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Der Staats=Anzeiger. (Rugby, N.D.) 1906-current, July 22, 1909, Image 1

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s. Jahrgang
WochenMa«.
laiatt.
Vor den Mitgliedern der »Ko
^oals", einer Organisation von
Grubenarbeitern in den Kohlendi
triften von Illinois und Missouri,
hielt unlängst in St. Louis Thomas
L. Lewis, der Präsident der United
Mine Worters of America, eine Re
ve, in der er befürwortete, daß der
Preis der Kohlen für die Eisenbah
nen und großen Fabriken des Landes
«höht werde, damit er für den ge
wohnlichen Konsumenten niedriger
gemacht werben könne. Als Mint*
nalpreis für diese schlug er $1.25
?er Tonne vor. In seiner Rede sagte
Lewis unter anderem wörtlich Fol
gendes: „Ich weiß, daß viele Eisen
bahnen und Besitzer mächtiger Fabri
ken Kohlen unter dem Kostenpreise
kaufen, einzelne von ihnen sogar für
30 Cents per Tonne. Das bedeutet
)och nichts anderes, als daß der
Producent entweder das Geschäft
aufgeben oder die Preise für die ge
wöhnlichzn Kunden so weit hinauf
schrauben muß, daß das durch vie
niedrigen Preise der großen Kunden
verursachte Defizit wieder gedeckt
wird."
George Ashmore Fttch, der un
längst am Union Theologischen Se
minar in New Aork seine Schluß
Prüfung Bestand, erklärte ganz offen,
daß er nicht an die Geburt Christi,
wie sie in der Bibel beschrieben sei,
glauben könne, Adam und Eva für
mythische Figuren halte und sowohl
die Erzählung von der Auferweckung
des Lazarus wie auch die Auferfte
hung Christi in das Reich der Fabel
verweise. Die Herren Examinatoren,
lauter orthodoxe Mitglieder des
ipresbyteriums von New Dork, be
schlossen nach langem Zögern, den
Kandidaten trotz seiner für einen
Presbyterianec Geistlichen aller
dinqs sehr radikalen Ansichten zur
Ordination zu empfehlen. Rev.
Fitch wird nach China gehen, um
den Heiden das Evangelium zupre
vigen.
Das furchtbare Unwetter der letz
en Tage hat. wie in Kansas City,
Mo., amtlich festgestellt ist. els Men
chenleben gefordert und in Pattons
bürg war die Lage so schlimm, daß
mindestens 1000 Menschen eine Zeit
ang auf den Dächern ihrer Häuftr
eben mußten und nicht das geringste
desaßen, um ihren Hunger zu stillen.
Während des Unwetters entgleiste
in von Kansas City nach Denver
estimmter Zug der Atchison, Topeka
Kansas City Eisenbahn in der
ähe von Ponoma, Kas., wo das
ahnbett durch die furchtbaren Re
engüsse gelockert worden war. Meh
ere Waaen des Zuges rollten einen
ohen Abhang hinunter und wurden
heilweise zertrümmert. Ein 4 Jahre
ltes Mädchen wurde dabei getödtet.
In der Office des Vorstehers des
ureaus für Heirathslizensen in
hicago fanden sich unlängst viele
tauen ein, um sich darnach zu er
undigen, ob ihr« während des letz
en Jahres geschlossenen Trauungen
esetzlich gültig sind oder nicht,
ichter Beitler von einer der Chica
oer Stadtgerichte hat nämlich un
angst entschieden, daß solche Trau
ngen ungesetzlich sind, die von Frie
ensrichtern abgeschlossen worden
tnd, seitdem die Stadtgerichte einge
ührt wurden. Wenn diese Entschei
ung in den höheren Gerichtsinstan
en bestätigt werden sollte, will man
ie Staatsgesetzgebung ersuchen, ein
esetz zu Passiren, das die von Frie
ensrichtern während der erwähnten
eit abgeschlossenen Trauungen als
u Recht bestehend anerkennt.
Mit einer Majorität von 32 bei
wem Gesammtvotum von 840
timinen und nach einer sehr lebhaf
en und erbitterten Campagne haben
ie „Nassen" in Bristol. Va., bei der
«selbst unlängst abgehaltenen Local
.Ption-Wahn den Sieg davongetra
en. Ein Theil der Stadt liegt in
ennessee und ist unter dem dort
stehenden Staatsgesetz „trotten",
nd sowohl dort wie auch in dem im
taate Virgimen gelegenen Stadt­
MkMM
theil. der feit zwei Jahre „trocken"
war, herrscht jetzt Freude darüber,
vas es gelungen ist. den Fanatikern,
vie bei der Wahl ihrer Kampfmittel
vollständig unskrupulös zu Werke
gingen, eine gesalzene Niederlage bei
zubringen.
In Washington hat ein Polizei
richter. Namens Kimball, unlängst
entschieden, daß Spielen und Singen
in der Bundeshauptstadt noch 10
Uhr Abends als öffentlicher Unfug
betrachtet werden müsse und in Zu
kunft demgemäß geahndet werden
solle. Häuser, in welchen dieser Un
fug geduldet werde, würden als un
ordentliche Häuser betrachtet werden.
Die Bürger der Hauptstadt bedürf
ten des Schlafes, und er werde nicht
gestatten, daß man sie nach 10 Uhr
Abends noch störe.
In Providence. R. I.. fand bei
einem Feuer, das daselbst in dem
Kost- und Logirhause No. 236
Fountain Str. ausbrach, eine Frau
auf der Stelle einen qualvollen Tod,
und eine andere wurde so schwer
verletzt, daß sie wahrscheinlich eben
falls sterben wird. Der Polizei ge
lang es, die Umgekommene als die
25 Jahre alte Susie Keenan zu iden
tificiren, die in einem Sommerhotel
als Köchin angestellt war.
In Washington starb im Alter von
74 Jahren der nicht nur in diesem
Land«, sondern auch weit über die
Grenzen der Ver. Staaten rühmlichst
bekannte Astronom und Mathematiker
Prof. Simon Newcomb nach einer
langen und schmerzhaften Krankheit.
Erst kurz hatten vor seinem Tode die
ihn behandelnden Aerzte erklärt, daß
er gute Hoffnung auf vollständige Ge
ncsung habe aber plötzlich verschlecht
tote sich sein Zustand dermaßen, daß
bald jede Hoffnung auf Wiederher
stellung aufgegeben wurde. Der Ver
storbene war im Jahre 1835 in
Nova Scotia geboren und war im
Alter von 18 Jahren nach den Ver
einigten Staaten gekommen, wo er
im Jahre 1858 die Lawrence wissen
schaftliche Schule an der Harvard
Universität absolvirte. Im Jahre
1861 wurde er zum Professor der
Mathematik in der Flotte der Ver
einigten Staaten ernannt u. bekleidete
diese Stelle bis zum Jahre 1897, als
er sich zurückzog, und seit dieser Zeit
hat er sich ausschließlich mit wissen
schaftlichen Forschungen beschäfigt.
In New Jork wurden zwei weiße
Mädchen unter der Anklage, mit der
Ermordung eines Chinesen, Ung Gow
mit Namen, in Verbindung zu stehen,
in Haft genommen. Wie seinerzeit be
richtet wurde, fand man die schrecklich
verstümmelte Leiche Ung Gow's am
1. Juli in der Wäscherei, die dieser
betrieben hatte. Man glaubt, daß die
chinesischen Freunde dieser weißen
Mädchen, die ihre Namen als Sadie
Brodie und Fannie Miller, beide 19
Jahre alt, angeben, die Mörder Ung
Gow's waren. Die Polizei will ferner
festgestellt haben, daß Uttg Gow des
halb ermordet wurde, weil er angeb
lieh zu viel betreffs der Ermordung
der 20jährigen Elsie Sigel wußte.
Angestellte des Pittsburg & Lake
Erie Zweiges der New Jork Central
Eisenbahn drohen mit einem allgemei
nen Streik, der im Laufe der nächsten
Woche inscenirt werden soll. Seitdem
die erwähnte Zweiglinie der New
Uork Central fertig gestellt worden
ist, wurde das Hauptquartier der
Verwaltungsbehörde in McKee's
Rocks eingerichtet, und die meisten An
gestellten ließen sich dort nieder. Sie
sind von den Vertretern der Bahnge
sellschaft jetzt aufgefordert worden,
nach Newell, einer neu angelegten. 15
Meilen östlich von Pittsburg, Po.,
gelegenen Stadt zu ziehen, wogegen
sie protestiren. Wenn die Gesellschaft
den Versuch machen sollte, diesen Be
fehl durchzuführen, wird 8 zum
Streik kommen.
In St. Louis, Mo., beging un
längst Frau Carrie Schewe, die an
geschuldigt war, anonyme Briefe dro
henden Inhaltes an ihren Gatten und
ihre Nachbarn gesandt zu haben und
ihrer Verhaftung entgegensah, nach
dem sie von ihren Kindern mit herz
lichen Küssen Abschied genommen
Erleichtert euch die Ernte
Nugby, Nord-Dakota, Donnerftay de« LS. Juli, 1909»
hatte, Selbstmord, indem sie sich in
ihrem Schlafzimmer erhängte. Die
Bundes-Postinspektoren hatten an
demselben Tage ihrem Gatten, Wm.
Schewe, mitgetheilt, daß seine Frau
die anonymen Drohbriefe geschrieben
habe. Diesem beichtete die Frau, daß
sie eine Manie, für welche sie keine
Erklärung finden könne, habe, derarti
ge Schreiben an ihre Bekannten und
nächsten Angehörigen zu senden.
Ein aus etwa 500 Personen beste
hender Volkshaufe versuchte vor eini
gen Tagen in Detroit, Mich., einen
Mann, Frank Bradley mit Namen,
der ein 18 Jahre altes Mädchen in
verbrecherischer Absicht angegriffen
hatte und nach dem Gefängniß brin
gen wollte, zu entreißen, um ihn zu
lynchen. Nur mit Mühe gelang es den
Beamten, die wüthende Menge zu
rück zu halten und den Gefangenen in
dem Gefängniß zu Oakwood. einer
Vorstadt von Detroit, sicher unterzu
bringen. Das. Mädchen war bei dem
Versuch, ihren Angreifer abzuwehren,
verletzt worden.
Zehn Pferdehändler aus Texas
wurden unlängst in einem in der Nä
he von Aston, N. M.. gelegenen La
ger von Banditen angegriffen, und
neun wurden nieder gemacht, während
es dem zehnten gelang, zu entkommen
und den Behörden Anzeige zu erstat
ten. Die Pferdezüchter hatten eine
große Herde Vieh bei sich, die sie von
Mexico nach Texas bringen wollten.
Nach der Angabe des Ueberlebenden
sollen die Banditen Indianer gewesen
sein, während die Behörden dafür
halten, daß sie Mexikaner waren. Es
gelang den Mördern, zu entkommen.
Die in Chicago organisirten „Ver
einigten Gesellschaften", die lokale
Selbstverwaltung und ..Bekämpfung
des Prohibitionswahnsinns" auf ihr
Panier geschrieben haben, werden
schon in der nächsten Zeit eine Wo
chenzeitung in englischer, deutscher,
polnischer, böhmischer und italienischer
Sprache herausgeben, in der die Ver
treter der verschiedenen Nationalitäten
mit den Bestrebungen der „Vereinig
ten Gesellschaften" und mit den bis
jetzt erzielten Erfolgen bekannt ge
macht werden sollen. Man verspricht
sich von dem Unternehmen großen
Erfolg.
Aus Köln wird gemeldet, daß die
Ballonhalle, welche „Zeppelin II", den
Ersatz für das bei Echterdingen zer
störte Luftschiff, aufnehmen soll, zu
Ende dieses Monats fertig werden
wird. Die Halle hat eine Breite von
40 Meter, eine Länge von 160 Meter
und eine Höhe von 30 Meter. Sie ist
derartig construirt, daß sich eine even
tuell nothwendig werdende Verlän
gerung der Halle für einen größeren
Ballon ohne weitere Neubauten be
werkstelligen läßt. Durch Fenster und
Oberlicht wird für hinreichende Hel
ligkeit gesorgt. Durch die Halle sind
vier normalspurige Geleise geführt.
Sie ist aus feuersicherem Material
hergestellt zugleich wird darauf Rück
sieht genommen, daß das Material
nicht gut wärmeleitend ist, sondern
daß die Sonnenstrahlen isolirt wer
den, da sonst bei Sommerhitze eine
unerträgliche Temperatur entstehen
würde.
George Frederick Samuel Robin
son, erster Marquis von Ripon, Lord
Geheimsiegelbewahrer im Ministerium
Campbell-Bannerman. ist in London
im Alter von fast 82 Jahren gestor
ben. George Frederick Samuel Robin
fön, Marquis von Ripon, geboren
24. Oktober 1827, trat als Lord
Goderich 1852 in's Unterhaus, erbte
1859 von feinem Vater den Titel
eines Grafen von Ripon. von seinem
Onkel den eines Grasen de Grey und
wurde 1863 unter Palmerston
Staatssekretär für Indien. 1868 un
:er Gladstone Lordpräsident des Ra
thes und 1871 für seine Verdienste
beim Abschluß des Vertrages von
Washington (Februar 1871) Mar
quis von Ripon. Im Ministerium
Campbell-Bannerman war der Mar
quis Lord-Geheimsiegelbewahrer.
General Cipriano Castro, der frü
here Präsident von Venezuela, der sich
augenblicklich in Santander. Spanien,
aufhält, sagte unlängst Betreffs der
Lage in Venezuela folgendes: „Die
diplomatischen Arrangements, die die
Regierung von Venezuela mit den
Vereinigten Staaten, Frankreich und
anderen Nationen getroffen hat, sind
sehr drückend und für Venezuela de
müthigend. Die Souveränität und
Unabhängigkeit Venezuela's ist durch
den Vertrag mit den Verein. Staaten
geschwächt, da diese jetzt in der Lage
sind, von der Republic Venezuela im
Namen der Monroe Doctrin ,u irgend
einer Zeit, wenn es ihnen beliebt, Be
sitz zu ergreifen."
Das nach den Angaben des Ober
Bauraths Rettig vom Professor
Schütte in Danzig hergestellte starre
Luftschiff, welches eine Ballonhülle
aus Holz, anstatt eines Aluminium
Gerippes. hat, ist nunmehr fertig.
Der Erbauer beansprucht für seine
Schöpfung eine größere Widerstands«
kraft und Tragkraft, sowie einen
größeren Aktionsradius, als die Lust
schiffe vom Zeppelin-Typ besitzen.
Außerdem macht der Aufbau des
Luftschiffs auf einem Holzgeripve es
möglich, es auch in den Dienst der
drahtlosen Telegraphie zu stellen.
Diese Binder sind heutzutage die besten aus dem Markte und machen die Ernte leicht. Habe auch das größte Lager anderer Farmgeräthe in Rugby und Umgegend und es ist bekannt
daß man bei mir billig und vortheilhaft kauft. Mein Lager in Wagen und Buggies ist das größte in diesem Theile des Staates. Auch in diesen halte ich nur reelle dauerhafte und
preiswürdige Waaren. Der alte Wagen und Buggy hat wohl ausgedient—holt euch neue bei mir—die Ausfichten auf eine gute Ernte sind verlockend—und auch meine Preise.
In Itzehoe. Regierungsbezirk
Schleswig, hat die Verhandlung des
Prozesses gegen den Hausvater Co
landet und seine Ehefrau ihr Ende
erreicht. Colander, Leiter des Mäd
ckenasyls „Blohmische Wildniß". wut
de zu acht Monaten Gefängniß verur
teilt, die Frau dagegen wurde frei
gesprochen. Die Anklage hatte dahin
gelautet, daß Colander bei den Besse
rungs-Versuchen, welche et an den
seiner Obhut überwiesenen Mädchen
vorgenommen, sich in vielen Fällen
gröbliche Mißhandlungen habe zu
Schulden kommen lassen und darin
von seiner Frau unterstützt worden
sei.
Als der französische Finanz minister
Caillaux unlängst den Sitzungssaal
des Senats verließ, versetzte ihm ein
früheres Mitglied der Deputirtenkam
met, Namens Charles Bos, einen
Faustschlag ins Gesicht. Bos behaupt
Let, daß der Minister in einer seiner
Reden im Senat gesagt habe, er. Bos,
habe als „Lobbyist" gegen die Vorlage
zwecks Erneuerung des Subsidien
einkommens mit der Minsageries Ma
ritime Co. gearbeitet. Minister Cail
laux weigerte sich, gegen seinen Angrei
set vorzugehen, indem er erklärte, dah
ihn ein Schlag von einem Manne
wie Bos nicht beleidigen könne. Spä
ttr wurde doch zwischen Beiden ein
Pistolenduell ausgefochten, bei dem.
wie das in Frankreich üblich, beide
Duellanten in die Luft schössen.
Das Comite, welches sich zur För
derung der Polarforschung mittels
eines Zeppelin-Ballons gebildet hat,
tagte unlängst zum ersten Mal in
Berlin. Es wurden vornehmlich die
besten Mittel und Wege besprochen,
wie eine feste Organisation zu dem
gedachten Zweck geschaffen werden
könne. Graf Zeppelin wohnte den
Verhandlungen selbst bei. Mit dem
Eroberet der Luft waren auch der
Straßburger Professor Hergesell, die
bekannte Autorität auf aeronauti
schern Gebiet, und Dr. Lewald. vor
tragender Rath im Reichsamt des
Innern, zugegen. Es wurde beim
Beginn der Erörterungen, zu wel
chen sich die das Comite bildenden
hervorragenden Persönlichkeiten voll
zählig eingefunden hatten, nochmals
ausdrücklich betont, daß die geplante
Expedition, zu welcher ein Ballon
vom Zeppelin-Typ benutzt werden
soll, keineswegs die Entdeckung des
Nordpols bezwecke. Es handle sich
lediglich um die Erforschung noch
unbekannter arktischer Regionen Ost
grönlands und des Franz Joseph
landes.
In Belfast, Irland, war unlängst
der fast ausschließlich von National!
ften bewohnte Stadttheil der Schau
platz ernster Unruhen. Nitionalisten
und Orangemen geriethen aneinan
der, und der Streik artete in einen
blutigen Kampf aus, dem erjit das
energische Einschreiten der Polizei
ein Ende machte. Verhaftungen wur
den nicht vorgenommen, weil dadurch
die Volkswuth nur noch mehr ange
stachelt worden wäre aber nachdem
die Ruhe wieder hergestellt worden
war, stellte es sich heraus, daß. Viele
schwere Verletzungen davongetragen
hatten.
Vertreter der Regierungen von
Großbritannien, Rußland und Jta
lien haben der Pforte eine gemein
same Note übermittelt, in der dieser
mitgetheilt wird, daß die internatio
nalen Truppen am 27. Juli aus
Kreta zurückgezogen werden sollen.
In der Note wird ausdrücklich daraus
hingewiesen, daß jede der namhaft
gemachten Schutzmächte je ein Kriegs
schiff in Suda Bai stationiren wird,
daß dadurch aber die Oberhoheit der
Türkei aus Kreta in keiner Weise in
Frage gezogen oder beeinträchtigt
werden soll.
Die Witterung hat sich während
der letzten Tage in zahlreichen Ge
genden Deutschlands wieder sehr un
wirthlich gestaltet. Lange anhaltende
Regengüsse verursachten sogar von
Neuem Befürchtungen, daß Hochwas
ser eintreten wird. Auch aus der
Schweiz und Tirol kommen Hiobs
Posten.^ Dort hat es stellenweise stark
geschneit und ist eine empfindliche
Kälte eingetreten, so daß die Som
merreifenden in Schaaren aus den
Kurorten vertrieben worden sind.
Zahlreiche geschäftliche Bankerotte
werden infolge der gestörten Saison
erwartet.
In aeronautischen Kreisen Berlins
begegnet eine Meldung aus Dresden
außerordentlichem Interesse. Darnach
hat ein Student der dortigen Tech
nischen Hochschule. Namens Jospe,
einen Flugapparat erfunden, welchen
er bereits dem sächsischen Kriegsmi
nister, General der Infanterie Frei
Herrn v. Hausen, vorgeführt hat.
Jospe flog bei der Gelegenheit mit
seinem Fahrzeug über das Gebäude
des Technischen Instituts. Kapital!
sten gründen eine Gesellschaft, um
die neue Erfindung zu verwerthen.
In Dortmund hat der Chicagoer
Orgelvirtuose Wilhelm Middel
schulte bei einem Orgelconcert in der
Reinoldi-Kirche einen durchschlagen
den Erfolg erzielt. Besonderen Bei
fall der zahlreichen und zum großen
Theil sachverständigen Zuhörerschaft
erntete der amerikanische Künstler
durch den Vortrag einiger Werke
eigener Composition, die er mit mei
sterhafter Technik und tiefem Em
pfinden zum Vortrag brachte.
Nach einer aus Lissabon, Portu
gal, vor einigen Tagen in Paris ein
getroffenen Spezialdepesche sind durch
schlagende Wetter in einer Zeche in
der Nähe von Belmez, Spanien,
mehrere hundert Bergleute verschüttet
worden. Rettungsmannschaften, die
sofort an die Arbeit beordert wur
den. haben zweiundvierzig lebende
aber verletzte und siebzehn getödtete
Zechenarbeiter an die Oberfläche be
fördert.
Nach einem in Constantinopel un
längst amtlich bekanntgegebenen kai
serlichen Edikt werden Dhevad Bey,
der Gouverneur von Jebelibecket in
dem Vilajet Adana unter der An
klage, im April dieses Jahres an den
armenischen Massacres betheiligt ge
Wesen zu sein, vor einem Kriegsge
richt prozessirt werden.
Aus der Einstellung von Eingebo
renen der afrikanischen Colonien
Deutschlands in die Armee haben sich
wiederholt Unzuträglichkeiten ergeben,
welche die Armeeleitung dazu ver
anlaßten. Schritte zur Abhilfe zu
thun. In Zukunft soll die Einstel
lung von Negern nur noch mit Ge
nehmigung des preußischen Kriegs
ministers erfolgen und diese Geneh
migung nur in seltenen Fällen er
theilt werden.
Z u e n i d«r
5 0 0jährigen Regierung des Hauses
Romanow beabsichtigt die russischePost
Verwaltung im Jahre 1913 neue Brief
marken in den Verkehr zu bringen mit
dem Bilde des Zaren Nikolaus II. und
der Zaren Michael Feodorowitfch,
Alexis Michailowitfch, Peter des Gro
Ben, Katharina I., Katharina II.,
haul I.. Alexander I.. Nikolaus I.,
Alexander II.. Alexander III. Die
Marken werden größer als die jetzigen
sein. Die Zeichnungen sollen von den
irsten russischen Künstlern hergestellt
Verden.
Kauft nur die Walter A. Wood Selbst-Binder und
Plymouth Bindfaden, dann wird alles gut gehen
•ÖiSStfeü
Society
No. SS
Schlagwörter unserer Zeit.
„$)i e persönliche Note".
Ein oft gehörtes Wort unserer
Tage! Man spricht sowohl! von Iber
„persönlichen Note" eines Kunstwer
kes, wie von der einer Damentoilette:
sie ist wie das Tüpfelchen auf dem i
heutzutage nothwendig, damit etwas
bemerkenswerth, vollendet, modernen
Ansprüchen gerecht sei. Jedermann
will sie haben, und jedes Ding, das
aus seinen Händen hervorgeht, soll sie
haben, damit es höhere Geltung ge
winne in den Augen der Leute. „Die
persönliche Note" ist der Stempel der
Eigenart, die „der moderne Mensch"
allem ausdrückt, was seinem Einfluß
unterliegt.
Wohl bezeichnet der Ausdruck „per
sönliche Note" keinen neuen Begriff,
sondern etwas Altbekanntes, das be
deutende Metrischen zu allen Zeiten
besaßen. Große Meister halben stets
ihre Eigenart ausgeprägt in ihren
Werken, ein Stempel, «deutlich ernenn
bar für verstündnißvolle Beschauer.
So
haben die äfften Maler um
nur einige zu nennen: Michelangelo,
Rafael, Tizian, R-ubenS, RemibranÄt
und Albrecht Dürer ihre „persön
liche Note" gehabt, ihre ganz spezielle
Farbengebung und Pmselführung,
ihre besonders geartete Auffassung
imd Bewältigung des Stoffes. Und
nach diesen Alten hat
bis
auf unsere
Tage selbstverständlich jeder große,
selbstschöpferische Künstler den Aus
druck der Eigenart, der seine Werke
kennzeichnet.
Aber auch im täglichen Leben gab
es von jeher bedeutende Menschen von
starker eigener Art, die allem, was
von ihnen ausging, ihren Stempel
aufprägten. Solche Leute sind auch
in unserer neuen Zeit, die so vieles
gleichmacht und glättet, Gott sei
Dank, noch nicht ausgestorben, und
wir alle kennen lobendige Bewerfe
von ihrer Art. Wir brauchen nicht an
die wunderlichen, knorrigen Origi
nale zu denken, sondern viÄmchr an
die starken, selbständig denkenden
und suhlenden, nach dieser oder jener
Seite hin besonders begasten Men
schen. an denen unsere Zeit vielleicht
reicher ist als frühere Epochen. Ohne
daß sie sich darum bemühen, haben
solche Persönlichkeiten ihre „persön
liche Note", die jeder gelten lassen
muß.
Aber nach dem, was solche einzel
nen und besonderen Menschen erb
und eigenthümlich besitzen, wollen
jetzt viele haschen, ohne Berechtigung
dazu zu besitzen. Man will, um etwas
Besonderes zu scheinen, auch ,/die per
sönliche Note" markiren.
Das Streben unserer Zeit, die In
divi'dualität auszuprägen, etwas, das
I an sich eher lobenswerth als verwerf
lich ist, führt so häufig zu einer Suche
nach Originalität, welche die wunder
barsten Blüthen zeitigt. „Die persön
liche Note" wirkt oftmals lächerlich.
Überlassen wir sie diso denen, die
sie nicht mühsam zu suchen brauchen!
Traariges Ende einet burleske«
Szene.
In der Nähe von Meudon ereig
nete sich während der Probeaufnahme
I für eine Kinematographengesellschaft
ein tödtlicher Unglücksfall, dem ein
Akrobat zum £)pier fiel. Wir erhal
ten darüber nachstehende Meldung
aus Paris: Am Seineufer in der
Nähe von Meudon traf eine Truppe
von Schauspielern ein, um im Auf
trage einer Kinematographengesell,
schalt eine lustige Szene zu ..stellen",
bei der einer dor Mitspieler einen von
Widersachern verfolgten Plakatkleber
zu spielen und in dieser Rolle sich in
den Fluß zu stürzen hatte. Auf der
Verfolgung des Akrobaten Okhreib.
der sich meisterlich dieser Aufgabe ent
ledigte, stürzten sich zahlreiche Mt
spieler ins Wasser und wurden mit
Leitern und Stangen wieder heraus
gefischt. Nur der Akrobat kam nicht
wieder zum Vorschein. Nach langem
Suchen wurde fein entseelter Körper
unterhalb der Unfallstelle au» der
Seine gezogen.
t\
3
IVs
'W.

L. M. Grant's Maschinen-Schuppen, nördlich der Great Northern Mfenbahngeleife, Rugby, R. Dak.

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