe
ten sind, auf acht bis zehn Tage in
die Hauptstadt kamen und nach Ab
lauf dieser Zeit in ihrer Heimath mit
einem Zeugniß über die Absolvirung
von vier Bürgerschulklassen eintrafen.
Deutschfeindliche Excesse, wie sie in
einem civilisirten Lande geradezu un
erhört sind, wurden unlängst aus
Adelsberg, Kram, telegraphisch ab
meldet. Horden von Slowenen haben
wie Straßenräuber deutsche Kaufleute
überfallen und einfach ausgeplündert.
Auch aus anderen Orten wird von
wüsten Excessen gemeldet. Besonders
schlimm ist es in Olmütz und Kladno
zugegangen. Unter tumultuarischen
Demonstrationen wurden dort die
Fenster deutscher Wohnungen und
Geschäftshäuser eingeschlagen und die
Deutschen mit Steinen beworfen. In
Prag hat der über die Stadt ver
hängte Belagerungszustand sich trotz
aller Proteste der Tschechen, als Da5
richtige Mittel zur Wiederherstellung
geordneter Verhältnisse erwiesen Die
Lage ist andauernd ruhig und Stö
rungen irgend welcher Art sind in den
letzten Tagen nicht vorgekommen.
Laut telegraphischer Meldung aus
Allenstein in Ostpreußen ist der sei
nerzeit gegen Frau o. Schönebeck er
lassene Haftbefehl aufgehoben worden.
Sie verläßt nun jbie Prooinzial-Ir
renanstalt, in welcher sie seit Mitte
Juli d. I. untergebracht war, und
geht in ein Sanatorium. Die 'Allen
steincr Tragödie, deren Opfer Major
v. Schönebeck wurde, ist noch frisch
im Gedächtniß. Der Major würd.'
letzte Weihnachten unter den senfattj=
nellsten Umständen vom Hauptmann
v. Goeben erschossen, der mit der
Frau des Majors ein Liebesoerhält
niß hatte. Goeben griff dem irdi
schen Richter vor, indem er im Unter
suchungs Gefängniß Selbstmord be
ging.
Ein von Studenten der Berliner
Universität ernanntes Spezialcomite
hat unlängst den Studenten der deut
fd^en Universität in Prag eine Bei
leldsdepefche zugehen lassen anläßlich
der von tschechischen Musensöhnen ge
gen ste veranstalteten Demonstratio
nen, die zu blutigen Zusammenstößen
führten. Eine in diesem Sinne abge
faßte Resolution wurde in einer von
Studenten abgehaltenen Massenver
sammlung angenommen, zu der sich
zweitausend Studenten und beinah«
alle Professoren der Universität einge
funden hatten. Professor Wagner und
andere bekannte Universitätslehrer
hielten zündende Ansprachen. In der
Resolution wurde erklärt, daß die
Excesse in Prag deutscher Kultur
und deutscher Civilisation gefährlich
seien.
Durch die Ergebnisse einer uner
warteten gerichtärztlichen Untersu
chung ist die Aussicht, daß der Mein-
i\mm.
Die amerikanische Armee unter Ge
neral Washington hatte sich nach der
Schlacht von Germantown 1777 in
die Winterquartiere zurückgezogen.
Zwanzig Meilen von Philadelphia,
am rechtm User des Schuylkill, liegt
ein dichtöewaldetes Thal, Valley
Forge. Dorthin führte der Feldherr
seine ermatteten Truppen, oon denen
damals schon viele keine Schuhe hat
ten, so daß blutige Fußspuren auf
dem hartgefrorenen Boden während
des viertägigen Marsches zurückblie
ben. An dem Tage vor Weihnacht
schrieb Washington: „Eine Inspektion
ergab heute, daß nicht weniger als
2898 Mann im Lager keinen Dienst
its:'
Wlui."M
I
Da wird die Weihnachtsfreude
kaum haben auskommen können. Ge
rade am Weihnachtstage mußte eine
jede Brigade bewaffnete Fourageab
tHeilungen aussenden, um bei den
umwohnenden Farmern die allerno
thigsten Nahrungsmittel zu requiri
ren.
Washinton theilte zuerst mit sei
neu Soldaten alle Mühseligkeiten des
Feldlagers. Am Weihnachtstage je
doch vertauschte er seine Blockhütte
mit dem Steinhaus des Müllers und
Quäkers Isaak PottS, das noch jetzt
steht und sorgsam erhalten wird. Aus
dieser Zeit ist auch eine Abrechnung
Washingtons über seine Unkosten er-
eiosprozey gegen oen pursten
zu Eulenburg in Berlin jemals wieder
aufgenommen wird, so gut wie end
gültig geschwunden. Fürst Philipp
wurde unlängst unverhofft von der
ärztlichen Commission überrascht es
war.besonders darauf Bedacht genom
men worden, daß irgend welche Vor
bereitungen des Kranken oder seiner
Umgebung verhütet wurden, die sei
nen Zustand vielleicht in falschem
Lichte erscheinen lassen konnten. Das
Resultat der Untersuchung war die
Feststellung, daß eine Wiederaufnah
me des Verfahrens, wenigstens in ab
sehbarer Zeit, unmöglich ist.
Aus Prag wurde unlängst gemei
det, daß infolge der jüngsten Tsche
chenexcesse gegen deutsche Studenten
die Mitglieder des Senats der dorti
gen Deutschen Karl-Ferdinands-Uni
versität ihre Aemter niedergelegt ha
ben. Der Senat erklärt sich außer
Stand«, fernerhin die Verantwor
tung für eine gedeihliche Leitung der
Hochschule zu tragen. Zugleich erhebt
er den nachdrücklichsten Protest gegen
die schmählichen Vorkommnisse, welche
sich in den letzten Wochen ereignet
haben.
Die ausständigen Grubenarbeiter
der Lothringischen Merlenbach-Grube
haben die Arbeit bedingungslos wie
der aufgenommen. Die Ursache des
AuSstandes war die schwere Katastro
phe in der Rad-bod-Gruibe, nach wel
chtr die Merlenbacher Bergleute an die
Bergwerksdirektion mit der Forde
rung erhöhter Sicherheitsmaßregeln
herangetreten waren, während die
Direktion irgend welche Aenderung
der vollauf als genügend erachteten
Einrichtungen entschieden ablehnte.
Wklshmgton's Irmtrigatr Weihnacht.
--MW«
thun können, weil sie keine Schuhe
und nur ungenügende Kleidung ha
ben." Gerade in den Weihnachtstagen
machten sich die vor Frost zitternden,
halbnackten und hungrigen amerika
nischen Soldaten daran und fällten
Bäume, um sich Blockhütten zu errich
ten, in denen sie den Winter verbrin
gen wollten. Jede war 12 bei 14
Fuß groß und konnte zwölf Mann
beherbergen. Bald entstand auch ein«
kleine Stadt von Blockhütten mit re
qulären Straßen, die durch Gräben
und Wälle gegen die Angriffe der
Feinde geschützt war.
«o. 21
ha'ten. De? General hatte bekanntlich
aus jede Bezahlung verzichtet und be
anspruchte nur die Rückerstattung
seiner Auslagen. Auch diese waren
sehr bescheiden. So verzeichnete et
in seinem Ledger: „An Ausgaben
während des Marsches von German
town, am 15. September, bis zum
Feldlager in Valley Forge am 25.
Dezember: $1037 oder 78 Pfd. Str.
.10 Shillings" gewiß eine sehr be
scheiden« Summe für einen Armeefüh
rer während der Dauer von nahezu
sy2 Monat 1 Zumal jene Dollars
nur einen Werth von noch nicht 40
Cents unseres jetzigen Geldes hatten!
In jenes Hüttenlager zog leine
weihnachtlich? Stimmung ein. Es
i hatten ja nur wenige Soldaten Bett
I zeug oder Decken, manche konnten
nicht einmal das !hige Stroh er
halten. Sie ^ocktcn auf dem nackten
Fußboden zusammen und suchten sich
I gegenseitig zu erwärmen, indem ste
dickt aneinander krochen. Es kam
I
vor, daß die armen Leute barfuß in
den Schnee hinaus mußten, um sich
Brennholz zu hauen. Tagelang war
die Armee ohne Broi und Tausende
hatten wochenlang kein Fleisch. Den
noch komiL* General Washington
schreiben: „Man kann die unvergleiche
Geduld und Sündhaftigkeit der Sol-
Daten nicht genug bewundern, daß sie
nicht schon längst durch fhre Leiden
zur allgemeinen Meuterei und Deser
tation getrieben worden sind. Man»
ner ohne genügende Kleidung, ihre
I Blöße zu decken, ohne Schuhe, ebenso
I
1
oft ohne Nahrungsmittel wie in Be
I sitz solcher, auf rem Marsche durch
Eis und Schnee, und am Weihnachts
tage das Lager beziehend, das ihnen
leine Unterkunft gewährte, bis sie sich
selbst Hütten gebaut hatten und
das alles zu tragen ohne zu murren,
das ist allerdings ein Beweis von
Geduld und Gehorsam, der kaum sei-
nes gleichen finden wird."
Von dem italienischen Gouverneur
non Somaliland ist unlängst in
Rom die Nachricht eingetroffen, daß
die Derwische einen oerzweifelten An
(triff cms die Ortschaft Buffalo aus
führten. Es kam dabei, wie der Gou
verneur hinzufügt, zu einem heftigen
Kampf, der mit einer vollständigen
Niederlage der Derwische endete. Sie
flohen nach allen Richtungen auseiy
ander, nachdem sie achtunovierzig
Todte auf dem Kampfplatz zurückge
lassen hatten.
Prinz Leo Radziwill, der' mit sei
stem Automobil ein 15jährig«s Mäd
chen zu Tode gerädert hatte, wurde in
San Remo zu einem Monat Gefäng
niß. 5000 Francs Geldstrafe und zijt
Zahlung eines Schadenersatzes von
5000 Francs an die Familie der
Verunglückten verurtheilt. Prinz Leo
ist der vierte Sohn des Fürsten
Georg Radziwill und zählt zwanzig
^vifae.
Die Behörden in Teheran, Persien,
sind einer Verschwörung auf die Spur
gekommen, die gegen das Leben deS
Schahs gerichtet ist. An verschiede
nen öffentlichen Plätzen der Stadt
fand man Cirkulare angeschlagen, auf
denen gesagt war. daß der Schah
wegen Verletzung der Constitution
von verschiedenen geheimen Organisa
tionen zum Tode oerurtheilt worden
sei.
a v ö e U e n e e a e
wasserfisch lebt in Brasilien (arapai
ma gigas). Er wird bis zu 15 Faß
lang.
I n e n o a n i s e n
von Rio de Janeiro befinden sich
6000 verschiedene Sorten von Dreht»
been.
V. V v: V4..
:s,,V.Sv

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