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Der Staats=Anzeiger. (Rugby, N.D.) 1906-current, December 16, 1909, Image 1

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Wochensch»«.
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ES ist berechtigte Aussicht vorhan
den, daß die deutsch-amerikanische
Geschichte sich den ihr. gebührenden
Platz in der amerikanischen Geschichts
schreibung doch noch erobern wird.
Sie ist auf dem besten Wege, dies zu
thun. Das erwachte Selbstbewußt
fein der Deutsch-Amerikaner, die
Feiern des Deutschen Tages im gan
zen Lande, bei denen berufene Redner
auf das hinweisen, was Deutsch-Ame
rikaner im Kriege und Frieden ge
than, die großartige Betheiligung der
Deutschen bei patriotischen amerika
nifchen Veranstaltungen, Gedenktagen,
Ausstellungen und wie jüngst bei der
Hudson-Fulton-Feier in New Aork.
die Reisen der Amerikaner nach
Deutschland, der Prosessoren-Aus
tausch, alles das hat zusammenge
wirkt und einen mächtigen Wandel
geschaffen. Es ist daher mit Freuden
zu begrüßen, daß die American Histo
rical Society beschlossen hat, einen
Vortrag über deutsch-amerikanische
Geschichtsforschung zu hören. An
Prof. Dr. Julius Goebel von der Jl
linois-Universität ist die Einladung
ergangen, diesen Vortrag am 30. De
cember in New Dork vor der Ameri
can Historical Society zu halten.
1
In Anderson, Ind., wurde un
längst Rev. T. W. Grafton, der Geist
liche der „Central Christian Church",
von einem Richter wegen Mißachtung
des Gerichts zu einer Geldstrafe von
$10 verurtheilt. Rev. Grafton ist
ein strenger Prohibitionist und Agi
tator der Anti-Saloon-Liga. Vor
einigen Tagen hielt er in seiner Kirche
anstatt einer Predigt eine wüthende
Temperenzpauke. Im Verlauf seiner
Rede zeigte er eine gefüllte Bierflasche
und sagte, daß er diese am Sonntag
in einer Wirthschaft gekauft habe,
woraus deutlich hervorgehe, daß das
Gesetz betreffs Schließung der Wirth
f(haften am Sonntag in der Stadt
Anderson nicht befolgt werde. Er
wurde aufgefordert, anzugeben, wo er
das Bier gekauft doch er schwieg.
Unter einer gegen ihn erhobenen An
klage wurde er dann dem Richter vor
geführt und auf dem Zeugenstande
unter Anderem gefragt, wo er das
Bier, das er seinen Getreuen gezeigt,
gekauft habe. „Niemals werde ich
btefo Frage beantworten," sagte Herr
Grafton, „eher lasse ich mich wegen
Mißachtung des Gerichts in's Ge
fängniß schicken." Der Richter ließ
es bei einer Geldstrafe bewenden.
Das Bundes Appellationsgericht
in Chicago, dem die Bundesrichter
Großcup, Seaman und Baker ange
hören, wiesen vor einigen Tagen den
Antrag des zu fünf Jahren Zucht
haus verurtheilten Bankiers John R.
Walsh auf nochmalige Verhandlung
seines Prozesses ab. Walsh wurde
der Obhut des Bundesmarschalls
übergeben, wird aber nicht gezwungen
werden, seine Strafe sofort anzutre
ten, sondern wird unter der Obhut
des Beamten bleiben, bis das Ober
Bundesgericht den Fall endgültig ent
schieden haben wird. Walsh war der
Besitzer mehrerer Banken in Chicago.
Als diese verkrachten, stellte es sich
heraus, daß er mit den Geldern der
Bant in verbrecherischer Weise ge
wirthschaftet und durch direkte
Schwindel-Transaktionen die wahre
Finanzlage der einzelnen Institute zu
verheimlichen gesucht hatte.
Der Erfinder der schmerzlosen Chi
rurgie, d. h. der Anästhesie ohne ir
gend welche üble Nachwirkungen, Dr.
Jonnesco, der Dekan der medizini
sehen Fakultät der Universität Buka
rest, traf unlängst mit dem Dampfer
„Kronprinzessin Cecilie" in New York
ein. um sein neues Mittel in Amerika
$u demonstriren. Das Stovain war
in der ärztlichen Welt schon seit län
get« Zeit bekannt, aber Dr. Jon
nesco fand eine Combination dessel
ben mit Strychnin und destillirtem
Wasser, die, injizirt, vollständige Ge
fühllosigkeit gegen Schmerz erzeugt,
bei völligem Bewußtsein des zu Ope
rirenden, ohne Uebelkeit, Kopfschmerz,
Störung der Herzthätigkeit und ähn
liche Nebenwirkungen der Chloroform
oder Aethernarkofe. In einem Fall
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wurde an einem Knaben, dessen Äu
gen verbunden waren, eine erfolgreiche
Gehirnoperation vorgenommen.
Das mit der Columbia Universi
tät in Verbindung stehende Lehrer
College wird, wie unlängst bekannt
gegeben wurde, ein neues Lehrfach
einrichten. Eine Stiftung der Frau
Helen Hartley Jenkins hat die Lehr
anftalt in' den Stand gesetzt, das neue
Fach einzuführen. Dasselbe bezweckt
speziell die Ausbildung von Wärterin
nen, die Besuche in Haushaltungen
machen und dort Anleitungen in sa
nitärer Beziehung geben. Es sollen
Personen ausgebildet werden, die die
nöthige Vorbildung besitzen, um an
den öffentlichen Schulen als befu
chende Wärterinnen angestellt werden
zu können, ferner Personen, die für
ähnliche Zwecke von Bürgervereinen,
„Settlements", Stadtverwaltungen
und Sanitätsbehörden verwandt wer
den können.
Von den Großgeschworenen in New
Uork wurde gegen George Preston
Sheldon, den Präsidenten der Phoenix
Fire Insurance Co., die Beschuldi
gung erhoben, daß er $50,000 von
den der Gesellschaft gehörenden Gel
dern für eigene Zwecke verausgabt
habe. Die Großgeschworenen werden
sich mit der Angelegenheit eingehend
beschäftigen. Sheldon liegt angeblich
krank in feiner Wohnung in Green
vich, Ct., und weiß noch nichts von
er gegen ihn erhobenen Anklage und
?on der bereits eingeleiteten Unterfu
hung. Sein intimer Freund, der New
Yorker Millionär E. C. Converse,
:rklärte, daß er volles Vertrauen zu
öheldon's Ehrlichkeit habe und die
'em beistehen werde, selbst wenn eS
hn eine Million kosten würde.
Zolleinnehmer Loeb Jr. in New Aork
?at die Verfügung erlassen, daß kei
iter der in feinem Departement ange
stellten Beamten von Passagieren
überseeischer Dampfer, deren Gepäck
sie zu infpiciren haben, Trinkgelder
annehmen darf. Die für Uebertretung
dieser Verfügung angedrohte Strafe
ist sofortige Entlassung. Der erste, der
die Strenge der Verordnung fühlen
mußte, war Charles Nimmo, ein
Zollinspektor, der seit dem Jahre
1886 im Bundesdienst gestanden hat.
Herrn Loeb kam es zu Ohren, daß
Nimmo ein „Geschäft" daraus mach
te, eintreffenden Reisenden, die nicht
Geld genug bei sich hatten, die nöthi
zen Zölle zu bezahlen, das nöthige
Geld vorzustrecken und es dann mit
^.anständigen Zinsen" später von
ihnen collektirte.
Baron Thilo von Wilmowski weil
te unlängst mit seiner Gattin, der
zweiten Tochter des verstorbenen Ka
nonenkönigs Krupp, in Chicago und
verkehrte, ohne daß es öffentlich be
kannt war, ganz privatim im Kreise
einiger Bekannten. Wenngleich Baron
Wilmowski und auch seine Gattin
aufs bestimmteste behaupten,' daß ihr
Besuch in den Vereinigten Staaten
einfach zum Vergnügen unternommen
worden sei, so will man doch bemerkt
haben, daß der Baron und auch die
Baronin überall, wo sie waren, Ge
legenheit genommen haben, große
Stahlwerke und andere Fabriken ge
nau zu inspèziren. Von Chicago aus
statteten sie der Fabrikstadt Gary,
Indiana, einen Besuch ab.
In Pittsburg, Pa., tagte unlängst
die Jahresconvention der „National
Reform Association". Die Delegaten
fühlten sich, wie aus ihren Reden her
vorging, berufen, überall reformirend
einzugreifen. In ihrer letzten Sitzung
beschäftigten sie sich mit unseren
öffentlichen Schulen und beschlossen,
den Schulbehörden in den einzelnen
Städten und Staaten die Einfüh
rung eines Lehrbuches zu empfehlen,
in dem die Principien einer christli
chen Regierungsform genau erklärt,
das Entheiligen des Sabbathtages
als Todsünde gebrandmarkt und
Christus als der göttliche Lenker der
Nationen und Geschicke der Menschen
ins rechte Licht gestellt wird.
Der Antrag des zu fünfzehn Iah
ten Zuchthaus verurtheilten New
Yorker Financiers Charles W. Morse
auf Ausstellung eines „Writ of Cer
tiorari" wurde vom Ober-Bundesge-
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4* Jahrgang Rugby, Nord-Dakota, Donnerstag de« 16» Dezember, 190»*
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richt abschlägig beschieden. Morse, der
sich bereits seit der unlängst abgegebe
nen Entscheidung des Appellationsge
richts, die bekanntlich gegen ihn aus
fiel, im Gefängniß befindet, wird jetzt
wohl oder übel die ihm natürlich seht
unangenehme Reife nach dem
Staatszuchthause antreten müssen.
Seine Vertheidiger hoffen jedoch, daß
es ihnen gelingen wird, noch einen
Ausweg zu finden, um ihren Clienten
dor dem Zuchthause zu retten.
Von dem Ex-Präsidenten Roosevelt
iü unlängst in Washington die Nach
richt eingetroffen, daß er und sein
Sohn Kermit sich des besten Wohlbe
sindens und der besten Stimmung er
steuen und im Juni nächsten Jahres
wieder in der Heimath einzutreffen
gedenken. Frau Roosevelt wird An
fangs Februar von New York abrei
sen, um Mitte März mit ihrem Gat
ten und Sohne in Khartum am Nil
im ägyptischen Sudan zusammen zu
treffen. Es wird dann eine Europa
Reise unternommen werden, auf wel
cher Herr Roosevelt in Berlin. Pa
ris und London Reden halten wird.
Weihnachten
John R. Walsh, der zu fünf Iah
rer Zuchthaus verurtheilte frühere
Chicagoer Bankier, dessen Urtheil be
«its von dem Bundes-Appellations
gericht bestätigt worden ist, wird sich,
wie seine Vertheidiger unlängst er
Hatten, mit dem Gesuch um Aus
stellung eines „Wtit of Certiorari"
an das Ober Bundesgericht wenden.
Wenngleich Walsh seit der bekannt
gegebenen Entscheidung des Appells
twnsgerichts nicht nach dem Gesang
niß geschickt wurde, so befindet er sich
doch beständig unter der Aufsicht von
Bundes Hilfsmarschällen, die ihn
aus Schritt und Tritt begleiten.
Bundes Abgeordneter Mann, der
Vorsitzer des Hauscomites für zwi
fchenstaatlichen und ausländischen
Handel, unterbreitete in der"Sitzung
deö Abgeordnetenhauses eine Vorlage,
laut welcher die Panama Canal
Commission abgeschafft und an ihrer
Stelle ein Generaldirektor ernannt
werden soll. Eine Civilregierung un
ter der direkten Controlle des Präsi
deuten der Vereinigten Staaten soll
die Verwaltung der Canalzone über
nehmen. Des Weiteren bestimmt die
Vorlage, daß der offizielle Name des
Canals in Zukunft nicht »Jsthrni
scher", sondern „Panama" Canal sein
soll.
Ein Sturm, der mit einer Schnel
ligkeit von 54 Meilen per Stunde
dahin fegte, wüthete unlängst in Chi
cago und aus dem westlichen Theil
des Michigansees. Der Sturm, der
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Du Winternacht mit Sternenglanz,
Du schönste in der Nächte Kranz,
Führst wieder in des Jahres Lauf
Die alten Wunder neu herauf!
Ob tiefverschneit und eisbedeckt
Auch draußen weit das Land sich streckt,
In alle Häuser, groß und klein,
Bringst du den hellen Freudenschein.
Der Liebe Boten ziehn durchs Land,
Vom Christkind heimlich ausgesandt.
Sie ziehn in mancherlei Gestalt
Zu allen Menschen, junp und alt.
Und wo sie klopfen, wird es schnell
In allen Häusern warm und hell
Da wird der allerkleinste Raum
Zum Festsaal, durch den Lichterbaum!
Dann zieht mit frohem Stimmenklang
Manch alter, frommer Weihnachtssang,
Bon jungen Lippen dargebracht,
Lobpreisend in die heil'ge Nacht.
Die Peter Schuttler Wagen scheinen zu Borzug zu haben, denn sie werden am meisten verlangt. Ich habe aber gute Wagen verschiedener Fabriken. Kommt zu mir und beseht sie.
Es ist auch Zeit zum Pflügen und der gewissenhafte, erfolgreiche Farmer ist in Bezug auf seine Pflüge sehr wählerisch aber nicht mehr als wir selbst, denn wir halten nur die besten
Sorten, von denen wir ein umfangreiches Lager stets an Hand halten —Alles was überhaupt an Farmgeräthschaften und-Maschinen gebraucht wird, ist bei uns stets zu finden.
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(aats Anzeiger.
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—A. Stier

&
großen Schaden angerichtet hat, war
zuerst von Retten und dann von
Schme begleitet. Züge aus dem We
sten und Nordwesten waren mehrere
Stunden spät. Die Minimal-Tempe
ratur war V Grad über Null. Zwei
Fischer, die auf dem See vom Sturm
überrascht wurden, konnten nur mit
großer Mühe gerettet werden.
Leutnant Protivensktz vom Fünf
ten Festungsartillerie Regiment ist
vom Kriegsgericht wegen Spionage
zu acht Jahren Kerker verurtheilt
worden. Die veröffentlichte Quint
essenz der Prozeßverhandlungen
macht überall den peinlichsten Ein
druck. Ptotivensky sungitte als det
Agent einet stemden Macht und
wutde mit einem festen Gehalt be
zahlt. Es ist das det erste, bislang
ermittelte Fall, daß ein aktiver Ossi
zier sich zu einer derartigen Rolle er
niedrigt hat. Protivensky hätte diel
leicht noch viel länger die lichtscheuen
Cpionsdienste verrichten können,
spielerin, die sich hintergangen glaub
te, ihn zur Anzeige gebracht hätte.
Die Künstlerin, welche der Hoffnung
gelebt hatte, daß der junge Offizier
se heirathen würde, hatte Protivens
ky mit einem anderen weiblichen We
sen überrascht. Brennende Eifersucht
loderte auf. Da die Schauspielerin
von dem landesverrätherischen Trei
ben deS Leutnants Kenntniß hatte,
verrieth sie ihn. Die Folge war seine
sofortige Verhaftung und nunmehr
seine Verurtheilung.
Mehrere Landwirthe deS preußi
schen Kreises Teltow hatten vor
Kurzem beim Amtsvorsteher in Zeh
lendorf Wildschaden angemeldet. Der
Schaden war durch Schwarzwild aus
dem Gehege des Prinzen Friedrich
Leopold von Hohenzollern verursacht,
erklärten die Forderungen für berech
tigt, und auch die Jagdgenossenschaft,
die in diesem Falle für den Schaden
aufzukommen hatte, erhob keinen
Widerspruch, da eS sich nur um die
geringe Summe von 125 Mark han
delte. Prinz Friedrich Leopold böge*
gen erhob durch das Hofmarschallamt
Klage gegen den Zehlendorfer Amts
Vorsteher. Die Klage des Prinzen
wurde indessen durch den KreiSauS
schuß kurzer Hand abgewiesen.
Da» in Bitterfeld gebaute, von der
österreichischen Regierung für Ar
meezwecke angekaufte Parseval'sche
Luftschiff wurde einet eingehenden
Prüfung auf feine Leistungsfähigkeit
unterzogen. Das Luftschiff nahm
feinen Weg über die Anlagen deS
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©chönbtunner Schlosses. Kaiser
Franz Joseph, der von der Fahrt in
Kenntniß gesetzt war, befand sich im
Schloßhof, als der Ballon in geringer
Höhe vorbeikam, und dankte lebhaft
für die Grüße, die ihm von den Luft
fchiffern herabgesandt wurden. Bis
jetzt'ist die Anerkennung der Leistun
xen des Ballons eine allgemeine.
Angelo Sarto, der 71 Jahre alte
Bruder des Papstes Pius X., traf un
längst zum Besuch des Letzteren im
Vatikan ein. Sarto ist ein einfacher
Briefträger in seinem Heimathstädt
chen Grazio in der Lombardei. Er
wird die Weihnachtsfeiertage als
Gast des Papstes im Vatikan zubrin
xen. „Nur die Liebe zu meinem Bru
der", sagte Sarto wörtlich, „hält mich
in Rom. Sonst würde ich die At
mosphäre daselbst nicht ertragen kön
nen. Es zieht mich mächtig nach rnciy
net Heimath in der Lombardei doch
ich werde den Bitten meines Bruders
nachgeben und bis nach Neujahr in
seiner Nähe bleiben.
Der deutsche Schooner „HanS" ha
varirte unlängst während eines
furchtbaren SturmeS auf der Fahrt
nach England in der Nähe von Bor
tum. Bon der Mannschaft wurde nur
ein Knabe gerettet. Der Fischdampfet
„Berlin" entdeckte während jenes
Sturmes, der auf der ganzen Nordsee
wüthete, in der Nähe der Mündung
der Elbe ein Rettungsboot des deut
schen Dampfers „Vergesack", der an
scheinend mit Mann und Maus ge
funken ist. Vier Männer, eine junge
Frau und ein Kind wurden in dem
Lebensrettungsboot als Leichen ge
funden. Sie waren erfroren.
Wie aus Hamburg gemeldet wird,
sind in bet im Stadttheil Barmbeck
gelegenen Irrenanstalt Friedrichsberg
mehrere hundert Personen nach dem
Genuß von Reis erkrankt. Zwei sind
dem Leiden bereits erlegen. Achtund
sechzig liegen schwerkrank darnieder,
und viele von ihnen mögen nicht wie
der aufkommen. Es liegt begründeter
Verdacht vor. daß ein Angestellter des
Asyls den Reis vergiftet hat. Eine
gerichtliche Untersuchung hat bereits
begonnen. Die Anstalt ist inzwischen
von der Polizei abgesperrt worden.
Die Nachricht von einem Selbst
mord hat unlängst in Hamburg ge
waltiges Aufsehen erregt. Der bereits
siebzig Jahre alte, höchst angesehene
Rechtsanwalt Dr. Theodor Behn. mit
den ersten Patrizier-Familien ver
wandt, war in Hast genommen wor
den unter der Beschuldigung, ihm an
vertraute Erbschastsgelder unterschla
gen zu haben. Nunmehr hat sich Behn
in seiner Gefängnißzelle erhängt.
Aus Genf. Schweiz, meldet die Po
lizei. daß eine ganze Anzahl von Mit
gliedern der Gesellschaft der Schwor
zen Hand die Stadt verlassen hat. um
das Feld ihrer Thätigkeit nach Ame
rika zu verlegen. Nicht weniger als
sechzig dieser unheimlichen Gesellen,
von denen vierzig bereits früher aus
Genf ausgewiesen worden waren, ver
suchen, wie die dortige Polizei in Er
rahtitng gebracht haben will, auf Um
vegen die Vereinigten Staaten zu er
reichen. Alle sechzig gehörten früher
tinet Abtheilung von 2000 Italienern
in, die am Bau des durch die Berner
illpen führenden Lötschberg Tunnels
beschäftigt waren. In Lötschberg be
inden sich noch vierzig von den Arbei
ern unter det Anklage det Erpressung,
»es thätlichen Angriffs und des Mor
es in Haft.
Nicht geringe Aufregung herrscht un
:et det Bevölkerung det mähtischen
Stadt Kremsiet anläßlich gewaltiger
Unterschiede, welche in der Stadtver
»altung entdeckt worden sind. Die
höhe der Unterschlagungen beziffert
sich,
soweit bis jetzt ermittelt werden
konnte, auf mehr als 700,000 Kronen.
Die unmittelbare Folge det Entdeckung
var die Verhaftung des Kassirers Vic
otin, der im Gewahrsam bereits einem
scharfen Verhör unterzogen worden ist.
Den peinlichsten Eindruck hat das Be
kanntwerden det Thatsache erzeugt,
Daß die städtische Kasse jahrelang nicht
cevidirt worden ist. Victorin war in
seinem Thun und Treiben in keiner
Weise controllirt und verfügte über die
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öffentlichen Gelder, als ob sie fem
Privateigenthum gewesen wären.
Der bisherige Obetjägermeister deS
Deutschen
Kaisets, Gras von Asseburg-
Falkenstein, ist seines Amtes enthoben
worden. Zu seinem Nachfolget wurde
'in Bruder des verstorbenen Botschaf
lets in Washington, Baron v. Stern
bürg, ernannt. Veranlassung zu die
sent Wechsel in ein« der Hofchargen ist
in der Thatsache zu suchen, daß der
Kaiser unlängst sehr ungehalten dar
über war, daß
ihm
bei Schießübungen
auf dem Jagdschloß Göhrde eine An
zahl Neugieriger zusah. Entrüstet soll
der Herrscher damals erklärt haben,
daß seine Schießübungen kein ösfentli
ches Fußballspiel oder Golfturnier
seien.
Außerdem soll die Gefahr vor-
gelegen haben, daß Zuschauer von
Prellschüssen getroffen würden.
Das Sturmwetter, das auf der
Nordsee unlängst eine Anzahl von
Schiffsunfällen verursacht und eine
Menge Menschenleben gekostet hat. hat
sich auch auf dem Lande schwer fühlbar
gemacht. Gewaltige Regengüsse haben
die Flüsse aus ihren Usern treten las
sen. Westdeutschland ist zum großen
Theil von Hochwasser heimgesucht. Be
sonders schlimm war die Situation in
Kassel. Die Weser, Lahn und Eder
hatten die tieferliegenden Stadttheile
vollständig unter Wasser gesetzt. Ganze
Stadtviertel mußten von den Bewoh
ncrit verlassen werden, da die Häuser
über ihren Köpfen einzustürzen droh
ten. Die Bau Brücke, die zur An
läge eines Brücken Neubaus kürzlich
errichtet wurde, ist eingestürzt.
Nach einer Mittheilung der in Bu
dapest, Ungarn, erscheinenden Zeitung
..Hirlap" ist Prinz Miguel von Bra
ganza. der unlängst die amerikanische
Millionen Erbin Ftäulein Anita
Stewart aus New York heirathete, von
einer Anzahl seiner Gläubiger auf
Zahlung einer Summe von einer Mil
lion verklagt worden. Nach den An
gaben der Zeitung haben die Kläger
dem Prinzen während der letzten Jahre
bedeutende Summen unter der Bedin
gung vorgestreckt, daß er sie nach feiner
Trauung mit der Millionärstochter zu
rückbezahlen sollte. Dieses scheint
Prinz Miguel, der sich vor seiner Hei
rath beständig in Finanznoth befand,
jetzt vollständig vergessen zu haben.
König Gustav von Schweden hatte
unlängst die Kleider eines Arbeiters
angelegt und als Kohlenträger auf ei
nem der Lichterschiffe Arbeit genom
men. Nach Schluß det Arbeitszeit er
klärte der Monarch in einer Unterre
dung, daß -es seine Absicht sei, sich als
Arbeiter verkleidet unter die Arbeiter
zu mischen, um ihre Verhältnisse und
auch ihre Anschauungen betreffs wich
tiger Fragen in Erfahrung zu bringen.
Er habe, wie er hinzufügte, am ersten
Tage seines Experiments bereits viel
gelernt.
Der Direktor der Deutschen Bank in
Berlin, v. Koch, wird mit dem Ende
des Jahres von der Leitung des Fi
nanzinstituts zurücktreten. Das vor
gerückte Alter läßt den Schritt räthlich
erscheinen. Der Name des Bankdirek
tors wurde vor mehreren Jahren in
einer Tragödie viel genannt, welche da
mals in der ganzen Welt ungeheures
Aufsehen erregte. Es war sein fünf
zehn Jahre alter Sohn Heinz Koch, den
der Privatlehrer Dippold. der jetzt im
Zuchthause sitzt, zu Tode geprügelt
hatte.
In St. Petersburg wurde unlängst
offiziell bekannt gegeben, daß alle Ge
rüchte betreffs des Besorgniß erregen
den Zustandes der Zarina. die bekannt
Itch mit dem Zaren und ihren Kindern
in Livadien weilt, erfunden sind. Nach
den letzten in St. Petersburg einge
troffenen Nachrichten ist die Herrsche
tin imstande, allen gesellschaftlichen
Pflichten nachzukommen. Die Zaren
familie wird ungefähr am 12. Decern
bet in Tsarskoie Selo erwartet.
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waren Sie im Bad? Ja, und je
der Tag hat mich verjüngt! So?
Und weshalb sind Sie dann nicht
länget geblieben?
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