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Der Staats=Anzeiger. (Rugby, N.D.) 1906-current, December 24, 1908, Image 6

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Hans, Hlit Uni) Taitii
a u e n v e i u n e n
Bei Laugenvergiftungen wendet man
Citronensaft, Essig, Fruchtsäfte und
Olivenöl an.
o u n e e e e wirkt
bei langwierigem Husten e.ußerordent
lid) lindernd und auflösend. Der
Kranke nehme davon jederzeit bei Tag
oder Nacht öfter einen Theelöffel voll.
e e n a u e s u n e n e
i e n u n n e a u
gegen Durchliegen der Kranken gebe
man im Herbste reichlich Quittenkerne
in eine Flasche und gieße guten
Branntwein darüber, lasse es längere
Zeit stehen, bis es wie Oel geworden
ist und bestreiche die leidenden Steven
damit.
a s e n a e n a u S w e i
8 e Art. Der Hase wird gehäutet,
mit Essig ausgewaschen und gespickt
hierauf läßt man in der Pfanne But
ter und Speck heiß werden und den
Hasen auf beiden Seiten kurze Zeit
darin braten, gibt Fleischrühe, etwas
Essig, einige Citronenscheiben, Pfeffer
und Salz nebst einigen Gewürznelken
hinzu und mischt, wenn der Braten
ziemlich weich ist. etwas sauren Rahm
und geriebenes Weißbrot zu der Sauce.
U u n u s i i e
w o e n e a s s e i e n
(in Negenbogenfarben schillernde) wie
der herzustellen, bedeckt man sie mit
trockenem gepulverten Aetzkali und be
nutzt dieses durch Besprengen mit einer
in Wasser getauchten Bürste. Nach
dem der dadurch entstandene Brei kurze
Zeit mit der Glasoberfläche in Berüh
rung geblieben, läßt sich die letztere
durch leichtes Reiben so reinigen, daß
sie wieder vollständig hell wird.
Z e i n u n e n a u s e n
Man lege das Papier, auf dem man
zeichnen oder malen will, auf das Ori
ginal und bestreiche es mittelst eines
Wattebäuschchens mit gereinigtem
Benzin. Die bestrichenen Stellen wer
den dadurch ganz durchsichtig. Man
kann dann sehr gut mit Bleistift,
Tinte, Tusche und Wasserfarben dar
auf malen, ohne da[t die Zeichnung
verlaufen oder das Original beschädigt
wird.
e s o e e e s e a k s
Von gutem, saftigem Rindfleisch
schneidet man seckis bis acht finger
starke Scheiben, tlopft sie gehörig, be
streut sie mit Pfeffer und Salz, wendet
sie in Mehl und legt sie in eine Kasse
rolle, in der man 4 Pfund Butter hat
Farbe nehmen lassen, läßt sie, unter
öfterem Schütteln und Begießen, un
gefähr Stunde dämpfen, gießt dhrni
eine Obertasse stark kochendes Wasser
dazu, läßt sie noch Stunde dämpfen,
macht die Sauce mit ein wenig in
Wasser oder (Saline verquirltem Kraft
mehl seimig, schmeckt sie ab und gießt
sie über die Beefsteaks.
e S a e s K i n e s
darf keine Störung erfahren, am we­
nigsten
eine gewaltsame, wie durch
Herausreißen aus dem Bett, poltern
des Geräusch, grelles Licht u. s. w.
Man vermeide überhaupt es zu wecken,
und stelle sich daher auch nicht an das
Bettchen eines schlafenden Kindes, um
es starr anzusehen, wodurch es beun
ruhigt wird. Vorgesagtes gilt übrigens
nicht nur für Säuglinge, sondern für
alle Kinder bis zu sieben Jahren. Nach
den ersten Jahren kommt man aller
dings oft in die Lage, sie wecken zu
.müssen, doch soll dies stets sanft ge
schehen, indem man sie beim Namen
ruft oder leise berührt, damit sie nicht
aufschrecken, was selbst bei großen Kin
dern schlecht für die Nerven ist.
A w e i n -V e w e n u n
Der Apfelwein ist als gesundes und
kühlendes Getränk und wegen seiner
blutreinigenden Wirkung zu empseh
len und hat deshalb schon in den wei
testen Kreisen Eingang gefunden. Der
selbe ersetzt den Traubenwein vollkom
men als Kochwein und zwar 1. für
Suppen 2. für Saucen zu Mehlspei
sen werden dieselben mit Avselwein
bereitet, wird nur wenig oder gar kein
Wasser beigegossen 3. als pikante Zu
gäbe für Saucen zu Fleischspeisen zu
grünen Gemüsen (vorzugsweise zu
grünen Bohnen), ferner Hülsenfrucht
ten, wie Linsen. Bohnen, Erbsen 4.
als Beimischung zum Essig im allge
meinen, um denselben milder und an
genehmer zu machen, und im speziellen
zum Einbeizen von Fleischwaaren, in
dem man dem Essig das gleiche Quan
tum Apfelwein beifügt dadurch wird
das von vielen so beliebte Beizfleisch
(„Boeuf a la mode") vor der den Ma
gen belästigenden Essigschärfe bewahrt
und leichter vertragen 5. zum Kochen
von Sauerkraut, indem man dasselbe
statt mit Wasser mit Apfelwein oder
auch zur Hälfte mit Wasser, zur Hälfte
mit Apfelwein auf das Feuer stellt
das in dieser Weise zubereitete Kraut
ist von ausgezeichnetem Geschmack und
ist besser und leichter zu verdauen, zu
mal wenn bei älterem Sauerkraut die
Säure zu sehr hervortritt 6. zum
Kochen oder T-ämpfen der Früchte wie:
Erdbeeren, Kirschen, Johannis- und
Stachelbeeren. Zwetschen, Aepsel, Bir
nett u. s. to., sowie beim Einkochen von
Geleesorten, indem man die Früchte
oder den Zucker mit Wasser und Apfel
wein zu gleichen Theilen auf's Feuer
sei-1 durch dieses Verfahren wird
deren Geschmack bedeutend voller und
pikanter.
I n w e e W e i s e s o l
len die Schweine daS
Kraftfutter. erhalten? Körner- und
Hülsenfrüchte sollen für junge Ferkel
mit noch schwachem Gebiß gequetscht
und trocken, nicht aber gemahlen ver
abreicht werden. Sobald jedoch das
Gebiß sich entwickelt hat, also etwa im
Alter von sechs Wochen, gibt man
Körner- und Hülsenfrüchte unzerklei
nert und behält diese Fütterungsweise
bis zum achten Monat bei. Äelteren
Thieren kann man selbst Pferdebohnen
und Erbsen in ungebrochenem Zu
'stände ohne Beeinträchtigung der Ver
dauung geben. Man soll aber niemals
Schweine, die lange Zeit mit mehligen
Stoffen in Suppenform gefüttert
wurden, mit ganzen Körnern ernäh
ren. Diese können nicht kauen, weil
sie keine Uebung darin besitzen und
weil sie wegen Nichtgebrauches der be
treffenden Muskel und Zähne ihre
Kauorgane nur mangelhaft ausgebil
det haben. Die Körner- und Hülsen
fruchte müssen trocken und in kleinen
Portionen in einer breiten Krippe vor
gelegt werden. Wo man zur Verfüt
terung von ganzen Körnern und Hül
fenfrüchten nicht übergehen will, füt
tere man grobes Schrot in trockenem
Zustande. Das Getränk reicht man
eine halbe Stunde vor dem Futter,
aber nicht mehr, als sofort aufgenom
men wird. Gibt man mehr Getränk,
und zwar in einem besonderen Trog,
so lausen die Schweine während des
Fressens zum Wassertrog und verlieren
dabei Futter. Einweichen, Dämpfen,
Brühen oder Kochen ist nur dann
zweckmäßig, wenn das Kraftfutter, 6e#
sonders in gesundheitlicher Beziehung,
zu wünschen übrig läßt.
Z u S w e i n e a s e i e
Mengen oon Bohnen-, Gersten- und
Weizenschrot, oder auch etwas Mais
mehl mit Zuschuß kleiner Mengen
Leinkuchen werden in einer Tonne ge
mischt und mit kochendem Wasser Über
gossen. Nach jeder Fütterung wird
eine Menge dieses Schrotgemisches ge
nommen und hierzu abgerahmte Milch
gegossen, bis sich ein Teig bildet, wel
eher steif genug ist, um Ballen von der
Größe eines Apfels daraus formen zu
können. Jeder Ballen wird in Milch
getaucht und dann den Thieren ge
reicht, welche sie bald gierig verzehren,
um dann zu ihrem gewöhnlichen Fut
ter an den Trog zu laufen. Die Er
folge, welche bei dieser Fütterung er
zielt wurden, sind oft erstaunlich. Je
der Futtertrog muß gut gereinigt wer
den und die Ställe sollen stets mit rei
ner Einstreu versehen sein. Regel
Mäßigkeit und Pünktlichkeit in der
Fütterung- ist ebenfalls von der groß
ten Wichtigkeit.
o s e v o n S a
e l- u n o a n n i s e e
e n z e i e n n i s e e n s w a i e
krebsartige Anschwellungen sie sind
„wassersüchtig," wie der Gärtner sagt.
Tie Ursache dieser Krankheit kann eine
verschiedene fein. Sie tritt ein nach
der Veredelung zu alter Unterlagen
der Goldjohannisbeere oder nach der
Veredelung im Winter im Gewächs
Hause. Bei älteren Standpflanzen
liegt die Ursache in starker Stickstoff
düngung, die einen zu starken Holz
trieb zur Folge hat. Letzterer schadet
auch, wenn er sich, wie es oft der Fall
ist, nach_ dem Entfernen der Wurzel
schösse einstellt. Man veredele daher
nur durch Okulation im Freien aus
einjährige Unterlagen, unterlasse jede
Stickstoffdüngung und entferne die
Wurzelschosse erst nach dem Ansatz der
Früchte.
a n e n i e e e
Manche Pferde zeigen beim Gehen ent
weder an einem oder an beiden Hin
terfüßen eine ganz eigenthümliche Be
wegung. die man mit dem Ausdruck
Hahnentritt oder Hahnengang belegt
hat. Die betreffenden Gliedmaßen
werden heftig, gleichsam zuckend geho
ben, im Sprunggelenk stark gebogen
und rasch wieder aus den Boden ge
setzt. Diese Gangweise verschwindet
auch nicht bei schnellerer Bewegung,
sondern wird stets ausgeführt, sobald
der Schenkel zum Gehen gebraucht
wird es gibt ganz leistungsfähige Ar
beitspferde, denen der Hahnentritt
eigen ist. Die Ursache des Leidens ist
nicht bekannt. Man hat behauptet,
daß krankhafte Veränderung eines für
die Muskeln der hinteren Gliedmaßen
bedeutungsvollen Nerven an dem Uebel
schuld sei.
i e V e e u n e
A i s o k e n u e i u n e
Wurzelstöcke ist im allgemeinen besser,
als die Vermehrung durch Samen.
Man pflanzt zu diesem Zwecke im
Herbst ältere, recht kräftige Exemplare
in geräumige Töpfe oder Kübel und
hebt diese während des Winters in
einem luftigen, jedoch nicht warmen
Raume auf. Man schneidet alle Blät
ter bis auf die Herzblätter fort. Zum
Eintopfen verwendet man sandige,
aber nicht zu leichte Erde, damit das
Gießen möglichst selten erforderlich
wird. Im Frühjahre werden dann die
unteren Ansätze abgetrennt, in Töpfe
gepflanzt und so für die Kultur im
freien Lande vorbereitet.
i e y e n v e e e n i
Winter leicht, wenn sie in einem dunk
len, feuchten Raume stehen. Der beste
Ueberwinterungsort ist ein srostsreies
helles Zimmer. Im geheizten Zimmer
muß man die Myrte möglichst vor der
direkten Ofenwärme schützen und ihr
öfters frische Lust gönnen.
I
1
i
Häusliche jCimfipflcge. $i
Gustav Erdmann war des Allein
feins müde und heirathete. D.aran war
nun nichts Besonderes. Auch nicht
daran, daß die üblichen Hochzeitsge
schenke eingingen. Nicht alltäglich war
dagegen seine Schwägerin Frida, die
jüngere Schwester seiner jungen Frau.
Die hielt sehr auf das, „was sich ge
hört" und was „man muß." Um so
ausfallender war es, daß sie mit ihrer
Hochzeitsspende noch zurückblieb. Man
munkelte auf der Hochzeit von etwas
Großartigem, das sie noch nicht fertig
habe. Also war es etwas Selbstge
machtes.
Als das junge Paar von der Hoch
zeitsreife zurückkehrte, stellte sich-euch
die Schwägerin Frida ein und mit ihr
das geheimnißvolle Hochzeitsgeschenk.
Zwei Männer trugen eine mächtige
lange Kiste in's Haus und luden sie in
der Küche ab. Gustav mußte ver
schwinden. Nach einer halben Stunde
wurde er von Frau und Schwägerin
der geöffneten Kiste zugeführt. Er war
einfach platt. Ein schmallanges kolos
sales Oelgemälde lag da in seiner gan
zen Pracht. Langgestengelte Iris in
allen Farben schlängelten sich in künst
lerischer Unordnung durcheinander
und bildeten in Verbindung mit grü
nen langen Schwertblättern und Farn
I kräutern ein herrliches Stilleben.
I „Großartig, einfach großartig," sagte
Gustav. Und nun erst der Rahmen,
der war ein Kunstwerk für sich. Die
schmale Holzfläche des Rahmens war
I innen vertieft und aus dieser Aushöh
I lung erhoben sich reliefartig zwei wel-
Unförmige Linien, die sich im Rahmen
fortschlängelten und in der Mitte
kreuzten. Wohlgemerkt, das alles von
I Frida selber gemacht. Das war Tief
brand, eine bessere Abart der gewöhn
lichen Brandmalerei, von der Gustav
I keine Ahnung hatte. Mit gewöhnlicher
Brandmalerei sei das nicht zu verglei
chen, erklärteFrida, und das sei furcht
I bar anstrengend. Gustav stand ehr
I fürchtig da.
Eigentlich sah man dem Rahmen
gar nicht an. daß er gebrandmalt war,
überhaupt nicht, daß er von Holz war.
I Denn er war im Grunde grün ange
strichen, und auf die erhabenen Linien
I
war Goldbronze drausgesetzt. Auf
fünfzig Meter hätte man das Ganze
für furchtbar antik halten können: ein
i schwer bronzener Rahmen mit „Patina"
bedeckt und an den erhabenen Stellen
1
abgescheuert.
In der rechten Ecke des Bildes an
der Wurzel der Jrisstengel stand bei.
Name der Künstlerin: Friede!. Das
war Fridas Pensionsname.
I Frida hatte, wie sie wiederholt be
tonte, dieses Prachtgemälde einschließ-
Itch Nahmen in der Pension selbst her
gestellt. Sie war überhaupt ein außer
gewöhnlich begabtes Mädchen. Auch
spielte sie Klavier. Sie war die jüngste
von drei Geschwistern. Dem Willen
des jüngsten Kindes wurde natürlich
ein größerer Spielraum gelassen, so
daß sich ihr künstlerisches Talent so
recht in voller Freiheit entwickeln
konnte. Zum Mittagessen schmeckte es
ihr immer nicht recht, weshalb man ihr
stets Schokolade üorräthig hielt, die ja
bekanntlich sehr nahrhaft ist. Bald
war sie auch nervös, wie alle angehen
den Künstler. Und wenn ihr die Schul?
nicht zusagte, hatte sie Leibschmerzen
und bliev zu Hause. Was fragt ein
junges Künstlerherz in seinem Frei
heitsdrang nach der Schule? Daß bei
einer solch hervorragenden Veranla
gung die kostbare Zeit nicht mit Ko
chen und häuslichen Arbeiten vergeude!
werden konnte, versteht sich von selbst.
Uebrigens hatte sie das auch nicht nö
thig, denn ihre Mutter und die Schwe
ster, eben die Frau Gustavs, besorgten
das ja alles mit scheinbarem 93ergnü
gen. Dafür spielte sie ihnen auf dem
Klavier etwas vor, und man bewun
derte sie. Wie spielte sie aber auch!
Ohne Ruhe ging das über die Tasten
in einer Wildheit, als wenn die Hölle
losgelassen wäre. Und wenn ste gebe
i ten wurde, doch etwas ruhiger und ge
I lassener zu spielen, dann lächelte sie
spöttisch nach der Seite, als wenn sie
sagen wollte: Habt Ihr hausbackenen
Menschen ein Ahnung, was künstleri
sche Begeisterung ist.
Als sich dann Gustav mit der ältern
I Schwester verlobte, ging die liebliche
Frida gerade in Pension. Daß es ein
i hochfeines Pensionat fein mußte, be
darf weiter gar keiner Frage. Ebenso
I
selbstverständlich war es, daß dazu ein
I
Posten neuer Kleider gehörte und daß
Else, die Braut, die das Nähen gelernt
hatte, einige Monate angestrengt ar
beiten mußte, um diese Ausstattung
für das geliebte Schwesterchen fertig
zustellen. Gustav meinte einmal
schüchtern, eigentlich ginge doch die
Brautausstattung vor, und in die
Pension könnte doch immer noch ge
gangen werden. Lächerlich, was ein
Bräutigam alles für Ansprüche stellte.
Als wenn man nicht auch immer noch
heirathen könnte. Frida ging also in
Pension. Die Hochzeit des glücklichen
Paares war auf den 15. August sestge
legt. Frida war damit nicht einver
standen: „Meine Pension läuft Ende
Oktober ab und ich muß eigens wegen
i der Hochzeit vier Stunden mit der
i
Bahn fahren die Hochzeit könnte da
her ebensogut Ansang November statt
finden, wenn ich aus der Pension wie
der zurück bin. Auch die gute Mutter
sah diesen wohlberechtigten Grund ein
ji'id seßte bereits das Datum auf den
12. November. Gereizt, wie Verlobte
-sind, wenn sich ihren sehnsüchtigen
Wünschen Hindernisse in den Weg stel
len, brauste Gustav auf. Er habe sei
nen Urlaub schon festgesetzt, im Win
ter könne man doch keine Hochzeitsreise
mehr machen, und er würde überhaupt
nicht heirathen, wenn die Hochzeit nicht
zu dem zuerst festgelegten Termin ant
15. August stattfinde. Solchen Ge
waltmitteln gegenüber, deren Anwen
dung nur dem Mangel an Anstand
und Bildung entspringen konnte,
mußte Frida schließlich nachgeben. Sie
beklagte sich über die Rücksichtslosigkeit
ihres zukünftigen Schwagers, bequemte
sich aber endlich dazu, ihr feines Pen
sionat auf zwei Tage zu verlassen, um
an der Hochzeit ihres einzigen Schwe
sterchens theilzunehmen.
Daß Frida in ihrer Hochzeitsgabe
etwas ganz Besonderes leisten würde,
war bei ihrer künstlerischen Natur vor
auszusehen. O, sie kannte die Kunst
des Schenkens. Sie hatte nicht umsonst
den Kunstwart gelesen und wußte, daß
man nicht schenken will, um zu schen
ken, sondern daß man die Wünsche
und Neigungen des zu Beschenkenden
ergründen und mit dem Geschenk so
recht einem Herzenswunsch entgegen
kommen soll« Frida war überhaupt
gebildet und ihre Lieblingslektüre war,
wie sie sagte, die Zukunft von Maxi
milian Harden, die ja bekanntlich nur
von literarischen Feinschmeckern ge
lesen und verstanden wird.
Frida wußte, daß ihr zukünftiger
Schwager Gustav auch ein klein wenig
künstlerische Neigungen hegte, denn er
hatte seiner Braut oft Postkarten mit
Bleistift- oder Tuschezeichnungen zu
gesandt, Skizzen, die er gelegentlich
ausgenommen, um seiner Braut eine
Freude zu machen. Frida wußte fer
ner, daß Gustav wie Schulkinder in
einer Mappe allerhand Bilder sam
melte, unter denen sich sogar Aus
schnitte aus Katalogen und Zeitschrif
ten befanden. Und darüber freute er
sich. Er zeigte sie sogar, wenn er Be
such hatte. Wie kindlich! Einige Ori
ginalskizzen von einem ihm befreunde
ten Maler hatte er auch, die hielt er
besonders hoch mehrere davon hatte
er einrahmen lassen und an die Wand
gehängt. Kurz, es entging Frida nicht,
daß ihr zukünftiger Schwager ein we
nig künstlerisch veranlagt war, was
nur nicht so zur Entfaltung hatte kom
men können wie bei ihr, der Frida.
Sonst war er zwar ein Grobian, wie
wir gesehen haben. Auch hatte er wie
derholt anzügliche Bemerkungen über
ihre Bildung gemacht. Denn Gustav
war ärmlich und sehr streng erzogen
worden. Und außerdem war er Beam
ter, der viel arbeitete, sich überall bücken
und drücken mußte, was einer künstle
tischen Entfaltung eben auch nicht for
derlich sein soll. Auch war es Frida
nicht unbemerkt geblieben, daß ihre
ältere Schwester, die Braut, sich den
bescheidenen Kunstneigungen ihres
Verlobten angeschlossen hatte, wie sich
das ja für sie als zukünftige bessere
Hälfte auch gehörte.
Alles das wußte also Frida. Und
weil in der seinen Pension im Harz
nur bessere Künste und Wissenschaften
getrieben wurden, wobei die Oelmale
rei besonders im Ansehen stand, so lag
nichts näher, als dem glücklichen, be
scheidenen jungen Paar als Hochzeits
geschenk ein richtiges Oelgemälde her
zustellen und zu widmen. Dann hat
ten sie doch etwas Ordentliches gegen
über den Spielereien, die Gustav auf
Lager hielt. Das konnten sie dann
doch wenigstens sehen lassen. Schon
im Pensionat mußte das Eindruck ma
chen: ein Gemälde herstellen als Hoch
zeitsgeschenk für ein Brautpaar. Und
nun erst die Wirkung im Staatszim
mer der Neuvermählten. Das Stau
nen des Besuchs, wenn Else mit gleich
giltiger Miene erklärte: „das hat meine
Schwester Frida gemacht, in der Pen
sion."
So staunte also auch Gustav, als er
der offenen Kiste zugeführt wurde
pflichtgemäß, wie es ihm seine Hebens
würdige junge Frau noch schnell ein
geschärft hatte. Er sagte außer „groß
artig" sogar einmal „entzückend." Da
dies nun der Lieblingsausdruck von
Frida war, so stutzte sie ein wenig und
sah ihm in's Gesicht. Da mußte er
sich schneuzen.
Mit einem opulenten Kaffee nebst
Torte und Kuchen wurde nunmehr das
Prachtgemälde gefeiert. Frida gab
Einzelheiten über die Entstehung des
Werkes und über das feine Pensionat
zum besten. Wie ste mit kompletter
Malerausrüstung und in langen Män
tritt gearbeitet hätten, wie schwierig
das Bild zu machen gewesen und wie
iange Zeit fleißigen Schaffens nöthig
gewesen sei, es fertigzustellen. Weiter
erzählte sie, welch feine, distinguirte
Person ihre Lehrerin gewesen sei. Sie
sei Duzfreundin einer Gräfin selbst
hätte sie, Frida, das nicht gehört, aber
die Lehrerin habe es ihr gesagt
habe viel Cigaretten geraucht und sehr
gelehrte Gespräche über Kunst geführt.
O, die habe was losgehabt. Die wäre
vollständig in der modernen Kunst
aufgegangen. Die Griechen und Rö
mer hätten ja auch für ihre Zeit eini
ges geleistet, und die Künstler der Re
naissance seien für die Entwicklung.der
Kunst nicht ganz ohne Bedeutung, aber
sie feien doch eigentlich über eine ge
wisse Schablone nicht hinausgekom
men, und die wirkliche freie echte Kunst
sei uns Modernen vorbehalten geblie
tat:
da? Morgenroth der- Kunst sei
lm «oezesftontSmus ausgegangen. Uno
dabei habe sie immer geraucht. So er
zählte Frida und war dabei Feuer und
Flamme. Die gute Ausnahme ihrer
Hochzeitsspende, die Erinnerung an
die Göttlichkeit der Kunst und nicht
minder der starke Kassee mit Schlag
sahne und Buttercremetorte hatten sie
ganz in Aufregung versetzt. Sie wollte
noch weiter malen, sagte sie, und zwar
nach der Natur. Bei entsprechendem
Verhalten des jungen Paares könnte
sie weitere Kunstwerke von ihrer Hand
in Aussicht stellen.
Gustav saß lange schweigend da und
lächelte hin und wieder. „Frida,"
sagte er endlich, „Du bist eigentlich ein
Wunderkind. Wenn ich bedenke, daß
Dir noch vor wenigen Monaten die
hehre Kunst des Zeichnens und Ma
lens noch vollkommen fremd war, daß
die berufsmäßigen Künstler erst ein
bis zwei Jahre zeichnen lernen müssen,
ehe sie malen, und nun Du auf einmal
ein solches Gemälde! Es ist ja nach
der Vorlage gemacht, gewiß, aber
Immerhin, es ist eine kolossale Lei
stung, wenn wenn Du das alles
wirklich selbst gemacht hast."
Da bäumte sich der ganze Künstler
stolz in Frida auf, und sie zuckte zu
sammen wie von einer Tarantel ge
stechen. Ihre Aufregung war plötz
lich in anderes Fahrwasser getrieben:
„Na, hör mal. solche Zumuthung muß
ich mir denn doch ganz entschieden ver
bitten. Wenn ich meinen Namen dar
unter setze, dann wird man mir doch
zutrauen können, daß ich das Bild auch
gemacht habe. Und überhaupt, es ge
hört sich nicht, daß man an Geschenken
herumnörgelt. Ist das der Dank da
für, daß ich mir bei der Brandmalerei
die Augen verdorben habe, daß ich
heute noch jeden Tag zum Arzt muß?
Ständig sind mir bei dem Qualm die
Thränen die Backen heruntergelaufen,
und bis in die Nacht hinein..."
„Aber bitte, Frida, das erkenne ich
ja alles gern an, ich bewundere doch
nur das Werk und meine, auch wenn
Dir die Lehrerin dabei ein wenig ge
Holsen hat, so ist das doch weiter nicht
schlimm. Weißt Du was, Frida, Über
zeuge mich aus friedliche Weife durch
die That. Strafe mich Lügen. Ich
gehe jetzt in die Stadt und bin in einer
Stunde wieder hier. Wenn Du mir
diese Kaffeekanne in einfachen Bleistri
chen so auszeichnest, daß ich sie als un
sere Kanne wiedererkenne, dann glaube
ich wahrhaftig, daß Du auch das Bild
ganz allein gemacht hast. Hier ist ein
Kohinoor Nr. 2 und ein Stück Zei
chenpapier. Auf Wiedersehen bis nach
her!"
Da war's am Ende. Fridas Augen
funkelten: ..M babe Deine Anmaßun­
Zfham
G. R. Brainard
Rechtsanwalt
Ich bin in der Lage, Ihnen Fleisch
während der Ernte- und Dreschzeit
zu den denkbar niedrigsten Preisen zu
verkaufen.—Habe stets das beste Rind
fleisch, Schweine- uvd Schaffleisch,
sowie andere Sorten, an Hand
Wurstwaaren aller Art
immer frisch. Wir verwenden zum
Wurstmachen nur das beste Fleisch
und deshalb sind unsere Würste auch
weit und breit als außergewöhnlich
wohlschmeckend und delikat bekannt.
Sie kennen wohl den Platz
s
gen nun endlich satt. Solche dummen
Sachen haben wir überhaupt nicht ge
macht. Das sollte ich gewußt haben,
daß mir meine Mühen und Kosten so
gelohnt würden! Du hast von dem
Werth der Sache überhaupt keine
Ahnung. Das rohe Weidenholz zum
Rahmen hat allein 15 Mark gekostet.
Außerdem habe ich mir bei der Ties
bremdmalerei das gute Kleid ver
brannt. Die Verpackung kostete 6
Mark und der Transport 2.20 Mark
und dem Dienstmann habe ich auch
noch ein schweres Trinkgeld geben müs
sen. Und nun dieser Dank, Du solltest
Dich was schämen! Meinst Du, ich
würde für Euch noch einmal ein Bild
malen? Niemals, nie!"
Und Thränen. entströmten ihren
schönen Augen, schlimmer als damals
bei der Tiefbrandmalerei. Sie schämte
sich ihrer, wurde dadurch noch böser,
ging hinaus und schlug mit einem
..Unverschämtheit!" die Thür hinter
sich zu.
„Du hättest nun auch so nicht gerade
zu fein brauchen." sagte feine klewe
Frau, „Du weißt ja, wie sie ist."
Allerdings wußte das Gustav, jetzt
wußte er es nur noch besser. Er nahm
stillschweigend seinen Hut, ging in's
Kaffeehaus zu seinen ehemaligen
Freunden und kam erst spät heim.
Seine Schwägerin ist ihm heute noch
nicht wieder gut. Sie hat Wort ge
halten ein weiteres Bild hat sie nicht
mehr verehrt. Und der rücksichtslose,
ungebildete Schwager grämte sich dar
über nicht einmal. Er hat eben von
wahrer Kunst nie was verstanden.
tjöfltd).
Badewärter (zu zwei Herren): „ES
ist aber leider augenblicklich nur eine
Zelle frei, meine Herren!" „Dann
trete ich selbstverständlich zurück, Herr
Direktor!" „Sie sind aber doch
eigentlich zuerst gekommen?" „O,
das hat nichts zu sagen bei mit ist's
Überhaupt nicht so eilig."
UerfÄsnappt.
„Leugne doch nicht! Du bist ja bis
über beide Ohren verliebt in den Inge
nieur." „Auf Ehre nicht! Ich be
wundere zwar seinen Geist, seine
Kenntnisse und feine glänzende Unter»
Haltungsgabe, aber ..."—„Weißt Du
übrigens, daß seine Frau von altem
Adel ist?" „Wie? Verheiratet ist
et? Na, so ein Lump!"
Gedankensplitter.
Welch? Geheimnisse am besten verborgem
find? die offen vor aller Augen liegen.
Jugend hat keine Tugend schlimm gc»j
tttift für die Xuflend. .1
Fleisch-Laden
Lynn Aham, Eigenthümer
Telephon Nr. 77 Wtgby, N. Dat.
G. A. Ebbert,
Präsident
Leihen Geld auf Farmen. Final Proofs und Contests.
Feuer-, Hagel- und Lebensversicherung. Dampfschiff-Fahrkarten.
Besorgen Landgeschäfte aller Art reell und schnell.
Kollationen werden prompt besorgt. Wenden Sie sich an uns.
Wir sprechen deutsch!
Deutsche, die Rechtssachen zu erledigen haben, finden hier alle Auskunft.
C. F. Schaefer,
Sectetât

Slchjl von Cduard Schneider.
FARM MORTGAGE
Land and Loan Company
ANAMOOSE, Mord-Dakota.

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