OCR Interpretation


Der Staats=Anzeiger. (Rugby, N.D.) 1906-current, March 18, 1909, Image 1

Image and text provided by State Historical Society of North Dakota

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn89074935/1909-03-18/ed-1/seq-1/

What is OCR?


Thumbnail for

S. Jahrgang
Wochenschau.
Aman».
Mit dem Beginn der Aera Taft
traten vom 5. März an im Personal
des Weißen Hauses verschiedene Ver
änderungen ein. Thomas C. Stone,
früherer Chief Usher, wurde der
Amtsnachfolger des Thürstehers,
Major Charles D. A. Loeffler.
Stone hatte seinen Posten schon seit
der Zeit inne, als Schatzsekretär Cor
telyou noch Sekretär des Präsidenten
war, und fungirte oft als Reisebeglei
ter des Präsidenten, während Loeffler
seinAmt schon seit den Zeiten desPrä
sidenten Grant versah. Dieser behält
fein volles Gehalt als Soldat und
wird sich gelegentlich im Weißen
Hause nützlich machen können. Der
farbige Stewasd, Henry Pinckney,
welchen Präsident Roosevelt aus
Oyster Bay mitgebracht hatte, ist in
eines der Regierungsdepartements
versetzt und wurde durch eine Person
lichkeit aus New Aork ersetzt. Fräu
lein Alice Blech, welche im Bureau
der amerikanischen Republiken be
schäftigt war, ist zur Sekretärin der
Frau Taft ernannt und nimmt also
eine entsprechende Stellung ein, wie
Fräulein Jsabelle Hagner sie bei
Frau Roosevelt bekleidet hat. Das
Jahresgehalt für die Stellung, welche
früher stets Männer innehatten, be
trägt $1400.
Bundes Distriktsanwalt Kealing
von Indianapolis bot seine Resigna
tion eingereicht, um nicht in die Lage
zu kommen, an dem Prozeß gegen die
Zeitungsherausgeber Delavan Smith
von der „Indianapolis News" und
Joseph Pulitzer von der „New Aork
World" theilnehmen zu müssen. Die
beiden Zeitungsherausgeber sind be
kanntlich von Großgeschworenen des
Distrikts Columbia angeklagt, daß sie
angeblich ehrenrührige Beschuldigun
gen gegen hochgestellte Personen in
ihren respektiven Zeitungen haben ver
öffentlichen lassen. Distriktanwalt
Stealing sagt in feinem Schreiben an
den Präsidenten, daß er es nicht mit
den Bestimmungen des Gesetzes in
Uebereinstimmung bringen könne, daß
die Angeklagten in Washington und
nicht, wie es seiner, Kealing's Ansicht
nach das Gesetz verlangt, in ihrer
Heimath prozessirt werden sollen.
Die Resignation Kealing's soll vom
15. März an in Kraft treten.
In Omaha. Nebr., wurde vor eini
gen Tagen ein griechischer Arbeiter.
Namens John D. Savis verhaftet, in
dessen Besitz man das Frau Otto
Heinze im Hotel Knickerbocker zu New
Kork unlängst gestohlene Halsband
fand, dessen Werth auf etwa $50,000
veranschlagt wird. Savis, dessen
rechter Name Sclavinitis ist, sagte
der Polizei, daß er im Hotel Knicker
bocker in New Aork angestellt gewesen
sei und das Halsband unter einem
Hausen Kehricht gefunden, an sich ge
nommen und gewartet habe, bis Je
mand den Verlust des Schmuckgegen
pandes bekannt machen würde. Da
das nicht geschehen, sei er nach dem
Westen gegangen und habe versucht,
es zu verkaufen.
Vicepräsident Fairbanks ließ vor
einigen Tagen dem Sekretär des Bun
deSfenatS eine Bankanweisung für
$200 zugehen und erklärt, daß dieses
der Kostenpreis für das Tintenfaß
sei, das er. Fairbanks, vor 4 Jahren
für seinen Tisch im Bundessenat
bei einem Juwelier in New Uork habe
machen lassen und das er als Anden
ken mitzunehmen wünsche. Gleich
nachdem die letzte Sitzung des Senats
vor der Inauguration des Präsidenten
Taft eröffnet war, überreichten die
Mitglieder des Hauses Herrn Fair
banks ein prächtig gearbeitetes Sil
berservice, und die demokratischen
Senatoren schenkten dem Bicepräsi
bentcn außerdem in Anerkennung sei
ner streng unparteiischen Leitung der
Geschäfte des Hauses einen solide sil
Kernen Liebesbecher.
In Washington wurde Capt. W
H. Mathews vom fünften Pokizeipre
einst, als er in seiner Office an sei
nem Pulte saß, von dem Polizisten
Collier erschossen. Dieser trat Plötz
lich in das Zimmer, stellte sich vor den
Capitän und seurte, ohne auch nur ein
'Wort zu sagen, fünf Schüsse au, die
Mathews tobt niederstreckten. Die
Amtscottegen Colliers nehmen an, daß
dieser sich an Capt. Mathews rächen
wollte, weil er wegen Pslichtoernach
lässigung von ihm scharf getadelt
worden war. Collier wurde prompt
verhastet, weigerte sich aber ganz ent
schieden, auf die an ihn gerichteten
Fragen Antwort zu geben.
Reo. P. Erasin Ansian, der Rector
der polnischen St. Stanislauskirche in
Newark, N. I., wurde unlängst von
drei maskirten Männern, die in seine
Wohnung drangen, so schwer verwun
det, daß et von den Aerzten ausgege
ben ist. Fräulein Antonia Sewrzystka,
die Haushälterin des Geistlichen, die
diesem zu Hilfe eilen wollte, wurde
von den Eindringlingen ebenfalls ver
letzt. Man glaubt, daß es sich um
einen Racheakt handelte, der eine Fol
ge von Meinungsverschiedenheiten
war, die unlängst zwischen dem Geist
lichen und seinen Gemeindemitglie
betn ausbrachen Die maskirten Man
ner, die der Wirthin des Geistlichen
unbekannt waren, kamen in die Woh
nung, während der Priester in der
Kirche Messe las. Als er ins Zimmer
kam, in dem die Fremden waren,
feuerten diese mehrere Schüsse ab, die
den Geistlichen zu Boden streckten.
Unter dem Verdacht, an dem Mord
attentat betheiligt gewesen zu sein,
I wurden fünf Männer verhaftet.
Etwa dreihunderttausend Türken,
die in den Vereinigten Staaten woh
nen, haben Kaisim Bey. dem türki
scheu Botschafter in der Bundeshaupt
stobt Washington, eine Petition un
breitet, in der sie die Absetzung des
türkischen Consuls in New 5)ork,
Munji Bey, verlangen. Sie erheben
gegen diesen die Beschuldigung, daß
er sich angeblich Betrügereien hat zu
Schulden kommen lassen, indem er sich
für das Ausfertigen amtlicher Doku
mente zu hohe Gebühren bezahlen
ließ und seine Landsleute angeblich
noch in anderer Weise schröpfte. Eine
Delegation von prominenten Türken
unterbreitete die Petition dem Bot
schafter, und dieser erklärte, daß er
der Angelegenheit: sofoci seine Auf
merksamkeit schenken werde. Unter
denen, welche die Petition unterzeich
net haben, befinden sich die angesehen
sten Türken New York's.
Ein in dem Countygesängniß zu
Nock Wall, Texas, eingesperrter Ne
ger, Namens Anderson Ellis, wurde
oor einigen Tagen in dem mitten in
der Stadt gelegenen öffentlichen Part
auf einem für diesen Zweck speciell er
richteten Scheiterhaufen verbrannt,
nachdem er von Frau Arthur McKin
riet), der Gattin eines weißen Far
mers, als der Farbige identifizirt
worden war, der einen verbrecherischen
Angriff auf sie gemacht hatte. Ehe
der Scheiterhaufen angezündet wurde,
gestand der Neger seine Schuld. Kurz
vorher hatte derselbe Mob. der Ellis
lynchte, einen jungen Farbigen. Na
mens Clark, erschossen, weil dessen
Vater sich weigerte, seine Wohnung
nach Clark durchsuchen zu lassen.
Unter einem Haufen Schnee nur
theilweise zugedeckt, fand man un
längst auf einem zwischen Alexandria
und Washington, Va, gelegenen Fel
de die Leiche eines Mannes. In den
Taschen der Kleider entdeckte man
eine von der Wells Fargo Expreß
Co. in Los Angeles, Cal., für die
Summe von $300 ausgestellte Bank
anweisung, an Walter F. Schultz
zahlbar. Eine Visitenkarte mit dem
selben Namen Walter F. Schultz, die
in einer anderen Tasche war, trug
die Adresse 1314 Douglas Str.,
Sioux City. Ja., und eine andere
Karte hatte den Namen Frau Alma
Hume Gillette. Frau Alma H. Gil
lette wohnt in Sioux City, Ja., und
ist eine Schwester des Todten, der,
wie sie erklärt. Walter F. Schultz
heißt und ein Künstler war.
In einer unlängst bekannt gegebe
nen Entscheidung erklärte Richter
McPherson von dem Bundes-Di
striktsgericht in Kansas City, daß die
von der Staatsgesetzgebung von Mis
fouri festgesetzte Rate von 2 Cent per
Meile für Passagiere und die söge
nannte Maximum-Frachtrate nicht g:
nügenö seien, um den achtzehn Eisen
vabnlinien in dem Staat zufrieden
stellende und angemessene Einnahmen!
Zu sichern. Die Entscheidung fiel zu
Gunsten der Eisenbahnen aus, die
von dem Staat gerichtlich verfolgt
wurden, weil sic sich weigerten, die
von der Staatsgesetzgebung festgesetz
ten Raten als gesetzlich und somit
bindend anzuerkennen.
.Jim Sloan, der Leibwächter des
früheren Präsidenten Roosevelt, der
diesen während der letzten fünf Jahre
auf allen seinen Reisen begleitet hat
und nicht von seiner Seite gewichen
ist, wird seine Stelle im Bundes-Ge
heimdienst niederlegen, um die ihm
übertragene Stelle des Bundesmat
schalls für den südlichen Distrikt von
Illinois anzutreten. An Sloan's
Stelle als Leibwächter des Präsiden
ten Taft wird Luden C. Wheelet tre
ten, der augenblicklich von „Jimmie"
*3loan mit den wichtigen Pflichten
seines neuen Amts vertraut gemacht
wirb.
Allgemeine Verwunderung erregte
es unlängst in Oyster Bay, N. A.,
als der frühere Präsident Roosevelt
mit seiner Gattin in nicht gerade
hochfeinem Feiertagstock in der etwa
drei Meilen von seiner Wohnung enl
fernten Christ Episcopalkirche zum
Gottesdienst erschien. Beide hatten die
Strecke trotz der schlechten Wege zu
Fuß zurückgelegt. Um einer vielleicht
sehr stürmischen Begrüßung zu entge
hen, verließen Herr und Frau Roose
velt die Kirche kurz vor Schluß des
Gottesdienstes und machten sich eben
so, wie sie gekommen waren, wieder
auf den Heimweg.
Von mehreren früheren Bankange
stellten, die augenblicklich Insassen
des Zuchthauses zu Allegheny. Pa.,
sind, wurde unlängst in den Ge
schäftsbüchern der Anstalt ein Fehlbe
trag von $26,000 entdeckt. Der Ver
waltungsrath, dem die Angelegenheit
unterbreitet wurde, beschloß eine Er
klärung des Zuchthausdirektors abzu
warten, ehe die Angelegenheit näh:?
untersucht wird. Man glaubt, daß
es sich nur um fehlerhafte Buchfüh
rung handelt.
Irl einer informellen Versammlung
von mehr als bet Hälfte der Apache
Indianer, die sich als Gefangene in
Fort Sill befinden und berechtigt sind,
bei Der Wahl eines neuen Häuptlings
an Stelle des verstorbenen Geronimo
mitzustimmen, ist vor einigen Tagen
Asa Deklugie, der Sohn Whaa's vom
Nedni Zweige des Stammes, zum
Häuptling erkoren worden. Die de
f'nitive Wohl wird in Bälde stattfin
den.
aiuslanb.
Vor den Mitgliedern des Royal
Institute in London hielt unlängst
Lotb Esher, der im Jahre 1907
Briefe der Königin Victoria heraus
gab, einen interessanten Vortrag über
die verstorbene Königin. Er sagte,
daß diese von ihrem 13. Jahre an
bis zu ihrem Tode ein genaues Tage
buch geführt habe, das sehr interes
feinte Einzelheiten enthalte unb min
destens hundert Bände füllen würde,
wenn es gedruckt werden sollte. Die
Correspondenz der verstorbenen Kö
nigin, die sie selbst geordnet hat,
würde, wenn sie veröffentlicht werden
würde, mindestens 1,200 Bände fül
len. Des Weiteren sagte der Rebner,
baß bie Königin währenb der langen
Zeit ihrer Regierung stets für den
Frieden gewesen sei und nichts ge
than habe, was sie später hätte be
reuen müssen.
Im Harz, im Erzgebirge, in Süd
beutschland, besonbers aber in Süd
tirol haben unlängst neue Schneefälle
stattgefunden, welche die bereits vor
bandene Kalamität noch erhöht ha
be,.. Namentlich sind durch Schnee
verwehungen weitere Verkehrsstörun
gen entstanden, welche sich in ber em
pfindlichsten Weife geltend machten.
ZXt Bahndienst war stellenweise ganz
'nlerb rchen. Vielfach wurde der är
atere Theil ber Bevölkerung in eine
ich' irme Nothlage versetzt.
Entgegen den Erwartungen wird
das deutsche Kaiserpaar in diesem
Vit et keine Reise nach der Insel
Korfu antreten, um in seiner dorti
gen Besitzung Achilleion einige Zeit
Aufenthalt zu nehmen. Wie von best
unterrichteter Seite verlautet, ist de:
Rugby, Nord-Dakota, Donnerstag den 18, März, 1909.
vion endgültig ausgegeben worden.
Die Reise hatte bereits als fest be
schlossen gegolten, um so mehr, a&
neuerdings die Arbeiten zur Vermeh
rung, Erweiterung unb besseren Aus
stattung ber Wohnräume des Achil
leion im Schnelltempo durchgeführt
weiden waren.
König Victor Emanuel von Ita
lien gewährte unlängst William Mar
com eine Privataudienz und zog den
Erfinder darnach zur Tafel. Der
Monarch beglückwünschte seinen Gast
auf das wärmste zu ben Errungen
schaften feines Systems brahtloser Te
legtaphie. Marconi erklärte, baß er
durch die Errichtung einer besonderen
Kraftanlage in Coltano unweit Pisa
innerhalb zwölf Monaten direkte
drahtlose Verbinbung mil Amerika
herzustellen erwarte.
Major Parseval hat einen neuen
Aeroplan fertig, ben bemnächft bei
Berlin Probiren will. Es ist ein
von einem Motor getriebener Mono
plan unb soll von einer Wasserfläche
aus aufsteigen und auf dem Wasser
niedergehen. Parseval's dritter lenk
barer Ballon, der bedeutend mehr
Kraft entwickelt, als seine früheren
Luftschiffe, ist soeben mit Erfolg einer
Reihe von Versuchen im Beisein der
militärischen Spitzen unterzogen wor
den.
Alles was oils der Farm an Maschinen gebraucht wird, ist bei mir zn haben
Eine Schaar realistischer Studen
ten hat unlängst im Jardin de
Luxembourg in Paris eine Anzahl
Standbilder demolirt. Die Statuen
wurden auch theilweise butch In
schriften, wie „Nieder mit ber Re
publik", „Es lebe der König", verun
staltet. Auch in Versailles wurde der
Versuch gemacht, ein Standbild, das
Denkmal Emile Zola's, von seinem
Postament zu stürzen, doch ist der
Versuch mißlungen.
«Pracht den richtigen Anfang, indem ihr zum Putzen des Getreides die bekannten Superior Staubmühlen benutzt. Diese werden von bekannten Leuten gemacht
die jahrelange Erfahrung in diesem Geschäftszweige haben und einen guten Ruf haben. Eine vollständige Auswahl derselbe« habe ich stets auf Lager.
Habe soeben drei Carladuugeu Farm-Maschinerie erhalten lmd weitere Sendungen werden erwartet. Ganz gleich, welche Art Maschinen oder Geräthe Sie zu
kaufen wünschen, bei mir finden Sie alle solchem endloser Auswahl und zu den denkbar niedrigsten Preisen.—Alles reelle, dauerhafte Waaren.
Beim Fortschwemmen eines Fang
dainms, der bei dem Bau eines neuen
Docks in Birkenhead bei Liverpool,
England, benutzt wurde, fanden un
längst sechzehn Arbeiter ihren Tob.
^ret würben so schwer verletzt, daß
an ihrem Aufkommen gezlveifelt wird.
Man glaubt, daß der Damm nicht
sicher genug hergestellt worden war.
In Leipzig hat der ehemalige Co
lonial-Oberrichter Victor Eschke
Selbstmord begangen. Er legte Hand
an sich, während bas kürzlich gegen
ihn eingeleitete Disziplinarverfahren
fror dem Reichsgericht im Gange war.
Tie That erregte ungeheure Bestür
Vine. Eschke stand im Alter von
fündig Iahten.
Social Revolutionäre versuchten
vor einigen Tagen in Paris bei ber
Enthüllung bes zu Ehren des früheren
Premierministers von Frankreich
Charles Thomas Floquet errichteten
Denkmals eine Demonstration gegen
Premierminister Clemenceau zu'ver
i.nftalten. Dem prompten Eingreifen
der Polizei ist es zu verdanken, daß
vir Demonstration, die sicher zu Blut
vergießen geführt hätte, rechtzeitig ver
titelt wurde. Der Enthüllung des
Denkmals, die sich zu einer sehr im
posanten Feie? gestaltete, wohnten un
ter anderen auch Präsident Fälliges
und Ex-Präsibent Loubet bei. Pre
mierminister Clemenceau hielt bei der
Gelegenheit eine längere Rede, in d.'r
er die Errungenschaften der Republik
seit dem Sturz d?« Kaiserreiches ein
aehend Revue Passiren ließ, mit gro
ßem Nachdruck hervorhob, daß keine
i.vbm Revublik der Welt in demsel
len Zeitraum auch nur annähernd
dasselbe fertig gebracht habe und
dann in beredten Worten betonte, dah
^snquct sich als Premierminister um
die glorreichen Errungenschaften un
serbliche Verdienste erworben ha'ct.
Größtes Aufsehen erregte unlängst
in Berlin eine Massenertrankung uli
tt dem Personal des Virchow-Hospi
tal?. Beinahe einhundert Wärterinnen
der Anstalt waren leicht ertrankt. In
allen Fällei' waren Vergistungs-Er
schemungen zutage getreten. Wahr
scheinlich hatte der Genuß von verdor
benem Hühnec-Frikassee das Unheil
angerichtet. Von der Verwaltung des
Buchow Hospitals ist sofort eine
gründliche Untersuchung eingeleitet
worden. Das Vorkommnis wird um
nmgcv.
so peinlicher en.pfunben, als erst ver
nicht langet Zeit in ber gleichen An
stalt unter dem Personal zahlreiche
Erkrankungen sich ereigneten, welche
ans die nämliche Ursache zutückzufüh
ten waren. Die Angelegenheit kam
damals sogar im Parlament zur
Sprache und gab zu scharfer Kritik
Veranlassung.
Die russische Regierung hat sich
dazu entschlossen, so weit als angän
gig die Verhängung der Todesstrafe
und die Anwendung des kriegsgericht
lichen Verfahrens bei gewöhnlichen
Verbrechen einzuschränken, was durch
die Besserung der allgemeinen Ver
hälwisse im Lande auch ermöglicht
wird. Das juristische Ressort des
Kriegsministeriums hat an die Be
zirks Kriegsgerichte ein Rundschrei
ben geschickt, in welchem empfohlen
wird, alle Fälle, die vor Civilgerich
ten entschieden werden können, an die
se zu überweisen. Die Todesstrafe
wird fortan nur in den schwersten
Fällen nach sorgfältiger Prüfung al
len Bcweismaterials verhängt werden.
Die Ausführung dieser Reform war
dem Zaren durch den Duma-Präsiden
ten Khomjakoff in einer kürzlichen
Audienz dringend empfohlen worden.
Im Hinblick auf die bevorstehende
neue Verhandlung der Moltke-Harden
Klageaffaire sind seitens der zustän
digen Gerichte in Berlin Schritte ge
than worden, um die Vernehmungs
sähigkeit des Fürsten Eulenburg, wel
cher als Zeuge für den rPozeß bedeut
sam ist, festzustellen. Im Auftrage i\*r
wissenschaftlichen Deputation des ge
richtlichen Medizinalwesens begaben
sich Geheimrath Fritz Schmidtmann
und Geheimrath Fritz Straßmann,
Dozent für forensische Medizin und
Direktor der praktischen Unterrichts
anstatt für Staatsarzneikunde in Ber
tin, nach Schloß Liebenberg, um den
tränten Fürsten eingehend zu unter
suchen. Der Zweck der Untersuchung
war, festzustellen, ob Eulenburg ge
genwärtig verhandlungsfähig ist und
ob eine Aussicht auf Wiedereintreten
eines verhandlungsfähigen Zustandes
vorhanden ist. Der Bericht der De
putation ist noch nicht bekannt gegeben.
Die Suffragettes in den englischen
Provinzstädten bereiten s.ch daraus
vor, eS ihren Schwestern in London
an Eifer und kriegerischer Bethäti
gung gleichzuthun. So wird gegen
Ende dieses Monats eine Delegation
von Suffragettes aus Lancastershire
mit ihren Shawls und schweren
Schuhen den Versuch machen, ob es
ihnen gelingen wird, den Cordon zu
durchbrechen, den die Londoner Poli
5ci um den Premierminister Asquith
bildet, und dem Unerreichbaren eine
Petition zu überreichen, in der für
Englands Frauen das Stimmrecht
verlangt wird. In ganz England
üben sich die Suffragettes augenblick
lich in Entsagung, um das Ersparte
siir ihre große Sache beisteuern zu
lcnneit.
Libau. der bedeutendste russisch?
Ostseehafen, hat an die russische Re
gierung die Bitte gerichtet, in einen
Freibafen wie Hamburg umgewandelt
zu werden. Die Stadt hat sich (irrrit
erklärt, 250 Acker Land am Hase»
für Erweiterung der Kai'Anla^e?
und für Errichtung von Waarenbäu
fern und Speichern zu erwerben. In
diese-? Gebiet würden Waaren von
außerhalb zollfrei eingeführt werden,
tun dann nach Skandinavien, den
Ostfeeprovinzen und Nordrußland
versandt zu werden. Das Projekt
würde sich für den amerikanischen
Getreide-Export sehr nützlich erweisen.
Unterstützt von einer starken Ab
theilung Infanterie gelang es der Po
lizei in Warschau, Russisch-Polen, un
längst, eine in der Aula der Universi
tät abgehaltene Sjudenten-Versamm
lung zu sprengen und 178 Musensöh
nc, die sich in heftigen Vorwürfen ge
gen die zuständigen Behörden ergin
gen, zu oerhaften. In der Versamm
lung wurde über die neuen Examina
tionSvorschristen gesprochen. Es ist
mehr als wahrscheinlich, daß die Uni
versität bis auf Weiteres' geschlossen
wt.
vcV
I
,.
o
No. 34
norden wird. Die Studenten sind fast
obne Ausnahme Russen aus dem In
nern des Landes, da die Polen èie
russische Universität standhaft boykot
ten.
Zum ersten Mal hat Kaiser Wil
Helm seine Regel, niemals in einem
Berliner Hotel zu speisen, gebrochen,
und zwar aus Anlaß der Hundert
jahrfeier des preußischen Kriegsmini
steriums. Das Festbankett, an dem
}er Kaiser theilnahin, fand im Hotel
Adlon statt. Als Andrew D. White
1901 Botschafter in Berlin war, lud
er ben Kaiser ein, in seinem Hotel,
dem Kaiserhof. zu speisen. Der Kaiser
ließ burch bas Hofmarschallamt mit
der Begründung absagen, daß es ein
Verstoß gegen die Etikette wäre, wenn
et in einem Berliner Hotel speisen
wüt be.
Der Ftlmsee.
Merkwürdige« Dl»tn»««,» ««f etltee 1(1
Das Städtchen Nassau auf ber In
sel Providence im Äahama-Archipel
weist in seiner nächsten Umgebung zwei
ganz befonbere Seyenswürdigkeiten
auf: Die „Seegärten" unb den
„Feuerfee." Die „Seegärten" sinb
nichts anberes, als ein Korallenriff,
wo sich alle möglichen Arten von Horn
und Steinkorallen angesiedelt haben,
die burch ihren Formenreichthum und
ihre Farbenpracht bas Entzücken
aller Besucher bilben. Der „Feuer
see" ist ein kleiner im Privatbesitz be
findlicher Binnensee, Waterloo- oder
Firelake genannt, der, etwa einen hal
ben Quadratkilometer groß, burch
einen 500 Meter langen Kanal mit
bent Meer in Verbinbung steht unb
dadurch stets mit frischem Wasser ver
sorgt wirb. Dichtes Mangrovegebiisch
umsäumt das Ufer, da und dort über
ragt von einzelnen schlanken Palmen.
Tagsüber liegt ber See einsam und
verlassen da, aber sobald es finster
wird, entwickelt sich ein reges Leben.
Ein Wagen nach dem andern bringt
Schaulustige herbei, die gegen Zahlung
von zwei Shilling durch ein Gitter
hindurchgelassen werben unb nun bis
en's Ufer bes Sees gelangen können.
Sobalb nun bie Wasserfläche irgend
wie bewegt wird, bietet sich ber An
blick eines sehr intensiven Meerleuch
tens. Jeber Nuderschlag treibt
glitzernbc Wellen über bie Oberfläche,
unb bie Herabfallenben Tropfen leuch
ten wie flüssiges Silber in einem
weißlichen Lichte, bas so intensiv ist,
daß man die Stellung des Uhrzeigers
erkennen kann. Stets findet sich ein
Neger, der in's Wasser springt und
durch sein Plätschern ein wahres
Feuerwerk hervorruft. Fische, die
spielend aus dem Wasser sich empor
schnellen, ziehen leuchtende Streifen
hinter sich her. Dieses Phänomen
kann man bas ganze Jahr über be
obachten, nur nach starkem Regen pau
sirt es auf wenige Tage. Wenn man
mittelst eines Planktonnetzes etwas
Wasser siltrirt, so ist das Netz beim
Herausziehen aus dem Wasser übersät
von leuchtenden Punkten. Untersucht
man nun diese phosphoreszirenden
Punkte unter dem Mikroskop, so er
kennt man, daß man es mit einem
kleinen pflanzlichen Organismus, einer
Peridtnce zu thun hat, daß also eine
Dinoflagellate die Ursache des Leucht
Phänomens ist. Plate, der dieselbe als
erster beobachtete, benannte sie Pyro
biniurn bahamense. Eigenthümlich ist
für diese in ungeheuren Massen auf
tretende Pertbince, daß sie die Fähig
keit hat, spontan, blitzartig auszuleuch
ten, ohne daß eine unmittelbare äu
ßere Veranlassung hierzu nachgewiesen
werden konnte. Auch bei anderen Pe^
rtdincen ist die Fähigkeit zu leuchten
von verschiedenen Forschern beobachtet
worden, doch wurden stets chemische
oder physikalische Reize als Aus
lösungsursache des Leuchtens angege
ben.
a s e i u $ Z u k e o
ist kürzlich mit Erfolg in einer Pa
picrntühle in Connecticut hergestellt
worden. Die feinfaserige Papiermasse,
die im Anfangsstadium ein tiefes Gelb
zeigt, gibt nach erfolgter Bleichung ein
wundervolles Papier von blendendem
Weiß ab.

L. M. Grant's Masehinen-Sehnppen, nördlich der Great Northern Eisenbahngeleise, Rngby, Dak.

xml | txt