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Der Staats=Anzeiger. (Rugby, N.D.) 1906-current, November 18, 1909, Image 1

Image and text provided by State Historical Society of North Dakota

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4. Jahrgang
Wochenscha».
•«laaft.
Ztoei Männer betraten unlängst in
Niagara Falls die Office der Cana
dian Expreß Co., während der Agent
und einige Arbeiter draußen damit
beschäftigt waren, eine eingetroffene
Ladung von Packeten zu bergen. Der
Kassirer. William Dobson mit Na
men, wurde von den Räubern nieder
geschlagen und blieb bewußtlos lie
gen. Nachdem die frechen Banditen
sich davon überzeugt hatten, daß
Dobson unschädlich war, nahmen sie
alles Geld, das sie finden konnten
$14,165 ist der Betrag und be
werkstelligten ihre Flucht. Trotz aller
Nachforschungen hat die Polizei auch
mich nicht die geringste Spur von
ihnen entdecken können.
Einer Einladung der deutschen
Vereine von Birmingham, Ala., New
Orleans, La.. Houston, San Anto
fito und Dallas, Tex., folgend, hat
Herr Dr. C. I. Hexamer, der Präsi
dent des Deutsch Amerikanischen
Nctional-Bundes, eine längere Reise
räch dem Süden antreten. Bundes
Sekretär Adolph Timm begleitet ihn.
Dr. Hexamer wird in mehreren
Städten Reden halten. Es ist mit
Sicherheit zu erwarten, daß die Reise
die Gründung mehrerer Staatsver
bände zur Folge haben wird. Ueberall
werden große Vorbereitungen für
einen würdigen Empfang des bewähr
ten Führers des Deutschthums ge
troffen.
Ein Feuer, das eine Zeit lang die
ganze Stadt bedrohte, zerstörte in
dem Städtchen Plymouth, Pa., un
längst die Feuerwerkskörper Ffobrif
von John R. Powell. Von den 140
Mädchen, die in der Fabrik beschäf
tigt waren, fand eines in den Flam
men feinen Tod. Sechzehn wurden
verletzt. Unter den Verletzten.befindet
sich der Fabrikbesitzer John R. Po
well. Er zog sich bei dem Versuch, die
Mädchen, die beim Ausbruch des
Feuers in große Aufregung geriethen,
zu retten, schwere Brandwunden zu.
Auch die in der unmittelbarenNafie der
Fabrik stehende Wohnung Powell's
fiel den Flammen zum Opfer. Der
durch das Feuer angerichtete Schaden
wird auf $75,000 veranschlagt.
Von vierundzwanzig Studenten
'der Brown-Universität in Providence,
Li. I., Mitgliedern der Geschichts
Klasse des'Historikers Prof. Wilfred
H. Munto, war bei einem unlängst
abgehaltenen Examen auch nicht
Einer im Stande, den vollen Namen
unseres Präsidenten anzugeben, einen
ter Richter des Ober-Bundesgerichts,
ter. Gouverneur von Rhode Island,
emen der Richter des Staats Ober
gerichtS von Phode Island oder den
9»amen des Bürgermeisters von
Providence zu nennen. Nur 18 von
fcc'.i 24 kannten den vollständigen Na
men des Präsidenten, blieben aber
auf alle anderen Fragen stumm.
Inez Ruiz, ein bekannter und ge
fiirchteter mexikanischer Desperado,
der als Justizflüchtling von den me
Titanischen Behörden seit sechs Iah
len gesucht wird, ist von Farmern in
Frio County, Texas, verhaftet und
nach dem Gefängniß in Galveston.
Fex., gebracht worden. Vor sechs
Jahren entsprang Ruiz aus einem
Gefängniß in Mexico, wo et seiner
Hinrichtung entgegen sah. Der gefan
gene Bandit, auf dessen Verhaftung
tit mexikanischen Beamten eine Be
lohnung von $3,000 ausgesetzt haben,
fell nicht weniger als vierzig Morde
4iuf dem Gewissen haben.
Fräulein Julia Hoerner ist die erste
-Suftfchiffettn Amerikas, die sich um
«inen Preis bewirbt. Mit John Berry
lld Lenker unternahm sie in dem
Ballon „Mtlba III" von St. Louis
qus eine Dauerfahrt um den Lahm
Becher, den jetzt der Luftschiffer Hol
.land Forbes hält. Die ebenso ehrgei
Urge wie kühne Luftschi fferin muß
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Vi Meilen zurücklegen,
ictnn sie den Preis gewinnen will.
Der Ballon „Melba. III" ist modern
gebaut und hält 78,000 Cubikfuß
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Seinen 100. Geburtstag feierte
Dor einigen Tagen der frühere Land
Mann Avion BrommeltcWp it*
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Hause seiner Tochter, Frau Katha
rine Landwer, in dem Chicagoer
Vorstädtchen Barrington, III. Der
greise Herr wurde in Westfalen ge
boren und kam im Jahre 1868 nach
Amerika. Er ließ sich mit seiner Fa
mtlie in der Nähe von Barrington
nieder, wohnt aber feit längerer Zeit
in dem Orte selbst. Seine Gattin
starb kurz vor der Uebersiedlung nach
Amerika. Krank gewesen ist der Hun
dertjährige nur zweimal in seinen?
Leben.
Nachdem Frau Mary Gels, Me
Gattin eines bekannten Chicagoer
Geschäftsmannes, die krank war und
Bereits wiederholt Selbstmordversuche
gemacht hatte, für ihre älteste, zehn
Jahre alte Tochter Trauerkleider ge
kauft hatte, begab sie sich mit ihrem
einjährigen Kinde in das Schlafzim
n-er ihrer Wohnung, verschloß die
Thür und drehte das Gas an. Meh
rere Stunden später wurden Mutter
und Sind als Leichen gefunden. Man
glaubt daß die Frau durch Krankheit
zur Verzweiflung und dann in den
Tod getrieben wurde.
In Florenco, N. I., wurde vor
einigen Tagen William Hamilton, ein
in der Stadt wohnender, nicht nur
sehr wohlhabender, sondern auch an
gesehener Geschäftsmann und Far
mer, unter der Anklage des Raubes
verhaftet. Hamilton war ein promi
nentes Mitglied der Methodistenkirche,
ein äußerst „frommer", „sittenstren
ger" und dabei bezaubernd liebens
würdiger Herr. Unlängst drang ein
masfirter Räuber und Einbrecher in
die Wohnung des wohlhabenden Ge
schästsmannes' Schuyler Rainier in
Florence, wo sich die 70 Jahre alte
Haushälterin des Letzteren allein be
fand. Der Einbrecher band und kne
belte die alte Frau, schloß sie in ihrem
Zimmer ein, erbrach den Geldschrank
im Arbeitszimmer Rainier's und
stahl dort $2765 in baarem Gelde.
Die Haushälterin Rainier's will in
dem Einbrecher auf's bestimmteste
William Hamilton erkannt haben.
In der Kammfabrik von Robert
Monifon & Son in Brooklyn, N. A.,
fand eine furchtbare Explosion statt,
die neun Menschenleben als Opfer
forderte. Mehr als ein Dutzend Per
sonen haben schwere und mindestens
zwanzig leichtere Verletzungen davon
getragen. Das Fabrikgebäude wurde
durch das durch die Erplosion verur
sachte Feuer beinahe vollständig zer
stört, und mehrere in der Nachbar
schaft bestehende Häuser wurden er
heblich beschädigt. Die Katastrophe
verursachte in der ganzen Nachbar
fchaft eine riesige Ausregung. Es be
fanden sich nämlich zur Zeit/als die
Explosion sich ereignete, mehrere hun
dert Arbeiter in der Fabrik, und da
die Flammen mit furchtbarer Schnel
ligkeit um sich griffen, so glaubte
man anfangs, daß die Zahl der un
glücklichen Opfer bedeutend höher
fein würde.
In San Francisco erschoß auf
offener Straße ein Russe, Emnate
Novikow mit Namen, zwei Frauen
und machte dann durch einen wohlge
zielten Schuß seinem eigenen Leben
ein Ende. Die beiden Opfer des Mör
ders und Selbstmörders waren die
Schwiegermutter und Schwägerin
Novikow's, Frau F. A. Scholz eine
Musiklehrerin, die in Vinatay, Cal.
wohnt. Eine von der Polizei sofort
angestellte Untersuchung hat ergeben,
daß Novikow sich an feiner Schwie
germutter und Schwägerin rächen
wollte. Die beiden letzteren hatten es
zu verhindern gewußt, daß der Mör
der von seinem Schwiegervater mit
(Seid unterstützt wurde.
In Oklahoma City, Okla., wurde
ein junger, bekannter und sehr erfolg
reicher Grundeigenthums Makler,
Roy D. Gannon mit Namen, in sei
ner Office im Campbell-Gebäude
Überfallen, niedergeschlagen und dann
cn einem von dem Dach des Gebäu
des hinausragenden Balken aufge
hängt. Dort fand ein Mädchen, die
bei ihm als Stenographin beschäftigt
war, seine fast bis zur Unkenntlichkeit
verstümmelte Leiche. Gannon hatte,
trie das Mädchen sagte, $1000 aus
fc«r Bank geholt und das Geld in dem
Sicherheitsgewölbe seiner Office der
wahrt. Da die $1000 fehlen, so nimmt
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In der Auckinglos-Zeche der Dela
ware, Lackawanna & Western "Coal
Co. bei Wilkesbarre, Pa., wüthet ein
heftiges Feuer, dem neun Menschen
leben zum Opfer gefallen sind. Ein
Arbiter erlitt so schwere Brandwun
den, daß er feinen Verletzungen wahr
scheinlich erliegen wird. Es fand ein«
wahrscheinlich durch das Feuer verur
sackte Explosion statt, durch die die
innere Einrichtung der Zech« ruinitt
wurde.
Ein furchtbares Familienunglück
ereignete sich in Ward Road, Minn.,
in der Familie des allgemein bekann
ten Geschäftsmannes Nels Jensen.
Frau Jensen wollte, um das Feuer
im Küchenofen schnell anzünden zu
können^ Petroleum benutzen. Aus
Versehen nahm sie die Gasolinkanne
und goß den Inhalt auf das bereits
brennende Holz. Eine furchtbare Ex
plosion erfolgte und Frau Jensen so
wie ihre fünf Kinder, die sich zur Zeit
im Hause befanden, fielen den Flam
men. die das Haus zerstörten, zum
Opfer.
Panay, eine zu der Vizaya-Gtuppe
gehörende Philippinen-Insel, wurde
von einem Teifun heimgesucht, der
überall großen Schaden verursacht
hat. Ganz besonders heftig war der
Sturm in der Provinz Capiz. wo
viel« Wohnhäuser zerstört worden
sind. Der Sturm war von einem wol
k«nbruchartig«n Regen begleitet, der
eine allgemein« Ueberschwemmung
verursacht hat. Oberflächlicher Schä
tzung nach sind mehrere tausend Per
fönen obdachlos.
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Ein sensationeller Einbruchsdieb
stahl hat sich zu Gladbeck im westfäli
schen Regierungsbezirk Münster er
eignet. Aus der dortigen Grubenkasse
ter königlichen Berginsp-ktion sind
nicht weniger als 280,000 Mark ent
wendet worden. Augenscheinlich sind
mehrere Einbrecyer, welche sich auf ihr
lichtscheues Gewerbe verstehen, am
Werk gewesen. Auch läßt die glatte
Ausführung deS Raubplanes darauf
^tugby, Nord-Dakota, Donnerstag den tS. November, 1909.
man an, daß ein Raubmord vorliegt.
Ein bedauernswerther Unfall ereig
nete sich in Chicago an der östlichen
Auffahrt zur Brücke an Jackson
Straße. Die Brücke war offen, und
der Brückenwärter hatte es scheinbar
vergessen, die Schutzketten zu' ziehen,
um die Auffahrten zur Brücke abzu
sperren. Ein Automobil kam von
Osten her mit einer Schnelligkeit von
30 Meilen per Stunde angefahren
und stürzte in den Fluß. Von den
Insassen hörte man nur einige^ ver
zweifelte Hilferufe. Dann war alles
still. Das Automobil war von den
Finthen des Flußes verschlungen
worden, und die Insassen zwei
Männer und eine Frau hatten
scheinbar einen schnellen Tod gefun
den.
Vier Farbig«, unter diesen eine
Frau, wurden in Cairo, Ills., anter
der schweren Anklage, die vier und
zwanzig Jahre alte Jennie Pelley, de
ren Leiche vor einigen Tagen gesun
den wurde, in verbrecherischer Absicht
überfallen und getödtet zu haben, ver
haftet. Bluthunde führten die Behör
den^ auf die Spur, und sie glauben
bestimmt, daß sie die schuldigen Per
fönen gesunden haben. Die Ermordete
war körperlich sehr stark und hat sich
anscheinend verzweifelt gewehrt. In
Cairo herrscht infolge des furchtbaren
Verbrechens nicht geringe Aufregung,
und man fürchtet, daß ein Lynchver
fuch gemacht werden wird, wenn es
sich heraus stellen sollte, daß die ver
hafteten Farbigen schuldig sind.
Unter der Anklage, den Tod eines
jungen Mannes, Namens. Robert
Simpson, verschuldet zu haben, wurde
in Somerville, N. I., der Hypnoti
seur „Pros." Arthur Everton in Hast
genommen. Bei einer Vorstellung, die
.Prof." Everton in Somerville gab,
um Proben von seiner Kunst im
Hypnotiüren abzulegen, hypnotisirte
er auch oen jungen Simpson. Er hat
te seine Arbeit so gründlich gethan,
daß Simpson nicht wieder erwachte.
Alle Wiederbelebungsversuche waren
vergebens, und Everton mußte, trotz
oller Proteste und 5nsu,üldsbetheue
rvngen, in's Gefängniß.
l^ur den Sasaflt". «. Buggies aus beste» Fabriken
Die Peter Schuttler Wagen scheinen zu Vorzug zu haben, denn sie werden am meisten.verlangt. Ich habe aber gute Wagen verschiedener Fabriken. Kommt mir und beseht
Es ist auch Zeit zum Pflügen und der gewissenhafte, erfolgreiche Farmer ist in Bezug auf seine Pflüge sehr wählerisch aber nicht mehr als wir selbst, denn wir halten nur die besten
Sorten, von denen wir ein umfangreiches Lager stets an Hand halten Alles was überhaupt an Farmgeräthschasten und -Maschinen gebraucht wich, bei uns stets zu finden.
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J,
schließen, daß sie sich mit den Loka
litäten und der Handhabung des Be
wachungsdienstes hinreichend vertraut
gemacht, hatten. Von den Thätern ist
trotz der eifrigsten polizeilichen Nach
forschungen bis jetzt nicht die geringste
Spur aufgefunden worden. Die Vc
Hörden tappen vollständig im Dun
keln. Der telegraphische Apparat hat
die Kunde von der frechen Raubthat
unverweilt nach allen Richtungen ver
breitet. Es wird gehofft, die Ritte*
vom Brecheisen abfassen zu können,
ehe sie dem deutschen Reichsgebiet den
Rücken wenden.
Eine entsetzliche Familientragödie
hat sich in Budapest ereignet. Der
Bildereinrahmer L»ew hatte schon feit
geraumer Zeit mit Nahrungssorgen
zu kämpfen gehabt. In einem An
fall von Verzweiflung beschloß er,
dem eigenen Elend und demjenigen
der Seinigen ein Ende zu machen.
Mit einem schweren Hammer erschlug
er nächtlicher Weile Frau und v er
Kinder, die im Schlummer lagen.
Dann beging der fünffache Mörder
Selbstmord. Die Kunde von den
Schreckensthaten hat in weitesten
Kreisen der Bevölkerung die größte
Aufregung verursacht.
Das Polizeipräsidium in Berlin
veröffentlichte dieser Tage auf Ersu
chen der Budapester Behörden einen
Steckbrief gegen den Kaufmann Ste
fan Szoboe. Dieser hatte, wie ge
meldet, Liköre mit Methylalkohol ver
setzt und diesen gefährlichen Stoff in
großen Mengen verkauft. Infolge des
Genusses des Fusels fanden nicht
weniger als neunundfünfzig Personen
den Tod, während zweiundfünfzig er
krankten. Nach dem flüchtig gewor
denen Szoboe wird feit Monatsfrist
eifrig gefahndet.
Nach einem in der „Zeit" in Wien
veröffentlichten Artikel hat ein in
Oesterreich allgemein bekannter In
genieur einen Luft Torpedo erfun
den, der dazu bestimmt zu sein scheint,
künftig in Kriegen eine bedeutende
Rolle zu spielen. Louis Bettuch
dies ist der Name des Erfinders
behauptet, daß mit dem von ihm er
fundenen Torpedo jeder Ballon und
jedes Luftschiff bis auf 100 Meter
Hohe zerstört werden kann.
Der Vorsteher der Pariser Gene
ralagentur des Norddeutschen Lloyd.
Pawlowski, hat, wie aus Bremen ge
meldet wird, Selbstmord begangen.
Er hatte eine halbe Million Mark von
dem Vermögen seiner Stieftochter
veruntreut. Die Wittwe ist eine
Amerikanerin. Der Nachricht wird
hinzugefügt, daß die große Schiff
fahrts-Gesellschast durch Pawlowski
nicht geschädigt worden ist.
Ungemeine Befriedigung erregen
namentlich in militärischen Kreisen
Berlin'^ die gemeldeten Ergebnisse der
Luftschiff 'Manöver bei Köln, an
welchen Ballons der drei anerkannte»
Systeme Zeppelin, Groß und Parse
val betheiligt waren. Jeder der
neuerdings beim Kriegstninisterium
eingelaufenen Berichte besagte, daß
andauernd hervorragende Leistungen
zu registriren waren. Besonders be
tont wurde, daß sich die verschiedenen
Luftschiffe selbst bei den ungünstigsten
Witterungsverhältnissen trefflich be
währt haben. Die gemeinsamen
Dauerfahrten durch Nebel und Nacht
und bei dem schlimmsten Regenwetter
wiesen allesammt Erfolge auf. Die
Programme wurden, genau nach den
Vorschriften, eingehalten, und die
Ballons kehrten nach glücklich durchge
führten Manövern rechtzeitig zurück.
Die österreichischen Militärbehörden
sind mit einer Landesveraths Ange
legenheit beschäftigt, die ungemeines
Aufsehen erregt. Auf Grund einer
Denunziation ist eine Untersuchung
gegen einen österreichischen Offizier in
Dalmatien eingeleitet worden. Leut
nant Erich Protivensky. der älteste
Leutnant des 5. (steierisch kärntne
rischen) Festungsartillerie Regi
ments in Gattaro, hat laut den an die
Behörde gelangten Mitheilungen Mo
delle neuer Spitzgeschosse und wichtige
Pläne der Adria Fertilisationen, die
ihm in seiner Stellung leicht genug
zugänglich waren, an Frankreich ver
kauft. Eine eifersüchtige Geliebte, die
sich von Protivensky hintergangen
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5 y*»!
glaubte, Hat die Verrätherin gespielt
und durch die Denunziation den Offi
zier der Behörde in die Hand gelie
fert.
Einen kostbaren Fund haben bei
lhren archäologischen Forschungen
zwei Professoren der Universität Gie^
ßen gemacht, der Dozent der Theolo
gte P. Glaun und Prof. H. Helm
von der philosophischen Fakultät. Die
Gelehrten entdeckten in einem Papy
rus der oberägyptischen Provinz
Fayum ein Doppelblatt, welches den
lateinischen Text des Evangeliums
Lucas enthält und daneben die Bibel
Übersetzung .des gothischen Bischofs
Ulfilas. In wissenschaftlichen Krei
sen .wird der Entdeckung außerordent
licher Werth beigemessen. Es handelt
sich um das älteste deutsche Literatur
Denkmal, welches damit der Kenntniß
erschlossen wird.
Unter großem Schaugepränge
wurde vor einigen Tagen die Leiche
der vor längerer Zeit gestorbenen Kai
serin Wittwe von China aus der
„verbotenen Stadt" nach den etwa 80
Meilen von Peking entfernt gelegenen
„östlichen Königsgräbern" überführt.
In ganz China wurde der Tag als
Feiertag beobachtet. Ehe sich der
Leichenzug in Bewegung setzte, wur
den die Mitglieder des diplomatischen
Corps in dem' dem kaiserlichen Palast
sehr nahe gelegenen Pavillon von dem
Regenten, Prinzen Tschun und dem
Prinzen Tschung, dem früheren Prä
sidenten der Behörde für auswärtige
Angelegenheiten, efnpfangen.
Vor dem Schwurgericht in Ham
burg ist der ehemalige Reifende Woll
mer schuldig befunden worden, an der
Beraubung der Roeskilder Königs
gräber, welche seinerzeit großes Aus
sehen erregte, betheiligt gewesen zu
sein. Der Angeklagte wurde zu acht
Jahren Zuchthaus verurtheilt. In
Roeskilde, der uralten Stadt auf der'
dänischen Insel Seeland, befindet sich
als Denkmal früherer Herrlichkeit die
Kathedrale oder Dreifaltigkeitskirche,
der schönste Dom in Dänemark, mit
den Gräbern von mehr als dreißig
Königen und Königinnen, in denen
zahlreiche Kostbarkeiten enthalten sind.
Eine Ehebruchs Tragödie, welche
zwei Menschenleben gefordert hat,
wird aus Halle gemeldet. Der wis
senschaftliche Zeichenlehrer d$r dorti
gen Universitäts Klinik, Namens
Kämpf, unterhielt mit der Frau des
Rentiers Richert ein Liebesverhältniß.
Richert kehrte unerwarteter Weife
heim und überraschte feine Frau mit
ihrem Galan. Kämpf hatte eine
Waffe zur Hand und erschoß Richert
auf der Stelle. Der Mörder richtete
dann die Waffe gegen sich und beging
Selbstmord.
Eine sensationelle Verhaftung ist
von der Polizei zu Czernowitz in der
Bukowina vorgenommen worden.
Durch einen zufällig aufgefangenen
Brief wurden die Behörden über ein
geplantes Verbrechen orientirt. Auf
Grund der durch den Inhalt des
Schreibens gegebenen Information
machte die Polizei den Techniker Dr.
Edward Cohn dingfest. Dieser wollte
seiner um zehn Jahre älteren Gelieb
ten in Prag, der Frau des Gastwirths
Kral, Curare übersenden, womit ihr
Gatte vergiftet werden sollte.
Der katholische Priester Vater Ge
melli, bekannt unter dem Namen
„Mönchsprediger", der unlängst von
dem sozialdemokratischen Abgeordne
ten Pedrecca aufgefordert wurde, in
seinen Predigten die Wunder in
Lourdes zu erklären, hielt unlängst
in der Kathedrale in Livorno, Italien,
einen Vortrag über den Gegenstand.
Wiederholt wurde er dabei durch die
Ruse: „Es lebe Ferrer" unterbrochen.
Der Tumult wurde schließlich so
groß, daß die Polizei einschreiten
und die Rädelsführer verhaften
mußte.
Auf dem Gebiete der Luftschiff
fahrt werden gewaltige Anstrengungen
gemacht, Oesterreich eine würdige
Stellung unter den Großmächten zu
sichern. In den Ballon- wie in der
Aeroplan Luftschiffahrt wird mit
gleicher Emsigkeit gearbeitet. In Wien
ist eine Pereinigung unter dem Na
men „Austria" gegründet worden, die
|B sich zm Aufgabe gestellt
I
WM «SâSH
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«o. 17
Flugmaschinen neuen Typs zu bauen,
die rein österreichische Fabrikate wer»
den sollen.
Schreckliches Loos der OnaS.
Krieg gegen Indianer
Feuerlandek«
Erst in den letzten dreißig Jahren
ist im südlichen Ende Südamerika?
ein Indianer-Ausrottungskrieg ge
führt worden, der an dämonischer
Grausamkeit wohl von keinem ähn
lichen Kapitel in der Geschichte Nord
amerikas übertroffen und nur von
wenigen ereicht wird! Man höre,
was ein Kundiger darüber erzählt:
foie Ona-Jndicmev des Feuerlan
des, welche für die große Welt heute
so gut tote verschollen sind obwohl
noch ein kümmerlicher Rest von ihne®
existirt waren vor weniger all
dreißig Jahren ein mächtiger Stamm*
etwa 3000 Köpfe stark, und ihre
Jagdgründe waren das ganze Land
von Onajarda Point (Magellan
Meerstraße) bis nach dem Beagle
Fahrkanal.
Hätte die ganze Insel einen solchen
Charakter wie die nördliche Hälfte,
so wäre diese oder irgendeine Rasse,
welche hier gehaust, längst ganz aus
gestorben. Oder hätte das ganze Ei
land eine Natur, wie die südliche
Hälfte, so würden die Onas wohl
noch heute einen großen Theil ihrer
ursprünglichen Domäne im Besitz ha
ben denn dann wäre Ellbogenraum
genug für sie und die Weißen, die
hierher kamen. Aber wie es war,
wurden über neun Zehntel des Stam
mes in nicht viel über einem Viertel-^
Jahrhundert durch Pulver und Blei,
u i u n u S e u e
vorsätzlich vernichtet, weil der weiße
Mann nach dem Lande der Onas für
seine Schafzucht begehrte, und jedes
Mittel zur Ergatterung desselben ihm
recht war!
Mit der Begründung bet ersten
Schafweide hier, im Anfang der acht
ziger Jahre, begann ein unsäglich
grausamer und beharrlicher Ausrot
tungsfrieg seitens des Weißen. Durch
die brutalste Gewalt und durch alle
möglichen Betrügereien wurden die
Onas immer weiter aus ihrem Lande
vertrieben. Natürlich währten sie sich
aber Pfeile gegen Kugeln konnten sich
in einem offenen Lande nicht aus die
Dauer behaupten.
Es braucht kaum hinzugefügt zu
werden, daß die Onas selber auch
keine Rücksicht auf die Eigenthums
Interessen ihrer Feinde nahmen. Ih
res Landes von ihnen beraubt, ver
suchten sie, sich einigermaßen ein den
Schafen schadlos zu halten, und mach
ten nächtliche Raub-Ueberfälle auf die
Schafweiden. Das „weiße Guanaco"
wie sie das ihnen bisher ganz un
bekannt gewesene Thier, das Schaf,
nannten hatte auch zarteres und
angenehmer schmeckendes Fleisch, aid
die wilden Guanacos des Eilands,
und war natürlich leichter zu fangen.
So beharrlich wurden diese Ueber
fälle, daß die Weißen sich schließlich
sagten: „Entweder müssen olle In
dianer getödtet werden, oder wir ver
lieren alle Schafe." Und sie selber
oder ihre Miethlinge erschossen jeden
Ona, dessen sie irgendwo ansichtig
wurden, ohne Weiteres wie die
schlimmsten wilden Thiere.
Das war noch nicht Alles. Gele
gentlich wurde eine größere Zahl
Onas sammt ihren Frauen und Kin
dern zusammengetrieben und nach dem.
berüchtigten Dawson- Eiland ver
schifft, wo sie in tuberculose-verseuch
ten Quartieren bald selber vom „Wei
ßen Tod" dahingerafft wurden. Ja,
die Schafzüchter gingen so weit, eineS
der Haupt-Nahrungsmittel, welche de»
unglücklichen Rothhäuten noch geblie»
ben waren, nämlich die Thranblas«
gestrandeter Wale, zu vergiften, wo»
durch ebenfalls Viele den Tod fan»
den. aber wenigstens einen raschen!
Dennoch sind sie noch* nicht ganz
ausgerottet aber weniger als ein
Zehntel des Stammes führt ein so
elendes Dasein, daß ihnen der Tod
als willkommener Erlöser erscheint
Er wird auch für die letzten OnaS
nicht mehr lange ausbleiben, dann
steht der Schafzucht im Feuerland
gar nichts mehr tnt Weae!
sie.
irzâ
SS-,
45*
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4 4 ft
V f«/"1 ttv-VV«
1
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Grant s Maschinen-Schuppen, nördlich der Great Northern Eisenbahngeleife, Rngby, N. Dak.
historical Society

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