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Der Staats=Anzeiger. (Rugby, N.D.) 1906-current, December 02, 1909, Image 1

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X".
i
4. Jahrgang
V
?r:
Wochenscham.
Smeitih.
JK einer unlängst bekannt gegebe
nen Entscheidung des Bundeskreisge
richts für den Distrikt Missouri, die
von Richter W. H. Sanborn-verfaßt
wurde, wird erklärt, daß die Stan
dard Oil Co. von New Jersey eine
ungesetzliche Corporation ist und auf
gelöst werden sollte. Durch diese Ent
scheidung erringt die Bundesregierung
einen glänzend«» Sieg über den Oel
trust. Der Fall wurde im April
1909 vor den Bundes-Kreisrichtern
Sanborn von St. Paul, Van De
banter von Cheyenne, Hook von
Leavenworth und Adams von St.
Louis verhandelt. Er ist einer dèr
bemerkenswerthesten in der Geschichte
des Landes, weil er einmal riesige
finanzielle Interessen berührte und
weil es galt, viele wichtige Fragen
industriellen und gesetzlichen Charak
ters zu entscheiden. In der Entschet
dung, die ein sehr voluminöses Doku
ment ist, wird eine ganz genaue
Uebersicht über die Geschichte der
Standard Oil Co. gegeben uno
darauf hingewiesen, daß es weder
einer Person, noch einer Gesellschaft
gestattet werden könne, Conkurrenten
dadurch aus dem Wege zu räumen,
daß sie durch ungesetzliche Combina
tionen Macht erwerben und dies*
ausüben, die ihnen in einem freien
Lande niemals zuerkannt werden
könne. Das Gericht verfügt die Aus
lösung der Standard Oil Co. von
New Jersey und die von 38 ihrer
Zveiggesellschasten.
Gouverneur Charles S. Deneen hat
Sheriff Frank E. Davis von Alexan
der County seines Amtes entsetzt. Als
Grund dafür gab er an, daß Davis
sich in der Erfüllung seiner Amts
pflichten einer fast verbrecherischen
Nachlässigkeit dadurch schuldig machte,
daß er am 11. November einem Mob
gestattete, in das Countygefängniß zu
dringen und den dort eingesperrten
Neger William James und den Wei
ßen Henry Salzner herauszuholen
und zu lynchen. In seiner diesbe
züglichen Verfügung weist der Gou
verneur darauf hin. daß nach dem
Staatsgesetz von Illinois das Amt
eines Sheriffs vakant wird, wenn
dieser einen seiner Obhut übergebenen
Gefangenen einem Volkshaufen aus
liefert.
In Baltimore wurde unlängst ei
ner der ältesten deutschen Journali
sten zur letzten Ruhe bestattet. Es
war Herr Carl W. Spengler, der bis
vor Kurzem am „Baltimore Journal"
thätig war. Sein Hinscheiden war
ein sanftes nach einem sturmbewegte'l
Leben. In Hildeshnm, Hannover,
am 24. October 1841 geboren, kam er
im Jahre 1869 nach diesem Lande,
und zwar hierher nach Baltimore, wo
selbst er die ganze Zeit hindurch an
fässig war. Er hatte in Deutschland
Hochschulbildung genossen, und so
blieb es nicht aus, daß er hier eine
wirkungsreiche Thätigkeit als Mann
der Feder entfalten konnte. Huerst
war er 6M$ Jahre am „Baltimore
Wecker", dann 5y2 Jahre am „Deut
schen Correspondents" und zuletzt 27
Jahre am „Baltimore Journal" thä
tag.
Siebenzehn Besitzer von „Sot'!
Drink"-Lokalen sind in Belvidere,
Ills., mit einer Geldstrafe von zu
fammtit $11,425 belegt und jeder zu
Gefängniß von 30 bis 90 Tagen De*
urtheilt worden, weil sie berauschende
Getränke verkauft hatten. Die letz
teren Strafen sollten jedoch suspendirt
werden, wenn die Geldstrafen bezahlt
würden. Nut sechs machten hiervon
Gebrauch und 11 der Berurtheilten
befinden sich nun im Countygefäng
niß. Der Verlust des Geldes, welches
früher sür Wirthschasts-Lizensen ein
lief, hat die Stadt in eine so schlimme
finanzielle Klemme gebracht, daß man
die Straßenbeleuchtung theilweise ein
stellen mußte.
Die furchtbaren Regengüsse, die
während der letzten Wochen in der
Kanalzone niedergegangen sind, ha
den nicht nur die Bauarbeiten am
Kanal gestört, sondern auch überall
bedeutenden Schaden angerichtet. Das
Wasser im Chagres-Fluß war 20
Für den
'fry-., 7 ........J, ,-. rAr-.Sp
Fuß, der Verkehr zwischen Colon und
Panama war vollständig unterbro
chen, und in dem Kanal waren meh
rere Dampfschaufeln vollständig unter
Wasser gesetzt. Unter den Bewohnern
von Culebra herrscht große Aufre-
Ses
ung, weil sie fürchten, daß infolge
anhaltenden Regens Erdrutsche
stattfinden könnten, die ihre Woh
nungen zerstören würden.
Elias Ray, einer der wohlhabend-
Sen
Großgrundbesitzer im Staat In
diana, machte seinem Leben dadurch
ein Ende, daß er sich mit einem schar
fen Federmesser die Kehle durchschnitt
und verblutete, ehe ärztliche Hilfe zur
Stelle war. Ray sollte demnächst
unter der Anklage des Mordes pro
zessirt werden. Im Mai dieses Iah
res gerieth Ray mit einem seiner Ar
beiter in Streit und versetzte diesem
mit einem schweren Stock einen so
wuchtigen Hieb, daß er bewußtlos zu
Boden sank und dann den Verletzun
gen erlag.
Zwei Handtaschen, die unlängst in
dem Gebäude der Ersten National
bank gelassen worden waren und die
angeblich $17,000 in baarem Gelde
für die E. M. F. Automobile Co..
die damit Gehälter und Löhne aus
zahlen wollte, enthalten sollten, ent
hielten, wie von Beamten der Bank
festgestellt wurde, nur Pflasterziegel.
Es wurde sofort ein Verhaftsbefehl
gegen den früheren Zahlmeister der
Gesellschaft Chauncey Hammond, der
spurlos verschwunden ist, erwirkt.
Die Negerin May Satfon Howard
hat sich in Washington schuldig be
konnt, ihre achtjährige Tochter ermor
det zu haben, weil ihr Liebhaber
Raymond Carver gedroht hatte, sie
des Kindes wegen zu verlassen. Die
ses war das Mädchen, das vor eint*
get Zeit mit durchschnittenem Halse
in einem Wäldchen jenseits der Grenze
des Staates Maryland gefunden
wurde.
In Butler, Mo., fand unlängst bei
einem in seiner Wohnung ausgebro
chenen Feuer der Bundesabgeordnete
David A. De Atmend mit seinem 6
Jahre alten Enkel W. Clark einen
qualvollen Tod in den Flammen. Da
vid A. De Armond wurde zuerst im
Iahte 1891 als Vertreter des sechsten
Distrikts von Missouri in den Con
gteß erwählt und hat seit diesem
Jahre ununterbrochen dem Bundes
Abgeordnetenhause als Mitglied an
gehört. Et war ein Demokrat und
stand unter seinen Parteigenossen im
Staate Missouri in hohem Ansehen.
Er war im Jahre 1844 in Blatt
County, Pa., geboten, und als et sich
in Butler, Mo., niederließ, war et
eine Zeit lang als Anwalt thätig.
Später bekleidete er eine Reihe ös
fentlichet Aemter. So war er unter
Anderem Staatssenator von Missouri,
Kreisrichter und Commissär des Ober
Staatsgerichts von Missouri. Frau
De Armond, ihre verheirathete Toch
ter Frau Hattie Clark, die bei ihren
Eltern zum Besuch weilte, und ein
Dienstmädchen kamen mit «inigen
schmerzhaften Brandwunden davon.
Aus Shelby, Ind., wurde unlängst
gemeldet, daß daselbst eine Frau Chri
stina Justedt auf einer südlich von
Demotte einsam gelegenen Farm
wohnt, die allgemeinem Dafürhalten
nach mit der Massenmörderin Frau
Belle Gunneß identisch ist. Diese
wohnte bekanntlich in der Näht von
Laporte, Ind., auf einer Farm und
hatte angeblich bei einem Feuer, das
ihre Wohnung zerstörte, mit ihren
Kindern einen schrecklichen Tod ge
sunden. Nach dem Brande machte die
Polizei die unheimliche Entdeckung,
daß Frau Gunneß eine Massenmör
denn gewesen war. Viele bezweifel
ten es, daß die unter den Trümmern
gefundenen Leichen die der Frau Gun*
neß und ihrer Kinder waren. Die
Frau blieb jedoch verschwunden, uno
einer ihrer Arbeiter wurde wegen
Brandstiftung und Mordes in Vee«
bindung mit der Angelegenheit nach
dem Zuchthause geschickt.
Die Großgefchworenen von Marion
County, Indiana, beschäftigen sich
augenblicklich mit dem neuerwählten
Bürgermeister von Indianapolis, Sa
muel Lewis Shank. Dieser sott sich
während der Campagne einer gro
ben Verletzung des Gesetzes dadurch
Iii •*,
schuldig gemacht haben, daß er meh
teren Personen unter der Bedingung,
daß sie ihn unterstützen sollten, gut
Stellen versprach. Als Zeugen wur
den von den Geschworenen Fred 903.
Eppert, ein Mitglied des Stadtrathâ
von Indianapolis, und James 6.
Barrett als Zeugen vernommen. Dem
Letztgenannten soll Shank die Stel
lung des Präsidenten der Behörde für
öffentliche Arbeiten versprochen haben.
Shank wurde von dem sogenannten
Reformelement und den Prohibitions*
Fanatikern unterstützt.
Ein vierstöckiges Miethshaus in
Brooklyn wurde unlängst durch Feuer
zerstört und sieben Personen fanden
ihren Tod in den Flammen. Min
destens dreißig andere trugen zum
Theil schwere Verletzungen davon. In
ititn Gebäude wohnten fast ausschließ
lich Italiener, die bereits zur Ruhe
gegangen waten, als das Feuer aus
brach. Unter den sieben Umgekomme
nen befanden sich mehrere Frauen
und Kinder. Der Schaden, den das
Feuer im Innern des Hauses an
richtete, wird auf mehrere taufend
Dollars veranschlagt.
Unter den Trümmern ihrer bis auf
den Grund durch Feuer zerstörten
Wohnung fand man unlängst in Bull
Run die bis zur Unkenntlichkeit ver
kohlten Ueberreste einet älteren Dame.
Fräulein Ella Smith, die allein
wohnte und angeblich stets eine be
deutende Summe baaren Geldes in
ihrer Wohnung hatte. Die Polizei
hat festgestellt, daß Fräulein Smith
ermordet und beraubt wurde, und daß
der Vorder dann, um die Spur sei
nes Ätrbrechens zu verwischen, das
Haus anzündete, um so die Leiche
vollständig zu vernichten.
Eine Strecke von fünf Meilen ist
an dem Panama-Kanal fertiggestellt
und bereits für die Schiffahrt offen.
Die Strecke reicht von der Spitze der
Bai von Panama, wo das Wasser
45 Fuß tief ist, bis zu der Werft in
Balboa. Dampfschiffe, die zwischen
San Francisco und Panama fahren,
benutzen diesen Theil des Kanals.
Jetzt hat der fertiggestellte Theil des
Kanals eine Durchschnittstiefe von 30
Fuß bei Ebbe und Fluth. Er soll
aber so bald wie möglich 45 Fuß
tief gemacht werden.
Charles P. Heywood, der als Of
ficejunge für Daniel Webster gearbei
tet und später unter den Präsidenten
Lincoln und Johnson die Stelle eines
Assessors in dem Städtchen Hannibal,
Ills., bekleidet hatte, starb in Chicago
im Alter von 76 Iahten. Nachdem
Heywood der Bundesregierung 25
Jahre lang gedient hätte, erhielt er
als Belohnung für treue Dienste eine
Anweisung für einen Cent. Der Ver
storbene war im Jahre 1833 in Graf
ton, Mass., geboren.
In dem Obst- und Weingeschäft
des Italieners Joseph Mascari ist
No. 13 College Str. in Danville.
Ills., fand unlängst eine Explosion
statt, durch die fünfundzwanzig &e<
bäude in dem eigentlichen Geschäfts
theil der Stadt erheblich beschädigt
wurden. Mascari behauptet, daß das
Attentat von Mitgliedern der „Ge
sellschaft der Schwarzen Hand" aus
geführt worden ist. Der durch die
Explosion angerichtete Schaden wird
auf mindestens $100,000 veran
schlagt.
Mit einem Betriebskapital von $1,»
000,000 wurde in Albany, N. A., die
Wright Co. von New Uork incorpo
ritt. Die Gesellschaft hat die Ab
sicht, Ballons, Flugmaschinen, Luft
schiffe und Fahrzeuge jeder Art, die
zu Operationen in der Lust benutzt
werden können, herzustellen. Die Di
rektoren der Gesellschaft sind: Wilbur
und Orville Wright von Dayton, O.,
George A. Stevens, Henry S. Hooker
und Alphons F. Barnes von New
York.
Kaffer Wilhelm hat einen Jmme
diat-Bericht über die soeben erfolgte
Ausweisung eines gewissen Wengelin
aus Mülhausen im Elsaß eingefor
dert. Wengelin ist aus dem Elsaß ge
bürtig, hat sich aber in der Schweiz
naturalisiren lassen. Er wohnte eine
Zeitlang in Mülhausen und erregte
öffentliches Aergerniß, indem er bei
'4 *V —iA
.^X~
S.'V
«ugby, Nord.Dakota, Donnerstag den S. Dezember, 1909»
Die Peter Schüttler Wagen scheinen zu Vorzug zu haben, denn sie werden am meisten verlangt.' Ich habe aber gute Wagen verschiedener Fabriken. Kommt zu mir und beseht sie.
Es ist auch Zeit zum Pflügen und der gewissenhafte, erfolgreiche Farmer ist in Bezug auf seine Pflüge sehr wählerisch aber nicht mehr als wir selbst, denn wir halten nur die besten
Sorten, von denen wir ein umfangreiches Lager stets an Hand halten Alles was überhaupt an Farmgeräthschaften und -Maschinen gebraucht wird, ist bei uns stets zu finden»
Hotelconcerten die deutsche National
Hymne auspfiff und beim Orchester
wiederholt die Marseillaise bestellte.
Nachdem der Ausweisungsbefehl er
lassen war, erwirkte die Regierung
der Schweiz einen kurzen Aufschub
der Vollstreckung der Ordre, damit
inzwischen die Vornahme einet Un
tersuchung über den Vorfall etmög
licht werde. Wengelin behauptet, daß
deutsche Blätter ein an und für sich
ganz geringfügiges Vorkommniß auf
gebauscht hätten.
In einem unweit des preußischen
Grenz städtchens Baguslawitsch gele
genen Hause eines Landarbeiters
fand man unlängst die furchtbar vet
stümmelten Leichen der 8 Mitglieder
der Familie des Landmannes Waste
lewski, der dort wohnte. Allem An
schein nach handelt es sich um einen
grausigen Raubmord, der von mehre
ten Personen ausgeführt worden ist.
Die Polizei hat festgestellt, daß das
schreckliche Verbrechen von Russen ge
plant und begangen sein muß, die zu
diesem Zweck über die russische Grenze
kamen und wahrscheinlich auch wieder
unbemerkt über die Grenze nach Ruß
land geflohen sind.
Jnfogle von Ruhestörungen, welche
Studenten der Universität Bonn un
längst in der Stadt selbst wie in ei
nem der „Nachbardörfer" verübt ha
ben, hat der Senat der Universität
für den Rest des Semesters das ari
stokratische Corps „Borussia" sus
pendirt, dem Kaiser Wilhelm und
Kronprinz Wilhelm einst angehörten,
und zu dessen „Atlen Herten" sie heu
te noch zählen. Die Suspendirung
bedingt, daß die bet heiligten Studen
ten die Cotpssatben nicht tragen dür
fett.
Commander Pearl) hat Verhand
lungen angeknüpft wegen etn-r Vor
lesungstour, die er im nächsten Früh
jahr in deutschen Landen unterneh
men will und in welche Berlin, so
wie andere deutsche Großstädte ein
geschlossen sein sollen. Pectty will in
den Vorträgen sowohl den Streit mit
Dr. Fredetack Ä. Cook beleuchten, wie
auch seine eigene Nordpolfahrt schil
dem.
Der Urheber der wiederholt et
wähnten Sprengstoff-Affäre, die in
München vor einigen Wochen allge
meine Unruhe erregte, der achtzehn
jährige Arbeiter Kellner, ist einer Jr
renanstalt überwiesen worden. Die
Beobachtung seines Geisteszustandes,
die, wie gemeldet, nach den ersten
Verhören angeordnet worden war,
hatte ergeben, daß Kellnet als unzu
rechnungsfähig zu betrachten ist.
Der Gedanke der Organisation ei
nes Luftverkehrs mit modernen Lenk
ballons, der seit vielen Monaten auf
das lebhafteste erörtert worden ist,
hat nunmehr greifbar feste Formen
angenommen. In Frankfurt a. M. ist
die offizielle Gründung einer Luft
fchiffcchrt-Aktien-Gefellschaft erfolgt
mit einem Kapital von vier Millio
nen Mark. Frankfurt a. M., Ham
burg, München und Baden Baden
sirfd an dem Unternehmen betheiligt.
Mit den regelmäßigen Passagierfahr
ten wird im nächsten Frühjahr begon
nen werden.
Der Schulkreuzer „Victoria
Louise", welcher unlängst das Deut
sche Reich bei der Hudson Fulton
Feier in New Aork vertrat, hat ein«
neue wichtige Mission erhalten. Das
Schiff ist beordert worden, sich in
der zweiten Decemberwoche an der in
ternationalen Auslassung von Regi
ftrir Ballons zur Erforschung der
Passatregion zu betheiligen. Geheim
rati) Professor Dr. Hetgesell, der un
ermüdliche Mitarbeitet des Grafen
Zeppelin, wird sich zu dem Anlaß
nach Mittelamerika begeben. Es soll
bei der Gelegenheit zugleich möglichst
gründlich untersucht werden, bis zu
welchem Grade Luftschiffe als wissen
schaftliche Forschungs Instrumente
verwendet werden können. In wissen
schaftlichen Kreisen wird dem Unter
nehmen das größte Interesse entgegen
gebracht. Da die Forschungen inter
nationalen Charakter tragen, gilt eine
rege Theilnahme zahlreicher Länder
von vornherein als gesichert.
In Budapest hat vor dem zustän
digen Gericht die Prozessirung des
"4
1
5 i
4
serbischen Studenten Spaso Kragu
jewitsch begonnen. Er ist, wie seiner
zeit gemeldet, homosexueller Vergehen,
femer der Erpressung, Unterschlagung
und des Diebstahls angeklagt. So
bald die Verhandlung ihr Ende er
reicht hat, wird Kragujewitsch wahr
scheinlich nach Berlin ausgeliefert
werden. Er steht im dringenden Ver
dacht, den Käsehändler Engel in der
deutschen Reichshauptstadt ermordet
zu haben. Die Erhebungen, welche
von der Polizei über die Person des
Kragujewitsch angestellt worden, ha
ben längst ergeben, daß er einer der
gefährlichsten Verbrecher ist, von wel
chen die Kriminalchronik der neueren
Zeit berichtet hat.
In Wien haben. Offiziere per Post
Zuschriften erhalten, in welchen ein
Pulver, wie sie in den Apotheken her
gestellt werden, enthalten war. In
den Zuschriften wurden die Pulver
als unfehlbare Heilmittel gegen aller
lei Leiden angepriesen. Der Gene
ralstabs Hauptmann Mader nahm
das Pulver. Er fiel fofort in
Krämpfe und starb, bevor noch der
sofort herbeigerufene Arzt zur Stelle
war. Der Arzt konstatirte, daß das
Pulver, welches der Hauptmann ge
nonttnen, Cyankali enthalten. Dann
stellte sich heraus, daß gleiche Sendun
gen an viele Offiziere geschickt worden
waren und daß der Inhalt in allen
Fällen aus dem furchtbaren Gift be
stand. Seitens der Behörden ist die
Untersuchung eingeleitet, und es
herrscht die Ansicht vor, daß dieser
Massenmord Versuch die That eines
Wahnsinnigen gewesen ist.
Für den Monat September näch
sten Jahres plant der Automobilclub
in Wien die Veranstaltung einer gro
ßen Flugwoche mit Gesammtpreisen
von einer halben Million Kronen.
Die Mehrheit der Preise soll indessen
lediglich für österreichische Luftschiffer
in österreichischen Maschinen in Be
tracht kommen, da die meisten berühm
ten französischen Luftschiff er übertrie
bene Startmanieren angenommen
haben und der Automobilclub es als
zwecklos erachtet, ihnen außer den
für ihr Erscheinen verlangten hohen
Summen auch noch Preise zu geben,
die auf der anderen Seite dem Em
porstreben unbekannter österreichischer
Luftschiffer sehr zustatten kommen
werden.
Ein schweres Bahnunglück, das auf
der Stelle drei Menschenleben gekostet
hat und noch mehrere Opfer fordern
dürfte, hat sich auf der österreichischen
Bahnstation Sankt Veit ereignet. Ein
Personenzug ist mit einem Güterzug
in voller Fahrt zusammengestoßen.
Drei Personen wurden augenblicklich
getödtet, fünfzehn verletzt, darunter
einige so schwer, daß an ihrem Auf
kommen gezweifelt wird. Die Wagen
wurden zu einer wirren Masse inein
ander getrieben, und das Entsetzliche
der Katastrophe wurde noch dadurch
erhöht, daß die Trümmer, in denen
noch Menschen eingezwängt waren, in
Brand geriethen.
Vor dem Schwurgericht in Gera ist
ein Sensationsprozeß verhandelt wor
den, welcher mit der Verurteilung
des Angeklagten zum Tode endete.
Zu verantworten hatte sich der Weber
Geitner, welcher beschuldigt war, an
seiner nur zwei Jahre alten Enkelin
eilten Lustmord verübt zu haben. Die
Einzelheiten des Verbrechens waren
schrecklicher Natur. Da über die
Thäterschaft kein Zweifel bestehen
konnte, nahmen die Verhandlungen
verhältnißmäßig geringe Zeit in An
spruch. Nach dem Wahrspruch der
Geschworenen erfolgte unverweilt die
Verurteilung des Angeklagten zum
Tode.
Zu Sömerda im Regierungsbezirk
Erfurt ist unter entsprechenden Feier
lichkeiten und im Beisein der Spitzen
der Militär- und Civilbehörden un
längst ein Denkmal für Johann Niko
laus von Dreyfe enthüllt worden.
Drehse war der Erfinder des Zünd
nadelgewehrs. Er starb am 9. De
cember 1867. Der 21. November
wurde zur Feier der Enthüllung ge
wählt, weil auf den 21. November
der Geburtstag des Erfinders fällt,
welcher in Sömerda im Jahre 1787
das Licht der Welt erblickte.
In Tokio, Japan, wurde vor eini­
Wagen, Pflüge u. Buggies aus besten Fabriken
lIL4
1
Histo«-'cal
Society
»o. 19
gen Tagen die neu gebaute EiseÄ»
Bahnlinie nach Kagoschima auf der
Insel Kiuschiu, der am südlichsten ge
legenen Insel Japans, eröffnet. Dies«
neu eröffnete Linie vervollständigt ein
großes Eisenbahnsystem,. das Hok
Iaido im äußersten Nordosten mit
Kiuschiu im äußersten Nordwesten
verbindet. Der Reisende, der diese
Eisenbahn benutzt, kann heute die
Strecke von Tokio bis Kogvschima in
46 Stunden zurücklegen, während
man früher 52 Tage dazu brauchte.
Das Auftreten eines Falls von
Schwarzen Pocken in Berlin hat die
Gesundheitsbehörden veranlaßt, die
schärfsten Vorsichtsmaßregeln anzu
ordnen. Es ist unverweilt ein um
fassender Überwachungsdienst einge
richtet, um eine Ausbreitung der ge
fährlichen Seuche zu verhüten. Allge
mein giebt sich das Vertrauen kund,
daß es, wie schon früher, auch diesmal
gelingen wird, den Einzelfall zu iso
liren.
Der Kaiser im Manöver.
Für die Hofhaltung des deutschen
Kaisers bricht mit dem Beginn der qro
ßen Herbstübungen eine unruhige und
oft mühevolle Zeit an. In dem stän
digen Quartier des Kaisers
wird die kaiserliche Küche etablirt.
Kochmaschinen werden eingebaut»
Kühl- und Lagerräume geschaffen.
Gerade im Kaisermanöver versammelt
der Monarch zahlreiche Gäste um sich.
Bei den Mahlzeiten am Standort deS
Kaisers muß alles genau so „klappen",
wie in den Schlössern non Berlin und
Potsdam. Das Frühstück nimmt Kai
fer Wilhelm fast regelmäßig auf dem
Manöverfelde ein. Morgens gegen 8
Uhr der Kaiser ist dann schon 3 MS
4 Stunden im Auto ober Sattel
sieht man die dunkelroth lackirten Kü
chenwagen des kaiserlichen MarftalleS
auftauchen UND an geschütztem Ort eine
„Bereitschaftsstellung" einnehmen. Die
Stallmeister, von denen die wohlqe
füllten Küchentrains geführt werden,
reiten dann als Erkundigungsva
trouillen vorwärts und suchen ihren
Chef, den Oberstallmeister Freiherrn
von Reischach, zu entdecken, um zu er
fahren, wo gefrühstückt werden soll.
Ist ein geeigneter Platz verabredet, so
werden die Wagen auf ihn dirigirt unb
alle Vorbereitungen getroffen.
Das Frühstück besteht, neben ver
schiedenen Delikatessen, die aus Berlin
mitgeführt werden, hauptsächlich au#
einem kräftigen warmen Gericht,
Hausmannskost, die der Kaiser so sehr,
bevorzugt. Dazu werden Wein und
Bier gereicht, durch gute „persönliche
Beziehungen" ist es auch nicht schwer,
ein Schnäpschen zu erhalten. Die Zeit
für diesen Imbiß ist nur kurz bemes
sen, er dauert etwa Stunden. Der
Kaiser ladet im Vorbeireiten diesen
oder jenen feiner Bekannten oder der
fremdländischen Gäste zu dem Früh«
stück ein, so daß sich immer eine inter
essante Gesellschaft zusammenfindet.
Bei schlechtem Wetter wird das Asbest«
haus des Kaisers, wenn es in erreich
barer Nähe liegt, zum Frühstück be
nutzt. Sind Hunger und Durst gestillt,
so fahren die Autos vor, und in weni
gen Minuten sind der Kaiser und feine
Gäste wieder mitten in der Schlacht.
8» den Massenvergiftunge»
im westflattdrischen Dorfe Boesinghe.
wo, wie wir schon meldeten, nahe
die gesammten Bewohner nach dem
Genusse von Fleisch erkrankten, dav
von ungesundem Vieh herrührte,
wird noch gemeldet, daß bereits vier
Personen: ein Schäfer, ein Bauer
und zwei Kinder, nach qualvollen
Leiden gestorben sind. Mchrere An«
dere liegen noch sehr
schwer
darnieder.
Geringes Mißtraum ist
krank
dal höchste
vertrauen, das mancher Mensch ei
nem andern entgegenbringen kann.
So gewiß die Ehrfurcht vor dem
Heiligen frei macht, so gewiß unter»
jocht die Ehrfurcht vor allen mensch,
lichen Einrichtungen, auch wenn sie
durch Tradition geheiligt find.
». vi'?-!

L. Grant s Maschinen-Schuppen, nördlich der Great Northern Cifenbahngeleife, Rugby, R» Dak.

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