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Der Staats=Anzeiger. (Rugby, N.D.) 1906-current, June 30, 1910, Image 1

Image and text provided by State Historical Society of North Dakota

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4. Jahrgang
Wochen Rundschau
AnSlanv.
Deutschland.
e i n 1 9 u n i e e n o e
Schaden, den die verheerende Ueber
sckwemmung im Ahrthal an der Ei
fei angerichtet hat, tritt jetzt, nachdem
die Fluthen nach und nach wieder zu
rückgehen, erst in seinem vollen Um
fange zu Tage. Es ergiebt sich jetzt
nach ziemlich genauen Schätzungen,
daß die durch das Zerstörungswerk
entstandenen pekuniären Verluste
bett Betrag von zehn Millionen Mark
erreichen und vielleicht noch über
schreiten werden. Angesichts dieser
Katastrophe und der durch sie geschas?
fenen Nothlage hat die Regierung so
fort die Initiative ergriffen und ihre
Unterstützung in weitgehendem Maße
zugesagt. Reichskanzler Dr. von
BethmaN'Hollweg hat dem Oberprä
sidenten der Rheinprovinz, Freiherrn
von Schorlemer-Alst, in dessen Amts
bericht die betroffenen Gegenden ge
hören, die Versicherung übermitteln
lassen, daß die Regierung zur Linde
rung der Noth finanzielle Unterstü
tzung in ausgiebiger Weise leisten
werde. Der Tod hat bei der Kata
strophe eine furchtbare Ernte gehal
ten. Die Zahl der Opfer steht aller
dings immer noch nicht genau fest.
Täglich werden jetzt Leichen aufge
funden die Zahl der geborgenen be
trägt bis jetzt 183, und noch ist kein
Ende dieser grauenvollen Funde ab
zusehen. In Augsburg, das eben
falls von einer Überschwemmung
heimgesucht wurde, ist der angerich
tete Schaden enorm und in den von
der gleichen Katastrophe betroffenen
Theilen von Tirol läßt er sich noch
gar nicht übersehen, denn dort sind
schwere Verkehrstörungen die Folge
gewesen. Einzelne Orte Tirols sind
in allen Richtungen vom Verkehr ab
geschnitten. Die Unwetter scheinen
sich in Deutschland jetzt endlich ausge
tobt zu haben. Aus den betroffenen
Gegenden wird gemeldet, daß die
Hochwasser langsam wieder zurück
gehen. Sie lassen jedoch überall ein
trauriges Bild der Verwüstung hin
ter sich zurück, dessen Spuren sobald
nicht verschwinden werden. In. der
Schweiz und in Belgien wird der an
gerichtete Schaden auf je 4 Millionen
Francs geschätzt. In der Schweiz er
tranken 150 Menschen, in Belgien
46.
n e n 2 0 u n i N a e
gestern die Berichte aus dem von ei
ner furchtbaren Überschwemmung
betroffenen Ahrthal in der Eiset in
sofern günstiger gelautet hatten, als
von dort ein Abfluthen des Hochwas
sers zu melden war, ist heute eine
neue Hiobspost eingetroffen, und
zwar aus Mittelbauern. Dort war
die Gegend von Augsburg schon in
den letzten Tagen von Wolkenbruch
und Ueberschwemmungen schwer
heimgesucht worden, und jetzt kommt
die Nachricht, daß Unwetter bei In
golstadt, Ulm und Neu-ZUm enormen
Schaden angerichtet haben. Auch dort
ist die Gegend von den Fluthen ver
wüstet und der Umfang des Ver
nichtungswerks noch nicht abzusehen.
Die Fluthen sind noch im Steigen
und die Städte Ingolstadt, Ulm und
Neu-Ulm schweben selbst in Gefahr.
Jede Stunde mag aus dieser Gegend
weitere Nachrichten von entsetzlichem
Zerstörungswerk und vielleicht Ver
lusten von Menschenleben bringen.
S e i n 2 0 u n i E i n e n
iödtlichen Unglücksfall hat die unter
glänzenden Auspizien eröffnete Stet
tiner Flugwoche heute gezeitigt. Dort
ist bei den Luftfahrten einer der
Theilnehmer, der bekannte Aeronaut
Thaddäus Robl, abgestürzt und da
bei ums Leben gekommen. Robl, der
sich in letzter Zeit als Luftschiffer ei
nen Namen gemacht hatte, war frü
her schon als Rennfahrer in Sports
kreisen und darüber hinaus eine be
tatitte Persönlichkeit gewesen.
K a s u e 2 1 u n i i e
ist Prinzessin Feodora von Schles
wig-Holstein, die jüngste Schwester
ber Kaiserin Auguste Viktoria, Plötz­
f» ."»tsY*
-Z
7 vTVxC
lich einem Herzleiden erlegen. Sie
wurde am 3. Juli 1874 geboren und
war unverhei rathet.
o s a 2 1 u n i i e k a i
serlichen Leibärzte Dr. von Bilberg
und Dr. Niedner haben heute über
die Affektion des Knies, an der der
Kaiser leidet, eine Erklärung aus
gegeben. Sie konstatiren, daß die
Entzündung den möglichst günstigen
Verlauf nimmt und die Absonderung
beinahe aufgehört hat.
I z e o e 2 1 u n i i e i s o i
sche Stadt Itzehoe im Steinburger
Kreis des Regierungsbezirks Schles
wig begeht mit großem Glanz die
Elshundertjahr-Feier der Begrün
dung ihres ältesten Stadttheils, der
von Karl dem Großen wider die Dä
nen und Wenden angelegten Burg,
die seit jener Zeit als Esse, Veldo
bürg, Eselsfleth oder Ezeho des
späteren Etzehoe, eine Rolle in der
deutschen Geschichte, besonders im
dreißigjährigen Krieg, gespielt hat.
o s a 2 2 u n i K a i s e
Wilhelm fuhr heute Morgen um 8
Uhr per Spezialzug von hier nach
Hamburg. Er traf um 5 Uhr Nach
mittags in Altona ein und schiffte sich
sofort auf der bereitliegenden kaiser
lichen Jacht „Hohenzollern" ein, die
ihn nach Kiel bringen wird. In
Hamburg verweilte er nur zwei
Stunden und dinirte mit Herrn Tal
lin, dem General Betriebsleiter der
Hamburg-Amerika Linie. Als der
Kaiser ant Bahnhofe dem Zug ent
stieg, sah er etwas blaß aber sonst
wohl aus und er bewegte sich auf bei
den Füßen ohne sichtbares Schmerz
gcfiihl, so daß anzunehmen ist, daß
sowohl die Entzündung wie die Ge
schwulst ant Knie verschwunden ist.
Auf alle Fälle hat diese Reise des
Kaisers alle alarntirenden Nachrich
ten über sein Befinden gründlich wi
derlegt und zerstört.
Die Nachrichten über den baldigen
Rücktritt des Reichskanzlers werden
von gutunterrichteter Seite demen
tirt. Die in den Gerüchten angegebe
nen Gründe sind nicht stichhaltig und
es darf als sicher gelten, daß zwischen
dem Kaiser und dem Kanzler das be
ste Einvernehmen besteht. Der Kai
ser hat beispielsweise die Vorschläge
des Reichskanzlers beim kürzlichen
preußischen Minister-Wechsel ohne
Zögern angenommen.
K i e 2 3 u n i K a i s e W i
helm traf heute wohlbehalten mit der
Jacht „Hohenzollern" hier ein und
erklärte auf Befragen, daß die Reise
ihm nicht das geringste Unbehagen
verursacht habe. Botschafter Hill wird
morgen hier eintreffen.
s s e o 2 4 i i e
„Deutschland", das von Zeppelin im
Auftrage der Hamburg-Amerikani
schen Dampferlinie und der Deut
schen Luftschiffahrts-Gesellschast ge
baute gigantische Luftschiff hat heute
Morgen von hier aus feine verschie
denen Exkursionen angetreten. Diese
Fahrt wird zum ersten Male die kom
merzielle Ausbeutung der Luftschif
fahrt bedeuten, denn während die
Leute, welche die Herreise mitmach
ten, sämmtlich Gäste der Unterneh
mer waren, hat jeder der 20 Paffa
giere, welche sich heute dem Fahrzeug
anvertrauten, zum Preise von je 200
Mark eine Fahrkarte lösen müssen.
Aber so groß war der Andrang, daß
die „Deutschland" auch die zehnfache
Anzahl Passagiere hätte mitnehmen
können, wenn ihre Tragfähigkeit das
gestattet hätte. Diejenigen, welche
sich heute an Bord begaben, hatten
ihre Plätze bereits vor Wochen reser
vat. Für den Fahrpreis von 200
Mark werden die Passagiere aber
nicht bis nach Friedrichshafen beför
dert, sondern nur den dritten Theil
der Distanz, etwa 100 Meilen, wel
che Strecke in drei Stunden zurückge
legt werden soll.
s s e o 1 2 U i a s
24. Juni. Die „Deutschland" legte
das erste Drittel ihrer Reise in der
fahrplanmäßigen Zeit zurück und
machte durchschnittlich 33 Meilen per
Stunde. Um 1 Uhr Nachmittags
nahm sie sogar 32 Passagiere aus,
die sie ebenfalls zu demselben Preise
100 Meilen weit befördern wird.
V Vv 'fcv ir I V:,
Im Ganzen also wird die „Deutsch
land" 72 Passagiere befördert haben,
was einer Einnahme von 12,000
Mark entspricht. Bereits sind sämmt
liche Plätze für die nächsten zwölf
Fahrten belegt Von den ersten 20
Passagieren waren 12 Deutsche, 6
Engländer und 2 Holländer. Sie
waren in der „Salon Gondel" unter
gebracht, wo ihnen kurz nach Beginn
der Fahrt ein Frühstück servirt wur
de. In allen Stationen entlang der
Luftschifflinie sind Billetschalter ein
gerichtet worden und man glaubt,
daß in wenigen Wochen das Reisen
per Lust in Deutschland zu etwas
nahezu so alltäglichem geworden sein
wird, wie das Reisen per Eisenbahn.
Als das Luftschiff die zweite Fahrt
mit den 32 Passagieren, unter denen
sich auch 10 Frauen befanden, an
trat, flog es längere Zeit mit dem
Wind und erreichte hierbei die fabel
hafte Geschwindigkeit von 681/2 Mei
len per Stunde. Diese zweite Fahrt
ging über Essen, Dortmund, Bochum
und zurück nach Düsseldorf. Das
mächtige Luftschiff fuhr in einer
Höhe von 500 Fuß über die großen
Schornsteine der Krupp'fchen Werke
in Essen, stieg aber gleich daraus bis
zu einer Höhe von 1500 Fuß. Auf
der Rückfahrt nach Düsseldorf ge
langte die „Deutschland" in ein hef
tiges Gewitter nebst Regensturm und
das Luftschiff hatte längere Zeit
schwer gegen einen starken Wind zu
kämpfen, so daß es zeitweise nur mit
einer Geschwindigkeit von 15 Meilen
Per Stunde vorwärts kam. Die Pas
sagiere, speziell die Damen, erklärten
bei der Landung, daß sie während des
Sturmes und Gewitters nicht die ge
ringste Unannehmlichkeit verspürt
hätten.
e i n 2 5 u n i A u s i e
Berichte über den tollkühnen Raub
versuch in Friedberg, Hessen, den
Bombenwurf und den Ueberfall auf
die Reichsbank-Nebenstellö, lassen er
sehen, daß die Explosion der Bombe
im Rathhaus eine ganz gewaltige
Verheerung angerichtet hat. Das
Treppenhaus ist vollständig zerstört,
die Thürfüllungen hängen in Split
tern in den Rahmen oder sind völlig
herausgerissen, die Fenster sämmtlich
zertrümmert. Ob Risse, die sich im
Mauerwerk zeigen, bedenklicher Na
tur sind, muß erst noch festgestellt
werden. Der von dem Räuber durch
einen Schuß schwer verwundete
Bankverwalter Meyer, der die seiner
Obhut anvertrauten Gelder verthei
digte, kommt davon. Mit der Fa
milie des unschuldigen 13jährigen
Knaben, den der Verbrecher erschoß,
wird allgemeines Mitgefühl kundge
geben. Der Umstand, daß Barken
stein ein Bombenlager führte, hatte
vermuthen lassen, daß er mindestens
einen Helfershelfer hatte, und schon
ist die Festnahme dieses Komplizen
in Homburg v. d. H. gelungen. Es
ist ein Reisender mit NamenSchmidt,
in dessen Besitz große Baarmittel ge
funden wurden. Man vermuthet,
daß diese Gelder von einem früheren
Einbruch herrühren. Nach Annahme
der Polizei waren Barkenstein und
Schmidt die Urheber eines Bomben
attentats, das kürzlich in Frankfurt
a. M. großes Auffehen erregte. Das
Attettat richtete sich gegen den Frank
furter Bankier Mayer, dem vorher
Drohungen zugeschickt worden waren,
in denen ihm Geld abgefordert
wurde.
e i n 2 5 u n i i e o i z e i
liche Feststellung der Persönlichkeit
des erschossenen Friedberger Born
benattentäters und Bankräubers hat
ergeben, daß der Verbrecher der 21
jährige aus Leipzig stammende Saul
Winges ist, der bereits im Mai 1906
in München einen Bankraub verübte.
Die in Friedberg vom todten Atten
täter aufgenommene Photographie
stimmt mit der in den Händen der
Polizei befindlichen überein beson
dere Erkennungszeichen waren Täto
wirungen der deutschen und der ame
rikanischen Flagge.
Oesterreich-Ungar«.
u a e s 1 9 u n i u
bar haben die Ueberschwemmungen
in Ungarn gewüthet. Noch ist die
V-
Rugby, Rord.Dakota, Donnerstag den 30. Jnni 1910«
^nrilllierilfllfrilasten Kommt und beseht mein reichhaltiges Lager.
Habe die vollständigste Auswahl in Farmmaschinerie und Farmgeräthschaften in Pierce County. Ein Besnch meines Waarenschnp
pens wird Sie von der Wahrheit des Gesagten überzengen.
Ich führe nur erstklassige Waaren und ich weiß auch, daß die meisten Farmer dies anerkennen. 1
Wenn ich nicht habe, was Sie wünschen, besorge ich es für Sie.
Fülle des Elends nicht erschöpft.
Jede Stunde kann neue schwere
Hiobsposten bringen. Die Wassers
noth hat entsetzliche Zustände gezei
tigt, und noch immer ist die Donau
im Steigen begriffen, so daß das
Unheil in seinen enögiltigen Folgen
noch gar nicht abzusehen ist. Der
Strom bietet in seinem reißenden
Lauf einen schaurigen Anblick. Lei
then von ertrunkenen Menschen und
Hausthieren und Trümmer von
Wohnstätten treiben auf dem Wasser.
Ganze Ortschaften sind durch die
Finthen vom Erdboden vertilgt wor
den, und man zählt bereits über 300
Todte. Die Katastrophe hat unter
der Bevölkerung eine derartige Panik
hervorgerufen, daß die Unglücklichen
den Verstand verloren zu haben schei
nen und in ihren von Schrecken ver
wirrten Sinnen jede Theilnahme am
Rettungswerk verweigern und selbst
die ihnen gebotene Hülse zurückwei
sen. Für die Unterstützung der Noth
leidenden werden allgemein Vorkeh
rungen getroffen. Es sind bereits an
zahlreichen Stellen Geldsammlungen
begonnen worden.
W i e n 1 9 u n i i e V e n i
tung von Menschenleben und Eigen
thum durch die Hochwasser-Kata
strophe in Ungarn übersteigt jeden
Rekord. Die Zahl der Umgekomme
nen ist noch nicht genau sestllestellt,
wird jedoch, wie man glaubt, sich aus
beinahe 1000 stellen. Der an Saa
ten und Eigenthum zugefügte Scha
den wird sich auf mehrere Millionen
Kronen belaufen. Die gefantntte
Ernte schwebt in ernstlicher Gefahr,
vernichtet zu werden. Auch in Ser
bien, Bulgarien und Montenegro
sind viele Menschen ertrunken und
großer Schaden wurde angerichtet.
Im Kronstadter Distrikt sind 300
Leichen geborgen worden. In der
Moldau-Gegend sind 100 Personen
beim Einstürzen von Gebäuden um
gekommen und in der Gegend von
Temesvar sind, wie gemeldet wird,
180 Personen ertrunken.
u a e s 2 4 u n i A u s S
kösd im Komitat Pest wird gemeldet,
daü dort der sächsische Ballon
„Plauen" gelandet ist. Bei dem
plötzlichen Abstieg wurden die drei
Insassen verletzt.
Italien.
0 0, 20. Jnni. Die italieni
schen Behörden haben alle Nachfor
schungen im Como-See sowohl durch
Taucher, wie auch mit Rechen ein
stellen lassen, da diese sich als völlig
werthlos und resultatlos erwiesen
haben und sind nun mehr als je über
zeugt, daß Porter Charlton noch am
Leben ist, voraussichtlich den Mord
an Frau Mary Scott Charlton selbst
begangen und dann die Flucht entwe
der über Deutschland nach England
oder per Dampfer nach einem über
seeischen Erdtheil ergriffen hat. Von
der Annahme ausgehend, daß Nie
mand wie er die Frau ermordete, sol
len jetzt weitere Nachforschungen in
den Ver. Staaten angestellt werden.
Der italienische Botschafter in Wash
ington ist bereits instruirt worden,
die kommissarische Vernehmung von
Neville Castle, des ersten Gatten der
Ermordeten, herbeizuführen. Castle
ist zur Zeit Distriktsanwalt in New
castle, Alaska. Die italienischen Be
Hörden möchten gern in Erfahrung
bringen, wie es kam, daß Castle fei
ner ehemaligen Lebensgefährtin ihre
Lieb.esbriefe zurückgeschickt hat. Man
fand dieselben bekanntlich in dem
Koffer bei der Leiche.
Frankreich.
a i s 2 0 u n i U i e n
Beschlüssen Beachtung zu verschaffen,
sind die 4 Schutzmächte Kretas,
Frankreich, Großbritannien, Ruß
land und Italien, übereingekommen,
Kriegsschiffe nach Suda Bay, dem
Haupthafen im westlichen Theil der
Nordküste Kretas, zu senden. Die
Situation auf der Insel Kreta war
dadurch wieder in das kritische Sta
rium getreten, daß die Kretenser ihre
Absicht kundgegeben hatten, Delega
ten in den int Herbst in Athen statt
findenden griechischen Kongreß zu
senden. Zudem hatte die kürzlich zu­
i s
,Y .„v„.
nzctncr
sammengetretene kretensische Land
vertretung dem König Georg von
Griechenland den Treueid geleistet
und die mohammedanischen Vertre
ter, die diesen Eid verweigerten, aus
geschlossen. Die Türkei richtete da
raus eine geharnischte Note an die
Schutzmächte, es bildeten sich Frei
willigenschaaren in der Absicht, in
Griechenland einzufallen tmd in der
letzten Zeit ist eine Bewegung in der
Türkei entstanden, die griechischen
Waaren zu boykottiren, wie dies zur
Zeit der Annexion Bosniens und der
Herzegowina den österreichischen ge
genüber der Fall gewesen ist. Die
Erklärung des Königs Georg von
Griechenland, daß die Kretafrage nur
durch den Anschluß der Insel cm das
Mutterland gelöst werden könnte, hat
in der Türkei große Erregung her
vorgerufen und die Situation ver
schärft.
a i s 2 2 u n i a s a n z ö
sische Parlament hat es sich zur Auf
gäbe gemacht, dent drohenden Nieder
gang der französischen Bevölkerung
vorzubeugen und Mittel und Wege
zu finden, welche die Geburtsrate er
höhen sollen. Es wurden zu diesem
Zweck heute mehrere Vorlagen einge
reicht, die wohl demnächst zum Ge
genstande eingehender Berathungen
gemacht werden dürsten. Diese Vor
lagen sind zum Theil recht eigenar
tig und könnten Anlaß zu Heiterkeit
geben, wenn sie nicht auf einer hoch
ernsten Basis begründet wären. Ei
«ige Parlamentarier glauben, daß
sie durch Gewährung von Prämien
den Kindersegen stintuliren können,
während andere die Kehrseite der
Medaille bearbeiten und alle diejeni
gen Männer, die ohne triftigen
Grund unverheiratet blieben, mit
herben, zum Theil sogar drastischen
Strafen belegt wissen wollen. Man
kann aus diesen Vorlagen deutlich er
sehen, daß man sich in parlantentari^
sehen Kreiselt über die Ursachen des
nationalen Uebels durchaus nicht ei
nig ist. Ein Theil giebt den Män
nern, ein anderer den Frauelt die
Schuld, während ein dritter das Ue
bel auf rein ökonomische Ursachen zu
rückzuführen sucht. Dem französischen
Gesetz zu folge muß der Nachlaß zu
gleichen Theilen unter die Kinder
vertheilt werden. Da es bekannt ist,
daß der Franzose sein Eigenthum
nicht zu theilen liebt, so glauben Vie
le, daß aus diesem Grunde der Kin
dersegen in den begüterten Familien
„ausbleibt."
o n o n 2 2 u n i e E n
schluß der Kretenser sich dem Gebote
der vier Schutzmächte zu fügen und
moslemitische Abgeordnete zu ihrem
Landtage zuzulassen, ohne diese zu
zwingen dem König Georg von
Griechenland den Treueid zu leisten,
wird hier gleichbedeutend mit Lösung
der Kretafrage betrachtet. Auch sieht
man darin eine Niederlage der von
der Königinwittwe Alexandra und
ihrer Schwester Marie, der ehemali
gen Kaiserin von Rußland, seit Iah
ren betriebenen Agitation, welche auf
den Anschluß der Insel an das Kö
nigreich Griechenland abzielte. Kö
nich Georg von Griechenland ist be
kanntlich ein Bruder der beiden
Fürstinnen. Kreta's Nachgiebigkeit
beseitigt nach Ansicht der Diplomaten
die drohende Möglichkeit, daß cc- we
gen der Insel zwischen Griechenland
und der Türkei zu einem Kriege
kommen könne, in den wahrscheinlich
auch die vier Schutzmächte verwickelt
worden wären.
Inland.
Die Lorimer-Resolntion im Senat
angenommen.
W a s i n o n 2 0 u n i i e
Resolution, welche verfügt, daß eine
Untersuchung über die Art und Wei
fe, in welcher Senator Lorinter kürz
lich von der Jllinoifer Legislatur in
den Bundessenat gewählt wurde,
ist heute int Senat mit großer Mehr
heit angenommen worden. Senator
Lorinter hat bekanntlich vor ein paar
Wochen selbst eine Resolution einge
reicht, in welcher er eine Untersu­
•a#
./
Öifi^
Ab on nementS- Preise:
$1.50 das Jahr in den Ver. Staaten
«ach de« A«»lande
12.00 das Jahr nach Canada
_____ $2.00 (SR. 8) nach Deutschland
00 iRbl. 4) nach Rußland
Vorausbezahlung)
No. 41
chung über die gegen ihn erhobenen
indirekten Beschuldigungen der Be
stechung gelegentlich seiner Erwäh
lung zum Bundessenator verlangte.
Fünf Jowa'er Bürger ertrunken.
W a e o o a 2 0 u n i
Thomas Leadon, Lee Terry und
Charles Lentz ertranken heute im Ce
dar River und Peter und Nichol
Beuhr aus Dubuque ertranken am
Sonntag int Mississippi.
Grauenhafter Mord entdeckt.
o a n O e 2 1 u n i
Durch einen Koffer, der gestern
Abend spät durch einen Expreßmann
ant hiesigen Union-Depot abgeliefert
und nach North Puyallup gesandt
werden sollte, wurde ein grauenhaf
ter Mord entdeckt. Als gegen Mit
ternacht der Koffer nach dem Perron
gebracht wurde, um auf den Zug ge
laden zu werden, bemerkten die
Bahnbediensteten, daß Blut durch
den Boden des Koffers sickerte. Als
derselbe ausgesprengt wurde, erblickte
malt die fürchterlich zugerichtete
Leiche eines etwa 30jährigen Man
nes. Dank der bewundernswerten
Thätigkeit der Polizei gelang es
schon wenige Stunden später, der
muthmaßlichen Mörder habhaft zu
werden. Nachdem man den Expreß
mann ausfindig gemacht hatte, der
den Koffer an der Bahnstation ablie
ferte, war es verhältnißmäßig leicht,
die Spur weiter zu verfolgen. Der
Koffer wak vom Grand Central Ho
tel an der 3. und Flanders Straße
noch dem Bahnhofe gebracht worden.
Im Hotel stellten die Detektivs als
bald fest, daß der Ermordete William
A. Johnson von Seattle war, der
vor einigen Tagen mit seiner Gat
tin und einem siebenjährigen Kna
ben hier eintraf und in besagtem Ho
tel abstieg. Die Frau war ver
schwnnden und mit ihr ein Mann
namens A. C. Powers. Das Zimmer
welches Johnson und seine Gattin
innegehabt hatten, bot einen schauer
lichen Anblick. Es scheint ein furcht
barer Kamps stattgefunden zu haben,
denn alle Möbelstücke, alle Thüren
tmd Wände waren mit Blut bespritzt
und beschmiert. Im Bett fand man
die mit Blut bedeckte Matratze, die
umgedreht worden war, um die Fle
cken zu verdecken. Nachforschungen
ergaben, daß weder Frau Johnson
noch Powers, der in Wirklichkeit I.
P. Webb heißt, die Stadt verlassen
hatten sie wurden nach zweistündi
gem eifrigen Suchen heute Morgen
in einem anderen Hotel, wo sie sich
als Mann und Frau regiftrirt hat
ten, aufgefunden und verhaftet. Sie
waren kurz vorher von einer Auto
mobil-Tour in der Umgegend zurück
gekehrt und waren beide betrunken.
Sie leugneten irgend welche Kennt
niß von der Ermordung Johnson's
und behaupteten, sie hätten ihn zuletzt
auf dem Bahnhofe gesehen, wo er ei
nen Zug nach Seattle nehmen wollte.
Es liegen aber bereits schwerwie
gende Beweise gegen das Paar vor.
In Webb's Besitz wurden zwei Uhren
I
gesunden, und die Frau mußte wider
strebend 511 geben, daß die eine dieser
1
Taschenuhren ihrem Gattelt gehörte.
Webb behauptete, Johnson habe ihm
die Uhr vor seiner Abreise geschenkt.
Man fand ferner in Webb's Besitz
zwei blutige Taschentücher. Aus ei
ner Karte, die er bei sich trug, ging
hervor, daß Webb Mitglied der In
ternational Typographical Union
war und der lokalen Union in Van
couver, B. C., angehörte. Die Mit
gliedskarte trug die Nummer 226.
In dem Zimmer, welches Webb be
wohnt hatte und das sich gleich ne
ben demjenigen von Johnson befand,
wurde ein Handkoffer gefunden, in
welchem ein Todtschläger lag. Es be
steht kein Zweifel, daß der Angriff
mit dieser Waffe stattgefunden hat,
denn man fand Blut und festgeklebte
Haare daran. Der Clerk des Ho
tels berichtete, daß der Koffer gestern
Nachmittag um 4 Uhr vom Hotel ab
geholt wurde. „Powers" resp. Webb
sei bald darauf nach der Hoteloffice
gekommen und habe erklärt, Herr
und Frau Johnson würden am
(Fortsetzung und Schluß aus Seite 10)
I
üUU'
i, i.
:r'
'-vii ft. -r
Wiääfc.

8. M. Grants Maschinen-Schuppen, nördlich der jSforeat Northern Eisenbahn gel eise, Rugby, N. Dak.
England.

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