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Der Staats=Anzeiger. (Rugby, N.D.) 1906-current, July 08, 1909, Image 1

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s.
Wochenscha«.
iManl,
Durch einen Brief, den «in zu 25
Jahren verurtheilter Sträfling im
Zuchthause zu Jefferson City, Mo.,
unlängst an seine Gattin schrieb, er
fuhren die Anstaltsbehörden, daß der
Betreffende, dessen Name Murphy
ist, fünf Personen, unter« diesen seinen
eigenen Neffen, einen achtjährigen
Knaben, ermordet, hat. Murphy
wurde einem scharfen Verhör unter
worsen und gab ohne weiteres zu,
daß er sich des fünffachen Mordes
schuldig gemacht habe und bereit sei,
für die von ihm begangenen furcht
baren Verbrechen die Todesstrafe zu
erleiden. Die Behörden werden die
Angelegenheit genau untersuchen und
Murphy dann wegen Mordes prozes
siren. Der Gefangene ist jetzt 51
Jahre alt und wurde im December
letzten Jahres wegen verbrecherischen
Angriffs auf ein Mädchen auf 25
Jahre nach dem Zuchthause geschickt.
In New Dort wurden vor einigen
Tagen die Verhandlungen in der von
Frau Katherine Clemmons Gould ge
gen ihren Gatten angestrengten Klage
auf Scheidung und angemessene Ver
pslegungsgelder, die während der letz
ten Wochen der sogenannten „feinen
Gesellschaft" New Aorks allerlei
Pikantes aus dem Eheleben der
Goulds geboten hat, beendet. Frau
Gould ging aus dem Verfahren als
Siegerin hervor, indem der Richter
erklärte, daß Gould nicht imstande
gewesen sei, die von ihm gegen seine
Gattin erhobenen Beschuldigungen zu
beweisen. Der Frau wurde die nach
gesuchte Scheidung bewilligt, und als
Verpflegungsgelder wurden ihr von
dem Richter nur $3000 per Monat
zugesprochen. Sie hatte $125,000
per Jahr oerlangt.
In Pittsburg wurde Charles
R. Richardson, ein Makler, der schul
dig befunden worden ist, sich mit
Charles S. Cameron, dem Präsiden
ten der Tube City Railroad, ver
schworen zu haben, um Alderman
Martin zu bestechen, zu eineinhalb
Jahren Zuchthaus und zu einer
Geldstrafe von $500 verurtheilt.
Wenngleich der Verurtheilte durch sei
nen Vertheidiger erklären ließ, daß er
gegen das Urtheil Berufung einlegen
werde, so wurde er nach der von dem'
Richter erlassenen Verfügung doch
sofort nach dem Zuchthaus gebracht.
Präsident Taft wünscht während
seiner Reise nach der pacififchen Küste
und nach den Südstaaten, die er für
den Spätsommer plant, auch mit dem
Präsidenten Diaz von Mexico zusam
men zu kommen. Wenn diese Zu
sammenkunft arrangirt werden kann,
wird sie wahrscheinlich in El Paso,
Texas, stattfinden. Eine endgültige
Entscheidung in der Angelegenheit
wird in einigen Wochen abgegeben
werden. In leitenden Kreisen Wash
tngton's ist man entschieden dafür,
daß die Zusammenkunft stattfinde,
damit verschiedene Fragen, die zwi
schen beiden Ländern noch immer un
erledigt schweben, endgültig beigelegt
werden können.
George Barrows, ein verkommener
Tagedieb in Philadelphia, verpfändete
unlängst die Schuhe seines sechsjähri
gen Söhnchens, kaufte Karbolsäure,
verletzte durch mehrere Stiche seine
Gattin und beging dann Selbstmord,
indem er das Gift verschluckte. Bar
rows hatte nie etwas zum Unterhalt
seiner Gattin beigetragen, und seine
Gattin war genöth 't, zu arbeiten.
Vor einigen Tagen oerlangte er von
seiner Gattin Geld, und als ihm dies
verweigert wurde, faßte er den ver
zweifelten Entschluß zum Morden
griff und Selbstmord.
Aus Sacramento. Cal., traf un»
längst in Buffalo die Nachricht vom
Ableben des Herrn Albert Ziegele sr.,
einem Gründer der nach ihm benann
ten Brauereigesellschaft daselbst, ein.
Der Verstorbene hat ein Alter von
92 Jahren erreicht. Herr Ziegele
wurde 1818 zu Stuttgart geboren, wo
er eine gute Schulbildung genoß.
Nach Erlernung des Küserhandwerks
ging er auf Reisen, sah einen großen
Theil von Deutschland, der Schweiz
und Krankreich und kam 1849 nach
•v^yp
Buffalo. Zunächst trat er in diè
Scheu'sche Brauerei ein. eröffnete aber
bald daselbst eine eigene, die er rasch
in die Höhe brachte.
Die vor den Großgeschworenen in
New Aork gegen den Zuckertrust vor
einigen Tagen eingeleitete Untersu
chung wurde plötzlich auf Veranlassung
des dortigen Bundes-Distriktsanwalts
Wise, der die Untersuchung leitete, ein
gestellt, obwohl bereits mehrere Ankla
gen erhoben und die nöthigen Anklage
schritten ausgestellt worden waren.
Herr Wise ist nämlich zu der Ueberzeu
gung gekommen, daß auf Grund des
„Verjährungsparagraphen" in unse
rem Gesetze eine Ueberführung des
Trusts unmöglich gewesen wäre, selbst
wenn man Anklagen erhoben und auch
das nöthige Beweismaterial beige
bracht hätte. Die Schuld an dem
Fiasko mißt Wise dem früheren Ober
Vundesanwalt Bonaparte bei, der, wie
er sagte, zu lange gewartet und nichts
gethan habe, um den Trust und die ver
antwortlichen Vertreter desselben recht
zeitig zur Rechenschaft zu ziehen.
In Chicago explodirte vor einigen
Tagen Abends um 11 Uhr, als die
Theatervorstellungen geschlossen und
die Theaterbesucher auf dem Heimwege
begriffen waren, in dem eigentlichen
Geschäftsviertel der Stadt hinter dem
Hause No. 120 Dearborn Straße, in
dem sich die Wirthschaft von Stoll &
Bowen befindet, mit furchtbarem Ge
töfe eine Dynamitbombe, die äugen
scheinlich mit der Absicht, das Gebäude
und vor allem die Wirthschaft zu zer
stören, entweder in den hinteren Cor
ridor oder in die unmittelbare Nähe
des Gebäudes gelegt worden war.
John La Duc, ein als Aufwärter in
Thompson's Restaurant angestellter
junger Mann, wurde so schlimm ver
letzt, daß er wahrscheinlich an den er
haltenen Wunden sterben wird. Zwei
andere Männer erhielten leichtere Ver
letzungen. An dem Gebäude wurde ein
Schaden von etwa $100,000 angerich
tet.
In Worcester, Mass., erlag vor eini
gen Tagen Joseph Remillard, ein da
selbst allgemein bekannter Geschäfts
mann im Alter von 40 Jahren, angeb
lich einem Hitzschlag. Von den Aerz
ten wurde er für todt erklärt und seine
„Leiche", nachdem man im Hospital,
wohin er gebracht worden war, verge
bens Wiederbelebungsversuche an ihr
angestellt hatte, nach der Morgue über
führt. Dort leitete ein Arzt einen elek
irischen Strom durch den anscheinend
leblosen Körper, und zu seinem großen
Erstaunen bemerkte er ein eigenartiges
Zucken der Gesichtsmuskeln des „Tod
ten". Weitere Bemühungen hatten zur
Folge, daß Remillard wieder zum Be
wußtsein gebracht wurde und jetzt gute
Aussichten hat, vollständig wiederherge
stellt zu werden.
Unter den Hunderten von Besuchern,
die sich unlängst im „Electric Park" in
Newark, N. I., amüsirten, befanden
sich auch drei harmlos aussehende Chi
nesen. Jemand verbreitete das Ge
rücht, daß einer der Zopfträger Leon
Ling, der Mörder Elsie Sigel's, sei.
In einem Augenblick stürzte sich ewe
große Menschenmenge auf das Klee
Matt, und es wäre demselben schlimm
ergangen, wenn es nicht die Flucht er
griffen hätte. Einer von den Chineien
hielt sich die Verfolger vom Leibe, in
dem er mehrere Revolverschüsse abfeu
erte, aber seine beiden Kameraden wuc
den eingefangen und nach der Revier
wache geschleppt. Dort gelang es ihnen
jedoch rasch, die Polizei von ihrer Un
schuld zu überzeugen.
Die Vertheidiger des Präsidenten
der United Railways of San Fran
cisco, Patrick Calhoun, stellten vor
Richter Lawler im Kreisgericht zu
San Francisco den Antrag, daß alle
gegen ihren Klienten erhobenen Antla
gen niedergeschlagen werden und daß
man ihm gestatte, seine bereits früher
abgegebene, auf „nicht schuldig" lau
tende Erklärung zurückzuziehen. Zur
Begründung ihres Antrages machten
sie geltend, daß Hilfs Distriktsanwalt
Heney zur Zeit, als die Anklagen ge
gen Calhoun erhoben wurden, Hilfs
Oberbundesanwalt war und sich
außerdem in dem Sitzungssaale der
Jahrgang Rugby, Nord-Dakota, Donnerstag den 8. Juli, 1900«
Erleichtert euch die Ernte
4-
Großgeschworenen befunden habe, als
diese die Anklagen erhoben.
Broughton Brandenburg wurde in
New Aork von der Anklage des Groß
diebstahls, dessen er sich angeblich in
Verbindung mit dem Verkauf eines ge
fälschten Schreibens des verstorbenen
Präsidenten Grover Cleveland schuldig
gemacht haben soll, freigesprochen.
Kaum hatte er als freier Mann den
Gerichtssaal verlassen, als er auf's
Neue, und zwar dieses Mal unter der
Anklage des Knabenraubes, verhaftet
wurde. In St. Louis, Mo., soll er
seinen Stiefsohn James Shepard Ca
banne III. gewaltsam entführt haben.
Brandenburg wird nach Missouri ge
bracht werden, wo das Verbrechen des
Knabenraubes mit lebenslänglichem
Zuchthaus bestraft werden kann.
„Glaubensheiler" Schlather, dessen
rechter Name, wie er selbst sagt,
Charles McLean ist, wurde unlängst
in Des Moines, Ja., unter der An
klage, Geld unter falschen Vorspiege
lun^en erlangt zu haben, im County
Zwmger eingesperrt. Als Ankläger
trat ein gewisser I. Anderson gegen
ihn auf, dem Schlather unter dem Vor
geben, daß er ihn von einer Krankheit,
an der er, Anderson, lange gelitten,
heilen wollte, eine bedeutende Summe
als erste Anzahlung abnahm. In der
Polizeistation fand man bei dem
„Glaubensmann" außer $775 in
baarem Gelde mehrere Diamanten
von hohem Werth.
In Greenfield, Ind., verschied unter
schrecklichen Qualen vor einigen Tagen
Burleigh Hill, ein in der Stadt allge
mein bekannter Geschäftsmann, der am
Sonntag, den 27. Juni, mit seiner Fa
milie in einem in der Nähe der Stadt
gelegenen Wäldchen zugebracht hatte
und dort von Sandflöhen gebissen
worden war. Um die durch das Un
geziefer verursachten Schmerzen zu lin
dern, ließ er sich eine Medizin präpari
ren. Gleich nachdem er diese genom
men hatte, verfiel er in Krämpfe und
starb trotz aller ihm geleisteten ärztli
che!! Hilfe unter den furchtbarsten
Schmerzen.
Dr. Charles W. Eliot, der früyere
Präsident der Harvard Universität,
erhielt von der Trusteebehörde der Uni
oersität den Titel „Präsident emeritus"
und wird als solcher ein bedeutendes
Stipendium beziehen. Außerdem ha
ben frühere Studenten der Universität
nnen Fonds zusammengebracht, der
dazu benutzt werden soll, dem um die
Universität verdienten Manne ein
Laargeschenk angeblich im Betrage von
mindestens einer halben Million zu
überreichen.
Mit dem Legen des deutschen Ka
bets, welches sowohl direkte Verbin
dung mit Brasilien, als auch mit den
deutschen Colonien in West- und
Südwestafrika herstellen soll, ist nun
nicht der Anfang gemacht worden..
Zunächst wird die Strecke von Bor
kum nach Teneriffa gelegt, und der
Kabeldampfer „Stephan" führt die
Arbeiten aus. Schon um die Mitte
des Monats August soll das Kalel
nach Teneriffa fertig sein. Die In
angrisfnahme der neuen deutschen
Kabelleitung wird allgemein mit gro
ßer Genugthuung begrüßt. Die jetzt
nach Brasilien führenden Linien ma
chen Deutschland theils von England,
theils von Frankreich abhängig. Von
England gibt es zwei Verbindungen,
die über Madeira nach Kap Verde
nach Pernambuco führen. Das fran
zösifche Kabel geht von Brest über
St. Louis am Senegal nach der näm
lichen brasilianischen Handelsstadt.
Liberia, das Zwischenstaticn werden
wird, besitzt bisher überhaupt noch
keine Kabelverbindung, die es jetzt
durch die deutsche Gesellschaft erhal
ten soll.
Größter Ehrungen ist Feldzeug
meister Geza Freiherr v. Fejervary,
ehemaliger ungarischer Ministerpräsi
dent und Minister für Landesverthei
digung, theilhaftig geworden. Den
Anlaß bot die Wiederkehr des Tages,
an welchem dem schneidigen Militär
vor fünfzig Jahren, während des
blutigen Ringens mit Italien Mß
V V
'&rK'-z:
Diese Binder sind heutzutage die besten auf dem Markte und machen die Ernte leicht. Habe auch das größte Lager anderer Farmgeräthe in Rugby und Umgegend und es ist bekanM,
daß man bei mir billig und vorteilhaft kauft. Mein Lager in Wagen und Buggies ist das größte in diesem Theile des Staates. Auch in diesen halte ich nur reelle, dauerhafte und
preiswürdige Waaren. Der alte Wagen und Buggy hat wohl ausgedient—holt euch neue bei mir—die Aussichten auj eine gute Ernte sind verlockend—und auch meine Preije.
Ritterkreuz des Maria Theresia-Or
dens vom Kaiser Franz Joseph ver
liehen worden war. Zu Ehren des
Jubilars fand ein Galadiner in der
Hofburg statt, welchem mit dem Mo
narchen die Erzherzöge und die Ge
neralität beiwohnten. Der Kaiser ver
lieh Fejervary die Brillanten zu dem
auf dem Schlachtfelde errungenen
Ritterkreuz und brachte in einem tief
empfundenen Toast die allgemeine
Verehrung zum Ausdruck, welcher sich
Baron Fejervary unter der Wehr
macht des Landes erfreue. Auf tele
graphischem Wege hatte Kaiser Wil
helm dem verdienten General seine
herzlichste Gratulation übermittelt.
Aus angeblich gut unterrichteter
Quelle ist in Erfahrung gebracht
worden, daß am nächsten Geburtsta
ge des Kaisers Franz Joseph, am
18. August, die Verlobung des kllns
tigen Thronfolgers, Erzherzog Karl
Franz Joseph, mit Erzherzogin Eli
sabeth Franziska von Toscana, einer
Enkelin des Monarchen, in Ischl ge
feiert werden wird. Die Hochzeit soll
im Februar stattfinden. Der junge
Erzherzog, um 17. August 1887 ge
boren, ist der älteste Sohn des ver
storbenen Erzherzogs Otto und Ober
leutnant im Dragoner-Regiment No.
7. Erzherzogin Elisabeth Franziska,
cm 27. Januar 1892 geboren, ist die
älteste Tochter des Erzherzogs Franz
Salvator, welcher mit der kaiserlichen
Prinzessin und Erzherzogin Marie
Valerie, der jüngsten Tochte- des
Kaisers Franz Joseph, vermählt ist.
Aus Hamm in Westfalen verlautet,
daß der Betriebsfllhrer Berg die
Hauptschuld an dem vorjährigen
furchtbaren Unglück in der Zeche.
Radbod zu tragen hat und sich in
Bälde vor Gericht zu verantworten
haben wird. Die einschlägige Unter
suchung hat nunmehr begonnen. Am
12. November letzten Jahres fand in
der drei Meilen von Hamm gelegenen
Radbod-Grube die größte Bergwerks
katastrophe statt, die in Deutschland
in vielen Jahren zu verzeichnen war.
Etwa 360 Menschen büßten entwe
der sofort ihr Leben ein, oder star
ben nachträglich infolge der erlittenen
Verletzungen.
Die unzählige Male für Schulden
beschlagnahmten Juwelen der Prin
zessin Louise, die Erbstücke von ihrer
Mutter, der verstorbenen Königin
Maria Henriette, bleiben, wie der An
walt der Prizessin sagte, in ihrem
Besitz und werden nicht versteigert.
Die Gläubiger waren liebenswürdig
genug, sich zur Befriedigung ihrer
Ansprüche aus einem anderen Wege zu
verstehen. Der Anwalt sagt auch,
falls König Leopold feine Tochter
etwa enterben sollte, so würden ge
richtliche Schritte gethan werden, der
Prinzessin zu ihrem Recht zu verhel
fen.
In einer seiner letzten Ausgaben
veröffentlichte der „Figaro" in Paris
eine Unterredung, die der deutsche Kai
ser angeblich unlängst in Kiel mit Ba
ron d'Estournelles de Constant, dem
Präsidenten der Schiedsgerichtsgruppe
im französischen Parlament, hatte. In
dieser Unterredung soll Kaiser Wil
helm mit großem Nachdruck wiederholt
betont haben, daß seine Politik eine
Politik des Friedens sei, und daß sei
ner Ansicht nach die Kriege und
Schlachten der Zukunft auf wirt
schaftlichen, industriellen und commer
ciellen Gebieten ausgefochten werden
würden. „England," so soll der Kai^
ser dem Franzosen wörtlich gesagt ha
ben, „macht jetzt eine Periode akuter
Nervosität durch diese wird a6ev
schwinden, wenn das Land einsieht,
daß es das aus wirthschaftlichem Ge
biet eingebüßte Territorium nicht durch
einen vernichtenden Krieg, sondern nur
durch Hebung seiner produktiven Thä
tigkeit wieder gewinnen kann."
Der Verbrecher, welcher, wie seiner
zeit berichtet wurde, im vorigen Mmi.it
einen Raubmordversuch gegen die
Wittwe Reschke in der Körnerst^aße in
Berlin verübt hatte und entkommen
war, Hat sich, wie jetzt festgestellt '.st,
über Frankreich nach Amerika gewcn
det. Sein Name ist Lippmenn. Die
Staatsanwaltschaft hat einen Steck­
brief mit genauem Signalement Hinter
ihm erlassen und ersucht um seine so
fortige Festnahme. Lippmann's Naub
plan war augenscheinlich nicht gegen
die Reschke gerichtet gewesen, sondern
gegen einen Geldbriefträger, den die
Frau erwartete. Die Beraubung des
Beamten war jedoch durch die Verhält
nisse vereitelt und Frau Reschke von
Lippmann so zugerichtet worden, daß
man an ihrem Auskommen anfänglich
zweifelte.
Während einer Versammlung, die
unlängst in Paris von Louis Gregory
einberufen worden war, um das An
denken an den Schuft wachzurufen, den
Major Dreyfus anläßlich der VerHerr
lichung Zola's im Pantheon erhalten
Hatte, kam es unter den Anwesenden zu
einem Heftigen «Streit. Während -zhier
der Redner gegen die Ueberführung der
Leiche Zola's w's Pantheon Protest
einlegte, betraten einige junge Republi
kaner lärmend den Saal, unterbrachen
den Redner und begannen eine Prü
gelei mit den Nationalisten, bei welcher
die Letzteren unterlagen. Senator
Delyche'sSohn wurde ernstlich verletzt,
und auch einige ferner Gefährten wur
den schlimm zugerichtet.
Vor einigen Tagen traf der zu Wal
ter Wellman's Nordpol Expedition
gehörende Dampfer „Arctic" mit bet
Flagge auf Halbmast von Spitzbergen
in Tromfö, Norwegen, ein und brachte
die Nachricht, daß Knud Johnfon, ei
ner der beiden Männer, die den Winter
in dem von Wellman letztes Jahr dort
eingerichteten Lager zubrachten, umge
kommen und der für das Luftschiff er
richtete Schuppen durch Unwetter zer
stört worden ist. Sachverständig- die
Wellman auf feiner Fahrt nach dem
Nordpol begleiten werden, erklärten,
daß das Zerstören des Schuppens für
Wellman eine Verzögerung feiner
Fahrt nach dem Nordpol von vier bis
fünf Tagen bedeuten werde.
Professor Schütte von der Danziger
Technischen Hochschule, der Erbauer
des neuen riesigen Luftschiffes eigenen
Typs, das die Zeppelin Ballons an
Größe und Leistungsfähigkeit noch
übertreffen soll, hat von einer Firma
im Auslande ein Angebot von »tner
Million Mark für den Ballon erhalten,
der gegenwärtig im Bau befindlich ist.
Professor Schütte hat das immerhin
verlockend erscheinende Angebot kurzer
hand abgelehnt, da er nicht gesonnen
ist, seilte Arbeit dem Auslände zu
überlassen. In dem bekannten Maschi
nensabrikanten Heinrich Lanz aus
Mannheim hat der Professor einen
kapitalkräftigen Hintermann, der
seine Fabrik zum Bau des Luftschiffes
zur Verfügung gestellt hat.
Einer der dem Papst sehr nahe
stehenden Prälaten erklärte dor einigen
Tagen bestimmt, daß Erzbis4of Far
ley von New Dork demnächst zum Kar
dinal ernannt werden werde, da der
Papst sehr viel von ihm halte und
ihm außerordentlich zugethan sei. Als
Erzbischos Farley vor einigen Tagen
dem Papst die Summe von $330,000
für die Nothleidenden in den von dem
Erdbeben heimgesuchten Distrikten
übergab, erhielt er von demselben einen
in Diamanten gefaßten Ring, ein so
kostbares Geschenk, tue es noch keinem
anderen Würdenträger der Kirche von
dem Papst je zuvor überreicht worden
ist.
Der Kaiser hat dem Deutschen Ar
beiterbörsen Verband, der es sich zur
Aufgabe gemacht hat, das Problem et
Arbeitslosigkeit zu lösen, den Betrag
von $7500 überwiesen. D»r Verband
hat in den vermiedenen deutschen Bun
desstaaten ant Unterstützung der Re
gierungen nachgesucht, und das preußi
sche Kabinett hat sich bereits entschloss
sen, im nächsten Budget eine liberale
Bewilligung dafür vorzusehen. Der
Verband will erreichen, daß befchäfti
gungslofe Arbeiter jederzeit mit allen
Arbeitsgelegenheiten im ganzen Reiche,
die jeweilig Arbeitskräfte benöthigen,
in unmittelbaren Contakt gebracht
werden können.
In München haben unlängst die
Prozeßverhandlungen gegen einen
Chauffeur, Namens ©ixt, stattgefun­
Kauft nur die Watter A. Wood Selbst-Binder und
Plymouth Bindfaden, dann wird alles gut gehen
Ro. 50
den, der im April mit feiner Maschine
in eine Compagnie des bayerischen In
sanierte Leib Regiments hineinge-
fahren war. Die Compagnie befand
sich auf der Ingolstadt« Chaussee auf
dem Rückmarsch von einer Nachtübung,
als das Unglück passirte, bei welchem
zwei Soldaten schwer verletzt wurden.
Sixt war sofort in Haft genommen
worden. Das nunmehrige Urtheil ge
gen ihn lautete auf 20 Monate Ge
fängniß.
Ein Unteroffizier des Garde Kü*
rassier Regiments in Berlin ist un
längst wegen homosexueller Verfehlun
gen in Haft genommen worden. Der
Aussehen erregende Schritt wird von
einer scharfen Ordre des Kommandos
begleitet. Den Mannschaften des Re
giments ist das Betreten bestimmter
Kneipen und Straßen nach eingetreten
ner Dunkelheit bis aus Weiteres ver
beten worden. Dte Polizei säuberte
'oi? Nachbarschaft der Kaserne, wo eS
n letzter Zeit heillos hergegangen sei»
soll, von allem Gesindel, das sich dort
icue:gelasfen hcute.
GrkrankungSgefahr durch Rohei».
Die ausgiebige Verwendung von
Eis ist in der jetzt wieder herankom»
Menden Jahreszeit nicht nur von au
ßerordentlich großer Annehmlichkeit,
sondern auch von hohem Werl für die
Frischerhaltung der Nahrungsmittel.
Zeigt sich dies schon im einzelnen Haus,
stand, so ist es in viel größerem
Maße bei dem Handel und der Jndu
strieder Fall, 'die sich mit Erzeugung
und Vertrieb von Nahrungsmitteln
beschäftigen. Andererseits bringt der
Gebrauch von Eis leider auch schwere
Gefahren mit sich, da es fast immer
Bakterien enthält. Im Kunsteis sind
es gewöhnlich nur wenige und harm
lose Keime. Dagegen ist es erwiesen,
daß Natureis sehr häufig viele und
lebensfähige krankheitserregende Bak
terien einschließt. Welche Bedeutung
die Rücksicht auf diese Gefahr für die
Volksgesundheit besitzt, beweist Dr.
Conradi aus Neunkirchen in der
„Münchener Medizinischen Wochen
schrift" an dem Beispiel der Fleisch»
Vergiftung nach. Es sind thatsächlich
Fälle vorgekommen, in bener. die
Keime des falschen Typhus oder Pa
ratyphus, wie die durch eine solche
Vergiftung entstehende Krankheit ge.
nannt wird, dadurch ins Fleisch ge»
langt waren, daß dieses zur Konser
vierung einfach auf ein Stück rohes
Eis gelegt worden war. Sollte schon
die einzelne Hausfrau diese Gewohn
heit als gefährlich ablegen, so ist die
Verwendung von Natureis in unmit
telbarer Berührung mit Nahrungs
mitteln in größeren Aufbewahrungs
räumen aus keinen Fall u dulden.
Dr. Conradi weist nach, daß durch
die gleiche Vermittlung sogar Wurst
vergiftung entstehen kann. Eö ist
nämlich durch Thierärzte festgestellt
worden, daß manche Fleischer im
Sommer in das für die Wurst be
stimmte Hackfleisch kleine Eiostückchen
hineinthun. was gleichfalls auf
strengste verboten werden soüte.End
lich muß auch den Eisgetränken gro
ße Aufmerksamkeit zugewandt wer
den, da sie selbstverständlich ebenso
schädlich werden können, fall* 31t hrer
Kühlung Natureis benutzt wird.
Man sollte es sich einfach zur Regel
machen, für alle Zwecke, die mit der
Zubereitung oder Konservierung von
Nahrungs. und Genußmitteln im
Zusammenhang stehen, ein für alle
mal nur Kunsteis zu verwenden.
Das Münchener Wagner'
Denkmal. In München will man
Richard Wagner ein würdiges Denk
mal errichten. ES wird darüber be
richtet: An der Spitze des Komites,
das sich bereit» sortstituirt hat und die
Kosten ms Privatim
itteln aufbringen
will, steht der frühere Intendant der
Münchener Hofbichne, Ernist v. Po»«
sart. Das Denkmal, (tos seinen Platz
vor dem Prinz-ÄsgentenHeater fin
den wird, wird von Professor Wa
deré angefertigt. Der Entwurf ift
von der MonumentenbaukommWon,
der unter anderen auch die Professo
ren v. Hildebrandt und Seitz angehö
ren. bereits genehmigt worden.
-'j
'M
I
-MM-

&• M. Grant s Maschinen-Sehnppen, nördlich der Great Northern Msenbahngeleise, Rngby, N Dak.
Historical Society

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