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Der Staats=Anzeiger. (Rugby, N.D.) 1906-current, June 30, 1910, Image 10

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Wochen-Rundschau
(Fortsetzung und Schluß von Seite 1)
Abend nach Seattle zurückfahret!.
Johnson hatte vor einigen Monaten
Grundeigenthum in Renton verkauft
und $25,000 dafür erhalten. Die
Frau hatte bei ihrer Verhaftung $2,-
000 bei sich, während an der Leiche
kein Geld vorgefunden wurde.
o a n O e 2 1 u n i
Jesse P. Webb legte heute Abend spät
der Polizei das Geständniß ab, daft
er William I. Johnson ermordet
habe, dessen Leiche man letzte Nacht
in einem Koffer am Bahnhof vor
fand.
schwerer Anto-Nnfall.
O a a N e 2 1 n i e
fand heute knrz vor Mittag an der
84. und Leavenworth Str. eine Kol
lifion zweier Automobile statt, die
beide umgeschleudert wurdeu. Eine
Person, Herr William Krug, Vize
Präsident uud General-Betriebsleiter
der Fred Krug Brewing Co. von
hier, wurde getödtet, zwei Personen
wurdeu tödtlich uud zwei weitere
leichter verletzt.
Der Rummel kann vor sich gehen.
O e n U a 2 1 u n i o u
verneur Dickinson von Nevada, der
heute hier eintraf, gab die Erklä
rung ab, daß die Staatsgesetze von
Nevada einen Preis Faustkampf
nicht verbieten uud das er deshalb
der beabsichtigten Preisklopferei zwi
schen Jeffries und Johnson falls diese
nach Nevada kommen sollten, keine
Hindernisse in den Weg legen könne
und wolle.
e n o, Net)., 21. Juni. Es
wurde heute definitiv festgesetzt,* daß
die große Preisklopferei zwischen
Jeffries und Johnfon am 4. Juli in
Reno stattfinden wird.
Die Arbeiten im Kongreß.
W a s i n o n 2 2 u n i O b
schon in den letzten paar Tagen im
Kongreß in wahrlich fabelhafter Wei
se gearbeitet und geradezu Unglaub
liches geleistet wurde, erscheint es
heute doch noch fraglich, ob am
Samstagabend die Gesetzesmühle
zum Stillstand gebracht werden und
die allerseits heißersehnte Vertagung
eintreten kann. Die öffentliche Ge
bäude-Bill wurde gleich bei Zufam
mentritt des Senats vorgenommen
und nach anderthalbstündiger Vera
thung passirt, obschon das Senats
Konnte in aller Schnelligkeit nahezu
5 Millionen Dollars darangehängt
hatte, so daß die Gesammt-Verwilli
gungen sür diese Bill jetzt auf $23,=
588,500 lautet. Natürlich muß
diese Bill uun in's Konserenz-Komite,
aber man erwartet daß dort keine
nennenswerthen Schwierigkeiten ge
macht werden, da das Repräsentan
tenhaus des „lieben Friedens" wil
len jedenfalls die $5,000,000 Mehr«
verwilligung ohne weitere Schling
beschwerden hinunterschlucken wird.
Anders sieht es jedoch mit einem
Amendement zur „Civil Sundry"
Bill aus. Das Amendement war
vom Repräsentantenhaus angehängt
worden und verfügt, daß die Arbei
ter-Unionen nicht unter den Bestim
mungen des Shermau'scheu Anti
trust Gesetzes prozessirt werden
können. DaS Amendement wurde
vom Senat gestrichen, vom Reprä
sentantenhaus aber beibehalten und
die Kouserenz-Komites quälen sich
turn schon seit mehreren Tagen mit
diesem Amendement ab und suchen ei
nen Ausweg zu finden.
Porter Charlton in Hoboken der
haftet.
N e w o k 2 3 u n i A s
heute Vormittag gegen 11 tthr der
aus Mittelmeerhäfen kommende
Dampfer „Prinzeß Irene" an seinem
Dock in Hoboken eintraf und die Pas
sagiere das Schiff verließen, wurde
am Pier ein junger Mann verhaftet,
der unter dem Verdacht stand, der
vielgesuchte Porter Charlton zu sein,
dessen Gattin als Leiche in einem
Koffer im Como-See aufgefischt
wurde. Der Verhaftete gab an,
Charles W. Coleman zu heißen und
in Omaha beheimathet zu sein. Er
behauptete, keinen Menschen Namens
Porter Charlton zu kennen oder et
was über das Mordgeheimniß am
Como-See zu wissen. Obschon die
Polizei von Hoboken im Besitz einer
genauen Beschreibung des Gesuchten
war, gerieth sie in Folge des sicheren
und kecken Auftretens des jungen
Mannes in Zweifel, ob sie den richti
gen Mann gefaßt habe die Unge
wißheit wurde aber bald beseitigt
durch das Eintreffen von Kapitän E.
B. Scott, eines Bruders der ermor
deten Frau. Der Kapitän warf ei
nen Blick auf den Verhafteten und er
klärte dann mit Bestimmtheit, daß
derselbe Porter Charlton heiße und
der Gatte der ermordeten Frau
Mary Scott Charlton sei. Der Ver
haftete schrak sichtlich zusammen, als
er in so bestimmter Weise identifizirt
wurde er blieb indessen beim Leug
nen und erklärte, es müsse ein Irr
thum vorliegen. Die Polizisten lie
ßen sich aber jetzt nicht länger beirren,
sondern legten ihrem Gefangenen
Handschellen an und brachten ihn
nach dem Polizei-Hauptquartier, wo
er sofort einem rigorosen Verhör un­
terworfen wurde. Der Verhaftete
verharrte noch längere Zeit bei sei
nen zuerst ausgestellten Behauptun
gen, aber eilt in seiner Brieftasche
vorgefundenes Gedicht, das mit
„Porter Charlton" unterschrieben
war, zwaug ihn schließlich zu dem
Geständnis daß er der Gesuchte sei.
Charlton erzählte, er und seine Gat
tin hätten in der Villa ihr Abend
brot eingenommen, wobei sie in
Streit gerathen seien. Seine Gattin
sei eine gute Frau gewesen, sie habe
aber ein unkontrollirbares Tempera
ment besessen und Hobe ihm die ge
meinsten Schimpfnamen zugerufen.
Als er diese Fluth von Schimpswor
ten nicht länger anhören konnte, habe
er sie mit einem Holzhammer nieder
geschlagen. Er habe ihr im Ganzen
drei Hiebe mit dem Hammer über
den Kopf versetzt und später die Lei
che in einen Koffer gesteckt, den er
gegen Mitternacht in den See warf.
Kapitän Scott, der das Geständniß
anhörte, stand auf dem Punkt, sich
auf seinen Schwager zu stürzen, wur
de jedoch von den Detektives daran
verhindert.
Nachdem der junge Charlton das
schriftliche Geständniß unterzeichnet
hatte, wurde er sofort vor Recorder
McGovern geführt und vou diesem
ohne Zulassung von Bürgschaft dem
Gefängniß überwiesen. Der Verhas
tete hatte bis dahin wieder völlig
seine Selbstbeherrschung gewonnen.
Er streckte freiwillig feine Hände hin,
um gefesselt zu werden und begab sich
mit einem Depnty-Sherisf nach dem
Gefängniß, wo er sofort in einer
Zelle untergebracht wurde. Da bis
jetzt noch keine formelle Mordan
klage gegen Porter Charlton vor
liegt, kann er nicht länger als 24
Stunden im Gefängniß gehalten
werden. Eine Anklage resp, ein
Auslieferungsgesuch von Seiten der
italienischen Behörden ist bis mor
gen noch nicht zu erwarten und um zu
verhindern, daß dem Gefangenen auf
einen Habeas Corpus-Befehl hin die
Freiheit verschafft werde, will die
Polizei von Hoboken eine Anklage
wegen Mordversuches aus Polizeichef
Hayes gegen den jungen Mann er
heben. Auf diese Weise wird Zeit
gewonnen und Gelegenheit geboten,
mit den Bundesbehörden und dem
Staatsdepartement in Verbindung
zu treten. Es besteht kein Zweifel,
daß die italienischen Behörden die
Auslieferung des Gefangenen ver
langen werden, aber ob dem Gesuch
Folge geleistet werden wird, ist noch
nicht ganz bestimmt.
Kehrten ohn«? Wendling zurück.
o u s o n e 2 3 u n i o
lizeichef Ellis von hier und der Chef
der Detektives Carney aus Louis
ville, Ky., kehrten heute unverrichte
ter Sache und ohne Joseph Wend
ling zurück, der bekanntlich im Ver
dacht steht, die kleine Alma Kellner
vergewaltigt und ermordet zu haben.
Chef Carney kehrte heute Abend nach
Louisville zurück. Wie es scheint, be
fanden sich die beiden Beamten auf
ganz falscher Spur.
Ans der Bundeshauptstadt.
W a s i n o n 2 5 u n i
sident Taft wird dem Kongreß kurz
vor desseu Vertagung, welche gegen
sechs Uhr heute Abend erwartet wird,
eine Botschaft übersenden, worin er
mittheilt, daß er die Fluß- und Ha
fenvorlage unterzeichnen wird, aber
nie wieder eine Vorlage, welche in
ähnlicher Weise abgefaßt worden ist,
da er der Ansicht ist, daß solche Bau
teir nach einem bestimmten System
und nicht planlos nur zum Besten
örtlicher Gemeinwesen ausgeführt
werden sollen. In einer anderen
Botschaft hat er heute den Kongreß
um Verwilligung von $1,000,000
ersucht behufs Verhinderung schweren
Flnthschadens, welcher das Imperial
Thal in Kalifornien durch Hochwas
ser im Coloradofluß bedroht.
Senator Gore von Oklahoma rief
ant Freitag im Senat eine Sensation
hervor, als er ankündigte, es seien
ihm $50,000 dafür angeboten wor
den, daß er seinen Widerstand gegen
die Anerkennung der sog. McMurry
Kontrakte für den Verkauf von In
dianerländereien in Oklahoma auf
gebe. Der Senator ging noch weiter
und fügte hinzu, daß erst am vorigen
Tage einem Abgeordneten eine Be
stechung angeboten worden sei. „Am
6. Mai," sagte Gore, „kam ein Ver
treter von McMurry zu mir. Er ist
ein Mann, der in meiner Heimaths
stadt wohnt, ein Mann, der ein
Freund in der Zeit der Noth war. Er
kam in mein Geschäftszimmer und
versicherte mir, daß es in meinem
Interesse sein würde, wenn ich dem
Senator von Colorado rathen würde,
die Resolution nicht einzuberichten.
Er deutete an, daß $25,000 oder
$50,000 verfügbar wären, wenn die
Kontrakte nicht umgestoßen würden.
Und ich habe erfahren, daß ein ähnli
cher Vorschlag gestern einem Mitglied
des Abgeordnetenhauses gemacht
wurde." Senator Gore erwähnte
weder den Namen des Agenten, der
zu ihm kam, noch den des Abgeord
neten. Er erklärte ferner, daß.ein
Er-Senator von Nebraska und ein
Ex-Senator von Kansas an diesen
Kontrakten interessirt seien. Ohne
Namen zu erwähnen, fügte er hinzu,
daß hinter den McMurry-Jnteressen
eine mächtige Lobby stände. Die
Wirkung der von Gore gemachten
Enthüllungen zeigte sich bald, abge
sehen von der im Senat hervorgeru
fenen Sensation. Das Haus wei
gerte sich nämlich, den Konferenzbe
rigt über die allgemeine Nachtragbe
willigungsvorlage, die die Guthei
ßung des erwähnten Kontraktes ent
hält, anzunehmen, verwies sie viel
mehr an die Konferenz zurück. Gore
reichte am Samstag im Senat eine
Resolution ein zur Untersuchung der
von ihm erhobenen Anschuldigungen,
und dieser Beschluß wurde vom Se
nat angenommen.
Personenzug entgleist.
e s o i n e s a 2 5 u n i
Infolge eines Wolkenbruchs war der
Geleifedamm der Wabash-Bahn bei
Percy dermaßen gelockert worden,
daß ein gestern Abend darüberfah
render Personenzug verunglückte.
Die Lokomotive und drei Wagen
stürzten in einen Graben, und gleich
daruf fuhr ein Eilfrachtzug in den
auf dem Geleise gebliebenen letzten
Wagen des Zuges und warf ihn von
den Schienen. Das Rettungswerk
wurde sofort in Angriff genommen,
und die dreißig Verletzten nach hier
gebracht. Heute früh ist einer von
ihnen, W. G. Brown von Ottawa,
III., im Mercy-Hospital gestorben,
C. I. Riley von Moberly liegt im
Sterben, und mehrere andere Rei
senden dürften ebenfalls den Verle
tzungen erliegen.
Aus Süd-Dakota.
Edmunds County.
I s w i e n 1 4 u n i
Vielfach wurde ich schon darum
angegangen, auch etwas für den
Staats-Anzeiger zu schreiben uud
darum will ich nun nicht länger zau
dern.
Die Feldfrüchte' stehen mittelmä
ßig. Flachsfäen ist vorbei, obwohl
man hie und da noch einenNachzügler
bemerken kann. Auch trocken ist es
hier und Regen wäre erwünscht.
Neues giebt es auch nicht viel zu
berichten. Nach geendeter Saat neh
men die Leute das Leben etwas ge
müthlicher. Der eine baut, der an
dere macht Besuchsreisen, und so wei
ter. Bei uns in Ipswich herrscht
rege Bauthätigkeit wenn das so fort
geht wird Ipswich bald Großstadt.
Nun möchte ich auch von meiner
Canada-Reise etwas berichten. Also
am 23. Mai fuhr ich zusammen mit
Herrn Jos. Bender von Ipswich
nach Aberdeen, von wo wir nach 40
Minuten Aufenthalt auf der Great
Norther» Bahn nach Hankiufon in
Nord-Dakota weiter fuhren. Dort
kamen wir gegen Mitternacht an und
mußten bis 4 Uhr morgens warten,
bis uns der Spokane „Flyer"
(Schnellzug) aufnahm. Jetzt aber
ging's rasch vorwärts, denn in 24
Stunden sichren wir von Hankinfon
bis nach Bow Island in Alberta (Ka
nada, eilte Entfernung von beiläufig
700 Meilen. Um drei Uhr Morgens
waren wir in Bow Island, unserem
Reiseziel. Wir stiegen aus uud fan
den eilt kleines Bahnhofsgebäude,
vielleicht 12 bei 12 Fuß an Ausdeh
nung. Dann gingen wir der Stadt
zu, um meine Kinder auszusuchen
welche etwas außerhalb derselben
wohnen. Es war natürlich inch dun
kel und wir sahen nichts als Koch
wogen und Holzbarracken, kamen
aber nach langem Laufen richtig an.
Die Kinder schliefen natürlich und,
da ich von unserem Kommen nichts
geschrieben hatte, war die Freude
und Ueberraschung natürlich sehr
groß.
Nach eingenommenem Frühstück
ging's wieder zur Stadt. Aber nun
war es Tag gewiftdeit und wir sahen
eilt ganz schönes Städtchen vor uns.
Wir bemerkten ein großes Hotel mit
20 Zimmern und Saloon (Schänk
wirthschaft) in Verbindung, vier
oder fün) Kolonialwaarenladen,
zwei Eisenwaarenhcmdlungen, Mö
bel« und andere Laden, vier Bau
holzhöfe, acht Mafchineuwerkstätten,
vier Schmiedewerkstätten, ich glaube1
gegen ein Dutzend Kosthäuser, ver
schiedene Futter- und Leihställe, und
so weiter. Es wird immer noch flott
weiter gebaut.
Das Wasser aber ist hier rar. Die
Eisenbahngesellschaft holt das Wasser
vom 3y2 Meilen entfernten Fluß.
Ein 1900 F.tieferBrunnen treibt eine
Gasolinmaschine von 65 Pferdekräf
ten, welche das Wasser aus einer
Tiefe von 4000 Fuß an die Ober
fläche pumpt. Das Land in dieser
Gegend ist eben, der Grund von röth
licher Farbe, der Graswuchs dicht,
aber dasselbe ist nur kurj, da es an
geblich jedes Jahr abbrannte. Die
Gegend ist noch ganz neu und Frucht
wurde nicht viel eingesäet. Solche
als wir sahen, steht aber gut, trotz
dem sie seit vorigem Juli keinen Re
gèn hatten. Am 3. Juni aber kamen
Regen und Schnee bei empfindlicher
Kälte, sodaß man den Pelz anziehen
mußte. Ich hielt mich zehn Tage auf
und hatte Gelegenheit zu sehen, daß
das Wachsthum der Kartoffeln dort
gut vorwärts geht. Die ganze Ge
gend ist eben neu und die Verhält
nisse sind etwa dieselben wie in Sv.d
und Nord-Dakota vor 20 oder 30
Jahren.
Auch auf dem Lande bin ich ziem
lich herumgekommen. Der erste Be
such galt Engelbert Miller, wo ich
willkommener Gast war. Herr Mil
ler hatte im Frühjahr einen Brun
nen gegraben, der 13 Fuß Wasser
hatte, muß aber jetzt doch dos Wasser
für's Vieh führen. Weiter besuchte
ich Andreas und Georg Wolf. An
dreas kaufte sich eine Section Land
(640 Acker) zu $24.81 den Acker.
Auch ein schöner Preis!
Weiter besuchte ich noch Georg
Schatz, Theophil Götz und verschie
dene andere Freunde, bis die Zeit
kam heimwärts zu ziehen. Der Ab
schied war immerhin schwer. Am 4.
Juni morgens bestiegen wir wieder
den Spokane Schnellzug und fort
ging's. Leider sahen wir nichts als
Schnee auf einer Strecke von minde
stens 150 Meilen, und das noch dazu
am 4. Juni! Später hörten die
Schneegefilde auf und während des
Rests der Reise hatten wir regneri
sches Wetter.
Da ich aber noch Besuche inJames
town Nord-Dakota machen wollte,
mußte ich nach Valley City fahren,
denn es war nun Sonntag geworden
und ich mußte darauf bedacht sein,
an der Hauptlinie der Bahn zu blei
ben, weil die Zweiglinien Sonntags
bekanntlich feiern. Am Sonntagnach
mittag in Jamestown angekommen,
machte ich mich auf die Suche nach
meinem alten Nachbar Jakob Harty.
Natürlich war die Begrüßung eine
recht herzliche und die Freude groß.
Am folgenden Tage war ich in Lin
ton, wo ich Herrn Joseph Eberle auf
suchte, der dort ein flott gehendes
Geschäft besitzt. Weiter ging's am
folgenden Tage nach Zeelaud, wo
selbst ich meinen Freund Andreas
Schatz überraschte. Da gerade Wahl
tag war, wurde es Abend, ehe wir
auf seiner Farm anlangten, wo ich
natürlich auch herzlich empfangen
wurde. Hier traf ich auch Vetter Jo
seph, Andreas' Vater, der schon hoch
betagt ist. Am nächsten Tage fuhr
mich Andreas' Sohn nach Artas in
Süd-Dakota zu meinem Schwager.
Hier war die Freude, wenn möglich,
noch größer. Der Schwager wußte
vor Ueberraschung fast nicht, was er
mir alles anthun sollte. Er betreibt
eilte Wirthschaft und macht gute Ge
fchäftc. Weiter ging's von hier per
Frachtzug nach Hillsview, wo Freun
de mich gerne eine Nacht behalten
hätten, aber mich drängte es, nach
Haufe zu kommen, denn ich hatte das
Gefühl als sei dort etwas nicht in
Ordnung.
In Ipswich angelangt, telepho
ttirte ich nach der Farm und schon
eine Stunde später war das Gespann
in der Stadt um mich nach Hause zu
holen. Richtig hatte meine Ahnung
mich nicht getäuscht, denn während
metner Abwesenheit war eine schöne
Stute verendet, nachdem sie ein Foh
len geworfen hatte. Das Fohlen ist
noch am Leben. (Den übersandten
Betrag erhalten.—Red. Staats-Au
zeiger.)
So eine Reise thut einem ganz gut
und ist ein richtiges Abenteuer. Der
Russe sagt: auf Besuch ist gut, aber
daheim ist's besser. Nun will ich aber
allen Freunden herzlich für gast
freundliche Ausnahme und Bewir
thung danken. Dank auch meinem
Vetter Franz Gabriel für das Ge
schenk, aber den Wein haben wir noch
nicht erhalten soweit nur die
Frucht.
Gruß ait alle Freunde-und Leser
dieses lieben Blattes.
Jakob Adler.
Jeder Farmer,
der Pferde, Rindvieh und Gebäud,
noch nicht gegen Schaden durch Feuer
oder Blitz versichert hat, wende fiä'
an die Farmers' Versicherungs-Ge
sellschast. Versicherung kostet nur
$1 für $1,000.
34-ba.
Andrew Michaleuko, Händler in
Farmmaschinerie, Wagen und Bug
gies in Balfour, hat soeben eine Car
ladung Buggies erhalten, welche
während der kommenden dreißig
Tagen zu Preisen verkauft werden
die niedriger sind als in irgend ei
nem anderen Geschäft für Waaren
gleicher Güte verlangt werden. Habe
auch ein volles Lager in Deering
Binder und Mähmaschinen. Diese
thun die Arbeit. Ich verkaufe die
Dain Heustacker und Rechen, die be
sten von allen. Neue Deere Pslüge
unk Weber Wagen aller Arten.
Diese sind bestens bekannt. Ich lade
meine deutschen Freunde ein vorzu
sprechen und ich werde ihnen die Vor
züge der von mir verkauften Waa
ren auseinandersetzen, auch wenn sie
nicht gerade etwas kaufen wollen.
Meine Dienste stehen der deutschen
Kundschaft stets zur Verfügung.
Achtungsvoll
8ml) Mdrew Michalenkh.
Der kommende Man«.
Das scheint in der demokratischen
Partei Gouverneur Harmon von
Ohio zu sein. Die demokratische
Staatskonvention, welche am Diens
tag und Mittwoch in Dayton statt
fand, hat ihn wiedernomiiiirt und
ihn für die nächste "Präsidentschasts
ltommation indossirt. Die Konven
tion ging aber noch einen Schritt
weiter, indem sie Bryan, welchem die
Aspirationen Harmons sehr gegen
den Strich gehen, eine gehörige Lek
tion ertheilte als Strafe dafür, daß
er seine Nase wieder einmal in Dinge
gesteckt hatte, die ihn nicht das min
deste angingen. Man wird sich erin
nern, daß der Mann von Nebraska
vor einiger Zeit an Harnton einen in
höchst impertinentem Ton gehaltenen
Brief losließ, worin er ihn peremp
torisch aufforderte, dafür zu sorgen,
daß die demokratische Staatskonven
tion einen Kandidaten für den Bun
dessenat aufstellte, für den die demo
kratischen Mitglieder der Legislatur
nachher verpflichtet sein sollten zu
stimmen. Obschon der Gouverneur
sehr wohl wußte, dq£ Bryan ihm mit
diesem Briefe nur einen Knüppel
zwischen die Beine werfen wollte,
antwortete er doch mit ruhiger Höf
lichkeit, lehnte aber das Ansinnen,
das Bryan an ihn gestellt hatte, ent
schieden ab, indem er erklärte, er und
die große Mehrheit feiner Parteige
nossen in Ohio seien der Ansicht, daß
man kein Recht habe, der Legislatur
ins Handwerk zu pfuschen und ihre
demokratischen Mitglieder auf einen
bestimmten Kandidaten zu verpflich
ten. Nach dieser Absage steckte sich
Bryan hinter Ex-Mayor Tom John
fon von Cleveland und dieser ließ,
da seine stark angegriffene Gesund
heit ihm nicht gestattete, selbst nach
Dayton zu gehen, durch eilten ande
ren Clevelander Delegaten dem
Staatscentralkomite eine Resolution
unterbreiten, welche für die Idee
Bryan's eintrat. Das Komite wies
indessen die Resolution mit vierzehn
gegen sechs Stimmen ab.
Das bedeutet für den Gouverneur
einen großen Sieg und für Bryan
eine empfindliche Niederlage. Wie
es heißt, hat Harmon die Absicht, im
Falle feiner Wiedererwählung zum
Gouverneur sehr bald sein Amt nie
derzulegen und sich ganz auf die Na
tionalpolitik zu werfenin richtiger
Würdigung der Thatsache, daß er,
wenn es ihm zum zweiten Male ge
lingt, den Staat Taft's- zu erobern,
der nächste Anwärter auf die demo
kratische Nomination für die Präsi
dentschaft ist. Während der letzten
fünfzig Jahren haben die Demokra
ten von Ohio fünfmal ihren Gouver
neurskandidaten erwählt, im Jahre
1877 mit einer Pluralität von 22,
520 Stimmen, im Jahre 1883 mit
12,529, im Jahre 1889 mit 10,872,
im Jahre 1905 mit 42,647 und im
Jahre 1908 mit 19,372 Stimmen.
Patterson erzielte im Jahre 1905 die
größte Pluralität, die ein demokrati
scher Gouverneurskandidat je im
Bnckeyestaat errungen hat. Er hatte
seinen bemerkenswerthen Sieg Haupt
sächlich der berühmten Rede zu ver
danken, welche der damalige Kriegs
sekretär Taft in Akron gegen die re
publikanische Maschine des Cincinna
tier Bosses Cox hielt. Harmon aber
ist der einzige Demokrat, der sich
rühmen kann, Ohio in einem Präsi
dentenjahr erobert zu haben. Weitn
er es mm fertig bringt, das große
Prestige, das er bereits besitzt, noch
zu vermehren, indem er in der dies
jährigen Staatswahl sein Ticket
abermals zum Siege führt, so wird
sich Bryan gewaltig tummeln müssen,
wenn er in der nächsten demokrati
schen Nationalkonvention Harmons
Nomination für die Präsidentschaft
verhindern will. Bryan ist bekannt
lich aus den prohibitionistischen Was
serwagen geklettert, während dem
Gouverneur von Ohio verhältnismä
ßig liberale Anschauungen nachge
rühmt werden. Dieser scharfe Ge
gensatz, sowie Bryans rücksichtslose
Selbstsucht, sind wohl die Haupt
gründe, warum Harmons Spekula
tion auf das Weiße Haus Bryan ein
solcher Greuel ist. —Ger.-Abdpst.
Im Unterseeboot.
Untergang, des französischen
Tauchbootes „Pluviose" im Hasen
von Calais, über welchen wir seiner
zeit berichteten, und bei dem die
ganze Besatzung ihren Tod gefunden
hat, lenkt den Blick auf die harten
Bedingungen und die stete Gefahr,
unter denen die Offiziere und Matro
sen der Unterseeboote ihre nerven
aufreibende Pflicht erfüllen. Welche
Eindrücke und Gefühle auf die In
fassen eines Unterseebootes während
einer längeren Fahrt eindringen,
schildert ein amerikanischer Tauch
bootkommandant. „Das Boot ist un
tergetaucht, das Tageslicht ver
schwunden, man hört nur das dum
pfe, zornige Stampfen der Maschine.
Die erste Wahrnehmung, die sich dem
Bewußtsein aufdrängt, das ist der
Geruch. Die Atmospäre ist ähnlich
der des Maschinenraums eines gro
ßen Schlachtschiffes. Aber dort kann
man sich bewegen, kann vorwärts ge
hen, kann sehen. Hier bist Du in ein
heißes, dumpfes, enges Loch einge
presst. Du siehst nichts. Dein Auge
i
muß am Kompaß haften, Du ver
folgst das Schwanken der Nadel und
nach kurzen Glockensignalen bewegst
Du die Hebel, deren Handhabung
Dir übertragen ist. Du selbst wirst
zu einer Maschine, einer menschlichen
Maschine, die eine andere im Gang
hält. Wettn das Boot senkrecht her
absinkt, spürst Du gar nichts nur ein
Zeiger verräth Dir, daß Du mit Dei
nem Stahlfisch in die Tiefe hinab
gleitest. Wenn Du tauchst, dann ver
räth Dir wenigstens die leichte Sen
kung des Bodens die Bewegung und
Du mußt dich vorwärts oder riich
wärts neigen, um das Gleichgewicht
zu behalten. Wenn Du den Blick
emporwendenst und durch die Luke
schauen willst, dann siehst Du nur
einen dünnen grünlichen Lichtschim
mer, der Dir vom Tageslicht erzählt.
Hin und wieder steigst Du empor,
um durch das Periskop nach Deinem
Ziele Aussehen zu halten. Aber das
sind nur kurze Augenblicke dann
wieder mußt Du hinunter, dünner
und dünner wird das Tageslicht, bis
matte grünliche Finsterniß Dich wie
der umgiebt. Alle Bewegungen des
Bootes, das Tauchen und Auftauchen,
müssen langsam und vorsichtig be
wirkt werden, denn Dein Leben
hängt davon ab, daß die Chemikalien
in den Batterien nicht ineinander ge
rathen. Aber einen Augenblick giebt
es doch, wo wir Unterseebootsleute
ein Glücksgefühl kennen lernen: das
ist an schonen Tagen, wenn wir nach
langer Fahrt im Dunkeln aussteigen
und durch die Deckluke emporschauen.
Lichter und lichter wird es dann, das
Dunkelgrün wird zu einem Hellgrün,
wir kommen dem Seespiegel näher.
Das ist, als glitten wir hinauf zu
einem mächtigen, lichten, silberbli
tzenden Spiegel."
Aber dieses Gefühl der Erlösung
ist dem Unterfecmattn nur selten ge
schenkt und ist theuer erkaust durch
lange Stunden und Tage in unge
wisser Finsterniß. Der Mann auf
einem Schisse kann getrost den
Kamps mit dem Sturme und dem
Zorne des Meeres ausnehmen, er hat
den Himmel über sich, er hat Licht,
er sieht sein Schicksal und kann mit
ihm ringen. Aber die zehn oder
zwanzig Männer, die im Untersee
boot ihre Pflicht thun, sehen nichts
von der Sonne, keine Wolken, keine
Farben, es giebt kein Deck, wo sie ein
mal die von Bewegungslosigkeit mat
ten Glieder strecken können, es giebt
keine Luke, durch die man einmal fri
sche, wirklich frische Luft schöpfen
kann. Das Boot ist eine große Ma
schine und der Mann nur Nebensache.
Es giebt keine Kabinen, überall sind
Maschinentheile, Drähte, Hebel,
Klappen, zwischen denen man säst un
beweglich steht und eilte ewig gleiche
Aufgabe erfüllt. Für ßefeti oder
Dampfheizung ist kein Raum, die
Maschine braucht alles für sich wenn
die Wintermonate nahen, dann wird
das Boot zum Eiskühler und oft ste
hen die Matrosen stundenlang bei ei
ner Temperatur von null Grad auf
ihrem Posten, ohne sich durch kräftige
Bewegung erwärmen zu können.
Das Boot ist vielleicht nur halb un
tergetaucht, durch den thurmartigen
Aufbau sieht man die See, in der
dumpfigen muffigen Atmofpähre
wird die Sehnsucht nach frischer Lust
übermächtig aber wenn die Luke ge
öffnet wird, schlagen vielleicht eis
kalte Wogen in das Innere. Wer ei
nen Augenblick frei ist, schleicht sich in
die Nähe des Gasmotors, um ein we
nig Wärme zu empfangen.
Jedermann an Bord ist sich be
wußt, daß ein kleines Versehen, ein
Zufall, eine geringfügige Nachlässig-^
kett das Schicksal aller besiegelt, und
darum werden auch nur die zähesten,
muthigsten und charakterstärksten
Leute ausgewählt, um im Untersee
boot ihrem Lande zu dienen. Die
Auswahl ist streng und nicht viele be
stehen die Probe, die sie ablegen müs
sen, um in die Elitekorps der Ma
rine ausgenommen zu werden.
o n i s e S a a a e n
reste jeder Art. auch Suppenfleisch,
wenn es noch weich, zart und saftig
genug ist, werden in kleine Würfel,
hartgekochte Eier, in gleicher Menge
wie das Fleisch, in Scheiben geschnit
ten. Beides wird logcitweife in eine
Schüssel gelegt, zwischen jede Lage
kommt ein Theil Mayonnaise, die
kräftig mit Senf abgeschmeckt sein
muß, das Ganze darf nicht durchein
ander gerührt werden. Man garnirt
mit Endivien oder Salatherzchen,
grüner Salat oder ^eingeschnittener
Endiviensalat wird nebenher gege
ben.
a k k a o n i i S e l
fisch. Gekochte oder gebratene Reste
von Schellfisch. Zander oder Hecht
werden mit einer silbernen Gabel
von etwa noch anhaftender Haut oder
Gräten gelöst. (Mit Stahl soll Fisch
nicht berührt werden.) In etwas zu
rückgestelltem Fischkochwasser kockt
man Pfnud Makkaroni nicht zu
weich. Man legt in eine gut ge
strichene Auflaufform die Hälfte der
Makkaroni. darauf den Fisch, etwa#
geriebene, in Butter gedünstete Zwie
bel, Pfund geriebenen Parmesan-:
käse und die übrigen Makkaroni
dann ist nochmals die gleiche Menge
.Käse darüber zu geben und 1 Pint
saure Sahne auszugießen. Der Auf»
lauf muß noch i/2 Stunde bei guter
i z e o k e s
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Der StaatS-Anzeiger, R»gbtz, No. Dak., bee 30. â6wH. 1910
Sekretär Georg Mitzel,
Berwick, N. D.
Präsident Heinrich Paul.
Kassirer Dominick Tuchschere:

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