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Der Staats=Anzeiger. (Rugby, N.D.) 1906-current, July 28, 1910, Image 4

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4.
DerKtaats Anzeiger
Anderson & Brandt Herausgeber
S|. 8. Brandt Redakteur unb (MefrtjâftSf&brrr
AbonnementSpreiS:
Bereinigte Staaten, pro Jahr $1.50
Räch dem Auslande. $2.00
(Nur gegen Vorausbezahlung.)
Tie Redaktion übernimmt für den Inhalt
der
Korrespondenzen keine Verantwortung,
bemüht sich aber, alles Unpassende auszu^
merzen. Einsendungen ohne volle Namens
Unterschrift wandern in den Papierkorb.
Reisender Agent: John Wacker
Um Verzögerung in Zusendung der Zei
tung zu vermeiden, bitten wir, bei Woh
nungsveränderunaen oder Wechsel der
Postoffice immer den alten Wohnplatz und
die Postoffice mit anzugeben.
An die Leser.
Wir ersuchen unsere Leser, dem gelben
Settel auf der Zeitung, oder auf dem Um
schlag, ihre Aufmerksamkeit zu schenken.
Auf demselben finden sie außer ihrem
Ramen auch das Datum, bis zu welchem
das Blatt bezahlt ist. Leser, die mit dem
Zeitungsgeld im Rückstände sind, sollten uns
mit Einsenden desselben erfreuen und auch,
wenn möglich, ein Jahr im Boraus bezahlen.
Adressirt alle Geldsendungen und Briefe:
Der Staats-Anzeiger,
Rugby, N. D.
Cöttortellee.
5. Jahrgang, Nummer 1.
Mit dieser Nummer also tritt
Ter Staats-Anzeiger seinen fünften
Jahrgang au. Drei Jahre hat nun
das Blatt direkt unter unserer re
daktionellen, sowohl als auch ge
schäftlichen Leitung gestanden und
die Resultate find durchaus befriedi
gend.
Im vergangenen Jahre nament
lich hat das Blatt sehr erfreuliche
Fortschritte gemacht und alle in die
ser Hinsicht gehegten Hoffnungen
weit übertroffen. Die Leser werden
auch bemerkt haben, das im Ein
klang mit diesen« Fortschritt, auch
das Blatt an Quantität und Qnali
tät des Inhalts bedeutend gewönnen
hat. Ter Staats Anzeiger, früher
achtseitig, erscheint feit mehreren
Monaten zehnseitig. Wir haben
also tinier Versprechen, das Blatt
entsprechend zu vergröbern, falls die
Fülle der .Korrespondenzen üoiit Aus
lande und Unlande dies nöthig er
scheinen lassen, eingelöst. Wir werden
ans dem eingeschlagenen Wege wei
ter schreiten und die Menge des all
gemeinen Lesestoffes im Blatte nicht
beschneiden, sondern dasselbe weiter
vergrößern, wenn die einlaufenden
Korrespondenzen es nöthig machen,
weil dieselben eben nicht für jeden
Leser gleiches Interesse haben. Tie
technische Einrichtung unserer Tru
tferei ist in jeder Hinsicht modern.
Nur sehr wenige deutsche Druckereien
in den Takotas, ja im ganzen Nord
westen, weisen eine ebensognte Aus
stattung ans und übertroffen wird
der Staats-Anzeiger von keiner. Ta
von giebt auch das gesunde Aussehen
der Leitung beredtes Zeugnis
Ten Mitarbeitern, Agenten und
Korrespondenten, sowie auch in zwei
ter Linie allen Lesern des Blattes,
sagen wir hiermit für bewiesenes
Wohlwollen herzlich Dank. Ihrer
treuen Mithülfe ist zum nicht gerin
gen Theile der Erfolg und Fort
schritt des Unternehmens zu verdau
ken. Wir bauen auch für die Zu
kunft fest auf ihre wertthätige Mit
hülfe. Wo so viele Hände sich rüh
reu und auf das Wohl und Gedei
hen des Staats-Anzeiger bedacht
sind, kann der weitere Erfolg nicht
ausbleiben.
Hochachtend
i e e a k i o n
Tie Verhandlungen und Zeugen
verhöre im Rice-Mordprozeß haben
für Rugby und Umgegend reckt be
dauerliche Zustände zu Tage geför
dert. Tie Aussage des des Mordes
angeklagten John Buoye, mit welcher
wir hier uns nur kurz beschäftigen
wollen, wirft ein bezeichnendes
Streiflicht auf die Zustäube wie sie
immer in einem Prohibitionsstaate
bestehen. Auf dem Zeugenstand also
sagte Biwye ans, das er mit Albert
Hangen und Pat. Meehan, obschon
er selbst nicht trinke, lediglich diesen
311 Gefallen in's Erdgeschoß des El
lingfon-Groiwold Gebäudes in Rug
by gegangen sei, um etwas Bier zu
holen. Herr Grouvold, einer der
Besitzer des Gebäudes aus welchem
das Bier geholt werden sollte, war
und ist der Senator von Pierce
County, bekleidet das höchste Ehren
rnnt das die Bürger Pierce County's
zu vergeben haben. Herr Gronvold
hält's entschieden mit den Prohibi
tionisten. Er stimmte im Senat auch
gegen die Initiative- und Reseren
dum-Vorlage, ein Zeichen, das er ein.
warmer freund des bestehenden
Prohibitionsgesetzes ist. Hier haben
wir wieder die alte Geschichte erbarm
licher Heuchelei. Herr Gronvold ist
fiir Prohibition, stimmt und kämpft
dafür, hält aber deshalb ganz ruhig
im Erdgeschoß seines Geschäfts gei
stige Getränke. Sind das nicht nied
liche Zustände in einem Prohibitions
floate V Ist es nicht ein trauriges
Zeichen der Zeit, wenn ein Staats
senator in offenkundiger Weise
die Gesetze selbst verletzt, die er gut
heißt V Trotz dieser mehr als faulen
Zustände im Staate predigt die
Geistlichkeit, namentlich die englische
und norwegische, von der Ranzel, wie
„segensreich," wie moralisch „he
bend" das Prohibitionsgesetz ans die
Bewohner Nord-Takota's und na
mentlich aus die Jugend einwirke,
während doch klar zu Tage liegt, daß
Prohibition die Bewohner des Staa
tes demoralisirt und ihnen alle Ach
tung vor dem Gesetz rauben muß.
Eine Geistlichkeit, welche von der
Monzel aus oder indirekt Prohibition
predigt, ist entweder mit Blindheit
geschlagen, oder selbst ebenso er
bärmlich heuchlerisch wie beispiels
weise unser Staats-Senator Gron
vold. Die englische Presse im Coun
ty, wie auch im Staate, schweigt sich
über solche Zustände grünldich aus,
weil es ihrem Geschäft vielleicht
Schaden bringen könnte. Solche
Vorfälle läßt die englische Presse
ohne alles Kommentar passiren.
Traurig nicht wahr?—Neuerdings
unterzog sich übrigens unser Kollege
vom Rugby Optimist der Mühe, ei
nige unserer „Wurstzipfel" sich iu's
Englische übersetzen zu lassen und sie
dann zu veröffentlichen. Das ist sehr
anerkennenswerth und wir find ihm
dafür dankbar. Angenehmer freilich
wäre es uns, wenn die llebersetzun
gen weniger stümperhaft und mehr
sinngetreu abgefaßt würden, aber der
Gewährsmann des Herrn Kollegen
thut wahrscheinlich so gut er kann
mehr kann nur ein Schelm verlan
gen. Wird des Kollegen Gewährs
mann auch diesen „Wurstzipfel"
übersetzen? Und wenn so, wird der
Herr Kollege ihn veröffentlichen?
Wir hoffen es!*
Ter republikanische Gonveruenrs
kandidat C. A. Johnson, der sich be
reits vor zwei Iahren um dasselbe
Amt bewarb, aber geschlagen wurde,
in II, nach Behaupten gewisser repu
blikanischer Parteiblätter, deren Re
daktenre schon bei der Nennung des
Wortes ..Demokrat" ganz ans dem
Häuschen gerathen, ein so überaus
guter und tüchtiger Mann sein. Laßt
uns einmal sehen, ob das sich mit der
Wahrheit deckt. Erstens kann er gar
fein so braver Mann sein, denn sonst
hätte er doch gar nicht geschlagen wer
den können, denn Nord-Dakota ist
I doch mit überwältigender Mehrheit
republikanisch und noch immer gewe
sen? Ein Wunder'aber ist's nicht,
daß Johnson von dem Demokraten
John Burke geschlagen wurde, denn
Burt'e ist zugestandenermaßen gänz
lich einwandfrei selbst seine ärge
sten politischen Heinde geben das zu.
Nur daß er eben ein Demokrat ist,
machen sie ihm zum Borwurf. John
Burke wurde in seinem Heitnaths
County (Ramsey) und in seiner Hei
mathsstadt Devils Lasel, beide stark
republikanisch, mit großer Mehrheit
erwählt, trotzdem er-eiii Demokrat ist.
Also muß er dort, wo sie ihn am be
ften kennen, doch sehr angesehen und
geachtet sein, denn nach den Berichten
über die Wahl in 11)08 stimmten in
Ramsey County über 800 Republika
ner lieber für den Demotraten
Burt'e, als für den Republikaner
Johnson. Also ein großes Kompli
ment für Herrn Burke!—Wenden
wir uns unit in die Hei math des
Herrn Johnson. Was aber finden
wir hier? Nicht nur wurde Johnson
in seinem Heimathscouitty Ward
bei 2,500 bis zu 3,000 Stimmen re
publikanisch mit einer Mehrheit
von nahezu 1500 Stimmen geschla
gen, sondern auch seine Heimaths
stadt Minot, ja sogar der Wahlbezirk
in Minot selbst, in welchem Johnson
wohnt, ging ihm verloren. Also
stimmten selbst seine Bekannten, ja
Nachbarn, lieber für Burke als für
Johnson. Das ist sicher ein schlim
mes Zeichen für Herrn Johnson,
denn, wie gesagt, ging Ward County,
und auch die Stadt Minot, im iibri
gen stark republikanisch. Jeder
Mann ist doch in seiner Heimath am
besten bekannt. Wenn nun seine
Mitbürger in Minot, und die im
ganzen County, nichts mit Johnson
im Sinne haben, muß dafür doch ein
sehr gewichtiger Grund vorliegen.
Wie können nun gewisse Maschinen
Politiker, zu denen auch Johnson
zählt—darum seine Niederlage selbst
zu Hause die Unverschämtheit ha
ben, öffentlich zu behaupten, John
son sei ein überaus „beliebter"
Mann? Diese Seifenblase war sehr
leicht zum Platzen zu bringen!
„Wenn zwei dasselbe thun, ist es
doch nicht dasselbe." Daß dieser Aus
spruch, so paradox er auch klingen
mag, dennoch der Wahrheit ent
spricht, geht aus folgendem Vorfall
hervor, dessen nähere Einzelheiten
wir der „Gennania-Abendpost"^ ent
nehmen: „In West Point sind zwei
Kadetten fortgejagt worden, weil sie
die Unwahrheit gesagt hatten. Es
handelte sich um verhältnißmäßig
geringfügige Vergehen, deren sie sich
schuldig gemacht hatten, allein, um
der leichten Strafe, die sie erwartete,
zu entgehen, logen sie,wurden ertappt
Der Staats-Anzeiger, Rugby,
und prompt fortgeschickt, denn, so
heißt es in dem Bericht, die Lüge ist
das eine, was Onkel Sams zukünf
tigen Offizieren nie und unter keinen
Umänden verziehen wird. Das ist
sicherlich ein sehr löblicher Grundsatz.
Aber wenn man bei den zukünftigen
Offizieren die Lüge so schwer ahndet,
sollte man sie da bei den Männern,
welche bereits die Offiziersuniform
tragen, nicht eigentlich noch viel un
nachsichtiger bestrafen? Wir denken,
indem wir diese Frage aufwerfen, an
den Fall des Generalmajors Grant,
welcher noch nicht einmal eine Rüge
dafür erhalten hat, daß er seinerzeit
das Kriegsdepartement anlog, indem
er behauptete, er habe in Chicago
keine prohibitioniftische Prozession
angeführt, sondern nur eine Demon
stration für Gesetz und Ordnung und
er habe die Sache nicht als Offizier
mitgemacht, sondern als Privat
mann. Der letzte Thürsteher im
Kriegsdepartement wußte, daß das
eine doppelte Unwahrheit war. Liegt
nicht die Annahme nahe, daß die bei
den Westpointer Kadetten dachten,
weitn man einem Generalmajor die
Unwahrheit nachsehe, so werde man
wohl auch sie nicht gar zu schars an
fassen, falls sie bei der Unwahrheit
ertappt würden?"
Sprecher Gannon, auch unter dem
Namen „Onkel Joe" bekannt, hat
seine Redetour in Kansas im Inte
refft» der dort stattfindenden Vorwah
leit beendet. In charakteristischer
Weise zog der Onkel ganz fürchterlich
die „progressiven" Republikaner
durch die Hechel es blieb kein gu
ter Fetzen an ihnen. Herr Cannon
ist der Ansicht, daß seine Reden dort
der Sache der „Stalwart"-Republi
sauer bei den Vorwahlen viel helfen
sollen. Die Progressiven in Kansas
ober behaupten, daß Onkel Joe sich
schmählich irrt, und daß er nur der
Sache der Progressiven geholfen hat.
Das Ergebniß der Vorwahlen dürfte
am sichersten erkennen lassen, wer
recht hat. So viel ist sicher: durch
Cannons Gepolter und Schimpfen
können die progressiven Republikaner
nicht zur Einsicht gebracht werden,
daß sie aus dem Holzwege sich befin
den sollen, wie Herr Cannon steif und
fest behauptet. Dazu bedarf es ge
wichtiger Argumente!
In Syracuse, N. ?)., hat mau in
der Umgehung des Sonutagsgefetzes
den Vogel abgeschossen, zum großen
Aerger der Geistlichen, die eine Agi
tation iu's Werk gesetzt hatten, dos
bisher geduldete Ballspiel unmöglich
zu machen. Es wurde nämlich jiii
Ballpart ein großes „eacred Con
cert" gegeben. Wer das Konzert hö
ren wollte, mußte das übliche Ein
trittsgeld zahlen. Sobald das Kon
zeit vorüber war. begann das Ball
spiel, dem die Konzertbesucher zu
schauen konnten, ohne bezahlen zu
müssen. Die Geistlichen und Behör
den waren diesem Schachzuge gegen
über machtlos, denn das Gesetz ver
bietet nur das Ballspiel, weint Ein
tritt erhoben wird, nicht aber, wenn
die Spieler es zu ihrem „eigenen
Vergnügen" betreiben. Unsere ver
alteten Sonntagsgesetze haben den ei
nen Vortheil, daß sie Schlauberger
hervorbringen. —Volkszeitung.
Tie schwindende Handelsbilanz.
Alle die schlechten Jahre, die in
den Ver. Staaten auf den 18tt:icr
Finaitzfrach gefolgt find, und alle die
bösen Nöthe dieser Jahre: Geschäfts-,
stockiing, schlechte Preise, verminderte
Löhne, weitverbreitete Arbeitslosig
keit it. s. w. wurden bekanntlich re
publikanischer Seits auf Rechnung
des demokratischen Zollgesetzes ge
setzt, obgleich dieses erst im Sommer
1894 erlassen und in Kraft gesetzt
wurde ein reichliches Jahr nach
Ausbruch des Kraches. Zur Rede ge
stellt, wie sie dem Gesetz etwas zur
Last legen konnten, was nicht dem
Gesetze gefolgt, sondern ihm vorange
gangen war, erklärten die repnblika
nischen Zeitungen und Stninpredner
unverfroren, daß ja die Erwählung
des demokratischen Präsidenten und
des demokratischen Kongresses bereits
1892 geschehen war und daß die nach
her eingetretenen Folgen dieses de
mos
rati icheti Sieges von der Ge
fchäftstoett Vorausgesehen und wie
man auf der Börse zu sagen pflegt—
„diskontirt" worden seien. In Vor
aussieht des Umsturzes des republi
kanischen Schutzzollsystems, dem das
Geschäft des Landes feilte unver
gleichliche Blüthe verdankte, sei über
die Geschäftswelt ein panischer Schre
cken gekommen, das Vertrauen aus
die Zukunft vernichtend und den ge
schäftlichen Kredit untergrabend, so
daß dann der Krach eingetreten sei,
wenn nicht als Folge der demokrati
sehen Zollgesetzgebung, so doch aus
Furcht vor dieser Gesetzgebung—auf
alle Fälle trage mithin die demokra
tische Partei und die demokratische
Zollpolitik Schuld an dem eingetreten
nett Unglück.
Wer jetzt demokratischer Seits
Gleiches mit Gleichem Vergelten,
wollte, hätte die schönste Gelegenheit
dazu. Auch ohne zurückzugreifen auf
die Krisis von 1907 und ihre ge
schäftsverderblichen Folgen, die sich
am Ende bei einigem „guten Willen"
mit ebenso joiel Berechtigung
dem
»0. $«»., be* 28. Wi'lM.
Tarif von 1909 auf's Konto setzen
ließen wie damals der Krach von
1893 dem Tarif von 1894—auch
ohne Annahme irgend welcher Vor
Wirkung und nur die Nachwirkung in
Betracht ziehend, steht das neue repu
blikanische Zollgesetz als Verderber
des nationalen Handels überführt.
Tic ganze Schutzzvlllehre beruht
bekanntlich auf dem Grundsatze, daß
im ausländischen Handel nur die
Ausfuhr Gewinn bringt. Das Land
gewinnt an Dem, was es an andere
Lander verkauft, während, die Ein
fuhr aus andern Ländern bestenfalls
als ein nothwendiges Uebel anzufe
hen ist. Nur Geld ist laut dieser
Lehre der wahre Reichthum. Nur
tvas Geld ins Land bringt, also nur
die Waarenaiisfuhr ist mithin Meh
rung des Reichthums, sodaß man, die
Einfuhr möglichst zu beschränken, die
„schützenden" Zölle stets so hoch wie
möglich ansetzen muß.
Wie sich der neue republikanische
Tarif bewährt hat, betrachtet von die
sent Gesichtspunkte, zeigt der eben er
schieneiie Bericht über die Ein- und
Ausfuhr des verflossenen (am 30.
Juni abgeschlossenen) Rechnungsjah
res an. Unsere Waarenaiisfuhr hat
in diesen verflossenen zwölf Monaten
sich auf rund $1,7 45,000,000 belau
fen, gegen $1,700,000,000 im Jahre
1908 dem letzten vor der Inan
griffnahme des netten Gesetzes. Die
Waareneiufuhr der letzten zwölf Mo
nate war rund $1,558,000,000 ge
gen $1,194,000,000 im Jahre 1908.
Es hat mithin in dem ersten Jahre
des neuen Zottgesetzes im Vergleich
zu dem besagten Vorjahre unsere
Waarenaiisfuhr sich vermindert um
$ 115,000,000, die Waareneinfuhr
aber ist gestiegen ttttt $304,000,000.
Der Ueberschuß der Ausfuhr über die
Einfuhr der „Handelsgewinn"
ist gesunken von $060,000,000 auf
$187,000,000.
Diese $187,000,000 aber sind bei
weitem nicht hinreichend zur Bestrei
tung der Zahlungen, die das Aus
land sonst von uns zu fordern hat
oder wir ihm leisten, ohne dass es sie
zu fordern hat, die Kosten unserer
Reiselust und sonstigen Vergnügens
zu bestreiten. Zu den letzteren gehö
ren die gewaltigen Ausgaben, die all
jährlich iu Europa und in anderen
fremden Ländern von dett großen
Hect'ichaarcn reicher und „spendab
ler" amerikanischer Verguügttngsrei
sender gemacht werden und die man
mit $ 100.000,000 jedenfalls nicht zu
hoch veranschlagt. Zu den anderen
gehört, was die ausländischen Schiff
fahrsgesellschasten für die Beförde
rung von Fracht und Personen erhal
ten, ferner Zahlungen au ausländi
sche Versicherungsgesellschaften, Geld
ieiidungett von Eingewanderten an
zurückgebliebene Angehörige, hier ge
machte Ersparnisse der in die alte
Heimath zurückkehrenden Eingewan
derten, und „last not least"—Zin
sen oitf Bonds, Dividenden auf Ak
tien und sonstige Verzinsung hier an
gelegten ausländischen Kapitals.
Wieviel das alles miteinander
ausmacht, entzieht sich genauer Fest
stellnng, ist aber unbedingt sehr viel
mehr, als der besagte Ueberschuß, den
uns im verflossenen Jahre der aus
ländische Handel gebracht hat. So
daß. kurz gesagt, das neue Zollgesetz
gleich iit seinem ersten Jahre uns ge
gettüber dem Ausland tiefer in Hie
Schulden gestürzt hat. Mit anderen
Worten: die Ver. Staaten schütz
zöllnerisch gesprochen sind unter
dem neuen, dem angeblich besten al
ler 'jollgesetze „ärmer statt reicher
geworden". Statt daß das Ausland
uns Geld herauszuzahlen hätte, ha
ben wir dem Auslande zu zahlen.
Und da die republikanischen Staats
maimer stets alles Gute, selbst Regen
nud Sonnenschein und die Fruchtbar
feit des Bodens, der republikanischen
Gesetzgebung zuschreiben, so werden
sie sich nicht beklagen dürfen, wenn
man ihnen nun auch die eingetretene
'Verschlechterung des Handels und die
daraus erwachsende zunehmende Ver
schuldung zur Last legt.
Wer nicht aus dem schtttzzöllneri
schen Standpunkt steht, braucht sich
allerdings nicht zu ängstigen ob der
„Verschlechterung"? Jeder gute
Kaufmann weiß, daß zu gutem Ge
schäft der günstige Einkauf nicht min
der als der günstige Verkauf gehört.
Wir kaufen int Auslande nur dann,
wenn es seine Waaren uns billiger
liefert, als wir sie selber erzeugen
können. Es bedarf keiner besonderen,
Weisheit zur Erkenntniß, daß am
Ende aller Handel ein Austausch von
Waaren ist und daß das Ausland
unsere Waaren nur kaufen kann,
wenn wir seine Waaren kaufen, da
andernfalls alles Geld der Welt nicht
genügen würde zur Bezahlung unse
rer Ausfuhr.
Aber auch das Ausland kaust von
uns nur, was wir ihm billiger Ver
käufen, als es sonstwo verkauft wird.
Bisher waren die dem Auslande ver
kauften amerikanischen Waaren
hauptsächlich Getreide, Fleisch und
sonstige Ackerbauerzeugnisse. Nun
wir jedoch von diesen Erzeugnissen
immer mehr selber verbrauchen und
deshalb immer weniger übrig haben
stir's Ausland, so wird künftighin
itnfer Handel mit dem Auslande, um
nicht zurückzugehen, mehr und mehr
eine Ausfuhr von Fabrikaten werden
müssen. Wir werden „nolens vo
lens" billiger fabriziren müssen
als bisher. Daß das nicht möglich
ist, so lange hier die durch den Schutz
Zolltarif bewirkte künstliche Berthen
eruitg aller zur Herstellung von Fer
tigwaaren benöthigten Rohstoffe und
Halbfabrikate vorhält, daß also die
Zölle ans Rohstoffe und Halbfabri
kate fallen werden müssen, damit wir
bestehen können im ausländischen
Handel, und daß wenn einmal diese
eine Hälfte unserer chinesischen
Schutzzollmatter gefallen ist, auch die
andere nicht länger sich aufrecht er
halten lassen wird das ist das Be
zeichnende der Lage, die sich gestaltet.
—Abendpost.
Leuchtkugeln.
(Aus dem Equity Farm Journal.)
Die Getreide- und Viehpreise sind
etwas besser wie sie bisher waren,
und mancher Farmer wird wohl er
warten, daß die Zeiten dauernd gut
bleiben und daß wir keine Unions
mehr brauchen. Wenn dem so wäre,
so müßte man schon auë Dankbar
keit und Anerkennung der American
Society treu bleiben, welche gewiß
ihren Theil dazu beigetragen, daß
es hinsichtlich des Marktes und der
Preise etwas besser geworden.
Wenn die Spekulanten und Spie
ler sich herbeilassen, dem Farmer
jetzt etwas mehr für das Getreide
und das Schlachtvieh zu bezahlen, so
zeigt man dadurch nicht eine Schwä
che, sondern eilte Schlauheit. Nie
mand ist mehr geneigt, nachzugeben
und sich einschläfern zu lassen, wie der
amerikanische Farmer. Der Farmer
ist kein Spieler ltttd auch kein Betrü
ger: offen und ehrlich tritt er dem
Feinde entgegen, und er hält feinen
Gegner fiir ebenso aufrichtig und ehr
lich wie er, der Farmer, selbst ist.
Diese Sache suchen die Spieler und
Wucherer mttt auszubeuten, indem sie
etwas „nachsichtiger" sind, in der
Voraussetzung, daß der Farmer nicht
weiter bestrebt ist, die Organisation,
vorab die „American Society of
Equity", auszubauen.
Wohl jedem Leser ist die Fabel
vom Raben bekannt, welcher sich ir
gendwo ein Stück Käse gestohlen
hatte. Er flog damit auf einen ho
hen Baum und traf gerade Anstal
ten, um den Leckerbissen zu verspei
sen. Da stellte sich der Fuchs ein,
der, weil er nicht auf den Vaunt klet
tern konnte, feilte List anwenden
mußte, um das Stück Käse zu erlan
gen. Er fing an, den Raben zu lo
ben und zu bewundern, und zuletzt
sagte er: „Wenn du nur recht hübsch
fingen kannst so bist du der herrlichste
Vogel." Der Rabe in seinem Dün
kel, öffnete den Schnabel, mit dem
Fuchs zu zeigen, wie schön er fingen
könne. Das Stück Käse fiel auf den
Boden, der Fuchs hatte es int Nu
und fraß es, während der Rabe das
Nachsehen hatte.
Der Farmer hat mttt keinen Käse
gestohlen, aber er sitzt, wie der Rabe,
hoch oben und hat die Produkte in sei
nem Besitz. Seine Position und Si
tuation ist eilte recht vorteilhafte,
denn die Füchse, Bullen und Bären
der Börse können ihn nicht erreichen.
Nur durch Verlockung können sie die
Farmer dieses Landes bewegen, die
Produkte aus der Hand zu geben
und ihre Stellung zu untergraben.
Die Waffe der Farmer heißt einmal
Organisation, heißt „American So
ciety of Equity." Sobald die Füchse,
welche bisher den Farmern die fetten
Brocken fortgeschnappt haben, die
Farmer bewegen können, der Orga
nisation den Rücken zu wenden, um
wieder den alten'Schlendrian zu ih
rer Richtschnur zu machen, werden es
die Farmer zu ihrem Leidwesen er
fahren, daß sie schrecklich hintergan
gen worden sind.
Die Legislatur von Kentucky pas
sirtc die sogenannte Klair-Bill, wo
nach der Tabak verbürgt und gemein
schaftlich verkauft werden darf. Die
Mitglieder der Burley Tabak-Verei
ttiguttg that dies schon seit Jahren,
jedoch wollte man, um allen Schere
reien und Trust-Eiitgriffen vorzubeu
gen, dies gesetzlich machen. Der Gou
verneur vetirte diese Vorlage, aber
die Legislaturmitglieder zeigten ihm,
daß er nicht der alleinige Mann in
Kentucky sei, und passirte die Vorlage
zum zweiten Mal mit 77 gegen 11
Stimmen.
Der Tabakkrieg hat in Kentucky
viel Staub aufgewirbelt. Der Trust,
welcher dort das Geschäft beherrschte,
das Land in Distrikte eintheilte und
jedem Zweig des Trustes sein Feld
zuwies, trieb es zu weit, als er den
Preis von ungefähr 20 auf ein Mi
nimum von ca. 4 (Setüs herunter
schraubte, so daß der Tabaksarmer
seiner Existenz so gut wie beraubt
wurde. Die American Society os
Equity griff ein und die Folge war,
daß der Trust keinen Tabak mehr be
kommen konnte, bis er den verlang
ten gerechten Preis bezahlte. Es läßt
sich denken, daß die Farmer in Ken
tucky sich auch den politischen Partei
staub'aus den Augen reiben und zur
Ml
Abwechslung mal für ihre Interessen
stimmten. Die erwählten Mitglie
der der Legislatur thaten ihre Pflicht
und Schuldigkeit, als sie ein Gesetz
über das Veto des Gouverneurs pas
firten, welches Gesetz für die Tabak
farmer ist.
Unsere Vereinigung hat von jeher
eine Stellung gegen Nahrungsmit
tel eingenommen und der Reduktion
der Spezialstener aus Oleomargatm
und Butterine opponirt. Wenn die
American Society of Equity nicht ge
gründet worden wäre, so wäre die
Opposition eine derart zersplitterte
und geschwächte, daß das Gesetz zu
Gunsten der Oleomargarin-Fabri
kanten passirt worden wäre, ohne daß
ein gewöhnlicher Farmer und
Stimmgeber davon etwas erfahren
hätte. So aber bekundete sich eine
starke Opposition, und die Regierung
nimmt Notiz von der Stellung der
organifirteit Farmer. Daß verschie
dene Größen Tausende Dollars in
Gestalt von Strafgeldern und rück?
ständiger Steuer bezahlen mußten
und manchem sogar das Zuchthaus
winkt, weil das Gesetz schmählich
übertreten wurde, ist nur gerecht und
entspricht der Jd'ee unserer Volksre
gierung. Daß die orgmtisirten Far
mer aber ihr Scherflein dazu beige
tragen haben, daß solches geschah, ge
reicht ihnen zur Ehre und verpflichtet
das Volk zu großem Dank.
Die Gegner der geplanten Kühl
speicher-Jnspektion machen geltend,
daß dies ein Eingriff in die persönli
chen Rechte sei. Es ist Thatsache, daß
die Regierung die Banken inspiziren
läßt (zum Wohle des Volkes), daß sie
die Schnapsbrennereien so gut wie
verwaltet, daß sie in den Schlacht
häusern Inspektoren anstellt, zur In
spektioit des Fleisches, und daß man
che Staatsregieruugen die Inspekto
ren auf die Farmen und in die But
ter- und Käsefabrikelt schickt aus
Grund der bestehenden Nahrungs
mittel-Gesetze.
Hat der Farmer Geld, so hat's die
ganze Welt haben aber die Makler
und Gambiers nur Geld, dann sieht
es traurig aus in den Wohnungen
der Arbeiter und auf dem Lande.
Der Makler produzirt nichts, wo
durch der allgemeine Wohlstand auch
nur um einen Cent erhöht würde. Er
kaust keine Farm-Maschitten und Ge
rätschaften, keinen Draht für Zäu
ne. keine schweren Arbeitsgeschirre
für die Pferde, keine Cream-Sepa
rotors und keine Fabrikeiurichtun
gett. Er baut keine Straßen und
Fabriken, er öffnet keine neue Gegen
den, er bezahlt wenig Steuer kurz
um, er ist eilt Parasit am sozialen
Körper. Daß er sich zwischen den
Fanner und den Arbeiter stellt, um
den einen zu betrügen und den ande
ren zu Übervortheilen, dazu gab ihm
der Himmel kein Recht.
Was ist des Deutschen Vaterland?
Von folgendem netten süd-deut
schen Idyll giebt uns die Zuschrift ei
nes Mitarbeiters Kunde: Fuhr da
jüngst der Ballon eines oberschwäbi
scheu Liiftfchiffer-Vereiits auf und
suchte nach mehrstündiger Fahrt bei
Ingolstadt zu landen. „Heda", rief
einer der Insassen, ein nord
deutscher Offizier, einigen auf dew
Felde arbeitenden Leuten zu. „Helfen
Sie mal, halten Sie das Seil fest!"
Einer der Arbeitenden schaut aus die
sen Zuruf hin empor „Dös fan Preu
ßen", sagt er gemächlich zu seilten Ge
nossen, die daraufhin ruhig weiterar
beiten, und den Ballon mit seinem
am Erdboden hin schleifenden Seil
seinem Schicksal überlassen. Darob
grimmiger Zorn in der Brust eines
anderen Insassen, eines bayerischen
Leutnant: und plötzlich ertönt eine
Stimme von oben „Oes gscheerte
Rammeln, ös saudumme, kennt's
koan boarischen Leitnannt?" Da
raushiit erneuertes Ausschauen der
Arbeitenden und plötzliches freudiges
Erkennen: „Oho, der redet deutsch
mit uns, dos is was anders. Leiterl,
packts an." Und im Nu greifen
zehn Hände nach dem Seile des Bal
lons. (Stramme bayerische Fäuste
halten ihn. Me Landung geht
„glatt" von statten. ...."
—Iowa Staats-Anzeiger."»
Achtung!—Unsere Leser in Pätz
cal, Coblenz und Umgegend in Ca
nada machen wir darauf aufmerk
sam, daß Herr Seraphim Schön
acker die Agentur für die Zeitung
dort übernommen hat und ermäch
tigt ist, Bestellungen sowie, Gelhxr
entgegenzunehmen.
Der Staats-Anzeiger.
Achtung!—Den Lesern in Sedley
und Umgegend diene zur Nachricht5,
daß Herr Joseph Mildeuberger dort
unser Agent und berechtigt ist, Be
stellungen und Gelder für den
Staats-Anzeiger entgegenzunehmen.
Die Geschäftsführung/^
Sendet Verwandten oder Freunden
walten Baterlande den StaatS-An
jeiaer auf ew Jahr. Der Preis des
Blattes in'S Ausland betrögt nur $2.00
jährlich, ganz abgesehen von der hüb
schen Prämie, welche wir verschenken
und der Frende, welche dadurch Ber
wandten und Freunden bereitet »tri

Donnerstag, den 28* Juli 1910
(Entered at the post-office at Itugby, N. I),
and admitted for transmission through the
malls at second-class rates.)

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