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Der Staats=Anzeiger. (Rugby, N.D.) 1906-current, September 08, 1910, Image 10

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10.
Wochen-Rundschau
(Fortsetzung und Schluß von Seite 1)
Belgien.
V ii i 1e1, 20. vier wurde
heute unter dem Vorfitz des belgischen
£tootsmiimters Vliniust M. Beer
naert die 10. Jnterparlamentorische
Frii'deits-Stonu'rcnz mit 800 Delega
ten aus allen Weltrichtungen eröff
net. Jn feiner Erösfnungs-Anspro
che erklärte der belgische Minister,
das die Welt ungeachtet der großen
Fortschritte in machen der Schieds
gerichte und internationalen Vermitt
lungen noch immer ein Regime des
bewaffneten Friedens anfrechterdalte.
sticht weniger als 14,()(Hi.Oi)0 Men
schen stünden selbst in Friedenszeit
Unter Waffen, was wiederum Hu so«
stt'n in .vöhe von $1 .ooo.uoo.uiiu per
Johr verursache, Es ist möglich, das
die .Uni fem V, den amerikanischen
Vorschlag, das internationale Prisen
Gericht mit den Funktionen eines
Schiedsgerichts u bekleiden, in Ve
rätzung nehmen wird.
V i s s a o n 1 S e e o
tugiesische Premier de l'iuto scheint
entschlossen zu sein, das Beispiel sei
nes ivanischen Kollegen Eanalesas 311
befolgen und einen .Sinnslift mit dem
Vatikan herauf 311 beschwören. Er
hat, wie heute bekannt geworden ist,
eine strenge Untersuchung aller reli
giösen Orden angeordnet, und zwar
besonders der fremden, die sich in an
geblich gesetzwidriger Weise in Por
tugal niedergelassen haben. Ter
Zweck seines Porgehens ist, wie die
liberalen Blätter triiimphircnd ver
künden. die massenweise Ausweisung
von Mönchen. In 2abiignl ist heute
ein Priester verhaftet worden, weil
er angeblich am letzten Sonntag bei
den Parlamentswahlen den Wählern
befohlen haben soll, für den klerika
len .Kandidaten 31t stimmen. In dent
Distrikte mns', bekanntlich eine Neu
wahl stattfinden, da die Stimmkästen
verschwunden find.
Philippinen.
a n i a 1 S e E i n A u
stand gegen die amerikanische Regie
rinuT wird aus der Provinz Nneva
Bizcaya gemeldet. Eine starke Ab
theilnng Stonftabler ist nach der
Szene des Aufruhrs gesandt wor
den und es wird stündlich ein (Gefecht
erwartet. Tie revolutionäre Bewe
gung wird von einem gewissen Si
meon Mandao, dein früheren Vkni
öerneiir der Provinz Ilocos Morte,
geleitet. Er ist schon seit längerer
Zeit.Instizflüchtling. Alle telegra
pbischeu Verbindungen nördlich von
Boyonbong find durch Zerschneiden
der Drähte zerstört worden und man
weis deshalb zur Zeit noch nicht, wie
stark der Anhang Mandao's ist. Es
wurde jedoch in Erfahrung gebracht,
das er die 1000 Einwohner zählende
Stadt Salano. im nordwestlichen
Theil der Provinz Nneva Bizcmia
und etwa 5 Meilen nördlich von
Bavonbong. befevt hält man glaubt
aber in hiesigen Anneekreifen nicht,
das es sich tun einen Ausstand in
größerem Maf ftabe handelt. Eol.
Tanlor ist der befehlshabende Cffv
zier der in Batioiiboiig stehenden
Konftobler-Truppe: er trifft Vorbe
reitungen zu einein Angriff, wäh
rend zwei weitere A hthei hingen st 011
ftobler aus anderen Richtungen auf
Solano zu ntarfchiren, mit die Bande
zu umzingeln lind entweder gefangen
3« •nehmen oder zu todten. 80Ute es
nothwendig sein, so stehen hier jeder
zeit amerikanische Truppen zur Ver
fügung. Mandao mißhandelte wäh
rend seiner Amtszeit als Gouverneur
einen (befangenen derartig, das der
Mann verstarb. Ter (bonventenr
wurde des Mordes angeklagt und zu
14 Jahren (Gefängnis vcrnrtheilt.
Er (ippellirte gegen dieses Urtheil,
lief seine Bürgschaft im Stich und
wurde flüchtig. Er wurde seit etwa
Monaten vernicht und ist erst vor
ein paar Tagen in Solano aufge
taucht. Tie Provinz Vizcaya liegt
auf der Insel Vnzoit und Bayon
bong ist deren .Hauptstadt.
Rußland.
S t. e e s 11 g, 3. Sept.
Seit dem Ausbruch der E hol era in
diesem Jahre sind in Richland 13: ,
(i()i von der furchtbaren .Stroitsheit
befallen worden nnd 4,105 gestor
ben. Tie Epidemie ist aber im
Nachlassen. In der am 27. August
zu Ende gegangenen Woche wurden
12,510
nene Erkrankungen und
(375 Todesfälle gemeldet. Nur in
Koronezh breitet die Seuche sich noch
aus, nnd erlagen ihr dort 801 Per
sonen, gegen 3»3 in der vorherge
henden Woche. Trotz des Nachlas
sens her Seuche im Toiiett-Jvhchthal
hat die Sondergefiindheitsbehörde in
Süd-Rußland, mit Prof. Rein an
der Spitze, beschlossen, die Borfichts
maßregeln noch einen Monat fortzu
setzen. Tie Bevölkerung erhält freie
ärztliche Behandlung. Tie Zahl der
Aerzte nnd der Teottifizirer, sowie
der bakteriologischen Laboratorien
"wird vermehrt. Für die Zehntansen
ben von verwaisten Mindern wird die
öffentliche Wohlthätigkeit in An
spruch genommen werden. In St.
Petersburg wurden heute 43 neue
Erkrankungen, 24 Todesfälle und
634 verdächtige Erkrankungen ge­
meldet, für die Woche 427 Kranke
und 10 Todte, gegen 435 bezw. 178
in der Porwoche. Man befürchtet,
das die Benlenpeft von Odessa nach
hier verschleppt ward, lind es find
daher nicht weniger als 200,000
Personen mit dem Todten von Rat
ten beschäftigt für jede todte Ratte
werden fünf .Siopeken. etwa drei
Eents amerikanisches (Held, bezahlt.
In Odessa sind bislang 7 Personen
an der Benlenpest, die glücklicher
weise nicht in ihrer/ schlimmsten
Form auftritt, erkrankt, 18 daran
gestorben, und 21 geheilt worden.
Tödtlich tritt die Pest in PrzHevalsk
auf nnd Hat dort 17 Opfer gefordert.
Inland.
Aus der Arbcitcriuelt.
an che ft e r, N. \\, 28. Aug.
Tie 15 Webereien der Amosfeag
(iotton Manufacturing (So. haben
Heute auf 14 Tage den Betrieb ein
gestellt, wodurch 15,000 Arbeiter
temporär beschäftigungslos gewor
den find.
i cki 11 g, Maii., 28. Aug.
Tie (Ringham-Webereien in Pars
ville werden vom 3. bis zum 12.
September geschlossen werden. Seit
dem 1. Juli wurde blos an fünf Ta
gen in der Woche gearbeitet. Wie
gesagt wird, werden noch andere
Tertil Fabriken ihren Betrieb ein
schränken.
E 0 e e, Mass.. 28. Aug.
Tie Baumwollspinnereien der Chi
copee Manufacturing (So. wurden
Heute bis zum 12. September ge
schloffen. Schon in der letzten Zeit
waren die Fabriken blos fünf Tage
während der Woche in Betrieb. 2000
Arbeiter find davon betroffen. Zu
gleicher Zeit wurde besannt gegeben,
das am 2. September die Fünfen
der Twight Manufacturing Eo. bis
zum 12. September geschlossen wer
den würden. Tort find 2500 Leute
beschäftigt.
E i 0 0, JH., 20. Aug. Tie
Namen fait sämmtlicher Mitglieder
der Illinoiser Legislatur wurden bei
der heutigen Verhandlung im
Browne Prozess zur Sprache ge
bracht und zwar in Verbindung mit
mehreren hundert ^reipäsfen, die
von der Illinois (Sentral Bahn für
die Legislatur-Mitglieder ausge
stellt worden und in die Hände des
Staatsanwalts Waynmti gefallen
waren. Es war dem letzteren übri
gens hauptsächlich darum zu thun,
im Verlaufe der Verhandlungen zu
fonftatiren, das der Angeklagte
Browne sich stets ^reipässe zu ver
schaffen lmchte, -wenn er eine Eisen
bahnfabrt zu machen hatte. Tie
Verausgabung von Freipässen ist be
fa im tl ich durch (besetz verboten und
es ist leicht möglich, das die Illinois
Central Bahn für ihre Liberalität
zur Rechenschaft gezogen werden
wird. Eine Speziell Grandjnri) wird
zusammentreten, um die von Staats
anwalt Wmmmn erhobene Anklage,
das bei dem Prozes gegen Browne
Bestechungen vorgefallen feien, zu
untersuchen. Er stellt auch die Be
schuldigung auf. das die Pullman
Eo. den Angeklagten zu schützen
sucht, indem sie das vom Staat ge
wünschte Beweismaterial zurückhält.
Es handelt iich auch in diesem Falle
um die Ausstellung von Freipässen.
Wunderbares Entkommen.
(ti e e 1 e y, (Solo., 30. Aug. Ter
Ingenieur S. L. Hoffman, welcher
in der Nähe von Wreelen, (Solo., an
einem Irrigationsprojekt arbeitet,
wurde ant Montag durch eine Tyna
mitladung dreißig FnV weit in die
Luft geschleudert. Wie durch ein
Wunder entkam er mit einigen klei
lieren Verletzungen. Tie Arbeiter,
welche zu ihm eilten in der Erwar
tung, einen verftiimemlteu .störper
zu finden, fanden den Mann betäubt,
aber im übrigen seist unverletzt. Er
hatte sich an dem Ti)iuuuit zu schaf
fen gemacht, weil die Ladung seiner
Meinung nach nicht rechtzeitig erplo
dirte.
Beim Einschmuggeln vp» Wnitre 11
erwischt.
N' e in y 0 f, 30. Aug. ^rau I.
Reynolds Adriance aus Poughkeep
sie, N. A)., obwohl bereits des Ein
schinnggelns eines Perlenhalsbands
und einer goldenen Börse und eines
Spitzeninantels beschuldigt, inns den
-'»ollbehörden nachweisen, Ivo sie an
dere Schmucksachen im Werthe von
$100,000 gekauft hat. Insgesammt
wurde bei ihrer Ankunft aus Europa
Schmucksachen im Werthe von $115,=
000. in ihrem Besitze gefunden und
beschlagnahmt. Ihre Tochter Ma
rioii hatte ein Perlenhalsband im
Werthe von $3000 im Besitze und
ihre Reifebegleiterin, Frau Motu H.
Toughti), ein drittes Perlenhals
bond. ,"ran Adriance steht vorläufig
unter $7500 Bürgschaft. Tos Per
lenhalsband der Tochter wurde in ei
nem Ledertäschchen auf der Brust
von Frauen-Inspektorinnen gefun
den. Tie Bürgschaft wurde von
Herrn Adriance durch Verpfändung
seines Wohnhauses „Eden Eourt" in
Poughkeepfie, im Werthe von $50,
000 geleistet. Tic Zollbeamten er
wischten gestern auch Albert Stura,
einen Juwelier aus Warren, Ja.,
mit etner Handtasche von billigen
Sensationelle Selbstmorde..
N e w 0 k, 30. Aug. Solo
mon I. Hirsch, ein millionenreicher
.uleiderfabrifaiit aits Ebicago, be
ging heute im Stnickerbocker Hotel
Selbstmord, indem er sich die Mehle
mit einem Rafirmeffer durchschnitt.
Eine unheilbare .Strankheit soll ihn
dazu getrieben hoben.
i a 0 o 3 0 A u
Ter Schatzmeister der verkrachten
?)ork Eoiintt) Savings Berns, Rich
mond H. Ingersott, der im Verdacht
steht, $300,000 von den Geldern der
Bank unterschlagen zu haben, machte
heute einen Selbstmordversuch. Er
durchschnitt sich die Stehle und wird
wahrscheinlich seinen Verletzungen
erliegen.
S e y v 0 e S a u s 8 0 A u
Ter 15jährige Orlen Parsons wurde
heute in einer Scheune hinter dem
Hanse seiner Eltern erhängt aufge
funden. Wie seine Mutter erklärt,
sollte er am Montag wieder die
Schule besuchen, zog es aber vor.
Selbstmord zu begehen.
Vi e to 0 f, 30. Aug. Ein
hübsches, elegant gekleidetes Mädchen
von augenscheinlich guter Familie
machte letzte Nacht im Woldon-Asto
ria Hotel einen Selbstmordversuch
durch Erschießen und liegt nun in
schwer verletztem Zustande im Flower
Hospital. Sie weigert sich hart
uäckig, ihren Namen und Adresse, so
nne dos Motiv ihrer That anzuge
ben. Sie hotte vorher olle Nomen
aus ihrer Wäsche und ihren Mleidem
geschnitten: sie vergoß indessen einen
Zettel, in welchem sie einer gewissen
Blanche ihr Herz ausschüttet. Sie
schreibt: „Es ist bedonernwerth, daß
ein U'uidchen in New ^Jorf nicht an
ständig durchkommen sann. Ich
hätte in manchen Tingen Erfolg ge
habt, wenn ich mich den Wünschen
der Männer gefügt. Sie waren ge
wohnlich gebildet, reichlich mit (Mb
versehen, aber ohne jede Moral." Es
wurde auch ein Manuskript ..Thef
solio" gefunden. Man glanlu, daß
das Mädchen ihre schriftstellerischen
Produkte nicht los werden tonnte
und da rob in Verzweiflung gerathen
ist.
Arbeit und Kapital.
S o u 1 1 1 u s O 3 1 A u e
vorragende Vertreter der „Ohio
State federation of Labor" und Be
amte der Internationalen Strichen
bahmverkschaften halten neue Bera
thungen mit Vertretern der Strichen
bahngesellfchoft dahier ob, um wo
möglich den Streif zu schließen, der
neuerdings wieder einen so bösarti
gen Ehorakter angenommen Hat.
Aber bis jetzt find diese Unterhand
Inngen fruchtlos, besonders infolge
der Haltung des Oberbetriebsleiters
der Straßenbahn, Stewart: und die
Ausfichten scheinen mich weiterhin
schwache zu fein.
Austern nnd Typhus.
N e w 0 k, 31. Aug. Tie New
porker Gestindheitsbehörben sehen
sich, weil morgen der 1. September
ist, und damit wieder die „r" und
die Alisterimioiiate beginnen, veran
laßt, das a
ii ter 111
i
eben
be Publikum
zit großer Sorgfalt zu mahnen. „Die
(Mahr von Typhnsfieber ist größer,
als gewöhnlich/' sagt Edward Hatch,
Vorsitzer des staatlichen „Water Pol
lutiou Committee", in einem War
nungsbulletin „es war eine fahr
trockene Taisou und infolge dessen
Schmucksachen, sowie Adolph G. All
gaer aus Peoria, 111.,. mit einem
Sioffer, der einen doppelten.Boden
hatte und mit Spitzen-Vorhängen,
Seidemvaaren und silbernen Tafel
bestecken angefüllt war. Tic Waa
ren wurde beschlagnahmt.
Ein „Zwischenakt" im Browne-Prv-
zeß.
(5 i a o, 511., 30. Aug. Tie
Spezial-Geschworeneii, die wie be
reits angekündigt wurde, die verschie
denen von Staatsanwalt Waynian
erhobenen Meineids Anklagen in
Verbindung mit dem Browne-Prozeß
untersuchen sollen, find Heute Vor
mittag um 10 Uhr zusammengetreten
und haben sich fofort an die Arbeit
gemacht. Staatsanwalt Wayman be
Hauptet bekanntlich, das sowohl im
ersten wie im zweiten Browne-Pro
zes links und rechts Meineide ge
schworen wurden, und da er angeb
lich Beweise in Handen hat, das diese
Meineide durch abermalige Beste
chungeu veranlagt wurden, so mag
die heute von den Großgeschworenen
begonnene Untersuchung zu recht in
teressanten Enthüllungen führen
und schließlich einen ganzen Ratten
könig von Meineids- und Beste
chnugs-Anklagen im (befolge haben.
Ter eigentliche Prozeß gegen den
Angeklagten Lee O'Neill Browne
wird hierdurch nicht beeinflußt. Tie
Vertheidigung beendete heute ihr
Zemu'iwerhör und der Staat wird
nnnerroeiit mit feinen Schlußargu
nteuten vor den Geschworenen begin
nen. Zwei Vertreter der Pullman
(So., Superintendent John (S. Pat
terson und der (teiicralomualt der
(Gesellschaft ^raitk B. Taitiels, spra
chen heute bei Staatsanwalt Way
man vor und übergaben ihm die ge
wünschten ,1-reipän'e, die für Illinoi
ser Legislatur Mitglieder ausge
stellt und zum größten Theil auch be
reits benutzt worden waren, sowie
eilte Liste* von Applikationen für
Stellungen bei der (Gesellschaft.
sind die Ströme nicht so gut ausge
schwemmt, wie gewöhnlich. Das
Publikum sollte sich daher mit den
Austern ganz besonders in Acht neh
men."
Kein Geld für Gesetzgeber?
e it ve r, (Solo., 31. Aug. Es ist
möglich, daß die Mitglieder der (So
lorodo'er Staatslegislatur, welche
hier in Ertrotaguug versammelt ist,
kein (Mit für ihre Tienfte kriegen?
Wenigstens ist im Öeneralfottös der
zeit kein Geld für diesen Zweck ver
fügbar.
Die Meineids-Nntersnchung in Chi
cago.
i a o I I I 3 1 A u i e
Spezial Grand Jury, die einberufen
worden war, die von Staatsanwalt
Woyinan erhobenen Meineids Be
fchuldigungen in Verbindung mit
dem Browne-Prozeß zu untersuchen
und eventuell Anklagen zu erheben,
fetzte heute ihre gestern begonnene
Arbeit fort. Es stellte sich beute her
aus, daß Staatsanwalt Wayman zu
nächst gegen drei Zeugen im Browne
Prozeß Mcincidsbefchuldigungen er
hebt er deutete indessen an, daß noch
weitere Aussagen von Zeugen unter
sucht werben sollen. Zunächst be
schäftigt sich die Grand Jury mit den
Aussagen von Patrick I. Steeley, ei
nes früheren städtischen Tctcftins in
Tiensten des Staatsanwalts Way
man. Steelei) Hatte auf dem Zeugen
stande ausgesagt, daß H. I. E. Becke
meyer betrunken gewesen sei, als er
das Geständnis ablegte, daß er
$ 1000 erholten Habe, weil er für
Forintes stimmte.
Tragischer Vorfall.
0 st 0 11, Mass., 31. Aug. Wäh
rend heute ^rau (SatHarine ^ogarty
mit ihren zwei Hindern, der zwei
Jahre alten Mart) ^ogarty und ih
rem Säugling im Iamaica-Park
weilte, setzte sich der Kinderwagen,
worin sich der Säugling befand,
durch das Strampeln des letzteren in
Bewegung und fuhr in den Teich des
Partes hinein. Tie Mutter setzte
Mary, die auf ihrem Schoos gesessen
hatte, auf den Boden und stürzte sich
iit's Wasser, unt den Säugling vom
Ertrinken zu retten, aber dos Was
ser war tief und die Mutter sons un
ter. Ein unbekannter Manu von
etwa 00 Jahren wollte die ,~yrau ret
ten, ertrank aber mit dieser. Ter
Säugling wurde von einem mntbi
geu Mädchen, ^rl. Martha Teilet),
die itt der Nähe im Haufe eines Arz
tes beöiettftet ist, gerettet und hatte
allen Anzeichen nach keinerlei Scha
den genommen.
Der knickerige Uncle 5(im.
W a 1) i it 0 it, 31. Aug. Es
ist von Seiten der Bundesregierung
weder für die Hinterbliebenen der
wackeren Veilte, die ihr Veben bei der
Bekämpfung der Waldbrände ein
büßten, noch für die 53 verletzten,
temporären Angestellten auch nur
das Geringste geschehen. Unter den
Gctöötctcn befinden sich viele verhei
ratbctc Vcute, deren Familien nun in
Noth gerothen und bei den Verletzten
hörte der ohnehin nicht hohe üobn,
den Onkel Saut zum Bekämpfen der
Waldbrände zahlte, von dem Augen
blick auf, als diese Vciitc nicht mehr
arbeitsfähig waren. Jetzt hoben sich
die Beamten nnd Angestellten im
hiesigen yorft Bureau der armen
Veilte erbarmt. Sie haben Gelder
unter sich gesammelt und $180 an
den Tiftrifts-Aoritbeamten Greeley
in Missoula abgeschickt, damit wenig
stens die deichen der Getödteten ih
ren Angehörigen zugesandt und die
allergrößte Noth unter den Verletz
ten beseitigt werden kann.
Maßnahmen gegen nngarische Mas
senauswanderung.
N e w 2) 0 k, 31. Aug. Die un
goriiche Regierung Hot beschlossen.
Schritte 311 ergreifen, welche der
Massenauswanderung der wüu
jcheusincrtbcii Elemente in den mitt
leren und unteren st lassen der Be
völkerung cm Ende bereiten, man ist
sich aber noch nicht recht klar, auf
welche Weife dies ant besten bewerk
stelligt werden kann. Morris (Sukor,
ein ungarischer Anwalt, der vor eini
«er Zeit vom österreichisch-nngari
schen Stonstilot in New ?Jorf als
Rechtsbeistand engagirt worden war,
ist iii Anbetracht dieser Massen-Aus
ivandcruug nach Budapest berufen
worden, um dort mit den ungarischen
Behörden 31t fonferircu und dem
Premier Grafen Hedervary Vor
schläge zu machen, wie diesem Aus
maiidcrcr-Stroni Einhalt geboten
werden könnte. Herr (Sukor erklärte
vor seiner Abreise. „Der Selbster
haltungstrieb zwingt Ungar» Mittel
und Wege zu finden, welche dazu an
gethan find, die ungarische Bevölkc
rung 311m Bleiben im iiaitde 311 ver
anlassen. Die Auswanderung von
Ungarn uach Amerika nimmt von
Jahr zu Jahr zu und zwar find es
nicht nur die besten Arbeitskräfte in
den unteren Klassen, sondern auch
der Mittelstand, der sich eine bessere
Existenz in Amerika sticht."
Die jüngste New «Norker Schmuggel-
Affaire.
New A 0 rk, 1. Sept. ftraii
Reynold L. Adriance, die Gattin des
millionenreichen Fabrikanten aus
Poughkcepsic, N. J., erschien heute
im hiesigen Zollamt und lieferte den
Beweis, daß Juwelen im Betrage
von $100,000, die man ihr bei der
Landung von Europa abgenommen
hatte, weil Verdacht vorlog, daß sie
geschmuggelt waren, hierzulande und
zwar vor ihrer Abreise nach Europa
gekauft worden waren. Die fragli
chett Juwelen wurden ihr hierauf
eingehändigt, doch wurde dos auf
$(»000 bewertbete Perlenhalsband,
das ^ratt Adriance in ihrem Hutfut
ter einzuschmuggeln versucht hotte,
zurückbehalten, da es zugestandener
maßen in Europa gekauft und bei der
Landung nicht deflarirt worden war.
^rau Adriance steht noch unter
$7500 Bürgschaft.
Der Lynchmord in Newark, O.
N e w a k, O., 2. Sept. Die
Grand Jury von Licking (Souuty
reichte heute ihren Bericht ein, in
welchem die Verantwortlichkeit für
den kürzlichen Lynchmord, dem der
Antifaloon League Spitzel Ears
Etherington zum Opfer fiel, dem da
maligen Mayor von Newark, dem
Sheriff von Licking (Souuty und dem
Polizeichef von Newark zugeschoben
werden. Alle drei haben bekanntlich
längst resignirt. Im Ganzen wur
den 58 Personen angeklagt, die an je
ner Lyncherei betheiligt gewesen sein
sollen. Hiervon wurden 25 des
Mordes im ersten Grade, 21 des
Aufruhrs, 2 wegen Meineids und 10
wegen Mißhandlung angeklagt.
Nene Bahnranb-Senfation.
(5 0 10 a 0 Spring*, (Solo.,
2. Sept. Bei einem verzweifelten
Angriff auf einen westwärts fahren
den Zug der Eolorado-Midlandbahn,
zu früher Morgenstunde 1 Meilen
westlich von Divide, wurde ein Ban
bit, dessen Persönlichkeit noch nicht
festgestellt ist, getödtet, und zwar
durch einen Stein, welchen der Loko
motivführer gratis Stewart nieder
sausen ließ, nachdem derselbe durch
einen Schuß des Räubers an einem
Bein verwundet worden mar. Zwei
junge Männer Namens Sterling
und Elias. Martin, die man ganz
nahe dem Schauplatz des Rottboiv
falls fand, wurden verhaftet nnd zu
weiterer Untersuchung festgehalten.
(Nach späterer Angabe ist es sehr
fraglich, ob die beiden letzteren Na
men richtig find.) Ter Bandit klet
terte über den Tender, als der Zug
langsam auf ein Seitengeleise fuhr,
um einem ostwärts fahrenden Zuge
zu begegnen. Als der Zug ganz zum
Halten kam, wandte sich Stewart um,
damit er seinen Heizer Paul Boch
mann sehe, da sah er den Räuber
über sich, und derselbe rief ihm und
dem Heizer zu: „Hände hoch, oder ich
blase Euch den stopf ab!" Taun
zwang der Räuber die Beiden, die
Lokomotive zu verlassen, und ließ sie
vor sich her noch dem Erpreßwaggoii
gehen. Wie Stewart erzählt, befahl
ihm der sterl, dem Erpreßagenten zu
iogen, daß der Zug angefallen, und
der Räuber entschlossen sei, dos Geld
im Erpreßwoggon zu hoben. Auch
feuerte der Räuber mehrere Schüsse
auf Passagiere ab, welche den Stopf
berausftreckten, um zu sehen, was
vorging. „Als wir 01t den Erpreß
wogen kamen," erzählte Stewart
weiter, „huschte mein Heizer unter
den Waggon und kroch auf der ande
ren Seite wieder heraus. Ter Räu
ber versteckte sich unter den Waggon,
unt auf den Heizer zu schießen,—nnd
sowie er die Augen von mir abwand
te, schlug ich ihn mit aller Wucht mit
einem Stein, den ich beim Absprin
gen vom Tender aufgelesen hotte. Er
wirbelte herum und schoß auf mich,
und die Stugel traf mich in das eine
Bein. Aber ich glaube, mein Schlag
gab ihm den Rest: denn er rührte sich
nie wieder, als der Stein ihn ge
troffen hatte. Jch mich dann ohn
mächtig geworden fein: als ich wieder
zu mir kam, stauben der Schaffner,
der Erpreßogent und eine Gruppe
erregter Passagiere unt mich herum."
Tie übrigen Zugbediensteten ergrif
fen, als sie dos feuern hörten, Waf
fen und rannten nach dem vorderen
Ende des Zuges. Stewart erhielt
sogleich ärztliche Hilfe und wurde
nach Colorado Springs gebracht:
fein Zustand ist nicht bedenklich. Sehr
bald nach deut Auf all durchsuchte der
Sheriff, von Puhl, mit einem Aufge
bot die nächste Umgebung: dabei
murium jene jnngen Männer, an
scheinend Brüder, festgenommen. Ter
Eine, welcher durch eine Stugelwuude
im Stopf betäubt war, ist ein parolir
ter Häftling der staatlichen Besse
rungsanstalt. Beide behaupten, sie
feien nur als „blinde Passagiere"
mitgereist. Ter todte Räuber trug
eine Maske aus Zeug und einen, um
den Hals geschlungenen „Gunny
Sack": er war mit zwei wohlfeilen
Revolvern bewaffnet. Es wird be
hauptet, daß er mit schwedischem Ak
zent gesprochen habe.
Eol. Roosevelt in Kansas City.
S a n s a 5 S i y S a n s 1 S e
Theodore Roosevelt traf heute Vor?
mittag um 11 Uhr am hiesigen
Bahnhof eilt nnd begab sich sofort
nach dent Huron Place, wo er seine
Rede hielt. Seine Zuhörerschaft bc
stand zum größten Theil aus Arbei
tern und Roosevelt's Rede befaßte sich
denn auch ausschließlich mit Arbeiter
Angelegenheiten. Der Redner er
klärte, er indossirc von ganzem Her
zen den in der Platform der republi­
kanischen Staatskonvention in Kan
sas empfohlenen Erlaß eijieë Bun
deSgefctzeS zur Stompenfation von
Arbeitern bei Unfällen im Dienst
oder bei der Arbeit. Jedesmal,
wenn die Regierung sich veranlaßt
ficht, die Zustände in Korporationen
und Unternehmungen, wie man sie
auch in hiesiger Stadt vorfindet, 31t
untersuchen, erklärt der Arbeitgeber
dem Arbeiter, daß die Versuche der
Regierung, eine Stontrolle über die
.Korporation auszuüben, 31t einer Re
duktion der Löhne führen müssen, so
bald sie Erfolg hat. „Dem ist indes
sen nicht so," fuhr Herr Roosevelt
fort, „die Regierung ist nur bestrebt,
die Arbeitsverhältnisse und Bedin
gungen der Angestellten aufsubei*
fern. Es sollte bei Todesfällen oder
Verletzungen von Arbeitern iit irgend
einer Jndustrie nicht den Gerichten
überlassen bleiben, ob die Betreffen
de, ober dessen Angehörige 31t einer
Entschädigung berechtigt sind oder
nicht. Tiefe Angelegenheit sollte viel
mehr ein für allemal durch einschlä
gige Gesetze genau definirt fein. Es
ist im höchsten Grade ungerecht, wenn
ein bei einer Bahn angestellter
Mann, der einen Arm oder ein Bein
verliert, den gotten Verlust tragen
soll, indent er für den Rest feines Le
bens als Striippcl herumläuft, wäh
rend die Bahitgesellfchaft sich nicht
mehr um den Mann kümmert und
nichts bezahlt. Es sollte gor keine
Frage, wen die Verantwortlichkeit
für den Unfall trifft, aufgeworfen
werden, sondern es sollten Gesetze ex
istircit, welche dem Verletzten und im
Todesfalle den Angehörigen ohne
Weiteres eine entsprechende Entschä
digung garatttiren und es sollte mit
zu den Pflichten der Regierung ge
hören, Darauf zu achten, daß diese
Gesetze strikt durchgeführt werden."
Befürchtungen waren grundlos.
N e w 0 k, 2. Sept. Wegen ei
ner ernsten Erkrankung auf dem Cu
nard-Tampfer Lufitania und wegen
eines Todesfalles auf dem Tampfer
San Giovanni während der yat)rt
von Neapel und Palermo nach New
Hort wurden diese beiden Schiffe bei
ihrer Ankunft in New Hort am Don
nerstagabend an der Ouarantänesta
tiott detinirt, und am ^reitagmor
gen wurden sie mehrere Stunden
lang aufgehalten, während die Aerz
te eine gründliche Untersuchung bei
der Schiffe vornahmen. Die Unter
suchung auf der Lufitania wurde zu
erst beudet. Tie Gefundheitsbehörden
überzeugten sich, daß keine Gefahr
vorhanden fei, daß die Cholera durch
dos Schiff eingeschleppt würde, und
kurz noch 0 Uhr vormittags ordnete
der Gesundheitsbeanite Tötn au, das
Schiff aus der Ouarantäue zu ent
lassen. Seit dein Auftauchen der
Cholera auf dem europäischen Konti
nent haben die amerikanischen Ge
stiudheitsbeomten außerordentliche
Maßregeln getroffen, um die Ein
schleppung der Seuche, besonders
über New Horf, zu verhüten.
Die Äleidermacher in New ?)orf blie
ben siegreich.
N e w A) 0 k, 3. Sept. Der
Streif der New Aorker Stleiderma
eher, eine der größten Industriestö
rungeii, die die Geschichte der anten
konischen Arbeiterschaft kennt, kam
am Freitagabend zu Ende. Jnfolge
des Ausstandes hotten 70,000 Arbei
ter feit neun Wochen gefeiert, die jetzt
rasch wieder die Arbeit aufnehmen
werden. Etwa zehntausend der Strei
kenden mit ihren Familien, im gebt
zeit rund 50,000 Personen, waren
iii's tiefste Elend gerathen, und Tau
sende waren im Begriff, auf die
Straßen gefetzt zu werden wegen
Nichtbezahlung der Miethe. Der fi
nanzielle Verlust für beide Theile,
Arbeiter, und Arbeitgeber, geht hoch
in die Millionen. An Löhnen allein
gingen mindestens zehn Millionen
Dollars verloren der Verlust für
die Fabrikanten, die Zwischen- und
Detailhändler im galten Lande wird
sich etwa auf das .zehnfache dieser
Summe belaufen. Trotzdem solch
enorme Jnterefsen auf dem Spiele
standen, verlief der Streif auffallend
ruhig, abgesehen von einigen kleine
reu Ruhestörungen, und einem von
Richter Goss vom staatlichen Oberge
richt von New Horf erloffenen Ein
haltsbefehl, der jeden Streik, der 3um
Zwecke der Durchsetzung des Priu
zips des „Closed Shop" angebahnt
werde, als eine Beschränkung des
Gewerbes und deshalb ungesetzlich
bezeichnete.
fünfmonatlicher Streik beendet.
i 0 0, 3. Sept. Nach einer
Stonfereuz in Chicago, Jll., zwischen
Vertretern der Stohleubergleute in
Illionis und den Grubenbesitzern,
welche bis Samstag früh dauerte,
wurde bekannt gegeben, daß die Dif
ferenzen beigelegt worden sind. Die
Stohleubergleute erhalten die meisten
Forderungen zugestanden, welche sie
aufgestellt haben. Die Grubenbesi
tzer verpflichten sich, die Lohnskala zu
gewähren, welche von der Peoria
Sioitferenz festgesetzt wurde. Dies
Uebereinkommen muß zwar noch von
der Vereinigung der Grubenbesitzer
in Plenarsitzung ratifizirt werden,
aber es heißt, daß dies eine reine
Formalität ist. Damit kommt ein
Streik zu Ende, welcher nunmehr Be
reits fünf Monate gedauert Hat.

Portugal.
Der Browne Prozeß.
Ter Staats-Anzeiger, R»gby, R. D., den 8. Sept. 1910.

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