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Der Staats=Anzeiger. (Rugby, N.D.) 1906-current, September 22, 1910, Image 1

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S. Jahrgang
Wochen-Rundschau
AnSland.
Deutschland.
a s a 1 2 S e e
am Mittwoch gemeldete Porfall von
Schloß Friedberg, dem gegenwcirti
geil Aufenthaltsort der Zarenfamilie,
hat sich als völlig harmlos anfge
klärt. Von einem anarchistischen
Anschlag auf den russischen Kaiser
Ibiiti dar nach keine Rede sein. Es
jvaren in der That zwei Offiziere des
88. Infanterie-Regiments, welche die
Bnrg besichtigten. Tie waren im Be
sitz von Erlaubnißkarten und konn
ten deshalb-unbehelligt umhergehen.
Alles Uebrige der anfänglichen Sen
sationsmeldung war die Ausgeburt
einer allzu üppigen Phantasie. Der
Besuch der Zarenfamilie in Fried
berg bereitet der hessischen und der
deutschet! Polizei überhaupt große
Sorgen. Fast täglich erfolgen Ver
Haftungen und Ausweisungen von
vollständig harmlosen Personen, die
stir Nihilisten gehalten werden. Der
.Zar wagt sich, seit seiner Fahrt im
offenen Automobil nach Bad Neu
heim, nicht mehr unter das Volk,
und seine Gemahlin ist mit dem Za
rewitsch seit der Ankunft nicht mehr
außerhalb des Schlosses gesehen wor
den.
e i n 1 2 S e i e U e e r
schwemmnngen, die in Schlesien durch
tagelange, wolkenbrnchartige Regen
güsse verursacht worden sind, haben
sich zu einer Katastrophe ansgewach
fett. Alle Flüsse und Ströme der
Orovinz sind ans ihren Ufern getre
ten und riesige Gebiete stehen unter
Wasser. Die Ernte ist überall voll
ständig vernichtet und zum größten
Theile fortgerissen worden. Ant
schwersten hat die (Grafschaft Glatz ge
litten. Es ereignen sich dort Datirnv
briiche, und die tosenden Fluten
jvälzten sich, Alles in iheiii Pfade ver
nichtend, durch das Thal. Dutzende
von Häusern wurden von ihren Fun
damente:: gerissen und viele andere so
jfrhwer beschädigt, das sie jeden Au
genblick einstürzen können. Der an
gerichtete Schadet! ist enorm, uud es
find viele Menschenleben verloren ge
gangen, doch läßt sich die Zahl der
Opfer noch nicht annäbrend genau
feststellen.
e Ii tt, 12. Sept. Das Auftre
ten der Cholera an weit von einander
entfernten Orten Deutschlands hat
das ganze Reich in Bestürzung ver
setzt und die Aufregung ist größer,
als sie bei dein vermeintlichen Auf
treten der Seuche hier in Berlin war.
Hamburg befindet sich ant Rande ei
tler Panik, denn nach der gestrigen
Erkrankung eines dortigen Schiffers
bt Freiburg an der Elbe find in der
Hansaftabt selbst drei Cholerafälle
entdeckt worden. Die Einschleppnng
der Meinte erfolgte, wie bereits fest
gestellt ist, durch ein russisches Schiff.
Die drei Erkrankten und alle Perso
nen, die mit ihnen in Beriihntitg ka
men. find ifolirt und die Behörden
haben drakonische Maßregeln ergrif
feit, mit die weitere Ausbreitung der
Seuche zu verhindern.
e 1 i it, lit. Sept. Auf dent der
Firma Mnipp in Essen gehörenden
Schießplatz der Hüttenwerke Tanger
Hütte im Stendaler Mreife hat sich bei
einem Schießversuch ein schwere* litt
glück ereignet, das zwei Menschenle
ben gekostet hat und möglicherweise
noch mehr Opfer fordern wird, da
noch drei Personen schwer, wenn nicht
tödtlich verletzt wurden. Ein neues
Schnellfeuergefchütz war beim Probe
schießen vorzeitig losgegangen. Zivei
Monteure, die um das Geschütz be
schäftigt waren, wurden auf der
Stelle getödtet, drei andere so schwer
verletzt, daß an ihrem Aufkommen
gezweifelt wird.
S u a I i i S e e
Minister des Innern Delbrück sprach
hier heute itt einer öffentlichen Ver
sammlung über die Fleiichnotb und
warnte vor der Einfuhr gefrorqjten
amerikanischen Fleisches. Er sprach
gegen amerikanisches Fleisch nicht
nur vom gesundheitlichen Stattd
Mmkte, sondern meinte auch, daß die
Einfuhr die Vermehrung des deut
schet! Piehstandes verlangsamen
würde. Die Vermehrung des Vieh
standes hielt Herr Delbrück für das
Beste und sicherste Mittel zur Abstel
hing der gegenwärtigen Fleischnoth.
6t tt, 14. Sept. Ein Matrose,
4er gestern von Danzig hier eintraf,
Prkrankte heute an der Cholera und
Wurde sofort nach dem ^solir-Hospi
Hfll geschafft. Es wird eine bakterio
Wgifche Untersuchung vorgenommen.
Baden-Bade n, 14. Sept.
Graf Zeppelin scheint vom Mißge­
schick verfolgt zu sein. Heute ist wie
der eines seiner Luftschiffe uud zwar
das neueste und beste, der „3 0." ei
ner Erplosion zum Opfer gefallen.
„3 G." wurde zu regelmäßigen Luft
fahrten mit Passagieren benutzt und
hatte diese Fahrten zwischen Baden
Baden und Straßburg seit bett letz
ten 14 Tagen ohne jeden Unfall zu
rückgelegt. Das Luftschiff stieg heute
Vormittag gegen 11 Uhr mit 10 Pas
sagieren von hier auf, um nach Heil
bronn, einer Zwischenstation, zu flic
gen. Auf dem Wege dorthin geriete
der hintere Motor außer Ordnung.
Alle Versuche, den Schaden während
der Fahrt auszubessern, mißlangen
und es wurde deshalb beschlossen,
umzukehren und nach Baden-Baden
zurückzufliegen. Dies gelang auch
ohne weiteren Unfall die Passagiere
wurden gelandet tiitb Anstalten ge
troffen, den Ballon im Schuppen un
terzubringen, woselbst die Reparatur
ernt leichtesten vorgenommen werden
konnte. Das Luftschiff war schon
nahezu ganz itt den Schuppen einge
fahren, als plötzlich ein Benzinbehäl
ter erplodirte. Im gleichen Augen
blick stand das ganze Luftfchiff in
Flammen und die Mannschaft halte
saunt Zeit, sich durch Abspringen zu
retten. Ehe irgend ein Löfchnersuch
gemacht werden konnte, war alles
Brennbare an dem Ballon vernichtet
und nur das Aluminium-Gerippe
übrig geblieben. Die Flammen
theilten sich of ort dem hölzernen
Schuppen mit, der in wenigen Mi
nuten gleichfalls itt Asche verwandelt
wurde. Drei Arbeiter, die sich zur
Zeit der Erplosion in der Gondel be
fanden, wurden schwer verletzt, doch
werden sie mit dem Leben davonkom
men.
e i n 1 4 S e a
gebenden militärischen Kreisen be
schäftigt man sich auf das lebhafteste
mit dem Fazit der soeben beendeten
Maisermanöver, welche ,im Gelände
östlich von der Weichsel bis zur Pas
sarge zwischen dem ersten und sieb
zehnten Armeekorps stattfanden.
Nach deut Urtheil der Schiedsrichter,
an deren Spitze der Maiier selbst
stand, hat die neue graue Felduui
foritt die Probe glänzend bestanden.
Die Truppen waren bis cms kurze
Entfernung nicht erkennbar, und
zahlreiche Erfolge, welche in den
kämpfen, die Tag und
x.Ulacht
hin
fort­
dauerten, erzielt wurden, waren auf
diesen Umstand zurückzuführen. Die
Scheinstellungen täuschten sogar die
Luftschiffe, die sich sonst, zumal beim
Beginn des Gefechts, vortrefflich be
währt hatten.
i tt, 11. Sept. Bezüglich
der bevorstehenden Zusammenkunft
des.Staffers Wilhelm mit dem Zaren
liegt heute eine offiziöse
Muttdgebuug
vor. Es wird die Mittheilung ge
macht, daß der
Maiier
die Nauheimer
Mitr der Zarin nicht zu stören wün
sche und daher das Zarenpaar erst
um die Mitte des Monats Oktober
besuchen wolle, zu welcher Zeit es im
großherzoglichen Jagdschloß Wolfs
garten weilt. Damit wird die frü
here Meldung bestätigt, daß der
Mai-
fer mit Rücksicht auf den schonungs
bedürftigen Zustand der Zarin nicht
nach Schloß Friede
rg kommen
werde.
e i n 1 5 S e i e e w e
gung gegen die Fleifchtbeuerung und
die Aufrechterhaltung der Schranken
gegen die Zulassung von fremdländi
schem Fleisch ist itt stetigem Wachsen
begriffen. Heute empfing der preu
ßische Laudwirtschafts Minister,
Freiherr v. Schorlemer. eine Abord
mum des Rationalen Fleischer-Ver
bandes, welche eine Denkschrift über
reichte, itt der die Milderung der
Fleifchnoth verlangt wurde. Der Mi
nister erwiderte, er erkenne die be
deutliche Höhe der Viehpreise und
den Ernst der Situation im ganzen
Lande vollkommen an. Bald werde
er schriftlich und ausführlich auf die
in der Denkschrift enthaltenen Darle
gungen antworten. Die Oeffmtng
der Grenzen fei aber vorläufig un
möglich. Sie würde auch dem Uebel
nicht abhelfen. Denn die Rachbar
länder, besondere* Oesterreich, hätten
ebenso mit Fleiichnotb zu kämpfen.
o in tt g, 10. Sept. Die
„Hamburg Amcrifa=Liitie" macht of
fiziell bekannt, daß sie die Zwischen
decks-Rate cms ihren Dampfern nach
New i'Jorf
den Betrag von zehn
Mark vermindert habe.
e 1 i tt, 17. Sept. Nach einer
der Berliner „Morgenpost" ans
Fünfkirchen, der Hauptstadt des un
garischen Motilität* Baranoa zuge
gangenen Privatnachricht, soll aus
der Bahnstrecke, die der Sonderzug
auf dem der deutsche Maiser sich un
terwegs befand, mit einer Iagdeiula-
ditng des österreichischen Maiserhauses
zu folgen, pstffirett sollte, eine Bombe
von beträchtlicher Größe gesunden
worden feilt, die indessen entdeckt
wurde, ehe sie Schaden einrichten
konnte. Der Maiser war im Begriff,
sich nach dem itt der Nähe von Mo
itaez gelegenen Jagdschloß zu bege
ben.
Oesterreich-Ungarn.
W i e n 1 3 S e e e n E n e
der Woche beginnen die deutsch-tsche
chischen Verständigttngs-Monserenzen,
von deren Erfolg vorzugsweise die
Möglichkeit einer Flottmachnng des
böhmischen Landtags abhängig sein
werden. Die Iungtschechen und die
tschechischen Radikalen sind zur Theil
nahme an den Verhandlungen be
reit. Die Aussichten aus eine Ver
ständigung, die nach den vergebli
chen Bemühungen der Regierung
höchst schwach erschienen haben sich
durch die Bereitwilligkeit der genann
ten Parteien einigermaßen gebessert.
n a e st, 13. Sept. Die auch
in Oesterreich-Ungarn austretende
Cholera wird möglicherweise die Ver
aulassung dazu werden, daß das
Programm für den bevorstehenden
Besuch Maifer Wilhelms bei Maifer
Franz Joseph bezw. bei Erzherzog
Friedrich aus dessen Jagdschloß Bell
ye eine wesentliche Aenderung er
fährt. vttt Motilität Baranya, dessen
berühmte jagdgründe das Revier für
den kaiserlichen Gast bilden sollten,
ist ein Choleraherd aufgedeckt wor
den. Man fürchtet, daß dieser Um
stand dazu führen wird, daß der
jagdbesuch überhaupt abgesagt wird.
Rußland.
S e e s u 1 0 S e
Eitlem Bericht der gittern. Rothe
Mreuz-Gefellfchaft itt Genf zufolge,
hat die Cholera in diesem Jahre itt
Europa bereits 105,000 Menschen
dahingerafft. Hiervon entfallen cms
Rußland allein 103,000 Personen
der Rest verstarb in Italien, Ungarn,
Galizien. Oesterreich. Deutschland,
Holland und Belgien. In Rußland
dehnt sie sich über ein stetig größer
werdendes Gebiet aus und ist jetzt be
reitsan der Provinz Amur im füdli
chen Theil von Sibirien angelangt.
Sobald sie den Aitiurfluß überschrei
tet, wird sie in der Mandschurei auf
treten. jm Ganzen kamen bis zum
0. September iitcl. 193,327 Erkran
kungen und 09,987 Todesfälle zur
Anmeldung. Hierzu find noch die
Todesfälle und Erkrankungen vom
10. bis Ii». September ittei. mitzu
rechnen. Die Erkrankungen beliefen
sich während dieser letzten Woche auf
7559 Personen, während 3757 ver
starben.
o n o u, 14. Sept. Der Mord
Prozeß gegen Dr. H. H. Crippen, den
von Canada zurückgebrachten angeb
lichen Fraiieitniördcr, wurde heute
fortgefetzt und, wie es scheint, sind die
Aussichten, den Angestellten zu über
führen, gering. Dem Vertheidiger
Erippens, Anwalt Arthur Newton,
gelang es int renzner hör, den Re
giernngs-Analytiker Dr. Pepper zu
dem Zugeständnis} zu zwingen, daß
es schlechterdings unmöglich sei. mit
Sicherheit festzustellen, ob die im
Meiler des Crippen'schen Hauses ge
fundenen Leichenteile von einem
Manne oder einer Frau herrührten.
Die Leichenteile, welche angeblich die
Ueberreste der verschwundenen Frau
Belle Elmore Crippen darstellten,
hätten sich in einem so vorgeschritte
nen Stadium der Zersetzung befuii
den, daß der anatomischen Unterm
cht tug kein Anhaltspunkt geblieben
wäre. Dr. Crippen war bei der heu
tigen Verhandlung viel felbstbetvuß
ter und ruhiger, als cm den früheren
Verhandlungstagen. Er hörte den
Zeugen mit größter Aufmerksamkeit
zn. machte Notizen und flüsterte fei
nem Anwalt, als dieser das Mreuz
verhör begann, verschiedene Punkte,
die ihm aufgefallen waren, zu. Ethel
Leiieve dagegen erschien sehr bedrückt
und war, als der Regiernngs-Sach
verständige die grausigen Leichenthei
le produzirte. luehreremale ans dein
Punkte, in Ohnmacht zu sallen.
Das Zerschneiden der Leiche und das
Loslösen der Mnocheu, von denen bis
jetzt kein einziger gesunden wurde,
war nach der festen Ueberzeugung
von Dr. Pepper von fachkundiger
Hand, also von einem Manne vorge
nommen, der Anatomie versteht.
Dem Zustande der Verwesung nach
zn urtheilen, waren die Leichenteile
vor nicht mehr als 8 und nicht weni
ger als 5 Monate verscharrt worden.
o Ii i» o n, 1 (. Sept. Bei der
heutigen Verhandlung im Crippen
Prozeß war der Zudraug des Pitbli
fimts womöglich noch größer, als an
Stugby, Rord-Datota, Donnerstag den 22» September 1910«
i
I
den vorhergehenden Tagen. Das
grauenhafte „corpus delicti", die
halb verwesten Leichenteile, die auch
bei der heutigen Verhandlungen eine
wesentliche Rolle spielten, schienen
nichts Abschreckendes für die Leute zu
haben, und es mußten mehr als 2,
000 Personen abgewiesen werden, da
kein Platz im Gerichtssaal vorhan
den war. Die Krone rief zunächst ei
nige Aerzte auf, welche die Aussagen
von Professor Augustus I. Pepper
am Mittwoch bestätigten. Sie alle
sagten übereinstimmend ans, daß der
jenige, welcher die vorgefundene
Leiche zerstückelte, gute Meitutniß von
Anatomie haben muß. Der Haupt
zeuge war jedoch Heute Dr. Win.
Henri) Wilcox, welcher beschwor, daß
die Person deren Leiche in dem Mel
ier des Crippen'schen Hauses vergra
ben word war, vergiftet worden sei.
Er habe feine andere Todesursache
finden können. Das hierbei verwen
dete Gift sei Hyoscin gewesen, ein
absolut töMliches Gift, gegen das die
Heilkunde kein Gegengift kenne. Ein
halbes Grau genüge, nut den Tod ei
nes Menschen innerhalb einer Stun
de herbeizuführen.
Spanien.
ab rib, 14. Sept. Graf Ro
man om% Präsident der spanischen
Cortes, erklärte heute in einem jti
teruiew, daß die Politik des Pre
liiiers Caualeja der Regierung täg
lich neue Anhänger gewinne, da das
Volk eingesehen habe, daß der Pre
mier für die besten Interessen des
Landes thätig ist. Der Mampf rich
te sich nicht gegen den Matolizismus,
sondern gegen den Mterns, der Jahr
hunderte laug jeden Fortschritt itt
Spanien mit ei ferner Fattft nieder
drückte. die Entwickelung von Handel
und Industrien hemmte und sich in
das ganze geistige und materielle Le
ben Spaniens mische.
i s s a o tt, I
I. Sept Das
große ^estiitett'Mloster in Aldeia
Poitte ist durch ein Dekret der Regie
rung geschlossen und die Jesuiten sind
des Landes verwiesen worden. Es
wird ihnen durch das Dekret mit Ver
haftung gedroht, falls sie ohne Er
laubniß der Regierung nach Portu
gal zurückkehren sollte«.
Italien.
o in, 15. Sept. Ein hiesiges
Abendblatt bringt die Meldung, daß
Papst Pius plötzlich ernstlich erkrankt
1 sei. o,itt Vatikan ist jedoch keine Be
stätigung dieses Berichtes zu erlaiv
5 gen und dasselbe findet wenig bUau
i bat.
I Buiibcegcfcti für Ehescheidungen eiiv
i pfohlcn.
W a s i o 1 2 S e W i e
jetzt bekannt wird, ist eine Bewegung
I im Gange, alle die verschiedenen.
I
nieist seltsamen und wunderlichen
Ebescheidungsgeseve der Eiitzelstaa
tett aufzuheben und statt derselben
neue Bundesgesetze zn schassen, welche
diese hochwichtige Frage für das ge
ianimte Gebiet der Ver. Staaten re
gelu. Und diese Bewegung, welcher
die Unterstützung einer großen An
zahl von Biindesfeiiatoreii und Re
präsentanten zuteil wird, hat bereits
solchen Umfang angenommen, daß
das Inkrafttreten nationaler Ehe
icheidungsgesetze schon bald für den
ganzen Staatenbund erfolgen dürfte.
Furchtbare Eifersiichts-Tragiidie.
A e e e n 5 1 2 S e
Der 20jährige yai) Harbinfon erschoß
gestern den jungen Zahnarzt Dr.
Boyd Clinite, dessen Braut Frl.
Adele Mifer und machte dann feinem
eigenen Leben durch einen Schuß in
den Mund ein Ende. Harbinfon war
mit dem Mädchen verlobt gewesen
und hatte sowohl diese wie auch den
Zahnarzt gewarnt. Als gestern Abend
der letztere das Haus des Mädchens
verließ, wurde er Von einer Mugel zu
Boden gestreckt. Harbinson drang
I bann in das Haus und erschoß so
wohl das Mädchen wie sich selbst.
llebcriuältigenber Sieg der Demo
traten.
o 11 a it d, Me., 13. Sept.
Weitere Nachrichten von den Wahlen
in Maine beweisen, daß der Sieg der
Demokraten über die Republikaner
ein überwältigender ist. Die Demo
kraten erwählten nicht nur Frederick
W. Plciisteö von Augusta mit 8500
Stimmen Pluralität über Bert M.
Fernald von Portland zum Gottver
iteur, wählten Mongreßabgeordnete
im zweiten und dritten Distrikt und
erlangten eine sichere Majorität in
der Legislatur, sondern erwählten
n?.cmer.
auch ihre Maitdidateit für Couiity
äititer itt dreizehn aits sechszehn
Counties. Da die Demokraten jetzt
die Legislatur fontrollireti, werden
sie einen Bundessenator erwählen
und mehrere wichtige Sterntsämter
besetzen, und Gouverneur Plaisteö
hat das Recht, verschiedene Richter
und Mitglieder von Mommissioiteit
aus den Reihen feiner politischen An
hänger zu ernennen. Der Staat
Maine war feit 30 fahren absolut
republikanisch. Er hatte in dieser
Periode stets eine republikanische
Staatsverwaltung, eine republikani
sche Legislatur und entsandte regel
mäßig vier Republikaner in den Mon
greß. Selbstverständlich waren auch
beide Senatoren Republikaner.
Sensationelle Verhaftung.
i a o 1 4 S e e o e W
Fitzgerald, der frühere Maffirer des
hiesigen Unterfchatzamtes, wurde heu
te wegen Diebstahls von $173,000
aus den Gewölben des Schatzamtes
verhaftet. Das Geld wird schon seit
einer Reihe von fahren vermißt, und
obschon eine ganze Armee von Bun
desgeheimpolizisten aufgeboten wor
den war. wollte es nicht gelingen,
den Dieb zu fasten. Fitzgerald stand
allerdings von vorneherein in Ver
dacht. Cr milrde verschiedenen schar
fen Verhören unterworfen und der
Unterschatzmeister Witt. Boldemvetf
ließ ihn monatelang durch Detektivs
beobachten und auf Schritt und Tritt
verfolgen es war aber alles verge
bens. Vor etwa zwei fahren nahm
eine andere Detektiv Agentur die
Untersuchung auf. Sie sammelte eine
Menge Beiveismaterial, wonach Fitz
gerald über ein Vermögen verfügte,
ohne augeben zu können, woher fein
Reichthum stamme. Fitzgerald wurde
daraufhin auch wirklich verhaftet
er konnte aber nachweisen, daß er
durch mehrere glückliche Spekulatio
nen größere Summen gewonnen
hatte und der Bundesdistriktanwalt
sand die übrigen Beweise so schwach
und hinfällig, daß Fitzgerald wieder
aus der Haft entlassen werden mußte.
Seine heutige Verhaftung auf die
alte Anklage hin hat eine förmliche
Sensation erregt.
Gegen die Lebensmittel-Wucherer.
a n s a s i y o 1 5 S e
Virgil Conkling, der öffentliche An
kläger in diesem Count, hat im hie
sigen .Preisgericht eine Mlage einge
reicht, itt welcher die permanente
Auslösung der Manias Citit Fruit
and Produce Erchange verlangt wird
uud durch welche alle zu dieser Börse
gehörenden Prodiifteuhändler ver
hindert werden sollen, behufs Fest
setzung der Preise für verschiedene
Lebensmittel Mombiuatioueit einzu
gehen. Die Beschwerden über die
Manipulationen der hiesigen Prodttf
ten-Börse datiren schon seit dem ^.ah
re 1907 es wurden auch schon ver
schiedene Versuche gemacht, diesen Le
bensmittel-Trust zu vernichten, doch
ist dies bis jetzt nicht gelungen. Die
Beklagten, unter denen sich auch Ar
mour & Co. und Swift & Co. be
finden, werden beschuldigt, die Preise
für Hühner, Eier, Butter und an
dere Nahrungsmittel hochgeschraubt
und alle Monfurreiiz vernichtet zu
haben.
Ungünstige Handels Bilanz.
W a i i tt o tt. 15. Sept. Die
Handels Bilanz, welche feit den letz
ten 35
x\abreit
stets zu Gunsten der
Ver. Staaten war, indem der Werth
der Ausfuhr stets den Werth der Ein
fuhr nicht unbedeutend überstieg, hat
sich gewendet. Eine Abnahme des
Ervorts gegenüber dem Import war
bereits seit den letzten 12 Monaten
zu verzeichnen, aber erst int Monat
August war der Werth der Einfuhr
um $3,503,425 höher als die Aus
fuhr.
Sieht sich gezwungen, einzulenken.
e v e 1 n, Mass., 15. Sept.
Präsident Taft ist entschlossen einen
neuen Versuch zu machen, um zwi
scheu den progressiven und den regn
läreit Republikanern das gestörte
Einvernehmen wieder herzustellen.
Wie beute bekannt gegeben, hat er zu
diesem Zwecke von seinem Privatsekre
tär ein persönliches Schreiben ait ei
nen ihm befreundeten republikani
schen Politiker itt ^oiua richten las
sen, mit dem stillschweigenden Ein
vernehmen. daß dieses Schreiben die
weitmöglichste Veröffentlichung sin
den solle, ^tt dem Briefe ist unter
Anderem betont, daß der Präsident
entschlossen fei, den zu den Insurgen
ten zählenden Repräsentanten und
Senatoren den ihnen entzogenen
Theil der Bundespatronage in voll
stem Maße zurück zu erstatten. Fer
ner taucht auf's Neue das Gerücht
auf, daß Präsident Taft anitsmüde
AbonnementS-Preise:
$1.50 da5 Jahr in den Ber. Staaten
ftadi dem Auslände
$2.00 dl 1nach Canada
$2.00 "'tkchlllnd
$2.00 (Rbl. 4) uuj/
S"civtXf
(Rur gegen Borausv.j,.
No. 9
fei und auf keinen zweiten Termin re»
fleftirc. Er fei aus den Vorgängen
der letzten Wochen zu der Ueberzeu
gung gelangt, daß Colonel Roosevelt
auf die nächste Nomination seitens
der republikanischen Partei fpefulire
und somit wie er (Taft) in Betracht
komme, werde er ihm bereitwilligst
das Feld räumen. Unter keinen Um
ständen werde er sich durch Roose
velt's Gegner in eine diesem antago
nistische Position drängen lassen, sou
dem stets eine würdevolle Zurückhai
hing beobachten, ganz gleich welche
Schritte der Colonel selbst ergreifen
sollte.
Roosevelt's Kampfrede.
N e tu $ o f, 17. Sept. Vor dem
hiesigen Preßklub, dessen Gast er ge
stem Abend war, hat Erpräsidcut
Roosevelt erklärt, daß er cut dem
Wahlkoinpf in der republikanischen
Partei itii Staate bis an's bittere
Ende teilnehmen werde. Nach einer
Berathung mit Roosevelt, der über
haupt viele Politiker empfing, er
klärte der Parteiführer Geo. Crom
well von Staten Island, daß er
Roosevelt, seilten langjährigen
Freund, bekämpfen müsse.
xsiu
re­
publikanischen Conntiiausichnß wurde
Abends ein Antrag des Bezirksfüh
reis Abraham Gruber, die Aeuße
riingeit Roosevelt* über die Utiaittast
barfeit der Richter de* Appellhofs
und de* Bundesobergerichts für ge
fährliche zu erklären, abgelehnt.
Roosevelt traf beute Nachmittag itt
Smaenfe ein, wo er auf der land
wirtschaftlichen Ausstellung von
New VJorf eine Rede über Nationa
lismus hielt. Spät Abends kehrte er
nach hier zurück.
Wird es dem Kabinett ««heimstellen.
W a i n o n, 17. Sept. Der
so bitter angefeindete Sekretär des
vtitterit. Ballinger, wird dem Cabi
net!, welches ant 20. zusammentritt,
die Entscheidung darüber anheimstel
len, ob er zurücktreten oder den Be
richt des Untersuchungsausschusses
au den Cougreß abwarten soll.
New sorter Politik macht heißes
Blut.
N e in o k. Es hat ein scharfes
schriftliches Wortgefecht zwischen
Oberst Roosevelt und William
Barnes jr. gegeben. Letzterer, be
kanntlich Führer der „Alten Garde"
und Mitglied des republikanischen
Stadtausschusses, sagt in einer öffent
lichen Erklärung „Meine politischen
Manöver, keine Aufwendung von Pa
tronage und feine persönlichen
Schmähungen sönnen iut Mindesten
die eine Maitipffrage verdunkeln,
welche in der Convention zu Sara
toga vollkommen entschieden werden
muß. Dort wird sich die Zukunft der
republikanischen Partei im Staate
New Hort auf manche
x\airre
entschei­
den Die Partei muß in ihrer Plat
form darüber entscheiden, ob sie als
die erhaltende Macht anerkannt sein
will, welche sie bisher in ihrer Ge
schichte war, oder ob sie der radikalen
Politik Rooievelts folgen und damit
die strategische Stellung verlieren
will, welche sie im Staate New Hort
viele v,abre imte gehabt hat, als die
Partei der gefunden Vernunft und
die Beichiiueriu der Industrie. Wenn
sie an ihren hergebrachten Grundsä
tzen nicht feit hält, sondern neuen
Göttern nachjagt, so wird ihr Feind
aus ihrem Fehler Vortheil ziehen.
Mein radikaler Mandidat hat damals
den Staat New ?)orf gewonnen."
Gegen den Znckertrust.
W a i i it o n, D. C., 17.
Sept. Eine Petition um Auslösung
des sogenannten Zuckertritsts wird in
nächster Woche int Bundesgericht zu
New ?)orf eingereicht werden. Dieser
Prozeß hat nichts mit den Anklagen
zu thun, welche vor einiger Zeit gegen
Angestellte des Zuckertrusts erhoben
i
vi irden wegen betrügerischer Zollatt
gaben. Generalamvalt Wietersheim
und Bundes-Diitriftsanivalt Wise
hatten ant Samstag eine .Konferenz
in New?Jork, in welcher die letzten
Vorbereitungen für den Prozeß be
sprochen wurden.
Der Präsident wollte den Zuhörern
wahrscheinlich etwas angenehmes
sagen, als er bei der Uebergabe des
den Pilgervätern errichteten Denk
mals erklärte: „Der Geist der Pilger
väter hat den Vereinigten Staaten die
höchsten JÄeale im moralischen und
politischen Leben gegeben." Ach, was
würde aus den Vereinigten Staaten
werden, wenn der Geist der Neuzeit
nicht auch ein Wort mi^usprechen
hätte!
Abonnirt auf den Staats-Anzeig«
die tonangebende deutsche Zeitnng
Nord-Dakota's.

England.
Portugal.
I Inland.

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