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Der Staats=Anzeiger. (Rugby, N.D.) 1906-current, July 22, 1909, Image 2

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Aus Rußland.
!"l 1 1 1 I 'M I I I I I 1 I H*
«Zur Beachtung! Nachdruck ticitr itorrclpon
benncn ist ft e n (1 ft n S verboten Wir haven
Schrille flctrofien, die una in «land seyen, uns flCHB
lich
vor Nachdruck *u schützen. Zuwiderhandelnde
werde» gerichtlich besannt. Red.)
Bpezial-Korrespondenz.
Baden, ^Kreis Odessa)
den 6. Juni.
Bis zun» 15. Mai sah es bei uns in
Bezug auf die Ernte sehr traurig aus,
denn das Getreide stand schlecht und
hatte seht infolge der herrschenden
Trockenheit u leiden. Am 15. Mai
aber, die Noth war auf's höchste gestie
gen, sandte der liebe Gott uns einen
reichlichen Tiegens all, der die ganze
Natur erquickte und wieder alles belebte.
Auch heute haben wir bereits den neun
ten Tag regnerisches Wetter, sodaß mit
noch eine leidliche Ernte erhoffen kön
nen. Die Frühjahrssaat überhaupt
steht ziemlich gut, während die Winter
saat schwach ist infolge des überaus
kalten April und dann des trockenen
und kühlen Wetters im Maimonat.
Das diesjährige Frohnleichnamsfest
(28. Mai) war für alle Badener, und
namentlich für die Jugend, etwas Fei
etliches. Unter Leitung des Vorstehers
unserer Musikchors, von welchem ich
bereits früher berichtete, wurde am
Vorabend auf dem Berge eine große
Hütte errichtet und mit Fahnen ge
schmückt. Nach Schluß des Nachmit
tagsgottesdienstes marschirte die Musik
unter den Klängen eines flotten Mar
sches zur Hütte. Alsbald war die Ju
gend vollzählig dort versammelt und
auch viele Männer und Frauen hatten
sich eingefunden und brachten bei Musik
und Gerstensaft einige Stunden recht
vergnügt zu. Die Kleinen hatten
Wettlaufen und andere Spiele, wobei
Konfekte und andere Süßigkeiten ver
theilt wurden, es gab Feuerwerk und
die Sänger wurden mit Geldspenden
bedacht. Am Abend und nachts wurden
alle mit schönem Feuerwerk erfreut,
welches bis 12 Uhr nachts andauerte.
Die Spenden für das Mufikchor belie
fen sich auf 30 Rubel.
Die Wittwe Silbina Bitz in Kandel
möchte gerne wissen, wo ihr Sohn An
ton in Amerika ist, weil sie gar nichts
von ihm hört. Sie möchte gerne im
Staats-Anzeiger einmal ein Lebenszei
chen von ihm hören. (Auf der Liste
haben wir viele Herren Bitz, aber
keinen
mit dem
Vornamen
Anton.—
Red.)
Grüße zum Schluß meine Schwäger,
meine zwei ältesten Schwestern, Ge
vattermann Wendelin Bohn, meinen
alten Kameraden Raimund Volk und
alle Freunde und Bekannte und Leser
des
Blattes.
Joseph Wegmann.
Spezial'Korre^pondenz.
o n a o w k a K i a s o
den 12. Juni.
Länger kann ich nicht schweigen, son
dern muß, trotzdem ich mit Arbeit über
häuft bin, wieder einmal eine Korre
spondenz einsenden und meiner Pflicht
besser nachkommen. (Ueberaus freund
lich von Ihnen!—Red.)
Für uns Ponjatowkaer gilt der
Spruch:
Wenn's Glück ihm günstig ist.
Was hilft's dem Michel,
Steht er im Weizenfeld,
Hat keine Sichel!
Wenn's Glück ihm günstig ist,
Was hilft's dem Stoffel,
Wenn's reanet Haferbrei,
Hat er kein n Löffel!
So erging es uns. Vor einem
Jahre hatten wir durch große Gewit
terregen massenhafte Wasserabgänge,
aber wir trafen keine Maßnahmen, das
Wasser aufzuhalten. Dieses Jahr ha
Ben wir fleißig gearbeitet und Dämme
aufgerichtet, aber nun fehlen die großen
Regen.
Ab Ostern hatten wir eine trockene
Periode durchzumachen. Beinahe zwei
Monate lang hatten wir so gut wie
keinen Tropsen Regen. Dazu gesellte
sich außergewöhnliche Hitze, abwechselnd
mit Nachtfrösten und die Feuchtigkeit
die noch vom Winter her im Boden
war und so viel versprach, war schneller
verschwunden als man dachte. Die
Viehweide wurde roth, das Vieh wurde
nachts eingestellt, mit altem Stroh ge
füttert und bei Tage durfte es dann
wieder beliebig auf der Weide herum
spazieren, um den Magen für das edle
Nachtfutter wieder vorzubereiten. Die
Feldfrucht bekam die Schwindsucht
wenn man diesen Ausdruck gebrauchen
darf, und es wurde uns angst und banci
in die Zukunft zu schauen. Doch, der
alte Gott regiert noch! Am 27. Mai
endlich öffneten sich die Himmelsjchleu
sen
und spendeten der Mutter Erde das
so
sehr nöthige Naß. Es regnete, hin
und
wieder unterbrochen, acht Tage lang
aber so langsam und allmählig fiel
der
Regen, daß das Wasser gar nicht zum
Ablaufen kam und der Boden alles
aufsaugte.
So
neuer
und
WM
entstand gleichsam ein
Frühling,
und
frisch und grün.
alles wurde wieder
Infolgedessen haben
»ti aber eine späte Ernte zu erwarten,
vorausgesetzt, daß keine zu gewaltige
Hitze
folgt. Jetzt mäht man bei uns
Heu
der schönste
noch
Sommerweizen ist
nicht einmal in den Aehren. Sonst
wurde
man in manchen Jahren bis
Peter und Paul schon
mit
fertig, Heuer wird bis
der Er.Ue
dann
kaum die
Frucht abgeblüht heben. Also brau-
Vi' si'
MM
chen wir noch günstige Witterung, selbst
zu einer Mittelernte. Nun haben wir
auch schon seit einigen Tagen wieder
starken Südostwind, der bei uns als
unliebsamer Gast betrachtet wird. Doch,
wie gesagt, der alte Gott regiert noch
und mit der Hoffnung muß man leben.
Am 5. Juni reiste von hier Johann
Werner mit Familie und mit einem
ohne von Wendelin Weimert nach
Amerika ab. Er sagte mir, er werde
iit Boivdle, Süddakota, absteigen.
Heide erhielten freie Schlssskarten von
ihren Freunden in Amerika zugesandt.
3ch wünsche allen glückliche Reise und
gutes Fortkommen in der neuen Welt.
Ich denke, sie werden öfters im Staats
Anzeiger von sich hören lassen, welches
Blatt ich als die unschätzbarste Brief
taube et kenne, weil es uns Bauern von
hüben und drüben in wechselseitiger
Verbindung hält. Deshalb müssen wir
dieses Blatt werthschätzen, denn Nie
mand kümmert sich so viel um uns wie
de, (Staats-Anzeiger.
Am Frohnleichnarnstage ereignete sich
in der Kirche ein bedauerlicher Zwischen
fall. Als die Prozession zum ersten
Altar kam, wurden die Kerzen angezün
bet und dabei gerieth auch zugleich der
Altar in Brand, welcher trotz der an
wesenden großen Menschenmenge total
ausbrannte. Es muß angenommen
werden, daß der Altar fahrlässigerweise
in Brand gesteckt wurde. Ein Glück
nur, daß keine Menschenleben zu bekla
gen sind.
Ein weiterer, aber ungleich folgen
schwerer Unglücksfall, ereignete sich am
9. Juni in dem benachbarten Bulgaren
dorfe Bakalowa. Einige Buben und
Mädchen gingen vom Welschkornhacken
nach Hause. Unterwegs neckte der
ohn eines Wirthes eine Magd, und
versuchte ihr eine Feldblume aus der
Hand zu reißen. Das Mädchen schlug
abwehrend mit einem Brodsäckchen nach
ihm, welches sie in der anderen Hand
an einer Schnur trug, und in welchem,
außer anderen Sachen, auch ein spitzt-
Brodmesser sich befand, und traf
den Wirthssohn so unglücklich in die
linke Seite, daß er plötzlich tobt zu
Boden stürzte. Die Untersuchung er
gab, baß das Messer ihm das Herz
durchbohrte. Da das Mädchen natür
lich von diesem Ausgange der Neckerei
keine Ahnung hatte, ist dies in der That
ein sehr tragischer Unglücksfall.
Freundliche Grüße an Redatteur
Brandt und au alle Korrespondenten
und Leser des Blattes.
a i n S o
Spezial-Korrespondenz«
a n n e i K O e s s a
den 11. Juni.
Nach langem Warten erhielten wir
endlich am 1. Juni einen Regen und
seitdem haben wir vier weitere ausgie
bige Regenfälle gehabt, sodaß das
Erdreich gut durchfeuchtet ist. Auf eine
reiche Ernte ist aber trotzdem nicht zu
hoffen, denn der Regen kam zwei bis
drei Wochen zu spät. Wie die Aus
sichten jetzt stehen, ist eine mittelmäßige
Ernte zu erwarten, denn das Getreide
hat sich leidlich erholt. Mannheim und
Kandel haben wohl auf die kleinste
Ernte in der Umgegend zu hoffen. Kan
del bekam zwar einige Tage früher
Regen als wir, aber dafür hatte das
Getreide dort schon mehr gelitten, weil
das Land sandiger ist als bei uns.
Franz Hemmerling hat seine 60
Dessjatin umfassende Erbwirthschaft an
Georg Meier, für 14,000 Rubel ver
kauft. Herr Hemmerling gedenkt der
alten Kolonie Lebewohl zu sagen und
sich anderswo Land zu kaufen.
Gregor Heinrich kaufte von Johan
nes Müller 32 Dessjatin Land aus dem
Gute welches früher dem Friedrich Kurz
gehörte und bezahlte dafür 310 Rubel
per D-ssj°,!n.
Martin Buckemeier liegt seit drei
Monaten so schwer krank ddrnieder,
daß an seinem Auskommen gezweifelt
wirv. Sein Weib wurde infolgedessen
lebensmüde und versuchte durch Erhän
gen ihrem Dasein ein Ende zu machen.
Ein Nachbar aber, durch das Geschrei
des Mädchens der Familie aufmerksam
gemacht, verhinderte die Frau an ihrem
Vorhaben, indem er den Strick durch
schnitt.
Neuigkeiten sind weiter nicht zu be
richten von hier und deshalb müssen
also die Leser sich begnügen bis auf ein
anderes Mal.
Allerseits herzlich grüßend.
K o n a S i
Die Stick st off sammelnden
Bakterien führen in einem Jahre dem
tuft
eltar 25 Kilo Stickstoff aus der
zu.
In dem franzosischen
Hafen von St. Malo liegt das alte*
ste Rettungsboot der Welt, das, ob
gleich es vor nun 64 Jahren erbaut
würd«, immer noch seetüchtig ist und
immer noch in Gebrauch genommen
wird, wenn die bittere Nothwendig
fett dies erheischt. 500 Menschenleben
sind im Laufe dieser 64 Jahre mit
Hilfe des Bootes gerettet worden.
Das Aussehen des Fahrzeuges ist
merkwürdig genug, denn auf seiner
Außenseite sind in kleiner Schrift die
Namen aller Geretteten eingegraben
worden. Von den Mannschaften, die
mit Hilfe des Bootes den Schiff
brüchigen Rettung bringen wollten,
sind im Laufe der Zeit nicht wenige?
als 28 über Bord gespült worden,
von denen 22 in den Fluthen ihren
Tod fanden.
•jftett »qrtldtbrks »t» Philip»
jlmuranyfu.
No. 804.
lieber Herr RedacktionLt!
Si tell juh,
das schwarze
Kontrie is doch
nit so iesig wie
ich gedenkt hen.
Den Trubel wo
ich
gehabt hen,
bis daß ich den
Mister Pressen
dent getscheunt
hen, das geht in
keine Kauheit
un ich will auch
gar kein Etempt mache, es Sie zu ver
zähle, bikahs ich hen kein Wittneß ge
habt un da dehte Sie mehbie denke,
es wär alles geloze. In Fäckt deht ich
es auch nit glauwe, wenn es mich en
Annerer verzähle deht. Ich hen dage
lang nicks annerschter zu esse gehabt
wie e paar Ruits von Plants wo ich
mich aufgepickt hen un noch e Battel
von den Wedesweiler fein rattene
Brehndie, das war alles was ich in
die Lein von Drinks gehabt hen. Es
war gut, daß es sc en schlechter Stoff
war den Weg hat er mich länger ge
halte wenn es guter Dohp gewese
wär, dann hätt ich for lauter Deß
perehschen die ganze Battel for ein
Miel ausgeleert.
Well, ich weiß gar nit am wievielte
Dag es war, utfuhS die Dage sin hier
puttienier so dunkel wie die Nächte,
wenigstens hat es so zu mich geguckt,
alt tuet ich weiß nur noch so viel, daß
ich so ebaut am End von meine Fohrs
un Strengs war un ich hen jede Min
nit eckspecktet, daß ich alle vier von
mich strecke müßt un mein letzte
Athemzug oon mich gewwe deht. E
fchuhres Ding war, ich hen mich un«
ner en Kaktusbaum gelegt un da sin
ich eingeschlafe. Ich hen die längste
Zeit zelege, bis ich aufeinmal dorch
so e sonniges Neus aufgeweckt sin. Ich
hen zuerscht gedenkt, es wär nur en
Driem gewese, awwer wie ich meine
Auge schon for e ganze Weil aufge
habt hen, do hen ich das Neus wioder
gehört un dann hen
ich
erseht ausge-
funne, daß es mein Stommeck gewese
L, wo nach Futter gekrische hat. Sell
is osfKohrs en schöner Gedanke gewese
un ich hen mein Stommeck auch gar
nit blehme könne, awwer die Kwest
schen is gewese: Woher nemme un nit
stehle? Ich hen mich nach alle Seite
umgeguckt, ob ich mehbie nit en Elle
fant sehn deht, wo
ich
hätt schuhte un
uff fresse könne, awwer biseids mich,
is kein anneres Ennimel da gewese.
Mit einem mal is awwer ebbes ge
häppend, wo die Sittjuehschen inteier
lie getschehnscht hat. Ich hen en
Mensch gehört un seller Mensch hat
gesagt „Dieleitet". Well da hätte Sc
awwer mal Ihne Jhrn liewe Philipp
höre un sehn solle! Ich gen e Freude
geheul von mich gewwe, das hat eini
o.es geböte ich sin aufgetschumpt un
|en den Jenkievuhdel gewifselt for e
Sicknel un all mit einmal wie ich
grad dorch en Busch krawwele will,
do steht der Mister Ruhsefeld in seine
ganze Schönheit in Front von mick!
Well, da is awwer die Händscheh
kerei loszange! Er hat mich puttienier
mei Rist gesprehnt un ich hen es ihn
ansehn könne, daß er zu Doht ge
tickelt gewese is, wie er mich gesehn
hat. Haudiduh Phil, hat er gesagt,
eim dieleitet!" In die tischte Lein hat
er mich e diesentes Miel gewwe un ich
sin froh, daß Sie nit pressent ware
un nit gesehn hen, wie ich usfgefillt
hen ich hätt mich sonst schuhr genug
schehme müsst. Ich kann Ihne awwer
auch sage, oer Mister Ruhsefeld un
seine Freunde, die lerne in Afrikeh,
das buht einiges biete. Zuerscht hen
nur Suhp alia Kacktus gehabt dann
hat's gepickelte Affeschnute gewwe
dann getrocknete Teigerliwwer un
Leien-Rohst alla Bummdidehr un
dann noch e ganze Latt Fruht, wo ich
auch noch nie nit gesse gehabt hen.
For en Drink hen met Kassie mit
Kohkoömilch gehabt un den Zucket
hen met uns von den Baum abge
schnitte, wo das Zeug wild wachse
buht. Un ganz am Schluß hat es noch
e Lickörche gewwe. das war das feinste
was ich in met ganzes Lewe genösse
hen. Ich will sehn, daß ich das Res
sieht kriege un das bring ich dem
Wedesweiler mit. Herr Redacktionär,
wie ich das Miel in mei Jnseit gehabt
hen, da hen ich so gut gefühlt wie ich
nit mehr gefühlt hen, seitdem ich mei
häppie Hohm verlasse hen. „Philipp,
hat der Mister Ruhsefeld gesagt: „in
die erseht« Lein müsse mit emal Brie
derschast drinke. Es is kein Juhs, daß
sich gute Freunde, espeschellie. wenn se
in e fremdes Konttie sin. so sttehnsch
gegeniwwet stehn solle. Also ich will,
daß
Du
mich duhze sollst un biseids
das sollst du mich auch Teddie rufe,
das is der Name wo mich alle meine
Freunde rufe un wo ich am Beste
gleiche." Se könne sich denke, Herr Re
dacktionär. daß mich das getickelt hat
un ich hen gesagt, daß ich sättisfeit
wär un daß ich auch schon die näm
liche Mohschen hätt mache wolle. Me?
hen dann noch ein von den Kohrdschel
abgebisse un b*n uns en Kiß gewwe.
awwer ich will reit hier sage, daß
mich der Kohrdschel Newer gewese is
trie der Kiß. Von da an sin mer bit
ârintiemste Freunde gewese. Der
Teddie hat gesagt, er wollt, daß ich
jetzt en gute Rest nemme deht, bikahs
morge deht es en schwere Dag gewwe
un da müßt jeder in e preim Kohn
bischen fein. Das hen ich mich nit
zweimal sage losse. Ich hen mich e
Tent an e paar Kwilts gelegt un da
hen ich geschlose, das war e Pietfch.
Ich schreiwe Ihne
Widder,
wenn
ich
die erfchte Tschehns hen rn ich denke,
its) kann Ihne dann auch eb.bes besse
res riepohrte wie heut,
Womit ich verbleiwe
Ihne Jhrn liewer
i i S a u e a e
«ptssden au# »em Leben jetzigen
Qui*
tau* Mohame» V.
Ueber Reschad Effendi, der jetzt als
Nachfolger Abdul Hamids unter dem
Namen Mohameö V. den Thron
mans bestieg, werden in einem ita
lienischen Blatte einige interessante
Mittheilungen gemacht. Reschad, der
Bruder Abdul Hamids, hatte nicht
einmal den Titel Pascha, den jeder
türkische General und jeder hohe Be
amte des ottomanischen Reiches füh
ren darf. Er war einfach Reschao
Effendi, d. h. „Herr Reschad", und
nichts weiter als „Effendi" waren
auch die anderen Verwandten uno
selbst die Söhne des Sultans, Denen
man in Europa irrigerweise manch
mal den Titel „kaiserliche Hoheit" bn
legte.
Bis zum 24. Juli vorigen Jahres
war Reschad auf das strengste über
wacht worden. Er durfte niemand
empfangen und mit keinem Menschen
sprechen. Sein ganzes Dienstperso
nal war vom Sultan ausgewählt
worden: Abdul Hamid umgab ihn
mit Leuten, auf die er sich verlassen
zu können glaubte sobald er aber
nur den Verdacht hatte, daß sie ttn
Berichterstatten nicht mehr eifrig ge
nug waren, jagte er sie aus dem
Hause seines Bruders. Bon Zeit za
Zeit konnte man auf den Straßen
von Konstantinopel den Wagen dt a
Thronfolgers mit einet großen Es
korte sehen: diese Eskorte bestand aus
berittenen Spionen, die sofort den
Wagen umgaben, wenn jemand Mie
ne machte, sich zu nähern und zu grü
ßen oder Reschad auch nur anzu
schauen. Einmal wurde in dieser
Weise sogar der italienische Geschäfts
träger Ritter Sforza von berittenen
Polizisten umzingelt: er war ganz
zufällig, ohne den Wagen Reschaos
erkannt zu haben, stehen geblieben,
und die Spione glaubten, daß et mit
dem Thronfolger sprechen wolle.
Ein charakteristischer und kurioser
Fall begegnete vor einigen Iahten ei
nem Hauptmann, der noch heute Gott
dafür danken kann, daß er so billi
gen Kaufs weggekommen ist. Als
besagter Hauptmann eines Tages sei
ne Kompanie in die Kaserne zurück
führte, hatte er das Unglück, den Wa
gen Reschads zu sehen. Et ließ die
Soldaten halten und dem Thronfol
get die militärischen Ehrenbezeigung
gen erweisen. Tags darauf wurde er
aufgefordert, sich wegen seines Ver
haltens zu rechtfertigen: man stellte
ihn, weil seine That als eine gegen
den Sultan gerichtete Kundgebung
ausgelegt wurde, vor en Kriegsge
richt, das natürlich bereit war, ihn
den Wünschen Abdul Hamids gemäy
zu verurtheilen. Der arme Haupt
mann brachte zu seiner Entschuldi
gung vor, daß er die Ehrenbezeigung
gen erwiesen habe, weil es Vorschrift
sei. Di. Vorschrift, hielt man ihm
entgegen, sei ganz schön, aber et habe
auch wissen müssen, was dem Sultan
nißfalle, denn es gebe Leute, die den
Tod des Kalifen wünschten, um Re
schad den Thron besteigen zu sehen.
Abdul Hamid und sein Kriegsgericht
wagten den Hauptmann richt zu ver
urtheilen, man wusch ihm nur gehö
rig den Kops und ließ ihn dann stet.
Zu seinem Unglück sah et sich wenige
Tage daraus mit derselben Kompa
nie wieder dem Waaen Reschads ge
genüber. Da er nicht wußte, wie tr
sick verhalten sollte, kornmandirte et
plötzlich: „Rührt Euch!" und flüchtete
sich, ohne sich umzudrehen, in einen
Laden.
E i n e S e n e w i e a n s i e s i
brutaler kaum denken kann, ereignete
sich unlängst in dem Haus No. 131
Nord Grove Str., Baltimore, in wel
chem der Leichnam von Frau Ernest
Etner aufgebahrt lag, um die Beerdi
gung zu erwarten. Der Mann der
Verstorbenen kam Abends betrunken
nach Haufe und versuchte angeblich
seine Wuth übet die ihm durch die
Beerdigung entstehenden Kosten an der
Todten auszulassen. Im Hause be
fanden sich neben dem Rasenden nur
Frl. Florence Erner, eine Schwester
desselben, und sein 15 Jahre alter
Sohn Archie Erner. Letzterer trat
seinem Vater entgegen, als er seiner
todten Mutter einen Schlag versetzen
und den Leichnam auf die Straße
werfen wollte. Dafür erhielt der
Sohn selbst einen Faustschlag in's
Gesicht, die rohe That aber unter
blieb. Aus ihrer schrecklichen Lage in
Gesellschaft mit dem betrunkenen
Bruder beziehungsweise Vater wur?
den Frl. Erner und Archie erlöst, als
am Morgen ein Bekannter erschien
und einen Polizisten herbeiholte, der
den Unmenschen nach der Polizeista
tton drackte. V''.vv'x
BEFORE
99
Die Zeit der Fliegen
ist wieder hier
Jeder Pferdebesitzer sollte wissen:
sind billiger als Futter!
Es bedarf Futters, Energie zu erzeugen und das
Pferd bedarf Energie, lästige Fliegen abzuwehren.
Deshalb spart man mehrfach den Preis des Fliegen
netzes, ganz abgesehen davon, daß die Pferde dann
behaglich sind. Beseht unser Lager. Wir haben
Fliegennetze aller Arten—auch lederne.
8E0.M.KINQ UOHTNINB ROD CO.
SMITH 5 WIDMEYER, Rugby. N. D.
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zeige in deutscher Sprache wieder:
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Die King Blitzableiter Ä5&Ä
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